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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-30 · Heft 2048 (30.10.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2048 (30.10.1924)
Date
1924-10-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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€Mlr-l~ - ' - Mm. VErttch - ' <+ .... . - -----?—H--1^ ' " ■■■ r.--- »tntt aller bolschewikischen Tlstorie, die aeisti-g und wirtschaftlich von der gleichen Oed« und Trostlosigkeit ist wie der mitteleuropäische nationale Sozialismus, der schließlich genau so wie der Bolschewismus in dem Pogrom an allem Geistigen ausmiindet. Wenn Frankreich jetzt die Anerkennung Sowjetrußlands vornimmt, so erMt es nur das Programm, das Herriot vor seinem Keg verkündete; es ist die Ausführung einer Pflicht, für die aber damals andere Voraussetzungen bestanden als Heute, wo das Beispiel Mac Donalds vorliegt. Zarenreich Paris. Dve jWÖejt erfolgte Anevkemmng der Sowjetrepublik durchFvcürkwich ist ein schwerer Schlag für dve rufft» scheu MonarchLsteu, die ihre Zentral Ln -ex fvcvngösischen Hauptstadt haben. Es ist bekannt,' daß Pari s, welches gegen 4 0 0.0 0 0 russische Emigrauten -beherbergt flüt die übrigens. die jetzt beabsichtigte Nvuwtze-lmvg der Bürgerschaftsgesetzgebung m FmnEvei-ch keine cvngervehme Erscheinung ist), ineben Belgrad das Zentrum aller russischen monarchistischen Gruppen avnd Parteien ist. D'ie LnttvirWumy der Parterverhä-ltnisie uu-ter den russischen Monarchisten hat es übrigens mit sich gebracht, daß heute geradezu von ,/vAegaiien monarchistischen Parteien?* gesprochen wird; das sind jene, welche sich gegen die Leitung der russischen Monarchisten, den obersten monarchistischen in OpPoMon gestellt haben. Dazu gehört vor allem ifettt Parteigruppe, dve dem Großfürsten Ky rill Gefohg. MtMstet. KyM, der in Koibuvg domi-ilvert, hat bekannEch vor edriyer Zeit den Dit-ell Zar aller Reußen angd» MMwven. Er hat seine Getreuen bereits mit derschivd-enen EhveMteLn bedacht; so hat er «inen Grasen G rabbe zum Vasnerträger ernannt. Auch' einen Leiter der jchLritativen Abteilung von des Zaren Gnaden ßihi es jetzt; es ist ein Herr W i e t s ch i n i n, der übrigens, wie «in serbisches Blatt meldet, gegenwärtig aus dem Markt von Nottisiad Butter verkauft. Der oberste monarchistische Kat hat jedoch gegen -die Annahme des ZarentiteQ durch tztzvill Bedenken erhoben mit der Begründung, daß der Tod Nikolaus des Zweiten nnd seiner gesetzlichen Nachfolger picht eiMvandfrsi festgestellt sei, ferner 'weil die Anrechte der Linie des Großfürsten Wladimir (des Vaters KtzvrllS) vo« verschiedener Seite bestritten würden. So ist Demetrius Pawlowitsch, ein Vetter des gegenwärtige« ,^aven", ein sehr agiler Prätendent. Er läßt $ sich jetzt m Paris gut gehen und hat erst vor chrzem wegen eines seiner vielen versoffenen Streiche poliMbiche NnamvchmlichSsiten gehabt. Die Vermögensverhaltmsie des neusiu Zaren mck feiner Angehörigen sind recht defoiiat. Sei« Bruder Großfürst Andreas Wladimir, der eine Zeit- Icmy in Paris und dann in London einen Spiel- IKtz S ttmehatte, P' jetzt gerichMch mifoLeart geworden. ^gar" Kyrill hat föe obenerwähnte Gegenkundge'bumg -es obersten monarchistischen Rates in einer „Kabinetts, «tzder" als „schweres Verbrechen gegen den Zaren und das KÄerLmd" b^eichnet Md alle monarchistischen Ovganffatwuen ausgefordert, die Verbindung -mit dem obersten Ra-t vkMtbrechen. Der oberste Rat hat hrercvuif, mm seiner Aw Wt Nachdruck zu vevleöhen und Seine Ma-je'-üt -/u li$- avouieven, im Pariser Organ der russischen Emigranten zwei Briefe vsröffenMcht, den eiMv von der, Kaiserim-witwe Maria Feodorow-na, welche . gegen die Zavenproklamation Kyrills Protest erhebt, da. sie «och - immer hofft, daß ihr Sohn und ihr Enkel leben und die Erklärung abgibt, selbst wenn dies nicht der Fall wäre, könne der neue russische Zar nicht aus ebener Machtvollkommenheit, sondern nur durch den. Wille« d«S russischen Volkes gewühlt wsv« de'». Noch diplomatischer drückt sich der zweite Brief aus, der<den Großfürsten Nikolai Ntkolajewitsch fluchwürdigen Feldherrnangedenkens zum Verfasser hat. Es heißt darin, der neue Zar dürfe nur auf russischem Boden gewählt werden. Inzwischen regiert .Großfürst Kyrill fleißig darauf los und einer seiner ersten Regierungshandlungen war ein Verbot von Zeitung Sangriffen gegen die Familie Romanow. Dazu hat dieser alte Wüstling, der während seiner militärische« Tätigkeit im Russisch-japanischen Krieg in den Tagen der Schlacht bei Mukden Krankenschwestern nackt auSzog Md mit Oelsarbe bemalte, freilich allen Grund. Sine blutige Versammlung der Aadir-Pattei. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Agram/ 29. Oktober. Bei einer Bolksverfammlung der Radic-Pavtei m Castelm novo bei Spalalo kam es zwischen Teilnehmern der Versammlung und der Gendarmerie zu blutigen- Zusammenstößen. Hiebei wurde der Abgeordnete der Radic-Partei Kos-utie schwer verwundet mrd von der Polizei verhaftet. ras Mrchü'slllMakische Budget iür 1825. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) : Prag, 29. Oktober. Morgen wird der Nationalversaimnlmrg der Staatsvoranschlag für das Jahr 1926 vorgelegt werden, der nach den Jnteutionsn der D e f l a t i o n S p o 1 i t i k M'ünmrengeftellt wurde. Das neue Budget weist an A u sgaben einen Betrag von 13.971 Millionen Kronen, an Einnahmen einen solchen von 15.701 Millionen Kronen auft schließt also mit einem Defizit von 273 Millimlen Kronen. Wlerrev Morgenzeitung. 86. Oktober 1924 m ■v*' 1 ,r *s ■. ■ vn- ..! Jte. SO® Sr. KlenbSik will die Umsatzsteuer aus. Mehl ermlltzkgtzli. Da Lohn- und Gehaltserhöhungen nicht möglich sind, soll nicht wicherum di« Inflation mit allen ihren verderblichen Folgen erntreten, kan« daS Roalsinkommen trotz der stetig wachsenden Teuerung nur ungeschmälert bleiben, wenn es zu einer Pvoisherabsetzung kommt. Dieser Erkenntnis verschließt sich nunmehr auch die österreichische Regierung und die ihr nahestehenden Parteien nicht. Dazuist vor allem nötigdaß die öffentlichen Lösten, die direkt oder mdiveft auf den Verbrauch drücken, ermäßigt werden. Die Christlich sozia-len im Wiener Gemeinderat haben in diesem Sinne vom städtischen Finanzreferenten Breitner den Verzicht auf die Fürsorgeabgaibe bei den bwterzeugenden Gowevben' verlangt. Die Sozialdeinakraten antworteten mit der Forderung, daß der Mnnnz-, minister Dr. Kienböck die Warenumsatzsteuer auf Brot, Mehl und GLtreide fallen lasse und auch auf die entsprechenden Zölle vechichte. ' Dr. Kienböck äußert«, sich zu dies er Anregung . gestern im Nationalrat anläßlich vor Debatte Wer die Ermäßigung der Banken- und ltzalntenumsatzsteuer unter, «Mrem: Dom staatsfinanziellen Gesichtspunkt nus sehen wir. wenn die, Teuerung größere Dimensionen annimmt, ' da» Budget, das wir soeben dem Parlament vorgelegt haben, bedroht. Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus erkennen wir, daß die Kosten der inländischen Arbeitskraft unsere Konkurrenzfähigst auf den ausländischen Märkten sehr schädlich beeinflussen müßten, zumal wir 89 Prozent unserer Industvieprodukte inZ Ausland abfttzen. Für den Bereich, der staatlichen Finanzverwalbung scheint zur Bekämpfung der Teuerung uns nicht so sehr der Zolltarif 'in Betracht zu kommen, da er. noch 'nicht in Kraft gesetzt ist. Unsere AufmerksanÄsit richtet sich daher in erster Linie auf diie Warenumsatzfteuer. Ich habe namens der Regierung zu «Mären, daß sie Mter gewissen Voraussetzungen an eine Abänderung der geltenden Bestimmungen über die Warenumsatzsteuer von Mehl denkt und bereit ist, sofort in Unterhandlungen hierüber einzutveten. Voraussetzung für diese Verhandlungen ist, daß auch von anderer Seite in gleicher Richtung vorgegangen wird. Ich denke hiebei vor aMpr an' die Lander und-Gemeindengnfoferne fite Fürsorgeahgaben von Meh k- und B rote'rzeu gumgsibeträeb«n. vinhe-beu. Der am 26. Oktvher "im - Wiener Landtag gefaßte Beschluß evöffnet!>$ Aussicht, daß dieser Landtag in seinem MvvimgSk«ir entsprechende Maßnahm-en - zu treffen bereit seit Was die- Praiserstellung'der LebenSnlittel Hs!risst, wsvd die Regierung arit^ verstärktem Nachdruck..jedem Versuch, die Preise hinaufzuschrauLen oder ««gerechtfertigt hochzuhalten. entgeg>sntreteu. Dieser Schritt heweist,. daß. die' Regierung ^pevett ist, in Steue re«tlastung einen teren Schritt zu unterrtchmen. wenn eine einheWiche Ovkenrievung der FinauzpolitA auch m den anderen Gesetzgehnngs' körpern sie'unterstützt." ' '' ' ' "v.. Für die 'Sozialdemokraten erwiderte Mg. Bo,lker t: Wir könnten ms unter gar keinen Umständen mit einer HeraösetzMg der WareNMs<chst«uer. auf^ M-chl uO) Brot begnügen, sonder» verlange« ' ’j'.,.? . v\; die SuspMleynrg der Getreide^lle und die Aufhebung der Warenumsatzst-euer aut Mehl m ihrem vpllen Ausmaß. Die Stadt Wien.ist ohw' weiterer damit'einverstanden, daß die Warenümsatzsteuer auf Mehl und Brot, a« der sie ja auch partizipiert, aufgehoben wevde. Sie ist aber auch bereit, die Fürsorge ab gäbe der Betriebe für BWterzeugmvg aufzuheben. Die- Ablgeordnste» der MchrheitSpavteireu vertraten die Anschauung, daß mit Rücksicht aus die schwebenden Handels-, vertragsvechandlnuigen von dem Zolltarif, der noch nicht ln' Kraft' getrtten sei, die LedensuMteLzöll« nicht gerausgenomrnen werden kowmn, wall sich dadurch Oesterveich wichtiger . KompelnsatfonSzöH« begeben würde. * DaS HaüS erledigte noch das Begünstigungögesetz für Jndustrieobligationen und die Vovlage .betreffend die Ahndung von Uebertvoiaingen der Devisendovschvifteu. Ter R-est der Sitzung wurde mit der Beratung «mer dringlichen Anfrage Wer die Krcmkerikaffen der Landarlboiter ausgchüllt. Die nächste Sitzung wich in schniftliichom Wege emberufen wechen. S' - ---- - , ■ fe, ] Bubi-Kostüme I refne Schafwolle, Ia Qualität K 840*000 Feinste Seidsnf!or-D(imen$frümpfe früher K 58.000 / |«txt K 45.000 - #; „Adeslslrumpk" | nur L Trattnerhof 2 (Gräben) Sie Verwaltung PalöWas. Fortsetzung -es Berichtes Sir Herbert Sanmels vor der Mandatskommission. Genf, 29. Oktober. Die Mandatskommission des Völkerbundes setzte heute in Gegenwart Sir Herbert Samuels die Verhandlungen über den britischen Bericht betreffend die Verwaltung Palästinas fort. Die Kommission stellte an den Oberkommissär verschiedene Fragen. Dieser wies darauf hin, daß in Palästina ein Wiederaufleben der Industrie festzustellen sei. Sodann gab Sir Herbert Samuel verschiedene Ausschlüsse über die jüdische Einwanderung, über die Zionistische OrganiWon und über die Rolle, die sie in der Entwicklung des Landes gespielt hat. Sir Herbert Samuel empfing heute Pressevertreter, denen gegenüber er unter anderem erNSrte, nach der Beendigung des Weltkriches seien 40.0 00 Juden nach Palästina eingewandert, von denen 4000 aus Mangel an Beschäftigung das Land wieder verlassen hätten. Dt« Zionistische Organisation und reiche jüdische Privatleute hatten bis jetzt zur Ermöglichung, der Niederlassung und zur ArbeitÄeschaffung 6 Millionen Pspud Sterling zur Gersülgung gestellt, di« zum Anlauf von Grundstücken, zum Bau vo» Wohnhau'ern und Schulen, zur Gründung landwirtschaftlicher Genossenschaften und zur Förderung der Industrie ausgegeben wurde«. Die britische Regierung subventioniere die Verwaltung Palästinas nicht, sondern sie Unterhalte lediglich das Militär. Die während der Jahre 1922 sind 1623 bestandene wirtschaftliche Krise Hab« sich stark gemindert. Die Einwanderung dauere an, doch sei die AusnahmsfäWeit des Landes beschränkt. 8rklärungeu Graöskis im Se«at und Sejm. Vor einer RegiernngSkrsse? ' (Elgendlenst der „Wiener Morgenzelt'ung^.) f Warschau, 89. Oktober. Ministerpräsident Grab tt i hielt heute eine Rede im Sengt und im Sejm. Unmittelbar nach der Beendigung der Senats,sitzung! begann die Sitzung des Sejm. Der Äiinisterpräsident ergriff gleich zu Anfang der Sitzung das Wort. Der Ministerpräsident wies damuf hin, daß gewisse Parteien sich nicht mit dem Gedanken abfindetr können,! daß das Werk der finanziellen S a nie r n n g von einer Regierung durchgefirhrt wurde, welche nicht von diesen Parteien berufen worden..wär, wesheckb JUr dik Schaffung, einer Atmosphäre anstrebeN, ivetche Hnen die Rückkehr' zur Regierung ermöglichen würde. Der Ministerpräsident .ersucht hieraus den Sejm-Marschall um die Feststellung auf dem Wege der Absti mmun g, ob der Sejm in seiner Mehrheit die der Regierung gemachten Borwürfe teilt. Nach Verlesung dieser Erklärung verläßt die ganze Regierung den Sitzungssaal. Der Sejm-Märschall unterbricht die Sitzung für zehn Minuten. Die Klnibderatungen dauerte« mchr als zwei Stunden. Der Seniorenikonvent hat seine Beratungen erst gegen 8 Uhr abends beendet. Die Frage der KabinettSkrise wird erst in der morgigen Sejrnsitzung entschiede« werden. Augenblicklich herrscht die Ansicht vor, daß heute die Kabinettskrise begonnen habe. Politische ktmlurrverschleierung. Der Zerfall der vöMsche«. (Ngendienst der „Wienet Morgenzertung".) München, 89. jOJtotet. Die Landesvertretertagung ded BSMschen Blocks beschloß den Ausschluß Esser 8 und G t r eiche r s auS der vSMschM Partei. Die Partei wurde folgendermaßen n e u ben a u n t: „Der Völkische Block. Nationalsozialistische Frech eitslböwöguug Groß-DeuMand (Landesverband Bayern)." Alle zu dieser OrgaNWlon nicht gchörenden Gruppen, wie die g r o ßdeuts che Volfsgemeinschaft, werden von der Partei nicht anerkannt. Am Wrlichen Hertz. D« Famitienavend ln Waffen. München, 29. Oktober. (Wolff.)-Samstag abends erfchiLN Krimmalpolisei M einer FaMiLM.uteMümg von Mitgliedern des FrontkriegerbundeS wnd brachte 23 PechoE aus die Pvlizeidivektion, wo sie eiuvernom-men um dann wieder sroMassen wurden. Wie die „Münchener fytkittfdazu berichtet, ist -die Vev'ha-ftu>ng dieser SS PeMnLn, die der ehemaligen Roßbach- Organisation aNge'höven, deshaG ersölgt, wvil sie militärischaus gerüstet waren. , Thtzleffen wird konsrontiett. " (Eigendi^lst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 2y. Eober. Me der „EeNke Glovo" Mdci. hat das Justizministerium gsMtet, daß ein reichsdeutscher Polizeibvamter, der den ßrzberger-WÄ> untersucht, Und die Mitglieder der Organisation 'TMls.nl-kennt, In -PreMurg mit dem mutmaßlichttrMörder ThyleU-en; H in PteMüpg veHästü wurde, konsrontiert syeM DSL Keltere Schicksal des.Verhafteten wiH pannsim ^usi'izministeriück entschieden wecken. i

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