Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2057 (9.11.1924)
- Date
- 1924-11-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2980834-2981140--21042-3008311- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fPol e n2Q grogzy Wien: Zum Abholen in der Expedition,II. Taborstr, 1*3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien , durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 .Mil Fortversand für Wien n. Oesterr. monatl. K 40.008 niiimiiiiuis -Film | | ab 1h Nov. 1924 - ZMaria-Aereßen-Z I Kino I | Mariahilferslraße 70 Z Tschceh o-Slowakei: [Mon. K 20. Jugoslawien: Mon. Dinar60. P o 1 e n: Mon. 3*/» Zloty. Deutschland: Mo». . Fjr a n k r«. Belgien: Mon, rr*vi5 m M.. Na«!i tahluo?eB _ Prelterhohangen . Vorbehalt«« mmsmmm > Preis K 1800 England: Mon. 4 Schilling,^ i t-a i i cn : Monatl. 15 Urcr Rumänien Mon. 150 Lei,1 Bulgarien Mon.SO Lewa, Schweiz und das übrige! Ausland monrt’ich Frcs. 4. Redaktion u. Administration i Wien, II., Taborsfr.1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19. j Ah6Uhr abds.21-102,25-2821 IX. Universitätsstrasse 6—8 \ , (Druckerei Steinmann); Oesterreichisches Postspar* Lassen-Konto Nr. 150.693 »1. 2057 Wien. Sonntag. 9. November 1924 6. Fahrgang dke Wiener Wische Kulwsuemiude vor dem Anschlag der Eozialdemolraten! Ser Streik -er Weubahner. — Alle ' Jtt einer gestern früh avge^altenen Besprechung des Bundeskanzlers Dr. Seipel mit dem Präsidenten Miklas wurde die durch die Demission der Regierung geschaffene Lage erörtert. Vormittags beschloß dann eine Konferenz der Parteiführer in Abwesenheit der Regierung Me Einberufung des Nationalrates für Dienstag, 3 Uhr ^Nachmittags. Die Tagesordnung dieser Plenarsitzung imutet: Mitteilung des Präsidenten betreffend die De- Imission -er Regierung. Die Sitzung wird nur formalen iCharakter tragen und nach Entgegennahme -er De- Missionserklärung geschlossen werden. Unmittelbar nach der Obmännerkonferenz setzte sich ider Präsident mit dem Generaldirektor der Bundesbahnen, \ß i e g m u n d, ins Einvernehmen, der in ständiger Fühlung mit dem Gelverkschaftsführer der Eisenbahner steht» Vs wurden sofort die Verhandlungen über die E i n l e U tnng von Fernzugen am Montag eröffnet, da die christlichsoziale Partei die Abgeordneten schon an diesem frage in Ws.MW«eUMW^GlMrW-D^MK7 an die Landeshanptlente «nd Bundesrate -le Anfsorderung gerichtet, sich im Parlament einzufinden. Die Mitglieder -er christlichsozialen Partei versicherten den Kabinettsches ihres Vertrauens und ihrer Anhänglichkeit. Sie hoffen, daß die Mehrheit tüs Nationalrates die Regierung ' in dvr bisherigen Zusammensetzung wieder wählen werde, doch tauchten sowohl Meldungen über die Auflösung des Hauses und die Ausschreibung von Neuwahlen als auch Gerüchte' über die Bildung einer neuen schwarz-roten Koalition auf. . Der Streik auf den Eisenbahnen hat, wie schon im gestrigen Frühblatt mitgeteilt, um 12 Uhr nachts eingesetzt. Er vollzieht sich bis zur Stunde ohne Reibungen und Zwischenfälle. Die um Mitternacht rollenden Züge wurden noch bis zu ihren Zielen geführt, jedoch haben sie nach Mitternycht keine Fahrgäste mehr ausgenommen. Sofort mit Beginn der Streikbewegung haben die Eisenbahnerordner, die einen Teil . des republikanischen Schutzbundes bilden, von Bruck-Nevdors bis Bregenz, von Lnndevburg bis Spielfeld-Straß sämtliche Strecken besetzt. Im Streik stehen alle Linie» der österreichischen Eisenbahnen mit Ausnahme der Privatbahne», so der Aspangbahn, her Wien-Preßburger- Bahn und der Wren-Badener-Bähn. Die Streikleitung läßt aus ^en gesperrten Strecken sporadisch Arbeiter- und Schülerzüge sowie die für die Städte bestimmten Lebensmittel- und Milchzüge passieren. Dir Bemühungen, ieistc Verständigung mit den Organisation neu der Bundesbahnangestellten zustande zu bringen, dauern an. Heute will die Generaldircktion mit den Vertretern der Gewerkschaften wieder in Fühlung treten. Es verlautet, daß Generaldirektor Siegmnnd im Verein mit seinen vier Direktoren einen neuen Vorschlag ausarveitet, der den Organisationsvertretern vorgelegt werden soll. Die Führer der Eisenbahner werden selbstverständlich der Ein» laduug zu neuen Verhandlungen entsprechen. GüLeranuahuresperre in Deutschland, Berlin, 8. November. Infolge des Eisenbahnerstreiks ist von der Verwaltung der deutschen Reichsbahnen für nach Oesterreich zu verfrachtende Güter bic A u nähme sperre verfügt worden. Die bereits ver- VV|V9j««, Vl»vlV VViJMjmjlV* frachteten Güter müssen zurückgehalten werden. Der Personenverkehr läuft bis zur Grenze. Der direkte Personen- und Gepäckverkehr nach und über'Oesterreich ist eingestellt. Der Frachtenverkehr aus Ungarn eingestellt. Budapest, 8. November. (U. T. K. B.) Die scheu SbaktAhaihnen veröffentlichen ein Communique, wonach wegen des österreichischen Eis-enbcchnevstre'rks 'der fällige Orrent-Expreßzuig Ln Budapest nicht eingetrofftn ist. Da die Züge der ungarischen StaatLbcchnen von den österreichischen Bundesbahnen nicht übernomEn werden, «wurden bis auf weiteres die Mischen Buidapsst-Ostbahnhof > -und Gegyesihabolm verkehrenden EMige eingoftellt. Für österreichische Stationen werden Karten nicht .ausge solgt. Der, nach Wd über Oesterreich Seloiteta Grachtenverlkeh r wurde emgostellt,: Eine Ausnchme Wden Wer HsghesMom n>ach, Qestervelich bestellte M-.UUverderMche Gütev sowie ^SebdUSmittÄ, die von. den' streikenden ^österreichischen! Eisenbahnern ' Werkommen werden. Ein Notverkehr für Personen- und Frachtentransporte auf dev Donau. -' Dw öftere ichische Binnen-lSchiMMgesellschaft teilt Ms mit: Die österreichische BmneEchiffahrts-A.Ä. stellte zur .Milderung der durch den Eisenlbähnerstreik hervorgevustuen Verkchrskal-aMität Mige ihrer-Schiffe zu einem Notve rkehr für Personen- und Frachtentransporte auf 'der Donau zwischen Wien und Linz ein. Die Abfahrten erfolgen von Rüßdorf (Äaniduingssteg, oberhalb der Station der Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft). Anmebdnngen und A-uMnste wordenheim östercichischen B^erkehrsbureau erteilt. Flugpost und Brieftelegramme während des Eisenbahnerstreiks. Zur Ableitung der Flugpostsend u ng en stehen folgende Po>ftflüge zur Verfügung: a) die täglich, außer Sonntag, verkehreuLen Flüge der- ,-Oeft>eveWsche.n Lu>ftveakehrs-U.-G., 1. Wien—München—! Nürnberg—Frankfurt am Main, A-bsiug Wietr-Fütgifekd Aspern 9 Uhr 45 Min., -und, 2. Wierr—<B-ndaPest, Abslug A^ien-Neichsbrücke 9 Uhr; ib) die täglich, außer Sonntag, verkehrenden Flüge -der Fmneo-rumä'nischen LuftschifsahrtZgesellscha-ft, 1. Wien— P reg—Straßbnrg—Pa ri s, mit Abzireigu-ng Prag— Ma-vschau. Abfl-ug Wim-Flugfeld Aspern 14 Uhr 45 Mm., und 2. Wien--Budapest—Belgra^d—-Bukarest, Abflug Wion- Flugseld Aspern 10 Uhr. Die SchlußzeitelN für die Ausgabe für Flugpo-stsendungen beim Postamt Wien 1 sind für a) 8 Uhr, für b) 12 Uhr 25 Mm. ~ ■ Brieftelegramnre. Dringende Nachrichten kön-nen zu halben Telegra'lnutgebühvon als Briestelegram-me a-ufgegeben werden. Sie werdetr telegraphisch weitcrbesördert, um dan-n im Besti-mmungstelegvaphena'mt als gewöhnliche Briese z-ngestellt zu werden. Die Gebühren Dr'.Br-ieM-eg-ra'MMe sind: Im Iula-ndsverkehr 300 K. für Las Wort, bei -einer Mindestgebühr von 6000 K. für ein Brieftelegramm, im Verkehre mit Polen 12,5 Cts. für das Wort, im Berkchro mit der Tschecho-Slowalkei 600 K. tfaiv das Wort bei einer Mindestgebühr von 6000 K. 'für e?jt Telegramm. Unter völkischer Führung. —v. W i e n, 9. November. In einer Pressekonferenz, die gestern nachmittags stattsand, gab' der Mnister des Innere, Herr Doktor Frank, zu, daß die Deutsche Verkehrsgewerkschäft, die den Eisenbahnerstreik und den Rücktritt , der Regierung verursacht hat, in die Hände der Hakenkreuzler Maten sei und sich' dem Einfluß der großdeut-schen Kabinettsmitglieder entziehe. Diese Minister verfügen demnach weder im Nationalrat noch in der Bevölkerung über einen nennenslverten Rückhalt und es ist deshalb anzunehnren, daß sie auch dem kommenden Kabinett angehören werden. In Oesterreich trägt die ernsteste Sache einen heiteren Charakter und so schlagt auch diese Krise in die Posse um. Der Verkehrsminister steht allein und die Eisenbahnen sind auf das Geheiß einer Gruppe stillgelegt, die im Parlament nicht vertreten ist, die auch sonst nur durch Raufereien mit der Polizei und durch Aufrufe zum Ritualmord für Wotan Beachtung findet. Aber sie hat die mächtige sozialdemokratische Organisation und . die. chrMichsoz-ialen Gewerkschaften an sich t)erangezwungen. Die Regierung, die Minister rrnd die Generaldirektoren purzeln über diese Macht, und die großen Volkspärteien stehen belämrnert vor den Scher- - benMr,HMellanladen:- •, Alle find unter diewAkkschL- Führung gekommen-und wischen sich die'Tränen aus den Augen: die Sanierung' ist in Gefahr/ die 'Versprechungen an Genf wackeln, das Ansehen des Staates vor dem Ausland hat einen Stoß gekriegt.' - > Als wenn es noch dieser Probe bedurft hatte, um den Nachbarn zu zeigen, wie es um Oesterreich bestellt ist! Die landesübliche Eitelkeit hat seit je verschuldet, daß sich der Oesterreicher für den Nabel der Welt hielt ilnd in seiner Selbstbespeichelung fest daran glaubte, daß die Welt keine anderen Sorgen habe, als ihn zu "sanieren und seine höchst dummen und langweiligen Theatcrtratschereien als nachdenkenswerte Ereignisse zu werten. Dabei war er als geborener Lakai stets darauf bedacht, das was an ernsten Dingen geschah, was den tatsächlichen Zustand zeigte, nicht zur Kenntnis zu nehmen. Wenn er es nicht sieht, so sieht es auch das Ausland nicht, das an schönen und regnerischen Tagen angeschnorrt wird und den: die Presse und die Regierenden und die Lehrenden und die Richtenden unablässig vorweinen, wie schrecklich - schade es 'doch wäre, wenn diese schöne'Welt versinken würde, in der neben dem Hakenkreuz der Heurige gedeiht,'in der die Fremden, nach der Vorhaut gefragt und 'gewürzt, die Eiicheimischen' nach denffeMen Rezept geschoren' und seNiert werden. -Es wird alles^ kaschiert, eine hübsche'Fassade mit operettenhafter Zauberei aufgestellt. Was dahinter geschieht,'ist ja-Peinlich, greulich, ekelhaft. Aber .darüber schweigt man und belästigt lieber alles mit der Unterwäsche der . Frau' Geßmänn-Puttkammer' .'ober' dem'Duell zwischen zwei Operndirektore-n.' Mlles spielt Komödie und will somrige Heiterkeit Vortäuschen. . . Inzwischen' haben aber-' die robusten SeiMuge aus dem Deutschen Reich sicht alles dessen bemächtigt,' was die Herrschaft iiber die Menschen und die-Seelen, über heute und morgen ist. Sie haben die Verwaltung, 'die Anttsstubenidie Lehrsäle in Besitz -genonunen, den-Staat jenseits von Iud' ttttb Böse geführt, und während sich noch die höhe-Regierung'mit dein Kontrollordes Völkerbundes unt Ordnung und Gedeihen den 5kopf zerbricht, haben sie als geradlinige Tatsachenmenschen sich -festgesetzt. Es sind ja Dr-eckseeleu, diese bezaihlten.Maulaufreißer, die davon leben, daß es drunter und drüber geht, daß-der.Haß nie endet;.sie singen ihre Mordlieder unter dem stuunnen.Mißfallen der Bevölkerung. Mer sie haben griffeste Hände und sind für keinen Kultur- Plidnder zu haben. Ihr Geschrei wirkt lähmend auf die Masse. Sie haben nichts, gelernt, als das eine:, Stimmungen nachzugeheic, sie zu fangen, in klare, verstand- Wie und wo Sie wäh finden Sie immer, dass Sie Stoffe, Seiden- und. Leinenwaren bekannt billig e i n k a u f e n bei VI.. Links Wienzeile 49, Mofe 449