Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2019 (28.9.1924)
- Date
- 1924-09-28
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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: Wim, Sonntag Wiener MorrsMettitttA i •'* V.i Z8. ÄM gjr.t -mt '-r4 i.f R um ' ■'' ^-Ks; P/Q/? / j (i I ^Z(h.H^C^*rr;■; „Wis ich es sehr." Karikatur der Ausstellung für neue Theatertechnik von Pa». Kt4 (Me Eröfstmngsvorstellimg.) - „Das Theater der Zeit.ist das RrMvay-Thealer," kündet ei« grelles Plakat, das am Beleuchterstand der Raumbühm angebracht ist. Im Mitrleren Konzerthaussaai ist Lüche Konstrullia» aus Holz und Eisen untergebracht, die .schon durch ihr Materiell beweist, daß der Ingenieur im Dienste der Technik ein gewichtiges Wort bei diesem Dheaterbau miizureden hat. Es ist der echte groWgige Versuch, das Prinzip der Guckkastenbühne, der Trennung von Schauspieler urä> Irrschauer abzu lösen und an seine Stelle das Mafsentheater zu setzen, dessen Znschauerraum um den zentral gelegenen Bichnenkern rotiert. Mit der ölten Form des Theaters fallen auch seine ivichtMn Voraussetzungen weg. Es gibt Leine Kulissen mehr, kein« plastisch: Milieuzeichnung, keine individualistischen Schauspieler, die in ihrem Spiel ihre persönliche GofuhMoölt Mitschwingen sondern es dominiert der Typus Mensch, wie er aus unsttcr Zeit abstrahiert ist. Cm -neues SchansipiÄertnm muß entstehen:'Der Rhythmus unseres Erlebens, die Geschwindigkeit unserer rastlos arbeitenden Nerven soll in seiner Leistung sich spiegeln. Sport und Techirik, die beiden Faktoren, dir in hervorragendem Maße .den Geist unserer Zeit bestimmen, werden in der Dichtung zum Ausdruck gelangen, wenn die Boranssetzungen gegeben sind, für die sie bestimmt sind: Ein technischer Apparat, der mi'chelos das GesamEunftwyck aufnehmen kann. Las nicht wie bisher die Verbindung aller Künste, sondern die Vereinigung des Lebens mit der Kunst, eine Einheit des ^samten schöpferischenJOrganisnms anstrebt. So ungefähr sind die Gedankengänge des Schöpfers des' Railway-Theaters Friedrich Kn t sk e t. Nur praktische Versuche auf der Raumbühne, die -ja nur ein Modell darstellt, Lessen. Ausführung ein großes Stadion als Raum beanspruche», niöchte, werden das Verständnis für die Tragweite der Erfindung in größere Kreist tragen. And es ist seGsweMMich/ Laß rem Schauspiel, der Pantomime und dein Tanz genügend Zeit siir Neuorientiemng gegeben werden muß, damit sich Me 'Kunstformen!des neuen Geistes in der Darstellung bewußt'werden. Es war daher mr uu-glücklichcr Gedarste, gerade die erstarrtest- Form des Kunsttanzes, das Ballet;, m] die Terr .jstnhühne zu stellet! und von chm sine Gliederung im. Raume zr; verengen, das seiner Natur widerspricht. Denn- Las'Ballett ist eine' flächenhafte Kunst, zum großen Teile durch das Auge des Zuschauers bestimmt, nicht durch sein MrPergeM. Die -Kunsst form stsird nur auseinder gerissen, wenn Tänzer und TÄnzeriu, aus Kvei Stockwerken verteilt, einen Werbetcmz ausstchren. Äenn schon dem Tanz dos erste Wort auf dieser Bühne-singe-, räumt war, dann hätten ExzentriEtäm-ze herhalten müssen, die das ganze Ausmaß der räunrüchen Struktur ausaeuützt 'hätten. Das Lausen von einem Stockwerk ins andere, Las Steigen auf die Leiter, die Verwendung des Fahrstuhles, das Uebetspringew von Gittern und Zäune», Äerhailpt eKe rhythmische Lebend^keit an ALrobatenleistung hätte z» einer nrodern profilierten Musik gerade auf >Yiaftr Bühne Zeugnis dafür Megen können, wie'sich der Geist Mstrer Zeit nn Tanze spieM. Wer an der schönen blMen Donau muß sogar eitt -geistiger Erneuerungsversuch mit dem Ballett begvmei. -— und wahrschenlirch mir der Operette-endigen. Jnte^isaiAer war die zweite, BovDhvUM obKeich sie eigentlich mir der RcrÄmlbichne in keiner Verbindung stand. Die spiegelte aber die Gesinnung wider, die . van der Ranmbühne Besitz ergreifen soll, wenn sie sich ihrer ftGst.sticht untreu wird. Fernand Leger, der ausgezeichnete frawWsche DeLorativnskünstler, führte seinen Mlm „Ballet Mecamque" vor. leider ohne die Musi'k des ' auch "in' Wien bekannten Georges^ (Kntheil. Hier D der Gevjiych. gemacht stwrden,,.die Kette der zahlreichen.Deiivegstii'gew, di-^astf.-üstr vinsWÄnen,'qäigin wir linder Ruhelage oder uns ,m .'der Bewegung finden, in ihre Bk-, stan-neile auMlösen. und un§ dir GesichtsbÄder vorzuführen. die das Allge in jeder Sekunde miLewußt ausnimvU. Die Verwandlung des Schobjekts in Gestalten verschiedener Form, die Teilung der Bewegung in nrannigfache rhythmische Akzente, das Verhältnis verschiedener Euwtionszustände zueinander bildepi den Inhalt diestS abstrakten Films, der im Sinne der alten Mnviechnii zwar keine Handlung hat, über für den .Zuschauer das große Reich aller LÄden^chwÄrgungen ausschlirßt. 'Alfred Sandt. Prozeßunsag mü> MWnmü der PrrßfteiheU. j . Die Rechtsanwälte Dr., Fxisdrich Fcilchewseld und Dr. Alfred Lanzer ersuchen ams um Aufnahme .folgender' Mitteilung: n.' Herr Oskar PveLlc r. .führt -'vor dem. Hmrdelsgericht Wien, gegen Herrn Stephan 'K a.n.t o r .-ine» ZiviUrozeß/dessen. Jyhalt die Osssenttichkeit Lemeswsgs interessiert.. .Als^^ ein von ihmgestellter Antrag vom Handelsgericht rmtz. Qberlänides--- gericht gnrückgewkesenworden war, vorsüchte er,'seine'Mion durch weine gegen unsere Äße»!«*' StqchL« Ka«.t o r, Bruno Pollack-Parnau mW Dr. Hugo Kontor zerichtete Strafanzeige zu ve^tärst«. - 'i . i.-Bereits die erste Beruchmüwg ivcherLr Klicntru ergab, daß diasc Anzeige voillLomme«. halt5os ist. ' ' ' ' ' '.. Allch Herr QÄar Po-ell'er schemt ihren «Wsolg richtig einzuschätzen, denn er ließ, ohne das Ergebnis seiner Anzeige' ' abFUwarteu, in eiuvgen Wiener Zeitungen eine ebenst sr-nsätioneiie wie falsche Darstell-ning-derössen'tlicheu:- V ' iRun hat M StMsanwÄtfchoft die auf Müntz' deö An--' - zestst-^deS Herrn Oskar Poeller gegen Mere Metrien' einge-- stiteten Borerhebungen nach grüMicher Feststellung des Sachverhaltes eingestellt, da ein strafbarer Tatbestand «berHaupt nicht vorliegt. / . .SelbswcrstäMich behalten sich unsere-Menten aste gesetzlichen Mttel gegen die Mhever «und MrdrÄL-er der öotr Hchvl'.Osrqr .Haester gegen s« echübrnen .salschon Beschuldi-' gupgru vor..,^.^ ftort w ie» ©attitt. L wurde der Schwur-erichtsprozeß' gege'ü den Monte .Irhann Waczek, der seine Gatt« Therese durch >Messsr- ' strche. He t öte t hat, zu EM .geführt. Die GvschtvMlen v er- . »minien die HauPtfrage ans Mord ei-nstirnm-ig, ' bejahten dagegen mit Lemsekben SLimmenverhältuis die EventuÄsrage auf T o t s chl a,g. Die. Zusatzfrage, ob der Angeklagte zur Getöteten in einer besonderen Verpflichtung stand, würde. , mit nevA Stimmen verneint. Emstinrntig verneint wurde..dir Zusatzsrage auf Smnesderwirvung zur Zeit ',der Tat md.Lic Hauptifrage auf Zachälterei. - ' : .. Am Sinne -dieses Verdiktes verurteilte der. GerichtSchofden Angeklagten!zu wi er Fahren s chwe ren K'or'ker s,' verschärft durch einsame Absperrung, im dunNer Zelle^ an Mm- Zähvestage der Bluttat. Der Angeklagte Märte'in-ruhigem ' Tone, das Arterl cmzunehmen lund die-Strafe sofort -anzutreten, schließlich vevbeuKw er sich vor den .WchWvM und LaMe strr das mÄde Nrle-il. -----'• ' . Aktien als Darlehen. Bor dem . EmzÄrichter - - Hof vat Dr. 'Klaus Vechcmdelte geste-rn Las. .Zivi'llandeLKecicht..über erste Mage, die 'der FäbMant Rudolf Asch ermann in -' Dresden Mgen «den Wiener Juwelier Heinrich Siiebert' 'W -Zahmng vyn 18 Mil'tion'en Kronen einKöhracht Mit«. Mr KlWr bchauptet, datz.-er .^rrst 'SieKLvt M fOk- Ikpfber 16W em Darlehest VM Zg'MiNionen'ist der'Fyrnt't lWersHeu habe, Laß er für den Beklagten 20 Raph.th a- Hteen aMMe. Der-Mrs der Gackere stck, üch. da äföirie Sichexstelmns.ÄMch,. LMrMe der AnNstlt.. WLar-' «ranUS?'DrL'W.oMestk, alS'ÄivyihÄKer M ^WWD nun die ÄMdmeMz WA MLgte'MWete W -Linie ^'Äpte MagWWtMov Ml MKWp. im eigenen Nam«r^Me»>ch«sNMsrMn^M.r't-r!Lg.'ige- MoflAt,' SichWivich^Mstr'^^MchÄM'-'LeS^Mher l>»ßvilven-t geiwovdenen.-GachgeischäftsirHalb'ers Max Gr-oßmanin. Als Dieibeat eines Tages im Bantkgeschötft des Großiuann erschien, machte Hnl- Dr." Poipper, der im Bankhaus immer atdivssend war, "den Vorschlag, daß Dr.'Popper für . Sichert 20 NckchchMRew^iMLulM -weÄ^'xdcch an, dem "tutzäa Sieioerik und Dr. Popper je‘"gnör HälftÄ b etei'lig.t sein sollen, wahrend den ettwaigxst Schaden S'veÄert alleiar zu' «tragen hakbe. SiÄbort'iwa-r *dmit einvvr'standen und Dr. Popper kaufte die Papiere. Der Besagte erhob die weitere Einwendung, daß Dr. Popper kein Recht zum Verkauf der Aktien, hatte Md daher auch nicht die Hülste der Kursidiisferenz verlangen könne. Der Richter erörterte gjmlächst die Frage, 0b Dr.. Popper im eigenen Namen oder im Mustrag seines Klienten Aschenmann gehandelt habe. Als Dr. Zstsel Dr. Popper fragte, ob er denn nicht eine bei Llniwälten liÄMche lI-nisormation mit Sisbert astsgenolmnen habe und. chcht eine Abschrift eines Briefes vorlegen, könne, «mit welchem'er lsemem Klienten Afchrrmann in Dresden von der «mit Sieibert -grtrosscnen Vereinbarung Mitteilung gemacht '.hahr,-." MtWiMt..,.DoPipe.r diese Fragen verneinen. Hlchckge diefer Einwechnng^der mangelnden Klagelvgitim-ation F/og - dann Dr. Pchper die Klage rost^epflrchhig zurück. „Drei arme.Teufel". Das ZivMandesgericht unter denk ^Vorsitze -des Hofrates Stefan verhandelte Hestern über eine Klage, welche der Komponist Charles Weänberge.r'gegen den Direktor des Bürgertheaters Oskar Fronz jmv.^.auf : ölitssührung-seiner Operette „Drei arme Teufel" . ober .Ersgtz von st) Millionen Kronen angestrengt hatte. Magevertreter führte aus. daß die. Operette «ach nrehrfache-n .Verschiebungen rm Juni 1ÄÄ«mit großem künstlerischen^ Erfolge am -Dürgertheater zur§Ausführung gelangte. Nach 5 3 Aufführungen wurde die Operette-, da der Besuch infolge der Sommerhitze ein schstschwacher Wrde, albgesetzt und kam bei dieser Gelegenheit zwischen Hdrrn Fräuz und dem Komponisten ein mündliches Uöberemkommen zustande, nach welchem die Operette im Herbst, ab 1. September, als erstes Stück der neuen Theatersaison so lange weiter msgesührt werden sollte, ais der Ertrag pro Woche 50 Prozent des Bruttoerträ-gnisses erreiche. Diese Zusicherung habe Direktor Franz in Gegenwart des Hauptkassiers der Bühne, Oberst Sigalil unter E h r e n w o r t . abgegeben. Nurr habe -«Direktor Fwuz die Operette nicht wieder angesetzt, weshalb die Klage auf.-Aufsührung, rsspÄtive auf «Schadenersatz, unter Zugrundelegung von weiteren 40 Aufführungen. angestrengt" wurde. Der Ber- ' treter des Beklagten, Dr. Knapitsch, führte dagegen aus. fcafc die Klage gegen Herrn Fronz Mn! verfehlt sei, weil Herr Oskar 'FkMrz jun. am-31. Juli, als er die Zusage-machte, nach Möglichkeit die Operette am 1. September wieder auftstführen, wovei er keineswegs' sein Ehrenwort ^ge-gben' habe, ui ch t D irektor des Theaters war, sondern damals noch'sein. Vater Direktor war. Auch sei es bei den jetzigen Theaterberhältmssen, wo eine' Operette speziell am Bürgertheater, kaum mehr.-en.suite ausgsMrt werden könne/ nicht gut Möglich gewesen, eine derartige-Zumge. zu mache», unvsomehr, als an Humanitären Abgaben volle 35 Prozeut der Bruttoeinimhinen abzuführen sind, «so daß die Reprise der Operette, kaum sechs Wllionen hätte emtvägen können, weshalb auch der begchrte SchadeMrsatzanspMch hinfällig ' wäre,- 'was- -imrch Sachverstäirdige. bewiesen wird. - Der- Senat - beschloß, über den PertragsabschM die'Amgest'ellten her Bühne, Herrn .Säg all und -'Er>leb a ch und-Ae Parteien zu' MwrHmen,'ferner über die ,Höhe -des Ersatzanspruches einen- SachhevstäM-igen' ist der Person des Regisseurs Dr. Rosentha l zu hören und vertaAe zu '-diesem- Zwecke dle -Bevhandlung. - Bereme. PottrSge Nid Bersammluugen. ' ,Z i o ntst is ch t, Sekt io n Zw i.s chenbrü ck e m Dienstag Lm! 30? h.', HM' 8 . Mr abends^ -rvr Cafe „PaE^, Dr. Achselrad. Leopot dstädter Bo Hs he im, 2. Bez., Zirkusgasse '48. 7 Uhr: Dichteralbend Georg Büchner-Wohzeck. Mrtwirkend: Dr. Felix Rosent-hal (Klavier), Dr. Gustav Maier (einführende Worte), Hans Rvdenberg vom Deutschen VMstheatcr (Vorlesung). Karten imtt 1000 bis 10.000 K.! .”: * . - Hebräischkurse des Jüdischen Schulvereius. Der Jüdische .Schulverein eröffnet heuer Hebräischkurse für Erwachsene, An« Jjänger und Fortgeschrittene. Teilnehmer, däe es mit dem Hebräischlernen ernst meinen und bereit sind, a-uf sich ldie Lernmühe zu nehmen, inelden sich Ar Sekretariat des Jüdischen Schrrldereins, 2. Bez., Zirkusgasse 33, täglich von 9 bis 1 Uhr mittags. Mrsbeginu der Fortgeschrittenen Samstag den 27 d. im Hebräischen Pädagogium, 1. Bez., Drahtgasse 4. KursbÄtrag 40.000 K. monatlich^Kursleiter: Dr. A. Birnbaum. -'!. Re Züdischrn Kindersrevnde in Rot! Mt Anspannung all unserer Kräfte haben wir 'bislang den Kampf mit der Ze'itennot gefühK und, allen Schwievigkeiten zum Trotz, siegreich bestanden.; '?!> - Nun aber droht unseren JnMutionen rettunggM der 'Zusammenbruch, -ivenn unsere Mischen Mitbürger sich uns nicht helfend zur Seite stellen und nus das furchtbare Gespenst der Not der konmlenden Wstlteruromte verjage» ^helfen.! l Irr -unserer Bedrängnis wenden wir uns hiermit m alle Inden mit der Bitte, uns zu helfen, damit -wir die -schwere -Zeit ^-Hepdaiuern,und damit nicht, durch --.«nsWemW-aWnvÄckruch Mle HnMerte ^von jüdischen Kistbem sckebev der Verrohung .LKhe-Msall-e-n.M-den ^<Nesahren der-.ßfrcrßr Mischgchen wer- Die ihevorstshendenj.hkche» Mertaße-bieten -unseren Brü - . 'iderrl die -Gelegenheit7 -dnrch THova< und-andere SpeWu' MW' der Mildtätigkeit zu üben.^-..~‘ '' H -1- /