Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2024 (5.10.1924)
- Date
- 1924-10-05
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie», Sonntag Wiener Morgenzeitunk. 8. Oktober 1924 Seite 1» h 0 t> I B t R I C ti T * Was die Mode für den Herbst bringt. Es wäre vielleicht richtiger, zu. fragen^: was bringt sie nicht? Denn wenn man den. Bildern und Berichten aus den großen Mod>ezentren De.au ville oder Baden-Baden und den ersten Vorführungen der Modetees glauben darf, so war die Mode noch nie so vielfältig, ja extrem, wie rn bi^'enr Herbst. Tatsächlich steht'also wirklich nur das fest, was sie nicht bringt, — nämlich den Directoirestil, den man umsonst den ganzen Sommer über so eifrig prophezeit hat. Nicht einmal für die Abendkleider hat er sich durchzusetzen vermocht; auch da bleibt die gerade, glatte Grundform- Lei der d,ie gute Figur und diie Güte des Materials —; man bevorzugt Samt, Seide und» vor allem Spitzen, wo es nur angeht — die Hauptrolle spielen. Als Abendfarben nimmt man Pastelltöne, viel Lila, zartes Grün, Rosenholz und auch Weiß. Die Arme bleiben nach wie vor frei, biet Ausschnitt ist, wie vor vier Jahren, nach rückwärts gerutscht, und demzufolge trägt man die lange Perlenkette Heuer den Rücken herabfallend. Ueberhäupt Perlen! Die Jmitations- Industrie blüht wie selten, da Perlen von einer Größe, die die Echtheit von vorneherein ausfchließen, Vorschrift sind. Man trägt sie an dünnen Kettchen von den Ohren herabsallend, man trägt sie als Armbänder, vielfach um Ober¬ und Unterarm, geschlungen, und» bann natürlich als Halskette, von der wiederum dünne Perlenschnüre herabfallen. An diesen aber befindet sich dann'noch ein Anhänger mit Solitär, und der Solitär, wie traurig, muß echt fein . . .• Wahrscheinlich wird eine große Anzahl geschmackvoller Frauen diese weder schöne noch billige Mode ablehnen und sich, mit der glitzernden Straß- und Perlenstickerei begnügen, die gleichfalls für Abendkleider sehr beliebt ist. Für die Straße bleibt die nun schon seit Jahren erprobte glatte, gerade „G arconne"-Fasson, die tiefe Taille, die eben keine „Taille" mehr ist, die kaum durch einen losen Gürtel unterbrochene Sportform, daS Gilet, der Bubenkragen, besonders am Vormittag. DaS Jackenkleid ist etwas ins Hintertreffen gerat«!, man bevorzugt weiter das „Complet^, das jetzt sozusagen erweitert worden ist: statt Rock mit Kasaque und Mantel Mantelkleid aus feinem Wollstoff, passender Mantel, und als drittes daS dazu abgetönte Nachmittagskleid aus den jetzt so beliebten dicken, soliden Seidenstoffen mit langen Aerrnelu. Der Mantel wird gleichfalls gerade, schlicht, vierknöpfig getragen, der Pelzkragen ist kleiner geworden. Andererseits sieht man Mäntel, die'glockiger fallen, mit eingesetzten Pelzteilen, wie auch die Röcke der Kleider vielfach durch eingesetzte Plissees erweitert werden. Die Aermel werden häufig im Oberarm eng. anliegend und vom Ellbogen ad weit fällend gearbeitet, wobei dieser untere Teil völlig aus Pelz getragen wird. Zum geraden Mantel paßt gut die neueste Modelaune: der Herrenstock, vorzugsweise aus Ebenholz mit Platinknopf. Zum Straßenanzug kommt auch die sehr beliebte kleine Pelzkrawatte gut zur Geltung. Im übrigen gilt vom Püz das gleiche wie vom Schmuck: die Imitation spielt die größte Rolle, nur daß man die bescheidenen Hasen, Kaninchen und Katzen wirklich täuschend „auf echt" herzurichten versteht. An Farben bevorzugt man für die Herbstmonate alle Arten von Karos, während für den Winter schwarz und braun beliebt sind; nur am Abend halten sich, wie bereits erwähnt, die hellen Farben. Besonderen Wert legt man auf das Zusammenstimnren der Farben; Strümpfe Schuhe, Handschuhe, Tusche, Schal müssen mit Kleid und Mantel abschattierend übereinstimmen. Ein pro- Äematisches Kapitel bilden in dieser Saison die Hüte. Bekanntlich hat man Kur Vervollständigung der männlichen. Note den hohen kleinrandigen Zylinderhut propagiert, aber die Damen sind sehr rasch dahinter gekommen, daß er sie noch viel weniger kleidet als die Männer. Man trägt also schmiegsame Hüte aus Samt, ohne feste Einlagen,' die sich täglich neu Liegen lassen, oder man greift gleich zur Kappe. Auch Herrenfilz und Velourhüte sind, zu sehen, und auf jeden Fall ist der Straßenhut klein und gedenkt es zu! bleiben. Am Abend darf sich die Eleganz dann in großen Hüten, Reihern, bunten Vogelköpfen, ja selbst Plcureüsen austoben. Alles in allem ist aber für jeden Geschmack und jeden Typ gesorgt, und die Gesetze der Mode sind von erfreulicher Milde und Großzügigkeit — nur der .Geldbeutel flicket sie hart und streng. ' , VIKTOR MUSELMANN SALON FÜR FEINSTE MÄSSANFERTIGUNG KOSTÜME / MÄNTEL KLEIDER t PELZE WIEN, 9. BEZIRK, HÖRLGASSE 9, TÜR 12 —- TELEPHON NR. 3744/« —- Ein Modellhaus für feine Rinder- und Mädchrnmvden. Man hat biHer der Mccke für die Kleinen imlb für die Backfische zu wenig Beachtung geschenkt. Die neue Stilrichtung hat sich nun auch dieser Generation angenommen und das Spezialgeschäft für die Bekleidunader Kinder mch jungen Mädchen „Zur kleinen Komtesse" (Dolfus Godel) in der Währingevstraße 12 wirkt modebilLend auch in erzieherischem Sinne: Dre Kleider und Mäntel erhalten je nach Alter und 'physiologischer Haltung ihren Schnitt,, die heranwachisende weibliche'Jugend soll mcht schablonemnüßig, stuckern schön und zweckmäßig gekleidet gehen. 1 Zur Borhevbstsaifon legt das renommierte Modellhaus eine überaus reiche Auswahl vor. Dominierend ist die gerade Linie mit individuellen Abarten. Besorckers reichhaltig die Modelle in Herbstmänteln, in verschiedenen Farben, mit Pe'lg rouftert, für kleinere Kinder in Zinnoberrot und Reseda mit verschiedenen Nuancen, Drap und Leiderfarbe. Als Material beliebt ist Samt in Taupe, Schüvavz und Braun für die Kleinen mch Belaur für die jungen Mädchen, fürs PraMche und Negante ein spezieller Homespun in Resedafarve mit Posamenterieschnur in gleicher Farbe. Als Verbrämung wird mit Vorliebe Biiberette, Seal , und Shlinks verwendet. Besonders aparte Mäntelmodelle der „Kleinen Komtesse": J Die jugendliche Anmut des lederfarlbenen Mantels mit dem sealbesetzten Schal (Bild 1), den koketten Stehkragen des BaMschmantels. wobei die Details des Ganzen originell gearbeitet sind (Mittelbild), und die Babhmäntel (BW 3) mit itvtiS Sov vurfhnftvtS iLU^eitAVt. MLLV rwv*v..nv ___ . Pellerms separat tragbar! Bei feinster Ausführung sind Mäntel von 500.000 K. bis 1,9 Millionen zu haben. Ein eigenes Kapitel bilden die 7 i : ■? Kleider, deren Reichhaltigkeit in Schnitt, Material mch Faöbe überrascht. Für kleinere Kinder findet mau Samtklsidchen in Braun, Schwarz, Taupe, bestickt, aus Tegeichoff-. und Drapstojff in Jacken gearbeitet, mit Seidenborten eingefaßt, m DoppeArugen (Original- und darüber weißer. Mnöpfbarer " " als zweiter Typ das dunkelblaue ‘" "• rssen Rockpartie , .. . schwarMN Seidemransem um die Hüfte ein Gürtel mit eingelegten buntsawigen EuMemen, welche auch die mit Fransen Mchmückton Aermel beleben. Eine Fülle neuartiger Ideen ist in den Back« fischklerdern niedergelegt, von der Schablone abweichend, zahlreiche Varianten m dunkelblauen StEMe'ckern, chavcckteristisch durch HohHalieu, den tief sitzenden Gürtel, wodurch der aparte Schnitt zur Geltung kommt, durch beiderseitig mit runden Knöpfen gezierte Laschen und den Mer dem StoWvagen liegenden weißen Foulardkragen — reizvoll wirkend, juiäendllch, dabei ruhig und elegant. Hervorzuheben noch das neue Lressenkleid, das bald den Geschmack der vornHmen Weilt erobern wird. Auch hier spielen die Preise für Kindermck Dachisch- Reider in Stoff von 800.000 bis 800.000 K.. i« Flanell von 120.000 bis 200.000 K. einen nicht zu unterffchätzenven Faktor. Handgostickte FlanaMeidcüen, das neue Hosenkleid (außen Kleid, innen Hose) mit relzeicker Garnierung. Spielhcffrn, Pyjamas aus Flanell in allen modernen Krvben ergänzm dre Reichhaltigkeit der Modelle der „Kleinen Komtesse" in erfreulicher Weffe. __or. Die Frau im Herbstgewand. Die alte Liebe der Frau, der fußfreie Rock, wird den Herbst des Jahres 1924 überdauern. Zwar fußfrei ist schon etwas zu wenig gesagt; denn der Rock reicht jetzt kaum! mehr bis in die Mitte der Wade und ist dafür unten eng. Ihn schützt ein weiter, fast schmucklos niedersalleuber Maultet, der auf die Knöpfe verzichtet, so das; ihn seine Trägerin nach Belieben sich Umschlägen, aber auch ihn stets halten muß. Sein natürlicher Schmuck sind die hohen Pelzkragen, in die das Kinn sich wohlig schmiegt: die Pelzmanschetten, die sich oft zur Größe eines Muffes auswachsen, und der Pelzbesatz am untern Ende, der gelegentlich als. kühne Bahn schrägüber läuft. Als warmer Stoff wich Velour de laine gewählt, am liebsten das pikeeartige Epinglegewebe, dessen feilte Rippen quer über den Stoff laufen. Das ist lein Zufall, sondern der gewollte Stil der Wintermode, deren Ideal das Travers, die Querstreifung ist. Das zeigt sich auch, wenn dasNa chmittagskle id Kw Gsttuing kommt. Im Stoff ails stärkeres oder feineres Carreau mit Treffen Luufgönäht oder in hellerer Fände aufgesiickt, beherrscht die Querstreifung und die Caneaulime die Fläche des Kleides und des aus Velour de Smyrne Ecossais geschnittenen Mantels. Auch vovangegaNgeue Moden liebten die schottischen Farben mit ihren ineinanderspielenden Quadraten. Aber jetzt sind diese Ecossais gelockert, aufgelöst, fast nur. noch als Linien oder feine geometrische Quadrate ans den dunkeln Grund gesetzt. Ein weiteres Merkmal tritt beim Tailleurkleid hervor, das auch jetzt wieder durch den schönen Schnitt und durch einige wenige leuchtende Farbtöne auf denr Unistoff wirkt, das ist der tüniqueartige Ueberhang, der dadurch erzielt wird, daß das verlängerte Jackett den Rock zu drei Vierteln deckt. Daneben tänzelt auch die jugendlichere Form. des kurzen Jackettes einher, das dann aber auch entsprechend dm schlankeren Formen mit einer Verengung des Rockes rechnet. Immer noch ist die Hüfüinie so tief wie überhaupt nur möglich, und die einzige Entschädigung' für die dadurch entstehende nicht absolut schöne Austeilung der Proportjonen des Körpers liegt darin, 'daß man die Hüftlims am liebsten ganz beseitigen möchte. Darum ist sie so schwach betont, mit einem ganz schmälen Gürtel aus dem gleichen Stoff, vielleicht in einer anderen Farbe bestickt, oder als Sttckerei, wenn nicht gar, wie beim Wendkleide, eine leichte diskrete Refsung hiesür genügt. Als Abschluß an Hals und HandgÄenk dient oft geme eine Mrpenartig umgeschlungene Krawatte, oft auch so, daß die Enden nicht niederhängen, sondern sMich hinrnsstchen, ein Motiv, das sich bei dem am Handgelenk schlichenden Aermel wiederholt, wenn nicht dessen Manschetten in ihrer Stosfüber- Mle niederhängen, oder sich dütenartig auföanschen und mit 'Metallknöpfen besetzt sind. Das Metall als Spange oder Knopf, hier besonders als einreihige das Kleid in der Mitte schließende Garnitur, bildet mit seinen hellen Lichtern oft den einzigen Schmuck. . Das Wendkleid zeigt, seinem festlichen Charakter entsprechend, Perlstickereien, aber auch Silber- und Gildespitzen. Äeberwürfe aus Tüll, die mit breiten, pelzartigen Stoffrüschen enden, geben , dem Abendkleid jene Zarcheit, deren es bedarf. Sogar di« Schleppe findet sich vereinzelt; sie ist aber so beweglich geworden, daß sie ihre Trägerin ebenso in der Hand halten, wie als Schul um den Hals schlingen kann, da sie nicht starr in Falten von der. Mitte des Uleidcs, sondern quer von einer. Achsel über den Körper lauft. Für Brautausstattungen Schroll-Chiffone, Perkailine, Inlette in allen Breiten, Leib« und Bettwäsche, auch nach Maas Warenhaus Zelsel, Wien. VIII. Lerchenfelderstr. 54-96 gegründet 1884 l.ROTEMTURMSTR Erzeugen als Spezialität: Mieder, Gürtel and Büstenhalter aus QummisTrBhot und feinsten frans« Steffen AUFEHAI BILLIO/T IN mmiM!.TABOR/m N? 1ö (HOTEI NATIONAL^ TtltfttOn 404.« ___FEINSTE Herrengarderoben na ch Maas und konfektioniert sowie sämtliche HERREN MODEARTIKEL (Herrenwäsche, Krawatten etc.) . zu mässlgen Preisen! 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