Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2017 (26.9.1924)
- Date
- 1924-09-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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./*■ Wien, Freitag i für ein Helldendenkmal an die israelitische Kultus- ' gemeinde veröffentlicht. Solche Notwendigkeiten können sich öfters einstellen, und darum ist es nicht angezeigt, das Hakenkreuz so offen zn tragen. Männlicher Mut , und Offenheit ist eine schöne Sache, aber nicht immer. Da hilft die von der österreichischen Gemütlichkeit immer bevorzugte listige Auslegung, die einmalKörber so zornig angeprangert hat. von Ariern und Semiten reden? Studentennationen, von denen die eine alles Recht, die andere alle Pflicht zu tragen erhält — das ist ein Ausweg. Das kaschiert die Fassade, sieht unschuldig aus, und tut, was die Hauptsache ist, den von den akademischen Rassenidioten gewünschten Zweck. Die paar nichtjüdischen Ausländer, die sich nach Wien verirren, werden, wenn sie nicht schon selbst als stramme Hakenkreuzler bei der deutschen Nation hospitieren, auf Grund einer Rektoratsentscheidung eine Sondevgruppe bilden, die kaum sehr ins Gewicht fällt. Die Juden werden in allgemeinen und vaterländischen Angelegenheiten nicht zur Beratung zugelaffen, erhalten aber den im Paragraph 9 vorgesehenen Trost, daß ihr Beitrag von 10.000 Kronen für das Semester das Recht auf Vertretung ihrer Interessen beinhaltet. (Die Verordnung ist im schönsten Hakenkreuz-Deutsch geschrieben.) Das ist im alten Oesterreich besser ausgedrückt worden: Kuschen und zahlen! -Das ist das iiberhaupt von den verantwortlichen Führern der nach Paragraph 3 der Verordnung „gebildeten Nation" zuertannt erhalt. Und die Vorüber solchen Rechtes verlangen von der Welt Vertrauen und Kredit. Wir empfehlen beides. Armenien und gesterreich vor der (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".); Genf, 25. September. In der heutigen Vollversammlung des Völlerbundes referierte zunächst. Frau Swanwick (England) über Flüchtlings fragen. Die von ihr vorgeschlagenen Resolutionen befaßten sich hauptsächlich mit >den armenisch en und griechischen Flüchtlinge n. Ihre Ausführungen wurden von De Brouquere (Belgien) ergänzt, der die Notwendigkeit, einer nationalen Heimstätte für die Armenier begründete. : ... Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildete Mt Be- > nicht übeö den sinauzielleu WL-edera-ufbau-, Oesterreichs. Der BerichtersMer, der sravMis^ .Deputierte Georges Bonn et, schlug eineResolutiou vor, die folgendermaßen zusammengefaßt werden kann: Die Versammlung beglückwünscht sich zu den Fortschritten, die bei dem unter den Auspizien des Völlerbundesunternommenem Werke der Gesundung Oe ster rei chs erzielt wurden. Sie nimmt Kenntnis von dem Beschluß des Rates, der die Bedingungen feststellt, unter denen das System der Budgetkontrolle in nächster Zeit modifiziert werden kann, um spater ganz in Wegfall zu kommen. Der Berichterstatter schloß mit einem Hinweis auf die Umstände, unter denen das Werk des Wiederaufbaues fortgesetzt wird. Hierauf ergriff der erste Delegierte' Oesterreichs, Botschafter a. D. M e n sdorff, das Wort, der besonders das Interesse Oesterreichs an dem gegenwärtig im Vordergrund der Völle rbund'beratungen stehenden System, dev obligatorischen Schiedsgerichtsverträge hervorhob. .? Hierauf nahm die Vollversammlung die vorgeschlageneu Resolutionen über Oesterreich ohne Opposition an. - Sodann referierte Sugimura (Japan) über die Arbeiten des Finanzkomitees. Er schilderte die Umstände, rrnter denen sich die griechischen Flüchtlinge niederlassen könnten, wenn die notwendige -Anleihe-von 10 Millionen Pfund Sterling bewilligt würde. Das Flüchtlingswerk, das Mo rg ent hau- und Campbell unter Mithilfe von Dr. Nansen leite,' habe schon schöne Erfolge gezeitigt. Ein Resolutionsendwurf schlägt die Bewilligung dieser langfristigen Anleihe, die produktiv verwendet werden soll,'vor. Der Berichterstatter wies weiter auf die Sanierung Oesterreichs und Ungarns hin und ging speziell auf die finanzielle Lage der freien Stadt Danzig über, die dank -dem Eingreifen des Völkerbundes ebenfalls' auf eine günstige Grundlage gestellt sei. Der Bericht samt Resolutionen wurde ohne Diskussion genehmigt. , Die georgische Frage. Genf, 25. September. In den Nachmittagsstunden der BölkerbundversammluNg betont van Eysinga (Holland) die Notwendigkeit der Aufhebung d e r E i nu n d Ausfuhrverbote und dankt Italien für die in diesem Sinne ergriffene Initiative. Sodann gelangt die von der französischen, der britischen und der belgischen Delegation vorgeschlagene Resolution in dr georgischen Frage zur Verhandlung. Referent MaeDonald (Kanada) verliest nochmals den Text 'der Entschließung, die lautet: „Die Versammlung erneuert die am 22. September 1922 von der dritten Völlerbundversammlung in bezug auf Georgien angenommene Resolution. Sie lädt den Rat ein, die Ereignisse in diesem Teil der Welt mit Aufmerksamkeit zu verfolgen und alle, sich darbietenden Gelegenheiten zu benützen, damit durch friedliche, den Regelndesinternationalen Rechts entsprechende Mittel diesem Lande Wiener Morgenzeituna. 26. September 1924 Dr. M7- M Seke aeaen litti f ff hifritim StMtMnk. Polizei gegen Löed. Eigenbericht der „Wiener-Morgenzeitung". Weimar, 26. September. Wie bereits, gemeldet, hat der Präsident der Thüringischen Staatsbank WalterL o e b, gegen, den seit seiner Ernennung von den Hakenkrcuzlern um den bekannten Dinier ein Kesseltreiben veranstaltet wird, sein Amt niedergelegt. Daraufhin beschloß die thüriugischc Rcgierung, der cs um die „Brcmdmnrkung" Loebs zu tun war, die fristlose Kündigung mir der Begründung, Loeb habe.den Finanzminister irrcgesü h rt. 7.. :::'• * *• - Um die „Affairc" ins Sensationelle zn vergrößern, drang .. .. > Polizei Montag morgens in'die Staatsbank ein,, angeblichweil sie eine Anzeige erhalten hatte, Loeb wolle Aktenstücke au§ der Bank' entfernen. Ausdiesem -.Grunde soll eirMS 4 ra fu n t e r s uch ü n g gegen Loeb eingeleitet werden.- Der frü- Here. Staatsbankdirektor M a e r k e r und der.Ministerial-s direktor Bär Winkel, welche Zeugen der Polizeiuntersuchung waren, haben ihre Aemter sofort zurückgelegtz . uru ihre Solidarität, mit.Loeb zu bekunden. Im Motivenbericht der Regierung über die Strafuntersuchung gegen Loeb wird bezeichnenderweise festgestellt, daß „beider, ganzen Frage keinerlei Momente zum Vorschein kamen, welche die Kreditfähigkeit der Staatsb.an^irgendwie beeinflussen könnte." Schon daraus-ist zu ersehen, welche^" eigentlichen Zweck das Strafverfahren hat. Sinter spielt de« Mrttzrer. \ Ans München wird uns berichtet: Der Hakenkreuz» lerische Agitator Dr. Arthur D i n t e r, der in Nürnberg in einer Volksversammlung 'sprechen' sollte, erzählte,--als er . dort.ankam, er sei nm Pahnhof Saalfeld, als er fein Bier „unbewacht" stehen ließ, p e r g i f t e t worden,' wahrscheinlich sei ihm von jüd i^seher Seite Giftin das B i e r g l a s g e s ch ü t t'e t worden.' Wenn auch zu ver- - muten ist, daß die Vergiftung Dinters als eine ins Gegenteil umgeschlagene Maul-Diarrhöe anzuschen ist, so hat Dinters Genosse, der Hakenkreuzabgeordnete Streicher, die „jüdische Untat" zum Anlaß genommen, um eine Extraausgabe seines Nürnberger Schmierblättchens „Der Stürtner" zu veranstalten/ im der-behauptet wird, Dinier sei von den Juden vergiftet worden. Die Polizeidirektivn hat dieses Blatt beschlagnahmt. ' - bei der Rückkehr zu normalen Verhältnissen geholfen werden könne. . Der Referent verweist darauf, daß dieser Vorschlag Wort für Wort 'den Text der int Jahre 1922 angenommenen Resolution wiederholt. Die tragischen Ereignisse, die sich gegenwärtig in Georgien abspielen, erschweren die Sorge, welche schon die dritte-Versammlung . beschäftigt, habe, neuerdings. .. . Bonnet (Frankreich) unterstützt, die von seinen Kollegen Eingebrachte Resolution. Angesichts der' Leiden, .des georgischen Volkes könne der Völkerbund nicht- ..schweigen. - - - " - . Damit ist die Diskussion über diesen Gegenstand. abgeijschlosse-. Die Resolution -wird angenommen. I Hierauf gelangt bas 'ch i n e fr s ch e E r's uch e.n -nach seinem nichtständigen Sitze im Pölke rbu nd- •iratc zur Sprache. J fj C h ao - G ich n,.. der? chinesische Gesandte in rt London, begrüE Wnäs.' Äffie n 'habe keinen der nichfftändigen Sitze inne. China sei ein großes, reiches Land, das unbedingt im Rate vertreten sein sollte. ' - Prinz Mirzä Riza Arf.a e-d.Da.leh (Persien).'findet ' ebenfalls)'daß Asien im Völkerbund starker ber- - treten sein -sollte. Bug i.m u r.a (Japan) unteristüht ebenfalls den Wunsch Chinas, Damit ist die Diskussion übexdiesen Gegenstand, geschloffen.. Es findet, kein- Einspruch gegen di^ chmesische-MvtM-statt. ' --.- ' ' . .7 Ser deotsch-enslische -««delsvertrag. (Cigendienst der „Wiener MoMnzeitung^.) 'J London, 24. September. Das Reutersche Bureau mel-. bet aus Berlin: Die englisch-deutschen Handelsvertragsver-, - Handlungen sind gescheitert, da es den beiderseitigen! Vertretern nicht möglich, war, eine g e m. e i n s a m .e B e r«' . h a n d lu u g s gr u n d l a gezu finden. Der englische Des legierte wird morgen nach London zurückkehren, um dem i Premierminister Mae Donald Bericht zü erstatten/ ' " l . Der britische Botschafter Lord d'A b e r n v n wird j morgen mit dem Außenminister Dr. St res emann konj ferieren und sichsodann Nach' L o n d o n begebdn. j Das Scheitern der Verhandlungen,,fügt das genannte , Nachrichtenbureälr hinzu, ist zum'grüßen Teile dem Um- ' 'stände zuzuschreiben, daß es die Deutschen ablehttten, Zui g e [tan d ni s sie hinsichtlich der Zoll fr e i heit für ge- WIV «IVfllV* London, 25. September. D e v i s enschlußk » t f e t l, Wien 317.500, Prag 149V.. New-Iork 4,47V«, Parts 84,79»/„!. Brüssel 93,55. Rom 101,80/ Zürich 23,54»/,,- Madrid 33,68,-? Amsterdam 11,57»/,, Kopenhagen 25.95'/,, Christimüa 32.10, -- Stockholm 16,61, HelsingforS 178'/«, Berlin 18,75, Athen 252'/,, -' Bukarest 180. > London» 25. September. Ekfektenkurs e : Oesterreichische Anleihe 92'/., Tschechische Anleik>e102'/„. Prager Anleihe 99'/„ Skoda 91'/,, Bankverein 7, Bodenkredit 17,6, Central i Mining 11'/„ General Mining 12,8, DiamondS 17,6, DebeerS; Hs/8> Nio'Tmto 34'/.,'Royal Dutch 28, Shell 3T/8. Ports, 25. September. (Radio.) EffektenschlußkurseBa'nqüe .de. France —, Pragobaicka- 406,—, Credit LyonaiS 10,O0> Suez 14,595, Platine 830, Dabrowa 605, Banque Ottomane. 806, Central Mining 29,05, Rio Tinto 880, Le -Raphte rüsse 1014/ Sücceried EgypN'2825, Cautschoucs.sin Chartered 47,75, Debeers ordin. 978,—, Goldfields 84.-, Huanchakas 336,—, Jagers Fontain 2il% Aialaeca ordin. 152,—, Maltzoff, 442,—, Mexican Eagle 62,50, Padanq.972,—, Rand Fontain 83,50, Randmine 242,50, Silva plana 149,—, Tauganyika -161-, Tubice' soie 610i-, Mah Cepper 1527, Shell 331,'/„ Royal Dutch 298,'/,, Burmah —.—, Bakou 146,—.! Aew-Bork, 26. September. (Radio.) D e v i s e nsch lu ßikurier Taggeld 2 bis -2'/*%, Wechsel auf London 4.47,. 60-Tage-Wechsel 4,44'/,, Paris 5,27, Amsterdam 86,63, Prag; 2,99'/», Berlin 23%, Silber 69'/». '' ' ' Aew-Bvkk» 26. September. Effektenbörse, j Atchinson 105a/i, Baltimore 73*/„ ■ Canadian Pacific - 148f/4,. , Cheasepeacke 85^, Eari 21SU, .Greath. Northern 65'/4, Milwaukee 14, Northern Pacific .66, Union Pacific 141'/„ United Steels 1Ö9V«, Royal Dütch 41^, Southern' Pacific 95'/,. wisse nach Deutschland e i n g e f ü h r t e britische Waren zu machen, die der neue deutsche Zolltarif mit Prohibitivz ö l l e n belegen würde. Von hiesiger unterrichteter Seite wird den Blättern dazu erklärt, daß von einem Abbruch der Handelsvertrags. Verhandlungen mit England schon deshalb nicht gesprochen werden kann, weil Verhandlungen überhaupt Noch nicht stattgefnnden haben, sondern lediglich Vorbesprechungen. Irgendein Zollsatz ist von deutscher Seite noch, gar nicht fixiert worden. Die Besprechungen werden heute nachmittags in der englischen Botschaft fortgesetzt. W1** Hitler hak sich v, (Eigendienst der „Wiener Mo.r-genzeitung",) 'v München, 25. September. Heute wurde die Entscheid, düng über die Bewährungsftist für Hitler, Kriebel und Dr. W e b e r getroffen. Dem Vernehmen nach lautet sie auf Zuerkennüng'der Bew-ährüngsfList-'füt den Strafrest, so daß die genannten drei zum 1.. Oktober üM der Festunasbaft in Landsberg en tl ass e n werden. - : ---— :: , gimmemam 20. iertiÄl-- KW ' Gestern ist der 20. Bericht, den der Generalkommissär Dr. Zimmerman an den VÄkeöbund erstattet, im Druck vevöffeutlicht worden. Er umfaßt die. Zeit vom 15. Juli bis 15. August d, I. und!hat in-st>mett,Jnforylation-en uch . Daten, die. Grundlage, derl-tzMn, nych. vor - der Tagung des. BoAevbundrates vorgenommenen- Exper- '. tffe gebildet. Der Bericht besagt unter anderem, daß" die Zahl der Bundesangestellten in der Berichtszeit von! 177.023 um. 919. auf.176.104 Personen, vemrmdert wurde. : Bei der Süd'bai'hu wurden 113 Personen abgebaut. Die staatliche. Gebarung nur Juli konnte o h ne. Fre i g äb e : vpn Kromeubeträgen ein Anleihekonto gedeckt i Werden. „Die Regierung, die für eine Zahlung von - 160.M Pfund Sterling cm das britische Clearing. Office Vorsorge treffen mußte, ersuchte mich aber",'fährt Doktor Zimmermau fort, ,Hr diese Devisen .aus dem Anlei'he-? erlös zur Verfügung zu stellen. Diese Freigabe, die unges säihr 46 Milliarden Papierkronen entspricht, .ist die e rst e, : die. ich feit, Beginn des Jahres 1924 vorge«. - nommen habe. Besondere .Eriwähnung verdient der Umstand, daß die dem Wiener Markte zur Un te rstützu ng - ^des Börfeinterdentionssyndikats gewähr- - ien Darlehen von 3 0 0 Milliarden Papierkwnen an . den ftstgesetzten Fälligkeitstagen pünktlich zuvückgezahlt l werden. Die Ueberweisung dev für den Dienst der SÖt* ' leihe erforderlichen Devisen wurde noch mit Kronen durch- >. geführt, die dem Konto für Zölle und Tahak entnommen .worden sind. Ab August wird der Ankauf der,für. den. 1 Aul c t h e d i e.n st erforderliche n> D. e v if;c n auf den: freien Markt vorgenommen werden."^ . Der Bericht erwähnt ldünn die E r h L h u n g - desiEskomPtezinsfutz.es der Nation-albauk und! lobt diese Bankpolitik wie follgt:. - ij „Dieser mutige Entschluß, jode Gefahr einer - K r e d i t i n f l a t io n ü n ur ö g l'i ch z u m ache n, spie-' gelt sich auch in der geänderten Haltung der Nationatban'i bei Einreichung von Wechseln. Diese neue energische 'Politik wird ihre ausgezeichnete W i r k'u -n g auf' die Situation der Bank nicht verfehlen und berechtigt, mit wesentlich größerem Optimismus als im Juli in die Zu- , kunft zu Nicken. Der Bar schätz deckte am 7. August; 37,6 Prozent der Gesamtziivkulation (Baicknotenutnlauf , und sofort fällige Berbiudlichkciten). Zieht man' von den ' Verbindlichkeiten den Betrag der Neuerlich durch den Ge- /winn bei Ausgabe des Metallgeldes um 7 Milliarden ver- ' fingerten Bundesfchuld statutengemäß ab, so ergibt sich . s.iu Deckungsverhältnis vyu 49,4 Prozent.