Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2026 (7.10.1924)
- Date
- 1924-10-07
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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MSÖ2B ,,, ÄkM, Dtönsmg- . M0E MoMMMMNS. 7. motet 1924 BEe 9 > * BernsticheRedestörer. In einer konfetvastven engi lschen konnte man mnstich ein Inserat lesen, in -dem „HecklerS" gesucht wnvdm, worunter man Witzbolde versteht, die durch chre Zwischenrufe U\ Versammlungen der gegnerischen Partei die Rede der Vortragenden stören. In Nordengland sind diese Typen seit langem an der Tagesordnung, besonders, in den lokalen Verbänden der Äabour-Partei. Diese veranstaltet regelrechte Ausbildungkurse für ihre „Hecklers". die das Studium der politischen Geschichte der Vergangenheu und der Gegenwart uytfclssen und beisondere Ansmerdsamkeit den.Resm der gegnerischen Partei schenken, um Widersprüche mu ferner eigenen Politik zu entdecken und ihn damit in die Enge zu treiben. In besonderen Uebnngen wird ein solcher „Heikler"' trainiert, schlagfertige Antworten einem fingiertet, Gegner ontgagkMwersen. und je.närrischer dut Frage ist, desto irresühveuder »ich verhängnisvoller entwickelt sich oft die Wirkung auf den Parteigegner. '_ Vereine, Borttilge und BersammlunM. A. H. P. L e r jüdisch-akademischen SSet* bindung Un^itas. Der für Donnerstag den 9. d. an- Leraumte Vortrag, der auö Erez-Jsrast zurückgekelnten A. H. Drj Otto Hahn, findet wegen des Vortrages Kurt Blumenfelds erst nächsten Donnerstag zur selben Stunde aus der Bude, 8. Bez., Auersprrgstraße 21, statt. U ran i a r, Heute, 6 Uhr (Großer Saal): Afrikanische Jagdabenteuer. V,6 Uhr (Kleiner Saal): Universitätsossistent Dr. ' Heinrich H a n d e l ---M az z e t t i r Forschungsreisen in China 1914/1918, U. Die Hochgebirge von Norbwest-Nüntian und des Tibettsch-Birmanischeu Grenzgebietes. Vaß Uhr l Klubsaal) r Dr. Josef Z.U t h t Einführung tu das Marresviel. VL 6 Uhr (Kurssaal) r Ing. Architekt Emmerich S i e g r i § r Werke der. Wiener Volkskunst. '/r>8 Uhr (Gchßer Saal) r Eine Fuchsjagd auf Skiern durchs Engadin. V-8 Uhr (Kleiner Saal): Dr. Robert Klumakr Das Leben auf dem Planeten Mars. Vj8 Uhr (Kurssaal)» Kurs; Professor Dr. Rudolf Kraus: Krankheitserreger und Infektionskrankheiten. IV. 7*8 Uhr (Klubsaal) : Dr. Josef Z uthr Mandolinenspielknrs für Anfänger. ■ 0t o p oldst ädter Bo N8H eim. 2. Bez., Zirkusgasfe 48. 7 Uhr: Philosophische Probleme, Privatrecht, Bildende Kunst, Lehre vom Leben, Länderkunde von Oesterreich, Französisch für Anfänger, Algebra, Deutsch für Nichtdeutsche, Latein. 8 Uhr: Plato, Persönlichkeit und Gemeinschaft, Privatrechtliche Hebungen, EtaatSbildungen im Donaugebiet, Forschungsmethoden der Biologie, Entwicklung des KindeS. Allgemeine Geographie, FrWzösisch W Vorgeschrittene. ' (Die nachstehenden Ankündigungen sind entgeltlich.) Srendi. Okkasionsteppichhalle! Hmrderte von Lanftevpichresten, Möbelstosftn, Vorhang--. stoffrDen, Resten für Tischdecken, reduzierten Ueberwüvfen, Lanchr-eaüms ufw. In der Okkasionsr-estenhalle des großen Leppschhanses Orendi, Wien. 1. Bez., Fleischmarkt 1. Zugang gleich neben "dem KiW. * Tanzjnstitnt Hermann Braun, 14. Bez., Peindorfgasse 42. Mline und Kunst. SaWrl Arolts am Sentfchen Bolksthrater MWp Mater? Uwtz MuMM,^ ldas^a M-Hvü^mÄWeS.. des'europäischen Knüstlchens hmaufgewivbe-lt hat,' ein Stück guten, alten Theaters, für iden Geschmack des modtvcren Bürgers auf Glan« hevgerichtetr feinbürgerlilche.Kost, Gloire des. kleinen'Man-nes aus der GründerperiM! Äliso Äimodisch, nicht geballt, nicht gestalt, aber mit einer Aävttichen Liebe.zum Heim des Spießers geschaffen. Wir halben scheinbar nicht mehr viel übrig für.das Bolksstück, seitdem es Treppenwitze und Raumbühnenexperimente gibt. Und doch: sentimentale Erinnevungen an die Zeit der Dchoh rocke, der gastreNlgen Hausherren, an die Belächeluug sozialer Fragen tun wohl, wenn sie von einer gutgezimmerten Komödie und von einem echten «Komödianten hervorgezaulbert werden. Im Woliksthe ater ist jetzt ein Ensemble beis-ammen, das die veralteten Bolksstücke nicht nur erträglich, sonidevn zu einem Genuß macht. Und im Mittelpunkte Rudolf Tyrolt, ein Künstler voll lebendigster Eigenart, ein Fortsetzer jener urwüchsigen DhoaterspWunst, die, mag sie noch so antiquiert erscheinen, durch ihre Echtheit packt. Mm vor allem wendete sich Lie Begeisterun-g des dankbaren Publikums zu, das ,/D a s grobe Hemd" in ein feines Kabinettstück verwandelt sah. o. r. MteMnM am dem WbWm. Vas Mionsprogramm der Pariser Stoße« Sver. -Die Partiisoix Große Oper wahrt iilhr koHeatvaitides 'Geisicht.. Die junge ft-anMiche Musikergenoraiimr pocht vergeblich M die Tore des ehrwürdigen Instituts. Um so größer ist die Sorgfalt, imit der das Bild der älteren MUsiVatliischen Generation durch Ehre reprÄsentativM Werke ergänzt oder aüfgesvischt wird. Der Wmevster der fvanTösischen Musik Widor «kommt mit der Oper „Ne-rto" heraus, daun wird eine Reihe schon gelspMer Opern wieder herporgcholt und neu inszeck-ort. Unter diesen . Werken befindet sich die Oper „Mrarkü." von Mexanlde-r George, ,/sarlekin" von Max d'O l l o n e, „Escher" von M r r i o t t e und F e v r i e r s ,F'Jle desenchantee".. Wert R ouss el, dessen Oper „Cäsar nndKleopatra" in Frankreich vüÄ/gespielt wurde, hat ein neues Werk ,Pyra des Apollo", dessen Text von Theodor Reinach stammt, der Großen Oper zur UrnuMhruug übergeben. Won Andre B l o ch kdmmt das Poem. ,-Prelude 'ferigue" zur AuGichrnng; vom .Altnlsifter Vineont d'Jndy wird seine Oper ,,Jstar" wieder hervorgcholt; Roger Ducasse, dessen Oper „Ariane et Barbleu" auch Mt Wien gespielt wurde, wird mir dem lyrischen Melodrama „Orpheus" im Spielplau vertreteu sein. AnläUich einer'Garltier-Feier kommt ne>ben Tärrzen und Gesängen aus der Epoche 1830 bis 1875 der ,ArlWNph der Lisbe" .v-pn^L ul,l y zm^ Aulsführuug, das. eines der berühm? -iefft-en^ Zeit war. Auch .das Ballett der Großen Oper ist- Ulwerdvossen au der Tlribeit-'-An^ neuen- -Werkenbringt es die Dauzdichtung „Namouua" und eiin-Werk.von Leon Bakst, zu dem Aubert und Kuijllfirmoz die Musik geschrieben halbem. Eine der itto m K« h bi bi mm II. HOLLANDSTRASSE Nr. 14 NBRKAN MT BESTE KUCIHIE 9 ’!. Wipplingerstrasse Nr. 18 Richter: i. PretfiReMfllare ii. Barette. in den mannigfaltigsten Ausführungen erhalten Sie vorrätig und nach Mass bei billigsten Preisen beim Spezialisten RUDOLF.GOLDSTEIN. WIEN, Bl. TABQRSTRA«SE 54 Telephon 45-6*29 Gegründet: im Jahr« 1363 Telephon 45-6-29 Lieferant vieler inu. ausländischer Kultusgemeinden! Zahlreiche belobende Anerkennungsschreiben I Bor Grosses Lager-feiner Stoffe für Massbestellungen!' "3DQ Diplom. Optiker HuaoWolf Wien,!. Rötentürmstrasse 16 Und ' ' ‘. | 1 Graben 7 Die neue Brille berühmtesten AuWhrungen des Pariser Balletts, Rameaus „Platee" wird einer Auffrischung..untersosen und durch die Mitwirkung der berühmten Mssischen Tä-nzerLn S pe!s i v a iitt .einen festlichen Rahmen gestellt. Aus den Matem. ' B u r g t h e a t e r. Morgen' Mittwoch, 7 Uhr abends, Akademiethk' a t e r. Morgen Mittwoch, Uhr abends, „Der'. W e i b s t eu f e l". . S ch ö n b r u n n e r S ch l o ß t h e a t e r. Morgen Mittwoch, '‘AS Uhr,' „D er . W i d e r s p e nsti g en Zähmung". Staatsoper. Wegen Unpäßlichkeit des Kammersängers Tauber 'gelangt morgen'Mittwoch um 7 Uhr abends ftatf der angeküydigten-, Vorstellung „Die Fledermaus" „D e r f l i.e g e.u d e.. .H o l l a n d e r" zur Aufführung. Die für die Vorstellung '„Dis Flederm aüS" gelösten.Karten.. sind bis morgen Mittwoch, (7*5 llhr nachmittags, 'an der Tageskassa der Bundestheater, 1. Bez., Mäunerstraße 14, sowie an der Abendkassa der Staatsoper bis eine -Viertelstunde vor. Beginn der Vorstellung o l k 8 o p e r. Heute Dienstag „Die Afrika n e r i n". — Morgen Mittwoch . „D.er Bettelstudent". Im Deutschen V.o l.k 8 t h e a t e r spielt das Ehrenmitglied Dr. Rudolf T h r o l t morgen Mittwoch in Karl Schönherrs Komödie . „E r d e" den alten Grutz. Im R a i m u.n d - T h e a t e r geht Freitag den 19. d. ckls nächste Novität „D er S ch l a f w a g e n ko n t rollor", ein Schwank in drei . Men von Alexander Bisson, in Szene. Im L u st s p i e l t h e a t e r würde die Komödie ,,D i e Großen läßt man l a n.f. e n" von Ernst Gutsreund von der Zensur freigegeben. Die Erstaufführung findet demnach Freitag den 10. d. statt. Im ModernenTheater findet die Premiöre von Artur Schnitzlers „Komödie d e r W o r t e" mit Arnold K o r f f erst F r e t t a g -dem 10.- d., -7 Uhr abends, statt. Jüdischer Theaterabend. Donnerstag den 16. d. findet im Dheatersaal des Hotel Bayrischer Hof. eine Aufführung von I. Gordins „D br-Fremde" in jüdischer Sprache statt. Der Abend, welcher M 'Ehren des Schauspielers Markus Herschkowicz veranstaltet wird,, ist durch .eipe. Reihe künstlerischer > Darbietungen'der Herren N. Pre.i ß, Podeämcye und N ach L a r sowA des' 'Fräuleins CM B eil l' bereichert. Beginn halb 8 Uhx.> . - . Verband österreichischer Theaterdirektoren. Der Verband österreichischer Dheatevdivektoren hielt gestern in den Räumen des Ingenieur- und Architeklenvereins seine diesjährige Generalvevsammlüng. ah. Es waren 17- Theatervertreten. Die Erörterung der schwierigen. wirtschaftlichen Lage , der Theater nahm einen großen Teil der BeratünWeit in Anspruch. Jim allgemeinen. kam zum.Ausdruck, daß, eine M ehro e,l a st u n g der Theater, in welcher Form rinmer, derzeit undurch führ-!b a r sei. Der Rechenschaftsbericht, würde einstimmig genehmigt. In das Präsidium, wurden gewählt: Direktor Dr. Rudolf Beer als Präsident, Ministerialrat Dr. Alfred E ck m a n n, Leiter der Bundestheater, und Direktor Hubert Marischka als Vizepräsidenten. Der größte^ Bühnenerfolg aller Zeiten, ist bis jetzt das weltbekannte Lustspiel „C h a r l e h s T a n t e" von _ dem Engländer Brandon Thomas, dessen Todestag sich in diesem Jahre zum zehnten Male jährt. Das Stück wnvoe in London in den Jahren 1692 bis 1896 ohne..Unterbrechung täglich ausge'sLhrt. Es wurde in fast allen Sprächen übersetzt und in allen Ländern der'Erde anfgeführt.. Die Einnahme, die Vrandon aus diesem Werke hatte, ' wurden viele' Jahre ' hindurch auf 10.600. Mark täglich geschätzt. In England gibt es zahlreiche Schauspieler, die in ihrem Le'ben nichts anderes als Rollen aus „Charles.. Tante" gespielt-haben. Im Jahre 1013 grünldeten sie m London den „Charles Aunts Elüb", dessen Ehrenpräsident., der Verfasser ■ selber war. Braudon Thomas übrigens war trotz biefcS-• fRi-cfehoX^^ n i d;-t glücklich. Er war dadurch verbittert, daß seine ernsteren Stucke $u keinem Erfolg gelangen konnten. r Von de^ hebräischen Oper in PaWina. Der Sitz der Direktion dev. palästinensiichein Oper ist nmvmshr. endgWig Jerusalem. -Die fürdie bevorstehende Opern'saison neu engagierten Kräftks sind bereits in Palästina 'eiugetrMn. Ess smd oies ,die Damen Fedorowna, -Medubia.^ und (Herr Kvnstantinowsky, die'alle aus Moskau kommen. Die Proben zu „Aida", mit der die neue Saison eröffnet werden soll, haben bereits begonnen. Auch der Ghor, für den ein neuer Leiter bestellt woriden ist, wird für dieses Jahr bedeutend vergrößert. Gerichtssaal. Ser rafeade Autobandit. Am 4. Juli, imi 1L Uhr mittags, wurde dem Fäbriksbesitze^ Hans Egger ein Kraftwagen im Werte von 110 Millionen Kronen, der vox einem Geschäfte in der Inneren Stadt stand, gestohlen. Er machte sofort di« Anzeige. Um halb 5 Uhr nachmittags sah ein Obevwachmann diesen Wagen auf dem Hernalsergürtel in der Richtung gegen Döbling fahren. Schnell wurden nun alle Wachzimmer in der Fahrtrichtung des Autos telephonisch verständigt. In Döbling, an der Ecke der Eisenbähästraße, sah man auch wirklich den Wa-Mn daherkommen. Der Lenker bog jedoch auf das Halte>zeich-n in die Packofengasse ein und fuhr mit höchster Geschwindigkeit gegen die Heiligenstädtevftraße. Er wurde nun von Wache beamten mit eineni Kraftwagen verfolgt und .geriet «bei dem Versuch, zu «ntkornmen, in eine Sackgasse. Nun verließ er den Wagen und suchte zu flüchten, wurde aber eingcholt und sestgenonnnen. Der Feistgenommene, war der wegen Diäbst-cchles bereits schwer -bestrafte LOMrige Kraftwagenlenker Martin M o raw el. Er hat bereits im Jahre 1919 wegen eines Antodiebstähles zwei Iähre, und später wegen Diebstahles eines Dtreiswagens zweieinhalb Jahre schweren Kerkers verbüßt. Auch wegen Ti-ebsvahles von Autobestandteilen wurde er in Linz zu fünf Monaten schweren Kerkers verurteilt. Gestern hatte sich Moraüvek vor. eineni Schösfensenat unter Vorsitz des Hosrates Dr. Reim wegen Diebstahles nnd öffentlicher Gewalttätigkeit zu verantworten. Der Angeklagte leugnet den Diebstahl und erzählt, daß ein gewisser Willy, der Sohn eines Hausbesorgers am Sterneckplatz, mit dem Auto vor dem Cafe Rotunde vorgvfahren sei und ihn gebeten habe, eine Reparatur vorzunchnien. Sie seien dann „Zum Auge Gottes" in die Nnßdorserstraße gefahren, wo Willy sich entfernt habe und nicht mchr ziirnckgekehrt sei. Wem das Auto gehöre, habe er nicht ge-wußt. Auf di-e Haltesignale der Wachleu-t« habe ernicht achtgegeben, tver'l er fürchtete, wegen Schnellfahrens angelhalten zu werden. Alle Bemühungen, den Willy auÄfindig zu machen, Weben vergeblich. Der Gerichtshof erkannte den Angekklagten -der Die-bstählsteilnchmung sowie der . öffentlichen Götoalttätigkeit schuldig und Verurteilte ihn zu einem Jahre schweren iKerkers. Eine Strafanzeige wegen der Stromausschaltung im ersten Bezirke. Das Exekutivkomitee des Hausbesitzerbereines im ersten Bezirke hat den Beschluß gefaßt, wegen der Stromausschaltnng im ersten Bezirke (anläßlich des Metallarbeitersireiks) die -Strafanzeige gegen unbekannte Täter zu er statten. Der kriegsblinde Konzipient als Parteienvertreter. Eine durch die Person des. klägerischen Vertreters bemerkenswerte Verhandlung fand heute vor dem Bezirksgerichte Fünshaus statt.-Auf den Namensaufruf Leopold Novotny trat vorerst ein junger Mann, groß, schlank, geführt von einer jungen Dame, an den Gerichtstisch, woselbst der Richter, Landesgerichtsrat Dr. Weinlich, verhandelte. Der junge Mann trug ounkle Gläser. Er stellte sich dem Richter vor als Doktor- David Schapira, Konzipient des Rechtsanwaltes Doktor- Hugo Lichtenstern. Er legitimierte sich als Vertretung sberechtiat. Dr. Schapira ist kriegsblind. Mit vollendeten 17 Jahren ist er mit Notmatura einaerückt. Als Kriegsblinder ist er zurückgekommen. Er ist den inristischen Studien obgelegen, hak alle Prüfungen mit sehr gutem Erfolge abgelegt, den Doktortitel erworben und ist heute Kon z ip i c n t in obgenannter Kanzlei. Der Verhandlung folgt er mit gespanntester Aufmerksamkeit. Neben seinem Anwaltplatze saß seine Begleiterin, die er hie und da etwas fragt. Er hat vor sich keine Arten liegen, kein Papier, keinen Bleistift. Nichts destowemaer weiß er glänzend Bescheid über den zur Verhandlung stehenden Gegenstand. Gegenstand der Verhandlung ist eine Ehrenbeleidigungsklage, die der kriegsblinde Dr. David Schapira vertritt. Der Beschuldigte Leopold Nowotny ist Hausbesorger und hat der klagerischen Partei das Götzzitat als Abschluß in einem Streite zugerufen. Dr. Schapira beantragt strenge Bestrafung und führt unter anderem aus: Seit längerer Zeit ist das inkriminierte Zitat ganz b e so n d e rs Gegenstand von Ehrenbeleidigungsklagen. Die Beschuldigten reden sich meistens damit aus, daß sie den Satz nicht als Ehrenbeleidigmrg, sondern höchstens als Unart ansehen können. Es ist unnötig, daraus hinzuweisen, daß diese Worte ganz besonders geeignet sind, den so Apostrophierten dem Spotte urtb der Verachtung preiszugeben. Landesaerichtsrat Dr. Weinlich verurteilte den Beschuldigten, der die Beleidigung zugibt, zu einer Geldstrafe von 300.000 Kronen. Während Dr. Schapira sich mit der Strafe zufrieden erklärt, beruft der Verurteilte. Der kriegsblinde Rechtsanwaltswärter verließ, geführt von seiner Begleiterin den Gerichtssaal, sich von dem Richter durch eine Verbeugung nach der Richtung, wo dieser sitzt, verabschiedend. Das Auftreten des unglücklichen jungen Mannes als Vertreter im Gerichtssaale hat auf alle Anwesenden tiefen Eindruck gemacht. Der stumme Einbrecher. Julius K i r s ch n e r, ein vorbestrafter Einbrecher, wird von zwei Justizsoldaten in den Gerichtssaal geführt. Vor einigen Wochen schon war er vor dem Schöffensenat gestanden und hatte auf alle Fragen geschwiegen. Die Verhandlung wurde damals behufs Psychiatrierung des Angeklagten vertagt und gestern zu Ende geführt. Präs.: Die Psychiater sind zur Ueberzeugung gelangt, daß Sie ganz vernünftig sino und nur simulieren. Sie heißen Julius Kirschner und sind wo geboren? — Der Angeklagte verdeckt seinen Kopf mit dem Kragen seines langen Mantels und schweigt. — Präs.: Sie leben von Ihrer Frau getrennt und sind wegen Diebstahls mehrmals vorbestraft? — Der Angeklagte schweigt. — Präs.: Die letzte Strafe war vier Jahre. Nach Heren Verbüßung haben Sie neuerlich gestohlen. Ist das richtig? Der Angeklagte gibt keinen Laut von sich. — Präs.: Sie verbessern Ihre Situation durch Ihr Verhalten nicht. Sie haben doch in der Voruntersuchung ein volles Geständnis abgelegt. Wenn Sie Rede und Antwort geben, könnten Sie ja ihre Tat vielleicht in einem milderen Licht erscheinen lassen. Wollen Sie nun endlich sprechen? — Der Angeklagte versenkt feinen Kopf vollends in den Mantel. — Verteidiger (zum Angeklagten): Ich rate Ihnen dringend, geben Sie das Schweigen auf. Kirschner befolgt den -Rat nicht. Es wurden nun alle auf ihn bezüglichen Akten verlese». Nach dem Gutachten der Gerichtspsychiater wurde dos Beweisverfahren geschlossen und der Angeklagte gu sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt. Er machte eine wilde Bewegung, als oh er exzcdieren wollte, wurde aber von den Wachorganen überwältigt nnd au§ dem Saale getragen.