Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2023 (4.10.1924)
- Date
- 1924-10-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 2023 Men, SamSiaH Bereine, BortrLge und Versammlungen. Verein Er «»Israel, 2. Bez., Zirkusgasse 38. Der Verein eröffnet im Wintersemester hebräische Kurse (für Anfänger und Fortgeschrittene) unter' Leitung von I. Herzberg. Anmeldungen täglich zwischen 4 und 7 Uhr im Vereinslokale oder schriftlich. — Bulowinaer Zentralverband. Morgen, Punkt 9 Ul>p vormittags, im Hotel Stephanie, 2. Bez., Taborstraße 12, X. Bukowinaer Monatshauptversammlung. 4 Uhr nachmittags, gesellige Zusammenkunft aller Bukowinaer im Cafe Edison, 8. Bez., Alserstraße 9. — Jugendgruppe der z i o n i st i s ch e n Sektion. Z w i s ch « n b rü ck e n. Heute, 6 Uhr abends, im Casö Park, Allerheiligenplatz 3, Vortrag des Herrn Ungerfeld über die Aufgaben der jüdischen Jugend. — Jung Juda Jugendbund Morgen Ganztagsausflug. Treffpunkt: 7 Uhr beim Schottentor. Oesterreichisches Museum. Morgen sind die Sammlungen einschließlich der Schausammlung ehemaliger Hofmobilien, ferner der Teppiche (darunter die ehemals hofärarischen) von 9 bis 1 Uhr geöffnet (2000 K.), Bibliothek und Lesesäle von 9 bis 1 Uhr (freier Eintritt); 7*11 Uhr Führung durch die Sammlung „Wiener Porzellan". Die Jubiläumsausstellung des Wiener Kunstgewerbevereines (neues Gebäude Wollzeile 45) ist täglich von 10 bis 6 Uhr (Eintritt 5000 St., Samstag nachmittags ab 1 Uhr 2.000 St.), die ehemalige Hoftafel- und Silberkammer (Hofburg) -an Donnerstagen von 9 bis 2 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 1 Uhr (Inländer 5000 K., Ausländer 10.000 K., illustrierter Führer 5000 K.) zugänglich. Leopold st ädterVolkSheim, 2. Bez., ZirkuSgasse 48. 7 Uhr: Universitätsassistent Dr. Wilhelm Marinelli r Die Eroberung des Luftmeeres. (Mit Lichtbildern.) Eintritt frei. Außerdem beginnen folgende Kurse: 7 Uhr r Erkenntnistheorie, Italienisch, Tschechisch und Stenographie für Anfänger, Englisch III, darstellende Geometrie, Zeichnen und Malen. 8 Uhr: Italienisch Tschechisch und Stenographie für Vorgeschrittene. Bitte um Säuglingswäsche. Eine völlig mittellose Frau, die vor ihrer Entbindung steht, bittet um Ueberlassung von Säugftngswäsche, .da weder sie noch ihr Mann imstande sind, auch nur das Notwendigste erwerben. — Zuschriften und Spenden an ,Me Bereitschaft", 1. Bez., Annagasse 18. . Vortrag. Heute, Samstag, präzise 3 Uhr nachmittags hält Herr Lektor Dr. S. Rubin im Bech-Hamidrasch-Hokal,' Wien. 2. Bez., Ferdinandsstraße 23, einen halachischen Bortrag. Thema: Der B ersb h n u n gs t und seine Liturgie. Kritische Beleuchtung. Akademie zugunsten der Blinden. Samstag und Sonntag um 6 Uhr abends finden in Reichls ' Restauration „Zur schönen Schäferin", Prater 21, zwei Akademien mit an- Mießendem Tanzkränzchen statt. Der vollständige Reingewinn fließt dem Verbände der Mindenvereine Oesterreichs zu. Hervorragende Opern-, Operetten- und Konzertkräfte haben ihre Mitwirkung zugesagt. Regiebeitraq 5000 K. Mhue und Kunft. Die neueinftudierte „Snu&etPte". Operntheattt. Als Leiter der Weimarer-Bühne hat sich Goethe wiederholt mit der Zauberflöte beschäftigt. Er hat selbst Bühnenbilder zu diesem Märchenmysterium für sein Theater gezeichnet und diese Allegorie der Humanität in seinen „Gesprächen mit Eckermann" mit dem zweiten Teile des Faich verglichen. Er meint, die Menge der Zuschauer hätte hier Freude an der Erscheinung und dem Eingeweihten werd« zugleich der höhere Sinn nicht entgehen. Es ist einerseits die niedrigere Welt der österreichischen Volkskomödie mit dem guten Prinzen, der die von einem bösen Zauberer gerauhte Prinzessin befreit und dabei von einem naiven, prahlerischen Sinnenmenschen begleitet wird, und andererseits die höhere Welt der Humanität, verkörpert durch Sarastro und den Mozart so lieben Freimaurergedanken. Aus der einen Seite allerlei Possenhaftes, Nachwirkungen der Haupt- und Staatsaktionen, Beziehungen zur Märchenwelt, ja selbst zu dem primitiven Tiertanz — in der erotischen Werbung des gefiederten Papageno um seine gefiederte Papagena —, auf der anderen Seite der edle Prinz und seine Pamina, die durch höheres Schicksal verbunden sind, wobei man im Zeitalter der Aufklärung an den guten Kaffer Joseph und das chm verbundene Oesterreich gedacht haben mag. Im Grunde ist es gleichgültig, ob die mystische Idee von Osiris mrd Isis eine ägyptische Szene erhält oder ob man ein indisch-türkisches Milieu vorzieht, wie es der alte Schickaneder tat. Kann man dock) bei Sarastros Kulthandlungen ebenso gut an orientalische Mysterien wie an die Mysterienspiele des Mittelalters denken und die Dialektsprache Schickancders, die zahlreichen Lieder und das (Salzburger) Glockenspiel künden eine unverfälschte, österreichische Mundärt. Die Musik der Zauberflöte ist ewig jung und unkompliziert und doch wird eine vollkommene Aufführung des Werkes immer schwieriger. Verlangt doch die Oper nicht nur gebildete Mozart-Sänger, die immer seltener werden, sondern auch .Schauspieler. Beiden Ausgaben wird in der Staatsoper vor allem Hans Duhan gerecht. Ein primitiver Vogelfärrger, der sich nach Essen und Trinken und nach einem Weibchen schnt, «lr naiver Sinnenmensch hermntollt und wunderschön singt. Neben ihm ist die edle Priestergestalt des Herrn Mayr als Sarastro eine ideale Verkörperung des Humanitätsgedankens und des Mozart-Gesanges. Und als dritter im Bunde Herr. B r eue r als schwarzer Monostratos: „Das ist der Teufel sicherlich." Auch Frau Schumann als Pamina beherrscht den Mozart-Gesang und Frau Gerhard als Königin der Nacht besitzt neben einer gewandten, nur noch nicht genügend weichen Koloratur dramatischen Ausdruck. Herr M a i k l als Tamino stammt in Spiel und Stimme wohl nicht „aus fürstlichem GvMte", doch als hilfsbereiter Ersatzmann für Herrn Tauber — feine Neueinstudierung in der Staatsoper ohne r UinbesetzMgen in zwölftel Stünde! — verdient er Dank. Recht hübsch klangen die Terzette der „foret Damen*' und der „drei Knaben" (man sollte es doch eimnal mit richtigen, unsinnlichen Knabenstimmen versuchen!), breit, und abgeklärt musizierte das von.Direktor Schalk geleitete Orchester und in ganz unirdischem Glanze leuchteten die Privsterchöre. Die Ausführung, ein wirklicher Erfolg des Musik- und Theatersvstes, brachte neben manchen textlichen auch szenische Neuerungen. Der Gegensatz zwischen dem Reiche des Lichts Wiener Moraerireilung. Mitteilungen aus dem Publikum. Moderne winterröcke, Ulster, flnzüse nach Maß zu mäßigen Preisen und in tadelloser Aurfüvrung // Großer Lager feinster Stoffe 18b Schneidermeister Rudolf Gold st ein Grgr. iss«' Wien, u., Tavorstratze S4 Tel. 45m s* Q sl n % Europa trinkt Tee Missotzkg rfTTTTTT Moskau Gegr. 1849 und der Finsternis wurde verschärft und die schwere Prüfung, in welcher das Liebespaar, loderndes Feuer / und flutendes Wasser durchschreitet, vom Regisseur des Herrn T u r n a u glänzend bestanden. - ftb. Ans den Theater«. B u r g t h e a t e r. Morgen, ljß Uhr nachmittags, „I p h igenie aufTanri 8", 7 Uhr abends „D a 8 S ch w e r t de 3 Attila". A k a d e rn i e t h e a t e r. Morgen, 8 Uhr nachmittags. ..Die L 0 kalbal> n" Don Ludwig T h 0 m a. Diesig Vorstellung ist zugleich die fünfzigste seit Aufnahme des Stückes (28. Jänner 1903), 7*8 Uhr abends Nittners Drama „U n t e rw e g s". Schönbrunner Schloßtheater. Morgen, 3 Uhr nachmittags, „Die Kinder" von Hermann B a d r, V28 llhr abends ,.D i e javanische Puppe" von Rudolf Lothar und Han8 B a ch w i tz. Staat soper. Morgen, 3/i*> Uhr abends, „Sic Meistersinger von N ü r n b e r g". Montag, 7 Uhr abends. „Don Ina n". Dienstag, 7 Uhr abends, „C a v a l l e r i a r u st i c « n a", „Josephslegend e". Mittwoch, 7 Uhr abends, „D t e F l e d e r m a u s". Volksoper. Heute „Aida". Morgen nachmittags „Der E v a n g e l i m a n n" mit Herrn Anton Ludwig als Gast in der Titelrolle. Die Martha singt Frl. Mary E tl i n g e r als Gast, abends „Die F l e d e r m a u r". Im Konzertakt Mizzi Günther, Bela L a s z k y, Charlotte Klein und Konzertmeister Fritz Brunner als Mitwirkende. Im Deutschen Volkstheater beginnt heute Dr. Rudolf T y r 0 l t fein Gastspiel in dem neu einstudierten Volksstück „Das grobe H e rn d" von K a r l w e i s als Schöllhofer. Die Vorstellung wird morgen abends wiederholt. Für Montag ist Anzengmbers Wiener Volksdrama „D a 8 vierte Gebot" mit Dr. T y r 0 l t als alter Schalanter angesetzt. Abends 10 Uhr beginnt täglich die Nachtvorstellung mit dem Gastspiel des deutsch-russischen Künstlertheaters „Der blaue V 0 g e l". Nach Schluß elektrische Straßenbahn nach allen Richtungen. Kammerspiele. Heute bis inklusive Mittwoch, 7 Uhr, „I 0 s e p h t n e". Donnerstag, 7 Ahr (zum ersten Male) und die folgenden Tage „Die Großfürstin und der Zimmerkellner", satirische Komödie in drei Akten von Alfred S a v 0 i r, deutsch von Berta Zuckerlandl. Heute und die folgenden Tage, 10 Ahr, „Was Frauen träumen". Theater in derJosef stabt. Heute, 7*3 Uhr abends, „Protheros Hilfe". Morgen, 7,3 Uhr, erste Nachmittagsvorstellung „Kabale und Liebe", 8 Uhr abends „D a s A p 0 st e l s p i e l". Raimund-Theater. Heute, 7 Uhr abends, „D e r F r a n z l". Morgen, 3 Uhr nachittags, „D e r F e l d h e r r nh ü g e l", 7 Uhr abends „D e r F r a n z l". ModerneZTHeater. Morgen, Montag- und Dienstag, 8 Uhr abends, „Der M u st e t g a 11 e", Mittwoch znm ersten Male „TragödiederWorte". L u st s p i e l t h e a t e r. Morgen, 7*4- Uhr nachmittags, „E i n Doppellebe n" (Josef Jarno), 7,3 Uhr abends, „EineWohnnng zu vermiete n". Montag bis einschließlich Donnerstag „Eine Wohnung zu vermieten". Freitag, 7-3 Uhr abends, zum ersten Male „D i e Großen l ä ß t m a n l a u f e n". (Josef Jarno.) Die «Sensation" Selma Lagerlöf. Die große nordische Dichterin Selma Lagerlös hat einen Sommer des Mißvergnügens hinter sich. Die Nordlandsreisenden belagerten mit neu-gieriger Zudrin-alichkeir ihr Gut Marbakka, das. aus der autobiographischen KinAH eitsschiIberitrtg der Dichterin bekannt ist. Alltäglich sammelte sich ein Autoparik vor dem Landhanse, uiid die feinfühligen Touristen gafften durch die Fen-. st er in das Speisezimmer, um Selma Lagerlös bei Tisch flu sehen. Ganz ungeniert promenierten die ungebetenen Gäste aus aller Herren Lander in Selma LagoMss Garten. Auch kleinere, weit sympathischere Besucher kamen, nämlich SchnVinder mit ihren Lehrern, die alle das Heim der Dichterin .seihen und sie selbst sprechen wollten. Um sich noch ein Endchen der dringend nötigen Sommererhoilung zu retten, verbot endlich Selma Lagerlös >den Zugang zu ihrem Landhaus. Ein wertvoller Greco-Fund. Der Direktor und Bibliothekar des Toledaner Provinzialmuseums, Don Francesco San Roman, der bekannte Greco-Gorscher, hat das Verzeichnis der gesamten liegenden und beweglichen Güter des Greoo, worin unter anderem über 200 Gemälde religiösen Inhalts verzeichnet sind, unter Angabe deren Vorwurfs, Ausmaßes ulsiv. ausgefiinden. Außerdem ist auch ein Inventar^der gesamten Bücherei des Malers vorhanden, meist Werke über Architektur und Malerei. Nach der Entdeckung des Testamentes El Greoos ist 'dieser Fund eine weiter« Bereicherung unseres Wissens um El Greco, dessen Äcbensgeschichte auisznhellen bisher nicht gelungen ist. Kunst und Pazifismus. Aus Anlaß des 23. Weltfriedenskongresses, der in Berlin tagt, hat die Berliner Ortsgruppe der Jut ern at>io naleu Frauenliga für Frieden und Freiheit eine internationale Ausstellung Pazifist i s ch e r K u n st und Literatur sowie eine neuartige SP ielzeug aumst eil u ng veranstaltet. — Es ist höchste Zert, daß man ansängt, darüber nachzu.denfen, welche SplKzouge inan einem Kino in die Hand gebeir darf. Denn die jugendliche Soldaten spieler ei hat traurige Folgen gezeitigt. Ernst Barlachs „Sündflyt". Ernst Barlachs neuestes Mihnenwerk ,Snudflat" erlebte in Stuttgart seine UrausfülMng. Trotz einer sehr.guten Darstellung und der eindringlichen Megliefichrumg durch den Oberreglsseür Wolfgang Harnisch erzielte das Stück nur einen Achtungserfolg. 4. Oktober 1924 SUie 5 Gerichtssaal. Strafen für Verletzung des Telegraphen- und Radivgeheimnisses. Am 1. Oktober ist das neue Telegraphengesetz Lu Kraft getreten, das auch einige strafrechtliche Bestimmungen enthält, die der Judikatur der B «z i r ks ge rü ch te überwiesen sind. Wer z. B. unbefugt eine Einrichtung trifft, um eine von einer öffentlichen ■ Telegr.a.phenansta«lt ausgchenide oder an sie gerichtet« Nachricht aufzusangen, macht sich einer Uebertretung schuldig und wird vom Bezirksgerichte mit Arrest von einer Wochebis zudret Monaten oder mit einer Geldstrafe bis zu 30 Millionen böstraft. Eine weitere strasgerichtliche Bestimmung belicht sich auf die SS e r I'»~ ng des Telegraphen ge he>imn.isses. Wer vorsätzlich als Bediensteter oder Beauftragter einer öffentlichen Telegraphenanstalt unbefugt über die Tatsache oder den Inhalt eines Telegramms einem Uuberuisenen Mitteilungen macht, überhaupt ein Telegramm öffnet oder seinem Inhalt nachforscht, ein Telegramm unterdrückt, fälscht oder unböfu.gt dem Empfangsberechtigten vorenchält/Än Ferngespräch oder einen Rundspruch unterdrückt oder unrichtigvermiittalt, wird mit strengem Arrest bis z u s e ch s Monaten und außerdem mit einsr Geldstrafe bis zu sechs Mililionen Kronen bestraft. Endlich bezieht sich eine Strafbestimmung aus die B e rletzunH der dem Bunde vorbehaltenen Rechte. Wer unbefugt einen Telegraphen errichtet oder betreibt, wer unbefugte Einrichtungen für drahtlose Teleg r a P h i e oder deren Bestandteile herstellt, wer rMbosugl aus einer vom Bunde bewilligten drahtlosen Empfangsanlage eine von einer öffentlichen Telegraphenawftalr ausgehende oder an sie gerichtet« Nachricht a u f s ä n g t und die ausgesangenen Nachrichten verwertet, macht sich einer Uebertretnng schuldig und wird mit Geld bis zu sechs Millionen Kronen oder mit Arrest bis zu einem Monat bestraft. Bei erschwerenden Umständen sind beide . Strafen nebeneinander zu verhängen. Schwerer Unfall einer Krankenschwester. Als am 18. Dezember 1922 die Kraufewschwester WaltraaÄ) Christof aus dem Wilhelmmenspital, in dem sie Dienst versah, in das- Pslegerinnenheim gehen wollte, stürzte sie aus einer vereisten Stelle des Weges im Spitälgebäude derart unglücklich, daß sie sich beim Sturz einen Bruch beider Unterschenköllnochen KUzog. Die BeÄetzte könnt« erst am 1. Mai 1928 gÄstmd entlassen wrden und hat noch heute schmerzhaft« Erscheinungen, zunral sich Abszess« bildeten >uind auch ein« Korrektur des Bruches während der Heilung dovgenommen werden mußte. Die Verletzt« beansprucht von den Kvanfenaustalien einen Betrag von 1,25 Millionen an Verdiensientgang und öin Schmerzensgeld von 70 Millioum Kronen, da der Unfall, der ungewöhnlich« Schmerzen im Gefolge hatte, durch die Unterlassun'g des Äufstrenens trotz Glaiteifes verursacht wurde. Der Vertreter der Finanzprokuratur beantragte die Abweisung der Mage, da kein Verschulden der Anstalt vorlag, und bestritt die "Höhe des Schmerzensgeldanspruches. Der Senat des Zivillcmdesgerichtes unter Vorsitz des Hofrates Dr. I P 0 l t ließ zehn Zeugen über den Grund und die Folgen des Unfalles zu. Der Vorsitzende legt« der Proknratur mhe, mit Rücksicht ans die ganz ungewöhnliche Schmerch-rftigfeit des Unfalles vielleicht öin«'Einigung mit der Klägerin Mzubahnen. Hierauf wurde die Verhandlung zur Durchführung der Beweis« aus unbestimmt« Zeit vertagt. Sieben Kisten Bajonette verschwunden. Mit einer höchst seltsamen Strafsache hat sich gegenwärtig das Bezirksgericht Favoriten zu befassen. Es handelt sich um sieben Kisten Bajonette, die zum Transporte nach Ungarn (die Sache spielt im Jahre 1921, zur Zeit der Grenz-- und Banden- .kämpfe an der österreichisch-nngarischen Grenz«) bestimmt waren und spurlos verschwunden sind. Die Bazonette waren damals beschlagnahmt worden und lagerten im Magazin d«r Lebensmittelabgabestell« der Aspangbähnbediensteten. Trotzdem nun die sieben Kisten beschlagnahmt wären, haben der Obmann des Kreisavbeiterrates am Aspangbahnhof Johann Vogt und der Magazinsauffeher Hermann F'r a i s e l di« Kisten ins Arsenal schaffen lassen. Dort weiß man jedoch von dieser ganzen Sache nichts; es sind weder Bajonette in Kisten übernommen noch von der Lebensmittetlabgabestelle äbgeholt worden. Gegen Johann Vogt und Hermann Fraisel wurde die Ankalge — nicht etwa wegen Diebstahls, sondern deswegen «rhöben, well sie die b e s ch l ä g n a h m t e n s 1 e b e n Kisten angeblich ins Arsönal überführen ließen. In der ersten, im April d. I. stattgefundenen Verhandlung gab Vogt an, daß er nicht gewußt hübe, die SeEung sei beschlagnahmt worden. Die Anklage behauptet aber Vogt Hab« hievon gewußt, und zwar durch den Polizeiobcrkömmissär im Bundeskanzleramt Dr. Artur Hirth. Der Richter hat damals die Verhandlung vertagt, um Dr. Hirch hierüber' -in zu vernehmen und die Verhandlung aus den 26. September d. I. vertagt. Trotzdem die Ladung (durch die Unterschrift Dr. Hirths) a u s g e wi e s e n erscheint, war Dr. Hirch zur Verhandlung nicht erschienen, und zwar ohne jede Entschuldigung. Der Richter verhängte über ihn eine Ordnungsstrafe von 100.000 K. und drohte, für den Fall des Nichterscheinens^ die zwangsweise Vorführung des Polizeiöberkommissärs an. Die Verhandlung wurde aus' gestern vertagt. Gestern ist Dr. Hirth abermals unentschuldigt ausgebliebeu. Der Verteidiger der beiden Angeklagten stellt« nun folgenden Antrag: Es scheint, daß der Herr Zeuge Polizeioberkommissär Dr. Artur Hirth einer höheren Weisung Folg« leistend, zur Verhandlung nicht erscheint. Ich stelle den Antrag auf zwangswe-ise Vorführung des Ze-ngen und um gleichzeitig« Verständigung des Bundeskanzleramtes von dieser Maßregel. Der Richter gab dem Antrag« st a t t und vertagt? die VerhaMnng auf unbestimmte Zeit. Ein antiscmittscher Verleumder zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Ans Berlin meldet I. T. A.: Der Chefredakteur der von Richard Kunze in Berlin herausgegebenen „Neuen Zeitung", Artur Herbert W o l l n z i h n, hatte in einer Versammlung in Löwen'bera in Schlesien schwere Verleumdungen ü b e r jü d i s ch e Ae r z l e ausgesprochen. So hatke er behauptet, daß viele jüdische. Aerzte planmäßig das dentfche Volk verseuchen, mit ihren Medakimenten den Tod zahlreicher Volksgenosse^' verursacht und gelegentlich ihrer ärztlichen Tätigkeit an deutschen Frauen, und Mädchen sich Vorgängen hätten. Das Schöffengericht in mehr WollnHn wegen Beleidigung zu .drei "Mona t Gefängnis verurteilt.