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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-05 · Heft 2024 (5.10.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2024 (5.10.1924)
Date
1924-10-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Wren, GoirM-s Nachdruck verboten, j Mt.M A . ’ ■—— ■■ '——- .«x.yiiyw.y.yw» Alle Rechte vochchcklteir. "! ' > ' - Briese, die mich eneichten. Bon Ali. Ich heiße Florian Wasscvkopf -— bitte An En-tschuldiiguirg, -LL Name ist nicht häuftg. Ich bvn ausder Provinz, lebe, mehr schlecht als'es recht ist, Vm ein treuer k. ff. republitcmi- J scher Staatsbürger und lärm noch heute das ganze Bvlksschullesebuch auswendig, sMstverstöndlich auch die Bevglän-diwbtmdhymu«. Auch 'glaube -ich an die Sanierung — bitte .um Ent- Wiener Movsenzeitung. t oüoUx tm Seite 7 AMERICAN TAILORS Brüder K o ch Ges. m. b. H. Änhvber: Al lar I. »er., Mariahllserftrabe 17 »Ä Erstklassige Mas; - Schneiderei für Herren / Reiche Auswahl in feinen englischen Stoffen / Elegante Ausführung / Billige Preise schuMvgung. Vor den Aamtern habe ich süvt scher Atrien großen ReispÄt. Meine Schnlsucht war immer, im Sia-aisdienst unter-- zubMmen. DaS Glück schien mir einmal zu lächeln, 'bis sich dokumentarisch hevauÄstellte, daß ein anderer Bewerber dreimal erfolgreich geimpft war, ich dagegen nur zweimal. Er wurde mir vovgczogen, «er war auch aus der Provinz. Meine lsiaatsL-chaltendL Gesinnung würbe dadurch keineswegs getrübt, um in schwachen Momenten erfaßt mich ein namenloses Wch ob meines unerfüllten LebenStvcmmes. Aber das -geht vorüber und ich begebe mich nach wie Var mit dem GeMle der Hochachtung gegenüber den öffentlichen Institutionen zu Bett. Nur imö der Post hat es M kurWn eine eigene Bewandtnis. Ich K6bte die Post, ich vevchrte sie — bitte um Cntschuldiglrng. M eines Tages — ober Horen Sie: Ich war also ein fanaMcher Anbeter der Post; -ich selbst bekam nie Briefe. Doch der Muzenide Apparat, die staunenswerte MndigM, auch Briefe, die ganz mrmüMch adrchsiert sind, doch richtig zugustellen, erregte meine Äownndrruug, bis sch ekines Tages selbst Briefe beHaim. Bor etlichen Monaten hat es angelsangen. Auf eiwnvall flog mir «in Schwiben ins Haus. Auf dem Umschlag war nur der Wassork-Hff leserlich, daß andere war etnr MeimniiSbolles GÄVitzel. Gerührt über die TreWichecheüt mAnm grWbten GmvichkWg öffne ich den Wies und begfnwe zu lesen: .Ich taumelte zurück, schließlich, ich bin kein Judenfresser, aber -invmerhin re-i-nrafsig, wie die Merkmale: blaue Augen, blonde Haare, hoher Wuchs, Langschädel beweisen. Und wenn man auch nicht über die Juden schimpft, manches Mal denkt man sich doch seinen Teil — bitte um Entschuldigung. < Dieser Irrtum der Post, die mir einen freuvden Brief sandte, hatte mich sichtlich irritiert und ein herbes Leid zog durch mein Gemmt.'Einige Wochen später flatterte wieder ein Briefchen zu mir. Auf dem Kuvert stand mir: „-Herrn Wasserkopf". Ich öf-sire und lese: „Wohlgeboren Herrn Waffersopf, lo-ko. Sic Msmarrd! ,Me>chrte SEmerpavtoi und lieber Israelit! Und drangt es mich. Dir unsere dbeuiigflsiten mitzutvilen. Den Stall, Ivo Hr gewöhnt habt, habe ich rs'inigen lassen. lJietzt ist dort wieder Ordnung und die Schweine sind wieder dum. Ich will Dich nicht in die Länge zichn, atber hier schimpft MM wieder sehr auf Eure Leut'. Das ist immer so, wenn dir Saison Ms ist. Ich muß sagen, daß Du zwar auch so sin Jud' bist, sonst aber ein gang anständiger Jswaelit. Du warst sicher kein gewöhMcher Sauj-ud. Jeder kann ja kern christlicher WMüvger fein. Ich bin nicht gegen Euch, tvenigstens im: Sommer reicht, indem daß mir Eure SchWinge genau so li-sb find. Sonst gchfs uns gang gut. Das ganze Jcchr leben wir von Erdäpfeln und Wurgm. Im Sommer seids Ihr da. Mir mecht's leid tun, wenn Ihr alle nach Palastvna gchn möchts, wie's der KropfenbEL halben will. Ra ja, er hat ein Nein'? HäusÄ und nichts gu vermieten, das gift ihn. Wie's nächstes Jahr sein wird, weiß ich noch nicht. Die' Sohne von unsere OeZonomen, die was in Wien auf der Hochschule sind, sind Mtzt z'Haus und schreien, daß Leim JfraeWten mehr herein gu ms kommen -dürfen Sie wollen halt die großen Bauern spiele«. Ich rnöchfl aber -nicht gern eine andere Sauibagcffch nehme«. Dich kenn' ich schon. DieiRchi, Vir geschäckerte Kuh hat Außerdem a KalbeMs gMorisen, Miat Gott. Dein treuer " Sebastian MosOaucr." Warum zahlen Sie nicht? Weil die bezogene Ware ein Pofel ist? Hätten Sie sich die Partie bei der Uebernahrne besser angeschaut. .haben Die sie beanständet? Nein! Di« wollen ein anständiger Mensch stin? Sie wollen mich in den Konkurs treiben. Aber es wird Ihnen nicht gelingen! Ich tverde schon insolvent werden, aber erst, wann ich tvill. Jetzt noch Nicht. Bis ich -mir genug beiseite gelegt Habe, kam; man ja darüber reden. Schämen Sie sich nicht, einen Familien» Vatvr ins Unglück stürzen zu wollen. Ich bin nicht rachsüchtig, .aber 'ich tvünschr Ihnen nur, Sie sollen Ihr ganzes Vermögen bei der Depositenbank haben. Halben Sie schon im Dhcate: den Götz gesehen? Sie SchW-evl. Mit Achtllng M. K." <cin flirchtevkiches Wch ergriff nrich. Das Hr'ligsie in mir tvurdc brutal geschändet. Main Gllvvbe an die Post geriet ins Schwanken. Aber es sollte noch ärger kommen. Eine Woche später, ich hatte mich gerade verlobt — bitte nur Entschuldigung, kommt «in Brief. Auf dem Kuvert nur Name und Adresse. Ich öffne ihn nervös »nid lese: „Befor ich Ihnen den Wasserkopf zerschmetkere, bittä unterstehen Sie sich nicht mchr, ureiue Jlonka zu belästigen, bittä. Sie Rotzbub, schwo-bischer! Kommt so ein Fr;chtel mit seine schäbige Paragraf 144. Erst Mädel Md mackwn. und dann stehen lassen. Hallmvke wos? LauZbub kommunistisches. Wenn ich Dich erwische, hat, mach ich Papvitagulaiü) a'»3 Dir, bittä, oder schick ich Dich zu meinem He-jjas-Baraioin. And verbleibe bis dahin Aadar -de A-ladatsalva." jeden Abeiid das neue Falnilienblatt „Nur legitim" und mein! Gedanken weilen immer bei Dir. Komm bald, . Es küßt Dich Dein BMIcpf." Aieine Frau nahm mix den Brief aus der Hand. Umsonf schtvor ich, es sei ein Irrtum der Post. Ich sei Äbechaupt eil Gegner des Bubenkopfes — bitte um Entschuldigung —, woraul mich meine Frau noch verächtlicher anblickt-e. Ich vergaß mein« staatsbürgerliche Erziehung — bitte um Entschuldigung — uni schrieb einen entrüsteten Brief an den PostvovstMd meines Bezirkes. Das Schreiben kam als „unbestellbar" an meine Adresse zurück. Wenn Du doppelt so Ml Zahlst und 's Geld im vorhinein schickst, kannst den Stall wieder haben. Meine Braut fand diesen Brief. Sic verlies; mich. Ich verfluchte die Post. Bor ku-rzsm habe ich gchmrater -- eine 'andere, bitte um Entschuldigung. In unserer ersten Wittertzvoche — bitte um EntschuMgung, kam ein Rosabrieserl ins Haus: ' „Gel-i-ebtes Maust!. ■ Warum bist D»r nicht gekÄmmen? Ich habe bis 12 Uhr -im Stadtpark gewartet, bis nrich sin fremder -Herr nach Haust begwitet hat, weil ich Anigst gehabt Hab'. Und -so diel bang war «rir nach Dir. Hast Du schon ganz vergessen? Jetzt lese ich Ae Retter als Miidchenhiindlenn. Verhaftungen in Miskolez. AuS Kaschau wird un8 geschrieben: Bor wenigen Ta« -gen vechastete die Polizei in Miskolc; eine Frau, dst verdächtigt wurde, einen schwunghaften Mädchenhandel nach Rumänien und nach der Tschecho-Slowakei zu Betreiben, In Miskolcz waren in der letzten Zeit ausfallend viel Mädchen verschwunden, ohne daß es gelungen wäre, auch nur eine Spur auszusinden. Gelegentlich einer kürzlich durchgosührten Razzia wurde ein bildhübsches^ -sechzchnjährigeS - Mädchen ausgegri-ffen, das der Polizeibehörlae ein grauenhaftes Sittenbild entvollte, Bier G e s ch w i st e r hatte das Mädchen, die von der eigenen Mutter der Prostitution iv die Arme getrieben wurden. Als die zwei ältc-steu Mädchen in M-iÄolcz schon zu bekannt waren, wurden sic nach der Tschecho- Slowakei verkauft, und zwar au ein Kafchauer Unterhalt n n g 81 o k a l. Das gleiche geschah mit den z w ei jüngeren Mädchen. Das Geld, das die Mutter mir den eigenen Töchtern verdient hatte, ließ ihr keine Ruhe. Sie trat m.it anderen Mädchenhändlern in Verbindung, die ihr frische Ware zum Weitervertrieb lieferten. Außerdem lockte sie alleinstehende Mdchen zu sich in die Wohnung, vertuppelte sie dort und expedierte si« bann, wenn sie neue Ware hatte, nach Rumänien oder in die Slowakei. Die jüngste Tochter, das eben ausgegrissene Mädchen, mußte ihr dabei S ch l e p p e r d i e n st i verrichten. Ans Grund der Aussagen des Mädchens veranstaltete die Politzei eine plötzliche H a n s d u r ch f u ch u n g bet der Mlltter des Mädchens, die ein überraschendes Resultat zeitigte. Nicht nur, daß dort mehrere junge Mädchen gefundeir wurden, die die Alte zu sich gelockt hatte, sondern man erwischte auch mehrere Vermittler, die zum Geschäftsabschluß nach MiSkolcz gekommen waren. Die Kupplerin legte dann ein volles Geständnis ab. Da die Fäden des Mädcherchandrls auch in die Slowakei laufen, wurde die Kaschauer Polizei MHt, Erhebungen einzuleiten.; H«nnaim. Das Ergebnis der psychiatrische« Untersuchung. Aus Bsrlin wird berichtet: Der Befund -der irrenärZtliche« Untersuchung über den Massenmöder Haar mann lautet dahin, daß der Angeklagte für seine Taten verantwortl i ch ist. Die Ha u p t v e r h a n d l u n g gegen Haarmanu wird Mtte November statff-inden. R. Beriuiu Loelver. (Ein Beitrag zur Geschichte der Tadagoraer Zaddikimdbnaftic «ach unveröffentlichten Archiv Materialien.) Don Dr. n, M. Gelber. 1. Jnr Jahre 1869 stand die Sa-dagovaer Rabbinevdynaftie km Mittelpunkt einer großen Skandalassäre, die nicht nur die chassidische, sondern auch die „aufgeNävte Welt lebhaft beschäftigte. Die verschiedensten Gerüchte schtorrrten herum, man munkelte, diese Wäre sti eine Folgeerscheinung des allzu verschwenderischen Lebens der ,/Sadagoraer" geloesen. Die Gegner dieses Zaddikimhoses verbreiteten sogar die schauerlichsteu Nachrichten, Venen wiederum phantastische Evzahlmt-gen und Legenden der Scrdagovaeranhänger gegenüberstanden. Cs ist kein Wunder, daß sich diese Wäre ßu eiirem n.gelrechten Skandal auSwuchs, wenn man bedenkt, daß ein Sohn ibc5 Begründers der Sadagoraer Dynastie, des berühmten Zad-Vik Israel von Ruizrn, eines Tages plötzlich erklärte, daß er'seine Würde als Zaddik satt habe und einen Ausweg suche, um dem chaflidischen Getriebe den Rücken zu kehren. Der Mann, fc?t dies zu tun beabsichtigte, war niemand anderer als der vierte Sohn des oberwähnten Israel von Rnzin, Reb Ber, im Volksmunde f^Bertniu'*' genannt, -der nach dem Tode seines Vaters in dem rlMänischen Kleinstädtchen Leow-a als und Nachkomme des Rümmers resvdier-te. Berinin war schon seit seiner Jugend ein eigenartiger Mensch. Jnr Gegensatz zu den anderen Kindern des Ruziners, die ein geräuschvolles, luxuriöses Leben -führten^ in vierspännigen Equipagen mit livrierten Lakaien Spazierfahrten machten, deren Frauen die schönsten Pariser -und Wiener Toiletten trugen, haßte Beriinu dieses Leben und trug wenigstens nach außen hin ein viel ernsteres Gehaben zur Schau. Immer -düster gestimmt, liebte er die allzu geräuschvolle Gesellschaft seiner Anhänger nicht, -die ihn auch deswegen einen ^versteckten C-Hassid" nannten. Das chassidische Getriebe wurde ihrn allmählich zur Last. Seit den: Jahre 1866 führte nun Rabbi Der einen hartnäckigen Seel-enkanlps gegen -das seiner Meinung nach inhaltslose Leben eines Chasiid. Die chassidische Umgebim-g mit ihren Festen und Geldgaben (Pidjoines) wurde ihm ANtvidor. Er sehnte sich nach dem Leben eines freien, von „Gäbaim" unabhängigen Menschen und äußerte rnchr als einmal vor seiner Frau und seinen Brüdern seine Absicht, die Würde eines Rabbi niederzulegen. Sie rieten ihm jedoch von diesem Schritte ab und baten chn, davon Abstand zu nehmen, weil dies das Ansehen der Sadagoraer Dynastie schädigen könnte. Beriniu befolgte anfangs diese Ratschläge, -da er nicht den Mut aufbrachte, mit seiner Familie zu brechen. Wer nach drei Jahre währenden Seelenqua-len entschloß er sich im Jahre 1869 endlich, seine Würde niederzulegen. Seine Frau und sein Bruder Abraham Jakob, der seit dem Jahre 1861 die Würde des Sadagoraer Zaddik beKeidete, beschlossen, den Absichten Berinius rechtzeitig einen Riegel vorzuschieben. Sie befürchteten, daß Berinin, der bereits am Jom Kippur 1869 sich weigerte, gum Kvl-N-idre-Gebet zu gehen-, und von seinen Gckbaim säst gewaltsam in die Synagoge geschleppt werden mußte, wo ihn seine Chassidim mit nübeschreiblichem Jubel, empfingen, einen unverantwortlichen Schritt begehen könnte, dies um so eher, als er bereits in einem Ausalle von Wut erklärt hatte, daß er nur einen Answeg, den der T-ause, h>we. Ans Angst, daß er sein Borhaben wirklich aussühren konnte, war ihnen kein Mittel zu schlecht, um es zu vechintzern. Als Reb Drr-in.iu nach dem Snkkochf-este mit seiner Frau und dem Hausarzt eine Spazierfahrt machte, gab ihm der Arzt nn-benrerkt ein B e t ä u b u n -g s M i t t e >l, so daß - er e-inschlief. Hieraus wurden ihm Füße und Hände -gebunden mvd der Wagen eilte über die rumänische Grenze nach Sadagora. Als Berinin erwachte, begann e-r wütend z» schreien, was ihm jedoch nichts half. Er wurde am Freitag nach Sadagora gebracht und in einem Zimmer ein-gesperrt. In -der Nacht kcnn fern ältester Bruder A-brahanl Jakob zu ihm und machte chm die bittersten Vorwürfe, daß er das Andenken des Vaters enttveihe und daS Ansehen der Dynastie, die um diese Zeit ohnehin wegen ihres l'.ixuriösen Lebens zahlreiche Gegner hatte, schädige. Ms Antwort daraus löschte Berinin die Kerze aus, was eine Entwoihung des Sabbat bedeutet. Diese Tatsache erschütterte seinen Bruder derart, daß er in Ohnmacht siel. Beriuirr tourde von nun an eingesperrt geh alte,: un-b jeder Verkehr mit der Außenwelt von ihm serngchalten. Um vor Unan-nehmlichkei-ten seitens der Behörden geschützt zu sein, beschaffte sich die Familie ein ärzlicheS Zeugnis, tvelches bekundete, daß Berinin geisteskrank sei, an Tobsnchtsanfällen leide und daher unter Schloß und Riegel gehalten tverden nrüsse. Trotz aller Vorsichtsnlaßnahmen sickerten doch Nachrichten über Berinius Gefangenschaft in die Außenwelt. Es wurden die wunderlichsten Gerüchte verbreitet.'-') Die Ghassjdim und Anhänger der Sadagoraer Dynastie dagegen, erzählten, daß Berinin einen großen Kamps mit „Aschmadaj" bestehe. Mau verbreitete die wunderlichsten Legenden, die ihren Nährboden 'in der chaflidischen Phantasie faitten. Anders aber betoerteten diese Gesa-irgeuschast die in der Rä-He von Sadagora lebeirden MasMm (Aufklärer) von Czernowitz. Hier hatte sich um den hebräischen Schriftsteller Ornstei n, der selbst in seiner Jugend ein Sadagoraer Chassid gewesen war, und den Rechtsanwalt Dr. Reitmann eine recht ansehnliche Schar von aufgeklärten Juden gesanrmelt, die stets bereit waren, den Kampf mit den Dunkelmännern des Chassidismus au^usechten. Jhnerr schien mrn der geeignete Moment gekommen zu sein, um diesen Kamps zu beginnen. Man eMärte aus Grund der verbreiteten Nachrichten, daß Berinin ein Freidenker sei, -der nicht mehr gewillr wäre, die Ketten der finsteren Jntplerang weiter zu tragen. Maic deutete seinen Kampf gegen die Absichten seiner Brüder als eine Auflehnung eines um seine -Freiheit kämpfenden Manne? -gegen den ZaddiLlmschwindel. Es galt daher als höchste Ausgabe, diesen Mann, in dem sie einen Känvpfer sü-r die Freiheit -des Geistes zu sehen glaubten, aus den Schlingeil des Sadagoraer Hofes zu befreien, lieber Anzeige der MasMim begab sich ein Czernowitzer Staatsanwalt in Begleitung des bereits erwähnten Schriftstellers Ornstein nach Sadagora, «m an Ort und Stelle 'den Grund der Absperrung des Red Berrniu zn eruieren. Als der Staatsanwalt den Zaddik Abraham Jakob um den Grund befragte, warum denn eigentlich Reb Beriniu emgesperrt gehalten werde zeigte ihm der Rabbi ein ärztliches Zeugnis, daß Berinin geistestran-k sei. Troll dieses Zeugnisses öffnete der Staatsanwalt -das Zimmer nnb Berinin erklärte ihm, daß er vollkommen gesund sei nitd nur einen Wunsch habe, so -schnell als möglich äbzureisen. Der Staatsanwalt ncchm Beriniu auch nach Czernowitz mit turd übergab ihn -dem Vorstände dervjüdischen Gemeinde, der in den Händen von Maäkilim lag. Nun galt e^, Re-b Beriniu eine Wohnungen verschaffen. Die ftihrendeit Mitglieder der Gemeinde hatten, obwohl sie aufgeklärte Judeit waren, doch Angst, Beriinu ztt sich zu nehmen, da sic wirtschaftlich in vieler Hinsicht dort den Sadagoraer Chassidint ab« X --') So erzählte man unter anderem, daß er eine Christiu heiraten wollte Ochswer Poschim, S. 56).u. dgl.

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