Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-10-07 · Heft 2026 (7.10.1924) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2026 (7.10.1924)
Date
1924-10-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2981109--20716-3007965
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

srr. Suse Wien, $fen5t<tfl Wiener Mopgenzestung. 7. Oktober IM Sekte 7> 3ur Geschichte der Ban Dr. Pan! I. Diamant. Es ist em altes Gedürfriis der Menschheit, Gedanken, Gefühle mild Gttnmmmtzen iw Symbolen aiUszndvücken. Von den Abesten Perioden der primitiven Menschheit aügegangen Aszur heutigen Zeit der modernen Parteien haben .symbolische Zeichen auch stets als Abzeichen, geheime aber offene Erkennungszeichen von Völkern, einzelnen Volksgruppen, Religionen, Sekten, kurzum soziologischen Grup- >pen aller Art gedient. Als solche Zeichen dienten 'häufig Tiere (der Fisch bei den Urchristen), Pflanzen (die weiße und rote Rose bei Öen englischen Pavtsikämpfen), Gebrauch s ge genstäu de (der Bundschuh in den deutschen Baovevnkrtegeu, das Liktorenbündel der altröntischeu Magistrate und der neurömischen FaSzisten); sehr häufig nur Buchstaben- oder geometrische Zeichen. Zu letzteren gehören das Kreuz, der David-Schild ititb das Hakenkreuz. Dieses, in den letzten Jahren als Symbol und KWtPfMchm der deutschvölVischen Juden« feinde irr den Gesichtskreis der Juden getreten, ist seinvnr Ursprung und seiner eigeiMchön Bedentug nach noch ziemlich nrr'klar, wenngleich eine Unzahl von Pseudowisseirschaftlichen Broschüren erschienen ist, die sich bönmhen, es als altarisches und altgernranisches Synrbol zu erklären. (Reberrbei gesagt, ist der Ursprung und die Bedeutung des Magen David, -es David-Schildes ebenso unklar, obwohl es eine Unmenge ErklävrMgsdersuche dafür gibt.) Es ist daher für diejenigen, die sich ms irgend einem Grunde für das Hakenkreuz und seine Geschichte interessieren, wichtig, daß nach der Flut von unwissenschaftlichen Broschüren eMich einmal eine ernste Abhandlung erschienen ist, die unbeeinflußt von der lauten Tagespolitikciuif strengwlsfenschastlicher Gmndlage dieses Thema behandelt. Bemalte Scherbe «»8 der Latenezett. Jörg Lechler versucht >in feinem Buche ,$ottt Haikenkreuz, die Geschi.chte eines Symbols", (Vorzeit, Nachweise und Zusammenfassungen aus dem Arbeitsgebiete der Borgeschichtsfovschung, in Gemeinschaft mit Fachgenessen herausgegeben von Hans Hahne, Band 1, 5 u. 28 Seiten, 36 Tafeln, mit 381 Abbildungen, Kah.itz ch, Leipzig 1928), den Ursprung, die Bedeutung und die Geschichte des Hakenkreuzes m allen Ländern klarzuilegen. Kennzeichnend für den relativ geringen Erfolg solcher Untersuchungen auf diesem wenig bearbeiteten Gebiete der Wissenschaft ist die rein äußerliche Tatsache, daß das Buch, Hinschließlich Geleitwort, Vorrede und Literaturnachweis nur 27 Seiten Text «nithält, dagegen in dankenswerter Menge 351 Abbildungen ausweist. Das vielleicht ungewollte Ergebnis dieses Buches nun ist We denjschvölkische Kreise beschämend, für Inden allenfalls erheiternd. Das Hakenkreuz erweist sich nämlich keineswegs als urgevmamsches Symbol, sondern als ein Symbol und ein Ornament, das zu allen Zeiten und fast bei allen Völker vochmrmt. Das Bildermaterial enthält zuerst eine Uebersicht über die Hakenkreuzformen, dann die geographische Bevbveiung über säst ganz Europa, Vorderasten, Indien, China, Japan, Rordafrika Wschantineger), Nord- MM- und Äi'damerrka (Kansas- und Pirna-Indiana, Skilptuven aus Mahapan und bei den ZaubeMten der Medizinmäimer). Irr zeitlicher Bezichnug wäre zu er. wähnen, >daß >daS Hakenkreuz bereits in prähistorischer Zeit, und zwar schon in der Steinzeit erscheint. - zweien Sl-.idi Trojas durch Schlie mann aufgedeckt worden. In der Bronzezeit hätte sich dann das Berbreitungsgebjlet in einen östlichen und westlichen Ast geteilt. Das östliche DevbwiKmgsgebi-et erstreckte sich dann über Kteinasien, den Kaukasus, über Indien, China und Japan. In China wurde es durch einen Erlaß der Kaiserin Wu (661 bis 701) als Wortzeichen für die Sonne offiziell eingrsührt. Von Asien sei es dann über den Landweg nach Amerika hembergekomimn. Letztere Behauptung, sowie überhaupt die Theorie des einheitlichen Ursprunges des Hakenkreuzes wird von vielen Fachgenossen des Autors, insbesondere Mötofindt, bestritten. Dieser woist auch daraus hin, daß entweder eine rein chronologische Anordnung der Länder mach dem jeweiligen ersten Auftreten des . Hakenkreuzes zu geben gewesen wäre, oder, noch besser, wenn hier von einer t h p o l o g i s ch e u A n a l h s e der ei uze l- Um Formen ausgegangen' wäre, die irr dieser Frage ja eigentlich allein nutzen fcuiu. („Wiener Prähistorische Zeitschrift", 6, Wh \i.mß i Relief aus Chirhet Abde, Siidpalästma. (Aus Musil. Arabia leträa 2. S. 136.) Ucher diie ursprüngliche Bedeutung des Hakenkreuzes ist En sich noch nicht ganz im Aaren. Es ist nicht unmöglich, >datz es vielfach überhaupt keine symbolische Bedeutung hat, sondern nur ein Ornament darstellt, >das sich leicht aus der spielerischen Tätigkeit des Urmenschen erklärt: Zwei senkrecht sich kveiuzende Linien, die in ihren vier Endpunkten wieder vier senkrecht darauf stehende OuevbaKen tragen. Andererseits ist in vielen anderen Fällen deutlich als ein Symbol der Sonne zu erkennen, toi eg sehr häufig in Berbindnug mit den Darstellungen des Sonnengottes und anderen Sonnensymbolen. vorkomimt, worauf schon Wilke in feinem Werke „Kulturbeziehungen zwischen Indien, Orient und Europa" hingewtesen hat. Nicht vergessen aber darf ivevden, daß das Hakenkrouz (und Kreuz überhaupt) auch in „semitischen" Ländern, in Palästina vorkommt, so in den von Macalister ausgegrabenen Aün - Schuscha (Gezer), in dem von Flinders Petrie ausgegrabenen Tell el Hasi und in den von Musil erforschten Ruinen Ver südpälästmeusischen Stadt C h i r b e t Abele (W. Mb, 3). fämw mmm WäM Kriegsschild der Pima-Jndianer. Sensationell ausgeischmüütc Zeitungsteleg-ramme wußten kürzlich von der durch 'ein« dänische Expoditiion wfolfgten Entdeckung eines Hakenkreuzes in den Ruinen der Syn a g o g e b o n Capernan m am Tiberiasee zu melden. Daran 'ist kein Wort wahr. Schreiber dieser Zeilen hatte vor wenigen Monaten Gelegenheit, die von den deutschen Forschern Kohl und Watz i u g e r durchgefühvten und von den Franziskanern als Besitzer des Grundstückes fortgesetzten Ausgrabungen eingchend zu besichtigen, konnte aber von Hakenkreuzen keine Spur entdecken. Es handelt sich uälMch um zwei gekreuzte Mäa-nderlimen, die dem oberflächlichen Beschauer ein Hakenkreuz Vortäuschen. Hätten sich die ,,Entdecker" die fMstverstäMiche Mühe gegeben, das gründliche und reichillustrierte Werk von Kohl und Watziiiger „Galiläische Synagogenruinen" nur durch- Kublättevn, so hätten sie auf Seite 119 und 121 (Abbildungen von der nahegelegenen Ruine der Synagoge von ed-Dikke) ganz ähnliche Ornamente finden können, die ganz richtig als Mäander gedeutet wurden. Las Wetter. Amtlicher Wetterbericht: Sonntag abends begann es' nach rascher Trübung im Osten Oesterreichs zu regnen. Gestern nachmittags setzte wieder Aufheiterung ein. Voraussage: Unsicheres Wetter, wahrscheinlich heiter, in den Nordalpen föhnig. Chinesischer Opserkessel. Als älteste Heimat des HakenkveiuzeS nimmt Lechbvr das Ge>bie.t der unteren Donau, md War Siebenbürgen an. Sehr häufig ist' dieses Ornäment in der fvMMNtln . ' Schneefälle in Frankreich. Im Departement Sott hat unverhältnismäßig früher Schneefall eingesetzt. Man befürchtet UeLerschwrtumnngen. In der Angelegenheit der Depositenbank tvaren gestern keine neuen Details zu verzeichnen. Auch die Frage der Sanierung des Hanfes Castiglioni hat vorläufig keinen Fortschritt aufzuwciseu. Der juristische Vertreter der Ban ca c o m m e r c i a l e Dr. G i r i st i a n i, der seit einigen Tagen in Wien weilt, ist nach Mailand gereist, um dort über den Stand der Castiglioni-Angelegenheit Bericht zu erstatten. Hingegen ist der finanzielle Vertreter der Bank Rosst weiter in Wien geblieben. Es verlautet, daß der Direktor der Banca oommerciale Töplitz in der nächsten Woche in Wien eintrefsen wird, um endgültige Entscheidungen zu treffen. Mittlerweile ist fiir die Depositenbank die Geschäftsaufsicht um 14 Tage v erläugert worden. Man hofft, in dieser Zeit die Verhandlungen mit Castiglioni zu einem gedeihlichen E n d e zu bringen. vWJP Die Eröffnungsvorstellung des Zirkus Hagenbeck. Es ist wieder so wie in entern Zirkus. Draußen ganz». Völker von Bubeu, die, aufgeregt und lärmend, von der Wache.immer wieder verjagt, die Herrlichkeiten bereden, die sie ausladen gesehen haben; Autos, die sich ratternd den Weg bahnen und zwischen Neidischen Spalieren durch die strahlende Helle der sonst so armseligen Zirkusgasse hevankoininen. Drinnen im Rund des weiten Raumes die Zuschauer, von Scheinwerfern mit farbig wechselndem Licht übergossen. Laute, lärmende Zirkusmusik, viel Blech und Trommeln. Das Programm, das gute vier Stunden zur Abwicklung braucht, ist schone gute Artisten- und Dresseurkunst. Ganze Herden von Kamelen kommen, an ihrer Spitze Hamlet'. So wie sich das für den Träger eines solchen Namens gehört: ernst, würdig, von hem Unwert dieses Seins in so fremder Umgebung erfM. Sie schreiten, toie mir Kamele -das tun können, ein wenig verärgert ob der seltsamen Dinge, die ihnen der Herr und Meister zumutet. Sie . fallen manchmal in Trckb, -wandeln in Schlangenlinien, knien im Staub, zerstören die kunstvollen Arabesken, die in den Sand gemalt waren und denken ernsthaft darüber, nach, weshalb sie eigentlich das Beispiel dex dummen Menschen nachcchui-en und Tango tanzen sollen. Ein paar luftige Zebras und ein Guanato treiben sich unter ihnen herum und holen sich einen SpeKtalapplans bei dem beifallsfreudigen Publikum. Dann kommen in unendlicher Reihenfolge Pferde, einzeln und in Rudeln, edle, vornehme Zucht. Fräulein Anita kommt als Parforcereiterin, vier iMMsche Ponys führt Herr G l a u e r t vor, Salem B - n Faragi springt über sieben Pferde, vier Paare rasen in unwahrscheinlicher Hetzjagd durch die Arena, zwei Schwestern, die Geschwister Ca rre, führen formschöne athletische Uebungen im Sattel aus, Herr Patoletri. der umsichtige Regisseur, kommt mit LipiMnern und Trakehnern. Dann erscheinen wieder Elefanten, wandeln murrend und widerhaarig an den behenden Clowns vorbei. Das heitere Komikertrio Spichalski, Briks und Tony führt eine Filmgeschichte mit Eifersuchtsszenen auf, unterbricht vergnüglich die Reihe 'der Dresiuren und teilt sich in dieser gern beklatschten Tätigkeit mit fünf bravourösen Turnern Alberti, deren Produktion hoch oben am schwingenden Reck und Trapez manchem den Atem nimmt. Herr Kremo mit seinen vier Kindern, die ihre Exerzitien in äschetisch anmutigem Bild bringen, findet starken Beifall, ebenso ein couragierter Bub, der sich als waghalsiger Reiter von nichts imponieren läßt. Den Schluß bilden Eisbären, ulkige Kmgenbären, die Herr Schilling vorführt, und ein halbes Dutzend Tiger, 'deren vollendete Dresinr Herr Kaden dem Publikum zeigt. Das Haus, bas viele Verbesserungen aufweist, war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt. Ae Liebftghle in Drogengrobhandlungen. Milliardenwerte verschleppt. Die Angelegenheit der gemeDeten DrogendiebstWe nimmt immer größeren -Umfang an. Der Kreis der Beschulldiglen erfährt noch immer eine Erweiterung. Auch die Zahl der geschädigten Firmen ist noch nicht abgeschlossen. Der Wert der gestohlenen Präparate gcht in die M i l l i a rd e n. Von vielen Seiten bemüht man sich, den Schaden, soweit es gcht, gutzumachen. So wurden von einer Seite am 4. d. ein Kofser und zwei Pakete mit pharmazeutischen Artikeln im Werte von etwa 40 Millionen im Sicherheitsbureau de-, paniert. Bei der Firma „P y r a" wurden Waren im Werte von etwa 1.20 Millionen beschlagnahmt. Diese Firma hat erwiesenermaßen nur gestohlenes Gut gekauft. Drei Koffer mit Waren im Werte von 80 Millionen, die der verhaftete Magister Fischer noch am 1. September hatte aus seinem Wöhuhause schaffen und zu Bekannten bringen lassen, wurden auch beschlagnahmt. Von einem Bekannten des vechafteten Drogisten und Betrichsrates S ch a fra n ek, bei dem bei der Verhaftung schon etioa 10 0 M i >N io n e n gefunden wurden, wurden Goldstücke, Valuten, foivie Wien im Werte von 1ö Millionen, die Schaftanek ihm in Verwchrung gegeben hat, hinterlegt. Gestern erst ist ein Rechtsanwalt im Sicherheitsbureau erschienen und hat fünf Kisten mit pharmazeutischen Artikeln im Werte von weit über 100 Millionen deponiert. Bon wem diese .Ware stammt, die erwiesenermaßen bei -der Firma Fritz Petz old gestohlen worden ist, konnte bisher nicht ermittelt werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.