Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2018 (27.9.1924)
- Date
- 1924-09-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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’'-’v' ■JV?;: v--.ii*-..V-. >; ■■ 1. Men, der wundervolle, ÖfiljciijtU Inhalt des Wischen Frei« heilAkampfes nicht diesen Mann'anziehen konnte, der so begeistert war für die Schönheit der sozialen Aufwärtsentwicklung des Proletariats. Freilich war Öftrer einer von den vielen, die, aus dem Judentum kommend, vom Judentum. als einer lebensvollen, ringenden Kulturgemeinschaft nichts ahnen, die das Streben anderer mit sich sortreißt. Er war einer von den vielen, die unser Volk verschenkt, die es in seinem übergroßen Reichtum an geistiger Kraft an die anderen abtritt. Unser Volk hat verzichten gelernt. Aber am Sarg Ofners darf gesagt werden: Wir haben nicht, gerne verzichtet, wie yätten ihn mit Enthusiasmus bei uns, bei der jüdischen Jugend gesehen. * . .-r;. . V Dr. Julius Ofner tut schon seit längerer Zeit an einem Mastdarmleiden und wuÄe vor einigen Monaten in das Kauftnännische Krankenhaus übevMrt. Dort' wurde vorgestern an ihm eine Operation vorgenommen, die aber nichts mehr andern konnte. In den Abendstunden, trat bereits Agonie ein. 10 Minute:: vor 10 Uhr verschied Ofner. < Er war im Jahre 1844 in Komotau geboren. In die Politik trat er in den Achtzigerjahven ein. Er gehörte dem niederösterreichischen Landtag an und vertrat durch lange Zeit im österreichischen Reichsrat.den Wahlbezirk Leopoldstadt un-d gehörte auch der österreichischen provisorischen NakionaNersammlmrg an. Bei den Waihlen im . Jahre 1919 fiel sein Marchat an den zionistischen Kandidaten -Stricker. Im Jahre 1920 wurde Ofner zum Mitglied des ' " ' erichtShofes ernaMt Wiener Morgenzeitung. Md ein Bortrag von. flurt *Im#enfeH>. 1U:, Me Zollunion 1 L. SB i e tt. 37. September. Aus Piäg wird berichtet, Minister Benesch sei von den in Genf anwesenden Repräsentanten der Westmächte ersucht worden, einen Plan der Zusammenarbeit und Zolleircheit der mitteleuropäischen Neustaaten vorzulegen. Minister Benesch hat seit jeher die Idee des mitteleuropäischen Bundes vertreten, natürlich in einem arideren Sinne als der preußische Proponent Naumann; .Benasch dettkt an die bei der Zerstörung Oesterreich-Unsgarns begangenen Fehler, die in denr unvermitteltest Abbruch aller wirtschaftlichen Zusammenhänge kulminierten. Seither leiden alle Staaten unter'der in der Feststtmmung der neuen Freiheit eingerissenen Verwirrung der Währungssysteme, der Paß- und Zollschrarcken und der Enge der Wirtschaftsterritoriest.' Nur die Nationalisten fanden Freude an diesem Zustand; ihnen soufflierte die auf Schutzzölle bedachte Schwerindustrie die notwendigen Stichworte. von der Autarkie 'oder der Mittelstandspolitik, Sichevung der heimischen Produktion und ähnliches. Nun scheint es sich bei der Prager Meldung freilich noch nicht um eine Tatsache zu handeln. 'Der Völkerbund ist derzeit' noch mit der Abrüstungsdebatte beschäftigt, in der Benesch als Hauptreferent fungiert. Es ist kaum anzunehmen, daß er sich dazu verstehen wird, die so wichtige Fragender nrttteleuropäischen Zollunion anzufchneiden, ehe nicht die Anschauungen der beteiligten Maaten in feste Form gegossen werden können, und dies kann erst dann erfolgen, wenn die Unklarheiten und Spannungen der internationalen Politik bezüglich'der Verhinderung aller zukünftigen Kriege beseitigt sein werden. Einige der neuen Staaten stehen in keinem besonders fteundschasklichen Verkehr mit einander; es gibt noch ungeregelte Grenzsragen und vor altem die Minoritäten, denen die Friedensverträge ins Fleisch schneiden uitö für deren Beschwerden, die ja nationaler, kultureller und Wirtschaftlicher Natur sind, bisher noch keine autoritär entscheidende .Instanz geschaffen werden konüte.. Die Regelung dieser Angelegenheit muß -sich an die Friedenssrage anschließen. Erst dann wäre der Versuch, die Wirtschaftlichen Mranken Mschen den Sukzessionsstaaten niederznlegen, aussichtsreich, weil dann alle den Weg sperren-' den KorrMsstofse beseitigt wären und der.chauvinistischen Opposition, die in allen Parlamenten Wer sehr kräftige Mreier veMgt, Vieh TMain entzogen werden könnte. " . .■: Begrüßenswert ist es, daß. die.K;tte der logischen. Entwicklung der Politik fortgesührt wird. Es ist ein gut fundiertes System, das bei deck Eingreifen des VölkeMWes für Österreich beginnt und nun wenig- .stens bei der akademischen Erörterung Wer den Zu< sammenfchluß Mitteleuropas anlangt. Die östtt- Mchkfche Frage war die quälendste, weil ihre Lösung oder MchWsung für die Anrainer und für den gesackten Kontinent die Frage Frieden oder Krieg zu unheim licher AktUalttät weckte. Sie war nach dem Zusamcken bruch der erste Anlaß zu einem internationalen Zusammenwirken, das von den verschiedenen österreichischen Megierungen des öfteren provoziert wurde, aber erst dann zur Tat sich verdichtete, als der verstorbene Generaldirektor Rosenberg in seinen Besprechungen in London .und Paris die Grundlinien der Samerung vom allgemein wirtschaftlichen Gesichtspunkt zu zeichnen verstand. In seinen Spuren ging dann Seipel, der in Prag und Venedig die große politische Bedeutung der Existenz Oesterreichs als eines' lobensfähi-gen Staatswesens klar machte. Es verstand sich von' selbst, daß dies nur ein Anfang sein konnte. Oesterreich War am schwer sten betroffen, äber mehr oder minder leiden alle die neue:: Staaten unter den gleichen Sorgen und fallen aus einer Krise in die andere. Dieser Zustand muß sich sogar, wenn die Londoner Beschlüsse über den Dawes-. Plan kmsreifen, noch verschlimmern^Ihre Industrie ist escc. '^ycmä''sprach 'Donußrstag -otzends Kmt.i B l uur e n s eid ^Berlin)^ M zahlreichem Publikum im Festsaal des Hotels Coytinsntal. In großzügiger und systematischer Wei.se behandelteder Redner das Problem, daS' gegenwärtig im Zenttalpnnkt der. zioniMchm- Interessen sttht, und seine von hohen Gesichtspunkten Dragenen pnd ' tiefdurchda chten Darlegungen begegneten dem.' stäMen Interesse. Blumciiselb ging von denr bekannten Beschluß deS Zionistifchen Aktiorrskomitees aus, in welchem von den auf die ■ : "Z;4'-':-/-:’.. ■ Erweiterung der Jewish Agency durch Nichtziomsten abzielenden Verhandlungen mit Befriedigung Kenntnis genommen und die Exekutive a-Mefordertwird, dafür Sorge zu tragen, daß. dem nächsten. Zionrstenkongreß ein entscheidender Beschluß ermöglicht werde. In der Zionistischen Organisation sei nunmchr ein gewisses Unbehagen zu beobachten, es sei dies der Sorge um-das Schicksal; der Zionistischen Organisation entsprungen. Dies sei begreiflich, da unter d;n Anhängern der erweiterten Jewish Agency Elawente sind, welche sich eine Auflösung der' Zionistischen Organisation erhoffen, well sie meinen, , 'daß seit der Balfour-Deklaration die zionistische Bewegung ihre Aufgabe erfüllt habe. Dies ist als ein Irrtum anzu-' sehen, da die Baffour-Deklarat'von nichteck endgültiger Erfolg, sondern eine Vorwegnahme von Tatsachen sei. Es Ware-Aufgabe der ziouistischen Bewegung, sich klar, zu Machen, daß das Gelingen der geplanten Neuordnung nur bei einem.gleichzeiLigen Bestände der Zionistischen Organisation gesichert sei, deren Staickung und Erneuerung nachdrücklich betrieben werden müsse. » Redner gab nupmehr einen historischen Uebcvblick über die sogenaMte'i'.-I^-' . ... . . .. J.s1'»- die nicht Kompro'Msse oder «inen verdünnten Zionismus ansttebe, sondern eine Werkg eme ins chaft zwif chcn Z i pniske n u n d Ni'chtz^o n i st e n. Die EntwWUng der Zionistischen Organisation sei an der Äenderung der Kongretziuhalte abzülesen..In den ersten Jahren ging es um die Judenftage und das Problem Galuthbejahung und Galuchverneinung erregte den Kongreß. In einer, zweiten-Phase ging der Kampf zwischen angMich politischen:, und sogenannten praktischen- ^Zionisten. Seit der Balfour-Deklaration konzentrverte sich da-', ganze Jnteresie auf das Budget, so daß die letzten Kongresse, wo die w i ch-. 'itigsten Ent^che^dunÄW''fachmäuiMn Eharakter trugen, eisten gKmn ünMßeWnden Einbritck -hinter- Mehrere Talsacheit sind' es, von denen die zionistische^ mszugehen hat:'Erstens inüsse das Tempo der-p alästinensische» Kolonisation schneller werden. Zweitens müsse man sich Mer die > Grenzen des Palästinawillens der Nichtzionisten klar werden. Drittens gelte es, zu erkennen, daß nur ein! besonders gearteter Teil der Juden vom Zionismus in seiner Gänze wiMich ergriffen werden könne. Ein jüdisches liche Siedlung, ist Mder Mtle geschlossene ländwirischaft- M/und darum nckffe die Ber> anttvochrng für dqS. MrWemnatevial di« Ziomstifche Organffatnm allein tragen. Gwe vierte Voraussetzung der Erweiterungspolitik liche ,her'MtzeMliUchen Bedeutung '.der Wttgelegmhert..', v. ■ - Für die -Ijonistischö" QöKmWipiN ' tzur Falle 'der Ettveiterung der Jewish Agency verschieden^ Aenderungen. Der Kongreß wich nur die H al f jedes C o un c i l s, beziehungAveise der Exekutive.der Agenehwühlen, jedoch über das gesamte Budget der I«- . WW Agency Beschlüsse fassen und. so. die Beschlußfassung der Jewish Agency enffcheidettd beeinfluflen. Der Zionistischen Organisation bleibe die Verantwortung für dys Pioniertum, und der Kongreß werde wieder die Frage der z i o ni ft is ch e n Bewegung in den Mittelpunkt rücfcit können. Völlig unbegründet. sei, die -Furcht, es könnte die Zionistische Organisation, die keck willkürliches Gebilde ist. nach Durchführung des Jewish-Agency-Planes überflüssig ftin, im Gegenteil, sie wird dann die Möglichkeit suchen müssen, sich zu vertiefen und zu intensivieren. Die gegen« wartige zionistische Forderung muß fein: * ' I„Konzentration der Kräfte", . unr bald, in unseren Tagen, aus Palästina b!e nationale Heinrstcitte durch die Kräfte der Zionistischen Organisation — geeignete Pioniere im Lande und geschulte Träger der Bewegung im Galuch' — zu Machen.. ■;/ Ein wichtiges'Arbeitsgebiet muß die I it g-e« dbe« wegüug bilden. Es «bedarf guter Mitarbeiter von Persönlichkeitswert, um wertvolle Nichtziomsten zu 'beeinflussen und neue Menschen zu gewinnen. Zionisttschk Propaganda heißt gegenwärtig vor. allem i i? . Gewinnung, geistige Schulung und menschliche Erziehung arbeitender und. führender Kräfte. Wenn, es überall die entsprechende Zahl .-gut <peschuller arbeitender Zionisten vo-n. geistige m R a n g geben wird, dann wird man wieder von einer starken Organisation sprechen.-können. Wir haben zu begreifen, daß die durch eine eriweiterte /Jewish Agency gekrönte- BündnispMik nur dann Früchte tragen-kann, wenn ihr unaufhörlich das quellende Leben der Zionistitschen Organisation zustromt. ’ * Der Vortrag HnMtffelds übje eckPFtgxkry. Eindruck' auf die Zlchöver. 7 :. Vertreter der Jelvtsh Ageüeft Mr der Man». dMkommMoti des ' '' .,X London, ^6. ,SePtMb?r. (I. T, A.). Im Oktober d. J..< werden z u m erst e n M a l e. ÄoPrÄsentantender.Jewish -Agency an der Tagung, der permanenten M a n-dä t skam m rff i o « des Völleübundes teflnchmeN und über, die Arbeit der Jewish- Agency, in Palästcka Bericht erstatten. . Der britische Oberkommisfav für Palästina,. Sir Herbert Samuel, wird anfangs Oktober ebenfalls in Genf eintreffen, um der TaMNg der -permanenten Nckndatskom- Mission des BÄkerbundeK beizuwohnen und seinen Bericht über die Admmistratilm in Palästina zu unterbreiten. RAGLAN ■ K 6S0.OOO . Hiiniieh Weinberger, l. Slignitrane 6 . Erstklassige Massabtellang GRÖSSTE AUSWAHL - BILLIGSTE PREISE Nicht MW getrug,' dir' deüffchen Maschine, wenn sie einmal nach Liquidation, der Ruhvstaae in Schwung kommt, Konkurrenz zu leisten. Für die Tschecho-Slvwakei und Polen drvyt'aWrdem uöch aus der.in Oester-- ) reich sich vollziehenden Emanzipation von der schwarzen .Kohle eine Vevscharfuttg der wirkschastliHen und damit automatisch' der sozialen Verhältnisse. .Hier muß ein Ausgleich getroffen werden, und der Weg zu diesem Ziele kann nur. über die Zolleinheit ftergelegt werden. An' den fünf Jahren der Nachkriegszeit ist Überall viel , Wasser in den Wein gegossen, viel NachdenWichkeit ver- ' breitet'worden. Es wird eine schwere Aufgabe sein, die fstr die Vaterländer zitternden und gut bezahlten Pätkroten zur Raison zu bringen, über auch dieser Widerstand wird vor der unerbittlichen Notwendigkit der ' ökonomischen Gesetze .weichen müssen. Alle Linien bet; Politik lausen aus die Schaffung größer Wirtschafts-' lterritorien hinaus und es'ist immerhin ein guter' - Schrittnach vorne, daß von,ber mitteleuropäischen Zoll-. Union schon gesprochen wird. Sie wirdzur . Tatsache -werden..,. .. J-4&- .• -BritischeUebemachunz der transkordmischen; Sinnnaen. . |f§, 34. September. W. T. A.) Wi« Per <m maßgebender Stelle verlMtet, wird- Colonel Charles' H. F. /Cox, der politische Attache Großbritanniens bei bet* transj'ovdanischen Regierung, von jetzt ab . die 'gesamte F in a uz g eb a r u n g. dert r an s.j o r d,a n i..s.H.c..n , V e r w a l t u n g zü 'ü M'WLch.e it *' BWge Kimpse l» MiemMK rx Löndev, LS. SchtemLer, Nach einer MeldWg Set >,Times" aus Allahaibad.haben ck SchLjahanpur zwischen Hindus und Mohammedaner.« neuerlich Zusammenstöße stattgefuwöen, Her denen sechs Moharumedaner und drei Hindus^ ge tötet wurden. Die Zchl der Verwundeten beträgt ungefähr^lvO^".' Sine Schlacht «m SchmE, (EigcMenist'der „Äiener MorgeMitung^.) London, 26. September. Aus Schanghai wird, ge« m-el-det, daß die große S chlach.t um SHa ngHai begonnen hat. Die FviedenKverhandlungen zwischen den beiden um den Besitz von Schanghai kämpfenden. Armeen sind gescheitert. ’ ' -MWA-!' - Die fremden Gesa-Mschaften richteten, an das Muisterium des Aeußern und an Dsang-tso-lck ein Memorandum, wovm sie erklären, daß sie, wenn sie auch, in ftiner Weise in die gegenwärtigen Feindseligkeiten' einzugreifen beabsichtigen, gegen die Beschießung anderer Ziele als von Streitttästen^ im Felde, befestigten Platzen und-Schiffs ein- 'Herten p v o t e st i e r e n. Sie werden Behörden, - welche eiine Beschießung anovdnen, v e r a n t w o r r V\ ch mache«, falls hierbei Ausländer getötet rder (v:.r-um-- von Msländorn zerstört-würde. . die «eichtagsmhlrn in Bränttrtg gewählt. Stockholm, 26. September. Bei den Peichstgüswa^'.'u .in Sto ckholm haben-hii'Sozialdemokraten 9, -hie Rech:: ,6 Mandate und die Liberalen ein Mandat erhalten. Tie 'Kommunisten haben ihr einziges Stockholmer Mandat' ar die Sozia-ideuwkraten v e r l o r e n. Unter den- .besnM: sich auch B r a u 1 i n g. ■y Rooseveltr Sohn - Souverneur von Rrw-Dork. Mv-Aork, 26. Septencher.' (Tel.-Konip.) The o d q!t e Roofebe'lt, der Sohn des früheren Präsidenten' der Vereinigten Staaten, ist zum Gon v e r n e u-r des Staates New-Nork aewäblt worden.