Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2063 (15.11.1924)
- Date
- 1924-11-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2683 Ären, Samstag Perhandluingen, S>ie der BnndeZskauzler wnü> der Mnanz- Mlnistor dmch.^«heM>R«^vtz eröffneten, - itvmde» nin 6 Uhr 80 Minutdn abends' unterbvöchen und' werden Samstag, 10 Uhr - vormittags, im Buudeska'rizkrami fortgesetzt. >- ‘ ■ ' Der BrudeNrieg beim Wimberger. Die Ritualmördcr prügeln einander. Im gelftvigen MorgenMitt berichteten lvir über die Vorfälle deiim Wi'inberger, wo eine großdeultsche Bevsmmn- Imtifl von Mtioualsozialisten so behandelt wurde, als wären es „Marxisten". Den .Krawallelc machte erst die Polizei ein Ende, indem sie 17 Schreier wegen öfserEicher GewMä>tli>Mi.t, Auflaufes und Wachribeleidignug hoppWihrn. Die Großdentschen Haiden sich Äs Saalschutz eine Abteilung der Frontkämpfer belstellt, die unter dem Kommando des Obersten Hiltl stand. Der Saalschutz erfolgte in der Weise, daß die FrimWmpfer die National-? fozial'isten, die der Parteisekretär G a t t e r m a y e r befehWe, mit Knübtelu ans dem Lokal Zn treiben versuchten. Die Erwiderung Ibestand irr Bierkriigeln. Der Schutz der Republik. Vaugoms Maschinengewehre. Das sagelMNite Bundesheer ist eine Einrichtung, die ihre Existenz keiner Notwendigkeit, sondern dem ParteimachtwWen verdankt. Bon den SoZialdMwkraten nur deshalb begründet, damit es Nicht von dien GhvistlichsioWlen geschaffen werde, wurde es nach dem Ende dar Rennerscheu Koalition ein Partoi!mstvimient der EhristlichsoZialen und bekonrnlt damit das Gepräge jener Strömungen, welche in dies«»! Lager sich vereinigen. Das 'iift den Sozialdemokraten nicht rocht und so Wettern sie jetzt gegen die Zlrmoc, deren Notwendigkeit sie seinerzeit selbst vorgobra-cht hatten. Bei der letzten Repnblilsei-er haben sie Men den „Bolkszovn" gegen das Bnndesheer mMl gemacht und es gab Beschimpfungen und Stemwü-vfe gegen die „Kavallerie", deren Orden sonst sicher unbeachtet gMieben wären. Nun tobt in den PartoiblÄttern beider Richtnngen sin heftiger Bürgerkrieg, der glücklicherweise unblutig ist. Es wäre kein Anlaß, sich mit dem non die von uns seit je alls überflüssige Pnrtelgarde ibezoichnete „Armee" a-usgebvochanen Streit zu befassen, wenn nicht der sogenannte BmvdesminisDr für das Heerwesen, der mit samt seinem Reffort schon längst dem Wbau hätte verfallen sollen, gestern amen Erlaß an seine Wchrinacht gerichtet hätte, der, gelinde gesagt, als Uebevgriff eines überflüssigen bezeichnet werden muß. Der großmächtige Kriegsmvnister beginnt, nämlich Zu drohen, denn es/heißt in feinem Erlaß: ^Ausschließlich dem musterhaften Verhalten der Kommandanten und Truppen ist es zu danken, daß die Feier vom 12. November... nicht noch, zu traurigen W c itc ru ng e n geführt hat. » Die Drohung, daß auch Wogelflinten llosgchen ikömlen, i st citiilfcrjlcbcit eine Impertinoniz, denn sie spielt in nnverautworWcher Waise mit dem Gedanken, daß die Sölduertruppe ei-mnal auf Bürger dieses Staates fchießerr köu'.iie. Herrn Bougom muß sehr deutlich oingchchärft Svertcu, daß der Besitz von acht legalen Mlalfchinengeweihren Jclnem llorprral das Amecht gibt, mit der ultima ratio zu drohen. Wiener Morgenzeitung. mm X. Favoritenstrasse 98 u. 130 V. SchÖnbrunnerstr. 105 XX. Wallensteinstrasse 16 XXI. Hauptstrasse 44 Steilige Künstlervorhänge Leinen, herrliche Dessins,- 3teilig.. . K 95 Madras, öfarbig, komplette Größe . . ... K LSS Madras, schönste Ausführung.K185 Madras, herrliche. 70 cm breite Flügel. . . K£l© Etamin-Künstler, m. 35 cm Eins. u. Posament. K148 Bagdadu. Seiden-Madras bis zur feinsten Ausführung. Sonne» femmes, Halbstores Etamin mit Klöppelmotiven.K 48 Tüll mit Einsätzen und Klöppelmotiven . . . K 65 Etamin, herrl. Ausführung, Größe 130X240 . K 95 Preise in Tausendern 449 | kqrklikol¥üm I Heute ganztägig geöffnet. Jas Reisen wird wieder teurer. 30prozentige Erhöhung der Personentarife. Amtlich wird mitgeteilt: Voraussichtlich nnt Wirksamkeit vom 1. Jänner: 1925 werden die Per Zonentarife auf den österreichischen Bundesbahnen durchschnittlich um 3 0 Prozent erhöht. Die ans der Erhöhung sich ergebenden Mchremnähmen sollen hier Deckung der Selbstkosten ntmfr jener Mindereiunahincrr dienen, die sich aus der Durchrechnung sowohl -der Personen- und Gepäckals auch der Gütertarife mit der Südbahn-mid den bundeseigenen sowie den dom Bunde gepachteten Lokalbahnen evgeben.Die neuen Fahrpreise reichen nahe an drei Viertel der Friedensparität heran. In dem Klaffenverhältnis 1:2:3 sowie «in dem Sysiein der SchneltZugszUischläge tritt eine Aendevung nicht ein. Letztere werden jedoch um ein Geringes e rh ö h t werden. Dieermäßigte u Karte n, und zwar Monatsstreckenkarten, Streckenbrrten für Arbeiter und Angestellte, ermäßigte Arbeiter-Rückfahrkarten. sowie Schüler- Bücher Mer PaMna. Bon Dr. Benjamin Sew Usiel. Jerusalem, 2. Novanvber. In der letziekl Zeit ergießt sich ein Heer von Schriftstellern und silcheu,, die. es sein wollen, über Palästina. Es hat sich wirklich viel geändert feit der Zeit, da Davis Triets ch in fchicnt Palästinahandbuch J.nden, die sich „genieren, nach Palästina zu. fahren, weil imu darüber Witze machen könne", raten 'mußte, eine Reise nach Aegypten als Borwand zu n-chrnen ... Heute ist Palästina in Mode getenuueu: man schreibt da-rülber, sehr viel und sehr subjektiv, und man reist sogar dorthin. ' Drei Bücher habe ich in den letzten- Tagen, gelesen, die säintlich das n-eue Palästina zeigen.' „Län prochaiu a Zevusa-l-em", n-nter freundlicher Beratung des seligen de •$XKtu Von den Brüdern Thar and verfaßt; „Los Äulauts de Sion", von Mirjam Harry, der Tochter eines getauften Judeir, die in der Altstadt Jerusaleniis ge- 'boren war und nun *— üa-ch langen Jahren — wieder nach beim Heiligen Land kam> u»n zu sehen, was die Zionisten dort wachten, und Cooks „Travellers H a n d b o o k f o r P a il e st i n c and Shri a", Ausgabe 1921 (!), durchgeselhe-n von Harry Charles Luke, Assistant Governor of Jeru>sa>leur. Die Bücher eius und zwei — deren Lektüre ich jedem Zi-onisteir, aber auch nur Zionisten, empfchln ka-nu, find die lypisch-en Reisebücher. Der Schriftsteller sieht im toeseu-tlichen das, was «mau ihm zeigte. Die Brüder DharanÄ sind skeptisch ttnd glauben an den baldigen Zws-annnenbrull) des Zionismus (de Haan führte sie!). Die Ghal-uiziin flößen ihnen Mitleid ein, sie betvüg-en sich sekbst und werden die Arbeit nicht aushalten; Landleute, die zur Evhok.mbg philofciphische Bücher lesen, tmpomeven ihnen nicht und flössen ihnen kein Bertranen ein. Die reichen Juden interessieren sich nicht für Palästina und deshalb wird sich nichts ui-achen lasserr. (Ti-e überempfindlichen! PMstinenfer Verschvei-en dieses Buch als autisenmtisch; das ist nicht wahr. Es ist vessonüstisch und das Recht zuan^ Pessi-misnrus muß man doch , wohl noch Schriftstellern -einväWMtz. Die Tatsachen, die angeführt werden, find einseitig, aber im großen und ganzen richtig. W.aren znmindöft vor einem Jahr richtig, als dieses Buch geschrieben wurde.) Im Gegensatz zu den Skeptikern Tha raud steht das Buch der getauften Jüdin Mirjanr Harry. Als ich es las, war ich einfach verblüfft: ihre Abstamurnug und Herkunft — M. Harry wurde in einer protestantischen Missionsschule erzogen — ließ mich herbe Kritik erlvavten, ihre fanatische Liebe für Frankreich politische Feindsoligkeit. Und statt dessen fand ich Schikdernngen Palästinas., die nicht nur von Begeisterung, sondern von geradezu fendimentaler Liebe zum jüdischen Land und den jüdifchsn Atenfchen überflosfen. Nicht eine Zeile int Buch, die von nicht jüdischen Dingen handelt; die Arabersrage, die Englänbrr, der Vatikan, das altes existiert für die Französin nicht: sie sieht nnd liebt -nur die Inden, Ghaluzün, Döl- Awiw, Horra. Das stille Gebet des Schmone Eßre, Tiber ia's, Himmel rmd Meer. Beide Bücher — die beide ausfUMchere Besprechung verdieneir — sind in einer Beziehn-ng einander ähnlich: in den Mittelpunkt ihrer Schilderungen schieben sie — in freundlichem oder ml-sre-undlichrnr Sinne — -den Fragenkomplex des Zion-ismuS. Er beherrscht .das Bild Palästinas. Hut so interessanter ist aber das dritte Bn-ch, das Reife'handbuch des weltberühuiten Reifebmeans von Tos. Cook and S'on London. Dieses für englische >n.nd amerikanische Touristen bostimm-te, unter Mitarbeit des stellvertretenden Gouverneurs von Jerrrsalenr heransgegebene Buch zeichnet sich durch diese Eigenschaft aus wie Cooks Reiseagenliuiren in Palästi»m>. Es weiß -nicht, daß die .Juden auf der Welt, beziehnngslHeise in Palästina sind. ■ Oder richtiger: Cook schweigt sie tot. Ich habe »nir die Mühe geuonnneu, alle Stellen^, in denen das jüdische Palästina evlvähnt wird — N'Ud fei «s nur.durch die AlW.be, daß in der oder jener Stadt ^anch Juden" wohnen, z-usanrmettzlrzählen: das Rssuliat war phantastisch. Noch iuteressa-uter ist das, was Cook von den Juden weiß. So interessant, 'daß ich nicht unchi,: kann, darauf im Detail einzugehen. Jur Borwort fehlt —.natürlich —der leiseste Vermerk, daß Palästi-na ein Jewifh National Home gewor-derr 15. Novemiber 192^ Seite 8 Monatskarten werden in dom gleichen prozentuellen Aus^ inaße wie die normalen Fahrkarten der betreffenden Enb fermlug erhöht. Me WieMich varistchert «wind, stehen diese EchöhU'Ngen mit dem Eisenbahnevstreük in keinen» Zusammenhänge. Me nett! Der Präsident der Vereinigten Staaten beit Amerika hat anläßlich der Jahresjfeier der Republiik an den Bundespräsildenteu.Dr. Hainifch folgendes Telegramm gerichtet: „Im Namen der Negierung und der BevölkeMng der VereiMgten Staaten sowie in metnenr Menen Namen bNq ich Eure Exzellenz, die herzlichsten Wünsche anläßlich der Wiederkehr dieses glücklichen Tages entgsgeMmchmen." BundeSpräsident Dr. Hämisch hat diese GratulatiouS drpesche wie folgt beantwortet: ,/Dchr dankbar für die fremMchen Wünsche Eurer Exzellenz gestatte ich mir, Ihnen zum Ausdruck z,u bringen, daß wir die Gefühle der Sympathie, die Sie uns bei diesem Anlaß neuerlich gezeigt haben, vollauf zu würdigen wissen." Die Wiener Paläftiun-Pionicre. Der Wille zur zionistischen Tat. — Bis nun 200 Pioniere . ausgebildet. — Der Kern der Wiener Kolonie in Erez Israel. In aller Stille und aus eigenem Antrieb haben sich irr der Wiener jüdischen Jugend stattliche Gruppen von Palästina- Pionieren zusammengeschlossen und tatkräftig für den schweren Beruf der Aufbauarbeit in Erez Israel vorbereitet. Den ersten Anstoß zn dieser Chaluzbewegung unter der Wiener jüdischen Jugend gab die Berührung mit den russischen, polnischen und ukrainischen Emigranten im Chaluzheim der Rossauerkaserne. Dort lernten.sie junge jüdische Menschen kennen, die sich, zum großen Teil aus Intelligenzberufen kommend, für manuelle Arbeit auf palästinensischem Boden erzogen hatten und an deren zielbewußter Begeisterung sich Wiener jüdische Jugend entzündete. Hier erkannten Wiener jüdische Jünglinge und Mädchen aus dem Wanderbunde „Blau-Weiß" und dem Jugendbunde „Menorah", daß Wan-.' derungen durch die Natur, gelegentliches Kampieren im Freien, Pflege der Sprache und Literatur und schöne jüdische Geselligkeit nicht das Ziel einer Jugendbewegung sein kann, die an der Erneuerung und Gesundung des jüdischen Volkes wirken soll. x Der Verkehr mit den ostjüdischen Chaluzim bestärkte sie in ihrem Willen zur zionistischen Tat. Gegen«! wärtig zählt der Kataster der Wiener Chaluz-. organisation 200 Mitglieder. Sehr wertvoll für die! Erstarkung der Wiener Gruppe ist es, daß jene Chaluzim, die sich bereits in. der Arbeit aus palästinensischem Boden büvahrt^ haben und zur weiteren Ausbildung nach Wien geschickt wer-, den, im Kreise der Wiener jüdischen Palästinapiouiere verkehren und ihren Geist beeinflussen. Es sind qualifizierte Arbeiter aus den Kolonien, welche zum Besuche technischer , Kmse,. zur Erlernung der Modelltischlerei und anderer handwerklicher! Fertigkeiten nach Wien dirigiert wurden. Seit zwei Jahren ist diese Chaluzbewegung in der Mener jüdischen Jugend lebendig. Jeder einzelne ist auf Eignung und Wille zu physischer Arbeit geprüft und hat eine Be-!! währungsfrist absolviert. 25 Jünglinge und Mädchen sind, nach vollendeter Schulung einzeln nach Paläsüna entsendet worden und machen der Wiener Chalüzausbildung alle Ehre. Die erste geschlossene Gruppe wird in einigen Wochen nach Palästina abgehen. Es ist die; ist; in bei: Miferouten ist ebenso natürlich keine Müsche^ KoLmie, nicht einmal TÄMviw, als Ibes'nchenswert wähnt. Das einzige, was der Fvemide zu sehen lbökoimimt,! wenn er die Tanr nach CMs Gmpfeihlwnigen Msa>m>nM-! stellt, aift — natürlich — die Klagemauer. 1 Immerhin —- auf Seite 12 — beweist Eooit bereits,! daß er auch für Mische Dinge etwas übrig hat: er bringt! den — für Reisende unentbehrlichen — Mischen Kalender^! (zehn Zeilen). In der vierzchn Sorten laugen Uebersicht! über die Geschichte des Heiligen Landes kommt bas Wort! Zionismus, Mische Kolorrifation, Baron RothschM nicht! vor. (Obwohl schon Baedeker 1912 die Mische Jmmigra-! tion in seinem Abriß der LandesFeschichte erwähnt, hcx\ bestimmt nicht philozionistisch war.) ^Das Wunder der^ DarstellungsFunst bringt aber das Kapitel ,/Gegenwärtiger! Status vom Palästina". Hier wich Zwar in Zehn Zeilen! die Balfour-Deklarativn abgedvuckt, ohne jedoch^ das Wort ZiorüÄmus auch nur zu erwähnen. Die Tatsache einer Jewish Agenc oder einer Zionistischen EMMve wird! einfach verschwiegen. Tiefgreifend ist die Mhandkrng über die jüdische Re-. l-igion. (Eine halbe Seite.) Nachdem Mitgeteilt wird, daß^ die Juden in die getrennten Körper der Sephardim und' Afchkeuasi'nr Zevfaslen und diese wieder in Sekten u-ntericiTt sind: Chassidinr, Peruschim us!w. wi'lch die eigentliche Religion besprochen wie folgt: „Jeden Sabbat wird in den wichtigsten Syrmgogeu gepredigt (NB.: natr'irlich rmrichtig) und die PMnen werden Zwischen dem Nachmittags- und Abendgottesdisnst gelesen. Ebenso wird ein kurzer Abschnitt des Gesetzes jeden Montag und Donnerstag öffeutlich in den Syna-' gegen gelesen, da nach der Tradition au diefeur Tage Moses auf den Berg Sinai stieg, um die Mir Gebote Zu> empfangeri, und am Montag wieder herunterftieg." PmKunl. Wer jetzt noch nicht weiß, welche Religion die Jrrden haben, kann sich ein anderes Buch kanfen. Oder nein, noch einmal kommt Cook dem Wißbegierigen Zn Hilfe; und druckt auf fast, einer Seite einen Kalender der jüdischen Feste ab tm\b bespricht im Mchnitt Jerusalem auf säst einer halben Seite die verschiedenen Gneppen der 'dort lebenden Inden, wobei er zum ersten mtd letzten Male er- 'Iväihnt, daß .feit der Balsour-Deklamtion die jüdische Ein-