Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-10-09 · Heft 2027 (9.10.1924) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2027 (9.10.1924)
Date
1924-10-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981110--20729-3007979
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

r MV. 2027 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitung. 9. Oktober 1924 Leite 8 Letzte Rachrichte«. Mae Donald gestürzt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) vor Blattschluß wird uns ge- Knapp meldet: DieRegier n ngi st mit 10 8 gegen 364 Stimmen in der Minderheit geblieben. Die Auslösung des Hans es folgt.____ W. Weinberger X. Pavorltenstrasse 98 u. 130 V. Schönbrunn erstr. 105 XX. Wallensteinstrasse 16 XXI. Hauptstrasse 44 Ueberwlirfe V s<?X'< - Vealskinplüsch, komplett.K 28V Sealskinplüsch, feinst.• . . . K 3VV Schwerste Karamanie. K 530 MohairpMfch. Perserm..K 880 DopR»eIbeftdesM@n Zer aüsche Banlenftandal. Sk Rordisch-öftmeichische AM vor dem Konkurs. — Schwere Schiidigung der Anleger durch die aristokratischen Antisemiten. — Au Feldwebel als antisemitischer ÄankvrMent. - Bergebliche Versuche einer Sanierung. Der Zusammenbruch -er reicht scheu Bank Zieht immer Tüll mit Klöppelmotiven und Einsätzen . . K 95 Etamin, Größe 200 300.!< L 60 Etamin mit Handarbeit und Klöppelmotioen K LS0 Größte Auswahl in allen Preislagen Korkllnoleu Preise in Tausendern Tagesbericht. Anatole Frame im Sterben. Aus Paris wird uns gemeldet: Die letzten Nachrichten über den Gesundheitszustand Anatole Frances lassen erkennen, daß mit 'dem baldigen A b l e b e n des großen Schriftstellers gerechnet werden muß. Es handelt sich nur um eine Frage von Stunden. Das Leben des Kranken kann nur mehr durch Kampfere i n s p r i tz u n g c n aufrechterhalten werden. Der Kranke soll sich über seinen Zustand keinem Zweifel hingeben. Er erwartet mit Ruhe den Tod. Nach äußeren Anzeichen zu schließen, leidet er nicht mehr, Rabindranat Tagore ln AalWna. Aus Jerusalem lwird uns gemeldet: Arn 7. d. ist der indische Dichter und Philosoph Rabmdranat Tagore in Jaffa gelandet. Während seines Aufenthaltes in I er it saIe m wird er Gast des O b e r k o m m i s s ä r § Sir Herbert S a m n e l sein. Die Zionistische Exekutive bereitet einen felerlichcn Empfang für den Gast vor. Es heißt, daß Rabindranat Tagore an der hebräischen Universität zu Jerusalem Vorlesungen halten wird. Gedenkfeier für Emile 3ola. Der 20jälmge Todestag Zola s tvurbe am 5. d. im Landhanse von M 6 d a n begangen. Die Familie und der Verleger Zolas, der Oberst D r e y f u s, der Admiral I aitie § und zahlreiche Schriftsteller und Künstler waren erschienen. Ein Gedenkwort des spanischen Schriftstellers BlaSco I b a n e z wurde durch einen französischen Mittelsmann verlesen. Die letzte Probefahrt des z. R. Hl verschoben.?lns Friedrichs Hafen lvird uns gemeldet: Der für heute nachmittags angefetzte Probeflng des Z. R. 3 wllvde in der letzten Minute abgesagt und aus Freitag früh verschoben. Es wurde sestgestellt, daß große Böen herrschen und Befürchtungen für eine Verschlechterung des Wetters bestünden, in welchen: Falle die angestrebte Austrocknung der Ballonhülle nicht hätte erreicht «werden können. __ Sine mißte Szene ln einem Budapest« Gerichtssaal. Au's Budapest wird uns unterm 8. d. berichtet: lLas Strafgericht war heute vormittags der Schauplatz aufregender Szenen. Der Markthändler Josef Varga stand unter der Anklage mehrfachen TascheMebstahles vor de-m Senat. Ms der Vorsitzende das-Urteil, zwei Jahre Kerker, verkündete, geriet der Angeklagte in eine maßlose Aufregung. Bevor die JustiTsoldaten es verhindern konnten, stürzte Varga ans das Fenster zu und warf sich mit dem Kopf gegen die Glasscheiben, um sich in Heu Hof M stüHSH, Die iüüii MM fe AMGU. Ä8L Nordisch-österweitere Kreise. Die Wirtschaftspvlizei befaßt sich scholl feit zwei Tagen mit dieser Angelegenheit. Der gewesene Direktor Wald egg wird täglich der Wirtschaftspolizei vorgesührt und gibt dort Aufklärung, doch ist es noch immer nicht möglich, sich cm genaues Bild von der Wirtschaft in der Bank zu bilden. Die Mißwirtschaft, die dort geherrscht hat, spottet jeder Beschreibung. Die' Gelder der Einleger wurden einfach zur Adaptierung eines StaatsgMudes verwendet und während der ganzen Zeit ihres Bestandes hat die Bank kein einziges Geschäft abgeschlossen. Ihre Haupttätigkeit bestand ausschließlich in Ausgaben für Reklamefpeseu und Adaptierungskosten. Demgontäß ist auch die Bilanz eine äußerst ungünstige. Nach einer Aufstellung, welche von den: Vertrauensmann des englischen Konsortiums, dem man zur Uebernahme der Bank zu reden wollte, allgefertigt wurde, beträgt das Defizit vorläufig sechs Milliarden. Es könnte nach einer allerdings sehr optimistischen Schätzung vielleicht eine 40prozentige Quote herauskoimmn. Viel ivahrscheinlicher aber ist es,/daß bei einer weiteren Untersuchung des Status die Bilanz weitaus ungünstiger aussehen wird, und daß die Aktiven so'gering sein dürften, daß sie llicht eirunal mehr die Kosten des Ausgleichsverfahrens werden decken können, so daß es wahrscheinlich zum Konkurs wird kommen müssen. Besondere Erwähnung verdient der Um* stand, daß zu den Geschädigten auch eine Erzherzogin und eine Reihe abgebauter Offiziere gehören. Mail wollte den Engländern die Bank unbedingt aushalsen, als sie sich schon in einem msolventen Stadium befand. Diesem Behufs diente auch eine improvisierte Verwaltungsratsitzung, in der einige Mitglieder des englischen Konsortiwins rasch zu Verwaltungsräten ernannt wurden. Alls diese Meise wollte sich der alte Berwaltnugsrat salvieren. Die Engländer haben aber den Braten gerochen und das ihnen zufallende ehrende Mcmdat nicht angenommen. Infolgedessen 'hat auch heute noch die Bank keinen richtigen Vertvaltullgsrat. Der alte Vertvaltungsrat erklärt, sich für nicht mehr kompetent, die Geschicke der Bank zu lenken. Der angebliche neue Verwaltungsrat wiederum stellt .sich auf den Standpunkt, daß das Geschäft überhaupt nicht zustande gekommen sei, da die alte Leitung b e t r üg e r ischeAngaben gemacht habe und auch sonst betrügerisch vorgegaivgen fei. Zu bemerken ist, daß noch knapp vor Abschluß die Engländer erklärten, nur dann' die Bank übernehnlen zu wollen, wemr sich die Verwaltung zur Leistung einer Haftung für den Status der Bank entscheide. Dies ist nicht geschehen, obzwar die Engländer bereits eine Angabe von 300 Millionen geleistet hatten. Jetzt verlangen die Engländer diese 300 Millionen zurück. Es scheint aber, daß nicht einmal genügend Aktiven vorhanden sind, um diese Summe zurückzustellen. Da einzelnen Mitgliedern des Verwaltungsrates die strafrechtliche Verfolgung droht, versuchen es einige unter ihnen, doch irgendwie ein Arrangement zu treffen. Zu diesen, gehört der holländische Generalkonsul a. D. van Royen, der auch seinerzeit vor Abschluß des Geschäftes die Verhandlungen geführt hat. Er will eventuell größere Summen zusanuneubriugen, um doch den weiteren Eklat zu vermeiden. Es ist aber fraglich, ob chm dies tatsächlich gelingen wird. Der Engländer Read m a u, welcher für die englische Gruppe die Verhandlungen geführt hat, scheint nicht über die Mittel zu verfügen, welche znr Uebernahme eines größeren Institutes notwendig gewesen wären. Hinter ihm stand die Londoner Overseabank, die aber nur erklärte, daß sie im Falle günstiger Auspizien sich eventuell oau Geschäfte ebenfalls beteiligen rverde. Ta aber nun die Verhandlungen den geschilderten Verlaus genommen haben, ist es selbstverständlich, daß die Engländer nicht daran denken, auch nur einen Heller beizustelleu. Infolgedessen sind sämtliche Bemühungen des Personals, dessen Betriebsrat jetzt die Bank zu verwalten sucht, von Vorneherein zur Erfolglosigkeit verurteilt.. Der aris ch - h.a k e n kr e u z le r is che Gen c r a ldirektvr Welkoparskh, jetzt Waldegg. scheint von dem ganzen Geschäft keine Ahnung gehabt zu haben. Nach dom Ergebnis der Untersuchung stellt sich heraus, -daß^er bei der Verwaltung der Bank infolge vollkommener Unkenntnis sehr schwere Fehler begangen hat. Er scheint den Vevwaltungsrat, zu welchen: sich auch fein ehemaliger Vorgesetzte, der gewesene L a n d e sv e r t e i du g u n g s m i n i st e r C; a p p, der trotz seiner Unkenntnis der Materie zum Präsidenten der Bank gemacht wurde, zugesellte, vollkommen errege führt zu haben. Aus der ganzen Angelegenheit scheint sich eine Kette von strafrechtlichen Vergehen herauszubilden, -wobei die Angelegenheit so verwickelt ist, daß es schwer sein wird, in kurzer Zeit den Knoten zu lösen. Auf alle Fälle haben alle diejenigen, welche auf den arischen Schild der Bank . vertrauten und Ihr Vermögen der Bank zur Verfügung gestellt haben, sehr schwere Einbußen erlitten. Die Bank hat nicht einmal davor zurückgeschreckt, di e ni ch t ihr gehör i g e n D e p o t s der Einleger für eigene Zwecke zu verpfänden, um damit die Baukosten zu decken. Wie wir erfahren, .war jenes christlich-deutsche Bankhaus, bei welchem die der Nordisch-österreichischen Bank nicht gehörigen Depots der Einleger verpfändet winden, das ' Bankhaus Schelhammer u. Schattera. Dieses hat in der Vorwoche erst, als die Zahlungen der Nordisch-österreichischen Bank ausblieben, auf exekutivem Wege alle bei ihm verpfändeten Depots verkauft. Alles in allem, es handelt sich um einen Skandal, der noch jenen, der arischer: Bodenbank in den Schatten Mt. der korpulente Mann konnte sich nicht durch die entstau- 'dene Lücke hinauszwäAgen, sondern blieb blutüberströmt mit dem halben Körper im Fenster hängen. Er mußte schließlich in das Gefängnis gebracht werden, wo ihm eine Zwangsjacke angelegt wurde. Hierrmf wurde der Markthändler in der Zwangsjacke wieder in >den Verhaudlungssaal geführt, wo ihm dtrs Urteil zu Ende verkündet wurde, mit der Znsatzstrase von einer Million Kvonerr als Ersatz für das zerschlagene Fenster. Sin Wiener Arzt als Mderdieb. Ju der Nacht zu-m 30. September wurde m der städtischen Kunsthalle in Düsseldorf ein großer Bildcrdiebstahl verübt. Avis die Znstandebringung der Gemälde trar eine Belohnung bis zu 20.000 Goldmark ausgesetzt. Gestern erhielt mtu das Sicherhevtsbnrcau aus Düsseldorf die telegraphische Verständigung, daß dort ein Mann wegen des Bilderdiebstähles angeha.lten wurde, der sich Doktor der Medizin Josef Huppert, zu Wien geboren, nannte. Sämtliche Bilder konnten auch beschla>g.lmhmt werden. Eine Nachschau in den Polizeilichen Vormerkungen ergab, daß der Mann offenbar der vor zweieinstnlb Jahren in Wien tvegvn. eines Schmucks verhaftete Arzt Dr. Jofef H u p P e r t ist. Re Kastiglioui-Mare. Die Kreditanstalt übernimmt die Führung der Berhand langen mit Castiglivni. Vorgestern fand eine Beratung der Großbaittvettreter in der Depositenbank statt. In dieser Konferenz wurde der Beschluß gefaßt, die Leitung der Verhandlungen mit Castiglioni in der Frage der Depositenbank der K r e d i t a n st a l t zu übertragen. Da diese Bank in der ganzen Angelegenheit bisher einen vollkommen objekttven Standpunkt eingenommen.hat, wird gehofft, daß es ihr gelingen werde, zu einem gewissen A r r a n g e m e n t zu gelangen, welches sowohl dem Hause C a st i g l i o n i alsauch den Großbanken in Bezug auf die Höhe der Entschädigungssumme entsprechen. würde. Es wird sich auch dann entscheiden, ob die Anrufung eines Schiedsgerichtes notwendig sein wird. In den Verhandlungen zwischeir Castiglioni und der B a u c a C o w e r et a 1 c in Mailand ist vorläufig ein S.t i l l st and eingetreten. Der Vertreter der Banea Comerciale, Herr R o s s i, ist nach Mailand gereist, um der Zentrale Bericht über den Stntns des Hauses Castiglioni uitb Len Stand -er Verhandlungen zu erstatten. Von dem Resultat der. Beschlüsse der Viailänder Zentrale hängen die tveiteren Schritte der Bank tu der Affäxe C a sr i g l i o n i ab. kinkeilnng der daWen Refiftenz in der Staatrdrnckerei. Die Betriebsräte der Staatsdruckerei - und. der „Wiener Zeitung" haben gestern beschlossen, die p a s s i v e R e s i st e n z e i n z » st e l l e n mtb die Arbeit im volleir Umfang tvieder anfzunehmen. 1 , ___ MWe Sindenienversnmmlnng. Herr Kurt B l n men selb spricht beute tmf'A.S Uhr abends tut Hotel Post. 1. Bez., Fleischinarkt 24, jiber das Thema „Geistige mib lvirtschaftliche Entwicklung der jübi't'teit Fugend". Ins Wetter. Gestern' herrschte ideales Herbstwetter. Die Voraussage kündigt. E i n trüb « n-L und Rege n an. Versammln na der Gläubiger der /Depositenbank. Desinteressement an dem Streit der Großbanken mit 0 glioni. Wie die Korrespondenz H e r w e i berichtet, hatte der Verband der „Sparer und Klei n r e n t u e r" für gestern abends in Drehers Saal auf der Landstraße eine Versammlung der Gläubiger der Depositenbank einberufen, die eineit starken Besuch aufzuweisen hatte. Die Versammlung faßte eilte Erttschließnng und erklärte, baß sie sich an dem Streite der Großbanken mit C a st i g l i o n i nicht interessiert zeige, sottdern daß für sie nur eines gebe, nämlich daß die kleitten Gläubiger »on befriedigt werden, wobei natürlich der Begriff „kleiner Gläubige r" sehr weit gezogen werden müsse.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.