Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2022 (3.10.1924)
- Date
- 1924-10-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Sfettt 4 Wen, Freitag Wiener MorgerMliirtiK. 3. Oktober 1624 Nr. SOLL Sßkhfm'iit nein, um biiv bestehen,den Ingen lGcrcine f-iit seine Bestrebrlugen zu interessieren. . A-ls-ann hielt Tr. Wiener ein Referat über die allgemeine politische Lage, nach weichem sich der erste Bundesvocfitzende Dr. Leo Löwe n st e in über die nächst, n Au'fgalbeu des Reichsbnndes äußerte. Anschließend folgten Statutenänderungen und Neuwahl dcZ Vorstandes. Inm ersten Vorsitzenden wurde spontan der Begründer des Bundes und der bisherige Bundesvopsitzen.de Tr. Leo Löwe nst ein gewählt, als zweiter Vorsitzender Rechtsanwalt Samo je (Berlin). Ferner gehören -aern Vorstand an: Tr. EIE e l e s, Tr. Z>w i r n, Leder m o ti »r, G u m pe«rt, Tr. Wien e r. Rechtsanwalt K o c z o w r r >>.nd Jnsttzrat C h o d z i e s n er. Ire LechilK der deutsche« Hakmkreuzjastiz. Ser dritte Vortrag Gumbrls. In Ergänzung seiner Leiden Vorträge, über die wir bereits ausführlich berichteten, gab gestern Prof. G u rn L e l in seiner lebhaften Vortragsart einige interessante Details über die Technik d e r H a k e u k r e u z j u st i z in Deutschl a n d und über die Art und Weise, wie die jedem Nechtsemps'mden hohnsprechenden Freisprüche gefällt werden. Gerade gestern wurde wieder ein Feldwebel, der am Kapp-Putsch beteiligt war, freigesprochen, der auf Befehl eines Offiziers einen Mord beging und falsche Zeugenaussagen niachte. Der Redner drückte sein Bedauern darüber aus, daß alle Bemühungen, diese Zustizkornödien abznstellen, bisnun erfolglos blieben, gab aber der Hoffnung Ausdruck, daß. es der deutschen Arbeiterschaft gelingen werde, das durch die Fehler der Sozialdemokratie verloren gegangene Terrain zumckzugewinnen. Auch die'er lchte Vortrag Gnmbels loste starken Beifall aus. kaWioni md die Iepofitenbank. Bevorstehende Avtunst «astiglioviin Men. - Die Somit fiomettfofe fordert die BM siernng der Ansprüche der Zevofitenbaak. Di« AnMgeichcit i>cs Hausts CastiOiom mird immer Direktor der Ban» Lammereiale aus Mailand nach Wi«, Zer verlorene Bnrvor. Purpur, der wertvollste und geschätztste F-arbstoss des Alrertums, als Zeichen der Würde der römischen Senatoren und der römischen Kaiser, in seinen Streifen, Vierecken oder Kreisen -damit gefärbter Wollte, später Seide, auf dem Gewands getragen., ist unserer Zeit: vollständig verloren gegangen. Tas ist einer der wenigen Fälle, lvo die heutige Technik d'-e alte nicht erreicht. Allerdings wird bei der außerordentlichen Zahl von prächtigen Farben, die uns die Chemie geschenkt hat, der Purpur nicht vermißt. Diese Errungenschaft wird um so mehr in ihrer Bedeutung erfaßt, wenn man bedenkt, daß Purpur nicht etwa nur rote Farbe lieferte, wie man sich das gewöhnlich vorstellt. Schon die eigenartige Bezeichnung, die man bei alten Schriftstellern, wie Homer, mit dem Worte Purpur verknüpfte, ließ daraus schließen. Was sollte man sich sonst.unter Purpurschnee oder Purpurschwänen (Horaz) vorstellen? Die Wurzel des Wortes bedeutet ursprünglich, sich unruhig hin und her bewegen, rasch 'die SteÄe verändern, flimmern. Diese Bezeichnung mag zusamn-jenhängen mit den Farbennuancen, die der Purpur ergab. Bor allem ist die gervöhnliche Purpurfarbe, wie man an einigen alten Geweben in der Historischen Abteilung der Textilausstellung ersehen kann, nicht rot, sondern dunkel violett, fast schwarz, mit einem Stich ins Violette oder Rote. Die Farbe wurde aus Schneckenarten gewonnen und ist eine Küpenfarbe gewesen, das heißt eine solche, die nicht löslich war und erst durch den Prozeß des Färbens unter besonderen Vorsichtsmaßregeln sich erzeugen ließ. Im 12. Jahrhundert «ist die Kunst des Purpucfärbens noch bekannt, dann geht sie. verhören, und bis heute sind sich die Gelehrten noch nicht ganz klar darüber, wie der Purpur eigentlich hergestellt würde. Man wird jedenfalls in den modernsten Lehrbüchern über Färbungbung vergeblich nach der Herstellung der Purpur?- färbung suchen, die einst wie Gold und Elfenbein geschätzt wurde. Sie unruhige krve. Erdstöße im Nordoste>r der Vereinigten Staaten. Wie aus N e w - Ä) o i! gemeldet wird, haben zwei starke Erdstöße im Staate M a i n e (im Nordosten der Vereinigten Staaten) unter den Bewohner dieser Gegend grvße Panik hervorgerufen, da bisher in diesem Teile Nordamerikas sehr selten Erdbeben vorkamerr. Nach den Meldungen aus den heimgesuchten Distrikten wurde an Gebäuden geringer Schaden angerichtet. _ Zer Sttrtt um den Arotpreis. Die Bäcker drohen mit der Einstellung der Broterzeugung. Gestern fand eine Vollversammlung .der Bäckergeiwsserrschaft statt, in welcher darüber Klage geführt wurde, daß die Forderungen der Bäcker nach a mt l i ch e n Richtlinien für die Br otpreisbildung bisher nicht erfüllt wurde. Ein Redner -erklärte, daß der Preisprüfungs-- stelle eine neue Kalkulation vorgelegt werden wird, wonach der Brot preis ab 1. Oktober 8739 Kronen betragen soll. Die Regierung werde diesen Preis bewilligen müssen. A T ie Versammlung nahm eine Entschließung an, welche besagt, wenn die Regierung nicht ehestens Vorsorge trifft, daß die Brotpreiserstellung, ob mit oder ohne Mitwirkung der Behörden, erfolgt, die Wiener Bäcker die Broterzeug ung einstellen müssen, well die Erzeugungslosten nicht mehr erschwinglich seien. Eine neuerliche Versammlung am Sonntag soll beschließen, ob bereits am M o n t a g mit diesen Maßnahmen eingesetzt werden soll. Die Gebarung der Hammerbrotwerke. Als die Wirtschastspülizei die Erstellung des Brot- Preises durch die Brotfabriken untersuchbe und den Preis des Ankerbrotes, der gleiMpch mit dem des MmWrMtes verworrener. Klarer wird -cs nur immer mehr, daß die österreichischen Behörden durch die Art der Behandlung dieser Frage eine solche Ungeschicklichkeit bewiesen haben, daß die Schäden, die dadurch der österreichischen Volkswirtschaft tzugcfügt wurden, sich nur schwer werden gutmachen lassen. Während der Generaldirektor Gabriel N e u ina n n in Budapest durch seinen Advokaten die -Emsorderung -der Akten durch die Budapester Behörden hat verlangen lassen und vorläufig in Budapest bleibt, während auch der gewesene Präsident der Depositenbank Goldstern in Deutschland-die Entwicklung abwarlen will, verlautet, daß C a ft i g l i o u i aus Triest heute nach Wien kommen soll. Es stellt sich nämlich heraus, daß der ganze Rummel in erster Reihe darauf hinausläust, Castiglioni zur Leistung einer größeren Schadenersatzsumme an die Depositenbank zu veranlassen. Nun können zweifellos solche Zwecke nicht durch strafprozessuelle Mittel erreicht werden, zumal tatsächlich der strafprozessuelle Tatbestand von den Behörden bisher nicht präzisiert wurde. Andererseits habe nicht nur die Regierung, sondern auch die an der Rekonstruktion der Depositenbarc-k beteiligten Kreise ein Interesse -daran, die Angelegenheit möglichst rasch zu berein-igen, foa sonst die Affäre der Depositenbank selbst immer verwickelter wird. Als Sachwalter des Castiglionischen Vermögens tritt nun der nach Wien entsendete Vertreter der Mailänder Banca Comimrciale Dr. Ros s t auf, der die Erklärung abgab, daß von einer Regelung der sonstigen Castiglionischen Verbindlichkeiten in Oesterreich nicht die Rede sein könne, bevor nicht die Anprüche der Depositenbank genau Präzisiert sind, -da sonst die Banca Commewiale von ihrer Regelung der Castiglionischeri Vermögensrngelegenheiten z u r ü ck t r e t e n würde. V-orgestern kam noch evn zweiter Mitteillmgen ausdem Mblllum. Billifle Seefischtage L „NORDSEE“ ©W (Goldbarsch) SC *12«000 Seelachs K 14.ooo Seeschill K I8.000 | Täglich frisch gebratener SeescnniV'iO Peka K 2.4oo | Billige, gute Fischmarinaden!!! Neue Salz« und Matjesheringe preiswert 11! .und hat sich Mit Direktor Rosst sowohl zum Bundesü-nsier Dr. Gei Pol als auch zum Vizekanzler Doktor F ra u t begeben und dort erklärt, daß sie unmöglich weiter an der Regelung der ganzen Angelegenheit arbeiten können, solange nicht in dieser Ansicht volle Klarheit geschaffen werde. Mit diesem Gegendruck sucht die. Banca Lommerciale den von der Gegenseite ausgeübten Druck zu paralysieren. Tatsächlich war die Depositenbank bis heute nicht in -der Lage, ihre Forderungen genau zu beziffern. Eine Erklärung des Direktors der Banea Comrucrcialtz Die italienischen 'Blätter veröffentlichen eine Erklärung des Generaldirektors der Banca Eom- »r crciale, E 0 w m e n d a t 0 r e T ö p I i tz, in der es heißt: Für die Sanierung- C a st -ig I i 0 nis war die Zuanspruchnahnte -einer Summe von 125 Millionen Lire vorgeschen, eine Summe, welche die Differenz zwischen den sofort und leicht realisierbaren Aktiven und Passiven Ca-stiglionis bedeutend überschritt. Die Beteiligung, der Banca Conun-erciale an diesem Konsortium sollte ein 0^ rlftiff.innpit gs 0 Millionen Lire, betragen. Da die endgültige Konstituierung des Konsortiums -durch die Nottoendigkeit der Vornahme genauester Feststellungen verzögert war, beschlossen die Beteiligten, einen Vorschuß für die nicht aufschiebbaren Fälligkeiten in der Höhe von 20 Millionen Lire zu gewähren, wobei die Banca Eo-nturerciale wieder mit 20 Prozent beteiligt Ivar. Diese Summe wurde gegen -vMommen einwandfreie Garantien vorgestreckt. Durch den Eingriff der österreichischen Bchördeu wurde die Grün-Wtng des Sanierungskonsortiuins gestört, uud -ich weiß noch nicht, welche Folgen diese Störung nach sich ziehen kann. war, als übermäßig bezeichnete, sah sich der sozialdemokratische .Parteivorstand veranlaßt, einen Reinwaschungsversuch vor-zunehnwn. Zu diefern Zwecke setzte er eine Kommission ein, die die Gebarung der Hammerbrotwerke zu überprüserr hatte. TW Kommission hat durch den Hofvat Stern und den Sekretär Raus uitz die Geschästsbücher der Hammerbrotwerke geprüft und dem Parteivorstand den folgenden vorläufigen Bericht erstattet: Die Kommission hat sesbgestellt, daß die P a r t e i als Hauptaktionär der Hammevbrotwerke aus den Erträgnissen des Jahres 1823 eine Dividende von 111,150.000 K., auf den Laib umgerechnet 4,82 K., 'bezogen hat. Außerdem hat die Partei den Hammerbrotwerken ein größeres Darlehen gewährt, das mit sechs Prozent verzinst wird. Der andere -Aktionär der Ham-rnerbrotwerke, Siegmund Bösel, 'hat für das Jahr 1923 eine Dividende von 74,100.000 K. bezogen. Bosel hat den Hammerbvottverken zwei Darlehen gewährt, von ömen eines mit sechs Prozent, das andere mit 18 Prozent verzinst werden. Die Bilanz für das Jahr 1923 weist einen Reingewinn von 902,316.616 K. aus, oder 39,5 K. auf den Laib Schwarzbrot. Dieser Reingewinn ist nach Abzug der Dividende an beide Aktionäre und der Steuer 'dem Unierstützungsfonds der Arbeiter und der Angestellten des Betriebes zugeführt worden. Neigende Bieh- «nd Fleischtzreise. Die Fleischimporte in der Großmarkthalle waren gestern zwar günstiger als ht den Vortagen. Mittels Bahn sind 18 Waggons im Gewichte von 98 Tonnen eingelangt, allein 5tälber und Schweine verfolgten die aufsteigende Richtung. Rindfleisch, welches bereits am DieirStag merklich im Preise gestiegen ist, blieb gestern vorläufig unverändert. Auf den Viehmärkteu in St. Marx haben sich lebende Fleischschweine um 1000 K., Weidner um 2000 K., Fettschweine Mb Kälber um 1000 K. pro Kilogrcnnn verbessert. Die Ansichten für die Fleischtersorgung am Samstag erscheinen daher nicht besonders günstig. Der Zentralgemüsemarkt verfügt zwar über günstige Anlieferungen, namentlich in Gärtnerprodukten, nuter denen sich schon ziemlich viel Winterware befand, allein die Preislage blieb trotz gesteigerte« Angebotes eine stabile. Auch der Obstmarkt wurde bedarfdeckend beschickt. Eier bis zu 2900 K. pro Stück und Butter gab es in genügender Menge. Unmäßige Koßlenpreise. Strafandrohungen für die KleinyäMer. Amtlich wird verlau-tba-rt: Bei der JnldeMtzung mfl 15. September dieses Jahres hal der Vertreter des fMtichen Marttamtes als häufigsten Preis für iK-ohle in den Kleinverka.ufsstell«n einen Kilogrammpreis von, 1000 K.. angegeben, während der Erste Wiener Konsumverein einen Kilogrammpreis von 873 K. und die Konfmngcnossenschast Wien einen solchen von 920 K. Mitteilen konnten. Als Grund für den auffallend hohen Kohlenpre is im Kleinhandel wurde der Umstand ins Tresferr geführt, daß sich die Preissenkung, die sich auf dem Kohlenmarrkte gezeigt hat, im Deta-iliveltschleiß angeblich deshalb noch nicht ausgvwirikt habe, weil die Detailverschleißer noch zu höheren Preisen mit Kohlen eingedeckt seien. Diese Anf- Mrung wurde von der ParMischen Kommifsion zum Anlaß genommen, einstimmig festzicstellen, daß sich in der Preisbildung nicht nur der Kohle, sondern auch der übrigen Bedarfsartikel feit Jahren beobachten lassen, daß sich eine Erhöhung des Großhandelspreises im Kleinhandel stets unv er züglich aus wirke, während eine Preisseninng des Großhandels imDetallhandel entweder überhaupt ni cht zur Auswirkung gelange, oder wenn, dann in ganz unverhältnismäßig geringem A u s m a ß e un-d erst viele Wochen' nach der Preisherabsetzung im Großhandel. Bei einer derartigen Preisbildung sei es unmöglich, zu geordneten Bechältmissen Zu gelairger,. Das Bundeskauzleramt hat nunmehr die naä)geovdneten Behörden und Aemter, >insbesoni>e.re die Polizeidirektionen und Preisprüfungsstellen, angewiesen, den mit Recht gerügten Vorkommnissen ein besonderes Augenanerk zu zuzuwenden. Nach dem geltenden Preistreibereirechte müssen sich Veränderungen der Großhandelspreise zwangsläufig und unv erw eilt auf den Kleinhandel a u s w i r k e n. Bei der Uebevprüfung der Preisangemessenheit ist nach der ausdvüÄichen Vorschrift des Preistreibereigesetzes^ neben den individuellen Gchchuugskosten auch auf die seither eingetreteue Aendevuug in den Hcrstellungs- und AnschaHungsbed-Mgungw billige Rücksicht zu nehmen. Diese seinerzeit über Verlangen der Erwerbskreise in das Gesetz aufgenommene Bestimmung wurde null durch die ZentralprüfungskommiGon allgemein gültig dahin intechretiert, daß als Einstandspreise der Mittel- Preis zwischen den taMchlichen Gestehungsk>osten und dem jeweiligen Wiederanschaffungspre'is der Kalkulation zugrunde zu legen ist. Demnach besteht in der Auswirkung für den Klernhandel kein Unterschied, ob es sich um eine Erhöhung oder eine ErmäßMng der Großhandelspreise handelt. Wirtschaftspolizei und Preisprüfung -iberden daher die im Kleinhandel verlangten Kohlenpreise auf ihre Zulässigkeit überprüfen und bei Bca-nslamdungen im Einzelfalle die Strasanzeige an die Staatsanwaltschaft erstatten. ' zionistischer Parteirat. Das Ziottistische Landeskomitee teilt mit; Die Parteiratsitzmr^ die für Montag den 6. d. einberufen wurde, findet nicht Montag, sondern bereits Samstag den 4. d. nm Vo? Ühr abends im Sitznngssaale des ZionisÜschen LandeSkonütees statt. Um vünkt» . liches uvd MverlMakS.miM wird ite