Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2018 (27.9.1924)
- Date
- 1924-09-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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|FjElsBiife2Uflroszy(;,Zam Äbholen in der BrtoJllivTaboMrtri 1-3,' ^^erVeraeKldsstelle IcfÄo&tL K 40.000 ^Warenverkauf in Wien ckorck die Kolporteure der Forma Goldschmied, 1. Bez., Wollreile 11 SfftPoatversand für Wien u.. QM^p^monatL K 4Q^<>0 ft ülkbc h o-S lowak ei: Mon. K 20. Jngosiavrien'. Mon. Dinar 60, Po len:Mon; SV, Zloty, Deutschland: Hl«a.Goldmarkd, F ran k rn Belgien: Mon. Frei. IS MT Naehsabl «>t«i *VI b« PrelurkBhan^en Vorbehaltes K lener Rr. 2018 Wien. Samstag, 27. September 1924 M BllHin-MW neuer Kriege. Re Arbeiten der AbrUungskommiffion. — Borbereitungen rmFnternationale» AbrLftnnMnferenz. (Eigendienst -er „Wiener Rorgenzeitung".) menarbeit gebadet werden. Tie Vereinheitlich u ng des iNternatiönalen P riva 1 re chte s I Preis K 1400 England: Mon. 4 Schilling Italien: Monat!. 15 t.ir«, Rumänien Mon. 150 l ei dulgarien Mon.BO'Lewa, Schweiz und das übngi Ausland monatlich 'Frei. 4 Redaktion d. Administration Wisst, H„ T*bofStr.l-a Vplepdpo«. A^6ührahds. 21 -102.2’5-282 IX. UniversitätsstrMse 6—8 (Druckerei Steinmann) Qeaterretchisches Postsporkassen Konto Nr, 150.693 8; SaSrgang Genf, 26. September. Die -ritte Kommission beschloß heute eine Reorganisation der zeitweiligen gemischten Abrüstungsko mmission nach folgenden Grundsätzen: Die Kommission soll umfassen: 1. eine gewiss« Anßkchl von Reg ierun gsv ert r eteru, 2. Sachverftändigendelegierte der techmßchen Organisationen des Völkerbundes, 3. D eleg ierte der in der Kommission n i ch t v e ritretenen Staaten sollen eingeladen werden, wenn die Kommission es für notwendig hält, 4. der' Rat ßöll Nichtmitglieds staate n zm Lellmchme an den Arbeiten der AbrUtungHkommisiion «inladen, wenn sie ihren Wunsch dazu mi-tWen. Sodann schlug Geneval de Meriur (Italien) im Namen der Untertommission eine Resolution vor, wonach die Versammlung den Rat ersuchen soll, allen Staa t« iv ölt ch de« Ni ch tmätg lie'de rn des. Völkerbundes, den von der gemischten temporären AbrlüsiungAmmriffion ausgearbeiteten ' Hole» Waffenhandels K« «interbveiten und - die Regierungen , zu. ersuchen, dem' Volke rbundsekretariat vor der DezeiMvsMon des Rates mitzuteilen,,ob sie geneigt seien, mr April oder Mai der m Gens ftüttfmdenden i nie r n ati o na l.en Kc nserenz zur Prüfung des ProMes betzuwohnen. Nach einer kurzen Diskussion wurde die Resolution einstimmig angenommen. Hierauf befaßte sich die Kommission mit den statistischen Auskünften über den Handel mit Waffen, Munition und KriegSmatevial. Der Berichterstatter de Merini schlug ein« Resolution vor, die das VölkerLundsekretariat beauftragt, periodische Beröfsentliichunge'u.über diese statistischen Auskünfte voHulegen. Ferner prüfte die Kommission die Frage der Kontrolle der privaten , Mstungsindustrie. Dann wurde beschlossen, die Veröffentlichung des Jahrbuches über den S t a n d d e r militärischen R ü st u n g«u auf der ganzen Welt fortzusetzen. Als zweiter Gegenstand der Sitzung wurde die Frage des Krieges mit chemischen Mitteln behandelt. Es «wurde auf die furchtbare Gefahr des Gaskrieges für dre ganze menschliche Gesellschaft hurgewlese» Die angenommene Resolution betont die «Mute-Notwendigkeit, neue Kriege zu verhindern, damit die modernen Völker - niemals in Versuchung kämen, die Errungenschaften ’ der Wissenschaft zu mißbrauchen. Laudo n (Holland) refevierte tm Namen der dritten Kommission über die Beschränkung der maritimen Rüstungen. Die Kommission beschloß auf seinen Antrag, keine nene Ko-nferenz - zur Beschränkung der niaritimen Mstungen abzuhalten. Die vor einigen Monaten in Rom abgehaltene diesbezügliche Konferenz hatte lbekauntlich zu einem vollen Mißerfolg geführt. Die Unterkommission schlägt deshalb vor, daß die Mriüstung zur See ebenfalls auf der großen Abrüstungskonferenz b e h an d e l t werde, die am 16. Juni 1V25 in Genf Mfanmneutreten werde. ' In der Nachmittägssitzung machte Seirator Graf Zippieo (Italien) offizielle Mitteilungen von -dem Angebot der rtaVenischen Regierung über die Schaffung eines internationale« Instituts für Privatrecht. Italien will durch die'Tat beiweisen, welchen großen Wert es aus die internationale Zusammenarbeit /lege. Bon 18 internationalen Abkommen habe es schon elf ratifiziert. Den ausländischen Studente.« werden große Erleichterungen gewährt. Das Institut für Privat recht mit dem Sitze in Rom, das die Regierung Mussolini nun dem Völkerbund anbiete, werde analog dem itt« t e x u o t i o i! rf r;t rv.'! sr' t n t f i'r r <r e i st i 0. e u saM würde einen weiteren Schritt auf dem Wege der geistigen Zusammenarbeit der Völker bedeuten. Die italienische Regierung,werde eine Million Lire für die Deckung : der Unkosten,des Instituts aussetzen. / Senator de Jouvenel (Frankreich), Fernande^ y Medina (Uruguay), de Brouekere (Belgien) uNo . Professor Murra -/(England) dankten der italienischen Regierung namens der Delegation für die hochherzige; Gabe. - ..■•„W;-1; rr. Nansen Ner seine VmtnNkr« mit 9Un& Dr. Nä n se tt erklärte heute gegenüber einem Vertreter.-der'''Schweizerischen Depeschenagentur, daß an der von in- und' ausländischen Blättern vevoffeutlichlen Behauptung, er habe bei seiner Besprechung mit Reichskanzler Dr. Mar x diesem gegenüber Verschiedene Ber- - sprechen für^den^Foll gemacht, daß.Deutschland din.Mf--. nahntegesuch 'stelle, kein Wort,wahv. sei. Sr stellt fesVi daß, Aes 'Iw ^.übrigen sei man' ja über»eiHMv','wHkWn Bedingungen, i däs Augestän-dnis eines stäHigen Ratssitzes - an Deütschi land, einig. ' ' ' ' ' ' ' - '' Dieser-Erklärung kommt im gegenwärtigen Aagenblick,;ifao die deutschen Bedingungen bekanntwerden, die' in dem -Memorandum an die Ententeregierungen enthalten sind, besondere 'Bedeutung - zu. ^Ueber diese B ed i ng u n g e n . verlautet in Wlkerb.undkreisen, daß neben der Forderung auf einen ständigen /VMevbundratHtz auch die * Nachprüfung der Friedensverträze in bezug auf gewisse territoriale Fragen verlangt wurde sowie die teilweise Umstellung in der Regelung der Man- datsgebiete unter Berücksichtigung DeutschlamLs sowie die .Beteiligung Deutschlands an der Unterzeichnung des Protvkolls in dem Sinne, daß ihm eine, . größere Streitmacht zugestanden werde, damit es gegebenenfalls auch an den Sanktion.e« mitwirken könne. Indessen muß festgestellt werden, daß es bis zur Stunde nicht möglich war, eine Betätigung dafür zu erhallen,, daß. Deutschland in der Tat diese - Bedm- ' gungen gestellt hat. Es Wird auch behauptet, daß unter den Bedingungen die Kriegsschuldsrage ' ängedeutet wurde. . ■ In BölkerbuMreisensieht ntan dem endgültigen Text der deutschen Bedingungen mit großer .Spannung entgegen, die dort, gewissen Befürchtungennicht, -frei' ift:-. Sollten. die obigen Bedingungen ' zutreffen, 'so würde dies'in der Frage' der Aufnahme 'Deutschlands eine plötzliche Wendung hervorrmfen *ht.dem Sinn, daß verschiedene Staaten sich einem Aufnah m eg esu ch widersetzen würden. . Berlin, 26. September. Das von Reichskanzler 'gebilligte Memorandum Über die Frage des Eintrittes Deutschlands in den Völkerbund wird zunächst nicht veröffentlicht werden. Es ist noch im Laufe d es gestrigen Abends den hiesigen V ertretern der Großmächte übergeben und teils durch Kuriere, teils telegraphisch an den Sitz der Regierungen befördert worden. An unsere Leser! Wegen des jüdischen NenjährsfesteS wird die „Wiener Morgenzeitung" am Montag den 29: d. und D' nst a g den 30. d. Nichterscheinen. Die nächste Nummer wird dann am Mittwoch den 1. Oktober zur gewöhnlichen Stunde ausgegeben werden. Die Nummer von msrtzen, Sonntag den 26. d., liegt demnach dis Mittwoch auf, worauf wir unsere Mfwfecii tmtmnTjftm machen^ Mus Ssner. Gestern nachts ist der gewesene Abzeordnet» Dx. Julius Ofner.verschiäen. i — y. Wien, 27. September. Julius Ofner, der an der Schwelle des achtzigsten Lebensjahres gestorben ist, war der Repräsentant einer Zeit, die unwiederbringlich vorbei zu sein scheint.'Sr war ein Liberaler, den. man heute, dem linken Flügel der bürgerlichen Demokratie zurechnen würde. Ethiker, Rechtsforscher, sozialer Reformer, Parilamentsrüdner von einer unbeirrbaren,. tiefgreifenden Konsequenz des Denkens, ist er zeitlebens doch, nur ein Opfer seiner jüdischen Herkunft gewesen, die er nicht liebte, die er von sich abstreifen wollte, ohne ähr entrinnen zu können. Der deutschböhmische Jude,'der mit einem Herzen voll Liebe fiir alle Menschen nach der' großen Kultursladt' Wien kam, wandte alle Schätze seines mühsam erworbenen Wissens, alle Kraft seines heißen sozialen Strebens nicht seinem jüdischen Volk M, dein er' rm innersten Herzen stets fremd und kalt gesinnt 'war. Er stand und kämpfte für die deutsche Nation, die alles nahm, waS er ihr gab, und ihn mit geringschätzender Gebärde zurückroies. In einem Kreise Gleichgesinnter lebte -Ofner, und es-war sonderbar, .daß dieser Kreis nur aus jüdischen Menschen bestand, - die ihr wertvollstes, ihr jüdisches Wesen niemals erkannten, es sogar- , wenn, es vor . sie hintrat,'ihre Leistung für die eigene, blut- und gvttgege'bene Gemeinscha'st forderte,! verleugnten.-Die^^ An- - gleichstnL des 'Mdentums an .die M^ der falsche.^Md.iMDeM.HüÄwVck-'M'Ivost?Ofner '. selbst W' braucht worden, öbzwov/ er - nur' eine unwahre Fikston deckt — war das pblitiM Ideal dieses Kvei^ ccher nicht dieser Zeit. Alle Nationen forderten ihr'natürliches Recht. Da es ihnen vorenthalten wurde, kam es'zu der blutigen Sturmflut des Weltkrieges.' Ofnet kämpfte energisch, zornig, mit der vollen Ueberzeugüng des, Sohnes eims unteÄ>rückten Volkes' *itr die Unterdrückten. Er stand in der ersten Reihe der Streiter für soziale Freiheit, für die Politische Gleichberechtigung der Frau — für das jüdische.Volk, das aus der Tiefe der WurzellostAeit und Enterbung zur Höhe strebte, hatte Ofner kaum etwas anderes übrig als den Rat zum nationalen Tod. Das deutsche Proletariat, das der Eigennutz, die sträfliche Verblendttng feines, Bürgertums in der Stickluft der Frcmbaracke sesthält und niederpressen will, fand in Ofner einen glühenden Anwalt, der mit trotziger Energie der sozialen Pest an den Leib ging. Das leidende, aber im Leid seiner. Geschichte, seines Adels, seiner Zukunft bewußte Mische Volk ging ohne Ofner, seinen Schmerzensweg. Und selbst dort, wo auch Ofner hören mutzte, wo das Unrecht so kraß war, daß es auch an Ofners Herz griff — wir meinen den Hilsmr-Fall —, war es nicht das jiidische Opfer der- Meute, für das er eingriff, sondern der ungerecht Verurteilte. Ofner fühlte i nicht den Peitschenhieb, der auf die jüdische Allgsmein-! heit medergesauft war, und darum, konnte auch er nicht die Rehabilitienmg erreichen. Er nahm die Amnestierung an. Das Judentum war ihm eine Religionsgenossew schaft, der politische Zionismus nur eine ander« Form des Klerikalismus. Eine ganze große BMiothek über Fragen des internationalen Rechtesder Rechtsfindung, Reckstsforsch'Ung und Rechtsreform, über Ersrtzpflicht, Versicherungs- und Pensionsrecht, über Hypothekenwesen, Kinderschutz, Mutterschaft, Ehewesen und weiß Gott über welche Themen außerdem, hat Ofner geschrieben und sich seiuen ehrenvollen Platz mfter den deutschen Gelehrten.gesichert. Ueber das Recht des jüdischen Volles hat er nichts zu sagen gewußt, und noch als alter.Mann ist er in Reden und Schriften, auf Reift« und in Versanmalungen gegen dieses vom Zionismus neu formulierte Recht in der schärfften Weift ausgetreten. In einer studentischen Verbindung, der er angehorte, spvach er gerne über die Ideale des deutschen Burschentums, rühmte die Totenvon 1848 uich sang „Wenn alle untreu iverden!" Ihm galt es mcksts, daß doch die Treue beim eigenen Stanun hätte beginnen müssen und daß zwischen Lied und Tat yme quälendtief« Kluft stand. Es gibt keimn Juden, der nicht die Mitarbeit dieses Mannes mit auftichtiger Trauer vermißt hätte. Dieser scharfsinnige Talmudköpf hat uns gefehlt. Mr haben «* «Ä bmagt (wrü wir das nicht Men können), daß