Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2035 (17.10.1924)
- Date
- 1924-10-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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€&ti Mt% Freilos Wietter Morflenzettuns. Ermüdungsstoffe wieder rückgebildet und die Furfltionsfahigkeit der Organismus wird wieder hergesteW. Professor Kestuer aus Hamburg stellte fest, iiaß die Wirkung des Klimas auf den Menschen zu gewissen Zeiten auf die Bildung von Stickoxydul in der Lust zurückznführen ist. Die Strahlenwirkung des direkten Sonnenlichtes beruht darauf, daß it-ttter tüestm Einfluß das Eiweiß der Zelle gewissermaßen zum Zweck der Sauerftvffgewinnung zersetzt und zur 'Neubildung gelungen, dadurch also verjüngt wird. Achnlich wirken starke Hautreizungen, wie zum Beispiel eine erhebliche Kältewirknug und Wind. Äls HeiMima kommt nur düs kalte mtd nicht das lvarme Klima in.Betracht. „Wir werden ball) so weit fein, daß, so wie die chemische Industrie künstliche Heilmittel herstellt. wir auch das zu verordnende Klima künstlich''Herstellen können." .. ' ■ . Die große Sitzung der medizürischen Fachgruppe, die sich mit der Be^rechung oes Kropfproblems beschäftigte» brachte aus phhs-iologrschem Gebiet nichts Neues und ich verweise über diesen Gegenstand aus meinen letzten Aussatz vom 21. September. Die Sitzung muß erwähnt werden, weil von ihr ein wichtiger Mahnruf ausging, -der sich gegen die internationale Kurpfuscherei richtet, die mit Verkauf von Jodpillen und ahn- Bogelbl-nmen, deren Zähl in Amerika - und Java bedeutend größer ist, äls von den europäischen Forschern gemeiniglich angenommen wird, wohl auch auS dem Grund, weil die günstigste BrobachtungSzeit der Blumenvögel, vor allem der Kolibris, die frühesten Morgenstunden, sehr feiten zur Beobachtung verwendet wurden.tMlist .eiw Irrtums daß^die Vögel in den „ Blumen nach Insekten suchew Ae suchen vielmehr in den trockenen Gegenden ihren Durst aus den natürlichen Näpfen zu Men, die in der Förm der Blumenkelche bas Regenwasser, gesüßt bwtd) Eigensäfte, in größerer Menge den durstigen Vögeln darbieten, während sonst der heiße Boden überall bas Naß verschlingt. * Die erste Sitzung brachte einen Bortrag über das „Leib- Seele-Problem", von Hoche.aus Freiburg im Brcisgau gehalten. Er erklärte das Problem als unlösbar. Wir glauben 'aber doch, berechtigt zu sein, das Seelenleben als Ergebnis der ungemein fein abgestimmten chemischen Vorgänge im Organismus zu deuten. In der Wteilung für Unterricht wurde der hohe, unersetzlich hohe Kulturwert der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer betont und erläutert. kichern an kropskranke Personen betrieben wird und auch schon zum Tod geführt hat. In ein-er der erstell Sitzungen der vererbungLwisseufchafttichen Abteilung war vor allem der Portrag Hon.Professor,. Erwin Baux aus Berlin vön tiesim IntUW Ob sprDHHrF die „BÄeutung der Mutati^nbn, bDoNrers der-Kknstnutationen für die Gwklstron")' fÜhLte hker^A Grundlage aus, Laß Mutationen, das heißt plötzlich auftretende Träger ganz neuer Artmerkmale, nicht in Widerspruch zu der Auflassung des stetigen Fortschreitens der organischen Ent- - Wicklung stehen, wie Hugo Le Bries, der Schöpfer des Begriffes der Mutation, meinte, sondern als.Produkt Mendelscher Aufspaltung aufzu-fasscn sind. Das bedeutet strlgendes. Irgend ein unbekanntes Ahnenindrviduum dieser Mutation kann dieses rreue Merkmal durch funktionelle Anpassung u«d natürliche Zuchtwcchl im Lause langer Zeiträume unter dem ständigen Einfluß ganz bestimmter UnweltbedinMugen einmal erworben habey. Unter den Nachkommen dieses Individuums kamen zufällig gerade jene zur Entwicklung, die das neue Merkmal durch Kreuzung mehr weniger verwischt hatten, bis ei« spätes Enkelindwiduum dieses neue Merkmal wieder rem zur Erscheinung bringt. Es hängt das mit der Chromosomenverteilung in den Kernen der Keimzellen zusammen, wodurch auch nach vielen' Generationen ein Merkmal wieder rein zur Entfaltung gebracht werden kann. Diese selbe Deutung der Mutationen Hab« ich schm in meinem Buch gegeben, dos 1923 bei Branmüller unter dem Titel „Entstehung und Wesen von Natur und Kultur" erschienen ist und ebenso wiemeine beiden Aufsätze über Veverbuirg vom 27. Juli und 8. Züigust zmn näheren Verständnis heranzuziehen ist. In einer Sitzung der botanischen Abteilung berichtete Professor Metz aus Königsberg über die Forschungen ferner Schul«, die zur Errichtung eineftrodiagnostischen DönigSberger) Stammbaumes des Pflanzenreiches führten, der von den Spaltpilzen ausgeht und das gan^e Orgünismenreich, daS Tierreich ttrbegriflen. als Asttmrk eines-einzigen Stammes be> trachtet. Die Technik dieser serodiagnostflchen botanischen Untersuchungen ist folgende. DaS Eiweiß irgend einer Pflanze wirb einem Kaninchen i« die Blutbahn gespritzt, dm« das Blutserum von dem Kaninchen gewonnen und mit dem Eiweiß .irgend «irrer andere» Pflanze versetzt. Me Pflanzen, deren Eiweiß in dem Ser»m einen Niederschlag, ergeben, das nach Injeiktion eines anderen PflanzeneiweißeL gewonnen wurde, stehen mit dieser sicherer, Pflanze in systematischer Verwandt, schaft, die um so naher ist, je rascher der Niederschlag entsteht. Ungemein interessant war der Vortrag he» nordischen Gelehrten- Professor Vegard von der Universität in Tromsö Ln den Fjorden der «nordöstlichen Norwegen^untex 70 Grad nörd- Kcher Breite, der vor einigen Monaten seine experimentellen .Untersuchungen über das Nordlicht abgeschlossen hat. Er könnt»! das Nordlicht künstlich nach ahmen und war dadurch zu dem Ergebnis gelangt, daß es durch Anprall von Strömen negativer Elektronen <m Stickstofftrystalle Hervargerufen wird, die «in der niedere« Temperatur der höchste« Atmosphäreschichten dort vorhanden sind. Ueber die neuen Ergebmff« der Atom- und Molekular«' sorschungwerde ich in anderem Zusammenhang berichten. Als erster Redner sprach darüber Sommerfeld, der Großmeister der deutschen Physik, in Gegenwart von Willstadter, dem viMscht größten lebenden Biochemiker. Diese beiden jüdischen Forscher gehören zu den größten Bahnbrechern der Wissenschaft. . In der zweiten Sitzung der naturwissenschaftlichen Hauplgruppe wurde das Verhalten der Bienen. Schmetterlinge und Vögel tvährend des Blumenbesuches nach den neuesten Forschungen geschildert. Die Bienen können fast alle Regenbogen, färben unterscheiden, nur Scharlachrot erscheint ihnen als schwarz, weshalb diese Farbe an Blumenblätter« kaum anzutreffen ist. Wenn eine Biene reichlich Nektar in einer Blüte gesunden hat, so läßt sie, wohl als Aeußerung der Freude (tec Vortragende, v. Fris» aus Breslau, meinte, Mm Zweck der leichteren Ausfmdba'.. t des Platzes durch die Stockgvnössech einen Duftstoff aus einer Drüse entströmen und nimmt gleichzeitig den Vkütendust im Nektar selbsti mit i« Len Stock.' Im Stock angelangt, brzimtt sie nun, ebenfalls alz Ausdruck ihrer Freude über die reiche Futterquelle einen Rurchtanz aufzvfichren, aus dem sie von zchlreichen Schwestern begleitet wird, die die Ursache dieses Tanzes auseigener Erfahrung kennen und nun trachten, die beiden Düfte sich vinzuprägen. Mit diese« ^Kenntnissen ausgerüstet finden sie nun leicht die Futterstellr. Die Vorgänge im Bienenstock, an Len Blüte« und an de« künstlich durch Darbietung von Zuckörwasfer errichteten Mutterstellen'würden kinematographisch -vorgeführt, ebenso auch der von diesen Rundtänzen etwas verschiedene Schtvänzettanz,. «den die Pollensammler emsführen. Porsch aus Dien sprach über Re russische Zagesprejse. Dii! Tagesze-itungen in dor- Sowjetunion stehen -a-nsnähinslos unter der Kontrolle der Moskauer Regierung oder der kouM-m^stischv» Parteileituna, beziehungsweise der Gewerkschaften. Die Fräße der Zulassung von privaten Zei!w»^samternchmen ist auf Len Parw'iklmgressen und auch iuuechalb der russischen Regierung wiederholt erörtert worden. Bisher waren die Gegner der privaten Zeitun-gsindustrie in der dMrzchl, so daß bis jetzt L-n ganz Rußland nicht eine »uvakbhänglgr Tageszeitung existlcri. In Moskarl erscheint das offizielle Regiemngsorgän, die »^Jsweftija", die mit «ihrer Auslage von' 376.000 Exenchlaren die verbreitetste TogeszeitAngder Sowjetu-nion ist. Die ,-Prawda" ist das offizielle Parieiorgan und hat eine Auflage von 324.000 Exemplaren. Efls Oryan des Obersten Mrtschaftsrates gilt die ebenfalls täglich^ erscheinende „Ckonamitscheska-ja Shisnj". Das Matt des Dio»lauer Sowjets ist die „Rabotschaja Moskwa", eine Tageszeitung, die insofern aus den: Rahmen der übrigem Sowjet- Presse fällt, äls sie den Charakter eines Boulevardblattes trägt. „Trnd" (Mbeit) ist das Organ der russischen Gewerkq'chafben, ,^Krasmaja Swiesda" das Organ der Armee und ^Dedndta" Mälksbilatt) das Parteiblatt der Bauern, das eine Auflage von rund 65.000 Exemiplarem hat. Sohr einflußreich ist das offizielle Organ der Eisenbähngewerbsch asten „Gudok" <PfiD mit der sehr hohem Auflage vön 232.000 Exemplaren. 'In Leningrad (Petersburg) sind von den dort erscheinvndvn Tageszeituuge-n nur zwei von Bädeu-tuiyg: das Matt des Leningräder Sowjet '^asnaja Gaseka" «nd das offizielle Parteiargan ^LemilMädsta Pyawha". In der Provinz und den Der Sowjetunion augeschlossenen komnMniskischen RepublrkM gibt es in der Tagesprejse nicht mchr die Trennung von Ne- 'gkevüngZ- und Parteiorganen. Diese Zeittmgen werden sowohl von den Regrerungsstellen wie von der Partei unterstützt. Dke wichtigsten ProvinzMungan sind: ,Mnrni-Wvist" (Ehärckow), „Pvole-tarfla Prawda" Weüv), .Makinfli Räbod- W" Wäku) und „Sapjä" (Diflis). Für HÜlerr Leftenelchertum. I« Bahem wollen sie den närrischen Tapezierer los werde« und haben daher den Versuch gemacht, ihn Oesterreich 'als Staatsbürger „zuzumnttÄn", da Braunau am Inn die zweifelhafte Ehre hat, daß das läppischeste Großuraul der Hak'enkreuzler dort das Licht der Welt erblickt hat. Die österreichische Regierung hat sich jedoch für die Ehre, Hitler in den Staatsverband aufzunehmen, bedankt nnd sehr höflich darauf Hingewiöse«, daß der Tapezierer seit mehr als zchn Jahren das „Vaterland", für das er plötzlich sein Herz entdeckt, gemieden Auch die Einreise Hitlers hat sich die Regierung verbeten.' Die Wiener Hakenkreüzler hcchen «un der Regierung chre Entrüstung vb solcher Verletzung ihrer heiligsten Gefühle beweisen ' wollen und veranstalteten vorgestern eine „große Protestkundgebung". Da bekanntlich die Nacht des Menschen Feind ist, ^versammelten M sHakenkreuzler an ver- /schichenen Stellen der 'Ringstra^«?, und ein Trupp von ein paar Dützerw halbwüchsigen. Hitlerianern versuchte, Demöüftrationszug. durch die Stadt' und Kundgebung vor dem Bundesckanzleramt zu spiÄen. Sie wurden von der Wache vertagt und -schlichen sich dann auf den B a l l h a u s p l <x tz, um chort ,Heerschau" Azühälten; auch dort wurden sie bald fortgejagt und, um mit dem angebrochenen Abend etwas zu beginnen, zogen sie in die Bandgrsse zu dem gesinnungsverwandten Organ der Großdeutschen, wo sie, nachdem sie vor der „R e i ch s P o st" „Pfui" gerufen hatten, zur Abwechslung sich mit Hochrufen Muk zusprachen. Dann zerstreuten sie sich in kleine Trupps, welche sich durch Anrempelungen von Passanten unlichsam bemerkbar machten. Dieser Unfug bvachte den Hakenkreuzbuben außer saftigen Prügeln auch die Ueberführung ins Polizeikommissariat Neubau ein. Ihrer vierzehn wuvden v e r h g s t e t. Lk Lebensmittelmürtte. Die Großmarkthalle hatte gestern relativ günsttge Fleisch« Importe aufzuweisen. Mittel- Bahn sind 16 Wa-gons im Gewichte ivön 108 Tonnen ein gelangt. Während Kälber um 1000. K. pro sKiloMchnm im Preise gestiegen sind, erlitten Schweine einen Preisirückßang von 1000 K. pro Wogtainm. Im Großhandel gestaltete «sich dir Berkehr lebhafter als in den Bortageu.! Der Naschmatkt verstigte gestern auf den meisten Gebieten süber gksteißerte Gemlisezufuhren. Namentlich Karfiol langte aus Italien in größeren Mengen ein, so daß sowohl Gärtnerkarfiol -wie auch Katfiol tschecho-slowakischer Herkunft im Preise herabgesetzt wurde. Sonst blieben alle andern Gemüsepreise unverändert. Auf dem Obstmarkte bewegen sich die Zufuhre« von Aepfelir und 17. Oktober 1924 - Nr. 8035 Weintrauben fortgesetzt in aussteigender Richtung Auch Zwetschke» wiesen gestern bessere Zufuhren auf. Die Qualität jedoch ließ in vielen Fällen zu wünschen Übrig. Butter und Eier kamen in genügenden Mengen aus die Aiärkte. Jas Wetter. In Oesterreich ist es noch heiter mit stellenweisem Morgen» nrbel. Am Ostrmrde der Alpen war es vorübergehend stärker delvölkt, die Temperaturverhältnisse sind wenig geändert. — BorauSäge r Herrschender W e t t e r ch a r a k t e r «nh a l t e u d. Wien, 17. Oktober. * Die Selbstmordchronik. Wegen mißlicher Verhältnisse hat sich sie 26iährige Privatbeamtin Marie F. mit Leuchtgas vergiftet. — Der vLjährige pensionierte Inspekwr Josts W. hat sich aus unbekannter' Ursache erhängt. — Der 30jährige Spitalsangcstellte Johann T. hat sich im Zustande der Melancholie aus der Älordbahnbrücke van einem Eisenbahn;ug überühren lassen. — Bei der HeiligeustäLterbrück-e wurde die Lerche eines etwa 35jährigen unbekannten Mannes ans der Denan gezogen, Die am linken Handgelenk Schnittwunden aufwies. — Der ungarische Emigranr Wilhelm Szegedi, ein Schriftsetzer aus 5tees-kemet, -hat sich in einem Hotel in Hernals mit Berona'l zu vergifteir versucht; er' wunde ins Ällgemeine Kranlenhans gebracht. Krarckheit und mißliche Verhältnisse sind die Ursache der Tat.'— Der 25jährige Bankbeamte Heinrich I. hat sich crrls unbekannter Ursache drrrch einen Revolvevschuß in die Schläfe schwer verletzt. — Der jetzt so häufige Versuch, sich mit Lysol zu vergiften, wurde gestern vo« Zwei Bersone« nnternonnnen. von der Hiffsarbeiterin Marie.H., welche durch häusliche Ztvistlsskciten zu diesem SelbftmovdveMch veranlaßt wurde, und von'Dem Hilfsarbeiter Franz P.. der die.Tat ans unbekannter Ursache beging. * Ein Lehrling verschwunden. Sait dem 14. d. ist ba löjährigL Schlosserlehrling Johann Schalk auS der Wohnung seiner Affitter Josefine Schalk, 15. Bez., Schallergasse 3, vermißt. Er hatte sich am Morgen entfernt, um an seinen Arbeitsplatz, eine Fabrik in der Linzerstraße, zu gehen, hätte nach 2 Uhr nach Hause kommen sollen, ist aber weder in der Lehre erschienen, noch auch nach Hause gekommen und wird seither vermißt. Nach Mitteilung der Ntutter sollen auch zwei andere Lehrlinge mit ihm zugleich verschwunden sein. * Straßenbahn und Auto. All der Ecke der Schvilbrumrcrstraße und HeunlWgasse stieß ein Straßenbcrhnzng der Linie 03 mit einem Lastenanto samt Anhängewagen, das der Chauffeur Jakob Löwinger lenkte, zusannnen. Das Auto wollte in die Stt)önbrunnerstraße einbiegen, aus der der Straßenbahnzug eben kam. Während der Triebwagen noch am Straßenbuhnzug vordeikanl, stieß der Aichängewagm mit dein Zug zusammen. Dadurch wurd-e die Brustwand der Plattform des Triübwagens der StraßenLahn derart beschädigt, daß der Zug außer Dienst gestellt werden mußte. Der auf «der Plattform sichende StraßenbahnbedienftetL Karl Ungar wurde leicht verletzt. * Giftmordversuch zweier Frauen. Aus Wiener-Neustadt wird uns «berichtet: Die 45jährige Hausbesitzerin Iu-lianne Schlögl beflndet sich seit zirka acht Tagen im hiesigen Krankenhause in Pflege. Während dieser Zeit Mrte ihr eine gewisse 5katharina Fuchs die Wirtschaft. Diese bracht« ihr nun vor -einigen Tagen Fleisch nlld, ein Stück Torte in das Spital. Die Schlögl teilte emige Tortenstücke an Patientinnen aus,' we-lche nach dem Genuß sofort erbrachen. Da der Verdacht eines Gist- Mordversuches gegeben war, leitete KriminaHeaintenlommissär Iaritz «sofort die EchÄungen ein, welche ergäben, daß die Fuchs, eine ehemalige Proftituierte, bereits ^wiedecholt vorbestraft und auf zchn Jahre von Wien albgeschafft ist. Sie gab zu, daß sie aus Anstiste« der HllfKarbeiterlU Walter, bei welcher sic wohnte, den Schlögl und seine Frau verglsteil wollte und daß sich dann beide den Erlös der Beute teilen wollten. Beide wurden dem hiesigen Kreisgericht eingeliefert. * Tödlicher Unfall des Verlegers Laugenscheidt. Aus Berlin wird mtterm 16. d. gemeldet: Vergangene stacht stieß der 24jährige VerlagSbuchhändler L a n g e « s ch e i d t, von Waunsee kommend, mit seinem Motorrad an einen Gemüsewagen. Langenschewt war auf der Stelle tot. Eine mit ihm fahrende Dame kam mit einigen Hautabschürstmgei: davon. * Wiener Bevölkerungsbewegung im Juni. Am Ende des Monats Hatte Wien 1,887.027 Einwohner. Die'Zahl der Bevölkerung hatte sich in diesen: Monat um 480 vermehrt, wenn mau den Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle in Rechnung zieht. Der Zuwachs beträgt 259 männliche und 221 weibliche Geburten. Gestorben waren insgesamt 2 0 4 2 P e rs ottu (1057 männlichen und 985 weiblichen Geschlechts). Auf 1000 Ettrwohner berechnet entfalle» 12,32 Todesfälle (ausschließlich der Ortsfremden und der Personen unbekannten Aufenthalts) gegen 12,63 Todesfälle im vorigen Monat und 12,12 im Monat Juni des Jahres 1925. In den Wiener Hotels sind im Juni 17 687 Personen abgestiege» (gegen 16.693 im Vormonat). ES fanden 2088 Eheschließungen statt (im Mai 1607, im Juni des vorigen Jahres 1640), davon 256 Ziviltrauungen. Lebend wurden 2L22Kindergeborcu (im Mai 2508, im Juni des Vorjahres 2318). . * Vorzüglich kolloyniert mit blutigem Kopf. Aus >D ud>apest wiah uns bevichtet: Bei emor der jüwglsden cmttfrlniiischen lAusschreitungvn an «dvr Budaposter Uiriverisibät, über welche bvreits berichtet wurde, hat sich folgende Sgeue ereignet, die für bas Kultuvniveau der heutigen magyariischen Jugend, <rls«o der znlÄnfligen Führer Ungarns, so sehr bozeichneich ist. Am Schluß der Vorlesung des Herrn Profesiörs Buch'böck vergatterten sich die rasseniMtzleriifchen Sttvdeniten im Tve-ffart-Garten, den alle Studenten, die oas Ehemilsche Institut verlassen wollen, pasfieven müssen. Die Evwachemden mit den Tellernvutzen umringelien die ihrer Mein-nng -nach jüd-isch ausseiheuden Hörer u«nd forderten eine Ausweisleistung: „Haben'Sw eine Legitimation des Kcom-eradschaftsbundes?" „Nein." „Religion!" herrschte der Führer der Nassenschützler die verdächtigen Studiengmossen an. jüdisch" lautet die Antwort. „Jüdisch!" höhnt die heldenmütige Gruppe und schon sausten Dutzende von Bleistöcken aus tö* jüdische« Studenten, unter denen sich auch der Sohn eines jüdischen Professors befan«d, nieder. Einer der J«usul«tierteu, der Höver der Philosophie Ludwig Szeki, wurde besoudors arg zugerichtet. Er erhielt mehrere Schlage in das Gesicht, daß er zu Boden fiel und äuch daun noch Vearbe4e:en die Buben den Wchrilostu im Namen des Horthy-Patviotismus mit ihren K-lvü-ttoln. Szeki bat bloß, ihn endlich srestulasseir, da er zum Kolloquium e-dlen nmsse. „Brtte. Herr Kollega, jetzt löunen Sie wieder gehen!" Kurz nachher stand Szeki vor Wm Professor Karl Papp, um aus dem Kolleg über die U-rwesen zu kolloqu-i-eren. Rechts und l«i«wks von ihm standen einige 'der tapferen VlvPockheliden, dieihn im Dreffort-Oarten so zu-gerichtet hatten. Hier ‘int Prüfungssaal evtviesen sich die Holden als sehr schüchterne Kreaturen, die fast keine der Fragen zu be-antwovten wußten. Ludwig Szeki bestand das Kolloquium -Mit Vorzug. Der arme Kerl wird diese Ueberhebuna über seine gut chvWcherr KommWan-en «och oft zu büße« ha«b^n.