Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2061 (13.11.1924)
- Date
- 1924-11-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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tM9f I Vkrn, DvMeMffg Mitteilungen ans dem Publikum. Tepptahkehrmaschinen UU« I. Wipplingerstrasse Nr. 18 Segen die Diktatur in Spanien. Verhaftungen in Madrid. Paris, 12. November. (HavaS.) Das „Journal" Meldet aus Madrid, daß die Zahl der in Madrid verhafteten Extremisten 80 übersteige. „Petit Parisien" stellt fest, daß keiner von den an der französischen Grenze verhafteten Spaniern den spanischen Behörden ausgeliesert wurde. Bourbon in Barcelona. Barcelona, 12. November. (HavaS.) In einer Straße in der Nahe eineöffentlichen Parkes fand ein Passant vier Bomben. An derselben Stelle wurden fünf Personen verhaftet. DMitLrifche Maßregeln. Madrid, 12. November. (HavaS.) Die Regierung hat beschlossen, die Entlassung des Jahrganges . 1921 zu verschieben und die JahreSklasse 1924 einzuberufen. In einer amtlichen Mitteilung wird erklärt, Spanien denke keineswegs daran, den Feldzug in Marokko einzustellen. Dieser werde vielmehr mit ganz neuen Methoden und mit der größten Kraftrntfaltung fortgeführt werden. Ae Heldentaten der Fasristen gegen dir Invaliden. Rom, lfi. November. Der Leitungsaüsfchuß der KriogSderftümmelben stellt fest, daß die Kriegsvcrstämmelte« am 4. d. -Uiwmittellbar vor dem Grabe deS mrbekannten Soldaten und dem sogenannten Altar des BaterLrndsS angegriffen und dadurch verhindert worden feien, ihren Kranz -wi-ederz>ule§eu. Besonders ober bedauert der LeidumgsauSschuß, daß di« faszistisch« Partei bis heute kein offene- Wort de'S Tadels und Bedauerns' über diese Angriffe ausgesprochen habe. In Anbetracht der e r n st e n Lage >deS Landeunterdrückt der Leitungsausschuß seine Bitterkeit, um die Regvevuing ein letztes Mal zu ermahnen, ihren Anhängern jene Disziplin aufAu erlegen, die die ganze Nation schon Hängst sich selbst auserlegt habe. Eine Erklärung dS faszistischen PrestcrmteS. Das Presseamt der fa'Szistischen Partei eErt, daß di« Angaben der Kriegsteilnehmer über die Vorgänge am 4. d. u allgemein und auch übertrieben" feien. Der FaSziSmus habe ,Dagegen" an diesem Tage vier Tote und viele Verwundete «n ganzen Land« gehabt. Di« ^Ftalia Libera" sei «ine umstürzl«risch« Bereinigung, gegen di« allem und ausschließlich sich die Angriffe mgthtt FaS^sten gerichtet Las friedensliebende Ungarn. Keine Abrüstung, aber Gesetz gegen Spionage« (Eigendienft der „Wiener Morgenzeilung".) Budapest, 18. November. Gestern beantwortete der Hondedminister Graf Csakh die Interpellationen über die vom Völkerbund verlangte Abrüstung. Er leugnet alles und bchauptet. daß Ungarn nicht einmal die vom Friedensvertrag gestattete» Stände unterhalte, vm aber der gegenteiligen Auffassung mit Erfolg zu widersprechen, wäre es angezeigt, durch unbefangene Urteiler eine Untersuchung vornehmen zu liasien. Graf Csakh Magi dies nicht vor, sondern verklangt ein Gesetz gegen die Spionage. Die Nationalvevfamm-g lung nahm natürlich seine Antwort zur Kenntnis. Sie möchte» ihren krtütt lorMerden. Budapest, 12. November. (Ung. Tel.-Korr.Bur.) In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung führte Abgeordneter Györki (Sozialdemokrat), der Verteidiger Eskütts in dessen Panarnaprozeß, in einer Interpellation Klage darüber, daß die Untersuchung nicht aus Tetailfra-gen ousgedchnt worden sei. Eskült habe viel mehr Beträge unterschlagen, als die Anklageschrift angibt. Rufe rechts: Sie stnd ein schöner Verteidiger!) Der Justizminister «betont in seiner Antwort, die Angelegenheit gehöre nicht vor die Nationalversammlung. Die Anordnung der Untersuchung, den Geisteszustand Eskutts zu prüfen, sei um so berechtigter gewesen, weil er bereits einmal in einer Nervenanstalt untergebracht war. Die ärztliche Untersuchung habe mich «ine beschränkte Zurechnungsfähigkeit ergeben. Die Antwort des Ministers wird trotz des Einspruches des Interpellanten zur Kenntnis genommen. Die Behauptung Györkis, EÄütt sei Gelegenheit zur Flucht geboten, weist der Minister zurück. Wiener Mavftenzeklriitz. 18. November 1924 Nr. 2061 «frat Meller wiederholt seine Brjchuldi Mngen. Der Kamps um Hofra-t Meller, der Vorstand der Universität---Augenklinik, hat heilte in seiner Dorliefung oiie Anklagen gegen das Allgelnein« Krankenhaus und dessen Aufnahmspraxis in bezilg auf mittellose Patienten wiederholt. Cr belegt seine Beschwerden durch di« Anführung bestimmter Fälle und -sagt unter anderem: „Es wid^vspricht jeder Menschlichkeit und ruft den Eindruck hervor, daß in der AuftrahmSkauzl« deS Allgemeinen Krankenhauses eine förmliche Inquisition durchgefrchrt wird. Ich habe seinerzevt erklärt, daß aus den allgemeinen großen Zinmern aus sozialen und disziplinären Gründen nur eine Verpflegsklafse bestehen darf und habe daher auch gegen die verschiedenen Vorschläge der sogenannten Zahlstockgebllhre» Stellung genommen und d^e Schaffung eines ZahlstockeS an meiner Klinik strikte ab ge lehnt. Unter Zahlstock ist nicht ein eigenes Gebäude zu verstehen, sondern es handelt sich um Kranke, die entweder in ein isoliertes Kammer! gelegt werden oder alz zahlende (Klasstw>)Patienten mitten unter den anderen liegen. Ein Kliniker soll ander« Sorgen haben als das Aufteilen der von Massenpatienten einlausenden Gelder nach de>m Verteilungsschlüssel: a) der Direktor des Spitals 5 Prozent, b) die Hilfsärzte 10 Prozent, e) das Anstaltspersonal 10 Prozent, d) ibw zuweifende Arzt 20 Prozent. Ich konnte und werde nie und nimmer einem solchen System zustimmen. Haben die Beamten in der AufnahmRanzlei derartige Vorschriften, dann sprechen dieser joder Menschlichkeit Hohn und müssen auf das schärfste bekämpft werden. Don allen Seiten hat sich gegen diese rücksichtslose Geldeintrriberei Widerstand geltend gemacht und an den verschiedenen Kliniken und Abteilungen haben sich die Aerzte — dieS kann ihnen nur zur Ehre gereichen — der armen, mittellosen Kranken angenommen und sie unterrichtet, daß man sie nicht verpflichten könne, eine höhere Verpflegs-klaffe zu bezahlen, als in weilcher st« tatsächlich verpflegt worden sind. In einem Erlaß vom 10. Februar dieses JcchreS an alle Vorstände der Kliniken und Abteilungen beschwert sich die Direktion über diese Aufklärungen der Patienten und macht darauf aufmerksam, „daß Parieren in VerpflegSkostenangelegenheiien ausnahmslos an die KrankenhauSverwältung zu weisen find und solche Auskünfte auf den Gang der Verpflegskosteuembvmgung keim« Einfluß hoben". Vergleicht man damit, was der Direktor des Allgemeinen Krankenhauses ans meine Anschuldigungen zu erwidern suchte, so werden Sie verstehen, warum ich meine Entrüstung darüber nicht verbergen kann, und warum ich mm gar keinen Grund vie Ausländer. habe, ihn irgendwie zu schonen. Herr Hosrat Meder leistet sich aus di« Frage, ob es richtig ist, daß.bei Ausnahme von. Kranken die Tendenz verfolgt werde, von den Patienten möglichst große Beträge zu erlangen, die Antwort, daß das Ergednis der Untersuchung für mich die gebühre nde Antwort geben werde. Wenn er weiters behauptet, daß ihm kein einziger derartiger Fall bekannt sei, so beweist er nur, daß er keine Ahnung von den Vorgängen in dem seiner Leitung unterstellten Krankenhaus hat. Direktor Meder hätte sich vielleicht aitlf den Erlaß der ZentraHdirektion vom 4. Jänner 1928 berufen können, wonach die allg'Smeine (dritte) Gebührenklasse nur für Unbemittelt» - bestimmt ist, d. h. daß heute z. B. der Un>bemitte>ll täglich 65.000 K. für 30 Tage im vorhinein, also 1,960.000 K. auf einmal zu erlogen hat. Erst durch Nachsätze wurde diese Bedüngung in vernünftigere Formen gegossen. Der Mittelstand muß seinen letzten SparpifeNnig hergeben, muß sich sotzufageir das Hemd vom Leide zichen laffon, wenn er krank wird, bevor er sich auf das Schmerzenslager legen darf. DaS Gold, das für diese armen Leute in den Kliniken auSgogeiben wird, ist nicht verloren, sondern wird reichlich hereingebracht durch de« Zustrom fremder Aerzte, von denen sich viele auch mit Familie durch Monate hier aufhalten, um an den großen Kliniken ihre Studien weiter zu betreiben, und die während ihre- Aufenthaltes viele Milli o n «n a n S t < u e r n der Gemeinde zurücklasien. Der Mittellose ist der Schrittmacher deS reichen Ausländers. Der Kampf, den ich führe, ist kein neuer, ich führe ihn, seitdem ich in den Umstuvztogen diese Klinik Übernommen habe, «S ist ein Kampf um die Größe, um das Gedeihen, um die Blüte der Wiener Kliniken. Auch in diesem Fall« mutz die Freiheit der Lehre so durchgeführt werden, daß jedem, der sich in das Amb-ula torinm begibt, und sich zu Unterrichtszwecken verwenden läßt, dort alS Gegenleistung die Behandlung der Klinik zuteil wird. Dann wird eine neue Blütezeit des klinischen Betrieibes, klinischer und wissenschaftlicher Arbeit zu erwarten sein. Befreien Sie uns, Herr Bundeskanzler, befreien Sie uns, Herr Unterrichlsmimfter, so schnell als möglich von de- Oberhoheitaller Faktoren, die in ihrer engherzigen Partei- und Steuerpolitik nie und nimmer «in Verständnis für die Bedürfnisse von Kli« niken haben können. Ob darüber di« Wiener Kliniken verdorren ober nicht, darum kümmern sich dielse Faktoren recht wenig. Lie erste Sitzung per Kabinett» Baldwin. . London, 12. November. In der Dsw-iEngstreet wurde heute die ersteSitzung des Kabinetts B a l d w i n abgehalten. Sie dauerte eindreivüertel Stunden. Nach Blatteraweldungen verlautet, daß in dieser Sitzung Vo-rbefprechungon über di« Politik, di« dem Parlament« in der Thronrede unterbreitet werden soll, stattfanden. Ler Senuffi-Scheiib. London, 12. November. (Wolff.) Wie die „Times* melden, sei der frühere Großscheich der Senusse'n, Sidi Achmed, von Damaskus nach Jerusalem abgereist, um nach Beirut zurückzukehren und von dort auf dem Landwege nach Mekka zu reisen. Ein islamitischer Kongreß. London, 12. November. (Wolff.) „Morningpost" meldet aus Kairo, I b n Saud habe in einer Konferenz von 300 Wahabiten-Scheichs erklärt, er beabsichtige, nach Mekka eine islamitische Konferenz einzuberusen, zu der er Abgeordnete der ganzen muselmännischen Welt einlade. Arnstein geht «ach Amerila. Wie aus B r e m e n gemeldet wird, wird sich Ingenieur Karl A r n st e i n, der Erbauer des „Z. R. 3.", am 15. J>. in Begleitung von zwölf Ingenieuren des ZepprlittbaüeS nach den Vereinigten S ia ate n einschiffen. * Selbstmord. In einem Hotel im 20. Bezirke hat sich gestern früh der 26söbriae Agent Fram D r e o e r erschollen. * Eine Kindesleiche im Kehricht. Vorgestern wurde auf der Kebrichtciblagerrmgssiätte in Floridsdorf die Leiche eines neugeborenen Knaben gesunden. Sie war iu braunes Packpapier gehüllt. * Unfälle beim Fuhballspkel. Auf dem Fußballplatz« des Slovan erlitt gestern der 32jährige Rudolf Kratochwil durch den Knietritt eines Gegners eine schwere Quetschung der Hüfte und der Lendengegend. Tie NettungSgesellschaft brachte ihn in daS Svital. — Der 12jährige Bürgerschüler AloiS G a r e i S erlitt beim Fußballsviel einen Schienbein- und Knöchelbruch. * Tanz'mstitut Hermann Braun, 14. Bez., Reindorsgass« 42. (Entgeltlich.) Au» de« Theatern. Im Deutschen BolkStheater wird in Ab» Lnbsrung deS Spielplaner morgen, Freitag um 7 Ubr die Vorstellung von „M a r i a Stuart" mit Leopoldine Konstantin wiederholt. Reckaissaneebübne. Heute, 7,8 Uhr abends, findet die Premiere der Tragödie „Geld" von Seinen I u s ch k e w 1 t s ch statt. Komödienbau r. Heute Uraufführung von „Maria Ehrt st", Schauspiel in 5 Akten von Friedrich L i ch t n e ck e r. Sie Schweiz schafft da» Getteidemonovol ab. Bern, 12. November. (Schweizerische Depeschenagentnr.) Der Bundesra, veröffentlicht eine Borlage über di« Abschaffung deS noch ans der Kriegszoit herrührenden staatlichen Getreidemonopols. An Stelle des Monopols müssen bi« Getrerdeimporteure ständig einen Vorrat von 60.000 Tonnen Getreide lagern haben. Für in der Schweiz selbst geibantes Getreide werden P r ä m!i e n ausgefetzt. vir Tevilenknrle. Zürich, 12. November. (Devisenknrse von 12 Uhr. Von der Scbweizerikckien Kreditanstalt mitgeteilte Mittelkilrse.j Berlin pro Billion 1.23'/. (1.285), Holland 207.35 (207.50/, Aew-Vork 519'/. (519.—\ London 28.93 (24.-). Ac,rlS 27.50 (27.40), Mailand 2245 (22.42), Brüssel 25.10 (25.10), Koveubaoeu 91'/, (91.50), Stockholm 139.- (139.50), GbtKÜonifl 76'/, (77.-), Madrid 70'/. (70.25), Buenos Aires 194.- (195.-), Prag 16.45 (15.45), Budavest 0.0069'/, (0 006980). Bukarest 2.85 (2.90), Belgrad7.47'/, <7.50), Sofia 8.77'/, (3.76), Warschau 100—(100.-). Wien 0.OO7320 (0.0Ö7310). $ vag» 12. November. «Tevisenkur'e. — Mitgeleilt vom Bankamte teS iTd'^d'o-Uotuntifd’ieu sllnlaiizniii'illeriiliuS.) — Berlin*) 8.09»/. (8.09»/., Zürlck. 655.- (655.-). Paris 180.50 kl 79.12), London 156.92 ,157 05), Bew-Bork 38.95 (33.95), Belgrad 48.20 (49.05'*, Bukarest 18 60 (18.87*/,), Wien 4.70'/, (4.70'/,), Warschau 652'/, (652.50), Agram —(—.—), Budapest 4.31'/, (4.83'/, /, IugoNawi'chr 48.86 (48.85), Oellerreichische gestemvelte Krone 4 50 (4.70'/,). Polnische ch) 651'/. (651.50), Ungarische 4.29'/, k4.31). *) per Billion, ch) für 100 posnische Gulden. Warsrbau, 12. November. tDevisen.) Berlin—.— bis—.— London 23.88 bis 24.12, New-Aork 516 bis 521. Prag 15.47 bis 15.61. Wien 7.28 bis 7.85.