Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2018 (27.9.1924)
- Date
- 1924-09-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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kr. ML Mw, Samstag Wiener Morgenzeitnng.' ' .Avi-schen dem ägyptischen ZayHsir-l'.'Pascha und P'vemiermmister Mim^äh'Mae Donald halben gestern im FjweWe OMee wichtige Besprechungen begonnen, deren Dauer in poWschen Kreisen auf zwei -iS. drei Wochen ge-, schätzt tvird. Im Vordergrund dirx Verhandlungen sieht die Frage der völligen Unabhängigkeit Aegyp- »s und des Duda ns und die Zur ü ck.ziehung 8er tn gl ische n Druppen aus Aegypt e.n und . dem Sudan. In Politischen 'Kreisen steht man. dem Ausgang der Besprechungen Zaghkul Paschas mit dem Premierminister M größter Spannung entgegen. Es verlautet, daß die ägyptische Regierung England den Vorschlag gemacht habe, für die britischen Truppen bei Alexandria ein Gebiet von <50 Ouadratmeilen zur Unterhaltung von Garnisonen einzuräumen. Es ist gänzlich ungewiß, ob ein Komprormß Zwischen dem englischen und dem ägyptischen Standpunkt in der Frage der völligen Unabhängigkeit und des Sudans zustande kommen wird. Bitte tlutige deutsälvölNsche Der Abgeordnete Burghardt erschosien. Berlin, 26. September^ (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Während einer deutschvölkischen Versammlung in Weißense.« entstand gestern abends eine blutige R a u f e r e i, bei der Revolver und Handgranaten m Anwendung kamen. Als ein Kommunist das Wort verlangte, entstand zunächst große Unruhe, die sich bald zu einem allgemeinen Tumult entwickelte. Der Abgeordnete Burg Hardt erhielt einen Bauchschuß und starb auf dem Transport zum Krankenhaus. Zwei weitere Teilnehmer an der Versammlung wurden schwer verletzt. Die Polizei nahm nenn Verhaftungen vor. Bei den Festgenommenen wurden R e v o l v e r, S. chlagr.Wg e und Gummiknüppel gefunden. Nach der Rahmung des Saales fand man unter den Tischen fünf Revolver, eine Handgranate, deren Abzug versagt hatte, mehrere Gummiknüppel, drei Dolche und eine ganze Anzahl Schlagringe. _ Abwehr des Antisemitismus. Stuttgart, 26. September. '(Del: der „WienerMorgenjeitu-ng.") Unter Vorsitz des Re-ichsministers a. D. Dr. Gothein fand hier am 22. d. die Jahresvevs-amnvlun-g des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus statt. lFn seinen Begrlüß-ungsworten wies der Vorsitzende darauf hin, daß die Wwehxdes Antisemitismus keine Parteisache, sondern ein« Angelegenhöit.des gesamten Volkes sei und d«r Verein alle Konfessionen zur Mitarbeit^ mHordere. Dtadtpfarrer Lampert (Stuttgart) gab in seinem Bortvag über den ,/AutrsemitiKnvus iyr Ächte' der Geschichte" ein anschauliches Bild ülber die Schicksale der Juden im Laufe der Jahrhunderte. Veberall, wo sie sich niedergelassen hätten, seien' sie infolge ihrer Mäßigkeit, ihrer Nüchternheit und ihres Fleißes zu nützlichen MitMiedern des Staatswesens geworden. . Eingehend befaßte der Redner sich mit idem Talmud, 'der kein Gesetzbuch, sondern mehr eine Aussprache zwischen den Rabbinern davstelle, und der eine Fülle von fein durchdachten iSebenssätzen enthalte. Auf ihn sei das innige Familienleben ün Wischen Volke zurAckzuiführen. Der Talmud P eine schützende Mauer, allerdings, auch eine abschließende, die die weitere Gnttvicklimg hehindevt, wodrnch daun die Juden in eine -geistige Isolierung gegenüber ihren GajsüMkern geraten sind. Nachdrücklich hob -der Redner' die OpiferwiMgkeit und die vaterländische Hingabe der Inden hervor. Die jetzigen Antisemiten hätten-schon vor hundert Juden ihr-e Vorgänger -Schabt; aber auf einen solchen Tiefstand, wie die fetzigen, seien diese nicht gestanden. Judentum und Kapitalis- , mus in einen Topf zu werfen, .sei nicht angängig. Der Redner schloß: „Nicht für, aber auch nicht gegen di« Juden kämpfen wir." Jrn Anschluß an diesen mit großem Beifall a-ufge-- uomimenen Vortrag sprach der Vorsitzende Gothe i n über den Rassena.nti'semitiSmns, den er als einen Schandfleck -der deutschen Nation bezeichnete. Die antisemtitische Bewegung sei nicht deutschen - Ursprunges, sondern habe i h r e W u r z e II u in Fraukreich.Das ist nicht richtig, die antisemitische Propaganda ist jederzeit in Deutschland und in Frankreich tnt gleichen Maße vorgegangen. — Red.) Fritsch habe sich in seinem Mtisem-ittschen -Kalender von' 1-893 Hrneft Ren a n s Ausführungen aus dem Jahre 1-865 zu eigen gemacht, di« aber Ihereits 1876 von-Ronan als -wifse-nfchaftTich Irrtum e r widerrufen worden sein. Weiter wies der Vorsitzende, gestützt -auf reiches Forschungsmaterial- .nach, daß semitisch wohl ein philologischer, aber' kein ethuographWer BcgM sei. Auch die Juden seien wie die anderen Völker ein Mischvolk. Im weiteren Verlaust der Sitzung wurde vom Vorsitzenden der Geschäftsbericht erstattet. Die' Borstandswahl brachte keine Aenderung, außer daß der Reichstägsabgeordnete Feh r-enlbach in -den Vorstand gewählt wurde. RrkoustrMotldei -abinett» Grabrki? Hgepdirvist.dev „Wiener Morgenzeitung".) . Warschau, M. September. /Mich Ihr. Korrespondent, aus zuverlässiger' Quelle erfährt, soll 'bereits .in den nächsten Tagen eine Reko nstruktion des. Kabi- « etts evfqllgvn. Bor allem; soll . das I u st i z-, U n/t e rricht S- .«ch. JZ«nenmi nisterin-nr neu besetzt LverVen. Im ZnsamMeHärig.damit sollen chuch A e n d erunge.n in > den höheren' De r walt ungSstchl l « n vovtze^Ems» werden^ . 100% reines Pflanzenfett I. kr mf;. et'Zil^gt unter streng ritueller Aufsicht Seiher Ehr würden des Herrn Oberrabbiners S. B, Ehretifgld, Mattersdorf Viwi on. 26. September. D e v i i e n!! uh 'er Wien B17.r:00, Prag 149%, Neiv-Pork 4,47, Paris 84,97‘/„ Brüssel 92V4 Nom 101,82, Zürich 23,49'/„ Madrid 33,40-/,. Amsterdam 11.57'/«, Kopenhagen 29.94'/,.. Tlnilliania 32,02V,, Stockdolin 16.79-/,, Helsingstrs 176'/,, Berlin 18°/.. Athen 252-/,, Bukarest 880. London» 26. September. (5f f e k t e n k u r s e : Oesterreichische Anleihe 92,50, Tschechische Anletlie 102.50, Prager Anleihe '90,85, Skoda 91'/,, Bmrkp.ereiu 7, Bodenkredit 17, Central Mining 11,30, General Mininp 126, Diamonds 17,6, DebeerS 11V«, Nio Tinto 34,125, Royal Tutch 28, Shell 3,925. Paris, 26. September. W e ch s e l k u r s e: London 83.507, New-Aork 19. Brüssel 92.02, Hollm'd 754,75. Italien 83,50, Warschau 3,66, Prag 57.20, Bukarest 9,70 Wien 26,87. Paris, 26. September. iNadio./Cfsektentchlnßkurse: Banane de France —. Pragobanka 405,—, Credit Ltwnais 16,03, Suez 14,645, S^Iotinc 828 Tabrowa 662, Bangue Ottomane i809, Ceutral Mining 9,71, Rio Tinto 2911, Le Naphte rüsse 984, Succeried Cgypte 1010. CautlchoucS sin 149.—, Chartered 48,25, DebeerS ordin. 978.—, Goldfields 86.—, HuanchakaS 333,—, Jägers Fontain 244, Atalacca ordin. 152'/,, Maltzoff 442.-. .Mexicau Eagle 91.-, Padanq 374,50, Rand Fontäin 83,50, Nandmine 243,50, Silva plana 147,50. Tauganyika 162,50, Tubice wie 603-, lltah Copper 1527. Shell 331,-, Royal Dutch 23,800. Burmah —, Bäkou 2620. Ae«-Porll, 26. September. (Radio.) Devisenschlutz- ■t u r f e: Taggeld 2 bis 2'A*/„ Wechsel aus London 4.46'/,. 60-Tage-Wechsel 4.46-/„ Paris 5,38, Amsterdam 38,64, Prag 2,99-/„ Berlin 23'/„ Silber 69'/,.! Jerusalem, 23. September. Fron Mauja Schochat, geborne WWuschewitsch, die, -wie 'bereits gemeldet, int Zu- ■ scl-mmenhang mit dem Mord an Dr. Jacob Haan von der PMzoi in UntersuchmtgShaft genommM -worden >war, iwmde gestern, gegen B ürgschaft. des früheren Präsi- - deuten der NewHovker jüdischen -Gemem-de, Dr. I. L. Magnes, der jetzt in Jerufale-m wchnt, frei-;d elass t n. Frau Schochats Rechtsvertreter verlangen die vollkommene Einstellung der Unters-uchung, indem sie erklären, es liegen^ keinerlei Vevdachtsgründe vor, die eine .Untersuchung. rechtfertigen würden. Unsere morgige Nummer erscheint a n X ä ß t i ch d e r in bedeutend verstärktem Umfange. Sie enthält ü. a. folgend e Beiträge: Morgen... Von Ferdinand O ss end o w s!i. Marten. Eine unveröffentlichte Skizze von Anton Tschechow. Die neue Rase. Bon Bela S z e n e s. Wunderkinder. Bon Egon D i e t r i ch st e k »- Molsbnrg. Von Otto Ä b e l e s. V tzs brennt.Von Jakob Krausz. StaNenWe KnriofitSten. Von Klara M autne r. güdifche Liturgie. Von Siegfried S ch m i tz. Ferner eine Reihe neuer Zeichnungen von Josef P Ln. Der Gesamtauflage wird ferner eine r e i-ch'i l l «- st r i e r.t-eE e i l a g e beigeschlossen sein,. welche .n e h st z a h lr.e.i.ch,e n. n e u e n ■ß i d) t b 11 d/er n ' a «Vu'-j-i^d iX diHii-'St ö lv nien tt. a. Beiträge von.dem zioilistischeu Führer. Chaim Wetzmann, von Lk. R. Bia ik» einen'Paläsiinü-Reisebecichl von Siegfried Grandart und eine Uebersicht über Arbeit - de» I ü-d i s ch e n H a ti onalfond 8. sowie des Pal ästin a- A u fb a nf. o n d s in der neuen jüdischen. Heimstätte enthalten wird. 27. «sepremvn vm & Sie Sfonataier »omfieu. Alle Angeklagten freigesprochen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeit-nng") t: Budapest, 26. September. In der gestrigen Vwhand» ' lung des Prozesses gegen die Csongrader Bombenattentäter! vor dem Strafgericht in S'z o l n o k verlangte der Staatsanwalt.die strenge Bestrafung der Angeklagten und schloß .seine N-ede mit der Erklärung, er habe Vertrauen in einen unabhängigen ungarischen Gerichtshof..; Die beiden Verteidiger, Abgeordneter Dr. Franz Ulain nnd Rechtsanwalt Dr. Szecsenyi, hielten sodann ihre Plaidoyers. Dr. Sze cs en Y i, erhob in seiner Verteidigungsrede gegen sämtliche an der Unt-ersuchu-ng der Bombenaffäre beteiligten Staatsfunktionäre, Poli.zeibeamten, Detektivs, GefäNgnisärzte, Wachleute und Gendarmen sowie gegen sämtliche Belastungszeugen den Vorwurf der Korruptiön. Szecsenyi meinte, per Prozeß sei im Grunde genommen « ht Prozeß der Juden gegen die Christen. Abgeordneter Dr. Alain hob ebenfalls hervor, daß in Csongrad nicht die Juden von den Ehristen verfolgt worden seien, sondern daß die christlichen Einwohner A n g st v o r den Juden haben m ü s s e n. Dr. Ulain verglich in seiner Rede den jeßigen Prozeß mit der R r t u a l m o r d a f f ä r e von T i z l a - E s z l a r, in der. ebenfalls die Juden ein Kesseltreiben gegeu das ungarische Christentnin veranstaltet hätten.; Nachmittags wurde sodann das Urteil gefällt. Sämtliche Angeklagten wurden mangels an Be w eisen .freigesprochen. ' > In der Begründung des Urteils wird erklärt, daß sich ein unmittelbarer Beweis dafür nicht ergeben habe, daß die Angeklagten das Attentat begarrgen hätten. Die im Laufe des Prozesses produzierten mittelbaren Beweise aber hätten, nachdem die Angeklagten ihre in der Voruntersuchung gemachten G e st ä n d n i s s e; u r -ü ck g e z o g e n haben, keine genügende Grundlage geboten, um die Strafbarkeit der Angeklagten sestzustellen. Eine Feiev der Erwachenden. Wie „Az Est" ans Szolnok berichtet, -ha-b.'N die Er- 'wachenden Ungarn von Szolnok flir Sonntag eine Ver- -sammlung einberufen, in der ste den Freispruch der sieben Angeklagten feiern wollen. An der Versammlung werden •t>ie Abgeordneten Tibor Eckhardt, Franz Ulain, Melchior K i ß und, Andreas Z s i'! i n s z k i als Redner Auftreten. Die Szoluoker Stadchauptn^aunschaft hat den Pvwachenden. die Abhaltung der Versammlung bereit de willigt. HorW» MörderM. ' (Eigendienst der „Wiener Morgcnzeitung".) Budapest, 26. September. In der Angelegenheit deß wegen Ermordung Matthias Erzsbergers verhafteten Heinrich Förster recte Schulz haben die d ent sch e.n Behörde n neuerlich einen An trag auf Ausl \ e f er u ng des Mörders gestellt und den Antrag damit ibegrundet, daß Heinrich Förster-Schulz auch wegen des Mordversuches an dem Begleiter Erzbergers, dem Abgeordneten D ietz, verfolgt werde. Der Töreky-Senat des Strafgerichtes beschäftigte sich heute mir. diesem Auslieferungsgesuch der dmt/schen Justizbchovden und stellte neuerdings fest, daß der in Hast befiudlichr Bayer Heinrich Förster mit jenem Heinrich Schulz identisch fei, der den Reichstagsabgeordneten Dietz nach Angaben der deutschen Behörden schwer verwundete. Dieses Erkenntnis des Strafsenats wurde im Laufe des Vormittags der Staatsanwaltschast. übermittelt, die im Laufe der nächsten Woche ihr Gutachten über die Frage der Auslieferung Heinrich Försters an Deutschland fertigstelleu wird. Die auf sechs Wochen anlberau-prrie Äuslieferungshast des Heinrich. Förster-Schulz geht nächste Woche zu Ende, so daß die Frage der Auslieferung des Erzberger-Mörders Schulz in den nächsten Tagen unbedingt eine Klärung e"" st^en nulß. __ Kongreß M SozialvolM in Prag.! ' Anfangs nächster Woche flndet in Prag ein intet» nationaler Kongreß für -Sozialpolitik statt, der vorauIsichr'- lich außerordentlich zahlreich beschickt 'werden wird. An dem Kongreß werden Vertreter der Regierung, Männer der Mfsenschast, Vertreter sozialer Institutionen, Gelwerkschaften und Unte-xwshmerverbände teilnehmen. Die Em- 'berufung und Führung des Kongresses liegt in den Händen der Internationalen Vereinigung für -Zesetzlichen Arbe.iterschutz und zw Bekämpfung 'dex ArbeitÄosigkeii. Der Kongrest.-der im wesentlichen propagandistische Zwecke verfolgt, wird sich -mit der Enk- ' Wicklung der Sozial Politik «in den einzelnen Ländern;seit dem Züricher Kongreß im Jahre 1897 und mit einer -ganzen Reihe von SPezialsragen über den Achtstundentag, 'die Betriebsräte-'orgamsation und -das Mitbestimmungs- Brecht, der Arbeiter und Angestellten im wirtschastlichen und foFia-le-n Leben beschäftigen. Bon seiten Oesterreichs wird eine ganze Reihe Wrender So^iailPolitiker terlnehmvn, unter anderen Minister Schtwivtz,^ S^ktitznschef Hawelka, Mayer- :Ma,l.le ria.u, Hr Vörsstzende der.Jndüstpiesten BezitSsjkpmmWon 'H,e vtz.' Das Genfer Jnternati-onäle A-vbeitssamtjwird durch.'MuistHr a. D. Ttzq ma s und zahlreiche Wfere-nten vertreten kein. J