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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-14 · Heft 2062 (14.11.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2062 (14.11.1924)
Date
1924-11-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 Po len 20 nr08zyi Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. ßez., Wollzeile 11 Mit Post versend für Wien n Oesterr. monatl. K 40.00'. Tsehecho-Slowakei. Mön. K20. Jugoslawien: Mön. Dinar60. Polen: Mon. 31/* Zloty, Deutschland. Mon. Goldmark 4, Fr an kr., Belgien: Mon. Fres. 15 Heute im »IllUIIUIItllj lener Msria-Lheresien-Z s MnUrkhilserstraste 70 s FwimiiMiiimiiiiuiiiiimiiiuuiHiin | Preis K 14001 ‘England: Mon.4 Schilling,! ' h I i e n: Monatl. 15 l.ire, nmä.nien Mon. 150Lei, Bulgarien Mon.80 Lewa, ■ chwei : und das übrige Ausland mom t'ich Frea. 4. Redaktion ». Administration Wien, II., Taborstr. 1—3 Telcpuone: 4d-0-38,43"3*19, Ah6Uhr abds. 21-102,25-282 IX. UniversitHtsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) ÄST Naehzahlan;«!) *fBG bei Pretierbobunren vorbafciihc« ■IMl Rr. 2862 Wien. Freitag, 14. November 1924 O österreichisches Postspsr* kästen-Konto Nr. 150.6^3 6. siabrgang 4M RI,- (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".' Jerusalem, 12. November. Soeben langt aus Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, die Meldung ein, daß von dort aus eine Gegenoffensive der Dynastie Hussein gegen M e l k a, daß vor kurzem von den W a h a v i t e n unter Führung I b n Sauds erobert worden war, eingeleitet wurde. Nach den letzten Meldungen, die über Amman hier eingetrofsen sind, hat die Armee der Haschamiten, wie es scheint, von König Hussein befehligt, bereits die Stellungen zwischen D s ch i d d a und M e k k a erreicht, welche von den Wahabiten fluchtartig verlassen wurden. Dieser Gegenoffensive gegen Mekka wird hier um so größere politische Bedeutung beigemessen, als bekannt- Umbildung des polnischen Kabinetts. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 13. November. Der Minister des Innern- Hübner, dm JustizM-nister Wyganowski und der Arbeitsminister Dan«xw s k i -haben' ihre Demission gegeoon. Der Rücktritt dieser drei,-Minister macht- -sine U mbil-düng de§, Kabinetts erforderlich die Minisisopräsidenit -Gr a H s kLin , bereits-durch. mebr». sacht VevlMÄKtnM dorberMten 'Richtung vollziehen" dürste) es soll durch Einibegichmng.heS WWvslem>e-Kl'U»bs in die Regierung eine Brücke zu den SmföjMrtekrt geschiaoen werden. Wie gut informierte Stellen wissen wollen, hat Grnbski dem Deputierten Thugutt das" Portesvnilltz des Innern und die Vizvpväsidentenschast im Miuisterrat angeboten. DhnWtt, der bereits einmal in die gleiche Konibination einbezegen werden sollte, wird seine Entscheidung morgen bebann-tgeben. TchlvierWeiten in den de«1sch>franMchen WirtschastsverhyMlmgev. Die Deutschen bringen die Politik auss Tatet. Paris, 13. Node>mber. (Hav-as.) Der „Matin" meldet: Die französisch-dentschen wirtschaftlichen D e r h a n d I u n,o e m begegnen S ch w i e r i g if e 11 c n, die sich ans der Notwen-digkeit ergeben, den künftigen Haudolsvertrag mit den BelstMAmrngen des Dawe?-Planes bezüglich der N a t n r a l l i e f ie.r u ngen in Ci Mang zw bringen. Gegenwärtig ist die Arbeit der Sachverständigen ausgeschaltet und die Rogierungen sind in -einem MeinuargsKustansch begriffen. - ,Mve Nmivclle" schreibt, es habe «den Anschein, daß die Delegierten der deutschen Neichsvegrerung dazu neigen., politische Vorschläge vorzu-'brin-den. . : 'Nach weit- .m M-eldumgen bestätigt es sich daß die düüsche Delegation Len Bersitch machte,' die- Ne'p'arat i o n s f r'a g e mit jener des Abschlusses eines .Handelsabkommens zu vev'ktt'iipfen. Die französische Regiievüwg hat cs unumwunden abgelehnt, einen solchen Weg zu betreten. - Auch drc doutsch-englischerr Verhandlungen stocken. London, 13. November. (Töl.-,Kom.p.) Wie ,Mcning Standard" erfährt, ist in den cnglisch-dentschcn Handelsverimgsvevha-ndlungnt eine Stockung cingetreten. Das erg-lische HaindelSministerrum ist gegenwärtig niit der Prüfung neuer Informationen beschäftigt. Man glaubt nicht, daß der Vertrag vor Ende Jä tut er unterzeichnet werden kann. Mar Donald geht nach Südamerika. Snowden übernimmt die Leitung'der LabourParty. Paris, 13. November. (Havas.) Me „C-hitago Dvr- . bune" «ins London meldet, hat 'bet. VollzuigsauKschuß der Arbeiterpartei Mac Donald einen' längeren Aufenthalt i m Au sland bewilligt. M-ae Donald wird sich wie verlautet, drei Monate in Südamerika au-fhalten und während dieser Zeit wird Sn ow den die Leitung der Partei übernvhMN, lich der Zusammenbruch Husseins zum großen Teile dadurch herbeigeführt wurde, daß Großbritannien den von ihm unterstützten König von Hedschas fallen ließ.. Hussein hat bekanntlich nach seiner Flucht aus Mekka die Erlaubnis erhalten, sich in Amman anzusiedeln, wo sein Sohn, Emir Abdullah, residiert. Es scheint nun, daß von der transjordanischen Hauptstadt ans, Wahrscheinlich mit englischer Hilfe, die Gegenoffensive ins Werk gesetzt wurde. Dies deutet aus eine durch die geänderten politischen Verhältnisse in England bedingte N e u o r i e n t i e r u n g der englischen Politik int nahen Osten hin. Deshalb findet hier der Vormarsch Husseins aus Mekka große Beachtung. London» 13. November. (Reuter-) Der Pazifist E. D. M o r e! ist gestorben. , * ■ M o r e T, welcher lange Jahre dem englischen Oberhaus angehörte, war einer der wenigen energischen -politischen Vorkämpfer der pazifistischen Bewegung. Dafür mußte er , auch im Kriege ins Gefängnis '.wandern, wozu dem britischen Militarismus Mörek^Narne unter dem bekannten Aufruf gegen den Krieg sowie seine „Verbindung mit Angehörigen feindlicher Staaten" den Vorwand bot. Morel hat sich im Oberhause, so oft sich ein Anlaß bot, sehr energisch gegen das Wettrüsten ausgesprochen; großes Aussehen erregte vor wenigen Monaten seine große Rede gegen die europäischen illegalen Rüstungszentralen in D e u t s ch l a n d, O e st e r r e i ch und U n g a r n. AntiseMenatlSweWngen ist FM. Cuza darf nicht mehr lesen. Bukarest, 13. November.. (I. T. A.) Der Innenm'mHister hat den Pr-äfektien von Jassy beau'strayt, jene MWieber des amiisemÄischrn V-erbcxwdes NMo-nailchv'.ftlicher Selibstschutz, die nicht ständig in Jassy wohnen, a u szuwe-isen. In der letzten Zöit halben sich m Jasiy r<Mrei-che antisemitische Agitatoren asNMsaimmckt, bie d»ie Ru'he der Staidt bedrohen. ' Die Z-öit.un>g „Dimineatia" teilt mivt, Untervichtsminifter A n g h e l e s c u habe beschlossen/ gemäß der Refoitutröm des Jassher ProsessEnLo'llegmms dem AnAssmitien>führer Prof. Cuza ails den intellektuellen Urheber der vN'HsembGchen Mordtaten die Lehrtätiig-keit zu verbieten. Die Grazer Technik zeschloffen. Graz, 13. November. An der Dcchnischen Hochschule in.Graz -herrschten seit längerer Zeit Dis-ferenzen zwischen einenr Teil -der Hörerschaft nmid Professoren einerseits und dem Professor Leon andererseits, so daß letzterer seit J a h r e s s r i st keine V o r l e s u n g e « hielt. Als er die Vorlesungen vor einigen Tagen wieder ausnahm, demonstrierte die dentschnationale Hörerschaft lärmend gegen ihn. Da die Studenbenscha-ft diese Demonstrationen fortsetzen wollte, verfüg'!o. das Rektorat zur -Wahrung der Disziplin heute die Schließung der Technischen Hochschule. . Wie aus Warschau berichtet wird, überni-murt der polnische Gesandte in Wien Graf Lasoekr den Gesa'nd'tevprsten in' Prag. Zu seinem Nachsolger in Men ist, wie gut unterrichtete Stellen erfahren, der gegenwärtige polnische Gesandte im Haag Pros.'W ierusz- Kowalsiki auserschen. Als KaMdat für den Wiener Giesandienposten wird auch der Direktor des Verwaltuwas'de^PartsmentS im Außenminhst-erium B e r t o n i leine Zeitlaug Leiter des Außenministeriums) genannt. Z-wm Ge'sandten i-n Moskau ist der Direktor des politischen Departements im Anß-enministermim Pros. KentrzynSki in Aussicht ge- I nommen. —v. W i e n, 14. November. lll® Zur Eröffnung der italienischen Kammer war die Opposition nicht evschieiten. Alle, außerhalb der Regievungsmehrheit stehenden.Parteien haben sich zur Absenz entschlossen, um so gegen d-as Systeln des FaszismnS zu protestieren. Das Prinzip des no cooperation ist die stärkste Waffe einer Nämorität, vielfach ihr einziges Mittel, sich Beachtung zu erzwingen. Aus der österreichischen Geschichte kennt man die schweren Wirkungen,, die die jahrelange tschechische Abstinenz für die Monarchie zur Folge hatte. Der Komps endigte mit der Zurückdrängung der deutschen Linken, die mit Hilfe der Militäribureaukratie ein diktatorisches, aus die. Aufrichtung der deutschen Hegemonie hinztelendes Regime errichtet .hatte. Die italienische Opposition hat zu diesem Mittel gegriffen, das scheinbar den ParlainentariÄnus negiert, in Wirklichkeit aber ihn befestigt, weil es die össentLche AufmerHaenkeit mit geradezu revolutionärer Kraft aus die bestehenden Zustände und ihre Alängel lenkt. Die österreichischen Machthaber trösteten sich ftiilerzoit mit der Behauptung: wer nicht da ist, hat unrecht. Dieses Mort hat sehr bald kapitulieren müssen, weil es sÄbst die Gewalt repräsentiert, aber mit jedem Hieb in die Lust fährt. Es steht ihm nicht GÄvalt, sondern das geiftche Argument, die Kritik der Logik gegenüber. Die fbeschlüsse der Mehrheit, die ohne die Befruchtung durch-Rede mv> GegenrM zustande kommen, haben keine Autorität,' und dies wird auch die saszifttsche Garde Mussolinis'erfahren, müssen. - ' ''/ '.-v '; Sie wird um so stärker unter diesem organl-sierten' Nein leiden, als es von der gesamten-Opposition mrsgisprachen wird, die sich aus den loyalsten Liberalen uv&! Klerikalen und den' repMikanis-chen Parteien zulsammeusetzt. Zwischen diesen in dm Mahlen bis zu Schlacken geschmolzenen Gruppen bildet lediglich das Bekenntnis zum Parlamentarismus die BeMndung und darum ist ihr Auftretm eine beinerkenswerte Tat in der Zeit, in der das Beispiel des Faszismus weit über die Grenzen Italiens hinaus böse Wirkungen geschaffen hat. In allen emopäffchen Staaten gibt es mehr oder minder starke Strömungen, die in der Aufrichtung des rücksichtslosen bewaffneten Majoritätssystems die Panazee gegen alle Uebel der politischen und sozialen VereleMrng preisen. * Insbesondere ist es der tobsüchtige Radikallismus der Chauvinisten deutscher Art, der sich an Nlussölim begeistert und ihm sogar mit Gruß und Heil das deutsche Südtiroll geschenkt hat, weil ihn weniger das Schicksal der Minorität als die strategische Okkupation interessiert. Dreiser schwarz-weiß-rote Enthusiasmus berauscht sich an der Romantik der schwarzbehemdeten Iungens, die mit Waiffen von Neapel nach Rom marschierten, und er möchte gar so gerne die Wonne eines solchen Einzuges mit Fahnen, Standarien und kriegerischer Blechmuisik erleben. Aber eines schickt sich nicht für alle und der italienische Faszismus hütete sich, die letzte Konsequenz zu ziehen. Er blieb ans dem Boden des Parlamentarismus; der ideenlose Glaube an die Allmacht der Faust mußte sich beugen und der Demokratie seine Konzessionen machen: Er hat es bald erfahren müssen, dätz der stürmende Jdealiswus, wenn er sich unter Mißachtung der Gelsetzlichkeit die Herrschaft erobert, nur det Schrittmacher kalter Geschästema>cherei ift, bte ihn mit nüchternen Sinnen benützt und ihre Interessen - ohne Sentimentalität wahrmmmt. Die Primavera di belleM hat die Tertia Jtalia nicht so Vergolder, wie das -der Diktatur erträumte. Sie kann die Gewaltm,' die sie ' gerufen, nicht los werden, weil die Methoden, d:e vielleicht in einem kurzen Augenblick Sinn und Inhalt hatten, an der Härte der wirtschaftlichen und sozialen Tatsachen sich abst-umpsten. Der Faszismüs ist wie sein Antipode, der russische Kommunismus,, ein Kind der giftigsten Entartung, des WMrieges. Er ist im Arsenal geboren, überträgt die Brutalität auf das Politische Leben und will nicht verhandeln, sondern nur Niederschlagen. Er ist die Negation der freien Entwicklung und mag ihn auch in seinem Beginn der beste Willen beseelen_es kommt die Stunde, wo ihm die Idee des Rechtes und das Recht der Idee entgegerckritt. : Wie B-anquos Geist erscheint immer der Schalten des ermordeten Atatteotti in der Kammer, und die Mehrheit, so se-hr sie fich geaen disse Erinnerung sträubt, kommt doch nicht aus diesem Bann bevcms. Die Oppo-

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