Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2028 (10.10.1924)
- Date
- 1924-10-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Serbe? Wien, Frettatz M9HB«gM^?g!iB»S«««&««ra^ zifistisch gesinnte England die. großen Erfolge Mac Dona-Ds auf außenpolitischem Gebiet uneingeschränkt zu- S" m und anerkennen. Zweifellos hat der Wahlsieg der - onr Party bei der vorigen Wahl und die Tätigkeit ihres Kabinetts den Anstoß zu einen: politischen Stimmungsumschwung in der Richtung der Demokratie in der ganzen Welt gegeben. Auch in der Kolonialpolittt hat das Kabinett Mae Donald, wenn auch nichtüberall eine Berbesserung der übernommenen Zustände, so doch die Ruhe in den Kolonien zu sichern verstanden. Den schwierigsten Stand hatte Mae Donald in den Fragen der Politik im nahen Orient. Wäre, es nach seiner persönlichen und parteimäßigen Politik der Demokratie gegangen, so hätten wir heute in Erez Israel eine demo-- kratischere Verwaltung und auch in Aegypten stünden die Dinge viel günstiger. Dazu aber war Mac Donald denn doch zu schwach, als daß er gegen den Willen der Konservativen seine Politik in den Mandatsgebieten restlos hätte durchsetzen können. Mac Donald geht in die Neuwahlen mit dem festen Entschluß, das Land vor die Alternative zu stellen/ ent-- weder der Arbeiterregierung eine Majorität in die Hand zu geben, die es ihr möglrch macht, gegen olle AbstinrmungsfährliWeiten geschützt eine klare geradlinige PolM der Demokratie zu befolgen und damit Englands! politische und wirtschaftliche Macht zu stärken oder das. Chaos im Reiche selbst und in der ganzen Welt zu stabilisieren. Es wird ein heftiger Wahlkampf werden. Bor der HerWeWn des Sei«. Die Rechte der jüdischen Minorität in Polen. (Ergendienst der „Wiener MorgenzeiUmg") Im Sejürgebäude herrscht schon reges Leben. Die eirtzelnen Klubs haben bereits ihre Beratungei: begonnen. In der Seniorenkonferenz teilte der Sejmmarschall mit, daß er die Sejmsitzung für den 24. d. einzuberufen gedenke. Ue'ber Antrag des Abgeordneten Reich, der eMärte, daß es den jüdischen Abgeordneten infolge des auf dieses Tatum fallenden jüdischen Feiertages unmöglich wäre, bei dieser Sitzung zu erscheinen, erklärte sich der Sejmmarschall bereit, die erste Sitzung für den 22. d. vinzubemftn. Der Sejmmarschall erklärte, daß die bevorstehende Sejmsession sich vor allem mit dem Budgetpräliminar für das Jahr 1925, der Agrarreform, einer Reihe von militärischen Gesetzesdorlagen sowie mit Entwürfen zur Selbstverwaltung zu beschäftigen hätte. Im Namen des Jüdischen Klubs gab Abzeordnter Reich seiner Verwunderung Ausdruck, daß der Sejmmarschall nicht die Frage, der R^- gchrng der Rechte der jüdischen Minorität 'berührte, obwohl der Sejm bereits die Minderheitsftagen der slawischen Völker gesetzlich geregelt hat. Redner erinnert daran, daß zur Zeit der Behandlung der, Sprachen^ gesetze halboffiziell die Regelung der Ju densrage für die Herbstfession in Aussicht gestellt -wurde. In feiner Anrwot erklärte der Sej.mmarschall, daß das Arbeit'spvogvamm der Herbstsession vom Kabinett abhängig sti und jene Angelegenheiten zu umfassen habe, die die Regierung Vorschläge. Er persönlich erachte cs für äußerst notwendig, daß -der Schm die jüdische Minderheitsfrage berate, und -nach dieser Richtungmüßte auch das Arbeitsprogramm erweitert werden. Abgeordneter Glombinski erklärte -immens^ der Nattonaldemokvaten, daß -der Sejmmarschall nur die' wichttgsterr Punkte des Arbeitsprogvammes gettannt habe, wa's ja nicht ausschließt, daß der Sejm auch über andere Fragen beraten Bunte. Er glaubt, daß die jüdische Mindechettsfrage, sobald dies der Jüdische Klub verlangen wird, ans die Tage'sordnung des Sejm- Plenums gelangen werde. In hiesigen politischen Kreisen wird als bestimm angenommen, daß die Herbstsession sich M der Regelung der jüdischen Mnderheitsftagen beschäftigen werde. , * ' , Ueber Auftrag des Jüdischen Klubs konferierten die Abgeordneten Reich und Dr. I n s l e r mit dem Kultusminister Miklaszewski in Angelegenheit der noch nicht erledigten Wahl-Proteste gegen die' letzten. 'Kultuswahlen sowie der Schwierigkeiten, die der Konstituierung einzelner jüdischer Gemeinden gemacht werden. Der Minister erklärte, daß er in den nächsten Tagen diese Angelegenheit überprüfen werde. . Der Jüdische Klub entfaltet auch, eine äußerst intensive Jnterventionstättgkeit -in Angelegenheit-, der Ueberlastung der jüdischen Steuerzahler und hat bereits eine Reihe von wichtigen Konferenzen nnt maßgebenden Faktoren abgehalten. tJn seiner letzten Sitzung hat der Indische Klub den Beschluß gefaßt, energische Schritte gegen die ' ungemein hohe Steuerbslastung der jüdischen Bevölkmng zu unternehmen. In seiner nächsten Sitzung ivird sich der Jüdische Klub mit der Präzisierung seiner politischen Forderungen beschäftigen. *. Das dem Ministerpräsidenten Grabski nahestehende Organ „Echo Warszawskie" Vevöffentlicht ein Interview mit dem Präsidenten des Jüdischen Klubs, Dr. Reich. Dr. Reich erklärte, daß der Jüdische Klub seitens der Regierung Initiativanträge zu seinen Forderungen erwarte. Seinerzett haben die Schöpfer der ^rrachengesttze erklärt,, daß der Sejm in der Herbstsession die Forderungen des Jüdischen Klubs in Verhandlung ziehen werde. Der Jüdische Klub habe nicht einmal Gelegenheit gehabt, seine Forderungen zu präzisieren, werde aber immer wieder gefragt, was er eigentlich verlange. Die Forderungen der Judenheit A Sßfife® fcftk&b Ü£& leMW M das » Wiener Morgenzeltung. 10. Oktober 1924 Ar. 2028 (Eigendienst der ,-Wiener Morgenzeitung".) . Jerusalem, ü. Oktober. Präsident Dr. W e i z m a n n, welcher, -wie bereits gemeldet,« am 24. September in Begleitung des palästinensischen Vertreters der Zionistischen Exekutive, Colonel K i s h, in Palästina eingetroffen ist, ver- 'bvachte die Rosch-Haschanah-Tage zusammen,/mit dem hebräischen Dichter B i a l 11 in Tel- A w i w. Aus diesem AMaß kamen Tailsendc von-Kolonisten itnb Chaluzim nach Tel-Awiw, um die illustren Gäste zu begrüßen. Weizmann und Bialik wurden st ü r m i s ch c O v a t i o n e >n bereitet, die begeisterte Menge hob sie auf die Schultern und trug sie im Triu-mphe durch die Straßen. Auf offener Straße wurde getanzt. In der .Synagoge, wurde Weizmann von Tausenden von Menschen feierlich begrüßt. In Ier ufa l c nt, wo den: Präsidenten ebenfalls ein festlicher Empfang bereitet wurde, 'empfing er die Vertreter der palästinensischen Presse. Auf mehrere Fragen erklärte Dr. Weizmann, die Verhandlungen über die Erweiterung.d er I e w i sh Ag e ncy würden nach den P r a-' s id e u t s ch a f t s iw a h l e n i n A rn e r i k a fortgesetzt werden; es werde, dort ein jüdi s cher Ko ngreß einbcrusen werden, der sich mit dieser Frage zu beschäftigen und an dem auch zionistische Führer Europas teilnehmcn würden. Die in Amerika gegründete. Jude st m e n t- Corpora t-i oit werde noch in diesem.Winter ihre Tätigt eit in Palä sti n a au sin e h m e n. - Ueber -das palast i n.e nfisch e B ü rg e rs cha sts g es e tz teilte Dr.'Weizmann mit, die Zionistische Exekutive -hätte die Aufnahme einiger Bestimmungen in das Bürgerschasts- Die jüdische Bevölkemng verlang« nichts, was über den Rahmen der Verfassung und der darin enthaltenen Minderheitsklausel hinausginge. Mts die Frage, tvie sich der Jüdische Klub zu einer eventuellen Umbildung des Kabinetts verhalten würde, .erklärte Abg. R ei ch, er habe nur einen Wunsch, daß die. Regierung mit der Meinung des! ganzen Klubs und nicht mit der einzelner Gruppen rechnen soll. ch U f s i s ch k i n wurde vom Jüdischen Klub in einer seierLichen Plenarsitzung empfangen. Dr. Reich begrüßte den Gast mit einer längeren Rede, in der. er erklärte, das; der Jüdische Klub in seiner zionistischen Mehrheit nnt all seinen Kräften für den Wiederaufbau Erez ^Israels arbeite. Mssifchknr dankte für den herzlichen? Em-pfästg' und erklärte, daß er als Palästinenser die 1b i ch t l g e pol i ± t sche Tätigkeit des' Jüdischen Klubs' eiuzuschätzen/Verstehe,. Er iwürdtge voll und ganz die vöm Jüdischen Klub. geleistete politische Gegenwartsarbeit. - Kein Widerspruch gegen Deutschlands Äusttahme in dm Völkerbund. London, 9. Oktober. Die britische Antwort aus die delltsche Anfrage über die Aufnahme Deutschl a n.d s i n d e n B ö l k e rb u n d wurde ferttggestellt und wird heute der deutschen Regierung überreicht. Sie heißt Deutschlands Anmeldung willkommen, .falls Deutschland den durch den Versailler Frieden geschaffenen Status quo jn Europa anerkennt sowie den Londoner D a w e s - P a k t. .Die englische Regierung hat keinerlei Einwand gegen einen ständigen Sitz Deutschlands im Rate, aber die Anmeldung Deutschlands kann nicht mit Bedingungen verknüpft werden» und die Fragen, die im deutschen Memorandum ausgerollt werden, fallen in die Kompetenz des Völketbündrates und nicht in die der einzelnen Regierungen. Der Krzberger-Morder fteigelafsen! Meder , der.Gast Gö.mböS/ Budapest,. 9. Oktober. Heinrich- Schulz-Förster wurde heute in den Mchmittagsstunden in di« Kanzlei des Gefängnisses der Staatsanwaltschaft gebracht, wo ihm der F r e rlafisnngsb«scheid verkündet wurde. ■ Der GerichtsarFt untersuchte ihn ilnd stellte fest, daß er gesultd sei. Hierauf wurde das Freitassungsprotokoll unterzeichnet. Da auch zwei Detektivs der Staatspolizei anwesend waren, die sich sofort über den von Schulz goivahlten Aufenthaltsort Auszeichnungen machten, erschien seine zu diesem Zweck artgeordnete Vorführung hei der Obevstadthaüptmannschaft übechlüssig. Schulz-Förster verließ mit evnem kleinen Paket,-in dem er seine Utmsilien: Vevwahrte, nnd insgesamt 95.000 K. Bargeld das Untersuchungsgefärrgnis. in der -Markogasse. Er soll sich wieder nach N a g h 1 -e t e n Y begebm haben. Eine Interpellation Rafsahs. Budapest, 9. Oktober. Abgeordneter R a s s a y hat für morgen eine dringende Interpellation angekündigt, um die Verweigerung der Auslieferung des Mörders Erzbergers zur Sprache zu bringen. Schultz- Förster hat bei seiner Freilassung z u g e g e b e n, daß er mit S ch u l tz e identisch ist. Die Sozialdemokraten und Radikalen beabsichtigen, im Parlament darauf hinzuwersett, daß 'durch den .Entschluß der Regierung/Ungarn, leicht der 'Zufluchtsort der reaktionären Verbrecher werden könnte. gesetz vorgeschlagen, /durch welche die'Naturaltsation der Juden erleichtert, werden soll; ob das Kolortialamt diese Bestimmungen in den Entwurf ausgenommen - habe, sei noch nicht ' bekannt. Die jüdische G e m e i n d e -o r dn u n g für Palästina sei vom KoloNiolminister Sir T h o m a § bereits im Prinzip angenommen und gegenwärtig würden nur Verhandlungen über Detailbestintnkungen geführt, so daß noch einige Monate bis zur Verösfetttlichllng vergehen dürsten. Auf die Frage, Iwann der nächste Ztönjstenkongreß stattsinden werde, erklärte Präsident Dr. Weizmann, der Kongreß würde für den S o m nt et nach st en Jahres ei n'b e r u ■ w erde«. Präsident Weizmann bleibt bis Mitte Oktober in Palästina und kehrt dann nach London zurück, mit an dem Eröffnungsmeettug der ant 1. November einsetzenden Keren-Hajessod-Kampagne in England teilznnchmen. Es ist jedoch möglich, daß der Präsident seine Abreise aus Palästina beschleunigt, wenn seine persönliche Anwesenheit bei der Tagmcg der M a n d a t s k o m nt i s s i o u -des Völkerbundes in Genf notwendig sein sollte, der ein .Bericht der I ewis h Agency vorgelegt werdeit wird. Jn fctucni Gespräch mit den' Pressevertretern gab Dr. Weizmann der Hofsnung Ausdruck, er werde zu t>cu Pessachtcigen des nächsten Jahres zusatnmeu mit Lord Balfour wieder nach Palästina kommen, nnt dort die Eröffnung der hebräischen A ni v e rsätä t in Jerusalem vorzunehmen. zwanzig Kanonen in Dresden gefunden. Durch die Interalliierte Kontrollkommission. Paris, 9. Oktober. Die A-gence Havas -meldet ens Berlin: Offiziere der -JntevaMevten K-onttollkontmission haben im Laufe einer in einer I n f a n t e r i e k a s e r n e b-ei Drcsden vorgenomntenen Inspektion zwanzig nicht zur Anzeige gebrachte K a n o n e n eMdeckt. ' , Die politische Lase in Fngoflawien. Bor einer Rekonstruktion des Kabinetts. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrads 9. Oktober. Räch der Sitzung des Ministerrates lim 9 Ühr abends erschien Kul-tnsminister. K v' r b f e c bei lden Joiurnalisttn mrd verlas ihnen das Eowylüivique der Regierung Dieses 'besagt, daß die RegierMtg, ltachide.>lt die Demission des 'Kriegsministers beschlosseir wurde, eitle R ekon st rnkti-on des Kabinettes durchzuführen beabsichtige. Der Körvig. habe den Wunsch geäußert, daß man bei den Vevhandttmgen über die Rekonstruktion des Kabinetts mit allen detrjen-igen Elementen, welche sich in den Hauptrichtlinien mit der gegenwärtigen Politik >der Regierung im Einverständnis bHnden, in Fühlung trete. Nach dem Mnistevrat ist <s nnniudchr Var, daß die Entscheidimg erst 'in einigen Tagen erfolgen kamt. Der Ministerpräsident erklärte Journalisten gegenüber, es gebe keine Demission der Regierung. RegkttMsskrise in Nngarn? Angebliche Demission des Ackerbamninisters Szabo-Ragyatad. — Neuwahlen? . (Eigendienst der. „Mener Morgenzeitultg".) Budapest, 9. Oktober. (Tel. der ,Miener. Morgen- Zeitung".) ,Hesti Naplo" SUifolige ist nach der gestrigen stürmischen Sitzung des Parlaments eine Krise der RegterU'Ngspartei, des Kabinetts und des Parlaments it uvermeidlich. Ackerbanminister Szabo-Nagyatad ist, wie das. Blatt wissen will, entschlossen, mit der gaMu! 42^.Mitglieder zählenden Landwirtepartei aus dem Regierungsb'lock auszntreten. Der eben in Gntstchung - begriffene Block d e r Linksparteien macht bereits alle Anstrengungen, um den Ackerbaumimster mit seinen Ainhängem znm Anschluß an die Opposition zu bewegen. Andererseits bemüht sich die Regierung noch -in letzter Stunde, den Ackerbaummister von seinen 'Demissionsabsichten abzubringen, weil der Austritt der Keinen Landwirte aus der Etrcheitspcirtei die gegenwärtige Parlainetrtsmehrheit sprengen und unweigerlich eine Auflösung des Hu:cscs und Neuwahlen zur Folge haben müßte. Der Kampf um Nordmesopotamien. (Eigendienst der „Wiener MorgetiZeilußg".) Loitdon, 9. Oktober. Nach dem, diplomatischen Berichterstatter des „Daily Telegraph" hat die militärische Lage in Nordwesopotamien eine ernste Wendung geuommen. Wahrend die A n g o r a r e g i e r tt n g vorsätzlich davon absehe, auf die beiden Noten sowie auf die weitere Verbaldemärche des britischen diplomatischen Vertreters in Konstautinopel zu antworten, der. die Räumung der Einbruchsbezirke gefordert habe, habe sie nicht weniger/vorsätzlich zu einer Be rs chärsung des Anschlag es ermutigt. Die. t u r k i s che n Truppen, dje ursprünglich die mesopotamischen Gren- M verletzten, sind nicht nur dort geblieben, siondevn sie werden auch von jenseits der Grenze swe-sentlich der-, stärkt. --