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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-05 · Heft 2024 (5.10.1924) · p. Seite 13

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2024 (5.10.1924)
Date
1924-10-05
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Sk. 2024 Wien, SonMg Wiener Morgenzeitung. 5. Oktober 1924 Seite 18 Alte Arien von Bankgeschäften Kommandite der Kroatischen Eskomptebank, Agram WIEN, I. SEiTZERGASSE 4 (ECKI “IM Telephon: 22-5*90 Sorte i n immi—n»i -■ Telegr«mm»dresj^: FRAPOB\NK 'Kreditand Warengeschäfte mm (. »oltswirt. gvstlr «nd Wirtschaft. Dr. Michael Sussan. Der Castiglioni-Rummel, der in den letzten Wochen die Oeffentlichkeit beschäftigte, hat wieder kraß das merkwürdige Verhältnis der Justiz zur Wirtschaft gezeigt. Es ist nicht das erstemal, daß solche Affären in der öfterreichischen Oeffentlichkeit erörtert werden. Seit mehr als einem Jahre vergeht fast leine Woche, die nicht die eine oder die andere derartige Affäre bringen würde. Es sollen nicht erst die Affären Eskomptebank, Deutsche Bodenbank, Kaufmännische Bank, Braun-Stammfest usiw. erwähnt iwevden. Ihre Zahl ist fo groß, daß es tatsächlich mehr als den Raum dieses Artikels füllen würde, wollte man alle diese Wirtschaftsaffären hier anfzählen. Bei der Wirtschaftspolizei sind allein seit Jänner dieses JahreS bis Mitte September nicht Iweniger als 107 Anzeigen gegen Banken und Bankiers eingelaufen. Bon diesen Anzeigen hat die Wirtschaftspolizei 60 an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet, die übrigen 47 wurden schon im Stadium der polizeilichen Untersuchung gewöhnlich ad acta gelegt. Ein Großteil derdiesen Anzeigen zugrunde liegenden Tatbestände wurde ausführlich in der Oeffentlichkeit breitgetreten. Immer sah es so aus, als ob ein gewaltiger 'Kriminalsall dahinterstünde. Die Oeffentlichkeit tvar der Ansicht, daß hier furchtbare Wirtschaftsverbrechen begangen werden, die unbedingt eine Ahndung im Gerichtssaal finden würden. Doch das Endevon allem war in fast 99 Prozent der Fälle, daß die ganze Angelegenheit im Sande verlief, daß es nicht einmal zu einer Verhandlung kam und daß Li« meisten Beschuldigten, die als Verbrecher gebrandmarkt tomben, nicht lange nach der ganzen Affäre wieder frei und unbehelligt sich betätigen konnten. Dies zeigt ganz Kar, daß ihnen in strafrechtlicher Hinsicht nicht viel.vorzuwerfen war, daß also der ganze Rummel in Mistischer Hinsicht unberechtigt war. Hier liegt das Problem der Sache. Da-, was so oft den einzelnen als Wirtschaftsdelikt.. vorgewvpfen. wurde, ist oft nicht dem Begriffe des Strafgesetzes. unterzumdnen. Das Strafgesetz ist ziemlich alt. Es hat mitten modernen Mrtschaftsevschoinungen seinerzeit nicht rechnen können. Der Begriff des „Betruges" ist ziemlich weit gefaßt, und es ist wirklich, schwer, jeden. Fall darunter. M subsumieren, selbst dann, wenn in einzelnen Fällen der wirtschaftliche Tatbestand den Tenor des Gesetzes eng gestreift hat. Die zweite wichtigere Ursache ist die, daß die O rgane der Justiz selbst die modernen Wirtschaftserscheinungen nicht beherrschen, sie vermögen dies auch unmöglich. Man kann einem Juristen, der abstrakte Juristerei an der Universität getrieben hat, mid Zeit seines Lebens darüber geurteilt hat, ob einer wirklich das Verbrechen des Raubes oder Mordes begangen hat oder nicht, nicht zutrauen, daß er plötzlich m allen den verzweigten Funktionen des Wirtschaftslebens vollkommen Bescheid wiffe, daß er sich genau in der Buchführung auskenne, die heute eine Goheimtwissen« jschaft für sich ist, bei der es fast wie bei manchem Stenographen unmöglich ist, tatsächlich das zu verstehen, was der andere gemacht hat. Da ist es nicht leicht, Recht von Anrecht zu unterscheiden. Es ist dann. unmöglich, die Materie sofort zu verstehen, wenn man nicht darin sehr geschult ist. Es ist für den tüchtigsten Wirtschaftler in verwickelten Fällen oft eine sehr schwierige Ausgabe, das Geschäft als solches, seinen Anfang und sein Ende, respektive die Schuld des einen oder anderen Teiles zu übersehen, geschweige, denn für einen Juristen, der in den Paragraphen und Gesetzen genau Bescheid weiß, aber in den verzweigten Fällen des Wirtschaftslebens unmöglich .versiert sein , kann. Es wird der Ruf nach Bankdirektören laut. In allen wirtschaftlichen Betrachtungen «wird immer Klage geführt, daß es an wirklichen wirtschaftlichen Leitern fehlt. Das heißt: es sind nur sehr wenige Individuen vorhanden, die Tatsächlich das Wirtschaftsleben so genau beherrschen, daß sie zur Leitung befähigt sind und das ganze Geschäft übersehen können. Da soll nun ein Justizbeamter mit einem Male oft nur nach 'kurzer Uebersicht ein präzises Urteil , fassen und darüber erkennen,. ob ein strafbarer Tatbestand vorliegt oder nicht? Es wird dabei ülbevschen, daß ein Geschäft nicht nur den Komplex von reinen Willenserklärungen beinhaltet, sondern »h-ß hier eine UNmasse von Jnponderabilien mitspielt, daß sich vor Geschäftsabschluß oft ein erbittertes Ringen zynischen beiden Wirtschaftsfaktoren abspielt, wo der eine den aMren in gewisser Hinsicht tatsächlich übertveffen und übertrumpfen will. In der Praxis heißt jener der tüchtigere Kaufmann, der dem anderen die Vorteile des Geschäftes so glänzend vor Augen führt, daß der andere die Konzessionen/ die jener wünscht, bewilligt. Der andere fühlt sich vielleicht spater bei ruhiger Betrachtung — wie sich der Kaufmann ausdrückt — betrogen! Doch dieser Betrug kann nicht immer als Betrug im gesetzlichen Sinne ausgelegt werden. Dieser Betrug ist mehr ein rein wirtschaftliches Unterliegen infolge der Unfähigkeit, mangelnder Erkenntnis, Notlage'oder anderer Umstände. Da soll nun der Richter oder der Staatsanwalt den wirklichen Betrug von Ausnützung wirtschaftlicher Vorteile unterscheiden? Es Wäre «ine Utopie, dies $it verlangen. Die Folge dessen ist, daß fast alle diese Affären, die mit so großem Applomp m der Oeffentlichkeit breitgetreten werden, regel- 'Mäßig im Sande verlaufen sind. Dabei spielt noch oft der Umstand mit, daß gar mancher Gläubiger den langwierigen Weg der Klage und d-is zivilrechtlichen Versahens scheut und sich des Weges der Erpressung. durch das Mittel der strafgerichtlichen Anzeige bedient, um rascher und gründlicher zu seinem Geld« zu kommen. Nicht jedem Wirtschaftssubjekt ist die Vorladung zur Polizei oder zum Untersuchungsrichter augenehrn. Es gibt sich manchmal zu Konzessionen her, die eventuell im Wege des zivilen Verfahrens bei objektiver Untersuchung nie notwendig gewesen wären. Dieses Mittel wird ziemlich oft angewendet und die Behörde kann in den wenigsten Fällen unterscheiden, ob es sich um eine Erpressung des Anzeigers oder tatsächlich um del-ikthastes Vergehen des Angezeigten handelt. Die einzige Lehre, die aus alldem zu ziehen ist, wäre, daß die Justiz und Verwaltung Lei den angeblichen WirtschaftsdeMen etwas vorsichtiger ist. Cs scheint aber, daß die österreichische Verwaltung in dieser Hinsicht alles vergessen und nichts gelernt hat. Da werden Affären ausgebauscht, die nachher wie ein geplatzter Ballon in nichts zerfallen. ES wird dabei nicht berechnet, daß dies nur der österreichischen Wirtschaft Schaden zufügt, daß die Sensationen, die nicht nur in Oesterreich verbreitet werden, in'S Ausland hinausgehen und die österreichische Wirtschaft -in furchtbaren Verruf gerät. In dieser Hinsicht kann das Vorgehen der maßgebenden Faktoren nicht genug verurteilt werden. Viele solcher Fälle werden von der betreffenden politischen Partei in antkkapitalistischer oder..antisemitischer Weise demagogisch' bre-itgetreten. Man darf aber nicht übersehen, daß mit Demagogie die Wirtschaft, eines Staates unmöglich ins richtige Fahrwasser gebracht werden kann. Bon der Justiz aber, die immer als objektiv gabt, muß man verlangen, daß sie sich, ihrer. Schwäche, in bezug auf Wirtschaftsdelikte bewußt ist. Die Justizbehörde muß sich einmal sagen, «daß für sie das Wirtschaftsgebiet eine Tabula ignota ist, und solange sie nicht über Organe verfügt, welche die verzweigten ALeM. des Wirtschaftslebens genau kennen, darf hie sich nicht, zu voreiligen. Schritten verleite« lassen« die chren Ruf nur schädigen können. Mastigere «asstchtm Im MWageschSft. Die „Wiener Bank-und Börsenzeitung" schreibt über ein Gespräch mit Dr. A. Segal: Die Situation auf dem Naphthamarkte war bis jetzt keine allzu günstige, weder hier in Oesterreich noch in Polen oder den sonstigen mitteleuropäischen Ländern, doch rechnete man in informierten Kreisen mit einer langsamen Besserung der Verhältnissezumal die produzierenden Industrien nun doch notgedrungen an Vereinbarungen bDüglich der Preise schreiten. Diese Besserung dürfte, wie Dr. Segal, der führende Mann des D.äbrowa-Konzerns, einem unserer Redakteure mitteilte, von Deutschland aus ihren Weg nehmen, da die Besserung der Situation in industrieller Beziehung, die ja wohl der Besserung in finanzieller Beziehung folgen dürfte, wieder die deutsche Industrie, diesen Hauptabnehmer der galizi- ,schen Rohölprodukte, auf den Markt bringen wird. Davon erwartet man sich in den Kreisen der Naphthaproduzenten bessere Absatzgeschäste, die dann natürlich auf das Jnlandsgeschäft in'Polen selbst und in der Folge auf die anderen Absatzgebiete, die für die Naphthaindustrie in Betracht kommen, abfärben werden. Tatsächlich sind auch in letzter Zeit Anzeichen Wirrer Befestigung der Preise für sämtliche Petroleumprodukte in Polen zu verzeichnen gewesen, ein Un*. stand, der sich natürlich auch auf das Auslandsgeschäft,' wenn auch langsam, auswirken dürfte. Auch die allgemeinen Wirtschaftsverhältnisse in Polen berechtigen zu einem gewissen Optimismus, der in den Anzeichen einer Gesundung, die sich im ganzen Wirtschaftsleben Polens seit der Stabilisierung der Währung, seit der Einführung des Goldzlotys vollzieht, seine Begründung hat. In dieser Beziehung muß auch auf die Einführung der Goldbilanzen in Polen hingewiesen werden, deren wohltätige Wirkung gerade mit Rücksicht aus das Anschneiden der Frage in Oesterreich erwähnt werden muß. Natürlich hat sich in Polen die Finanzverwaltung dazu entschlossen, gleichzeitig mit der Einführung der Goldbilanzen einen dicken Strich unter alle Steuerbekenntnisse zu machen, die vor der Einstellung der GoldÜilanzen erstellt wurden, sie hat also eine Steueramnestie erlassen, um den Gesellschaften die Möglichkeit zu geben, von nun an wahrheitsgetreu zu satteren, an deren Ausgangspunkt aber die neue.Goldbilanz zu treten hat. Gleichzeitig hatte sie auch die Steuer auf 25 Prozent ermäßigt, doch dürfte im nächsten Jahr schon eine weitere Ermäßigung auf 20 Prozent und so fort bis auf den normalen Stand durchgeführt werden. Das ist darum besonders erwähnenswert, weil ja auch hier in Oesterreich' ähnliche Verhältnisse herrschen und weil nicht zum geringen Teil die Frage der Gesundung unserer Wirtschaft hier von der richtigen und vernünftigen Lösung dieser Frage abhängt. Nicht minder wichtig für die Entwicklung des ganzen Wirtschaftslebens und daher auch der Naphthaindustrie und des NaphthageschäfteS ist die Zinsfußfrage. Auch hier ist Dr. Segal der Ansicht, daß der hohe Zinsfuß eher schädlich für das Einströmen fremden Kapitals ist, was in der Mentalität des Ausländers, des Engländers und Amerikaners, die ja für uns hauptsächlich als Geldleute in Betracht kommen, begründet erscheint. Gerade diese Finanzkreise stehen auf dem Standpunkt, daß, wenn jemand so hohe Zinsen bezahlt, und den Zinsfuß, wie wir es getan, selbst auf diese unnatürliche Höhe bringt, nicht kreditwürdig sei, da auf die Dauer kein Geschäft solchen Zinsfuß ertragen könne und ein Geschäftsmann, der solche Zinsen bezahlt, nicht gesund sei. Die Behandlung all dieser Probleme, deren Lösung wohl in der nächsten Zeit angebahnt werden dürfte, würde das Geschäft auch hier in Oesterreich wieder in Gang bringen, das sich ja auch gewiß bald bessern wird, da doch der Bedarf der Naphthaprodukte auch Lei der hiesigen Industrie ständig steigt. Uebertriebene Hoffnungen darf man wohl nicht hegen, doch kann man mit einer langsamen Besserung der Verhältnisse auch auf dem Naphthamarkt geradeso wie auf den übrigen Wirtschaftsgebieten rechnen. Soweit die Ausführungen Dr. Segäls, die wohl nicht nur wegen seiner Bedeutung in der Naphthaindustrie. sondern auch wegen seiner überragenden Stellung im internationalen Wirtschaftsleben.besondere Beachtung, und nicht nur in Kreisen der Naphthainteressenten, verdienen. SefterreiWche Rationalbank. Zunahme des Banknotenumlcmfes um 705 Milliarden. Der, gestern veröffentlichte Bericht der österreichischen NatimEank zecht ohne Stsigerung des Barschatzes um 167 Milliarden. DaS Wechselporlefenille ist um 58 Milliarden Munken , und beträgt jetzt 2851 Milliarden. Die Verbindlichkeiten. MS dem Giroverkehr haben ebenfalls eine Abnahme um 600 Milliarden erfahren. Der Bauknotenumlauf hingegen hat um 705,6 Milliarden zugenvmanen und beträgt nunmehr 7,9 Billionen. Privaiverkehr. In gestrigen privaten Effektenhandel herrschte weitgehende Gefchäftsstille. Infolge der unbesviedigenden Berichte Ms Berlin und Budapest kamen keinerlei nennenswerte Abschlüsse zustande. In den meisten Fällen haben die Papiere ihve Vovgeftvigen Schlußkuvse behalten. Oesterrsichffche KreditMen waren mchr gesucht; sie konnten auch bei der Belehnung zu medvigeven Zinssätzen als andere Aktien rmtevgebracht weiden. Geldverkehr. Infolge des geringen Geldbedarfes der Börse war Geld sehr flüssig. Es wurde zu fünf Sechzehntel bis drei Achtel Prozent velichttch awgeiboten^ doch fanden sich wenig Abnehmer. «in Werter Aktienverkmrf. Ddontag sollte der exekutive Verkauf von 14.387 Aktien der Semmering-Hotel A. G. (Hotel Panhans) erfolgen. Der Sensal Fischer war mit der Durchführung des Verkaufes betraut. Der Verkauf wurde jedoch sistiert. Die Aktien, Sie zur Exekution gelangen sollten, waren im Besitze des Finanziers Heinrich Bronn er. .Der VerEaus unteMieb, weil ein unter Führung Jacques Bronmrs stehendes deutsches Konsortium direkte Verhandlungen wegen Usbernahme der Aktien eingeleitet hat. Schwierigkeiten einer Wiener antisemitischen Bank. Die Zusammenbrüche der antisemitischen Banken häufen sich. Gestern verlautete in finanziellen Kreisen, daß die antisemitischklerikale Nordisch-österreichische Bank sich in Schwierigkeiten befind«. Es wird versucht, die englische Overseabank für die Bank zu interessieren, doch scheinen die bisherigen Verhandlungen keinen Erfolg gehabt zu haben. der „Wiener Morgenzeitung*, der die Bezugsgebühr für 1 Jahr im voraus bezahlt, erhält ' Groetz' „Geschichte der i« 3 eleganten Halbleinenbänden ff gratis! ff 44 Außer derJahresgebühr sind für Berfandspesen des „G r a e tz" noch ö. K. 2ö.000 z « entrichten 5915^99519685975 33513704

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