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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-15 · Heft 2063 (15.11.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2063 (15.11.1924)
Date
1924-11-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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\ Seite 2 Wien. Samstag Wiener Mornenzeitunn. 15. November 1924 N r. MS Hebet 2000 Ohaluzim ÄuiK« 100.000 ImaM?!"LLL-'Ä Keren Kajemeth l'Zffnel dischen Siedlern das WMer«»i> Palästinawoche des Keren Kajemeth TJisrael ( JK tifi dl ft m es 1& « ®\ ÜTsitton a 1 touds) Tom LT. 1*1» geistes stand, konnte nichts anderes erziehen als die Generation des Krieges. Die Republik hat nichts geändert. Sie hat die zerstörten 2kitoritäten.nicht ersetzen können, sie zieht die Jugend nicht an sich heran und läßt sie ividerstackdslos in den Fängen des bluttriefenden alldeutschen Nihilismus. Aber, was wohl noch trauriger ist, auch die Oesfentlichkeit, das Publikum sieht die Gefahr nicht. Vor einem f ahr hat in Wien ein solcher Schlagetter-Gymnasiast inen Freund meuchlings ermordet. Der Mörder wurde der Gerechtigkeit entzogen und ins Irrenhaus gesteckt. Aber weder der Staat noch die sonst so geistreich schürfende Presse sind den Wurzeln dieser Tat nachgegangen. Sie haben es einfach zur Kenntnis genommen, daß dieser Geist an den SckMen festsitzt, daß die von den österreichischen Hochschulen ausgebildeten Lehrer, die zu.den Füßen der Wolf und Schönerer saßen, Loch die . ihnen anvertvauten Kinderseelen so bilden muffen, wie sie das sebbst gelernt haben, und daß sie, die Verfechter des Untertanentums und der gottgewollten Obrigkeit, nur; die Zkitoritat ihres avrsch-gevmaurschen Prinzips meinen.. j Sie geben den Buben nichts als den Haß, sie sagen ihnen tausendmal die Lüge von der jüdischen Gefahr vor und erklären alles Unhäl aus dom jüdischen Ansturm gegen die Autorität. Die Jungen ziehen daraus ihre Schlüffe, erstens daß der Pogrom ein edles deutsches Ziel ist, zweitens aber, daß man eine Autorität zerbrechen kann. Uwd so tritt der eine in die Schlagetter-Kompagnie ein, der ack>ere spuckt nach dom jüdischen Lehrer, der dritte schreit dem Professor seine Verachtung ins Gesicht. Die Presse tobt gegen den Profeffor. Er ist schuld an dem Selbstmord des Schülers Schwarz. Nein, das ist er nicht. Aber er ist schuld daran, daß dieser Schüler so geworden ist. Er und die vielen ärgeren Professoren, die das Wesen zu künden sich vermessen, an dem die Welt genesen soll. Es ist der alldeutsche Größenwahn und Neukölln ist seine vorläufig letzte Marke. Sie Unterbrechung Der drutfch-franröstschen WlrtschigtsverhaMmgel». 'Paris, 14. November. (Havas.) Die, für die allernächste . Zeit hier erwartete deutsche ÄnMwttnote betreffend die' gegenwärtig unterbrochenen französisch-deutschen Wirtschaftsverhandkungen wird, wie es scheint, nicht unbedingt ablehnend sein Die Rutsche Regierung werde, wie verlautet,, nicht aus der Aufhebung der 26prozentigen Einfuhrabgabe bestchm. England hat den Vorrang. London, 14. November. (Tel.-Komp.) Der ,MsstmM« ster Gazette" zufolge, soll die deutsche Regierung erklärt haben, sie werde vor Abschluß des Handelsvertrages.mit England keinen anderen Handelsvertrag, weder mit Frankreich noch mit irgend einem anderen Land abschließen, um jede Verletzung der britischen Interessen zu vermeiden. Las ttene englische Unterhaus. London, 14. November. (Reuter.) Nach den gHrigen Wahlen der fchoWschen Universitäten für das Unterhaus ist der endgültige Stand der Parteien nunmehr folgender: Konservative 413, Avbei-tsparteiiler 151» Liberale 44, Unabhängitze und andere 7. Infolge des Ablebens Morels toiÄ im Wahlbezirk Dundee eine ErgänzuingN.rxchl stattfinden. Pole« und PalMna. Warschau, 14. November. (I. T. A.) Gemäß einer fvühs> (tn Verordnung der polnischen Negierung veröffentlicht jetzt das Kriegsmmisterium Vorschriften, laut welchen Juden, die im militärpflichtigen Mter stehen und nach Palästina auswandern wollen, k e i,n e besondere Erlaubnis des Kriegsministers emzuholen brauchen, wenn sie die palästinensische Staatsbürgerschaft anmhmm. Personen, die eine andere als die paläst inenfische Staatsbürgerschaft annehmen wollen, bedürfen hierzu einer besonderen Erlaubnis des Kviegsm misters. Ein Optionsges-uch für Palästina genügt, um den Optanten.von den Wichten der polnischen Staatsbürgerschaft, auch den mrkrtärischen, zu befreien. Dies gilt nicht ruut für Personen, die bereits in Palästina wohnen, sondern auch für solche, die die Absicht haben, sich in Palästina anzuftcdeln. Senator Lodge. Wie wir 'bereits bevichteten, ist Senator Lodge am 9. d. rn Boston gestorben. Er ist einer der Vorkämpfer der Friede nsidee in Amerika gewesen u>nd> hat sich auch.'wieder» holt für Oesterreich eingssetzt. Die Judenschaft kennt ibn als den Politiker, der v'ls Vorsitzender des Sena-Äomikees für auswärtige Angelegenheiten -im Mai 1922 die Amrahme der Propalästinaresolution im Sena-t der Veroinigien! Staaten durchgesetzt hat. In dieser Rosolu>t''.stt war! drückt worden, daß „die Vereinigten Staaten Amerikas die Errichtung des Nationalhe-imes für das jüdische Volk in Palästina rm-terstützen, unter der Bora-uÄetzumg. -daß nichts getan werden soll, was die bürgerlich-en' und religiösen Rechte der nichtfüdischen Geme'l-ns-chasten in PaLast'm^ beeinträchtigen kann, und daß die heiligen Stätten sowie die religiösen Gebäude und Plätze in Paläftrina angemessen geschützt bleiben". , In einer Botschaft an die amerikanischen Juden schrieb damals Senator Lodge: „Ich ' Leglücklnüufche Sie zu dem. endgültigem Beschluß betreffend das Mandat, welches dem jüdischen Bofft die Erumchlüng eines Ngt-ionalheimes in Palästina sichert, den: Lande, an Iwelches Sie durch jene tiefen Empff-ndungen geknüpft sind, die das ganze Volk tarnt alters her für das Land ihres Ursprunges empfi-ndet, das Ln.nd, welches die gewoihten Plätze ihrer Religion umschließt." - Bubi-KostQme reine Schafwolle, la Qualität K 490.000 Feinste Seidsnflor-DamcnsfrQmpfe früher K 58.000 / Jetst K 48.000 . nur L Trattnerhof 2 (Graben) nur L Trattnerhof 2 (Graben) Botzkattpropaganda des Ku-KkuMan. Die Ku-Kluz-Klan-Organisaitiou, wÄche in dvn Verein-igten Staaten noch immer ungehindert ihr Unwesen treiben darf — es ist bezeichnet, daß keiner der Präsidentschaftskandidaten trotz mchvsacher Interpellationen aus der Wählerschaft es wagte, energische Maßnahmen gegen den Ku-Klux-Klan anzukü-ndigen —, wendet in ihrem Kampfe gegen die Katholiken und Juden die schlimmsten Mittel an, welche aus dem dunkelsten Europa bekannt sind.-Wie die amerikanischen Blätter aus verschiedenen Tellen der Bereinigten Staaten berichten, nimmt bchonders die antijüdische Boykottpropäganbä des Ku-Klux-Klan bedenkliche Formenan und ans vielen Städten find jüdische Geschäftsleute abgewa n d e rt. Der Ku-Klux-Klan gibt schwarze Li sten jüdischer und katholischer GefchaMvute heraus und hängt die . Abzeichen seiner OrgM-isatüm in den Geschäftslokrllen aus, die er seinen Anhängern empfiehlt. Wie weiters I. T. A. aus Chicago berichtet, hat es dort großes Aussehen erregt, daß der bekannte jüdische Philanthrop Jül-ius Rosenwald, der erste Präsident, sowie Albert H. Loeb, der zweit« VizeprWent des größten MerÄanischm Warenhauses „Sears Roebuck u.- Co.", ihre Stellen zur ückge legt halben. Zu dem Rücktritt sollen die beiden Leiter des Warenhauses durch die B o y k o t i tp «t o {c deS Ku-Klux-Klan veranlaßt worden fein. Ae Sinhelirkront der Posromiüen. Combos, Wolf, Friedrich und Hejjas. <Ei.gendianst -der „Wiener Morgen.zvitu.wg".) 1 Budapest, 14. November. Wie ,K Vilag" Hevichbct, ist Zwischen den Raffenschützlevn und der chrisÄichem Gvu'ppe Wolf eine Arbeitsgemeinschaft, zustande' gekommen. Die kürzlich in Kecskem-et gegründete ungarische rwikona-le Um abhängigkeitLpariei hielt gestern abends ein politisches Effen ab, an dem Julius Go mbös, Stephan Friedrich, Karl Wolf und Iwan H e j j a s tÄllnachmen. Der Abgeordnete Wolf führte i>n seiner Rede aus, daß als Gegengewicht gegen den eben gebildeten dom-okrallifchen Verband eine Konzentration der rechtsstehenldsn, FvM-onen notwendig sei. Der demokratische Devband hat als e'gent« kiches Z'el die Erobevumg der Ha-uptsta.dt im Auge. Täe .' christlichen Elemente werveN dies nicht zugölen und zur Verhinderung eines Sieges der Vmken in Bnldcvpeist muffe ' eine emheM'che christliche Front hvgestellt werden. Julius G ö m b ö s erklävte, es sei koin-estvegs ein« bloße Redewendung gewesen. Äs er vor emge-r Zeit sagte, -daß die Rassenschützler die Hauptstadt unter keinen Um« ständrn den Nbevailen ansliesern werden. Er erkläre neuerlich, daß die Li'bera^n ihren Fuß nicht in die hauptstädtische Verwaltung setzen werden. / Stephan Friedrich sagte, der christliche Krvrs könne nur bestehen, wenn er vor nichts zurückschrecke. Er kenne Juilius Gömbös Äs -den Mann, der vor nichts zur>ückschreckt. mit ein!7eb3utem ,.8e-!T$OR"-Gtittifiii-Ab8a1z Schuhe! «wnnzac nsnuccffWi erxcrrrrvcesrm? :„-7numirr.TXwuo? Kongreß der tsrhecho-slowakkschen Fndrn. Prag, 14. November. (I. T. A.) Der Vorsitzende des Jüdischen Na-tiiouolrates i-n der Tschecho-Slowa-kei, Doktor Ludwig Singer, teilte in -der -letzten Sitzlrng des Nationalstes mit, daß die Statiften der Jüdischen Völkerbnndliga in der Dschvcho-SlvwÄei dom- Mmsterm-Nt des Jmrevu genehmigt tumrden. Die konstituieronde' Generalversant-milnng wird in kurzont stattfinden. Nach entern DeMft des Herrn Kondors wrtrde beschlossen, den Kongreß der tschechv-slowakischeu Juden am 5. Mid 6. Jänineir 1925 in Prag abhalten. Ans dem Kongreß werden Referate über Wirtschaft und Schult«, ein politisches Referat, ein OrMnisa-iiMs. reserat rmd e'm Resemi über die Gründung der Völkevbtt-nd. kiga gehalten werden. ' Snland. PrMor LudoHartmann gestorden. Gestern ist unerwartet das Mitglied des österreichischen Bunbesrates Pwfeffor Dr. Ludwig Moritz H a r t m a n n rm 60. Lebensjahre gestorben. Ein altes Herzleiden hat dem Leben des verdienten Gelehrten ein Ende gewacht. Hartmann, der Chrendyktor der Bonner Universität war, genoß in der wissen-, schaftlichen Welt durch seine historischen Fovschungen, vor--' nehmlich auf dem Gebiete der römischen Geschichte, Ansehen und AneÄennung. Er erlangte eine Dogentur an der WiMer Universität. Die PcoscssoreNkarviere bliob jedoch dem jüdischen Dozenten Vevschlossen, der sich überdies k o n-. sessionslos erklärt halte. Erst nach dvnr Umsturz wurde" ' Hartmann, der seit langem im sozialde-mokratischeu Lager ge-'' standen war, Extraordinarius und erhielt erst vor kurzem den Prvfessortitel. ' Nach dem Umsturz trat Hartmann aktiv in die Politik :ein; er war der erste Gesandte der österreichi-;scheu Republik in Berlin, mußft jedoch nach dem Zu- . smnmenibmch der Rennerschvn Koalition von den: Posten scheiden, auf dom er jedenfalls weit bessere Figur machte als sein Nachfolger, der DeuffchuatiionÄe R iedl. Der ersten DMs- 'Vertretung der RopMik-gehörte Hartmann ebenfalls an. Bei , i den zweiten Wahlen kam er nicht mehr in den Nätionalrat! und wurde dann Mitglied des Bundes rate s. " Schon in früheren Jahren hatte sich Hartmann mit den Problemen der Volksbildung und der VolkSunivevsitäten befaßt' Als Glöckel das Urrterrichlsamt leitete, war Hartmänn der Referent für das Hochschulwesen und der Berater Glöckels für/ das Problem der Hochschulreform. Es wäre ihm ebenso - wie Glöckel und ihrer beider Partei-nicht schwer gefallen, durch - einschneidende Reformm das Ueberblerbsvl der Reaktion, die Hochs chu l a u t om o m i e, - welche von allen Reaktionären als Instrument-der Knäbelung der Lehr- und Lernfreiheit verwendet wird, zu brechen. In dieser Frage erwi-es sich Hartmann» der so lange di« Theorien der fteien Wissenschaft verfochten hatte, als unzulänglich. Dies ist nur zum Teil« auf das Schultz, kont-o dieses mehr auf; die Wiffenschaft eingestellten und durch jahrelangen Druck weich gewordenen Mannes zu setzen, als vielmehr auf das feiner Partei, welche in diefen Fragen völlig, veusagt hat. , >.; ■ Mit Hartmann verliert die Geschichtswissenschaft eine« tvohl nicht blendenden, äber avbeitsemisigen Bevtreter, die Po- - litik nicht viel, die Menschlichkeit einen ehrlichen Charakter. * Professor Hartmarm wird Montag im 4 Uhr nachnriüags auf dem Döblinger Friedhof bestattet. Vorverhaadlnngen für die Nenwnhl der «esiernn». Die vom Bundeskanzler nach Wien beruisenen ck-vistlichsotz-ial>en LandesihauptlMte traten gestern zu einer Konferenz iim BuwdeM'n'zjlera>m.t gusammen. Dr. S e i p e! macht bekanntlich die Uebernahme -der Kab-inettkbiilldu-ng von ebner einheitlichen Stellungnahme der Ländervettveter der Mehrhe-it zur neuen Abga-benteUu-ngs- -n-cvelle -rmd zur Venwal-tiu-n-gsrefovm abhängig. Di« Bevatung wird -heute fortgesetzt -wer-derr. Der größte Teil -der Berhandlu-ngkAeit -ouvde mit der Au-sfpvache über die definitive Regel-umg der finanziellen Verhä-ltn-iffe zwischen Bund -und Länder a-usgefüllt. Heber die zur Diskussion gestellten Vevwaltumg-s- und BerfaffungSfragen wurde eine ziemlich einheitliche Auffassung erzielt. Di« über di« Verhandlungen ausgegeben« amtliche Mitteilung von gestern besagt: Die vom Bundeskanzler einberufene - Konfere-ny der den Mehrheits'parte-i«n ari-5-.-hörenden Lan-de«-hauptmä-nner nnd Landess'knangrefevenwn ivurde um 11 Uhr vornifttags eröffnet und nach einer -kurzen M-ittagSPaüse mn 8 Uhrnachmitta-aS fortgesetzt. Außer dem Bu-n-deM.Nizler und dem Finanzminister nahmen daran teil: Der Obma-nn der chvistliichsoU'a,lsn Vereinigung Abgeordneter Fink, die La-ndeShauPtmän-nier Hauser, Dr. Ender» Dr. Rinielen, Dr. Bu-resch, Dr. Rohvl, Dr. Stumpf, Schuinch und Äauihysser und di-e LandeSsinanzrefereu-ten Dr. Mittolberger, , Pr-isching, Dr. Bviver, Neuveiter Md Dr. Rvinprecht. Die

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