Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2048 (30.10.1924)
- Date
- 1924-10-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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»4 *4f* We«, DMerDs Wienern Morgen-eitung. 80. OW-bex 1624 €wkG Ms EiMtittnÄ^HNEN^ ün!d Verleger der Beßitzksnachrichten zeichnet ’b\* Zio n i sti fche S e k t io n!für den 6. bis 8. Bezirk. Halten es die Herren dieser Sektion fiir richtig, daß man unter ihrer . Veranttvortnng der - Zionistischen OM-msation -in iso Leichtfertiger Weife , in den Rücken Mt? Hegen den Mtlschen Steuerdruck. Das Exekutivkoinitee des vereinigt Schankgewerbes hat nach der ergebnislosen Vorsprache Leim Bürgermeister beschlossen, sich biss, Vollmachten.zur St i l l- Legung der Be tri eb e zu erwirken. Hetzte findet im Hotel Continental, eine allgemeine BertranLUsmännerversammlung derÄ eh ilfen sch aft des Schankgewerbes stach hie sich mit den kommunalen Stmerfragen beschDigen wird. Für den 9. Rov ember ist eine Massendernonstra tio n vor dem Rathaus geplant, während der alle Mastupd Kaffeehäuser sowie die Lebensmittelgeschäfte geschlossen bleiben sollen. ' ■ Wien, 30. Oktober. * „Das neue Palästina." In der heutigen Nummer ent« ksällt nmer-e Bovlage „DaS neue PÄästin«", da sie von setzt ab tn der Monta-gnummer erscheinen wird. .>Das neue | ffiaÄäJfiiiiur" erscheint dahrie das nachstemÄ Mo-wiag den U N-ovombsr. * Rabbiner Dr. Fenchvoana schwer erkrankt. Der de- Skmnite. Kanzeil-redner Rabbiner Dr. Feuchtwäng P «n einer Blinddarmenckzündu-ng schwer erkrankt. Im San-ato-vümr Heria ntchm - Professor Dr. Schn itzler an dein Patienten umtsr Assistanz des Hausarztes, . MedizinalrateS Dr. Wbert iEisipger, oim Operation vor, die guten Evfolg hatte, i * Mutmaßlicher Kiudesmord. Am SS. d. wurde in Breitenau die Leiche eines neuasborenen Knaben aus dem Wehrbach, der am Tag vorher abaslassen worden war, ge» «ogen. Die Leiche dürfte 10 bis 14 Tage im Wasser geliegen sein. . * Die Lebensmüden. Die LSjährige HWfsavbeiterin Dhevese B. nahm vovgestevn abends aus unbEMNter Ursache Lysol emd wurde von der MttungKgesellschaft in das Spital 'gebracht. — Die 55jährige Pensionistensgattin Marie P. hatte sich gÄbern die Pulsadern^ duirchgeschnittm. Man fand di« Frau bewußtlos nnd fast <mSge!blutet. Die RetitungAgesellischaft brächte sie m das^Spsi-al. — 28. d. hat sich die 24jährige Anna P. wegen häuslichen Zwistes in den DonauLaM gestürzt »md ist in den Wellen verschwunden. * Selbstbeschuldiguna des Mordes. Getftem hat.sich bet der StaatHanwaitschaft Wien der 28jährige Kawfma->m Georg N.e u -d-a m it der SeKstbeschuldigung gestellt, er habe eben seine Duartiiergoborin erwürgt. Er habe mit Hr Streit gehabt und sie -m der Erregung gewürgt, bis sie leblos war; dann' habe er Er Wasser über den Kops geschüttelt, doch habe die Krau -kein ÄeibenHeichm mchr von sich gegeben. Es stellte M heraus, daß die ÄyHaben Neudas erfunden sind. Die PvüiWNg s-vltes GeisteSzustäMs wurde a-ngeordnet. ,, ' * Der Verlust des Kriegsinvaliden. Der TvwfiMvÄäm iNeubariHürt-Ä^ ge-gsnübsr der Goldschlagftraße, gchörs ' 'dem ' Trafikanten WilHeilm L ich 1>b Iau,»der »Ü100 Prozent Kriegs- «nvWder -ist und sechs -unvsvfovgte Kinder 'hat. Da der Kiosk nicht einbruchssicher K. must tzr sich'Dag -für Dag. seine Rauch, waren nach Hause-tragen. Ws -er vorMtern heimfuhr, verlor er einen.Betragvon.n-etzn Msliliouen Kronen. H-rvr -Lichtblau bittet den 'redlichem Finder, die Summe -gegen den Metziichen Finderlohn in seiner Trafik abzngeben., . . * Kollegium und volkstümliche Vorträge im Kränkeehmrs der barmherzigen Brüder. Dem Dozenten Dr. Fritz De-mm er, dem ilaMähvigen Assistenten der Klinik PvoMor, -Hocheneqgs,. wurde^anf Grund seiner Ernennung z»,m KvdHM' avzt der chirurgischen AAeUung des KranSenIbauses der bavmherzigen Brüder vom Pmf-essovenkM-ogimn der Thema ,Ma3 sollte der ärOliche Laie vom den dringlich chirur-gis-chen EvkranLnngen unbedingt wissen" Kugu-wsteu dvS Kvankenika-ussS in einsm besonders singerichtecien Hövsavl an Leidem Dienstag von 7 bis 8 Uhr abends ällhalten. Gogvnm der Vorlesungen im Noideanber. Auskünfte u-nd AnmMr-nigen beim Portier. * Für die 6000fache Autotaxe. Der Ausschuß der ül-ntsr- M)msr hielt gestem abends eine äußerst stark besuchte Versammlu-ng ab. Die in der B-ersamml'Ung gef-aßten Resolailtionen laartete« dahin, auf die Koll-egruschast «iwMvl«- ken, die 6000fache Da,?e beiFubohalten. * Der Fuchfeuseldhoß. Der in Meidling aus Gemebnd-emittelu e-r-richt-ete zweite Teil deS so-gen-anniten WchstufÄthoifes, eine Esgodchnte WohnhanSanllage mit 269 Meinwo'hnuugen, Stiegenaufgäugsn und -drei großen, gärtnerisch auLgestakdeten Höfen, wurde gestern mittags vom Büvgevmeisteir Se itz der Benützung ÄbevMiben. - * Das-Weiter. In OeistWreich herrscht vorwl trübes Wetter. In Vorarlberg regnet es. Am jertb «rildev, „ strande der Wpen herrscht etwas besseres Wetter. In Oberösterreich sind geringe Regenmengen gesall-vn. Ueber dem Fe-stl-anü Eilropas hübt die Lustzu'fuhr aus Südwest-en an und es kann deMM mit wvitür-er Andgmr -minderen Wetters -gerechnet - werden. Bochexs-age: Veränderliche, ziemlich veichli-che Bewölkung vhltö wesentliche NivderMä-ge, mild. " * Elfte österreichische Klassenlotterie. Bel dar am 29. d. abgüWtenen Z'i-ehung des 10. Tages der fünften Mass-e wannen: 8 Millionen Kronen das Los Nr. 23.466; je 4 Millionen Kronen die Lose Nr. 28.711 und 70.602; je 8 Millionen Kioneu die Lose Nr. 5474. 26.104, 32.061, 47.490, 68.684, 57.920, 64.086, 72.466, 75.888. 79.392 und 92.920; st 2 Millionen Kronen die Lose Nt. 7920. 28.602, 52.088, 58.892, 58.738, 60.502, 65.474, 66-711 Md 76.856« außerdem wurden 1977 Gewinne zwischen 1 Million und 500.000 Kronen auSgelost. * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez.» Reindorsgasse i (Entgeltlich.) Wiener BMamidmsch. 2. Bez, FwdinäMstraße 83. Botlchüugen im WiMWemHer 1924/1988. Sonntag, Ä btS 6Mr: Rabbiner Lektor Dr. ÄelbbauS. MeMta. 6 bis 7 Ährt Olrelrtion: Rolf Reinhart-Hätis Kaiser II. Prator^tratBo «0 ' m T*l®phon 4S 5.VS Motto: <i Täglich 8 Uhr akfuQlSe saft8rEs«Stfi Szenen' Eintritts^ re t sc Von 15.000 bis 40.000 K STdUeHimsen (rat Um DMikM. KS. HUMUM.L1M» I. Wlpplingerstrasse Nr.18 HOTEL-RESTAURANT 1S>3 a GUTH IU HOLLANDSTRASSE Nr. 14 NERKANNT BESTE KÜCHE! Lektor Dr. Rubin. Midrasch. — Montag. 6 bis 7 Uhr r Lektor Dr. Rubin, Talmud. 7 tiS 8 Ubr r Rabbiner Lektor Dr. Gelbhaus, Psalmen. — Dienstag, 6 Sir 7 Ubrr Rabbiner Lektor Dr. Gelbhaus,. Psalmen. — Mittwoch, 6 bis 7 Ubrr Lektor Dr. Rubin, ReligionSphilosophie (Beginn am 6. November). — Donnerstag, 6 bis 7 Ubrr Rektor Dr. Schwarz, Mischna, Pessachim. — Samstag, 6 bis 4 Uhr r Lektor Dr. Rubin, Parascha der Woche. Die Vorträge begannen mn Samstag den 25. d. (27. Tischri), 3 Uhr nachmittags; sie sind öffentlich und für die Hörer unentgeltlich. * Radioprogramm für heute: '' 0 Uhrr Marktbericht. - Von 11 Uhr bis *>2 Uhr 60 Min. Konzert der Künstlerkapelle Silvlng. — 3Uhr 30 Min.: Schlußkurse der Wiener Börse. — 4 Uhrr Nachrichtendienst. — 4 Uhr 10 Mi«, bis 3 Uhr: Teekonzert der Künstlerkapelle Silving. — SvppS r Et» Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien, Ouvertüre; Eisler r Natursärrger, Walzer; Sarasate r „Spanischer Tanz"; Godard: „ßsivsass äsloeslsn"; Meiwelssohm Klavier- Komponisten Leon Ia-naeek Kr.sein sylnphmisLeS Äedich „Tar-as BiÄbä" dtzn Breis.v Der Abschied der Melha von der Bühne. Nellie M e l b a die berühmte englische Sängerin, verabschiedete sich kürzlich Ä ryrer Vaterstadt Melbourne, der sie ihren Bühnennamen enh lohnte, als Mimi in.Pnccinis ,,Boheme" von der BühNe, di< die heute öOsähriae Sängerin.vor nunmehr 87 Jahren zum erstenmal nn Brüssel betreten-hatte. Die Sibschieds- und Jubi« laumZvorsiell'.lng gestaltete sich zu begeisterten Huldigungskundgebungen ihrer Landsleute. Freie Jüdische VoWKifindet im Sacvle^ des Cafe 2lsior^, 2., Br-z., hie'-erstsÄÄffÄhieüwg der Stü-dLo dich-eZ .. statt. ES wirken unter a>M-wn Fvau Mirimn Schnabel- Po e s l i ch mb die Herren Halpern und Ben Le w t anil. „Ein Kamel geht durch ein Nadelöhr" — preisgekrönt. Um 88. d. hat das t'sch cch a«! iowak isch e u n ter r t ch kS« m in i-'ster tllm' eine..AnM'.-von.DwatSvreistn verli-e-hm. ^n weiiton KrÄstu dür!!>: es ••ni-cveflieten, ogß Karl ^Cajlek sur c'" eat'f-g Mit .. n--- - --- -.. - , . Sisglfricid Nova! für die Qyvr „Lucerne". I. B. Foerster Or die Oper ,^)as Herz" und der Altmeister der tschechrschrn Volksbühne. Sonntag foa: 2. Dora Mikloslch, Musikrinlagen gespielt von dem Kinder-Trio. — 8 llhr abends: Konzert. 1. Gesangsvorträger Karl Löwe: Die Uhr. Odins ÄkeereSritt, DaS Erkennen, Hinkende Jamben, Der alte Goethe, Meeresleuchten^ 2. Rezitation aus Gerhart HauptmannS „Versunkene Glocke*. 8. Lieder von Erich Wolfgang Korngold. 4. GesangSvorträge r Brahms, Grädener, Rudolf Schuhmacher. 5. Rezitation: H. Heine: Die roten Pantoffeln, Märchen. 6. LiederzhkluS„Lieder deS Abschieds" von Erich Wolfgang Komgold. Mhne und KM. Wlhammifches Konzert. Statt sich mit dem a-n>gvküM.At-e,n italienischen Nobit-iien eiMvstellen, evschien Wein-gaastnor diesmal spanisch".- Ein syinphomsches Gemälde „AndQlalsien" von I. L-amote de Grignon — Direktor deS Konserv«tori-u,ms in.Barcelona, wohin sich Wömgartner demMchst als GastdivvgE lbegibt!— vermag urrsove Wunschirmwe dom Lande der Kastanien mit semer üppigen Degetrvtion, stimn h-ißblütrArn FrEu ^nd seinem' larnren-don TreilSen nicht recht zu erfüllen. Wohl erinnern -Machst zuckende Rhythmen, pikante Ddelodstn, Dam'buvvn mch Kastagnetten an die Hei-mat der „Ecrvmon", doch der MttslteÄ, -in welchem das Starke dn.rch das Milde oiögelöst wird, -und die la-wge Relpv'.se will -uns trotz Pouken, Tromp-eLen wnd -Tuben, trotz Trommel, Tria-ngel und Kastaigmtten nicht mchr recht anldalnsisch erscheinen. Mit warmer Teilnahme vernahm man die ./Romantische Ph-awtasie" -von Fr-mdrich E n g e Ib r e ch, von welchsm vor Jch'ven an «gleicher Stelle eine ,Mnnantösche Ouvertüre" -n Höven war. TKso, Romantik in Permanenz, die freilich mit gas ander Bürger« Kchtert gspa-avt ist und dem auSgeyeichnÄen Musiker das best- Kimgsnde Zeugnis an-Sstellt. Spricht «r auch -nicht durchwe-gS eigene Gv-anlen aus, so verrät er -doch Schwung und Dem* s>era>msnit und den Klangreichbum eines Orch-estermusikrrs, der nicht vergebeirz seit Iahrzchntn Bescheiden am -weiten Geigenip»M der PhiHarmoniber sitzt und hier s-vlrre eigene TonwM durch Wagners-che und Stiaußsthe An-Sdvuckswvisen bereichert 'hat. — In Schuberts C-Dur-Spmlphonie vermochte Wein- Hrr-tn-er aus dem Voll«: der phichar-monischrn Kla-ngpracht u-wd feiner eigenen MuMerfveudiBvit zu schöpfen mrd die himmlische Länge durch yr-achtigein Schwung — sreilrch -auch durch ubrübcijchlL-in;ig>be Dvmtpi zu kürzen. , stb. Ä«5 de» Theatern. B u r g t h e a t e r. Morgen, 7 Uhr, „W a l l en st e i n 8 Lager", „D i e Pi c c o l o min i-. , A k a d e m i e t k> e a t e r. Morgen. *(fi Uhr, „G a rten der Jugend". _ Schönbrunner S chloßtheater. Morgen, >/,8 Uhr, „D i e Fvau von vierzig Jahre »\ i VolkSoper Heute „Der Freischütz". Morgen Freitag „T vn uh äus e r". . In den K a m m e rss p i e k e n findet: heute abends um 10 Uh r die Erstaufführung der neuen Revue in zwölf Bildern „K'Üsse um Mitternacht" von Karl Farkas nird Dt. Robert Kätscher, Musik von Dr. Robert Kätscher, statt. Im Raimund- Theater beginnt die heute stattfinbtttde Premiere von Karl LaufS Posse „P e n s i o n S ch L ll e r" nüt Franz Glawaisch um Uhr. Im T h v ater in d er J o sesst ad t fiudet morgen Freitag, V«8 Uhr, die Erstaufführung des Dramas „T usoll st Ktcht toten" von Leonid Anbrejew statt. Einer, der PalästinaauswanSerer brtr8gt< In langer Reihe marschieren arme Palastin-afahrer im Gerichtssaal als Zeugen auf. Der Weg nach Erez Israel ist Dorncnveich und voller Tücken. Es ist nicht das erste Mal, daß sich die Gewiffen-losigkeA an die jungen Answander-er' herandrängt, um ihren sehnsüchtigen Wunsch, nach Palästina z-u aelangen, unt-rr falschen Vorspiegelungen zu mißbrauchen und 'sie um lbre geringe Habe zu bringen. Ms dem Kölner Besatzu-n-gsgeLiet war der SSjährige Student J-os-ef Löwenstein wegen politischer Umtriebe ausgewiesen worden -und -hatte sich nach Wien gewendet. Nach einer vorübergcHenden Beschäftigung bei einer Handelsfirma, bei der er angeblich kein Honor-ar bekommen hat. hat er sich d-amit befaßt, Palästina reisenden Sichtvermerke. Schiffskarten und Pässe besorgen zu wollen. Im Devhältnis zu den hiefür empfangen-en Vorschüssen und Spesen leistete er w'tber so gut wie nichts, nnd die Staatsanwaltschaft klagte ihn des Betruges vor den Schöffen an. Wwenstei-n gab sich auch für einen Doktor der Rechtswissenschaften aus Den jüdischen Flüchtlingen, die nach Palästina answandern wollten, versprach «r die Beschaffung der erforderlichen -Answeispapiere binnen :wei Tagen. In 17 Fällen hat Löwenstein -diesen armen T-e-nfeln 20, 10 oder 5 Dollar, zusammen etwa 1,5 Äiillioneil Kronen, abgenommen. Löwenstein bestritt die Schädigungsabsicht. Die jungen Leute hätten ihm die Türen ein-gerannt und er sei für sie voll früh morgens bis spät abends auf den Beinen gewesen. Im Auswärtigen Amt habe er oft stundenlang warten müssen, auch im Konsulat. Den Doktortitel habe er sich nur sein-e-r Frau we-gen aus Eit-elkeit angem-aßt. Der Gerichtshof unter dem Vorsitz des Hofrates Doktor Wüstinger verurteilte den Angeklagten zu sechs Monaten Kerker. Franz F. und die Wjährige Franziska K. Der junge Mann erschien in einem ^eleganten Anzug, schönem Ueberzicher, das Mädchen war dürftig gekleidet; er ist Maurergehilfe, spricht s-ehr gewählt^ -und zeigt sich gesetzeskundig; sie ist hü'vfch -und schüchtern. Die jungen Leute hatten durch mehr als zwei Jahve ein intimes Verhältnis; es war ihnen ernst mit der Liebe, sie wollten heiraten. Sie hielten selbstverständlich keine strenge Rechnung; wenn sie ausgingen bezahlte der junge Man-n, manchmal auch mit dem Ge-lde der Frangiska, denn auch sie verdiente als Hilfsarbeiteri-n. In den letzten M-onat-en hatte F. der K. wic-dcrholt Geld zur Aufbewahrung übergeben, im ganzen 620.000 K., -um Zwecke der Einrichtung für ihr bald zu gründendes Heim. Wertere Beträge sollten folgen. Eines Tages sagte Franziska K. zu dem jungen M-anne:',^Ich Hab' wir di-e Sache reiflich überlegt, als Ehegatten passen wir nicht zusammen, blei-ben wir garte Freunde fürs Löben. Ich fürchte, wir werden sonst arge Enttäuschungen erleben." Alle Vorstellungen se-'rnerseits boi-eben erfolglos und so -schieden sie derru von eänan-d-er. Beim Abschied verlangte F. die ihr zur Aufbewahrung übergebenen 620.000 K. Sieerklärte, das Geld für sich verausgabt zu haben. F. ging nun hin und erstattete gegen das Mädchen die Anzeig-e wegen Veruntreuung, die Stamsanwaltschaft erhob die Anklage und das Mädchen stand als Angeklagte vor -dem Richter. Franz F. als Zange und Ge-' schädigt,e-r. Das Mädchen gab zu, daS Geld für sich verwendet zu haben, allein das ha'be sie dem F. schon vor ihrem Ausein- -cmderge'hen gesagt gehabt, ohne daß er dagegen etwas gesagt hätte, er habe, es stillschweigend zur Kenntnis genommen. — Richter (zu dem Zeugen): Warum haben Sie das Geld nicht selbst auf'bewahrt? — Zeuge: Ich habe ihr das vollste Vertrauen geschorrlt. — An ge kl.: Er hat mir Stoff ans ein Kostüm gekauft; der Schneiderin Hab' ich selbst 420.000 K. bezahlt, beim Auseinandergehen hat er mir den Stoff „vorgeworfen", da Hab' ich ihm das Kostüm hmgeworfen. — Rach durchgeführt-er Vecha-ndlung verurteilte der Richter die Angeklagte wegen Ueibertretn-n-g'der Dernntreu-ung zu einer Arreststrafe von vier Tagen, jedoch bedingt, und zum Ersah des Betrages von 620.000 K. binnen sechs Monaten. Sie erklär;.', die Strafe anzunchmen. Sie verließ den Gevicbissaal und siel auf dem Gange bcwnßtl-os zusammen. Sie erholte sich jedoch bal-d und konnte sich allein nach Hanse begeben. Was man in österreichischen Grenzstationen erlebt. Der Kaufmann Elemer S tign-ih hatte sich gestern vor dem LandeSg-wicht 2 wegen Verleumdung einer Behände, Einmengung in eine Amtshandlung und Beleidigung einer Behörde zu verantworten. Dbe Vorgeschichte deS Falles ist folgende: S-tiguitz fuhr a-m 12. August 1923 nach Budapest. Im selben Zuge befanden sich auch zwei Danien. die ans Würzburg kamen und denen a-nf der Fahrt sämtliche Reisednkunrente gestohlen wurden. Die Elnvel-se nach O-estcrreich wurde ihnen auch ohne Passe gestattet und ihnen ein amtliches B-.'glaubignn-gsschreibeil mitgeg-Äen. An der Grenzstation Bruck-Neudorf wollte aber der'diensthabende Kriminalbeamte ihnen die Ausreise nicht gestatten u-ttd machte sie zum Amte stellig. Die Frauen weigerten sich -anfangs, mitzng-:ihen. und es entstand eine größere Menschenansammlung, di-e gegen den Kriminalbeamten S^ellnng nah:". Dabei soll der Äugellagte gesagt haben, daß das Vorgehen des Beamten unmenschlich, schikanös und ein 2'"' fcatj .'-'.über fc 60 . Vereines Nickt 'belei-dtgen wollte und am jedes R e ch t s m i t t e l v e rzichte. Dü er über diesen,Betrag in österre-ichischen Valuten nicht versüate-, mußte er seine goldene Ta datiere verpfänden. Als St-iqnio wieder auf freien Fuß geletzt war, erstattete tu mehrere schriftliche Anzeigen an die vorg-tsetzten Behörden, i-n denen -er das Vorgehen der Krimmalbeannen als eines Kul-t-urstaates unwürdig bezeichnete. La etwas, hieß es in -der Eingabe, könne höchstens im tiefsten Balkan Vorkommen. Auf Grund, dieser Anzeigen wurde;: ge-^en Gtign'ih die eingangs LMahn-ten Anklagen erhoben. SriaNlh bestritt entschieden, vor feiner Vetchastu-fig die i-nkr-imi- Nieren A-enß:rungcn gemacht zu haben Die schärferen Ausdrücke in den Eingaben seien ans seiner Erregung erklärlich. Rach durchgeführtem B-ewcisvarsahren wurde Stiarütz von -der Verleumdung, von. der Einmengung i-n eine Äintshandtnn-g und von der Beleidigung ciiKü Behörde freige sprach e n, dagegen wnrd» er wegen Am 1 s e h r e n b e l e i d : g u n g zu 2 Millionen Kronen Geldstrafe verurteilt.