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Wiener Morgenzeitung · 1924-11-12 · Heft 2060 (12.11.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2060 (12.11.1924)
Date
1924-11-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Men, Mittwoch Wiener MorgenzeitunA. 12. November 1924 Seite 8 «r. 8066 Kxodur der ühriftlichfozlalen an« dem Grmelnderat. Indiskretionen aus dem städtischen Stencramt. In der gestriHen Gemeinderatssitzung -vurde die seit langem angokürckigte Herabsetzung der MirsovgMibgabe von 4,25 <uuif 4,06 Prozent beschlossen. Die mit 8,5 Prozent festgesetzte Fürsorgeabgäbe bleibt von diesem BeMuß unberührt. Im Laufe der Debatte über diesen Punkt stellte der chriistlichsoMle Genre iinderat Zimmerl den Antrag, daß der Bürgermeister eine Untersuchung darüber einleiten möge, daß in der gestrigen ,Mbeiterzei>tung" die Gemeindeabgaben von 66 Stauertvagevn 'der ÄGentbichkeit preisgegeben wordien waren. Dies stelle einen groben Mißbrauch der Verschwiegenheit über das Steuergeheimnis Vor. Die Beamten, die einen solchen Mißbrauch ihrer Amtsgewalt sich hätten zu schulden kommen lasten, seien zu bestrafen. Dieser Antra,g wurde vm der Mehrheit abgelehnt, ivas den chrdstlichsogtailien Gemein,devat Kunschakzuder EEävung Vevaulaßte, daß seine Partei, die eS gerne sehe, wenn sich die Schuldlosigkeit der Beamten hemusstellte, an den Beratungen einer Körperschaft, die einen solchen Antrag ablehne, nicht weiter teilnehmen kö :: n e. Es sei eine Schande, unter solchen Umständen Gemomdera-t zu sein. Hieraus verließen diie chrtstlichsozialen Gemeinderäte unter großem Lärm korporativ den Saali. Die Sitzung wurde nun in ihrer Wwesenheit fovtgefühvt und eine Reiche von Geschäftsistücken, die der Stadtsenat vovbehalWch der Genehmigung des Gemeinderates durchgesührt hatte, der Erledigung zugeführt. So wurden unter anderem über Antrag des Stadtrates Siegel mehrere Milliarden für Neubauten, 2,1 Milliarden für die Ausgestaltung der neuen Kehrichtabfuhr und eine Milliarde' für die Ausbesserung von Straßen bewilligt. Für die Anschaffung von 36.000 Stück Elektrizitätszählern wurde «in Sachkredit vom 22,5 Milliarden gewährt. Stadtrat Breitner referierte über Lohnerhöhungen der städtischen Arbeiter, Vizebürgermeister Emmerling über Tarifnachslässe in den städtischen Lagerhäusern, und Stadtrat Professor Tandler über die Ausgestaltung des Entbindungsheimes, in der Brigittenau. Alle Reseventenanträge wurden fa>st deibattelos angenommen, da biie vorgemevkten christlichsozialen Oppositionsre-dner infolge ihrer Mtvesenheit das Wort verloren hatten.! % Wal Jensiei nsfr. 7 6 V.Schonbrunnets. 105 X. FdVori1ensfrJ3Q XXh Itauptatr. 44 Maffersdorfer LSufer* 67 breit, Tapestryart, 5-7 farbig 90 *90 *90 *90 *67 *90 90 90 90 Tapestryart, 5-7 farbig sehr schwer, vielfarbig.. . außerordentliche Qualität ... hochfein.. Velours, schworst.. . Velours, schworst ...... . . feinste Schafwoll-Velour, 3 farbig . . » h „ 5 farbig . feinste Schafwolle, Qual.Täbris. 8farb. Tausender K 24 K 37 K 56 K 68 K 74 K 128 K 165 K 320 K 360 K 420 orKiinoieum Re Konferenz der Nachfolgestaaten in Wien. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Bellgrad, 11. November. Der Agramer Universitäts- Professor Dr. Straznieki wurde zum jngoftawischen Delegierten für die am 13. November in Wien beginnende Vorkonferenz der Nachfolgestaaten ernannt, die sich mit der Aufteilung der österreichisch-ungarischen Fonds und anderen aus dem Vertrag von St.-Germain sich ergebenden Fragen beschäftigen wird. Mussolini vor der Rumpfkammer. knglische Kredite für die österreichische Industrie. Eine Million Pfund. Graz, 11. November. (Korr. Herwei.) Das christliclisoziale „Grazer Bolksblatt* berichtet, daß auf Grund des kürzlich vom Nationalrat verabschiedeten Gesetzes über die Industrieobligationen führende österreichischeJndustriekonzerne mit englischen Bankhäusern Kreditverhandlungen gepflogen haben. Das Ergebnis dieser Verhandlungen ist, daß noch vor Weihnachten die englischen Bankhäuser eine Million Pfund an die österrrichische Industrie zur Vergebni'a bringen. Ae Levofitenbank. 45prozentiger Ausgleich in 15 Monatsraten. Im Laase des gestrigen Tages haben Sitzungen des verwalt ungsrates sowie der G es ch äf t s a uff i ch t der Depositenbank stattgefimben. Es würbe hiebei ein Antrag formuliert, der morgen dem HandelLgevicht unterbreitet werden wird. Dieser Antrag sicht einen 45prozentigen Ausgleich vor, der in 15 Monatsraten zahlbar wäre. Camillo Castig'lioni ist vorgestern abends im Automobil in Berlin eingetrosfen 'und im Hotel Esplanade a!bgestiegen. Am gestrigen Nachmittag konferierte. er mit dem gewesenen Generaldirektor des Stirmes-Konzerns, Herrn Minonx, der seinerzeit mit Lud endorsf und Claß das regierende Direktorium Deutschlands bilden Mte. Wo der Ritualmord fabriziert wird. In einem staatlichen Gebäude in Wien. Die Redaktion der „Arbeiter-Presse", die derzeit mit bem - Ritualmord in Meidling so stark beschäftigt ist, befindet sich in Wien, 1. Bez., Elifabethstraße 9. Das sieht so harmlos aus, daß man sich dabei für gewöhnlich nichts zu denlkan brardcht. Pikant wird die Sache, wenn man erfährt, daß die angegebene Adresse die des Schiller-Hofes ist, eines staatlichen Gebäudes, in dem früher das Eifeubahnministerium untergebmcht war. Dieses Halls wurde vor zwei Jahren auf Intervent! on des Haudels'ministers Schür ff den Hakenkreuzlievu eingeräumt, die für ein Spottgeld dort untergebracht sind. Das Haus wurde aus Steuergeldern erbaut und wird aus Steuergeldern erhalten. I :: dies e >m Haus wird der Ritnalmord gvulacht. (Eigendienst der „Wiener Morgeuzeitung") Rom, 11. November. Mussolini hat seine Erklärung vor der Regierungsmehrheit der Kammer in versöhnlichem und sachlichem Ton gehalten, was in politischen Kreisen beruhigende Wirkung auslöste. An der Versammlung nähmen über 300 Abgeordnete teil. Von einer Diskussion der Regierungserklärnng wurde abgesehen und nur eine Neubesetzung des Mehrheitsausschusses beschlossen. Mussolini betonte die Bestrebungen seiner Negierung, das italienische Volk zum geordneten Leben wieder zurück- -zuführen. Die Regierung habe ihr Versprechen gehalten und die Kammer zur gewohnten Zeit wieder einberufen. Trotz einer begreiflichen Ruhelosigkeit der Meitermassem vereinzelter, rasch beigelegter Streiks und trotz der bedauerlichen Zwischenfälle am Tage der Siegesfeier sei weder die Ordnung ernstlich gefährdet worden noch hätten die staatlichen Betriebe irgend eine Unterbrechung erfahren. Die Faszistenpartei habe die Feuerprobe der Disziplin bestanden. Kege« dm Faszirmu». Einigung der italienischen Oppositionsparteien. (Cigendienst der „Wiener Morgen,zeit ung".) Rom, 11. November. (Stefan:.) Die Abgeordneten der Oppositionsparteien sind heute i>m Kammergebäuide unter dem Vorsitz des Aba. R o d i n o (PoPclare) ,z,usaurmengetreten. Rodino hielt eine Ansprache, worin er die Entf chlo s f e n h e i t u nd U n a b h ä n g i g k e i t de r Oppositionsparteien betonte und die Vereinigung der demokratischer: Liberalen u>n-d der Popvlari, die sich zun: Mioinarch'isrmrs bekennen, mit den Sozialisten und Rep u bl i k a n e r n, die diesenr Bekenntnis nicht archiängen, rechtferti-gte. Die Versamwlrmg rrahnr mit Äk^anratioin eine E rklär ung au, worin dom Lande nütgeteilt wird, daß die Parteien der Opposition an den parlame nta r is ch e n Arbeiten nicht t ei l n o h m e n w erden, denn die von Hrren arn 27. Juni fcstgesiellte Lage dauere fort. In der ErKärnng w>'ird die gegenwärtige Lage ansführlUch dargelegit und an alleirr, was die Regikrurrg getan hat, hastige Kritik eeübt. Es sei. heißt es dann, nicht Sache der OPPoMoirrZlPartei'en, die Lösung zu bestiruenen, dia angesichts der Lage, die sie nicht ge schassen hätten, erserderlich sei. Es fei jedc>ch natürlich, daß c'me radikale und endgültige Löfirng nur i n e i n e:nt A P P e I l a n das Lau d zu finden sei, der rruier der Bedingung vollkomweil er Legalität mit allen Politischen und moralischen Bürgschaften durchzriifrchrerr wäre. Nicht bloß die Op>positiousparteien, sondern alle Märlner mmb alle Parteien, die arn politischen Leber: teillrehmen, hätten die Pflicht, ihre Glesiunung zu bekunden und eine Kare Verantwortung gegenüber der gegenwärtigen Lage auf sich zu nehmen. Usquith führt nach Aeghvten. iEigendieuist der „Wiener Morgenzeitung".) Paris» 11. November. A 8 quith ist beute nachmittags in Paris angekomrneu, von wo er morgen über Trieft nach e g y p t e n reijen wird. 8er enslifch-rnUchr Vertrag wird nicht ratifiziert. (Ei>gendie»rst der „Wiener MorgenizoitUlNg".) Berlin, 11. November. Der „Vorwärts" meldet aus London, die konservative Regierung sei sich bereits darüber schlüssig, daß der von Mac Donald mit den Russen abgeschlossene Vertrag nicht ratifiziert werde. Sobald C h a m b e r l e i n die verfahrene Sinowjew-Angelegenheit erledigt habe, beabsichtigt er, den Russen zu erklären, daß der vorliegende Vertrag nicht ratifiziert werde, England aber bereit sei, auf einer neuen Grundlage ein Bertragsvcrhältnis mit Rußland herbeizuführen. Kümpfe zwischen Moutenegr'mera aus Albanern. (EigLud'wnst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 11. November. Die „Pravda" meldet den Ausbruch kriegerischer Unruhen zwischen M outen eg r i n e r n hnd Albanern, die ihre Ursache in der Ermordung eines mondenegrinischen Kreispräfekten durch alban'ische Banden haben. Mehrere tausend Montenegriner marschieren von Andrejevica in der Richtung auf Bjelopolje und Berane. Die Verbindungen mit dem Sands ch a k sind a b g e s ch n i t t e n. Mehrere Dörfer. stehen in Flaminen. Auf beiden Seiten sind zahlreiche Tote zu verzeichnen. Aus Jpek sind Truppen abgegangen, um die Ruhe in dem Aufstaudsgebiet wieder herzustellen. Ei» Hakenkrruzanttag im bayrischen Landtag abgelehnt. Die Zulassung der Juden zum Handelsgewerbe. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) München, 11. November. Im Wirtschaftsausschuß des bayrischen Landtages veranlaßte heute ein völkischer Antrag eine längere Aussprache. Der Antrag verlangt von der Regierung, daß zum Schutze der deutschen Wirtschaft die behördliche Zulassung zum Handelsgewerbe an Juden ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit nicht mehr erteilt und daß bereits erteilte Zulasiungen von Juden rückgängig gemacht werden. In der Aussprache bezeichneten die Redner der Parteien und die Regierungsvertreter den Antrag als gegen die klaren Bestimmungen der Reichs- Verfassung wie auch gegen die Gewerbefreiheit verstoßend. Der Antrag wurde mit allen gegen die Volk' schen Stimmen abgelehnt. Re Gememdewahlen in Mührisch-Sstro». (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Mährisch-Ostra«, 11. November. Am Sonnwg habe:: hier die Game Mvewahlen unter wußerovdeMicher Beteiiligung staltgefuinden. 88 Prozent der Wähler erschienen zur Wahl. Um die 49.000 abgagebenen Stimmen hatten sich zwölf Parteien beworben. Es evhieliten die tsche-chifchen Sozialisten 16, die h'chechischen NationalsoziiaUsten 5, die tschechischen Klerikalen 7, die dauksche Alinderhertspartei (Haikenkreuizler und Ehriistlüichsoziale) 12, die tschechischen Nationculdemokvaten 5, die Kommuniisten 7, die Jüdrs chnationalen 2 (Advokait Dr. Qthmar Huß und Kausmanin Jonas L ö w h), die Legionäre 2, die deutschen Sozialdemokraten 1 ,die deutschen Demokraten 1, die Ischechische G-cI.verb>epartei 2 MMate. Die Iüdischnationaler brachten 1685 Stimmen oiff : Set Berkehrsstreik in Berlin. (Eigendienst der ^.Wiener Morgenzeitung") Berlin, 11. November. Infolge der Stillegung der H o ch- und Untergrundbahnen Wege:: des Streiks ihrer Angestellten herrschte honte auf die übrigen Verkehrsmittel ein Massenansturm. Namentlich die Straßenbahniwagen und Autobusse waren in. lebensgefährlicher Weise überfüllt und konnten kaum den Verkchr bewältigen. Die meisten der Hundertansende von Angestellten, die auf die Beni'ltzung der Verkehrsmittel angewiesen sind, trafen erst mit großen Verspätungen an ihren Arbeitsplätzen ein. An den Haltestellen der Straßenbahnen und Autobusse kan: es unter dem Publikum zu heftigen Reibereien. Außer den: Streik auf der: Hvä>- und Untergrundbahnen ist auch noch ein Streik in der Dreherei des A. E. G.-Konzerns ausgebrochen, der ebenso wie der Ausstand bei den Siemens-Werken zu Betriebseinstellnugen fiihrte. Oie?. T. Interessenten werden zur Besichtigung der üsfisiSiPelzmlnteln, Herrenstadtpelzen »*FMH.anmt in erstklassigster Ausführung — In allen Pelzarten — eingeladen und bin ich überzeugt, dass Jeder von der reichhaltigen Auswahl, vorzüglichen Qualität und besonderen Billigkeit entzückt sein wird ' Pelzhaus O. I. PIPERSBSRG, II. Praterstrasse Nr. 9

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