Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2019 (28.9.1924)
- Date
- 1924-09-28
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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J. ’ ' i ‘ S > . ' ‘. ‘ * ' - 1 - ' ■ r ' v , t< Wien, Sonntag SBienctJWoc«cnaeituit«. 9tmÄaifcts„floiuoriafle". LMcher BMihvatitt. S> > Hoch ijt Tottor Beer zu preisen. Erst „Das schwache Leih", dann „Das Kancklf, jetzt ,/Kolportage" — drei LustsPiÄalbenbe mit' durchschlagendem, von Stückzu Stück steigendem HeiterkeitSerfolg, So kann dem Deuffchen BoWScheater ge« hoffen werden. Georg Kaiser, stets ein großer Könner mb gelegentlich eilt bcksutenber Dichter („Die Bürger von Calais" „Die Wucht nach Venedig") kommt diesmal mit einer leicht saß- Uchen, (Mft Kr den Herrn Jedermann ohne Kommentar umbedingt verständlichen Persiflage. Seine satirische Nietzen» klatsche, die er meisterlich führt, trifft drei Wiegen mit einem Schlag: Kinodramatir, Kolportagero-ma», McmMMirM, Durchaus rosenrot stckerlSwückige SMre. Nur Wchesende sind getroffen. WMich? Es ist der besondere Spatz dieses Wendr, daß Mch das gesamte Publikum hergenommen wird. D«m «S Mt prachtvoll hinein» kommt in Sasft, gerat fa Stimmung, nimmt Anteil andem Schicksal von Dheaterpuppen. Nicht drei also, sondern vier Wegen auf ÄMr Wag, tMM ist die Fetteste. i : iWWWWW»'^' Daß auch der fröhlich zustimmende DMtzlW M geführt wird, gelingt durch einen ganz vertvusÄten Trick. Nur einem Teil der Figuren, die in Bewegung gesetzt wecken, merkt man nämlich von vorigerem an, daß sie 'Mg sind. Wde« hinwiederum kann mV» durchaus ernst nehmen oder hat dazu nach bestimmter Ereignung Anlaß. Mt diesem Speck laßt sich das PulbMM fangen Md merkt nicht, daß auch ihm di« kräftigen Hiebe deL Autors Men. Dircktvr Beer als Spiele leiter Ordert die Intentionen semrtz gHickten Georg durch eine kongeniale JytzenievuuA, '' 28.. Sop.»eiU'Ler''M4 Sitte 13 hi' " '.v 'ich MM reichen Onckel' nach Ameri'la nimmt, einen Proic renjangling nnteffcheben, der. als gräflicher Ecke heranwächst und sich znm vollkommenen Bla-U'blutgentlemen ent- -vickeft. Leutnantspatent, Verlobirng mit einer Ebenbürtigen, GroßjährigikeitseMävung. Da kchrt die Bürgerliche mit ihrem Sohne zurück, der drüben ein frischer WiMvest-Jünglinig geworden ist, die Mutter fo.s. unter'chübenen gräflichen Stammhallters stellt sich ebenfalls ein, und über den. Grafenvater, der auf Kosten des zu erwartenden Riesenveriniögens seines Sohnes großzügig Schulden gemacht hat, kommt das graue Elend. Alles löst sich in Wohlgefallen auf. Der wackere Wild- .west-Jiinge schenkt den: fatschen Träger seines Namens seine 'Eckschaft, weil der junge Graf seine Braut wirklich Mbt und bereit ist, tyl: ihr (nnd^fle mit ihm) jenseits des großen Teiches ein neues Lcken zu beginnen, und der Onkel aus Amerika zahlt den: verkrachten Grasen sämtliche Schulden. Wie das von Kaiser dialogsiiert ist und von Direktor Beer inszeniert, wie zunäckrst auf d-r Leinwand unter witzWm iKlavvsrgMmper ^BoraMMgimgen erscheinen, wie jöweilUg «das Plötzliche Ei»'reten einer neuen Figur, welche Sorge, I Schrecken, 5V:n:r iung über die handelnden Personen bringen wird, «durch ki'r-cs Erstarren der "Akteure zu einem Wachs- . figureükalbinett bei o>bligarem Spi: uhrkoMU angezeigt ist — das muß man gehört und gesehen halben. Das vortreffliche Ensemble überragt Hans Zregler durch ganz eigenartige Gestaltung eines Bicmbartherren noch um Kopfeslänge. Der neue H-rr Friedrich Kahßler ist ein herzhafter. sympathischer Künstler Uno der kgalbte junge Herr Kersten ist gut beraten. Meisterlich Frau Förster und von geistiger Anmut die keine, Auge Lilly Karo ly. Nicht zu vergessen Paula I a n o w e r. welche das PMetenweck ganz hervorragend, spielte. Man freu: sich, die begabte Künstlerin endlich richtig verwendet m jchen. Unter den übrigen MitwiÄen'den ist noch besonders Helene Lauterböck zu nennen, welche die Figur einer »nguschen Gouvernante schr amüsant mit einem Stich ins Groteske gestattete. O. A. stellerischen Fähigkeiten erweitcr.. Hpiole neues Blut Mführen, wenn sie dauernd vor Mc gleichen Aufgaben gefiel!: werden? Mimi Vesely fällt durch ihre kleine, aber warm klingende Stimme, die technische Schulung verrät, ävohttueud auf. In der Darstellung ist sie freier und gelöster geworden/ sicher haben ihr die Ausländserfahrungen gut angeschlagen. Klara Karr, die rassige'Tanzsoubrette, schien gesanglich in« dispomort zu sein, war aber schr drollig in ihren Extempores, mit denen sie die Mbewahrte Komik von Oskar Sachs zu immer neuen Einfällen anstachelte. Bikwr Norbert und Paul Harden waren die gesanglich schr mäßigen Partner der weiblichen Bühnenjugend. Kapellmeister Josef Holzer, Regisseur Ernst Rolle, Tanzmeister Julius S i n g e r emp- .fingon mit allen Mitwivkenden den Beifall des sich gut iruter Wtessden Publikums. dt, . .8ine Wohnung z« vermieten." Ncstroy im Rahmen des Theater- und Musilfestes. Die Wiener sollen sich ihres lieben, feschen Johann Nestroy erinnern und darum hat Jarno, in allen Sätteln gerecht, die harmlose Posse „Eine Wohnung zu vermieten" serviert, und das für unseren Geschmack veraltete Stück durch reizende Inszenierung und flottes Tempo einem Publikum mundgerecht gemacht, das sonst in groben Jargonstücken oder geschmacklosen Operetten hermnzuplätschern verurteilt ist. Bor fast 100 Jahren hat daß vormärzliche Wien Nestroys Wohmingsvermietungsspässe abgelehnt, nicht vielleicht gewisser harmloser Anspielungen wegen, sondern vermutlich deshalb, weil es nicht viel zu lachen gibk. Ein Schwätzer von einem Hausherrn, eine Bißgurn von einer Hausfrau, ein polternder Hausmeister mit butterweichem Äerüttt, ein paar Backfische und Gigerln dom Jahre 1837, also im ganzen und großen eine Gesellschaft, von der kein schlagkräftiger Humor zu erwarten war! Das Lebendige in dieser Posse hat Jarno sehr lieb und brav imfgeputzt und Viktor Iunk hat ein karikaturistisch anvmterches Vorspiel und ein paar raffiniert zeitgerechte Couplets geschrieben, von einer Anmüt, die über die toten Dialogstellen und langweiligen Tiraden hinweghalfen, so daß man das Gefühl hatte, Zuhörer eines brillanten Singspieles zu sein. Nestroys Humor, der mehr, im Gemüt als in der Dialektik wurzelt, wurde, so weit die schwache Posse es zulietz, trefflich herausgebracht. Bon kerngesunder Lustigkeit Karl Kn eiding er als Hausmeister Balsam, Deisenhofer und Frau Josef fh als Rentierehepaar, in kleineren Rollen komischer Natur Fritz Kammauf und die Damen Johanna Saun und Consuelo Martinz, die hosfentltch bald in Mer größeren Naivenpartie zu sehen sein wird. Das Publikum war festlich gestimmt und machte dürch seinen stürmischen Applaus vergessen, daß seine Ahnen die Nestroy-Posse hatten durchsallm lassen« ES war eine Auserstehung, wenn aM Mr für ein paar Munden. o. r. .. —- . :.j „Maskottchen." Das Carl-Dheäter ist dauernd aus der Suche uach neuen MtMoren, die Mer finanzMen Lage aufheffen sollen. Es bleckt daher der augenblicklichen Leitung^ des Theaters wenig Zeit, nach neuen Operetten von einigermaßen künisÄersscheM Niveau AuÄschau M haltA. Sicher ist, daß Rudolf Be>vnau für das eingige Dhoätör, ÄS verbliebku I, wenig Licke auijbrmgt, und seine Partnerin Dora Eibenlschütz dem Theater Te-ime origmeAe Note Msprägen kann. Go ' vsgievt der blinde Zufall. Denn «uS welchem anideven Munde sollte > die: Operette .Masoottchm" von Walter Brom i t, dis schon 1 seit geraumer' Zeit Über dieüe teichsdeutsche Bühnen gegangen ist, den Weg nach Wien gesunden hohen? Oder war doch der llmstand bestimimend, daß: der Komponist einen Deik der Ausstattung aus seinen eigenen Mtteln bestrMn hat? DaS. Buch der Operette stammt von Georg Okonkowski und ist ebenso ünorigimN wie die MusA. Wiederum gibt eine Namensgleichheit Anla'tz zu Verwechslungen, wird die Licke auf dem Wege Aber ein «acht- M sicher Abenteuer auf die Probe gestellt und schließAch iw den H vovbeiitMvmtsn Latken 'der Ebe oelenkt. .Und die Mu5ik? Sie •Ja 1 Em Griff hat die Bürgerliche Verlässen/ die ev um deV -ttödtzn Mammons willen chckichte. Er setzt alles daran, um m Kindes habhast zu werden, das au» differ Ehe sproß, amd mit dem Kinde einer großen Erbschaft. Die Bürgerliche läßt ruhig da» . Kind rauben. Sie hat «LuEch stM ihres KnMeinS, jvockefbimmten Hafen 'der Ehe gelenkt. -Und die Musik? Gre lebt nicht von der Stärke einer rhythmischen Phantasie, die den Dänzen ein festes Rückgrat verleiht, wnderm von senttmentalen Phrasen. Die Darstellung muß unter dieser Art.von. Pr^odu'kfion seiden. Denn wie sollen junge Künstler'den Umfang ihrer dar» ....IUI ‘mIII rT;':,::;■ *S i/m;■ für Kostüme Eine interessante Ausstellung. GesteAr würde in drn Räumen der ,-Egls" (Kvnzerthaus) eine Ausstellung moderner Graphik eröffnet, die Werke der bildenden Kunst znsMlmenf-aßt, so weit sich diese mit der Musik berührt. Dadurch wird das Wesen einer Epoche charakterisiert, innerhalb welä)er die Mssik die beherrschende Kuksst geworden ist und als solche die PpMüme der anderen Künste wesentlich beeinflußt hat. Bon ästerreichsschen Künstlern sind Max Oppenheämer, Oskar Kokoschka, Georg Ehrlich, Viktor Tischler, Fred B. Dolbin und der Bildhauer Alexander J-aray vertreten: Der hebräische Dichter Kazenelson in Wien. Auf ferner Durchreise nach Erez Israel kommt m den nächsten Tagen der bekannte Hebräische. Dichter Jizchak Kazenelson nach Wien. Der Dichter, der auch ein gläMnder Rezitator ist, wird hier aus seinen neuesten Werken vorlesen. Die Münchener Bruckner-Feier. München feiert den MO. Geburtstag Anton Bruckners in einer Reihe von Konzerten, die m dieser Woche ihren Anfang nehmen. Ferdinand Löwe dirigiert die dritte, fünfte und siebente Sym- » phonie des Meisters. V. Theaterausstellung der Nationalbibliothek (Albertina). Um einen möglichst großen Teil des zur Verfügung stehenden Materiales dem Publikum vorzuführen, hat sich die Dire-ktron der NationaNrbliothck entschlossen, in gewissen Zeiträumen Auswechslungen einzelner Partien der mit so erfreulichem Erfolge anfgenommenen Ausstellung durchzuführen. So werden alb 27. d. Stücke aus der Sammlung der Frau N. Gontscharowa, Paris, zu sehen sein, die bei Ausstellungsbeginn in Wien n-och nicht errvgetrosfen waren. Diese Stücke, unter denen N'wurentlich die berühmten russischen Apostelfigurmen hevvorragen, stellen ein. 'bedeutendes Material zur Geschichte des Stilwrndels dar, den die russische moderne Schauspielkunst in den europäischen Hauptstädten seit Kriegsende hervorzubringen sucht. Sie zeigen unter Einfluß der russischen Bolksklmst die Wurzeln jener konstruktiven Gliederung des Theaters, die. k der Gegenwart so viel Aüfmerkfamkert findet. Glelchzertig folgtdie Direktion der Nationackibliothei mchrfachen Anregungen, den. Besuch der 'Äusstelluwb, die von 10 bis 2 Uhr täglich geöffnet ist, Mch an Nachmütagsstunden zu ermöglichen; diese wird mithm an Samstagen bis 5 Uhr .offengchalten wecken. JmpressiouismvS urü» Weltanschauung. In per literarffchen Berlage des „Figaro" erzählt «in nicht gemunter. Maler, wie er mit Dygas in dessen letzten .Jahren, ln der Abenddämmerung Aber Land ging und sich metaphysischer Schwärmerei überließ. Degas unterbwch ihn erstaunt: „Wozu nützt das alles? Versuchen Sie lieber, in Ihrem Gedächtnis die Erscheinungen, die Ihnen gefallen, festzuhalten, um sie zu gegebener Zeii «n reproduzieren; auf siche We'ise gehen' wenigstens ' Ihre EiNorück« nicht in die Luft auf." Der Maler erinnerte an die Definitton Voltaires: „Wenn der. welcher zuhört, wicht mehr weiß, was er hört, und wenn der, welcher spricht, nicht mehr weiß, was er sagt, dann ist das Meta- Physik." Degas stimmte zu: „Das ifft sehr wahr. Wir Masir dürfen nicht dem Unbekannten Mchjagen. Das ist \ Zeit!" , ■ U«s de« Aeatem. B u rgthea t e r. Morgen,. 7 Uhrt 's „De r Zr* rissene." Dwnstag den 80. d. um 7 Uhr Kick zum ersteu Male „DaS Schwert deS Attila", em Spiel von Ernst Fischer, aufgeführt. Regie: Herr Hetterich. Akaoemietheater. Morgen, halb 8 Uhr: „Wölfe in der Rächt." Dienstag', hack 8 Uhr: „Der Kaiser im Wald." ■ \ Schönbrunner Schloßthenter. Mörgen; halb 8 Uhr: „Quality Street" (Im sttllen Gäßchen). ^Dienstag, hack 8 Uhr: „Die MauS." Im R ed outenf aal findet Mittwoch deir 1. Oktober die Premiere von „Der Bürger als Edelmann", Komödie mit Tänzen von M o 11 e 11, Musik von Richard S t r a u ß, statt. Burgcheater und Operncheater vereinigen sich hieckei zU gemeinsamer Ackert. Mchikalflche Leitung: Doktor Richack Strauß. ' ’ Dolksoper. Heute nachmittags: „Der Barbier von Sevilla." WerckS: „Der Bettelstudeut." Morgen: „Der. Freischütz.".. IM Deutschen Volk st he ater besginnt Freitag den 8. Oktvber, 10 Uhr abends, das Gastspiel deS Omginal- Ensembles deS Deutsch-russischen Mnstlertheatärs „Der blaue Vogel" unter Führung seines Gründers, und Leiters I. Jufchnh. Samstag den 4. Oktober beginnt das Gastspiel Doktor Rudolf Tyrolts in Karlweis' neu einstudiertem-VoNstück „DaS grobe Hemd". Im. R aimumd-Theater findet morgen als Vera» staltung des: Musik- und Theaterfestes der Stadt Wien die erstc AuMhmng von Hermann B a h r s Komödie „D e r Fr a n z l/: statt. Im Modernen Theater geht Mittwoch de» 1. Oktober, abeM 8 Uhr. das dreiaktrge Lustspiel „D e r M u st e r g a 11 e" (Fair and Warmvr) von Averv H o pwood zum ersten Male in Szene. Die Rolle des Billie Barileth spielt Richack RomanovAy als Antrittsrolle. Arnold Kovff trifft efft Ende der Doch« in Wien ein, so daß' Arthur Schnitzlers ^Komödie der Worte" erst Montag den 8. Oktober in Szene gehen kMn. Wo chenspielp'lan . des I o f e >f st ä d : e r Theater8. Montag und Donnerstag: „Der Myrtenkranz." Dienstag: -.Hum ersten Male: „Prothervs Hilfe." Lustspiel in vier Aufzügen von H. M. Harwood. Mittwoch, und Samstag: „P r o t h e r o s Hul f e." Freitag: Lum ersten Male: ,^>«8 AposteLspiel" von Map Mell.