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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-13 · Heft 2031 (13.10.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2031 (13.10.1924)
Date
1924-10-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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* Verte L Wien, Montag Wiener! Movgenzeitung. 13. Oktober IM Nr.M' ker englische Wahlkampf. ' Das Wahlmauffest der Konservativen. London, 12. Oktober. Die drei Parteien setzerr ihre Vorbereitungen für den Wahlkampf fieberhaft fort. Die Aribeiteripartei wird 560, Kandidaten anfftellen. Das Wahlmanifeft dev konservativen Partex kritisiert die Politik deS Kabinetts Mae Donald, indem' es der Regierung vorwirft, daß sie sich geweigert habe, eine Untersuchung in der Angelegenheit der kommunistischen Zeitschrift emKuleiten, daß sie mit der Sowjetregierwng einen Vertrag abgeschlossen, die Frage der Arbeitslosigkeit nicht gelöst und die sogenamten Mae Kenna- Zölle abgeschafft habe. Sodann entwickelt das Manifest das Prograanm der Partei. Der Skektum dm Irak. Englisch-türftsche Verhandlungkn. Angora, 12. Oktober. Das Qbevkomman-dio der englischen! Tvuiphen im Irak hat das tüMfche ObeMmmando emgöladew, die Dissevenz bezüglich der Fvstfttzumg des Stackrs q>uo an der Grenze zu regeln. Ter Rat der Kom- Missäre hat in Gegenwart des GewevcvlstabschLfs beraten^ abÄKÄie Beschlüsse sind noch geheim. Mwstafa K e m aH' der sich auf einer Dienstreöft Änvch AnatoLien beßnÄet, M/ä MÄrtzst «-ch Ang ora zurück. ffie&Jreförtt ltt der NcheLy-Slowakei. Wgendienst der ,Wiener Morgmzeiitnng''.) Prag, 13. Oktober. Me die Blätter Melden, wird' die tschechische sozialdemokratische' Partei im Hinblick auf die derzeitigen internationalen Verhältnisse in Europa im Parlament einen'Antrag ans Revision des Wehrgesetzes einbringen. Äe Partei verlangt die Verkürzung der aktiven Prüfenzdienftzeit, die Herabsetzung des Friedensstandes der Wehrmacht und die durchgreifende Oekonomisierung der Armee. Tagesbericht. Hakenkreuzunfug in Wr.-Revstadt. StiuÄom-en im Kino. Aus Wiener-Neustadt wird uns gemeldet: Zamstag abends kam es im hiesigen Zentralkino anläßlich der Aufführung des Films ,/Die Stadt ohne IudeM^zu stürmischen Demonstrationen. Etwa fünfzig Hakenkrertzler hatten sich im Parkett und aus der Galerie verteilt. Während der Vorstellung brachen die Hakenkreuzler mehrfach in Pfuirufe aus und warfen Stinkbombe n m den Saaal. Die Demonstrationen Miedcrholt e n sich bis zum Schluß, als ein Tumult entstand, bei dem Polizei intervenieren Mußte. Zwei Exzedenten wurden festgenommen, sedoch nach Abnahme ihres Nationales entlassen; gegen sie wird die Strafamtshandlung ringeleitet. Nicht Lhyleffrv. sondem ein Schwindler. Die Verhaftung in Pretzbmg. Am 10. d. M. verständigte die Polizeibehörde Preßburg das Wiener Sicherheilsbureau, daß dort beim lieberschreiten der Grenze der angebliche Reichsdeutsche Harry Hans Werner-Wischofsky-Ju» g, der sich als Ingenieur ausgab, angehalten worden sei. Es hieß in der Mitteilung, daß der Augehaltene eine auffallende Aehnli chkeit mit dem Erzberger-Mörder Th ykessen habe. Auf Grund einer von Preßburg hieher gesandten .Fingerabdruckskarte wurde im Sicherheitsbureau, einwandfrei sestgestellt. daß der Mann, der dort angehalten wurde, nicht mit Heinrich Thylessen, sondern mit einem mehrfach gesuchten Schwindler namens Harro Adolf Wischo fsky identisch ist. Als Wischofsky im Juni l. I. sich beim Strafbezirksgericht I in Wien zu verantworten hatte, gab er an, seit dem Umsturz eine eifrige politische Tätigkeit in den Diensten der reichsdeutschen Nationalsozialisten entfaltet zu haben. Er behauptete, erst im Boltikumheere gegen die Bolschewiken gekämpft, dann als Mitglied der Erhardt-Gruppe an den Kapp-Putschen in Berlin beteiligt gewesen zu sein, schließlich gegen die Bande des Hölz gekämpft zu haben. Der Mann hat sich auch in den letzten Wochen im Burgenland herumgetrieben und unter den verschiedensten Namen und als angeblicher früherer deutscher Offizier Bettelschwindeleien verübt. Ser Mord an Egyedi. Der Schwiegersohn leugnet. duä Budapest iwivd unterm 12. d. gemeldet: Der des Mordes an seinem Schwiegervater Artur C g Y e d i verdächtige Dr. F rohr eich wurde heute vormittags in die Obduktionshalle des Gerichtshofes geführt und der Leiche EKedis gegenübergestellt. Nach «mehreren Minuten andauernder: Schweigens flüsterte er kaum hörbar: Schahei mit eingebautem „Bers<m“-Gummi-Absatz ,MlS ob er noch immer rockM«, am- Halft ist er noch' immer Mtig." '; , '? Auf eme Fvage des Detektivs antwortete'er: „Ich habe ihn nicht ermordet!" Nachmittags wurden Frohreich und die MmMerzvfe Berta unter Gendarmeriebedeckung auf das Gut des Ermordeten geführt, wo sic im Schlafzimmer Egyedis einem neuerlichen Verhör unterzogen werden sollen. Berhastmw des Nvdapestrr Mlliardenbeirögerr Wohl i« Men. damStag nachtö rvurde das Wiener Sicherhertsburcau telephonisch von der Oberstadthauptmannschaft Budapest in Kenntnis gesetzt, daß von dort der Prokurist der GeldinstitutSzentrale Edmund.Wohl, ein 36jähriger Mann, nach Verübung eines Betruges zum Nachteile seiner Firma, die einen Schaden von eine invi ertel M illiarden Kronen erleidet, geflüchtet ist. Man vermute, daß sich der Mann nach Wien geimndet habe. Noch in der Nacht wurden Kriminalbeamte ausgeschickt, denen es gelang, Wohl in den ersten Morgenstunden in der Inneren Stadt anzuhalten und zu verhaften. Wohl wurde in das Sicherhektsbureau gebracht und hier von Polizeikommifsär Dr. Pokorny einvernommen. Er gab gleich von allem Anfang an seine Verfehlungen zu, erklärte jedoch, das O pfe v verfehlter Börsespekulationen geworden zu sein. Bei einer Durchsicht seiner Effekten fand man einen Betrag von 2100 Dollar, 5,640.000 österreichische und gegen 2 Millionen ungarische Kronnen. Mitteilungen ms dem Publikum. Möbelfabrik J. Spira Feine ->- M. III. MMlWM ]—3 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl Schweighofergasse »Ser Heine KSnlg." Jackie Coogan kommt erst heute. Weil es gestern hieß, daß Jackie Coogan mit dem Mendschnellzug aus Budapest hier ankomme, hatten sich schon nachmittags beim Ostbahnhof massenhaft Menschen angesammelt, die alle Jackie Covgan sehen wollten. In den Mendstunden herrschte bei der Ankunftsseite des Ostbahnhofes ei>n lebeirsgefährliches Gedränge. Wachleute zu Fuß und zu Pferd su-chftn die Ordnung aufrechtzu erhalten. Die Wachbeamten und die Miigilieder des Pfadfinderkorps teilten dann mit, daß Jackie Coogan nicht eintrifft, aber die Menge glaubte diese Mitteilung wicht, und viele meinten, daß diese Nachricht nur ausgespvengt wurde, um die Leute zu veranlassen, den Platz zu verlassen. Erst als der Schnellzug ankam und keinen Salonwagen hatte, dem auch nicht der „hohe Gast" entstieg, zerstreute sich die Menge. Jackie Coogan, der „unpäßlich" ist, trifft heute abends in Wien ein. Wien. 13. Oktober. * Eine Vierzehnjährige verschwunden. Seit letztem Mittwoch ist die IMHvige Steffi Berger ans der Wohnung ihrer Eltern, 16. Bez., Löschrnkohlga|se 40, verschwunden. Sie entfernte sich früh morgens vom Haufe, um int den Modistensalon m Marucchuf zu gchen, in dem sie als Lchrmädchrn m:- göstellt war. und blieb seither verschwunden. Auch an ihrem Arbeitsort ist Stesi Berger nicht erschienen.. Sie ist für ihr Mter schwach entwickelt und stottert bÄm raschen Sprechen. * Die Selbstmorbilauz deS Sonntags. Die 49jä-hri>ae Private Therese B. hat sich wegen unglücklicher Liebe, mit Lysol zu vergiften versucht. Die Rettuntgsgefellschaft brachte sie schwer verletzt ins Spital. — Der 67jahriye pensionrerte Amtsdiener Johann K. hat sich wogen schwerer Krankheit in feiner. Wohnung erhängt. — Der Kaufmann Franz W. hat sich ans gleicher Ursache aus dem Fenster eines Hauses im «weiten Bezirk gestürmt und ist tot liegen geblieben. — Bon der Floridsdorftr Brücke hat sich ein etwa AMriger unbekannter Mann in die Donau gestürzt und verschwand, ehe noch HWfe geleistet werden konnte, in den Wellen. * Pon der Straßenbahn ersaßt. Gestern abends wurde in 'der Evdbergstraßc der 18jährige Selcherlchrling Artur Ackermann barm Uebersetzen der Straße von einem Straßen- 'bahnzug der Linie „I" erfaßt und geriet Mter die Schutzvorrichtung. Er erlitt mehrfache Verletzungen im Gesicht« und eine Gchirnerschütterung. * Sportunsäll«. Bestem wurde am Sportplätze im Dreher- Park der 19jährige Handelsangestellte Hugo Proschinger 'bei'm Fußballspiel vom Torwart miedergeftoßen und erlitt einen Bruch des linken Schlüsselbeines. — Am Sportplätze in der Rogaendorserstraße ist gestern nachmittags der 18jährige Mechaniker Karl Elfner beim Fußballspiel derart mvglucklich gestürzt, -daß er «ine Gehiruerschutterung erlitt. * Tanzinstitut Hermann Brau», 1s. Bez., Reindorsgasse 42. ' (Entgeit'bich.) Schach (Me Anschriften, die Me RubriL'betreffen, sich, an die M daktion der „Wr. Morgensettung" mit dem Vermerk „Schacht '' zu richten.) Aufgchhe Nr. 23. " Talomon Grosimann. Schwarz: ll d b. 3 ä e. ö»5, 6 5 (L Steine). _I abcde fgh Weiß: K » 2, s a 4, L f 8, g 6, T g 7, h B, B b 3, d k (8 Steins Matt iy zwei Zirzen. Lösungen. Nr. 31. l^kü—v7; Endspiel Nr. 8r 1. 8k1-äL all). 2. h 7 0 e2f, L. S,c4 remis, beziehungsweise 2 ... Di4, 8. h8Bf V><d8. ». La4t VX6H 5. Sb3f SXb» patt. Richtige Lösungen r Armin Bergmann (Fiume), Max Schattner (Wien), Nachmann Meisler (Brody). Mina Rosner (Wien), Manoycy Sternberg (Oswieeim). Ing. SiegMund Traurig, Desider Grün (Stara Lubovna), Abraham Lieberqall (Kalusz), Desiderins Königstein (Wien), Leo Gottesmann (Wien), Naftali Nußbaum (Kaluöz). turniere? Der österreichische Schachverband schreibt, jährlich ein Haupriurnier aus. an dem Spieler österreichischer Staatsibürgerlchaft, beziehungsweise Mitglieder von Bevbanden, die mit ihm kartelliert sind (Deutschland, Deutscher Schachvevband der T-schecho-Slowakei), wilnaymsbe-rechtigt sind. Der Sieger erhält den östereichijchen Meistertitel — und Zwar auf Lebenszeit — taxfrei guerkcnuU. Damit hat er die Berech>tigung verloren, je an einem Hauptturnier teilzunchmen, und kmm von Glück sagen, wcnlr er überhaupt W einenr kleinen Meisterturnier emgeladen wird, da in der weiten Welt sein errungenes nationales Meisterdiplom nur schc mißtrauisch betrachtet wird. And dies mit vollem Rechts Durch >das jährliche Ausscheiden Einzelner aus der Gruppe der Hairptturnierspiel-er werden seNstrcdend die Turniere immer schwächer beseht und es stellt keinen Witz dar, 'wenn mau bchcmvtet, daß mit der Zeit lebet auch nur mittelmäßige Spieler ,Meister" werden muß. Denn das Vochandensein eines Nachwuchses wird mmrdoch nicht als ernstliches Argument aüführen können, um damit die alljährliche Schwächung der Hauptturniere. M bestreiten. Die Ent" wicklu-wg im Schachkönnen gcht so langsam vor sich,, daß, wie die Sachen :fret «uns nun einmal liegen, zehn (neugebackene Meister eher hervorgelbracht werden als ein wiMche-r Meisteraspirant. Die letzten fünf Jahre haben -obiges eindeutig bewreseu. — Da ist das System, wie cs in anderen Ländern gchandhabt wird, ein viel gesünderes., England z. B. schreibt seme Hauptturniere nicht -nur international <m§, , es geht sogar werter und gestattet auch anerkannten, Meistern die Teiilnahmc- So wurde voriges Jahr Mjechin, Heuer Rnbinstein eingeladen. Wenn in einem solchen Turnier ein Spieler auch nur eiuen Achtungserfolg erringt, so möge man ihm — tvenn es schon unbedingt sein muß — den Meistertitel zubilligen. Wie dies aber bei uns geschicht, gleicht cs einer Haplekinade. Partie Nr. 23. Jüdisch. Gespielt im enMchen Hauptturnier zu Southport, 1924. Weiß: A«hi«stcin. - Schwarz r Drewttt. 1. 42- 44 S g 8—f 6 13. Ld2—c3») LgiXfS 2. Sgl —! 3 g7—g 6 14. k2XkS D d 8—d 7 3. 62c4 L f 8—g7 1b. Kgl-hl Dd7-h3, 4. 8dl —c8 47-48! 16. Dc2—e2 Kg8-b7<> b. e8— e3 0-0 17. Tfl-gi 8 56-bb 6. Ddl —b 3 c 7—c 6 18. 53-54 Ta8-d8 7. Lei —42 d 5X6-4») 19. Tal-dl Sb 8—c88) 8. LilXei h7~h62) 20. T dl—d3 Dli3-d7 9. 0-0 S b 8—47 21. f 4—56 s7-vb?') 10. Db3 —c 2 S47-b6 22. Lb3Xi7 T 58X57’) 11. Lei —b3 Lc8—f6 83. 55Xg6f K h 7—h 8 12. e3~ 8 4 Lf B—g4 24. Dd2XhB Gibt auf.8) - Sb d7, beziehungsweise Te8 ioar am Platze, da der tveiße Königsläufer jetzt den Bauer e 4 ohne Tempoverlust schlägt. 2) Lockert die Königsstellung bedenklich. 3) Der Bauer 44 muß gedeckt werden. ‘ *) Um den Königsflügel eventuell mit T g 8 verteidigen zu können. 6) Schwarz versucht vergeblich, den schlecht postierten Springer besser zu stellen. *) Nach dein Textzüg bricht die schwarze Stellung in wenigen Zügen zusammen. Bessere Verteidigung bot e 6, doch ist auch dann der Stellungsvorteil des Weißen evident. 7) Schwarz konnte hier auch mit 816 oder KJ*8 die Annahme des Opfers verweigern, doch steht Weiß bereits auf Gewinn. ») Schwarz gibt auf, -a gegen LL 6X kein Kraut gewachsen ist. Nachrichten. Dr. S. G. Tartakower, der bekannte Autor der „Hypermodernen Schachpar-tie" und der „Zukunstsewsfnuna", Mt. demnächst in'den Klubräumen der Schachsektivn der HÄoah, Cafe Nabels 1. Bez., Wallnerstraße 2, ein Simultanvorstellung auf 40 Brettern. Es dürfte unseren Lesern noch in Erinnerung sein, daß der Großmeister, bevor er zum New- Aorler Weltturnier führ, einer Einladung der.«Wiener Schachzeitrmg" folgend, seinerzeit ekneü Vortrag hier hielt, der außerordentlich großem Interesse begegnete. Es ist dachet empfehlenswert, sich Karten schon früher zu besorgen. Der genaue Termin wird noch, bekannt-gegeben. I “ K110« W ÜAADteft«AS«***> KT-T1HII ■ STOTTt

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