Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2057 (9.11.1924)
- Date
- 1924-11-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981140--21043-3008312- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Beffe 8 Wien. Sonnkag Wiener MorsiettLeiittüzr. iy^r W «-O mm Wv. 2057 Schuhel mit eingebautem „Berson^-Gummi-Absatz liche Sätze zu Pressen, über die nicht noebgedacht werden muß: Der Jud' ist an allem schuld, Oesterreich wird von den Zacken regiert! Erschlagt die Juden! Hitler und Ludendorff sind die Netter! Die Kinder, sie hören es gerne. Und die Lehrer auch. Die Eintönigkeit dieses Blödsinns wirkt suggestiv aus die Massen und lenkt sie gleichzeitig von dem tieferen Sinn dieses Treibens ab, den die MörderMtrale in München verbreitet, Oesterreich in inneren und äußeren Krieg zu irer&en, es dem Horthy in die Hände zu spielen und von hier aus den Frieden, um dessen Sicherung die besten Köpfe Europas sich mühen, auszuheben. Oesterreichs Bestand als freier Staat, die Ordnung seiner Wirtschaft, seine innere Ruhe, ist eine der Voraussetzungen ftir den Wiederaufbau der von Helden und Hyänen zerstörten Welt. Darum erschüttern die Völkischen immer wieder die Gesellschaft des Staates, darum brüllen sie ihr Pogromgeschrei hinaus, darum unter-- minieren sie alle Ansätze zur Gesundung, vergiften die Jugend und. verpesten jede Lebensmöglichkeit. Die Gesellschaft fürchtet sich vor ihnen, die Feigheit der Presse ist ihr bester Zutreiber und der Staat ist wirklich, wie gestern in einem solchen gesinnungstüchtigen Blatt gedübelt wurde, unter die völkische Führung gekommen. Bubi-Kostüme reine Schafwolle, Ia Qualität K 490.000 Feinste Seidenflor-Damensfrüinpfe früher K 58.000 / Jetzt K 45.000 „Adeslstrumpk" nur I. Traitnerhof 2 (Graben) Herbert Samuel kM nach Wiistiim zurück. Genf, 7. November. * (I. "T.' A.) Sir Herbert Samuel, der britische Oberkömmissär für Palästina, der sich wegen der Tagung der ständigen 'Mandatskommission des Völkerbundes in Genf aufhiclt, hat am 2. d. Genf verlassen, um nach Palästina zurückzukehren. Eine pEinenM-arabische Legion gegen die Wahabiten. Jerusalem, 5. November. (I. T. A.) Laut einer Mitteilung der arabischen Zeitung „Liffan el Arab" haben sich allein in Nablus 160 palästinensische Araber als Freiwilligenlegionäre cintragen lassen, um für die Haschimiten und gegen die Wahabiten int Hedschas zu kämpfen. La Folette hat dar Kmachrnden-Memorandnm nicht gelesen. New-Uork, 7. November. (I. T. A.) Louis Marsh all, der Vorsitzende des Amerikanisch-jüdischen Komitees, hat Senator La Follxtte, den jetzt unterlegenen progressiven Kandidaten für den Präsidentschaftsstuhl, deswegen angegriffen, weil er ein Memorandum ungarischer Verbände mit scharfen antisemitischen Ausfällen dem Senat der Vereinigten Staaten unterbreitete. (Wir haben den Inhalt dieses frechen Pamphlets seinerzeit mitgeteilt.) Senator La Fallette hat im Zusammenhang damit am 3. d. an die New-Iorker I. T. A. telegraphiert, er habe nicht gewußt, ob das Dokument, das er dem Senat vorlegte, Ausfälle gegen die Juden enthalte, er habe gar nicht Zeit gefunden, das ganze durchzulesen. Er war des Glaubens, daß er die Sache einer unterdrückten Nation führe. Nun bedauere, er, das Dokument befördert zu haben. Hätte er den antisemitischen Charakter des Memorandums der Ungarn ^zchtzeitig erkannt, er würde es nicht unterstützt 'Den. Sie Reichrresierung bedauert de« Sngolftiidter Zwischenfall. Berlin, 8. November. Die Reichsregierung ließ wegen i't’jj Zwischenfalles beim Besuche einer Kontrollkommission in. Ingolstadt dem Vorsitzenden der interalliierten Militärsontrollkommission gleichfalls ihr Bedauern und ihre ir n tschuldigung mündlich zum Ausdruck bringen. Die ,Hetze der Hakenkreuzler ' Sec Fall Trusch. Das Wochenblatt , der Wiener Hakenkreuzler hatte gestern wieder -eine „Zirschrift". PrMizi-ert, die sich bemühte, die Leichenschändung an dem toten Lehrbuben Grüsch zum Nutzen der nationalsozialistischen Reklame fortznführen. Die Zuschrift ist von der Staatsanwaltschaft b et sch lag nahmt worden. Wir. können sie deshalb nicht im I Wortlaut veröfsentlichen, was 'freilich angezeigt wäre, um die total verkommene Denkloeise dieser Sorte Msnscheit vor der Oesientlichkeit aufzudecken. Ter Inhalt der Zuschrift aber ist, von der Gesinnung abgesehen, außerordentlich interessant- . M wird eM-: i n f a m e Verdacht :«* gung der Untersuchun gskommissiön ausgespröchen und im Anschluß daran eine derart präzise Analyse des ganzen Faltes vorgenommen, wie sie niemals von eiw-m unbefangenen, wenn auch antisemitisch verhetzten Urteiletchen geschrieben werden könnte. Es Iverden Dinge ausgezählt und Einzelheiten, besprochen, die eine ' merkwürdig. Sla.re Kenntnis des Herganges verraten. Die Staatsanwaltschaft hat den- Brief konfisziert. Wir wollen hoffen, daß sie ihn durch die zuständigen und er- ■ fahreneu -Personen, einer genauen kriminalpshchrlogischen! Prüfung unterziehen.laßt. Sie mögen hiÄei die Literatur der angeblichen' Ritualmordfälle eingehend berücksichtigen und detr ihnen vorgelegten Fall auf die Frage d:s „cui bono" prüfen. Tann wird die Geschichte des armen Merdlinger Lehrbuben eine unheimliche Aktualität erhalten, aber in einem viel entsetzlicheren, politischen Siune, als dies die .Hakenkreuzler heute noch ureinen. Sie beweisen zu viel und sie-reden zu diel. Das ist entweder angeborene Lügerihaftigkeii oder böses Gewissen. Von einem Kettenhund zerfleischt. Paris, 8. November. In D r a n c y bei Paris wltvde ein sechsjähriger Knabe, der in der Abwesenheit seiner Eltern trotz deren Verbot, mit ei nein bissigen Kettenhund spielen wollte, von diesem niedergeworf em und zerfleischt. Nachbarn hörten -das Geschrei des Kindes, glaubten jedoch, daß es in: Hose spielte. Als -die Eltern heim kamen, fanden sie ihr Kind tot vor der Hundehütte liegen. Der Hund, ein Schäferhund, hatte einen Teil des Körpers gefressen. - J MV Mmünsimn in Neukölln. l Berlin, 8, November. Wie die A. T, A, ersähE kam'^ t% in dev Bezirksversästtmlün-g in Neukölln be>i'Besprechung ' des Falles des Mathema-tiklehrers 'Grellin'g' zu leb-' haften Tcibatten. Ter Bezirksverördnete Kloth nannte Grelling einen BäterlaUdsverräter; wogegen die sozialistischen und kommunistischen Vertreter erregt protestierte n und gegen Kloth tätlich vorgingen. Die Sitzung mußte unterbrochen werden. Wie bekannt wird, hat. 'das Provinzialschulkollegium fünf der schuldigen Schüler sofort aus der Schule entfernt, heitere acht erhielten das Consilium abeundi. Dev deutsche „Adelsmavscsiall" gegen den .jüdischen Geist". Berlin, 8. November. Noch aus der Zen der Monarchie existiert in Deutschland die „Adelsgenos.senschaft", welche bekanntlich uuter Wilhelm ,dem Zwe'teu die deutsche innere und äußere Politik stark beeinflußt hat. Der „Adelsmarschall", Herr von Berg auf Markt en en, erläßt einen Wahlaufruf, in welchem er-sich, gegen den jetzt in Deutschland angeblich herrschenden „jü-. disch-marxistisch-demokratischen Geist" wendet und die Mitglieder der Adelsgenossenischaft auffordert, „auf die ihnen erreichbaren Volksgenossen emzuwirken". ' Iustizrat Nawitschev gestoxhe«^ Berlin, 8. November, In Freibffrg starb iir vie-stn Tagen der frühere Fra.nkfurter Lan.dssgerichtsrat, Geheimer Inftizrat Dr. Ludwig Ra witsch er. Zu seinem Tode bemerkt die „Frankfurter Zeitung" folgendes: Mit Ra» witscher ist das Vorbild eitles deutschen Richters d^hin-' gegangen. Er befaß d'.e gründlichsten RechiskelMtuisse ans allen Gebieten seines Faches u.nd verem>igte einen schürfen Verstand mit einer ungewöhnlichen Güte des Herzens. Er war der Sohn eines pren ßischctt ko nie rva tiven Kontmerzienrates und hatte derr deutsch-französischen FeldM als K r -i e g s f r c i w i l l ii gor rnitgemacht. An der Bcsörderung hinderte ihn se -i n a rt erSta in m b a u m. R.rwitscher war Jude aus Ueberzengung.und verschmähte es, durch die Taufe sich ein höheres Antt zu ergattern. Vergebens schlugen gerechte Vorsitzende ihn «als Landesgcrichtsdirektor oder Oberlaudesgcrichtsrat vor. Die damalige Iustizvertvaltung zog andere und viel jüngere Bewerber, vor, die beit bekannten „S ch ö \\ I; c 11 $ f c h- I c r" nicht besaßen ... . Diese u-n-würdige Prha-ti'dltt'Ng des seltenen Maitnes ist und bleibt ein duMer Fleck ans deur Ehrenschilde Preußens. , Die deutsche Frauenliga gegen die VöMscherri. Berlin, 8. November. Dem-Beispiel der Schtveizer Fratrenil-iga folgend, hat auch die deutsche Landsntauuschaft der hiUernätiona'lon Fraueuliga siir Friedetr rr>nd- Freiheit einen Aufruf gegen den Slntisemitismus verbreitet. Indem - Aufruf heißt es: „Die deutschen Franett der JnteruvtioMen Frauen-' -l-iga für Frieden und Freiheit erheben -schärfsten Einspruch gegen die ständig anivachfende, unverantwortliche, a rl t i-. - s e m i t i s ch e H e tz e in unserem Vaterland. Wir erblicken in -der systematischen Wühlarbeit und Hetze gegen unsere' jüdischst: Mitbürger, dieser tra-urigen Folgeerschein-u'ng des . Krieges, ein, 'bedenkliches Krainkheitssymptom unseres i Volkskörpcrs. Unfähig, der durch Jahre hindurch künstlich igenahrteu Hassesflut Herr zu werden, innerlich zermürbt ^und zu schlvach, den e i gen en S chuldan tei l am : großen Weltderbrechen des Krieges auf sich $u nehmen, \ sicht -mansich nach dem S ü n d e n b o ck um: ,/Der Jude, ' tragtdie Schuld am Krieg uüib allen feisten -Folgen "- Wi'vy Paz-ifistischen Frarten vermteilen diese Methoden, vom religiösen,- vom rein -menschlichen, vom nationalen nnd von unserem Franenstandpunkt aus . . . Wer weiß, daß. die ganze Menschheit.ein Leib ist, an dem alle Völker, alle Eini'elirtdividuen Glieder sind, der wird M-emals „Ja" sagen köuMN zu der schamlosen Verleumdung und Verfolgung eines großen Volkes, von dessen tausendjÄhr-iger Kultur wir Hent-ige n alle zehren. Wer selbst it-utec umgerechten Anschuldigungen und Verallgemeinerungen gelitten hat, der vor allem sollte es als tl'Niw-üvdig zurückwoiseu-, die Fehler und Vergehen einzelner der Gesanitheit zur Last zu legen; . . Wir Frauen richten an alle Mütter und Erzieher die dringende -Aufforderung: Hütet eurer KiN'der empfängl-iche Se-elen vor denr verderblichen Einfluß antisenriti-scher Hetzer! Und wir fordern, unsere Schulbehörden auf, dem unsittlichen und verbrecherffchen Treiben Einhalt zu tun, .das unter der Flagge „völkische n" Interesses -in unseren i Schulen Eingaitg gefunden hat! Wer fein Vaterland wahrhaft liebt, der nehme den Kampf auf gegen diese Kulturbünde -des 20. Jahrhunderts!" Nu Revolverattentat wegen des Rachlaffes Koffnths. „Hoch die Republik!" — „Hoch Horthh!" (Eigcndicnjt der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 8. November. Im Palais des Minister- Präsidiums wurde heute mittags gegen den Ministerialrat Barsy von b$t 60jährigen pensionierten Oeko-. nomiebeamten Ludivig Pal ein Nevolverattentat verübt.! Pal hatte Barsy ausgesucht, der seinerzeit mit der Heim- | beförderung der Leiche...des in Italien verstorbenen! Theodor K o s s u t h ^betraut gewesen war, und forderte von ihm, aus dem Nachlaß Kossuths, einen gewissen Betrag äüZ'zuzahlen. Pall wollte die, Erklärung, daß Kossuth v o l l st ä n d i g mittellos gestorben wäre, nicht glauben. Er zog plötzlich einen Revolver und feuerte sechs S ch ü s s e gegen Barsy ab, ohne ihn zu treffen. Aus die Detonationen eilten'Polizeilerste herbei, die den sich wütend Gebärdenden fesselten und auf die Polizei brachten. Der Attentäter macht den Eindruck eiltes n i ch t u o r m a l e n Menschen. Als er das Miitisterpräsidinm verließ, rief, er: j-H o ch d i e - R e p n b l i k! H'o ch H o r t h y!" Bei feinem Verhör auf der Polizei gab Pal an, daß er Epileptiker sei. Als er den Revolver gezogen hatte, sei er in denselben bewußtlosen Zustand gefallen, wie er seinen epileptischetl An fällen vorauszugehen Pflege. * eilt Protest der Rrtv-Mttrr Nsnisisn. New-Iork, ü. Ncvember. (I. T. A.) In einer a-n 2. d. von «den Ncw-Vorker Zi:-n>isten äbae/--.i-len-en Massenv.e r säm m lu n g zur Feier t'es siebenten Jahrestages brr -Ba-lf-our-Teliiarati an w-nrde eine s cha rf e P r o t e st re f o'l u-t i o n ge.'en die Zie-u-isr 'r* ver-folMtngcn in- Scwj-etr>lßsiin'd a-ngenrm'men. In d r R:- solntior: wird' gefragt, waru-ut da-s Jo-'i-nt D-utr-ibution C-o-ndmittee, welches das' jüdische Larldansiadur-göprojllt der Sowjetregierwng unterstützt, nicht zugnn-üen der Zienisten interveniert. Alls jede Stimme kommt es hevte m wenn die Wische Kvltllsgemeinde erhaltm ms Wsgebavt werden soll! Gehet wWen! Achtung aus die Wahlmanöder der