Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2026 (7.10.1924)
- Date
- 1924-10-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Wien. Dienstag Wiener Morgenzeituns. mk 2 LuderlÄorffs einen' Unsinn nach dem andern aufführt? Daß hier iu Wien die Atmosphäre der Waffendepots herrscht und sich die Reaktionären aller Nationen in brüderlichem Einklang mit den russischen Kommunisten dies zunutze machen? Alan versteht es, daß Oesterreich an den großen Besprechungen nicht icilnahm. Es hat durch einen Gesandten erklären lassen, daß es immer für die Wrüstung sei! Die Behandlung der jüdischen Studenten allein ist ein Dementi. Es kommt nur darauf an. diesen Widerspruch zwischen Dheorie und Praxis, zwischen den beiden Gesichtern dieses Staates recht deutlich in das Licht der Oesfentlichkeit 51t stellen und die arischen Schnorrer doch wenigstens zur Vorsicht zu zwingen. Sie volttischen Fortschritte in AMrm. Von Kolonel Kish, Mitglied der Zionistischen EMrlive. Im „Haolarn" und in .,Now Juden" äußert sich Kolonel Kisli, der Leiter -b£§ Politischen Departements der Zionistischen Exekutive, in Erez Israel, in folgender Werse: -Wenn ich aus unsere politischen Erfolge im vergangenen «Jahre zurüMicke, so tue ich dies von dreierlei Gesichtspunkten aus: Unsere Beziehungen zu Len Arabern» unsere Beziehungen zu der Rgierung und die Entwicklung' unserer kommunalen Solidarität in nationaler Hinsicht. Die politische Basis unserer Gesamtarbeit bleibt das SBianbat. Was unsere Beziehungen zu den Arabern anlangt, so hat diefts Jahr einen ganz bedeutenden Fortschritt gebracht. Die Zeit hat diel idazu beigetragen, die Unruhen- und Zwischenfälle, die unter dem Militärregmie vorkamen, zu verdrängen. Seit dem Fehlschlagen des Versuches eines Addisory Couneil hatten die Agitatoren kerne günstige Gelegenheit mehr gefunden, unter den arabischen Massen Rassenhaß zu verbreiten. Sich selbst überlassen, zeigen die Araber eine natürliche Neigung zur Verbrüderung mit den Juden. Im vergangenen Jahr haben wichtige Schichten der arabischen Bevölkerung, die bis dahin sich schweigend verhalten hatten, angefangen, politisches Verständnis zu zeigen, -was vordem recht spärlich zum Ausdruck gekommen lvar. Die negative Politik des mohammedanisch-chriMchen Verbandes, die darin bestand, gegen jeden von der Administration vorgeschlagenen Fortschritt zu opponieren, ist endlich von vielen Führern der arabischen Meinung in ihrem wahren Wert evkannt worden, während gleichzeitig auch die Fellachen zu begreifen ansangen, daß das Streben der Juden, Palästina -zu einem hochentwickelten und blühenden Land zu machen, allen Einwohnern Segen bringen kann. Die Begründung und Vergrößerung der Bauernpartei ist bereits ein Symptom dieses neuen Verständnisses, das sich zugleich auch in einem engeren Zusammenarbeiten zwischen Juden und Arabern sowohl im sozialen, wie im wirtschaftlichen Leben äußert. Zwei ganz von einander unabhängige -Beispiele dieses Zusammengehens mögen hier erwähnt sein: der Londoner Besuch einer gemischten jüdischarabischen Delegation, um im Colonial Office die Forderung bet Stadt-Jaffa auf den Hafenbau zu vertreten (Siehe Ziko Nr. 29 und 34), und die absolute Einigkeit zwischen den jüdischen und arabischen Fuhrleuten bei -dom kürzlichen, Chaufseurstreik (Ziko Nr. 27). Dieses engere Eiuiggehen der beiden Bevölkerungsteile gestaltet die Lebensführung zweifellos -glatter und wirkungsvoller, und 'die soziale und ökonomische Zusammenarbeit bildet den besten Weg zu vollkommener politischer Verständigung. Der Besuch König Husseins vom Hedschas in Amman braucht nur kurz gestreift zu werden, nachdem die Exekutive stets ihren Standpunkt aufrechterhalten hat, daß Palästina keineswegs zu dem Interessengebiet .dieses Fürsten gehört. Der Erinnemng wert ist jedoch die Tatsache, daß König Hussein, von dem die arabischen Wremisien gelegentlich seines Besuches in Amman eine niederschmetternde Kundgebung gegen -den Zionismus erhofft Chatten, -und die keinen Stein auf dem anderen gelassen -hätten, um dieses Ziel zu erreichen, in Wirklichkeit nicht nur eine jüdische Delegation mit echt arabischer Höflichkeit empfing, sondern -auch wirk-- lich nicht das geringste tat, um die Stellung unserer Opponenten zu stärken. Wa's unsere Beziehungen zur Regierung betrifft, so traf ich kurz nach meinem Eintreffen im Lande.mit ihr in Unterhandlungen, um die Position der Zionistischen Exekutive, die gemäß Artikel -4 des Mandates als öffentliche Körperschaft zwecks Beratung uud Zusammenarbeit mit der Administration bei Angelegenheiten, die die Errichtung der.jüdischnationalen Heimstätte betreffen, als Iewish Agency anerkannt wurde, auf eine reguläre Basis zu stellen. Diese Unterhandlungen führten zu einer Beseitigung jeglicher zweideutiger Auslegung unserer Position seitens der Regieruugsbeamten, so «daß mau jetzt sogar innerhalb eigener Angelgenheiten unseren Rat und unsere Mitarbeit sucht. Wir müssen jedoch sorgsamst unsere Rechte, die uns unter diesem vitalen Mandat'sartikel zustehen, überwachen, der zurzeit das -einzige Instrument >darstellt, mit dem das jüdische Volk -in 'der Verwaltung des Landes, für dessen Entwicklung es sich so stark einsetzt, feine Stimme zum Ausdruck bringen kann. Der letzte Punkt, den ich in diesem Artikel noch zu berühren wünsche, ist der Fortschritt in der nationalen Konsolidierung des Jischuw. Gin solcher Fortschritt kann 'nicht au Zahlen gemessen oder an Tatsachen abgeschätzt werden, es ist dies mehr eine psychologisch sich entwickelnde Angelegenheit. Ich bin der Ueberzeugung, ,daß der Fortschritt im -vergangenen Jahr ein bedeutender war. Daß der «Jischuw sein« Kraft wachsen fühlt, geht klar aus der immr stärker zum Ausdruck kommenden Tendenz hervor, sich den ihm täglich gegenübertvetenderü Aufbauproblemen ' zu widmen und zu gleicher Zeit „Schrecknisse" und unnötige politische Aufregungen z'u verMcid-en.-Dennoch kann ich mich nicht-enthalten, mein Bedauern zu äußern, -daß der Jischuw in feiner internen Organisation so wenig.Fortschritte gemacht hat. Aveifello's hat diese Schwäche mit zu den Schwierigkeiten beigetragen, '/von der RVgierpng für die Autonomie der jüdischen Gemeinde ' die Legälisierung zu erhalten. , . - Trotz dieser Kritik ist der. Fortschritt wirklich da und soll sich weiterentwickelu. Die überwiegende Mehrheit unserer Bevölkerung in Palästina denkt national und 'handelt national, selbst unter Gefahr großer persönlicher Opfer. In dieser Beziehung müssen wir uns sogar vor Uebertreibuug hüten und daran -denken, daß jeder, der für -sich ein Heim auf sicherer Grundlage errichtet/ den für das Natiomlheim dauerndsten Beitrag liefert. . Durch das Inkrafttreten des Lansanner Vertrages kann die Regierurrg nunmehr an das 'Bürgerrechtsgesetz herantveten. Endlich hat die Administration die Notwendigkeit erkannt, die industrielle Entwicklung des Landes - unterstützen zu müssen, da, nunmehr jüdische Industrielle in der ganzen Welt - für Palästina als ein Land für ihre Betätigung steigendes Interesse zeigen. Unsere landwirtschaftlichen Siedlungen int Eine! machen gute Fortschritte und unsere Position in Nes-eiM Gebiet konsolidiert sich zunehmend. Diese und noch andere Faktorenrechtfertigen die Hoffnung, daß di« politischen und wirtschaftlichen Fortschritte im -vorigen ,Jahv auch im kommenden an ha lten werden. Durch politischen uud durch wirtschaftlichen Fortschritt kann, unsere Einwanderung gesteigert werden, was stets erstes Ziel unserer gesantten Arbeit bleiben muß, während zugleich für unsere wachsende Bevölkerung- Bildungsmöglichkeiten geschaffen werden müssen, die zur fveien Entwicklung einer - nationalen jüdischen Kultur in ihrem 'wahren Ausmaß führen können. Zu den politischen Fortschritten -sind ferner zu rechnen die im vergangenen Jahrfür die hebräische Ilniversität und das Haifaer Technikum unternommenen Schritte sowie auch die Uebersiedlung von. Chaim N. Bialik nach Palästina, -denn unsere' kulturelle Entwicklung ist eine konstruktive Kraft, die uns unserem Ziel sicher 'entgegenführt. Zer K. WeVMed«Äs«sreß. Die Eröffnungssitzung. Berlin, 6. Oktober. Gestern fand im Plenarsitzungssaale des Reichstages die Eröffnungssitzung des ^.Weltfriedenskongresses statt. Senator L af 0 n t a i n e (Belgien) hielt eine Ansprache, in welcher er erklärte, es sei Aufgabe des Kongresses, zu prüfen, ob die von den Diplomaten in Genf ausgearbeiieten Vorschläge, die diesen Zielen dienen sollen, wirklich geeignet seien, zukünftige Kriege zu verhindern. Das Versprechen teilweiser Abrüstung sei nur' ein bescheidener erster Schritt und müsse von einer wirtschaftlichenALrüsiung begleitet sein. Denn die Zollschranken bildeten eine beständige Ursache zu Konflikten. Eine einheitliche Zollunion der Welt müsse angeregt werden. Der Präsident der französischen Liga für Menschenrechte Buisson gedachte der für die Sache des Friedens gefallenen Märtyrer, besonders James'. Frau Pethick-Lawrence (England) überbrächte die Grüße der englischen Friedensfreunde und schilderte die Bewegung der Kriegsverweigerer in England. Sie schloß mit einem Appellaudie Frauen der Welt, deren Aufgabe es sei, Leben zu geben, aber nicht Leben zu zerstören. Dr. Stibin (Tschecho-Slowakei) bezeichnet es als nächste Aufgabe her Friedensfreunde in allen Ländern, eine Volksbewegung zugunsten der Ratifizierung derGenferBeschlüsfezu entfachen, damit die Idee der Abrüstnng endlich Wirklichkeit würde. Hierauf begrüßte die Versammelten der Vorsitzende Jrithjof Nansen, zu.dessen Ehren sich alle Versammelten von den Plätzen erhoben. Nansen führte aus, die Genfer Arbeiten bedeuteten einen großen Schritt vorwärts. Der frühere Reichstagsprasident Loebe gedachte der verstorbenen Vorkämpfer für die Friedensidee. Als er den Namen Karl Liebknecht nannte, setzte starker Beifall ein. In diesem Augenblick rief von der Tribüne ein Besucher: Ermordet durch euch! Ihm antworteten Entrüstungskundgebungen aller Versammlungsteilnehmer. Loebe erinnerte sodann an Ludwig Frank, I au re 8, Wilhelm Förster, Hans Paasch e, Erzberger und R a t h e n a u und führte weiter aus, die Veteranen der Friedensbewegung könnten jetzt mit Stolz wahrnehmen, daß ihre Saat üufgehe und die Wahrheit marschiere: Er schloß mit der Aufforderung: Hi nein in d en Völke r bün d, hinein in das Genfer Abrüstttugsabkommen. ■ Der Reichspräsident hat heute nachmittags eine Abordnung der Teilnehmer am Weltfriedenskongreß empfangen. In der heutigen Sitzung des Weltfriedenskongresses wurde die allgemeine Anssprache über die politische Lage fortgesetzt. Hierauf wurde einstimmig ohne Debatte eine Entschließung angenommen, in der es unter anderem heißt: Der Kongreß ist der Meinung, daß die Annäherung der Völker, die im Weltkriege Gegner waren, insbesondere Frankreichs und Deutschlands, das dringendste Bedürfnis der Menschheit darstellt. Der-Kongreß betont jedoch andererseits, daß die loyale und vollständige Erfüllung der Retzara- 7. Woher 1924 . ,, Nr. 2926 ti 0 neu und der Wiederanfba u der zerstörten Gebiete Frankreichs uud Belgiens unerläßlich ist. Wie Berlin wirklich zur Frivdensbeweguyg steht. Die Friedenskonferenz beabsichtigte, in Potsdam eine Versammlung abzuhalterr, in welcher der Professor an der Pariser Sorbonne B a s ch (ein Zionist und in- und außerhalb Frankreichs bekannter Pazifist) sprechen sollte. Die Rechtsradikalen drohten, diese Versammlung nm allen Mitteln zu verhindern und der ihnen gefügige Potsdamer Polizeipräsident drohte) Basch in Schutzhaft zu nehmen, wenn er nach Potsdam käme, da sonst die Sicherheit des Redners nicht verbürgt sei. Damit wollte der Vertreter der Staatsgewalt die Versammlung unmöglich machen. Ans diese Drohung hat der Gelehrte mit der Bemerkung erwidert, er bitte dann nur, daß er i in S ch l 0 s s e F r i e d r i ch s d c s Großen, und zwar im Schlafzimmer Voltaires diese Schutzhaft verbringen dürfe. Schließlich gelang es den Hakcttkreuzleru, den BeNbcr des Saales dazu zu bewegen, daß er die Erlaubnis zur Benützung zurückziehe, so daß die Versammlung dadurch unmöglich wurde. Spät abends wird gemeldet: Die Versammlnilg der Liga für Frieden und Freiheit in Potsdam hat begonnen. Die Versammlung findet im GewerkschastshauZ statt und wird von einem Kordon von S ch u tz l e n t e u und von Ordnern des Neichsbundes schwarz-rot-gold bewacht. _" Max Waechter sckarben. Aus London wird gemeldet: In Richmond ist Freitag Sir Max-Waechter im 87. Lebensjahr gestorben. Sir Max Waechter, der Sohn eines Stettiner Wein- Händlers, ivaäderte in junger: «Jahren nach England aus. erwarb Hort das Bürgerrecht und wurde Teilhaber eines Großhandlungshanses. Bekannt wurde er durch sein philanthropisches Wirket: und durch eine rührige Propaganda für veil Gedanken eines V ö l k e rb u n des zur Verhinderung von Kriegen. Es schwebte ihm ein wirtschaftlicher Bund der Staaten Europas vor;, er wollte die Vereinigten Staaten Europas gründen. Für -diese Idee setzte sich Waechter unter Aufopsevung 'bedeutender Geldmittel ein; er unternahm auch eine Reise -in die europäischen Hauptstädte, um Anhänger zu gewinnen und hatte Unterredungen mit Potentaten und leitenden Staatsmännern. Orden, die man ihm anbot, wies er zurück, ,Jch will keine Auszeichnungen," .sagte er, „ich will gehört werden". ' Hie griine Internationale. Brugg, 6. Oktober. (Schw. Dep.-Ag.) Vertreter Amerikas, . Frankreichs, der Tschecho-Slowakei, Italiens, Deutschlands, Englands. Hollands, Uitgarns.und der Schweiz sind hier unter dem Vorsitz des Professors Doktor Laut zusammerMtreten, um die internsti0 u-aIc Organisation der Bauern für die im nächsten Jahve, stattfmdende Delegiertenversammlur,^ der Baueruvvganisationen in Warschau.vorzubereiten mrd. die international, uud national zu behandelnden Fragen auszuscheiden. Es soll ein internationales B a u e r nsekretariat geschaffen werden. Mussolini will sich des Parlaments entledige«. Mailand, 5. Oktober. (Stefatti.) Bei einem Empfang, den die konstitutionelle Vereinigung Mussolini zu Ehren veranstaltete, hielt der italienische Ministerpräsident eine Rede, in der er unter anderem ausführte, der Faszismus sei nicht mittels einer Tagesordnung zur Macht gelangt, sondern durch ein großes Opfer, indem er Tausende von Toten auf den Straßen und Plätzen Italiens zurückgelassen habe. Er könne nicht die Möglichkeit einsehen, daß sich das Parlament einfach durch eine Abstimmung der Negierung entledige. Der Faszismus, sei nicht wie die anderen Parteien, und damit könne er das Parlament nicht als die einzige Stelle b e t r a e u, wo sämtliche Fragen der Politik ihre regelrechte Lösung finden müssen. (Dies bedeutet, daß Mussolini der parlamentarischen Schwierigkeiten durch einen Gewaltstreich gegen das Parlament Herr werden will.) Die Liberalen gegen Mussolini. Livorno, 6. Oktober. (Stesanr.) Der Kongreß der liberalen Partei lehnte mit 23.000 gegen 10.680 Stimmen eine Tagesordung Ricci (Sektion Umbrien und Latium) a b, worin die Pflicht der liberalen Partei betont wird, auch weiterhin tätig und mit voller Loyalität illitzuzuwirken, um die gegenwärtige und durch die Haltung der Oppositionsparteien verschärfte Krise zu. überwinden, damit die Regierung, indem sie. energisch jede Form der Gewalt und der Ungesetzlichkeit unterdrückt und sich auf alle gesunden Kräfte des Landes stützt, ihr Wiederau fbauwerk vollenden kön'ne und damit Italien in einer Atnrosphäre des Friedens, der Eintracht und der Freiheit wieder sein Geschick gestalten könne. Der Kongreß nahm sodann mit 22.812 gegen 8005 Stimmen bei 3000 Stimmenthaltungen, eine Tagesordnung Pedrazzi (Sektion Bologna) an, worin die Autonomie der Partei betont und die Achtung der Verfassung gefordert wird. Die liberalen Milnister demissionieren. Ms unmittelbare Folge der Abstürmrunghaben die zwei liberalen Minister im Kabinette Mussolini dem Mnffterprästdeuteni ihre Porteseiuilles zur P r &a-rm £& ‘ r