Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2030 (12.10.1924)
- Date
- 1924-10-12
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, 'Son-nikäg gierichturjg-zu halten. Von ihrn wurde die j üd i sch e R o an a nti{ ttnb Myftilk fMffch in die schönsten, modernen Formen gebracht. Ms Ideal .schwelbt ihm vor, für den Rhythmus der Mischen Eigenart hie 'einzig mögliche Ausdruckssorm zu finden. Ex verwendet daher nicht äußere Zeichen und rituelle Symbole M Requisiten. Am schärfsten ist Hermans Regielunst Hei Dl n—s ki 8,L) hbu k" zum Ausdruck gekommen, dessen Urausführüng in Warschau mit den in Wien seinerzeit gastierenden Wilnaern stattgesunden hat. Herman ist gegenwärtig Professor der Mischen dramatischen Schule „S t n d i o" in W n r s ch a u; es ist dies eine Art Akademie für Theatertunst: DramM, Sprache, Jns-zenierung, Spielkunst, Theatergeschichte und rhythmische Körpeebildnng. Rvben ihm tvirken noch als Lehrer'Dr. Ignaz Schipper (Geschichte des jüdischen Theaters), Dr. W ei cher t (Dramaturgie), währeaw Herman SchauspieMnft und Regie lehrt. Die bekanntesten Inszenierungen Hermans sind: „Dybuk" von An—ski, „Gott der Rache" von Asch und „Eifersucht" von Arzybaschew in einer eigene,: Lreiaktigen Bearbeitung. Zur Anfführung fertig stehen „Golem" des populär gewordenen Dichters Leiwik, „Bei Nacht auf dem alten Markt" und der erste Teil „Goldene Kette" von Pere z und eine altf irdische Legende des jungen Dichters Präger. Herman weilt zurzeit in Wien, um die Theater- -und Musikausstellung zu Mieren, und wird demnächst den „Dybuk" in seiner ganz eigenartigen Auffassung an einer Wiener Bühne -inszenieren. Mser WM» Die neue jüdische Kleinkunstbühne. Die Eröffnung der jüdischen Kleinkun-stbichne Uu-jer Alias l im Saale des Schriftstellervereins Die Scholle, 2. Bez., Mienbrunngasse 1, findet Samstag den Iß. d. um 8.Uhr abends statt. An den Veranstaltungen vorr Unser Klasl, das sich die Pflege der jüdischen Klamkunst zur Aufgabe gestellt hat, wirken in hervorragender Weife mit: die Mitglieder der Wilnaer Truppe Josef B ul ow und Lju'ba Kad i so n, ferner die Damen Hilda Dulickäfa und Rachel W-eißlberg, und die Herren Me st el, Preis, Sigall, Timari und Landes mann. Conferencier: Makro. Das Programm besteht aus Rezitationen ernster und heiterer Dichtungen, Gesangs- Vorträgen, humoristischen Genrebildern und der Aufführung eines einaktigen Lustspiels. Nähere Einzelheiten in unserem heutigen Inserat. Aus de« Aeater«. B u r tz t h e a t e r. Morgen, 7 Uhr abends, „E inen Jux will e r sich machen". Dienstag den 14. d. um 7 Uhr abends ßt a c B e t h". Akademietheater. Morgen, V»6 Uhr abends, „W i t t a g s w e n d e". Dienstag den 14. d. um V-8 Uhr abends „ttn t c t Jb t ß S". S ch ö xlb rnnn e t Schlo ß theat er. Morgen, ^/,8 Uhr abends, „Qualith Street". Dienstag den N. b. .DI« Äiobei". Volksöper. Heute nachmittags „H o ffm ann 8 Erzählungen". Abends „D e r Bettelstudent". Morgen „H a n S H e i l i n g". — 3m Rahmen des Mustk- und Theaterfestes findet Dienstag den 14. d. in der Volksoper die Uraufführung von Arnold Schönbergs »Die glückliche Hand" statt. An das SchönLery'schr Werk schließt sich die Erstaufführung von Franz Schuberts komischer Oper „Der häusliche Kri»g". Jur Deutschen Volkstheater gebürgt Mittwoch den 15. d. im Nahmen des Musik- und TheaterfesteS Anzengrubers Bauernkomödie „Der G' tv i f s e n sw u r m", neu etustudiert mit Dr. Rudolf T y r o l t als M« Hofer, zur Aufführung. Für heute. ,V24 Uhr nachmittags, wurde die Vrarchenvorsteklung des „Blauen B o g e l" mit lustigem Programm für die Jugend angesetzt. — Die Direktion des Deutschen Volkstheaters plant, infolge des lebhaften Interesses, dem die Vorstellungen des deutsch-russischen Theaters „Der blaue Vogel" begegnen, eine weitere Verlängerung dieses Gastspieles und hat sich nach London gewendet, wo Direktor I u f h n y mit seiner Künstlergesrllschaft schon SamSkaa den 18. d. sein Gastspiel beginnen sollte, um eine Verschiebung desselben um eine Woche zu erwirken. Der Bescheid ist noch nicht vmgetwffeu. Im TheaterinderFosesstadt findet Dienstag den 14. d. die Erstaufführung der Lustspieles „S ch 8 n e Frauen" von Etienne R e y statt. Im Neuen Wiener Stadttheater findet Dienstag den 14. d. um 7 Uhr abends die Uraufführung von „S s a n i n" mit Mazda Sonja, die zum erstenmal auf der Bühne anstritt, statt. Die Freie Schauspielervereiniaung veranstaltet am Dienstag den 14. d. um 7 Uhr abends im Großen Saal des Konzerthauses die Uraufführung des Schauspiels „Der Knecht" von Richard B i l k i n g e r. Johann-Stranß-Theater. Zugunsten der Rettnngsgesellschaft wurde nicht nur die Operette „Dolly" serviert, sondern auch schmackhafter Kaff« der Firma Julius Meinl. Die gehobvne St'mMUUg, in die das narkotische Getränk versetzte, würde noch durch die ausgezeichneten Leistungen der hervorragenden Gäste Richard Tauber, Bera Schwarz und Otto Treßler 'beflügelt, denen sich die jugendliche Tänzerin Dubsky würdig anschlotz. Wer der Triumphier Tanzkunstan diesem Abend war so eigentlich durch den Namen Gisa Kolbe bedingt. Das Aktionsprogramm der Renaissance-bühne. Die! terfpielzeit >der Renaissancebühne wird mit 39. b. mit der i reichischen Uraufführung von Paul Kornfelds Tra> „Himmel und Hölle" eröffmt. Dieser Aufführung eine Matinee vorangehen, in oer der Dichter aus eijz Werken vorlesen wird. Es folgt diede>utsche UvauWhrmrtz jüdischen Mysteriums «D e r Dy b u k" von A n—s k i, - i» Bearbeitung von David.Hermann, dem ersten Reglsssur i Werkes,' das er seinerzeit auch für ' die jiddische Bichne « richtet hat. Die dritte Novität ist die Tragödie „NAre id r <Der Kronprinz) von Boraese, die das Drama von Mayr gestaltet (deutsche UrauMhrüng). Zur Aufführung in t Spielzeit wurden semer angenommen: „Dämon Geld" Senrou Iu s z f ie w i t-s ch und „Die sieben Gehängten" Leomd Andrejef^ Wlerrev Marge ttzeitung. 19. Oktober 1921 I, iX?','.' Seite 11 Kommandite der Kroatischen Eskomptebank, Agram oon WIEN, I. SEITZERGASSE 4 (ECtE B0o«SE BE™ Kredit? uj\f Warengeschäfte Alle: Arten Bctnkg eseh iiftcn Telephon: 22 90 Serie Telegrammadresse: FRA.POBANIC Jüdischer Abend. Der erste der unter der künstlerischen, Leitung 'von Bernhard Scharre-r stattfindenden jüdischen Abende dieser Saison hatte einen vollen Mristlerischen Erfolg.! Sämtliü-e Darbietungen wurden, mit großem Beifall auf-« genommen. Fräulein S p a tz brachte Paraphrasen Wolssohns mm Vortrage, die vortreffliche Sängvün Dulickafa fang eine Reihe jüdischer Volkslieder, welche außerordentliche Wirkung übten, und Oberkantor Margulies entzückte durch den.Vortrag jiddischer und hübräischcr Gesänge. Auch das Violinfolo Max Geigers, die Rezitati onen W. S i l b e r >b e r g 8 sowie die Liedervorträge des Fräuleins Hanna Schwarz fanden stürmische Iuftinunung. Kokoschka-Ausstellung. Ain Montag -den 13. d. eröffnet die Nene Galerie, 1. Bez., Grünangergasse 1, als Ergänzung der im Juli d. I. an der.gleichen Stelle gezeigten graphischen Schau eine Kollektivausstellung von Oc'lgemälden Oskar. K o i o f.ch 4 a s aus den Jahren —ilÜlS. Die m-cifteu der hier gezeigten Werke bilden das Material für die geplanten großen Auslandsansstellungen'Oskar.'KvkoMas, deren erste im Februar 1925 in New-Uork stattfindet. Jizchak Katzeuelson in Wien. Der bekannte hebräische und jiddische Dichter Jizchak Katzenelson, dessen bevorstehende Ankunft in Wien wir bereits meldeten, ist in Wien eingetroffen und wird hier einige Borlesmrgen halten. Ein neuer Hermann Bahr. Hermann Bahr har einen neuen Licbesschwank ^Altweibersommer" vollendet. Er kommt noch im Laufe dieser Spielzeit im Bnrgthea rer zur Uraufführung. Margueritte wieder in der Ehrenlegion. Aus Paris wird gemeldet: Ministerpräsident Herriot hat den Präsidenten der Ehrenlegion die Weisung erteilt, den Schriftsteller Viktor Margueritte, der im vorigen Jahre wegen seines Romans „LA G a r c o n n e" aus der Ehrenlegion gestrichen wurde, wieder in seine Rechte einzusetzen. tzerichtssaal. Ae MdeMscher vor Gericht. In dem Prozeß gegen die Angeklagten Philipp Ueberall und Johann Murkylo n wegen^Verfälschung von Bildern durch nachgemachte Signierung wurden gestern noch viele Zeugen vernommen. Am 'Montag werden Staatsanwalt Dr. Händler und die Borteidiger Dr. Herzbärg-Frankel'nud Dr. Formanek plaidieren und.gegen Abend das Urteil gefällt wenden. ' eine Yreßklage des Bunderminifteriums für Heerwesen. Am 8. d. erschien in der ^Arbeiterzeitung" unter der Ueberschrist: „Die Veit rauen smäumerwahl in der Wchrmacht" eine Notitz, in welcher die Bchauptung aufgrstellt worden tvar, daß der Buindesminister Vnngoin unter dem Titel /Inspizieruugsre-isen auf Staatskosten" vor der Wahl Reisen mache, um für die Wchrbundliste zu agitieren. Das Bundesministerium für Heerwesen sendete den: Blatte eine Berichtigung, in welcher insbesondere gegen die Behauptung, daß der Minister auf Staatskosten angMiche Inspizivvungsreisen unternehme, Stellung genommen wurde. In der Berichtigung wurde drrgelegt, daß der Minister seit zwei Jahren auf die Gebühren für die Jnfpizierungsreistn entweder verzichtet oder die Gebühren für wohltätige He-eresz-wecke gewidmet habe. Die „Aübeiterzvitung" verweigerte die Aufnahme -der Berichtigung, worauf das Bundesmmisteriunr gegen den verantwortlichen Redakteur des Blattes, Julius Braunthail, die Berichtigungs-klage einbvachtr, über die gestern vor dem Vorstande des - Strafbezirks gerichtes 1, Hosvat H ö f 'l mähe r, verhandelt tvurde. Der iKlagevertreter eEärte, datz die „Arbeiterzeitung" die Aüstiahme der Berichtigung mit Recht verweigert halbe, weil die Form gmd der Inhalt der Berichtigung verfehlt seien und den Bestimmungen des Preßgesetzes nicht entspreche. Nach den Ausführungen der Parteienvert'veter verurteilte der Richter den angeUagten Redakteur im Sinne .der Anklage zu einer Geldstrafe von 100.000 K., eventuell gu 24 Stunden Arrest, sowie zur Aufnahme der Berichtigung iuuevhM von 24 Stunden bei sonstiger Einstellung des Wattes. Das Gericht war der' Ansicht, daß sotvohl Form und Inhalt der Berichtigung den Anforderungen des PretzgesetzeS nichts ■ zuwiderlag. Der .Verteidiger meldete gegen Schuld und Strafe die Berufung an. BolksWirt. Zeutschnationaler Kapitalismus. In den letzten Wochen haben sich Gerüchte mit den angeblichen Schwierigkeiten des Wute-Koir;erus befaßt. Wobt sind diese Gerüchte nachher cntschicdcil dementiert worden, doch läßt es sich nicht leugnen, daß dieser Konzern, der einem enragierten antisemitischen Teutfchnativnak'll nahe steht, unter der Ungunst der Verhältnifsc -ebenso zu leiden hat, wie alle anderen Wirtschaftsgebilde dieser Art. Daß der Wittte-Konzern die Wolfsegg-Trailntalcr Bergwerke abgestoßen hat, zeigt, muvon dem Bestreben, sich unbedingt der Situation anzirpasstit, wenn auch mit dieser Aktion ein großes Lock) im Kouzernnctz gerissen wurde und es fraglich ist, ob die bei der Gründung des Konzerns obwaltendem Ziele ntmmchr tatsächlich, nachdem ih:n ein so wichtiger Posten weggenommen wurde, werden durchgeführt werden können. Daß in den letzten Tagen, >oie verlautet, versucht wurde, einen größeren Posten Graz-Köslacher- A-ktien bei der Nationalbank zu lombardieren, spricht nur für 'den in der letzten Zeit selbstverständlichen Geldbedarf dieses Konzerns.. An dieser Stelle soll nicht über die finairzielle Potenz dieses Konzerns gesprochen werden. Es wird sich vielleicht ein null später Gelegenheit ergeben, dieses Problem etwas näher zu erörtern. Von einem ganz anderen Gesichtspunkt ist es inter- -essant, den Aufbau dieses Konzerns zu beobachten. Repräselttier: doch dieses Gebilde eigentlich einen arisgesprochert deutschnationalen Pwvinzkonzern, der ebenfalls im Gärungsprozeß der Inflation erst nach dem Kriege entstanden ist. Der kleine, unbedeutende Handelskammersekr-etär, der einmal Wuttc gewesen ist, hat sicher nicht daran gedacht, daß er nach dem Kriege einmal das Zentrum -eines Judustriegebildes sein werde, das sich über ganz Nordsteiermark und Teile Oberösterreichs erstrecken würde. Dabei ist gerade Wutte der Vertreter der mu'men deutschnationalen antisemitischen Richtung m-hd hat beijeder Gelegenheit, besonders in der Konstituante, seinen Antisemitismuszur Schau getragen. Das merkwürdigste aber ist, das; gerade das, was von den Antisemiten, namentlich jenen deutschnationaler Richtung, -denk „jüdischen Kapitalismus" vorgvworsen wird, daß „dieser rücksichtslos die Konjunktur ansgenützt habe, daß er große Gebilde zum Nachteil der Bevölkerung rasch geschaffen und daß >er dadurch die Volkswirtschaft geschädigt habe", kurz, all die Phrasen, die von allen antisemitischen Orgeln herabgeleiert werden, eigentlich dem Wortführer d-r Grazer antisemitischen Richtung ebenso vorgeworfeu wetten können. Schließlich hat dieser „kleine Stinnes" Steiermarks, wie er von seinen Schmeichlern manchmal genannt wurde, dieselben Methoden zur Zusammenraffun-g kapitalistischer Schätze angewendet, wie es in dem ihm^nahest-chenden antisemitischen- Blätterwalde den Inden vorgeworfen wurde. „Der Jude saugt am Blute des Volkes," bchakchtcten sie. Herr Wutte aber hat nichts anderes getan, als die Kohle, das wichtigste Leb-'-'-Selement der österreichischen Produktion und der gesamten, österreichischen Bevölkerung, in einem konzentrischen Gebilde zu oehcrrschen versucht, indem er ein Kohlenbergwerk nach dem anderen .sich anvignele. Daß seine Kalkulation nicht ganz gelungen ist, ist nicht seine Schuld. Dieser Stinnes' der Steiermark hatte geglaubt, daß Oesterreich ewig auf die Kohleneinfuhr angewiesen feht würde, 'daß die Kohlenpreise immer ins Ungemessene steigen und daß die ganz minderweMge Braunkohle der nordsteirischcu und angrenzenden Reviere mit.Gold aufgewogen werden würde. Er hat' sich leider dabei verrechnet. Die Kohle ist stark im Preise gesunken, so stark, daß es sich nicht einmal rentiert, Braunkohle zu fördern, und daß infolgedessen die Braunkohlenwerke feiern müssen. Sein Gedanke, die gesamte österreichische Kohlenproduktion in die Hand zn bekommen, nur dann der österreichischen Bevölkerimg bei -der Feuerung ihres Herdes beim'Kochen ihrer mageren Brotsuppe die ^ebensh-altnug möglichst zrr verteuern, ist mißlungen. Dadurch, daß er das wichtigste Gebilde dieses' Kohlenkonzerns, die Wolfsegg-Trauntalcr Bergwerke schließlich abgestoßen hat, hat er selbst diese Idee ansgeben müssen. Straßenbahngeschichten. Vor dem L-aidbesgerichw'rat Doktor K ramm er Svar gestern der Kaufmann Rudolf Fleifch-' männ wegen-'Amtsehrenbeleiidigmpg angeklazt, begangen dadurch daß er -gagenübec ztver Kontrollorganen der Städtischen Straßenbahn, die von chm die. Streckenkarte zur Ueberprimmg verlangten, die Aentzerung machte: „Ich gebe keiive StveckenWrte aus der Hand. Schon einmal ist mir eine Stveckenkarte von Organen der Straßenbahn gestohlen mrd. geraubt worden." Der AnMkl-agte ivar im wesentlichen vor Gericht des Tatsächlichen -geständig. Er erklärte» daß er bersits einmal mit einer Streck-ewbarftp pie.chm abgenommen würde, schlechte Erfahrungen ge- Mchi habe, und baß er'mit der iukriminier-ten Aenßerung nicht einzelne Organe der Straßenbahn treffen, sondern nur im all-, gemeinen Kritik an dem Vorgehender Stvaßeu-bahnorgane'üben , wollte. Der Richter verurteilte den AngÄlagten zu einer : GeWr-afe von 300.(M)0 Kronen, eventuell zu drei Tagen Arrest, und hob im der Urteilsbegvündun<g hervor, daß der Beschuld-i-gte - durch Äe li-nkriminieü-c, ganz allge-meln gehaltene Aeutzermrg eine schwere PcmschalveMchtignng gegerc' Organe der Straßenbahn : erhoben unö hiedurch die Autorität dieser Organe' schwer geschädigt habe. Der Berurtollte meldete gegen Schrcld und Stvaftz, ■mt sta-tsanwaltschastbiche FmMonär wegen' zu geringer StvDe die Berufung an. ’ ' ' 1 Der Stmnes Steiermavks hat aber noch etwas anvaras versucht. Er hat sich zr-m Herrn der Graz-Küslacher-Bahn gemacht, nicht vielleicht deswegen, weil er wußte, daß die Graz- Köflachcr-Bahn im nordfteirischen Judustriebezirk eine, große Rolle spielt und weil er sie dann (cLncn steirischen Brüdern billig zur Verfügung stellen wollte. Er scheint etwas anderes vorgehabt zu haben. Eine Reihe kleinerer, aber lebenswichtiger Judustrieunternehmungeu, tvie Sensen- und Holzwerke, sing um die Graz-Köflacher-Bahn konzentriert. Mit dem Lebensnerv der Schienen, der dieses Gebiet durchzieht, gedachte er, mit der Zeit die Hand an die Kehle aller dieser Industrien setzen zu Können, um sich einer Industrie nach der anderclr wicht zu bemächtigen. Schließlich ist die Tarispost ein wertvolles Faktor bei «der Berechnung aller Produktionßk-vsten. Herr Wutte hat hier inl -kleinen das BorbiR des großen deutfchnationalen Jndustrieheros' in Nordwestdeutschlarrd nachzuahmen versucht, der durch Schaffung einer großen FlnWotte gerade im Kohlenrevier sich einen Teil der dovtigen Kohlen- und Alontauirldnstvie untertänig zu machen verstand. Doch der Handelskammersekretär der Nordsteiermark hat sich auch hier als nicht allzu