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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-10 · Heft 2028 (10.10.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2028 (10.10.1924)
Date
1924-10-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2038 . «ld, FreMF Wiener Mvrgenzeituna. 10. Oktober 1924_Güte S w Sie letzten Kurie. Lordytt, S. Oktober. (Devisenkurse.) Wien 317.600, frag 160, Netv-York m%, Paris 86.22*/*, BMel 93,90. om 103,90, Zürich 23,44'/*, Madrid 33,42Amsterdam 11,43*/., Kovenhagen 26,66*/,, Christiania 31,15*/,, Stockholm 16,85'/,/ Helfingfors 17ä*/., Berlin 18,75, Athen 257*/-, Bukarest 817*/,. Paris, S. Oktober. (Radio.) Effektenschlußinrse: Banane de France Pragobanka 405,—, CMi Lyonais 16,10, Sn« 162,60, Platine 826, Dabrotva 717, Banqne Ottomane, 861, Central Mining 10,78, Rio Tinto 2930, Le Navhsie rufse 988, Sueeeried Egypte 1096, Cantichoues sin 13,7.50, Chartered 64,60, DeÜeers ordin. 1038,—, Goldfielos 88,25. Huanckakas 418,—, Jägers Fontain 246, Malaeea ordin. 168,60, Maltzoff 460,—, Mexiean Eagle 100,—, Padanq 401, Rand Fontain 86,—, Randmine 287, Silva plana 162, Tanganhika 168,60, Tnbice soie 663,-, Utah Ceppev 1522, Shell 385,50, Royal Dutch 23,800, Burmah —, Bakon 25,85. AeM-Pork» 9.Oktober. Effektenbörse. Atchinson 105'/., Baltimore 62,60, Canadian Pacific 147,50, Clieasepeacke 84*/,.Eari26,—. Greath Northerrr 61,50, Milwaukee 12'/», Northern Pacific 62'/«, Union Pacific 137»/«. United Steels 108, Royal Dutch 307s, Southern Pacific 93,—. Nero-Nockr» 9. Oktober. (Radio.) D e v i s e n s ch l u firn r s e r Taageld 2*/* Li» 2-/.7», Wechsel auf London 4,48'/„ 60-Tage-Wechftl 4,4b'/„ Paris 5,16, Amsterdam 39,06, Prag 2,98*/*, Berlin 23*/«, Silber —. Ae Wirluu» der neuen «AerttanWeu AuttandenmgsbM. Der Vorsitzende der Einw<ünderMtZskotnMiisiio>n der Bewrnigten Staaten, Mert I oh ns o n, welcher auch das m IM in Kraft getretene neue EiMva-ndernugsgesetz entworfen hat, tM, wie I. T. A. ans Washi-ng-t-vn meldet, Mt, daß in den ersten zwei Monaten seit dem Jnkvasttveten des neuen Gesetzes 7000 Emigranten in die Vereinigten Staaten emgewandert sind. Im gleichen Zeitraum des vorigen Jahres waren 119.501 I mmigranten eingewamdevt. Ar Mond — Leiter der Kerm-Hajesiod- Kampagne in kngland. Ane Kundgebung an die Iudenschast m Großbritamien. l Aus London meldet I. T. A.: Sir Mfved Mond, der die Präsidentschaft des Äeren-Hajefsod-Pro» pagandako-mihe>es in England üb-eMommen hat, richtete am 2. d. die folgende Krmdge'bttng an die Inden in Großb-vitanmen:' ,/Mit großer Freude -habe ich die Präsidentschaft des Komitees angenommen, welches die S o nd erka m- H a g n e siir >den Keren Hajessod unter den Inden des Bereinigten Königreiches in die Wege leiten soll. Mt gutem Bertmn-en appelli-eve ich an rneine Milbrüder, daß sie dem Aufbau Palästinas ihre herzliche Unterstütz-tMg gewähren. Eine besondere Verantwortung vuht auf den Inden dieses Landes. An der Art, wie diese Inden auf den Ruf Palästinas reagieren, wird der Gvad des Interesses an beti Aufbau Palästinas beurteilt werden. Die englischen Juden, ebenso tok die Inden anderer Länder, vergegenwärtigen sich wahrscheinlich nicht, wie die britische Regierung ans ihre Erwiderung tvavtet, um den Grad und -den Ernst des jüdischen Enthusiasmu? allzuschätzen. Das Komitee ruft zu Opfern auf,. Opfern an Zeit, Kraft und Geld. Ich vertraue da.ra.uf, da ß diese Opfer mit Freuden getragen werden. Sie werden fmum mit den Op fern der Chaluzim, der edlen jüdischen Pioniere in Palästina, auf eine Stufe gestellt lverden können. Unsere Antwort ans den Appell wird ihnen Mut und Hoffnung geben. Säe wird die Hände der britischen Regierung stärken, die, wie ich überzeugt bin, den aufrichtigen Wunsch hegt, die Bedingungen der Balfour-Deklaration und des Mandats zu erfüllen. Sie wird ferner die Juden der anderen Länder Zur Arbeit anspornen. Laßt nns mit allen Kräften zu Werke gehen, wir werden glücklich sein in dem Bewußtsein, -daß wir unser Teil zum großen Aufbau Erez Israels beigetragen haben." Tagesbericht. Die Nama kornmerüale stellt ihre Mo« für kastislioni ein. (EigeMerp't der „Wiener Morgenzeitung".), Hörer den Vorlesungen beizuwohnen beabsichtigen. Der Rektor hat daraufhin die Vorlesungen suspendiert und die »Studenten verständigt, daß er ihnen, wenn sie binnen 46 Stunden die Kundgebung nicht einstellen, sämtliche Begünstigungen entziehen werde. Ae letzte Probefahrt der A«erika-zevbelia. Bräute amerikanischer Bürger dürfen einwandern. Das Avbeitsdepartement in Washington ^hat auf eine Anfrage mitgeteilt, daß jsder Amerikaner, der im Ausland heiraten will, eine Petition ausfüllen muß, daß seine- ZMnftige Frau nicht zu Quotenimmigranten gezählt werden soll. Die amerikanischen Konsuln «vm Ausland silld angewiesen, solchen Frauen gegen den Nachweis, daß sie Mt einem AmevUaner verheiratet sind, fchwt das Einveifevisuw gu erteilen. An tschecho.sü»oMch°wrlischer SrrnMchasis. vertrag. .. Angora, 9. Oktober. (WM.) Die VerhaMmvgen über -den Abschluß eines Freunds chafisv er trag es Kvischen der türkischen -und der tschecho-slowakischen Regierung Halben zu einem guten Ende geführt. Dev Vertrag wird Samstag unter-eich-n-v-t iyeOen. 8Ääüd. Re Fordernngm der Industrie. Gestern nachmittags fand im BundeskanzlEM evwr Besprechung mit den Vertretern der österreichischen Jndustvte über die wi rtschastliche Lage statt. Von Isette» der Regi-erung nahmen der BrrndeAkanMr, der VizAmGer, die Mmster Dr. Kienböck, Schmitz und Dr. Grünberg er und Sektionschef Dr. Schüller teil. Die Abordnung der Industriellen stand unter Führung der Präsidenten Nr bau und Hauser und war ans sämMchen BuMZländern beschickt. Die Konferenz -bildete eine Fortsetzung jener Befpvechnng-en, die während des Mötallarbe-iterstreZeS gepflogen wurden. Damals wurde von jsckten der Industrie die Bewilligung von Lohnerhöhungen von einer Ermäßigung der Produktionskosten abhängig gemacht und ein Abbau der die Produktion belastenden Stenern mw Mbgäben verlangt. In der gestrigen Konlfeveniz wurden die Forderungen ldeo Industrie konkretisiert. Die Regierung machte mich Mitteilungen dariiber, wieviel sie in punkto Gtene-verLeichierung-en und B egnnst-i g-ung-en b-ec Betatl-igung ausländii!- s ch e n K a p i t a >l s an der österreichischen Iudlrstrie gewähren könnte. Dr. Bmesch' Reise «ach Me». Erst nach der Prager Parlamentserösfunng. Prag, 9. Oktober. Wie die „Tnbuna" erfährt, bleibt Minister des Aenßern Dr. B e u e f ch bis zur ParlainentsevöfsitU'Ng behufs Vorbereitungen feines an ß e n p o l.i t ischeu Exposes in Prag. Seine Wiener Reise wird er erst nach der Par l a m e n t s e r o f f n u n g an treten. RadiGrrkehr Wien—Belgrad. Ausnahme anr 16. Oktober. Wie uns Mt-ser Belgrader Berichterstatter mitteilt, wird mit 15., Oktober der Radi oderkehr von Belg rad nach Wien aufgenontmen jwerden. Der Schutz des geistigen kigentums. Palästina tritt der Berner Konvention bei. Eine Kundmachung des österreichischen Bundeskanzlerannes vom 27. September gibt bekcumt, daß die englische Regieruntz namenr Erez Israeldem revidierten B e r n e r U e b e r einkomm e « zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst VH|II1UI|I ra, Mailand, 9. Oktober. Die Mailandsahrt Dr. R ossis, der im Aufträge der Banca Eomnierciale Jtaliaua in Wien an Ort und Stelle den ganzen Kontplex der Fragen und Mckwirku-nge« finanzieller Natur in der Affäre Castigjlümi riberprüst hat, veranlaßt einige Blätter, allerlei -Gerüchte und Informationen in Umlauf zn setzen, die, -da sie sich nicht ans Tatsachen stützen, einfach aus der Luft gegriffen waren. Es steht vor allem fest, daß Dr. Rossi Men verlofsen! hat, um endMtig auf feinen Posten nach Mailack) zurückzukchren. > Wie Ihr Korrespondent an matzgeüendelr Stelle erfährt, hat Dr. Rossi noch im Laufe des heutigen Tages einen auMhrlichen Bericht über die von -ihm geführte Untersuchung in Wien genracht. Aus 'der Abreise Rosiis aber den Schluß ziehen zu wollest, daß das Vertrauen der Banca Commerciale auch in Wien mit einer endgültigen Lösung itt der Affäre Castigliom zurückkchren müsse, ist äußerst gewagt. U-nsere Informationen erlauben uns, richtigzustellen, daß entgegen anderen Meldungen der Generaldirektor der Banca Commerciale, Cormnendatore Töplitz, sich mK mit den italienischen Regi-evung-skreisen ins Einvernehmen gesetzt hat, wm eine Aktion zugunsten Castiglionis zu verabwden. Berücksichtigt man, daß der Vertrauensmann der Bmea Commerciale Dr. Rossi von Wien abberufen wurde und auf feinen Posten nach Mailand zuvückgekehrt ist, ifo kann logsicherweise nur der Schluß gezogen trverden, daß die Bawa Commerciale den Beschluß gefaßt hat, die Rettungsaktion für Caftiglioni einzustellen. Mutige SusammenMe in Trenkstn. Ein Arbeiter getötet, viele Verwundete. Aus P r e ß b u r g wird unsgemeldet: In T r e n c s i« kaut es gestern zu 6 X u t i ,g -c n Z n s a m m e n st ö ß >e n zwischen streike n d e,n A r d e i t e r n und G e n d a r m e n. Am Abend überfiel eine vor der Textilfabrik in Trencsin aufgestellte Strerlkpatrauille die von der Arbeit zuvückkchrendou Arbeiter mit Stöcken uitib Steinen. Die Gendarmerie forderte die Streikpatronille ans, auseiuandcMgehen, doch kam diese der Aus-fovderlNlg nicht nach, soudern siel über die Gendarmen her, die einige Arbeiter verhafteten und dem Gefängnis einlief-er-ten. Bei dieser Gelegenheit überfiel eine über 300 Köpfe starke Menge das Gerichtsgobäude und schlug dort die Feufte-rs ch c i 6 >e u ein. Die Gendarmen traten nach der Mliefer-ung der Verhafteten vor das Gebäude und versuchten, die Menge zurückzudrängeu. Plötzl-ich fielen zwei Schüsse aus der Menge und gleichzeitig wurden die Gendarmen mit Pflastersteinen beworfen, wobei einige Gendarmen leichte Verletzungeir davontrugen. Davau-fhin gaben die Gendarmen f n n fzehn Schüsse ab, die von den Arbeitern erwidert wurden. Ein Arbeiter wurde durch einen Bauchschuß getötet, ein Gendarmeriekapitän wurde am Kopfe s ch w e r v.e r l e tz t und erlitt eine Gchirnerschütterung. Außerdem wuwürr!wch vier Arbeiter und fünf G e n d a rmen mehr oder minder schwer verletzt. Die Streikenden bedrohten auch das Telephoiruetz der Stdat. Jir der Nacht unterbrachen sie auch die elektrische Hauptleitung und verursacht«« Kurzschluß, so daß die Stad: eine halbe Stunde lang im Finstern lag. Heute herrschte in Trcuosin Ruhe. HSrerstnik a« der Zedenburger BrrO«uhochschnle. Weil zwei jüdische Studenten -die Vorlesungen besuchen. Alts Budapest wird berichtet: Wie „Az Est" aus Oedenburg meldet, sind die Hörer der dortigen Hochschule für Bevalnru in den Streik ctireictt. d<r ataet mdAcke. Der Termin der Nebersahrt noch nicht bestimmt. Friedrichshafen, 9. Oktober. (Wolfs.) Die heu-iige ztveistimdige Probefahrt des Luftischiffes „Z. R. 3" erstreckte sich auf das Bodens eeg-e b i et bis Konstanz und Ueberlangen. Die Fahrt ist durchaus zur Zufriedenheit der Leitung verl-awfen. Die Motoren haben einwandfrei gearibeitvt. Das Luftschiff ist jetzt zur U>eberf>ahrt nach Amerika klär. Der Termin der Aeberfahrt wird nach der Wetterlage festgesetzt werden. Me Poe ftaeb. Am 7. Qttoiber des Jahres 1849 vermerkte ein Beanüev des Washington-Pol-tzeispitäls in Bältimore: „Edgar Allan Po«, Trunkenbold, An Washingtonspital an Gehirnkongestion gestobben." Das war die einzige Notig, die Amerika von seinem größten Dichter nahm, dessen Todestag auch jetzt, nach 75 Jahren, die Poes Ruhm in der ganzen Welt gefestigt haben, in AmerÄa unbeachtet bleibt. Die nüchterne Eintragung des Poltzisten setzt« den Schlußpunkt einer Lebensträgövie, die, wäre sie nicht Wahrheit, von Poe erdichtet sein könnte. Der Sproß- - ling einer Komödiantenfamilie hatte einen reichen Onkel, der für ihn „etwas tun" wollte und ihn studieren ließ. Doch der junge P«e spielte lieber, und als er eines Nachts nrchr als 2000 Dollar verspielt hatte, zwang ihn der „gute" Onkel, dieses Gels in seinem Comptoir äbtzuarbeiten. Poe ging durch und ließ sich in Boston als Soldat anwevben; er brachte es vom Artilleristen zum Sergeant-iMyor. Da tauchte wieder der gute Onkel aus, um für den Neffen etwas „$» tun" und gab ihn in eine K«idettenschul« nach West-Point. Poe ging wieder durch, kam nach Baltimore und lernte dort ein Ichähriges schwindsüchtiges Mädchen kennen, zu dem er in -wcchnisiuniger Leidenschaft eittbrannte. Er heiratet« feine geliebte Virginia und mit ihr zog er durch alle Stationen seines ruhelosen Wanderlebens als Redakteur und Reporter, ewig in Mt, ewig um die geliebte Frau mit dem Tode ringend. Als Virginia ihm nach elfjähriger Ehe entrissen wurde, brach Poe völlig zusammen. Alkohol und Opium wurden fein« Zufluchtsmittel, um, wie er an einen Freund schrieb, „gnalvollen Erinnerungen zu entgehen und die Furcht vor einem seltsamen, mir vobbestimmten Unheil zu tbetäuiben". Und dieses seltsame Unheil war Poes eigenartiges Lebensende: In B a l t i nr o r e wurde er von W a h l a g i t atoren aufgegriffen und betrunken -gemacht. In diesem Zil« stand schleppten sie den willen'loseir, deltriere-nden Menscherl von Wahllokal zu Wahllokal, um die Stimmerrzahl ihres Kantzidaien zu erhoherl, und trieben ihn mit Tritten und Stößen vorwärts, bis er auf der Straß« zusam-menibrach und unbeweglich liegen blieb. Die rohen Gesellen hielten den Mann für tot und ließen ihn liegen. So wurde Poe von Po-tigisten gesundere Sie brachten ihn ins Krankenhaus und dort erlöste ihn nach zwei Tagen der Tod von Leid und Wahnsinn, die ihn umgaben und doch in seinen Werken die' herrlichsten Visionen der Phantasie hervorgebracht hatten. Amerika ^gehört, der „Trunkenbold" bis heute nicht an, dafür aber der Knlturwelt. Der Lahniampf der Aeatermufiler. Di« cml 8. d. zwischen dem Verba>ü> Oesterreich sich er Theaterdirektoren und der Bereinigung der Wiener Musiker stattgefundenen Lohnvechandlnn-gen Zeitigten keinerlei Resultat. Dr« Direiktoren boten als einzige Konzession -eine Indexgarantie von 5 Prozent für die Zeit vom 18. OÄober bis 16. Nüvember l. I. und siir die Zeit vom 16. November bis 16.. Dezember eine solche von lveiteren 6 Prozent. Die Answivkung dieser Erhöhung Würd« im -günstigsten Falle so sein, daß die Gagen von 1,900.000 Kronen ans 1,995.000 K., beziehnngswesie 2,040.000 K. erhöht tverdeu. Jeder kommende Plusindex würde diese Erhöhung jedoch Herrin gern, bez-iehungs-weise -ganz -ausheben. Die Vertreter der Mnsikerorgan-siationHaben dieses Anbot rdgelehnt.

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