Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2017 (26.9.1924)
- Date
- 1924-09-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IPoien .20 nroszy | Wien: Zum Abholen in der Expeditionen. Taborstr.1-3, oderin einerVerschleisstelle § Trafik) monatl. K 40.000 trassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien n. Oestevr. monatl. K 40.000 Tsehecho-Slowakei: Mon. K 20. Jugoslawien: Mon. Dinaröü. Polen: Mon. SVt Zloty, Deutschland: Mon. Goldmark4, F r a n k r., Belgien: Mon. Frcs. 15 MV* Nachsahlungen 'WO bei Preiierbobungen Vorbehalte® «k. 2017 | Ppel«? K 14ÖÖ England: Mon. 4 Shilling, 11 allen: Monatl. 15 I ire, Rumänien Mon. 150 l cl Bulgarien Mon.80 Lewa, Schweiz, und das übrig« Ausländ monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien U., Taborstr.l-S l'eleplionc: 44-0-3ö,43'3-iy. A:V»UhV ab:!-; 21 -102,25-282 IX. Universitätsstrasse 6—8 (Druckerei Steinmann) Oesterreichisches Postspar1 ka<rsen-!<onto Nr. 1!50.693 Wien. Freitag. 26. September 1924 8. AKrgang Re Moffulsrage bundrat. Sie Türkei anerkennt de» Rat als 4 (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 25. September. Der Völkerbundrat setzte heute vormittags die.Verhandlung der Mossulfrage fort. Der Berichterstatter Branting (Schweden) hatte den Vertretern Englands und der Türkei drei Fragen vorgelegt, auf deren erste heute der türkische Delegierte Fethi Bei zur größten Überraschung erklärte, daß die Türkei durchaus bereit sei, dem Rate die Befugnisse zuzuerkennen, die ihm nach Artikel 15 des Paktes zustehen. Damit anerkennt also die Türkei die von ihr bisher so sehr bestrittene Z u st ä n d i g k e i t d e s Rates zu einer schiedsgerichtlichen Entscheidung in vollem Umfange, die allerdings einstimmig, mit Aus- Muß der beiden Parteien, erfolgen muß. Die drei Fragen Brautings lassen sich wie folgt Zusammenfassen: 1. Betrachten sich die. Parteien von vornherein als * durch die Entscheidung des Rates'gebunden? 2. Welches ist die Tragweite der Worte ,-Grenzezwischen der Türkei und Irak"? 3. Anerkennen die beiden Delegationen,' daß die Aufgabe des Rates sich nicht darauf beschränkt, zwischen den beiden einander entgegengesetzten Thesen zu wählen, sondern - daß der Rat jede Lösung suchen kann, die ihm als gerecht erscheint? Lord Parmoor antwortete auf die erste Frage durchaus bejahend. Die euglische Regierung betrachte den Rat als Schiedsrichter und erkläre, daß die von ihm ausgesprochene Lösung von beiden Parteien angenommen werden müsse. Auf die zweite und dritte Frage sei die Antwort viel schwieriger, da es sich hier um eine Auslegung der Bestimmungen des Artikels 3. Absatz 2, des Lausannes Vertrages handle. Hier werde der Rat eine Vorentscheidung, zu treffen haben.- Der türkische Delegierte Fethi Be i antwortete aus die erste ' Frage, ebenfalls bejah e n d, gab dagegen auf die zweite und, dritte Frage wenigerklare Antworten, so daß auf AüMg Braütirigs die'Verhandlung . auf ein^,! spätere' Sitzving..v,!ert.ag t,wltrde<.'Ä)ie Zwischenzeit wird;, der Rat dazu benützen-, um mit 'den Vertretern der beiden. Regierungen. diese, Vorfragen gründlich -Zu erörtern. Se«tschland5 Antritt in de» Böllerd«nd. Fertigstellung des Borvehalte-Memorandums. Berlin, 25. September. (Wolff.)' Das Memorandum über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, das den beteiligten Regierungen durch di« deutschen Vertreter überreicht werden soll, ist in -der heutigen Sitzung des Ministerrates genehmigt worden und wich nunmehr umgehend den in Frage kommenden deutschen Auslandsvertretern zugestellt werden. Kngere Mmmenarbeit der Rachfolgeftaaten? Tschecho-siowakifche Meldung über eine Mission Doktor Benesch. (EigeMenst der- „Wiener Morgenzeitung".), Prag, 25. Sepetmber. Eine tschecho-slowakische Korrespondenz, die sonst sehr gut informiert ist,, meldet, i daß Minister Dr. Benesch seinen Aufenthalt in Genf v e r l ä n g e r n: müsse. Er werde auch der im Oktober in Prag stattfindenden Eröffnung: des sozialpolitischen Kongresses nicht, i wie es beabsichtigt war, präsidieren. Die Korrespondenz ■ behauptet, von diplo malischer Seite erfahren zu. haben, daß Benesch während seines Aufenthaltes in der Schweiz von den Repräsentanten der. Westmächte.. ersucht worden sei, einen genauen Plan der engeren Zusa.mmenarbeit, und wirtschaft'lichen Zolleinheit der Nachfolgestaaten vorzulegen. Es'handelt sich um die Ts che cho- Slowakei, Rumänien, Jugoslawien, O e st e r re i ch und, U n ga r n. Die AiMungrkonferenz pW in Amerika. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) New-Aork, .25. September. Präsident- Coolidge hat seine Absicht, a u fg e g e b e n, die nächste Abrüsttnigskonserenz in Amerika abzühalten., Hungersnot ans den Milippine«. Nach, einem Telegramm'aus N e w -H o r k ist auf den P h i l ip p i n e n infolge von U eb e r sch w e m m u ngen und Viehseuchen Mangel an Nahrungsmitteln e'ingetreten. Von. der Notlage,. die. an Hungersnot grenzt, sind 4 0.0 0 0 Menschen betroffen. vaueinteilnng in der Achechs-Momakei. Prag, 25. September. Wie die „Prager Presse" meldet, ist das Projekt der Aufteilung der historischen Länder' •in Gaue fertig-gestellt, und zwar ist die Aufteilung Böhmens in fünf, Mährens'und Schlesiens zusammen in drei Gaue vorgesehen. , Die Beratungen über die Sitze der. Gaube-Hörden in Böhmen haben, noch zu keinem Ergebnis geführt. Für Mähren und S ch l e s r e n. sind. B r ü n n, O l m ü tz und Mähris ch- Ost r a u in Aussicht genommen. Der bezügliche Entwurf soll dem Parlament nach Verabschiedung des Budgets für 1925 vorgelegt werden. Mt der Aktivierung der Gaue sei aber nicht vor Beginn des übernächsten Jahres zu rechnen. Die Landesautonomie werde in die Gaüautonomie-übertragen werden, die die Befugnisse der, autonomen Landesverwaltungsausschüsse haben werden. Die krmoriung De Haans. Eine Frau unter dem Verdachte der Mitwisserschaft veri / haftet. . . Lon-ön» 25. September. (I. T. Ä.) „Sunda Expreß" vom 121. September, berichtet aus Jerusalem, daß eine Frau Scho ch ar, die in. der palästinensischen Arbeiterpartei „Achduth Haatvödah" aktiv tätig ist, in Haft g e n o m m e n wurde, weil man glaubt, daß-.sie A n f k l ä, r u n g e n über die unbekannten M ö r d e,r -d e s Dr. De H a an zu geben in der Lage ist. Nach "inrr bei .ihr vorgenommenen H a u S d u r chs u ch u u g sind eine Aiczahl Papiere beschlagnahm^ 'worden. Die Wahabiten vor Mekka. \ Husseins Offensive. Kairo, 24. September. (Wolfs.) Die Zeitung „Kattan"' i Meldet, daß die Hedschastruppen die O f f e il_s i v e ergrif--;feit, die Stadt Taiif vollständig umzingelt hätten und in die Stadt selbst, eingedmngen seien. Den Wahabiten sei der Rückzug abgeschnitten. Wechsel im polnischem Seneralftab. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 25. September. In militärischen Kreisen |verlautet, daß. der i bisherige Generalstabschef H a l le r,, i.von seinem.Posten zurücktreten und das Korps-!.kvmmllndö in Lem'berg übernehmen soll. .Zum. -Generalstabschef - soll der bisherige Generalstabschesstellchettreter General K e ß l e r ernannt werden. —y. W i e n, 23. September „Das leitende Motiv in dem Erlaßbes Professorenkolleginms — so verdeutscht der Rektop Saliaer die gestern publizierte Kundmachung — ist, niemand unrecht zu tun und in allen Fragen des Sttldentenrechtes den liberalsteik freiesten Standpunkt einzünehmen." Das sind Worte, die , man zusammen mit der Kundmachung per Radio, über, die ganze Welt verbreiten sollte, um ihr ganz genau und unzweidentig vor Augen zu führen, wie man in Oesterreich mit Recht, Gesetz, Takt und guter Sitte umspringt. Dies zu demonstrieren ich Pflicht. Denn der Unierschied zwischen dem, was sonst von offiziöser und hal'boffiziöser Seite dem Ausland vorgespiegelt wird, und dem, was hier geschieht, wird gerne vertuscht und mit ein paar gemütlichen Redensarten abgetan. ' Jahraus, iahrein bewerben sich Regierung, Behörden und Amtspersonen um das Vertrauen der 'gesitteten Welt, rufen die Kullursolidarität an und beschwören die Initiative des Kapitals, den Sanierern und.Sanierten unter die Arme zu greifen. Sie berufen sich, aus ein moralisches Anrecht. Oesterreich ist'Mitglied des-Völkerbundes und betätigt dies durch intensivstes Schnorren. Es ist.schon saniert, schreien alle Politiker im Chor, es. kann auf eigenen Füßen stehen und^ides? Kontrollors entbehren. Es ist rin. gleichwertiges,i i ja -sogar Hochwertiges Med der europäischen Völkerfamilie. geworden, . Aste -Stände sind einig in dem, Bestrebens' geniei-nsam die - Wirtschaft und das'öffentlicl)e Leben von neuem aufstlbauen, und die Regierung wetteifert mit der Bevölkerung in der Arbeit'des Friedens, der'Kultur und der Bildung. Jeder komme und schaue. - - Er wird die Bildung, die sich hier entwickelt, sehen. Nämlich die Bildung einer, privilegierten Studetttennation, der deutschen, natürlich, diezunächst an der technischen Hochschule errichtet wird (weil - dort der liberalste und freieste' Standpunkt leitendes Motiv ist), die die „allgemeinen, .vaterländischen, kulturellen, wirtschaftlichen und' Bildungsangelegenheiten" zu'verwalten berufen ist; daneben gibt.es die anderen Nationen, .die in die allgemeinen und vaterländischen Dingen.nichts dreinzureden, aber wohl . mitzuzahlen haben. - Die Studentennationen werden wohl an .Erinnerung an dir Prager Universität ausgestellt, an der es einstmals fünf solche gab. Zur Zelt des-Reformators Johannes Hus wurde die deutsche Nation von den „allgemeinen und vaterländischen Dingen" s ausgeschlossen und .sie wänderte deshalb nach Leipzig ab. Es geschah dies im Jahre 1409, also vor einem halben Jahrtausend, und die edlen Vertreter deutschen Herrenrechtes haben aus der Geschichte ihres Volkes jedenplls das gelernt, daß man dem anderen immer-das antun -soll, was man selbst als Kränkung -empfindet.^^ Die Bibel schreibt das genaue Gegenteil vor, aber sie ist ein jüdisches Buch. Was sie verlangt, das. gilt nur.dann, wenn Oesterreichs Vertreter vor dem.Völkerbund stehen, wenn , sie das .internationale Kapital.an die Prinzipien der ethischen Weltanschauung mahnen und wenn sie an den Altruismus der ganzen Welt appellieren. Draußen 1924, drinnen 1409, das ist die. österreichische Politik von heute, das System, an dem.st'mfhundert Jahre spurlos vorbeigegangen sinh. - Was soll man an. der Kundmachung der technischen Hochschule mehr anstäunen, ihren kühnen. Wagemut oder ihre weise Vorsicht? Sie nimmt den Rassenstandpunkt auf /und baut "mit großer technisä)er Gewandtheit auf ihm.das Gebäude ihrer Verordnung. Aber sie ist so — sagen wir als gut erzogene Menschen — vorsichtig, sich um den wahren Inhalt-zu drücken. So vorsichtig und so auf die Form, bedacht. Denn man kann doch in ein Gesetz, das,- einen weiten Komplex überspannt, keine , allzuscharfen,- beengenden Definitionen a-ufnehmen. Es handelt sich um einen Rechtsraub an den Juden. Das kann man ja tun, der Not durch die Hochschulkammer und dem eigenen Trieb entsprechend; aber man sagt's nicht so offen heraus.-Denn, nicht wahr, eine Hochschule ist auch, wenn sie im Finstern betteln geht, genötigt, an die Einsicht, das allgemeine und vaterländische -Einpfinden der geehrten Mitbürger israelitischer Konfession sich zu wenden. Wir haben i'a im Vorjahr einen solchen Brief um Spenden