Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2031 (13.10.1924)
- Date
- 1924-10-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Morltay. Menex MvrrgenMttnK. Ö/*6 fl Zritstrophen. Sie Tsgr ist nichi dös, Man kann noch hoffen. IchwM von einer PMk- Dle ist noch offen. Var viele möchten gern Arber die Grenzen. Die Gründe sind zumeist Dir Insolvenzen, Mit einem Feldwebel Wollt marr's probieren. Jedoch, er konnkr nur WanixuLirrrm Die HaKenKreuzler wrr'n Jetzt alle narrisch» Indem die letzten lkLAch's Sind leider arisch. Dir Väcker tun dem Leid, Der ihre Not inritz. Sir beten: M un» heut^ Den täglichen Brotxrris. Es ist egal, Mir man Treibt die Geschichte, Venn alle Wege führst Zum Uandrsgerichte. U « «Li , AH. : Der Schwindler. An einem 8er letzten Feiertage kommt Ein juivger Mann fit einem Lerntzvl und will schneller hin-viugehen. Wer der Schames fft auf her Hut und Mt ihn: . . ,Laben Sie »in« Karte?" « „Mu, bitte, ich iomwe Mch zurück, ich willnmr meinem ChchMnnen etwas sagen." MEL?" ' „Wenn ich Ihnen sag'!" Worauf ihn der Schames -rroNösch anschaut und dann wohlwollsnd MinN „Sie Schwindler, Sie wollen beten." , > . ■ DaS Zeichen. Zwei Schnorrer kommen mm Franffurter RochfchiD. Während der eine hinaufgcht, wartet der andere, draußen und ist sehr erstwMt, daß sein Kollege schm nach einigen Minuten wieder erscheint.; „Was ist? Schon zurück?" „Ja, du brauchst gar nicht hin-aÜWgehen. De-K' dir, die RiMchMS sind auch Pleite." „Nein!" „Ja, ich komm' hinaus, schau' durch Eine GlaStme und ftih' haß sie zu zweit spielen aus einem Klarier." Die Folgen. Gm biederes BäueÄ-ein erscheint als Qmp vor Gericht. »Ich mache Sie daraus aufmerksam," Ermähnt der Achter, „haß Me streng die Wahrheit zu sagen.haben. Wissen Sre, waS Kr Folgen «s nach sich zieht, wenn St« falsch schwören?" »M so," sagt das GäuMein MfiL »'dMn g'winnen mir de-n Prozeß;" Hund und Kelesi "r In Karlsbad. Auf der Kurpromenade. Zwei Herren im Gespräch. / . „ r „Ein schöner Hund dort bei der Dame vis-awis", sagt der eine der beiden. Er war damals Finanzlandesdirektor von Lemberg. „Das'ist kein Hund, das ist ein Kelef", erklärt der andere. „Entschuldigen Sie, das ist ein Hund! "D»S ist-8, K-Iej!» , _ „UebrigenS. was brauchen wir zu -streiten. Sieber Herr — ein polnrscher Jude ging gerade vorbei —, »Mas ist das dort drüben für ein Tier?" „DaS ist ein Kelef!" „Also, was ist daun ein Hund?" „Ein Hund ist-, der Herr Finan-landesdwektor von Lemberg!" Tüchtig. . Popper ist der tüchtigste Reisendeden es gibt. Eines Tages sagt ein Kaufmann, den er unverdrossen wochenlang „bearbeitet" Haft „Mo gut, hiermit bestelle O bei- Ihnen für.zehn. Millionen Waren — aber unM emev Bedmgun Sie vetreten mein Bureau nicht eher wieder, bevor, ich st Sie^rUfe!" gemacht!" sagte Popper und geht ab Um nächsten Tage klopft es an der Tür. des Kauf- — Popper. „habe ich tyiti uuiyjixiv c-0 uih ~~~ -rmannrs, Er ruft „Herein", und herein jommt — Pop „Das ist.ja unerhört," sagte der Kaufmann, „ha Ihnen nicht erst gestern gesagt..." „Erlauben Sie mal," sagt Popper rWg, schaben Sie Mich nicht eben selbst hereingerufen?" Er kennt sie. E „Ich Lin so krank, Herr Doktor!"! . „Alles-<wa8 ich Ihnen verordnen kann, gnädige Frau, ist Ruhe." ■ . „Weiter nichts? Mo ich-doch .so, Mnk-.bi«. Sehen Sie bloß mal, wie meine Zunge aussieht." „Geradere Zunge braucht vor allem Ruhe.";; Der der Wiener Börse. . Triwe Aussichten. , . Die,Kstrje, welche W der, Wiener Börse in den letzten Tagen zu verzeichnen waren, unterbieten in einzelnen Fällen das Niveau, das vor einem Jahre lange vor der ganzen Ailswertungshewegünig in Geltung war.. Dabei laßt sich noch! immer nicht übersehen, wieweit die Kursrückgänge sich noch gestalten werdest. An jedem Börsentag schauet! sich die einzelnen Börsenbesucher ratlos an und wissen wede? ein noch l aus. Die .Menge der immer twu aus ,den Markt gelangenden Waren, die das Kürsniveau immer weiter drückt, beunruhigt sie, ohne daß sieein Mittel angebeu könnten, wie dies zu verhindern wäre. Dazu kommt em Ereignis nach-dem anderen, welches die slaueStiMmnng noch verschärft. Das unangenehmste,-- das : bisher der Wiener Börse passieren konnte, scheint sich jetzt zu vollziehen. Die soliden Publiknmskbeise, welche trotz der Wse ihre Positionen. gehalten haben und die immer gewartet haben, daß die Papiere steigen und sich. dachten, daß die Krise bald ein Ende nehmen werde, beginnen sich jetzt ihres Esfektenbysitzes zu entledigen. Diessist die gr a ß t e Gefahr, welche der Entwicklung .der Börse droht. Diese Püblikumschichten repräsenlierän' die Abnehmer, die berufen sind,-das Rückgrat für die künftige Gestaltung des Marktes zu -bilden: Wenn diese sich einmal von der Börse abwenden, wenn sie ihre Papiere dem Markte zur Verfügung stellen und nichts mehr von ihnen wissen wollen, dann wird sich schwer wieber ein Publiküm finden lassen, düs für die einzelnen Industrie- Effekten als Abnehmer fungieren könnte. Damit schwindet auch die Existenzberechtigung des Marktes. Vorläufig ist es noch nicht so weit gekommen. Gewisse Anzeichen deuten daraus aber hin, daß sich die Entwicklung in diesem Sinne zu vollziehen beginnt. Daher kann niemand Voraussagen, wie weit diese Bewegung noch gehen wird. Alle Prognostik« und alle Hoffnungen, daß die Krise doch ein Ende Nehmen wird, scheinen verfehlt zu sein. Es wird dabei erinnert, daß die Krise, welche im Jähr 1873 ausgebrochen ist, volle 18 Jahre dauerte. Wenn sich auch heute die wirtschaftlichen Ereignisse und die darauf folgenden Reaktionen viel rascher vollziehen, so-wird doch befürchtet, daß die Rückwirkung der Krise viel längere Zeit in Anspruch nehmen wird, als man bisher Vermutet hat. Wenigstens sprechen die Ereignisse der letzten Zeit für eine derartige Auffassung. Weil nirgends ein Ausweg aus diesem Dunkel zu finden ist, ist die Mißstimmung um so größer. Es läßt sich nicht leug,n«n, -daß sin Großteil der -cm der Wiener Börse gchamÄeltien.EfstEten, weit unter sein natürliches Niveau gesunken ist. Sicher sind viele Papstne mehr wert, a'Is i n d en K'Uv.sen zum Ausdruck kommt. Doch weam Mm Abnehmer vorhanden sind, die für dielst Papiere Intevssst Haiden, so kann ihr Wert lern gerechtfertigtes Niveau fiinden. Roch vor einem Jahve wurde allgsmom der Ansicht Ausdruck verliehen, daß die Aufm ertung ein neues HauWmer an ^der Wkiönsr Bövst eukfaltien «werde. Höuste bildet die Frage der Goldbilanz den Geigenstaud MMr Diskussion. Doch der Effekt devseVben ist «oim gegeuteitiigpr. Man glaubt nicht mchr, «daß die «5kunst dadurch ste'iMn werden. Im Gegenteil, - man Mrchiet einen weiteren Rückgang aus dem e i n f a ch en G r n n d e, - weil man sich nicht bawußt ist, wie weit die G oldbilanzie ruug geht und wie «weit daimvt eine Beischlwduug der Akt io näre v erbunden sein könnte. Das PubWum ist nicht st sehr dadurch vechchüchtevt, daß die Kurse ihr Niveau verlassen haben und daß sie immer weiter hinuntergesäust sind, vielmehr «ist ss dadurch in seiner WtswtaUtät erschütteivt worden, «daß jetzt allmählich die MachenWaften bekannt werden, die von manchen Besitzern der Aktienmajorität begangen wurden. Der Besitzer der einzelnen Aktien war nach seiner Mentalität in vielen Fällen nichts mehr als ein Operationsobjekt für die Besitzer der Majorität. Er war der Willkür und den Beschlüssen dieser preisgegeben und es ist nicht jedermanns Sache, sich zu solchem Spiele herzugeben. Jetzt zu einer Zeit, wo. im privaten Zinsfuß 15 Prozent und mehr geboten werden,- ist es keinem Kapitalisten zu verübeln, wenn er sein Geld statt der Börse, wo er nur effektive Verluste sieht, viel lieber dem Geldmarkt zur Verfügung stellt, wo ihm ein sicherer risikoloser Gewinn winkt. IlMgodesstn wäre es auch schwer, der Börse ein Rezept für «ihr« Genostng p verschreiben^ Das Ergebnis der 'letzten« Zeit bringt klar zum Bewußtsein, «daß wir noch tief ilt der Krise stecken und daß ein Ausweg vorläufig noch nicht zu sinihen ist. Der Genevalrat der Natiowa-lbank will eine Ge neraloffensive cuuf den Zinsfuß machen. Im Verein mit «dem Frnanzmi-lr-istermm «sollen die Valuten uwd Bankums-atzstEr aufgehoben und die , BankkoMtionen herabgesetzt werden. Zur selben Zeit soll di« Na«t>ional'ba«nr ltzen Zinsfuß herabsttztzn. Mt der Generaloffensive gegen den hohen Zinsfuß soll dessen Nweau stark herabgedrückt werden, um so einen dauernden Einfluß aus die- Wirtschaft .zu üben. -Es ist möglich, -daß- -diese -Aktion schon iM Äa-ufe der nächsten Wochen vor sich gehen kann. ^-oMns-ig herrscht noch völlige Unklarheit über den Um- 18. Oktober IW - "Seite 8l fom «dieser Alaßnahmen. Zweifellos wird sie aber nicht g e eignet sein, sofort ein« Lösung des Problems zu bringen. Der Abgabenprozeß durch das Publikum vollzieht sich immer weiter. Diese Welle wird si-ch nicht so rasch einLäurinen lassen^. Die gesperrten Depots der Gläubiger -der.msolvenstn Banken werden bald wieder auf den Markt kommen. Bas InterventionSkomitec hat aber' wicht genügend Mittel, um alles au>szMehmen. Die Folge davon ist, -ldäß vorläufig für -di« «nächste Zeit kein g ü n sti g c s P r -o g n o st i k-o n gestellt werden' kann und daß auch nicht die Hoffnung zurückbleibt, daß sich in den allernächsten Tagen die Verhältnisie bessern werden. Einmal wird wohl. die Besserung der Kurst eintreten. Doch die große Frage ist, wann dies der Fall stin wird. Der Hinrmel ist noch - allzu sehr mit Wolken bedeckt, als daß dies schon in -den .nächsten Stunden der Fall sein könnte. Hausarz Redigiert von Dr. Sancl Beer. Der Kopfschmerz. Gilbt os MMN Menschen,der noch nie über Kopsschuevzen gekla«gt hat >u«nd d'aZsen Zustand an sich selbst noch nicht kenninew tzelee«nllt hat? Jeder kermt den Mpfschmerz nach UeKevnMung, nach schwvvw körpeolicher urch geistige«. Anftrengu'ng, nach ein«sr durchwachten Nacht, nach yröher-M . AMoholgemß oder «nach Anlsregungen. Man -wivdwbe-r vor . allem «e«i«neu Kopsschmerz ans pshch«isch«er Ursache von. einem Schmerz aus Grund' eines körperlichen Leiidensürüierscheiden. .Wenn ma«n auch niicht -bell je«de»m ' vorübergeheMn Kopfschmerz -soKich' zum Ärzte lauft, so kann doch.dich« SchmerHsensation, wenn sie sich häufig wiederholt odttw länger andcmert, sehr unangeuehnr «werden. ... Wie vSliafchi'Äden die Arten des K«opffch«msrKes «<mich ssm-- könn«en, ob man ihn stechend -oder bohrend,'brennend oderziehend omMndot, «immer hänigt die Stänke der Empfindung von der Sensibilität «der Person ab. Aus der Tatsache «des - KopMmeiryeS allein, das nur als Symptom «e«m«r Erkra«nkuug ««ufgesaßt werden kann, nicht ails Krankheit sÄbst, «läßt sich im allgemei'nen keim sicheiver Schluß auf die Art der Krankheit machen. . Gewiß wird den- Ärtzt genauere BchMNstungm Ätzer die OeMichkoit des enrpfundenen Schmerzes v«öVlangen, «er wi«d noch zu erforschen suchen, ob belstM«mte Tätigkeiten -des Kranken Erinfluß auf die Daiuer oder das Äuftoeten das krankhaften Zustandes halben. Wer «alle die-st Feststellungen sind subjektiver Natur und .dürfen evst in M'vtsr Lime vom Arzt mrf Grund der erhobenen obMilven Zeriten verwavteit weriden. Gibt «8 doch kaum eiine LänMdawvnde Krankheit, Ae ohne Kopsichnwrz emhergcht. . Es gibt wohl kaum einen Lvanchasien Zustand, «bsi dem «der Arzt eine größsve BerMMvoDdu-ng überuMMt, als tyenn. der Pvtient über fchöiubar harmlose K>opM.M«vzen klagt. Der gewisstnhÄfte Arzt'muß das gange Mstgeug der nw- - de«vnen Medtzin «in Belwogung fetzen, um den Uüsachen der Sch'merzen auf die Spur zu kommen. Gr' wird sich nie da«mit begmigen, ohne «eingehendste Am-tiövsuchung -des , gingen Menschen, di«e«st BchchweiÄen «als einfach 'Mrvös zu ' deizeichmn. Denn je tststr unstve KenntNifst «unr den menschlichen Körper werden, um so «feLtemr stellt sich ein Leiden als bloß nervös —* «nicht auf «anatomischer, krankhiLfwr Grundlage dar. " . . - Nervös, von den Nerven ausgchend, können p. auch Kopsschmergen fein, wenn sie im Wfosge «eines übevsthenen nächtlichen «epitüptischen Anif«alle.s «auftvsten, -nervöst Kopf? . schmeryen finden sich ilm Beginne von Gsifteskvanckheiten (MÄanchalie, Hypochondrie) oder bei Gehivnsihwuivd nach u«ntze>kannte.r SyPhMsinfektion. , SeWstvevständLich wird man bei vittfachem Kopsfchmorz nicht gleich an diese «stlteneu schw«eren AHekdionen «denken, sondern zuech an das Nahelletzvnde. Der-Arzt wird die Nast und ihre Nebenhöhlen, die Augen, die Zähne, die Ohren Var allem aus krankhaf-te Befunde hm unte-vsuchen oder , untersuchen lassen, auch wenn der Patient au dieseir Organen gvsund zu «stin vorgibt. Bosondors gekannt sollte der' Kopfschmerz beim Tragen nicht mehrgeeignebsr Brillen «stin. Nicht zu vergesirn sind die sogemannten^ nmva-lgischeu Kopfschmerzen, die. mit großer Intensität aufzuweteu pflegen, oft jeder BehaMung trotzen und de«n Betrofstnen völlig artzsi«tKmrfähig und Lebensüberdrüssig «ma.chen Waren. Meist cntst-chen.diese Nsura'lgien im Gefolge von Typhus, oder Malaria oder Syph'lis und worden nmerdings erfolgreich operativ oder mit Röntgeustrahlen bchandelt. , Als «'-ine Kmncheit eigener Art wird die Migräne ausgefaßt, wohn der Schillerz nnist hakbstitig ist, mit Uetzelkeit, Erbvechen und Schwindel vor den Augen vinhergcht. Womus «dlcsts Leiden beruht, ob ererbte Dispysition oder ein minderwertiges Nervensystem schuld sind, ist bis heute ungeklärt, sicher ist, Laß subjektiv« mid suggestive Mormnte Le«l der 'Auslösung und Hebung der Migräne «ine große Roll« spielen. Di« be-fallenen Frauen — unr diese handelt es sich zunächst —, zeigen stets Zeichen von wrvöstr und. hysterischer Anlage. Einer besonderen Erwähnung bedarf eS noch, daß Tutavnn, schwächliche Menschen oft dauernd an Kopffchnrerzen 'laborieren und disst erst nach Durchführung einer geietigneten diä-M'schen, Ui-rncckfchen Ruhethempi« von den Schme-rzempftndungen Besrs'mng evlmWn. Aber auch Merenkvainke, Darmkvanke mit häufiger Verstopfung, ' Frauen mi«t StörunMn der nwmitlichen Mutmvgen, sinh die Opfer, -die di« Kopfschmerzen als Krankheit an sich betrachten -Md nicht di« anderen Zusamrnen'hänqe crfusftn En. '