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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-19 · Heft 2037 (19.10.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2037 (19.10.1924)
Date
1924-10-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2037 Wien, S-omcky # % ** '«• ' - 's i --- ,' t'—— 4\wm"'" 1:W.V'-;■-■: - f fW» Wkener Mo«senzeitu«g. 19. CfW&ei; IM «Ä« 3 Sitte Haienlreurktmferenz. (Vögendlenft dsr „Wiener MorgonzeAmg".) München, 18. Oktober. Die aroßdeutsche Volksgemein- -schcvft, die Organisatton der radikalen Richtung der völkischen Bewegung Bayerns, Lernst für den morgigen Sonntag eine Landeskonferenz ein. Auf der Tagesordnung steht die Stellungnahme der groß'dvutschen Volksgemeinschaft zu den übrigen völkischen Gruppen. Man mißt der Tagung deswegen große Bedeutung bei, weil sie eine Klärimg über den weiteren Gang der völkischen Bewegung bringen dürfte. _____ Jer angebliche TWeffen. (Eigendie-nst der „Wiener Morgenzettuing".) Pretzbmg, 18. Oktober. Wie verlautet, soll morgen-ein KviiminMeamter vor Stalttsanwättschaft Offen bürg hier eintreffen, rmr die Id e n t i t ä t des angebliche n Th hl essen fastzustellen. Nadassv wird weggeschitv. (Eigendienst der „Wiener M-ovgenzeiknng".) Budapest, 18. Oktober. Der Mimsterrat beschloß, heute nachts, die Enthebung des Landespolizeichefs Nadassy von seinem Posten durchzuführen. (Nadassy, der schon in den BornLenaffären Adorjans und Marffys kompromittiert wurde, ist ein den Erwachenden sehr nahestehender Beamter. Seine Entfernuing ist eine Forderung der Partei der kleinen Landwirte. — Red.) 8in neaer französischer Gesanvter in Wien. Me in politischen Kreisen verlautet, wird bei denr bevorstehenden Rödirenvent in der ftxiitigöfifcf;ctx Diplomatie;ibec bisherige Unterdirektor der afrikanischen Angelegenheiten im auswärtigen Amt, de Beaumarchais, auf den Wiener Gesandtenposten entsendet werden. Die letzten Kurse. (Ergerünenst der „Wiener Morgenzertrmg".) London, 18. Oktober. (Devis enkurs e.)Wien 318,500 Prag 160.76, New-York 4.49, Paris 85.75^,, Brüssel 93,60. Rom 103,86, Zürich 23,38, Madrid 33,46, Amsterdam 11,48°/,» Kopenhagen 26,02, - Christlania 31,57^, Stockholm 16,87, Helsingfors 178,50, Berlin 18,90, Athen 375,50, Bukarest 817,50. M Unsere Schlager! Schwere Velvurteppiche, 2/3 ....!< S50 Schalwoll-Veloulteppiche, 2/3 .... K 1280 Maffersdorser Velourläufer, 70 breit. K 125 Maffersdorfer Velouworlegec . . . . K 128 Tapestryart-Läufer.K 24 Preise tu Tausendern Giesen-Auswahl I Herbst in Südtirol. Von Egon Dietrichstein. Bozen. Auf deur Brenner stürmt es. Die Karabinier: bewachen die Grenzrevision im Regenhavelock. -Steht die Ventilation auf „warm"? Man spürt nichts davon. Die Lokomotive braucht offenbar ihre Dampfkraft, um den Expreß über die Bergserpentinen zu schleppen. Man legt sich noch eine Decke um die Beine. Dann wird cs langsam Heller. Wie der erwachende -Tag ist es. Die Berge treten hervor. Herbstlich gelb gefleckte Bäume, Wemlaub an Wei-ulaüb.Kirchentt'tr-'.ne ragen aus der Milse der Dorfhänser. Böller -Sonnenschein fließt an den Berghängen in die Täler. Inr Coupe wird es unerträglich schwul. Man öffnet die Türe, das '-Fenster. Ist es Sommer geworden? Steht das Korn in Reife?, Ist 'S Erntetag? Oder Frühling? Aus dem Bahnhofe in Bozen begrüßen einen Somnterboten: die italienischen Cisniänuer, in ihren Silbertöpftn spiegelt sich blauer Südtiroler Himmel (es gibt nämlich nicht nur einen zur Poesie verlockenden! italienischcu, sondern auch Südtiroler Himmel). Neberall Sommer. Bor den Restaurationen, vor den Cafes Gart-enttsche. Der Walter-Platz leuchtet. Und mir der .Obstmarkt zeigt die späte Jahreszeit mit in den Bratöfchen lvird 'gebeift,. die Maroni mürbe gebrannt, Trauben, die Symvvtck des Bozeuer'Herbstes, blühen ans den Körben, amerikanische Aepfel, kürbisgelb, Tiroler Achsel, Zitronen, Feigen. Ganz Bozen gestopft mit Obst, Keller und Geschäftsmagazinc. Früchtelachen aus. jedenr Hofe. In den Bauernwirtschaften Obftpresfen und iweiurote Bottiche. Ans Karren, auf Lastwagen sind sie gehäuft. Die Weingärten liegen, die Smtuenftecke, hell auf den Berghängen, oder ruhen von Mauern nuthütet, am Promenadenrand. Eine anakreoutische, eine süffige Landschaft. Pferde mit bunten Bändern und Blumen geschmückt, schellen vorüber. Ist 's Faschingdie-nstag? Nein, die letzte Ernte wird heimgebracht: die späten Obstkörbe auf. dem Magen, lorbeernmkränzt. Die. Bauern sind Weinbauern, die Großhändler WeingwWMer - und die Wirtsstuben feUtverstäudlich Weinftnben. Die Mfte sitzen an der Quelle. Mau kann nun und hoffentlich nicht nur für 'den Augenblick.— Gott sei Dank — -wieder von Siidtiwler Sonne, Wien und Himmel sprechen, ohne daß sich die Politik zu sehr vordräügt. Die Berge halten beängstigende Tatsachen fern. Sichtbarer ist der forcierte italienische Anstrich, den man Bozen gegeben hat: die Straßentaseln, die sich vor wenigen Jahren noch mit der deutschen Landessprache begnügten, reden imtu — wie die Aemter und Fmnentaseln — nur italienisch. Tiroler Burschen tragen die Militäruniform des Landes. Es sind die frisch eingerückten Rekruten. Auf Affrchen liest man, daß die Eltern eingeladeu werden, bei der Obrigkeit zu erscheinen, die über die Zuteilung der Kinder in italienische oder, deutsche Schulen -entscheiden wird. Das Wort „einladend" klingt sehr konziliant, sehr höflich, geradezu einladend. Aber, heißt es weiter, gegen diejenigen, welche der Einladung nicht Folge leisten, wird die Strasamtshändl-ung eingeleiret werden. Der Fremde, der Tourist, der Kurgast, braucht, wie gesagt, diese Wolken oder Wölkchen am Bozn-er Himmel nicht zu sehen. Nur die Sonne, bot Wein und die durchaus betö'.mntichen Preise zu kosten. Sie sind niederer als in 'Nordtirol, als in Wien, als in Oberitalien. Und noch gü-nstiger wird die Relation, wem: mau an Deutschland denkt. Der Deutsche und Oesterreicher kann also wieder nach Südtirol reisen. Die Teuerung feines' Landes ermöglicht es ihm. Der Aufstieg zum Brenner ist kein Kalvarienberg der Teuerung, keine halsbrecherische Lleitertour der Tarife mehr. A quelque chose malhenr est bou. Für den Österreicher hört der Kvang aus, Papierpakete als Zahlungsmittel mirschleppen zu utüssen, für den Wiener das Wühlen in den. Taustltvern, in den Zehntausendern, das Kopfrechnen bei der kleinsten Bagatelle, wie etwa beim 'Frankieren des Briefes. Südtirol ist mit brr billigsten, weint auch wahrhaftig nicht mit der'höchsten Balrtta, ein KnotensttM <ntslättdischLr Valuten. Ein Verkehrszentrnm. Wäre.'es, auch ohne dör Landschaft, ohne den». 'LvunEdma. Bozen, die Obsthandelsstadt, ist zttgleich eine ' Kurstadt, präziser: eine Stadt mit einem Kuron. In dieser Zweiteilung liegt seilt Reiz, sein Vorteil, seine große Hofftmng. Gries ist der Kurort. Nicht von den SaisonweÜeu des mondänen WelLades durchrauscht, nicht niit Br de- und HeilbetLied überiäsier: vielleicht utehr Natur als Kurort. Promenaden, Twubengärtc-n, ruhige bürgerliche Hotels. Es gibt.Frieden,. Idylle, Heiterteir. Spendet dörflrrisches Wohlbehagen und städtischen Komfort. Ätegenerierr die Gwßstadtgcsättigten. Und, eine kurze Fahrt mit der Elektrischen, doch wieder die Stadt, der Abend mit Laubenkorso: in Bozen. Und dieser Bozner Abend hat bereits wieder italienische Buntheit,. südliche Bewegung, nicht nur südliches Klima, sondern, auch südliche Klänge: aus dem Walter-Platz bläst die ZMitärmuM ihr Konzert, dann trompetet die Feuerwehr und schließlich wird der Zapfenstreich ausposan-nt. Die Trontpete ist hier 'ein wesentliches VeMÜgungsmittel. Meran. Meran ist, unteilbar und unttennbar, Kurstqdt. Jede der beiden Wortsilben gleich stark. Städtisch die ganze An-, läge, die Verw-altrtttg, die Elektrische, der Komfort, städtisch vor allem, daß es in den vier Jähreszeitdn leine öden,' saisonlosen Zwischenzeiten gibt, daß es selbst im Sommer bewohnt und bewohnbar. Dieser Stadt ist der Kurcharakter sozusagen einverloibt: RiesenhotelZ, Riestmsanatoriett, Südzimmer, Kurmustk, Prometraden, Fmuen, denen man die Krankheit ansieht, und'andere, die es vermeiden wollen, indem sie etwa Stöckchen tragen, Herretr in weißen Hofen und Schuhen, Spaziergänge, aus denen das Rauchen verboten ist, streng hygienische Ernrielnn? kurz, der internationale Kurort. * Das alles würde nicht das Rcnomnree Meraus^ klären. Es li^t in seiner Origmalitäi. In her Orig-ina^nar des Klimas, der Landschaft. Sie ist südlich, breitet die segnenden Hände, der Palmen aus, aber der.Norden ist sichtbar, entfernt schimmert Höhenschnee..-Der Hauch des Südens lächelt milde und warm. Aber ein paar Schnell- Zugsstnnden entfernt liegen ' die rauhen Verkehrsuriv Erwerbszentrett Mitteleuropas. Der Stadt-charakter, das Stadtbild, die Vegetation vereinigt .Gegensätze: öster reichisch ist die Kultur, die Pflege der Straßen, der Wege, die Gasthöfe, ' die .Ordnung der Anlagen,^ italienisch die Laübettgänge mit' dem ömtten.Gefchqftshä-sär,'. die Karabi'nieri, der Cafe expresso, die Maultiere.vor, dem Last wagen, österreichisch der Wein: tirolerisch-bäuerlich die Bier- und Weinstnben, für die man das Beiwort „bieder" nicht uülgehen kann, mit schwerem Holzge'rät. und'Glasmalerei, streng kouservativ, wie die Bauern in ihrer Nationaltracht und ireuetr, schwarzstruppigen 8lndrcas<wfer- Bärten. Diese Stadt des mottdänen, internattonalen. sta>O)alutarischen Fremdengemisches ist alt und gediegett,

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