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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-12 · Heft 2030 (12.10.1924) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2030 (12.10.1924)
Date
1924-10-12
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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i'^"T!}?,'<iK«i'^'^-‘'i^W Seite 10 Wien. Sonnlag Wiener Morgenzeitnnst. IS. Oktober 192L Rr. 9WÖ * Auszahluna der Ruhegenüsse an die Sta«tspr«fi»»iften. Der Zentraldei'ein der österreichischen Staaspenfionrsten teilt uns mit: Dar Finanzministerium hat vom 1. November an versucosweise gestattet, -daß die AuszMung der Ruht' und Versorgungsgenüsse für Staatsipensionisten statt am zweiten am ersten Monatstaae bei jedem Postamt erfolgen kann, desien drenstlrche Verhältnisse es zulassen. . * .Großer Pelzdleßstahl. Aus Römerstadt wurde die PvlizekdiMtion in Kenntnis gesetzt. - daß in der' Nacht *.tm 8. d. dortselbft im Pelztlxirengeschäst der Frau Marie Wotke ei« Embrtlch verübt worden ist. Gestohlen wurden Pelzwarenim Werte von fast 130 Millionen Kronen. Kleine Chronik. in dem erwähnten Blatt gebrüht steht: Hut 75 Gramm. Marocoinflcib 120 Gramm, Prinzeß-Unterrock 150 Gramm, sonstige Unterwäsche 270 Gramm.' Strumpfhalter 240 Gramm, Florfwümpft 60 Gramm, Schuhe 960 Gramm, alles zusammen 1276 Gramm. Manche Frauen, so heißt es kn der Zeitung zu« Schluß, beschränken ihre Unterkleidung um weitere 175 Gramm, und wenn sie außerdem einen Bubenkops tragen, sind sie noch um 50 bis 100 Gramm leichter. * Ter musikalische Leichenwagen. John Petrrzzk besitzt in New-Dork ein än^srheneS Brervicuingsinstitut. Namentlich die vornehme Welt zählt zu seinen Kunden, denn er versteht sich ansgezeichnet auf die pompöse Aufmachung eines Totengeleits. Sein geschäftliches Ansehen hat er durch die Erfindung eines Musikapparates noch bedeutend erhöht, der rät Leichenwagen angebracht wird und vom Tranerhans bis zum FrieAhof feierliche Weisen spielt, wie zum Beispiel den Trauermarsch von Chopin oder das in englischen Ländern so beliebt« „Näher, mein Gott, za Dir". Nun ist kürzlich in Brooklyn der musikalische Leichenwagen mit der Straßenbahn zusammen gestoßen, und seitdem hat' der gefühlvolle Apparat einen Knaks weg. Er spielt nämlich seitdem ununterbrochen seine traurioen Melodien, und selbst die geübtesten Mechaniker Laben es nicht vermocht, dem Nebel abzuhelfen. Nun hat Pet-ruzzi, der sein blühendes Geschält schon oem Ruin nahe sah, zu einem Spezialiften in Philadelphia seine Zuflucht genommen. Der Apparat mußte eine mehrstündige Eftnbähnreise antreten und unterwegs ertönten zum größten Erstaunen oller Leute, die den Wagen auf den Bahnhöfen stehen sahen, rchne Unterlaß die schwermütigen Todeswerftn. Hoffentlich wird der Wunderdoktor in Philadelphia das nuftkMche Perpetuum mobile inzwischen beruhigt haben. „YMSER KlASL“ BUNTE ABENDE für jüdischen Humor, Wortkunst und Musik Sam Star den 18. Oktober 1924 um 8 Uhr abends ERSTE VERANSTALTUNG von „YNSER KLASL« im Saal« des Schriitstellarverelnas „Die Scholle“, II. Lüienbrunngasse 1 MITWIRKENDE: Josef Bulew, Mitglied der Wilnaer Truppe Ljuba Kadi so n, Mitglied der Wilnaer Truppe Hilda Dullcksja Jizchok Mestel Michael Preis Ben.xien Slgall Rachel Wtiisberg Jakob Lasdeimus Conferencier: MAKRO // Am Flügel: TIMARl ■u D'lE BldlStBD. finden_ Sonn taff den ui« nbuuipu _ 19., Mont ne dea 20. und Oienstaff dea 21. Oktober stattl 'MG jchen Komitee für Hftelcftun-q an die durch Pogrome geschädigte Bevölkerung das Recht entzogen wird Sendungen aur dem Ausland zollfrei und ohne staatliche Abgaben m Rußland emzuführen. * Der Grundgedanke Oesterreichs. W. Steed. desien Memoiren demnächst mit einer Vorrede Masaryks erscheinen werden, schildert in ihnen unter anderem ein Gespräch mit dem Führer der Pollen D z i e d u s z h e k i, den er neben Masaryk als ernen der wenigen Männer Oesterreichs nennt, dre dre Bestrebungen Franz Josefs rmd die Oesterreichs überhaupt verstanden. Der englffchc Gesandte Eduard Goschen wollte die österreichischen Politiker kennen lernen und St«d lud zu die.,em Zwecke Dziebufzyeki zu eiu«n Tee. Gosckxn fragte chn nach de-m „osterreich:scheu Prinzip". Dzieduzpcki w^lwortete: „Sie werden lange arbeiten müssen Sie werden die Geschichte der österreichischen Völker studieren 'müssen sowie dre Interessen der Monarchie und die Stellung des Kaisers. Dann werden Sie im richtigen Augenblick erkennen, welches der Grundgedanke Oestereichs ist. Und wenn Sie diesen erkannt haben werden — setzen Sie auf das Gegenteil und Sie werden nie in die Irre gelftn." Gosch-n sagte später, er habe geglaubt, daß ihn der alte Pole an der Nase herumführen wollte, er habe erst später erkannt, wie richtig jene Auffassung war. * Die ist das Papiergeld enftintzen? In der Bibliothek zu Hechelverq befinde' sich eine alte Landschrift von Antonio Agapida vom Jahve 1487 über die Eroberung Granadas. In dieser Handschrift erzählt der Verfasser, daß 'der Graf T e nd i l l a bei der Bttagernna der Ostung Alhama im Jahre 1481 kein Geld mehr besaß, seinen Soldaten den Sold zahlen zu : können. Als diese, darüber unzufrieden, zu murren begannen,; schrieb Graf Tendilla verschiedene Nummern aus kleine S'ücke : Papier, schrieb seinen Namen darunter und verteilte sie anstatt der Löhnung an seine Kriegsleute. An das Voll! jedoch erließ er eine Weisung, diese Zettel anstatt Geldes in Zahlung zu nehmen und den Soldaten die geforderte Waren zu überlassen; wer dieser Weisung nicht Nachkomme, solle mit harter Straft belegt werden Natürlich kam dadurch, daß das Pavier seinen Besitzer öfters wechselte, dasselbe bala allgemem in Umlauf, und der Chronist setzt hinzu, daß der Graf später „redlich und christlich" sein Wort eingelöst habe. Das war de.- Uranfang deS Papiergeldes. Diese Idee wurde dann aber sehr bald von den Kaufleuten der damaligen Zeit verwertet. * Die grauen werde« leichter. Eine Frauerneitung hält die Kleidung der modernen Frau für die leichteste seit Anbeginn der Mode. Sie macht etwa 2 Pfund und 300 Gramm aus. Dagegen schleppten die Frauen der Krinolinenzeit 7 bis 10 Pfund mit sich herum. Es gibt heute keine Aermel, keine (Die nachstehend,n ftMrtfnti|«M|<n ftsb entgeltlich.) Wirtschaft»«,che iei ««»ritz Lesen Die unser großes Jnftvat auf Seite 17 tir Pflicht uu Cfcnrflm?eU! „..•©fe gegenwärtigenWirtfchaftsderhältnisse zwingen alle Schichten der Bstvölkerung zu weitestgehenden Sparmaßna' n. Die Notwendigkeit der Ergänzung der Garderobe ober anichasftmg von Bekleidungsstücken, Hauswäsche usw.' bereitet daher den. meisten schwere Sorgen. Die ausserordentlich billigen Warenangebote des seiner Kmanz -und Billigkeit wegen bestrenommierten Warenhauses Brüder Schiffmann, 2. Bez>, Taborstraße 4 8,. . ermöglichen, es.jedem, gute Qualitätswaren zu wirklich billigen Preisen zu erstehen. 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Neue Kurse beginmen Dwnsiag den 14. Oktober. Berel«, f »rttisc «nfe Bersemml»»««. ZionistischeFranenortzaRisatio«. Mittwoch. 15. i.,' V»5 Uhr. i« Sitzungssaal ief Zionistischen Lsndtskomitees, Ais«, 3. Bez.. Taboxllraße 20», Plenarversammlung. Tagesordnuntz r 1. W«l des Pralltzinm». 2. Arbeit-programm. 3. Bericht der Bezirkrsektionen. 4. Eventuelles. Urania: Heute, v>3 Uhr (Großer SaaO: Der Wiener Walzer. Uhr (Kleiner Saallr Meister des Streichquartetts (Beetboven-Schu-ert). '/,ä Ubr tKleiner Saal): Msister-Opern, Hl. „Lid«/ 5 Uhr (Großer Saal): Borneo und die Neuen Hebriden. 5 Uhr >Kludsaal): Alt-Wiener-Muslkabend. */,6 Ubr (Knrs-Saal) r Prof. Rudolf S t e r l i k t tn Waldmüller und die Alt-Wiener Malerei. II. *\8 Ubr (Großer Saal): Dr. Josef B er g an er: Anzengrnder und seine Gestalten aus dem Volke. V,8 Uhr (Kleiner Saal): Klavierabend Leo Birkenf e l d. V»8 Uhr (Knrssaal) r Prof. F. A. Friedsmann: Ueter das knlturelle Lebe« der Deutschen in Siebenbürgen. '/,8 Uhr (Kluhsaal): Borlelnng Hans Nengebauerr Kndolf G. Binding. Legenden und Gedichte. Leopoldstadtervolksheim, 3. B«».. Zirkus» gaffe 48. 7 Udr, Äestsaal: D chterabend, Gottfried Keller. Mitwirkend r Dr. Edwin Rollet (einführende Worieh Trude W e s e l h (Dentsches Volkstheater), Otto S o l t « n lKaimund-Thealer), Sovbie Wuntean«. Franz Mittl e r. Karten bis 10.000 K. — Morgen Montag Beginn zahlreicher Kurse. \ * Hetriestchknrfe kl Jütischen Schnlkreinel. Der Anfängerkurs welcher Donnerstag den 9. d. begonnen hat, findet jeden Montag und Dsnnrrstag von 7 dis 8 Uhr adends im Indischen Pßdagogium, 1. Bez., Drabtqasse 4, 4. Stock, statt. Jütische risch-eseßschast Lantstratze. Die jüdische Tischgesell'chaft Landstraße eröffnet die heurige Saison Mittwoch d e n 15. d., vrtzise 6 Ubr abends, i« Lortragssaale de» Taft Lovrana. 3. Bez., Lsweugasie 36. Den Ertffnnngsa d e u d, an welchem den Tanzlustigen auch Gelegenheit zu tanzen 'geboten sein wird, füllen ernste und heitere Vorträge namhafter Künstler. Jüdisches ftetfgtonaafiatnt. Die Direktion pilairt die Errichtnnq zweier Hebräischtnrse Er Schüler anderer Mittelschulen, einen für Llnfänger nnd einen für vorgeschrittene, die bei genügender »eteilignng «ach den Feiertagen in der Schule eröffnet werden sollen. Die Kurst werden unter der padagegischen Aufsicht der Direktion stehen. Anmeldnngeu in der Direktion täglich zwischen 12 und 1 Uhr mittag». Ar dir Wische KriuktNfiirserer. Die Arbeitsgemeinschaft Jüdische Krankenfürsorge erläßt folgenden Aufruf: Bon allen Uckbeln, die der Mewsch ertragen muß. ft Kranßböit die schwerste. Gesellt sich dazu noch die Armut, so entsteht die drückendste Notlage. Fürsorge für arme Kranke war zu allen Zeiten das «belfte Werk der BarMerzdtzkoit. Darum sollte jeder Jude dasselbe , nach ftinem Vermögen tunlichst fördern, denn es ft niemand dagegen gesichert, daß er selbst oder Personen, di« ihm nahestchen, auch, einmal der Krankenfüvsorge bedürfen. Nach der großen sozialen Umschichtrma der NachkvieAi- |ert hat unsere Krankewfürforge viele Personen befürsorgt, die vordem vht geglaubt hatten, daß sie in die Lage kommen konnten, dies« Fürsorge in Anspruch zu nehmen. Wir gchen wohl nicht fchl. wenn - wir der Hasfnung Ausdruck geben, daß dir Juden Wiens uns in wohlwollender Würdigung unserer überaus mühseligen Arbeit anläßlich der hohen Feiertage durch Spenden fördern toerden. Die Zuftndung von Geldspenden ersuchen wir auf Paststul-rkassenkouto 186.098 eiruuzahlen. Kleider und Naturalspenden werden über Wunsch gegen vorherige Bvrständigtmg echgchr«. Bühne und Kunst. „Ver »chlak«»»e>kantrMr." krstansführnng im Raimuntz-Theater. Das erste Stück her Schwankftrft. die Dr. Beer für daS Naimund-Theater vorbereitet, trägtz feine Rechtfertigung in sich selbst: ein Abeich herzlicher, ungezwungener, reiner Lustigkeit, hervorgezaubert durch vm wirklich amüsantes Stück und eine Darstellung, wie sie in den Wiener Theatern immer seltener wird. An der Spitze Hans L a ck n e r, voll der lustigsten Einfälle und Gesten — Improvisationen, ein echter Bonvivant ohne Herzensschmachten und Äntimentalitat und von einer Drolligkeit, die das Unwahrscheinlichlste möglich macht. Diskret und vif Theo Sh all als sein Namensvetter, wienerisch-liebenswürdig: angenehm karikierend Pauline Schweighoser, überaus appetitlich die perzerhende Fra-u der Frau Lore Busch. In kleineren Partien eine wohltemperierte Garde, vom Spielleiter Renato Mordo angeftuert und im Zaume gehalten. Ein vom herzlichen Lachen des zahlreichen Publikum? dnrchranschter Abend! o. r. Kinznte. Früher als sonst haben sich Heuer die berühmten Btt.« iuoftll im Konzerisaale eingestellt. Moritz R v s e n t h a l, in Wien em seltener Gast, siegte wie immer im Zeichen seiner verblüffenden Virtuosität. In seinen „Papillons" rmd namentlich in seinem „Wiener Karneval", der von Johann Stranß nur die heiteren Thenren entlehnt hat, läßt cr die schwersten Geschütze moderner Klaviertechnik ansfahren, das Klavier' dröhnt, kracht und rauscht unter seinen Pranken nnd man begreift es, daß in Amerika, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das Publikum solchenr Sturmangriff nicht widerstehen ton«, und sich von Rofenthals Bravour gerne gs'angen nehmen läßt. Vasa Prihoda ft auf dem besten Wege, ein Rosenthal der Geige zu werden. Auch er liebt es, brillante Feuerwerke obzubrennen und möchte am liebsten jedes Konzerftück mit PagM'mifchen Knalleffekten ausstat'en. Immerhin-hat sich sein Ton vergrößert und veredelt und sein Spiel ringt sich langsan: von der leeren Virtuosität jur Verinnerlichung durch. Ganz anders Bronislaw H u b e r m a n n, der die höchsten Höhen der Geigenkunst erklommen hat. Bei ihm ist das Technische längst nicht mehr Selbstzweck, und .immer wieder berauscht man sich an der leidenschaftlichen Sinnlichkeit seiner Kantilene und bewundert den großen Stil eines ganzen Künstlers. ' Josef Schwarz sang im Konzertsaale mit dem gleichen rauschenden Erfolge wie -kürzlich in der Volksoper. Ganz einzig die technische Durchbildung seiner Stimme, sein Piano, sein Legato, sein MeMvoce, die chm — etwa wie in der großen ,M-askenball"-Arie — einen vollendeten Kunstgesang gest-atteu. Freilich verleitet ihn der berückende Glanz seiner Stimme dazu, auch das Br ahm 'che deutsche Lied mit dem — falschen — Zauber der italienischen Kantilene zu erflillen. W.e Josef Schwarz als Belcautosäuger, so hat MariasJvogün im Ziergesang kaum ihresgleichen. Ihre Kunst genießt den seltenen Borzrrg der Heiterkeit: Leicht und beweglich wie ein Singvögelchen zwitschert sie ihre Arien voll süßen, oinschmeichelnden Wvhlklanges. Eine berufene Mittlerin für Mozart -und Johann Strauß, welche mit ihrer sonnenklaren Kupst Helle Freude spendet. ' fIB. kl« Misch« «egllstm. David Herman in Wien. Das jMffche Theater, tvelches sich vor etwa einem halben Jahrhundert entwickelte, wuchs in jugendlicher Unbekümmertheit, ohne sich viel an Dramaturgie und Mihnenökonomie zu kchren. Auch als sich die dramatische Literatur in jiddischer Sprache vom Volksstück über das Schundstück zum Kunstbrama zu entwickeln begann, fehlte es für die Aufführung der dramatischen Werke an der entsprechenden dramaturgischen Bearbeitung, <m der auf den Regeln der Theate-rökonomie beruheiweu bühnentechnischen Anftnachung. Versuche, welche irr dieser Hinsicht, manchmal mit schönem Gelingen, in W i e n und W a rschau gemacht wurden, kamen über das-Gelegentliche nicht hinaus. - - Da entstand zu Beginn des K-ieges in W i l n a eine Vereinigung von jungen jüdischen Intellektuellen, welche es sich zum Ziel setzte, der jiddischen dramatischen Dichtrrng den m odernen theatralischen Rahmen in der Ausführung zu geben. Die „Wilnaer Truppe", welche so entstand, wirkte zunächst als Dilettantentheater. Hastspiele in Polen er wiesen, daß daß, was dieses Theater bot, den Wünschen des Publikums nach gutem jüdischen Theater entsprach, und so organisierten sich die „Wilnaer" nach dem Muster der von David Herman in Warschau geführten Truppe und verschmolzen mit ihr. Während die Wilnaer im Anfänge ihrer Tätigkeit eine Art intime Bühlre waren, deren Repertoire über das familienbürgerliche jüdische Theaterstück won GordlU und Min nicht hinausging, änderte sich unter dem Einfluß von David Herman, welcher künstlerischer Leiter und Regisseur der Wilnaer Truppe wurde, die Richtung dieses Theaters, das nun einen kämpferischen und künstlerisch erzieherischen Kurs nahm. In den Anfängen der Wilnaer Truppe hatte Perez H i r s chbein schon höchste Literatur dargestellt; bei .Herman dominierten bald die besten Mischen Schriftsteller, Per ez, Asch, Pinski und der auf tragische Weise üms Leben gekommene, modernste jüdische Dramatkftr Weiter. Auch die europäische dramatische Literatur der älteren Epoche, Shakespeare und M o l i e r e, die Moderne: von den Polen P r z Y b h s z e w s k >i, Zulawski, ferner Strindberg, , Hauptmann, Schnitzlex, von den Russen«»Gogol, Tolstoi, Tschechow, Gorki, Arzyihaschew, And re je w. In der Inszenierung hat Herman daß Bestreben gehabt, in den von chm inszenierten Stücken daü Wese« der jüdischen Welt hermtlznihnsen, ohne sich am eine bestimmte Rn- 37

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