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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-14 · Heft 2062 (14.11.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2062 (14.11.1924)
Date
1924-11-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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t Cfflt »_' Rte«, Kre-rrag_ MonSparteien, die sich miteinander verbunden halben, sind durch ihr Fehlen stärker als die Diktatur und ihr Verhalten ist eine Bekräftigung der Demokratie und eine Warnung an all« Völker, in denen es Schwärmer der gepanzerten Faust und der Politik des Ku-schenS gibt. Aarziften untereinander. Rovi, 13. November. In Castellamave bei Neapel erschoß gestern der ehemalige Abgeordnete und frühere Faszrst Jmperato im Verlause eines politischen Wortwechsels das f a S z i st i s ch e GemeinderatSmitgilied Cosenza aus offener Straße. Der herbeigevufene Arzt konnte nur 'den Tod seststellen. Der Mörder ist geflüchtet. Mexikanischer Parlamentarismus. Ein Feuergefecht. New-Dork, 13. November. Aus Mexiko wird gemeldet: In der Kammer kam es nach einer heftigm Debatte zu einem Feuergefecht, bei dem über 200 Schüsse abgegeben wurden. Einer der bedeutend-! tsten Arbeiterführer Mexikos, Loula Morones, und ein ani derer Abgeordneter wurden durch Schüsse verwundet. Amerika «ad Rußland. London, 12. November. Das Neuterfche Bureau Aveldet aus New-Z)ork: Senator Borah, der >wohrfchemliche Nachfolger Lodges alls Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Senats, erklär!« in einer Ansprache vor einer Frauenversammlung in itzarrisburg, die Wiederherstellung Europas jei mar möglich, wenn Amerika die russische Regierung anerkenne. Borah glaiube nicht, daß man zur Abrüstung uud zu einer wirtschaftlichen Eesnnduing Europas kommen könne, ohne zuvor das russische Problem zu lösen. Borah betonte dabei wiederholt, Amerika würde nicht in den Völkerbund oder in irgend ein anderes politisches Bündnis Europas Gintreten. _ Hymans über das Londoner Abkommen. Brussel, 12. November. (Wolfs.) In der heutigen Nach- ^jnNagAsitzuug der belgischen Kammer gab Außenminister Hymans eine lange EvkläwMg über d.'s Landauer Abkommen ab, int der er u. a. sagte: Wenn der S a chverständigenplan, der von allen mit Erleichterung begrüßt Warden ist, als di« einzige praktische Lösung, die man finden konnte, wicht zur Ausführung gelangt wäre, wäre die Entente z u s a m m e n g e b r o ch e n. Frankreich umtz Belgien hätten sich, isoliert van der ganzen Welt, Deutschland gegenüber allem befunden. Mau hätte zu G ewalt greisen müsien, was zu ermisten Verwicklungen hätte führen können. Der Minister verbreitete sich sodann über die Verhandlungen in Genf und nan-ute das aüsgearbeitete Protokoll ein« Fortsetzung des Wortes, das man m London An August begannen hat. Kolonienminister Amery. Oberstleutnant Amery, der von B:ldwrn zum KotüMieummister bestellt wurde, ist als ein konsequenter Anhänger der Politik des jüdischen Nationalherms in Palästina bekannt. Zur Zeit der Novemberwahlen 1922, als die Pcvlästmaftage einer der Haiuptdiskussionspunkte war, sagte Herr Amerh, damals erster Lord der Admiralität, in bezug auf Palästina folgendes: ,^ch sehe keinen Gvuud darin, die normale politische Richtlinie, die wir augonEmen nutz emgehalten haben, im Stich zn lasten oder Bürgschaften und Verpflichtungen, die wir formell und öffentlich übernommen Hubert, zuvückzunehmen." Sie syrische Menbahn. Paris, 11. November. (Wolfs.) Die Eisenbahngesellschaft Damaskus—Hamar, deren Aktien zum größten Teil im französischen Besitz sind, hat beim deutsch-französischen gemischten Schiedsgericht eine Klage auf Zahlung von etwa 140 Millionen Franken Schadenersatz wegen angeblicher Z e r st ö r u n g der von der Gesellschaft in Syrien während des Krieges betriebenen Linien eingebracht. Mit dem heute gefällten Urteil wird die Eisenbahngesellschaft mit ihren Ansprüchen abgewiesen. ' Als Grund hiefür wird unter anderem angeführt, daß die von der Klägerin angefochtenen Maßnahmen nicht von der deutschen Regierung, sondern von der britischen Negierung getroffen worden sind. Der Versailler Vertrag enthalte keine Bestimmung, die Deutschland auf Grund dieses Tatbestandes eine Schadenersatzverpflichtung auferlegen könnte. Betßiens Bgrk Enteignung des jüdischen Al/.u^uurdbesitzes. ■ Budapest, 13. November. (Des. -der ,>Wr. Morgengeitung".) In dem Rechtsschutzbureau -d:s Verbandes jüdischer Gemeinden laufen fetzt tätlich Be schweren der jüdischen Kleingrundbesitzer der Provinz wegen ^der grundlosen Enteignung ihrer Kleinbesitze ein. Alle erklären, baß die Enteignung ihres Besitzes nur deshalb erfolgte, weil sie I tt de n sind und .'weil die Regierung, dem Terror der Rassenschützler entsprechend, den gesamten ungarischen Bodenbesitz jndenrein machen will. Durch diese Gewaltmaßahme werden die jüdi'chen Keinen Landwirte an den Bettelstab gebracht. Wiener Morstenzcltung. Der krzber-irr-Mrder Schulz. An Sie rumänische Grenze abgeschoben. Budapest, 13. Novenlber. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Förster- Schulz ist deute aus dem Gebäude der Oberstadthauptmannchaft abtransvorriert worden. Wie verlautet, wird er unter beliördlicher Bedeckung nach LököShaza an der rumänischen Grenze gebracht, wo er die Grenze allein überschreiten und seinen Weg fortsetzen wird. Füdische Maffenemlgration ans Litauen. Nach Palästina. Kowno, 11. November. (Tel.-Krmp.) Infolge der judenfeindlichen Politik des Kabinetts hat eine Massen aus Wanderung von Juden aus Litauen nach Palästina eingesetzt. In den letzten Monaten sind durchschnittlich 4 0 0 jüdische Familien monatlich ausgowanderV Sie Forderungen derFIidMen Klnbs vor dem polnischen Selm. Mgrndümist der „Wiener MorgrMitMg".) Warschau, 12. November. Mährendder Budgetdebatte legte Deputierter Dr. Leon Reich im Namen des Jüdischen Sejmklubs die Forderungen der Jüdensthaft ixu. Als er seine Rede 'begann, verließen sämtliche Abgeordneten der Regierungsparteien den Saal; es siel auch aus, daß der Ministerpräsident G r a b s k i, der bis dahin der Debatte auflnerksam gefolgt war, sofort nach Beginn der Rode Dr. Reichs den Saal verließ. ^Deputierter Dr. Reich besprach zimächst das drückende Steuersystem, welches von den Behörden gegen die Juden angewendet werd-e, aber auch N i chtjuden treffe, so daß in vielen Städten gemeinsame Prot e.st versa m m l m n g e n jüdischer und christlicher Kleinhändler und .Handwerker ftattgesunden haben. Diese Steuerpolitik könne dazu führen, daß die verarmten jüdischen Massen^ welche auch durch das Zwangssonn tag's ru hegesetz fchlver getrosten sind und durch die neuen Staats mono pol« wirtschaftlich noch mehr pcmperisiert werden, dem Staate zur Last fallen. Redner verlangte weiter eine Subventionierung des vcn den Inden erhaltenen Schulwesens. Er besprach daun das Verhältnis 'der Regierung zum Minderheitstraktat und schoß mit der Erklärung, daß der Jüdische Klub gegen das Vertrauensvotum für di« Regierung stimmen -werde. ' Nach Schuß der Debatte befaßte sich Minstievpräsidewt Grabski in einer vierstündigen Rede mit den Darlegungen der einzelnen Oppositünsredner, g'ng jed ch mit keinem Worte auf die Angriffe des Sprechers des Jüdischen Klubs ein. Der Sejm hat den von den Mindevheitsfraktionen! eingebrachten Antrag auf Ablehnung d.'s BudgetprAiminareS für das Ja'hr 1925 verworfen. Sie kroatische Landesantonomle wieder abgeschM. Belgrad, 13. November. (TfcheHo-stowok'sches Preßburcau.) Die Regierung ordnete die unverzügliche Auflösung der Provinzial autonomie in Kroatien und S l a v o n i e n an, die vom d?m Kabinett Davidovie auf Verlangen 'der Kroaten wieder-hergestellt worden war. Benrsch' Wiener Reise verschoben. Der tschecho-slowakische Außenminister Dr. B e n e s ch, welcher am 17. d. zur Unterzeichnung des Handelsvertrages zwischen der Tschecho-Slowakei und Oesterreich in W i e n «intreffen sollte, hat. wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, mit Rücksicht auf die österreichische Regierungskrise seine Reise umeineWochever schoben. Noch immer keine Lssunr der Negiernngskriie. Der Ei''snbahnerstreik ist zwar beige und damit der unmittelbare Anlaß für den Rücktritt Dr. Seipels nicht mehr vorhanden, da aber lder designierte Bundeskanzler, bevor er sich zur Uebernähme der Reg'ernngs- Ibilduug entschließt, erst Ordnung in der christlich'vzialgroßdeutschen Hüuslichikeit macken will, wird es n-ch ein paa-r Ta-ge dauern, bis der Nationalrat das bisherige Kabinett Seipel Wiederwahlen kann. In der gestrigen Sitzung des H a u P t a u s s ch u f s e s betonte Dr. Seipel, er habe die Landeshauptleute telegraphisch nach Wien geladen und werde sich heute mit ihnen beraten. Diese Aussprache fei eine Vorbedingung für die Entscheidung über die Bildung der Regierung. Aus Wtfem Grunde bat er auch um Vertagung der Sitzung des Hauptausfchusses. Im Nation«trat, der ganze fünf Minuten beisammen.war, machte der Präsident von dieser Sachlage Mitteilung, und es wurde beschlossen, die Neuwahl der Regierung auf Dienstag zu verschieben. Sollte, was nicht ausgeschlossen ist, Dr. Seipel mit feinen Barbefpvechungen am Dienstag Inschriften an die Redaktion * sowie unverlangt einlangenven Manuiliripteu wolle man stets Rückporto beUegen. -a sonst eine Beantwortung, beziehnngswecke Äückfendung mcyt erjolgen kann. 14. Noveniber 1024 Nr. 8003 noch nicht fertig fein, fo wird bie Neuwahl nüch einmal verschoben werden. Die Bemühnngen des BundeklkanzlerS haben bei den Großdeutfchen schon vollen Erfolg gehabt. Sie halten unentwegt an ihm fest und werden unter a^en Unlftänden im Kabinett Seipel ausharren. Mit den LaudeKhauptleuten wird sich der Kanzler heute über die Verwaltu-ngsuwd Versassungsreform sowie über die neue Austeilung der Steuerquellen zwischen Bund und Ländern unterhalten und ihnen seinen Standpunkt klar machen. Daß Dr. Seipel seine Landeshanprleute zu seinen Anschauungen bek-shren wird, erscheint über allem Zweifel sicherg-vstellt, nur wird däs noch einige Tage dauern. Nach dem Menbahnerftrelk. Der volle Betrieb im Gange. Wie schon im gestrigen Mittagsblatt berichtet, hat der Feiertag die volle Einigung zwischen der Leitung der Bulndesbahnen und foeit Streikenden gebracht. Das Uebereinkommen yoht dahin, daß 1. für die Monate O ktober, November und Dezember 40 Monatsbezüge auAge-ahlt werden; 2. die Besoldungsr e f o r >m rückwirkend vom 1. Oktc'ber 1924 dahin abAeändert wivd, daß die Bundesbahnangestellten eine 6Prozentige Erhöhung ihrer Bezüge erhalten; 3. daß die N e upensiion'isten an allen finanziellen Zu^eständuissLn, die den Miven gemacht werden, mitbeteckigt werden. Die gesamten Zugeständnisse an die Streikenden belaufen sich in ihrem finanziellen E'fokt auf ungefähr hundert Milliarden. . Die Wiederaufnahme des Verkehrs vollzog sich in vollster Ordnung/Der erste Zug, ein Lastzug, konnte bereits Punkt 12 U>hr nachts vom Nordbahnhof abgelassen ■ werden. Dar Rovemberbudget. Defizit von 13 Millionen Goldkronen. Wie die Poli.tifche Korrespon-deng erfährt, weift dar Bugdetprealable für N o v e m b e r A u 8 g a b e n in der Höhe van 80ö,4 Milliarden Paplerkronen (56 Milli-olnen Goldkronen), Einnahmen in der Höhe von 617,9 Milliarden' Papierkvonen (42,9 Millionen Gctldlvonen), daher em Defizit von 188,5 Milliarden Papierkronen (13,1 MMoinen Goldkronen) a>uif. Im Prealable für Oktober waren die Ausgaben mit 806, Vre E i n n a h m e n mit 740,9 Milliarden Papievkronen angegeben. Die niedrigere Einnahmezi ffe r hängt mit der geringen Schätzung des Ertrages der divekten Steuern zn!sammen und ist mehr scheinbar als wirklich. Entisprechend den Genfer Vereinbarungen hat die Regierung nämlich zum ersten Male die Stenerwe-chsel ans allen Ginnahmevevanf-chlagungen ausgvschvltet. Der Dank des Bundeskanzlers. Die ,Mener Zeitung" Verlautbart: Der Dundespräsident hat den nachstchmd angeführten Personen ta-frct folgende Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Oesterreich verliehen: Den o. 3. Umversitätsprosesioren Hofrat Dr. Anten Eiselsberg und Hofrat Do. Norbert O rin er das groß« goldene Ehrenzeichen; den Primarärzten Umversitäts'professoren -bvmt Dr. Juliuis Schnitzler, Hoftat Dr. Maximilian St'ernberg und Hcfrat Dr. Gustav Singer sowie de>m Direktor der öfterveichiscben Bundesapotheken Hoftat Paul Köller das große silberne Ehrenzeichen; drm Direktor des Krankenhauses Wieden Rcgiemngsrat Dr. Otto Schindler und dem Pr'mararzt dtefer Krankenanstalt Privatdo^enten Dr. Richard Bauer das goldene Ehrenzeichen; dom Vorstand des Röntgenlaboratormms vm Krankenhaus Wieden Doktor Friedrich Eisler und dem ge'vstlichen Rckior an diesem Krankenhaus Ordenspriester P. Konrad I k e n m e h e r, weiter chem Sektionsrat im Bund?skanz>lera-mt Dr. Lotbar Wimmer und dem Regierungsrat im Bundesminifterium für soziale Verwaltung Aladar Duda dos silberne Ehrenzeichen; den Abteilungs-assiftenten des Krankenhanses Wieden Dr. Wiltholm Steiger, Tr. Wilhelm N Y i r i und Dr. Walter R o b i t s ch e k die goldene Medaille; den geistlichen Schwestern der'Kvugre'ation der Dionerinmn vom h e i l i g st e n Herzen Jesu Klementia Peter und Assunta W e g m a n n die silberne Medaille. Der Prozeß gegen den AttenMer Fawurek. Die Verhandlung gegm den Atteirtäter Karl J awurek, der das Attentat auf den Vundes-kanz'l'er Dr. Seip «II verübt hat, -itst nun endg>ülüq sür den 1. D e z e m -b c r vor einem Schöffensonat unter Vorsitz des LandeAgerichtSpräsidenten Dr. Alt mann aNbemnmt worden. Die auf verfuchwn Mord lautende Anklage wird der Chef der SraatSamwaltfchaft Hofvat Dr. I m m e n d ö r f e r vertreten. Ms Verteidiger wivd dem AngMagten Dr. H o chsv« ger z,ur Seite stehen. Zur VerhcnMung sind siciben Zeugen vovgcladell, Mneist Zeugen des AttisNltiaHcs, darunter Bundesbaü-ler Dr. Seipel. Die Anklage lautet auf versuchten Mord. Da der Be-- schiuMdigte, wie sestgeftelk wurde, dem DumdesSan^ler gegenübevtrat und von vorn den Schuß auf ihn abgab, wurde die Anklage wohl wegen Wlor.dversucki'es, older nicht nach der schwereren Quü>l>i'fiba'tio>n, die e i n tückisches Vorgehen 'bedinge erhaben. Der Prozeß findet deshalb nicht vor de.m Schwurgericht, soüoern vor fcen Schötfsen statt.

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