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Wiener Morgenzeitung · 1924-10-03 · Heft 2022 (3.10.1924) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2022 (3.10.1924)
Date
1924-10-03
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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RÄÖlbj-BEILAGE DEP WIENER MORGEN ZEITUNG* ERSCHEINT FREITAG - vif. «Uffi UWD«M I // r Wie iß Zefterreich das Radioivesen diÄredi. Art wurde. Ms vor nicht allzu langer Zeit die ersten! Anfänge ber Radiobewegung mit echt österreichischer Verspätung aus der: übrigen Kultuvstaaten, nach Uebevlvindung der . mannigfachsten Schwierigkeiten, zu uns drangen, flammte - das impulsive österreichische Gemüt der neuen Errungenschaft entg>egen. Sofort setzte eiu Run der abgebauteu KriegsgewiMer, insolventen Kaufleuten und aller jener auf die geschäftliche Seite des Radiowesens ein, die im Existenzkämpfe bisher versagt hatten. Die Bankrotteure der österreichischen Geschäftswelt griffen wie ein Ertrinkender nach dein Strohhalm, nach dem Rettungsanker „Radio". Der Juwelier & rvar Plötzlich Direktor der Radiogesellschaft 8)., der Delikatessenhändler N. öffnete eine Abteilung seines Ladens der neuen Gewinstmöglikeit, und das liebe, gute gläubige Publikum lauschte mit Ehrfurcht bett Ausführungen des neugebackenen Wissenschaftlers, der mit Fachausdvücken um sich warf und Öa§ Mysterium des vor ihm stehenden Apparates dem gläubigen Zuhörer erklärte, ohne Hm den angepriesenen Auslandsempfang vorzusühren, denn erstens sendete man gerade nicht, zweitens Mar kein Radiowetter und achtens die Batterien erschöpft. Daß das Alysterium des Apparates für ihn selbst die mysteriöseste Angelegenheit bei der Sache war, verschwieg er wohlweislich. , Das Publikum, durch die falschen Auskünfte irregeleitet, in seinen Erwartungen, mit 'dem gekauften Apparat und Rahnrenantennen London, Paris, Berlin hören zu können, wie auch durch die vorerst seltenen und mangelhaften Sendungen der Wiener Station enttäuscht und durch die Parasiten'der Branche schlecht instruiert, wurde mißmutig und prägte ein Wort, das zur Massenpsychose führte. „Das Radiowefen fleckt noch, in den Kinderschuhen." Die 'berufene Instanz der breiten Oeffentlichkeit, die Press«, hat es-bisher noch nicht unternommen, aufklärend zu wirken und gegen die SchäAinge des Radiywesens anzukämpfen. Run werden in Wien regelmäßige Sendungen stattfinden, Radiohaus Horny Wien, l.Bez.. Reichsratsstrasse Nr. 9 Telephon Nr. 29-3-46 Bpezialcf/pparate, Itadiomaterial Generalvertretung: Brown-Lcmtspredher, London C opyriglit 1924 l>y Nachdruck eeclioten» Leutsche DerlagSanstalt, Stuttgart. 2. Fortsetzung, Ae Stadt an der Moldau. Roman. Bon Auguste Hauschner. Jakobs Hand strich sacht Wer die Fläche eines Grabmals, von Baumwurzeln wie durch Hebel aus dem Erdboden gehoben. Schief hing es, als sei es im Begriff, zu stürzen. Die abgewetzte Schrift auf seiner ,Tafel war unentzifferbar. Eingerahwt von schlanken Säulen, gekrönt von den Schnörkeln eines Simses, Welte es einer verschlossenen Tür. „Die Tür zu in ewigen Leben," sagte Wob leise.. Mit einem Schütteln setzte Eduard sich zur Wehr. „Ewiges Leben. Nicht auszudenken, Schon das zeitiiche ist"kaum zu überstehen." „Man muß es als einen Zustand des Überganges betrachten," meinte Josef. Sie verstummten und lauschten dem Schlag der Nachtigall, der aus dem Dickicht draüg. Eduard stöhnte: ,Me künstlichen Instrumente müßte mau 'zerschlagen, wenn man so was hört." Seme Finger zupften einen Mißklang aus der Geige. Er schwang sie, als wollte er mit ihr den Anfapg machen, und lachte bitter auf, als Jakob schützend nach ihr faßte. „Bon MW kann man nie genug bekommen. UM von Dichtung." " Träumerisch zuMgeWnt, daß sein Wasser Kypf in bcr Finsternis wie der Bildschmuck eines Grabsteines wirkte, sprach er mit feierlicher Stimme hebräische Verse. Es tonr, als redete Vergangenheit ans tiefen Grüften. RADIOAPPARATS und ZUBEHÖRTEILE in Qualitätsausführung liimti .Lira Gesellschaft für Elektrotechnik INO. KOPPE, KLUG & Co. Wien, VI. Haydngasse 3 Telephon Nr. 44*32 Telegr.-Adr.: .Tranifomi* bei allen fachmännisch geleiteten Finnen zu Hören sein unb den schlagendsten Beweis dafür liefern, daß das Radiowesen iweit genug entwickelt ist, um der breiten Oeffentlichkeit zugänglich gemacht zu weren, daß es nur eine Frage der fachmännischen Beratung ist, jedem Interessenten die Apparate anzuraten, die seinen Wünschen entsprechen, vom Detektorapparat für Nahempfang ängefangen bis zur Station zum Empfang aller europäischen Sendungen. __ Felix B. Sin Abend bei der Aavng. Im Gebäude des ehemaligen Kriegsministeriums befindet sich ein kleines Reich, oben im vierten Stock, abgesondert vori. allem Hasten und Treiben des Hauses, das Reich der Ravag. In liebenstvürdigster Weise empfängt eiu Direkttonsm'itglied die Gäste Mittwoch vor acht Tagen tvar es ein hoher Gast, Poligeipräsident Schober, der seine Zufriedenheit über das Gesehene und Gehörte aussprach) und führt sie in den Akkumulatoren-, Maschinen- und Senderaum. Die Sendeanlage von. der Firrna Telefunken hergestellt, ein Wunder elektrotechnischer Feinmechanik, begann Punkt 8 Uhr zu arbeiten. Neben dem Sendeapparat ist ein Lautsprecher montiert, der den Technikern die Vorführung aus dem nebenan gelegenen, mit schweren Plüsch- Vorhängen ausgekleideten Vorführungsraum lückenlos übermittelt. Frau Grete Popovici-Osthehm, die, tvie man hört, mit der Düsseldorfer Oper abgeschlossen hat, und ihr Gatte Professor Johann Pvpovici waren die Hauptattraktionen dieses Abends. Neben dem Vorführungsraum liegt ein Zimmer, in welchem ein primitiver vier Meter langer Draht und ein Detektorapparat infolge der großen Nähe die Vorführung tadellos twiedevgibt. Vollkommen unverändert und rein klang die vorzügliche Stimme Frau Popopvieis aus dem Kopftelephon. Ad 1. d. nahm die Ravag offiziell die täglichen Sendungen auf. In Innsbruck und Graz «werden Sendeanlagen errichtet, die als Relaisstationen die Wiener Sendungen weitergeben werden. Im Lause des Ottober wird,.ähnlich wie im Auslande, ein Wetter-, Wirtschafts- und Nachrichtendienst eingerichtet werden. In Norwegen und Schweden hört man, wie berichtet wird, die Wiener Sendungen klar und deutlich. Das liebenswürdige Entgegenkommen der Direktion, die Karen und sachlichen Erklärungen der. Techniker und nicht zuletzt das gewählte, gute Programm machen einen Abend in diesem Reiche der elektrischen Wellen zu einem unvergeßlichen Vergnügen. - Felix B. RADIOWERK E. SCHRACK WIEN, XVIII, SCHUMANNGASSE Nr. 31 Empfänger Audionröhren Einzelteile Hochfrequenzmessgeräte 1UMCU3Er Broadcasting RADIOOESELLSCHAFT WIEN Zentrale: IV. Karlsplafz, Verkaufsstellen i Fabrik : V. Bräuhausgasse Nr. 6, Tel. 51-3-80 u. 51-3-56 | Linker ä Immer Svezialham Hr Elektrotechnik Einrichtung elektrischer Anlagen rmd Installationen Wien.llI.PettusgasieRr.S öslsuektungsiiÄus U JELLINEK VI. Bez., Mariahilferstrasse Nr. 1b RADIOABTEILUNG WIEN " H Praterstr. 17 PAUL PLANER A. G Komplette Empfangsstationen Alle Bestandteile zum Selbstbau Baukosten „Radioplan“ Instruktion, Vorführung Seine Aufmerksamkeit lenkte sich auf ein herannahendes Geräusch. Mingt das nicht, als ob jemand nach dem Eingang suche?" '; „Die Marianka wird es sein," eriyDrte ihm Mosch In seiner Stimme zitterte Triumph. „Die Marianka?" wunderte sich Ludwig.. „Cure Magd? Was hat sie hier mitten in der Nacht zu suchen?" „Ich habe ihr angesagt, zu kommen", erklärte , Josef, „und ihr auch gewiesen, wo sie durch die Mauer kriechen kann." " ” ’ ■ ~ ,Ms arme MLd'el," sagte Jakob vorwurfsvoll. „Den ganzen Tag muß sie sich plagen. Und ich weiß, wie sie sich fürchtet, im Finstern allein." ' 1^5\ „Sie tut, was ich ihr befehle," erklärte Josef. •&. . ,Mcher nimmst du solche Herrschaft über sie?" tvdllte mm auch Ludwig erfahren. '' „Ich weißnicht," sagte Josef, hochmütig. Die Dunkelheit verbarg das sonderbare Lächeln, 'das seine schmalen Lippen teilte.; r ■ Jakob ging, um dem Mädchen, das sich durch die Ziegelspalte drängte, beizustehen. Äe'beanspruchte nicht seine Hilf«. Gleitend, als werde sie von einem Se-il gezogen, ging sie auf Josef zu. Ihr rundes, kindliches Gesicht tvar so weiß, daß es von innen her beleuchtet schien. Aus den blauen Augen starrte der gleiche Ausdruck hilflosen Erstaunens, mit dem sie in der Küche des jungen Herrn AuordnuMN empfangen hatte. Unheimlich waren ihr die Juden, zuweilen war sie ungewiß, ob der junge Zahradil vielleicht nicht auch dazu gehöre. Fest war.sie überzeugt, daß sie Ehristenkmder schlachten, um Blut für ihre Oster- * Archen zu gewinnen. Durch Ausall .hatte sie einmal eine Bemerkung über Jakob Muttis „Beinhaustante" aufgefangen. Seitdem mied sie scheu die Gegend. Das Haus stand zwar nicht mchr da. Aber konnten hinter der Mauer nicht noch immer Leichen liegen? Wer konnte wissen, was 'diese Juden treiben? Frost der Angst zog ihr die Schultern zusammen. Als Josef sie befragte: „Marianka, du fürchtest dich doch nicht?" war ein Zwang in ihr, deutlich „Nein" zu sagen. " ' „Woher solltest du dich auch fürchten?" beschwichtigte her mitleidige Jakob. „Seit mehr als hundert Jahren wird hier nicht mchr begraben. Was hier stirbt, ist nur ein Haufen morscher Steine." Wehmütig fügte er hinzu: „Und eine Tradition." Das Gespräch wurde nicht fortgesponnen. Offensichtlich war es Josef nur um den Sieg seines Willens über Marianka zu tun gewesen. „Wir führen dich auch gleich hinaus."- Auf der menschenleeren Gasse schlug er vor: ,-Gchen wir noch nicht nach Hause. Gehen wir ein bisiel noch Leim Wasser sitzen." Alle ließen sich von ihm bestimmen. Sie' überkletterten die Kaimauer und warfen sich, unterhalb der Böschung, in den Sand des Ufers, von dem die Moldau zurückgettreten tvar. Keiner sprach, als scheuten sie sich, die Mille zu zerreißen, in der nichts als. das Atemholen des Flusses zu vernehmen war. ~ Ohne Uebergang fing Jakob an, vom Urgroßvater zu reden. Nächstens feiere er Geburtstag. „Den wievielten?" wollte Leschner tvissen. „Vielleicht den hundertsten. Mematch kennt die Airzahl seiner Jahre, möglich, er selbst nicht." ' ' . (Fortsetzung soffst.) 5631008853

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