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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-25 · Heft 2016 (25.9.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2016 (25.9.1924)
Date
1924-09-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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! Seite * Men, Donnerstag , Die Hoteksekretärc toiffctt recht amüsante Geschichten von solchen Andewkelvsamntlertt zu erzählen. So ziuN Bei" spiel wurde vor nicht langer Zeit rtn Zauner ei-M'Hotels .' ersten Ranges.-eine Werm Tasse gefunHä, die tzvcmrm eines anderen großen Hotels t>M. Man Hmn Wd daraus, daß der Gast dieses auZ einem Ärkdeöen. Hotel Mitgenommene Andenken gegen ein anderes wertvolleres von dem Hotel, in dem er wohnte, umtanschte. Auch ein Fall von sogenannter Platzfurcht eines An'derAensammlcrs wird erzählt. Da ivar zu«: Beispiel ein junges Paar in einem Hotel und fand, daß das SiOergeschirr dasseWe Monogramm auswcift wie das eigene Geschirr, das eS;u Haufe hat. Aus Angst, dem Diebstahl nicht wWerstehen zu Mnen, klingelte die junge Frau nach -dem Zunnrerches und bat ihn, ihre die silberne Tasse, die ihr so gut gefiel, zu verkaufen. Der Hotelier, gerührt von solcher seltener Ehrlichkeit. machte der jungen Dame die Tasse zunr Geschenk. Wie in vielen anderen Dingen, so ändert sich auch hier die Mode. Während früher die Andenkensammler für schöne Löffel besondere Schlväche zeigten, lassen sie jetzt eher Gegenstände für der, Ha-nsrat mitgehen. Handtücher, Tischtücher, Leintücher, Bilder und andere leicht verpackbare Gegenstände werden jetzt bevor,'ugt. Aber auch umgekehrt wird von den Gästen viel in den Hotels zurückgelassen. So zum Beispiel hot bloß ein einziges großes Hotel in New- Jork im vorigen Jahr an seine Gäste verschiedene Gegenstände im Gesamtönerte von 100.000 Dollar, die sie im Hotel vergessen hotten, nachgeschickt. Unter diesen Gegenständen befanden sich auch viele Manuskripte von Gedichten, Romanen und Dramen, ferner Schmuck, Aktien, Checks und sonstige Gegenstände von Wert. So nannte Lord B y r o n den Mann, von dem behauptet wird, daß er nicht weniger als 58 Sprachen bcherscht habe. Es ist Giuseppe Mezzofanti, der dor genau 150 Jahreil am 19. September 1774 — geboren wurde und im Jahre 1849, also vor 75 Jahren gestorben ist. Ter Sohn eines Zimmer.mayns in Bologna, hatte er sich dem geistlichen Beruf zutzewendet und wirkte später lange Jahre an der Universität seiner Geburtsstadt als B i b l i o t h e k a r und als Professor' d e s A r a b i s ch e n. Spater erhielt er eine Stelle an der Vatikanischen Bibliothek in Ram unb wurde von Papst Gregor dem Sechzehnten, znm Kard'inal erhoben. Mezzofanti mag wohl die 58 Sprachen nicht vollkommen behrrscht Haben und vieles, was über die sogenannte „Mezzofanti-Legende" gesagt wird, hat seine Richtigkeit: aber soviel steht fest, daß der Beichtvater der Fremden", als der er seiner Sprachkenntnisse wegen lange Jahre in Bologna verwendet wurde, sich mit verblüffender Schnelligkeit die entlegensten Idiome und Dialekte anzueignen vermochte. So groß und bewundernswert auch Mezzofantis Sprachkenntnisse waren, so hat er doch keinerlei Sprachforschungen von Bedeutung getrieben, keinerlei Schriften hinterlasien, die ihm besondere Ehre machten. Er war ein gewaltiger Sprachkenner, aber kein Sprachforscher. Interessant in dieser Beziehung sind die Eindrücke, die Friedrich R i t s ch l, der große Philologe, damals Professor der Breslauer Universität, von dem merkwürdigen Manne gewann, als er im Jahre 1897 auf der vatikanischen Bibliothek arbeitete und dort mit Mezzofanti in Berührung lam. „Ich redete", so schrieb Ritschl damals, „ihn italienisch an; das nahm er beinahe übel, denn es ist wahr: es mögen Fremde von zwanzig Nationen zugleich auf der Bibliothek sein, er redet mit jedem seine Landessprache, und redet jede gut, mit sehr wenig fremdartigem Akzent und ohne alle Anstrengung. Kommt ein Fremder aus einer entlegenen Gegend, dann wehe ihm; Mezzofanti fällt über ihn her wie der Geier über das Aas, und laßt ihn nicht los, ehe er ihn ganz ausgesaugt hat; so begierig und leidenschaftlich erpicht ist er darauf, sein Cv.achtalent zu üben. Mit mir fing er, als er hörte, ich käme aus Breslau in Schlesien, sogleich anIllyrisch zu sprechen, weil, wie er meinte, dieser Dialekt dort in der Nähe gesprochen würde. Als es mit dem Illyrischen nichts, und Mezzofanti über die geographische Lage Schlesiens einigermaßen aufgeklärt war, begann er Polnisch. Da das cutcf) nicht ging, verlor er das Interesse für mich und er suchte wieder Konversation bei seinen Chinesen, Armeniern, Syrqxu, Cbaldäern, Reugriechen, Türken usw. Es jammert einen recm, so außerordentliche Gaben ohne alle Frucht für die Wissenschaft zu sehen. Was könnte der Mann für sprachvergleichende Grammatik leisten! Aber davon hat er gar fernen Begriff, auch sonst keinen Sinn für Wissenschaft oder Kenntnis davon: es ist lediglich die beispiellose Virtuosität einer fast nur ru e ch a n i s ch e n Fertigkeit, die ihn' so merkwürdig macht; auf einen zusammenhängenden Diskurs cinzugehen, hat er weder die Fähigkeit, denn er ist sehr konfus und verfolgt nur die flachsten Dinge mit einiger Aufmerksamkeit, nie eine strenge Gedanke Irreihe; noch auch die Lust, denn er will im Grunde nur stch sprechen hören und hören lassen, am Gehalt liegt ihm gar nichts, er steht ganz unter dem Einfluß einer kindischen, sonst aber ziemlich unschuldigen Eitelkeit." Za» Ende der Flinstausend-Kronen-Noten. Seit einiger Zeit macht sich i m Z a h l lt it gSverkehr e i n e m p f i n d I i ch e r M a n g e l an Noten zu 50 00 K. bemerkbar, der darauf znrückzuführen ist, daß dieNationalb a n k mit Rücksicht auf die bevorstehende A usgabe von H a l o f ch t l I: ii,g t tt keine solchen Noten nie,'': «•;;/ l>!.. Wieners MyrHerMittMg. 86. September 1824' _Nr?M6 ff 44 Eigerch-richt dxr,MMr-MorgerrMmg". \ Gestern wurden^an derWremer Dechnök die Bestimmungen erlassen, , durch welche B e rtt c tatng e.n de r Studentenschaft Anerkannt und Rechte und' Pflichten dieserVertretungengeregelt, werden: . Das» Stüde ntenre ch't ist nach der ' - . Zugehörigkeit zu einer Rasse zngeschnitten, zu welchem Zwecke die Studenten in verschiedene „StudentenNationen" geteilt sind und verschiedene Vertretungen wählen. Im Erlasse heißt es, daß „M u t t e rsprachennd Abstammung" für die Zugehörigkeit rnastgsbend sein sollen. Die letzte Entscheidung über strittige Zugehör igkeit (!) hat die betreffende, .Mudentennation", ' also im Hauptfall die „Deutsche Studentenschaft". , » Diese Regelung, die imr unter gewissen Bedingungen den einzelnen Studentenschaften Rechte und Pflichten derüiht, wurde autonom erlassen. Bekanntlich hat das Unterrichtsministerium in einem Bescheid, der für alle Studentengruppen von Wichtigkeit ist, i>ic volle und unbedingte Gleichberechtigung aller Gruppen m diesem Sommer ausgesprochen. Während sich die Universität diesem Bescheid entsprechend verhielt und die'Frage des Studentenrechtes zur entgültigen Losung dem Ministerium vorlegte, hat nun die Technische Hochschule m Rahmen ihrer sogenannten Autonomie Pie Frage abweichend von der Universität geregelt. Der Erlaß war gestern auf der Technischen Hochschule Gegenstand lebhafter Erörterungen in Studentenkreisen. Die aus merkwürdigen Rechtsa-nschaunngen 'hervorgegangenen Bestimmungen des Prosessorenkollegiums gelten Machst für das Schuljahr 1924-25. Der Wortlaut einiger Paragraphen des „technischen - Studentenechtes" sei hiehergesetzt, unr den Geist, aus dem sie geboren sind, zu illu- . strieren. So heißt es im Paragraph 1: Allen ordentlichen Hörern der Technischen Hochschule in Wien stcht es zu, nach Abstcvmmming und -Muttersprache sich zu je einer' Studentennation zusiammenzuschließen, wenn.' die Anzahl der zu einer Studentennation sich vereinigenden Hörer mindestens fünf Prozent der AnZaHl aller ordentlichen,-, Hörer erreicht. v , ' ' Im Paragraph 2 vewsjcherin.die akademischen,HchoMn/ wohl NM allen MiMnlMM zu begegnen, sie werden in ' der aus1 ordentlichen .Hörern deutscher Msbäumntiug und Muttersprache. gbbildet<;n. deuischerr Siatdentennat'ion den Ausammen'schluß aller an der Hochschule zwgelasscnen ordentlichen. ^."Hörern deutscher WMÄzngchöirgkeit erblicken. Jeder StudentennlLtion konnnt die ihre BMMgchüvkglkeit' anssprechende BezeichntlSA zu, der d-eutschen, Stüdeutechchast im besondeven der Name „Dsutsche Siudentenschast". ' Der schönste "ms dem Geiste völkischer Techriik ge- 'b-orene Paragraph ist'aber unstreitig der dritte; er lautet: . SiMerenide, weilche Äne Stnden-tenncüion im Sinne ' der vovstMnden Bestimmungen insaLge ihrer Minderzahl nicht bilden können, vber aber von oster der gelbildeten Nationen (Wohl zum Unterschied von „Kultnrnationen".. Die Red.) als nicht zu ihr gehörig anerkannt werde u, bilden oine Sondergrtlppe und' finden durch diche die Vertretung ihrer Interessen. Die Sondergruppe, hat alle. Rechte und Pflichten einer Studentennation. Die akademischen Behörden behalt-en sich tu einer kveiteren Bestimmung des famosen,/Stndentenrechtes" das Recht vor, die der Vertretung einer Studentennation zügebilligte Anerkennung ohne Angabe von Gründen auf-- zuheben. Dies ist fast ebenso empörend wie die Bcstimmn-ng, daß der „deutschen Äudentenschaft" und bloß ihr ' die .v ' Teilnahme an der Verwaltung der Hochschule in studentischen Angelegenheiten und an der akademischen' Disziplin (nach Maßgabe der von den akademischen Be-s Hörden zu treffenden näheren Bestimmungen) und im . Rahmen dieser Zuständigkeit die Durchführung guge- ' wiesener „Aufgaben" (klingt wie der Höfer-Bericht) zustöht.,; 'Damit aber der sauberen rassischen Gesetzgebungsarbeit auch der Humor nicht fehle, heißt es im § 9: Der bon allen Studierendon der Hochjchn'lc bei der Inskription zu entrichtende Beitrag von 10.000 St. für,. das Semaster beinh alt et das Recht jedes einzel-' ' neu aus Vertretung seiner Interessen.'. Der Schilling als Rechtsgrundlage ist zu -ulkig! Aber es darf nicht übersehen werden, daß dieses in -das Gewand , -der Dorftrottelei gehüllte „Studentrecht die Wiener Technik 's .den vötkkschep Studenten ausliefern soll. Das Unterrichts-' Ministerium' knickt, vor der .Autonomie" der Hochschülcu,, zusammen, weil es sich so anr beuemsten aus dem Dilemma zwischen seinen beiden Abneigungen (der gegen die „Rassischen", und der gegen die „Andersraffitschen") ziehen kann. So wird' in Oesterreich die Knlt-nrschande gvoßgez-ogen. aaa AttvekbeNommer. Sommcrfäden, Mtweibersommar, sind wie. schtMonden. Zeichen per schönen Herbsttage, welche in Diesem Jahre den Sommer ersehen. Wir wissen, daß diese Soinincrsaden das Gespinst kleiner Sp-rüuen sind, die -sich, in den' ersten sonnigen Herbsttageir, an denen ein leichter .Wind geht, auf die Wandelung begeben, um wärmere und geschütztere Wiuterplätze auszusuchen. Sie verfahren' dabei ans folgende .Art: die Spinne erklettert, eiueü Stab oder, einen Strauch, der hoch über dem Erdboden steht, stellt. sich auf den Kopf und stoßt aus den am Hruterrnmpf bc- ,sindlichen Spiunwarzen ein, Büschel weißer' Fäden aus. Das tut sie mehrmals hintereiilander, bis He Fäden so dick werden, daß sieden kleinen Körper der Spinne tragen können. Dann lläßt die Spinne mit ihren acht Krallen' den Busch, llys, schnellt scheinbar in die Luft und segelt <ui führen F ä d'e 1t wie auf einenr Luftschiff. Zur Vorsicht hat" sie abers Hon sein zweites, oft sogar , d r i t t e s. B ü s ch e l, ans ihren. Spiunwarzen abgestoßen.' Denn zerreißt durch irgendLmen unglücklichen Zufall das erste Luftschiff, so hat sie noch das zweite und meistens auch das dritte zum Segeln bevit. Ter Wind, trägt diese Fäden mehrere Meilen weit über Land,-über Teiche, Flüsse und Seen; und die Sonne hebt den Büschel hoch, damit Kr unten durch kein'Hindernis wie Bäume, Sträncher nsw. zerstört wird. . Bei eintretcnder Dunkelheit, sobald die Sonnenstrahlen hinter Wolken verschwinden, senken sich die Sommerfädcn hinab ins Gras, oder übernachten auch auf einem Busch oder Baum. Werden Spinnen von einem frühen Sonnenuntergang überrascht, so kaun es leicht sein, daß Tausende von ihnen im. Wasser eines FAusses oder Sees ihren Untergang ' finden. Auch erreichen die Tierchen schwer und Men ihren geschützten Winterpliatzk denn die Gefahren aller Art drohen ihnen auf ihrem weiten Wege. Unbarmherzige Bubenhände, Böget, denen sie willkommene Speise sind, heftige ReMstnrme und Gefahren anderer Art, die allle gar nicht vorauszusehen sind, sind unbarmherzige Feinde ihres Daseins. Ihren Verwandten, Freunden, Gästen, Kunden rechtzeitig 1h der der „Wiener Morgenzeltung“ am Sonntag den 28. September (29. Elul) Verhaftung eines Tursschwindlers. Auf dem Freudenaurr Rennplätze wurde dieser Tage der von den Gerichten in Budapest und Prag wegen großer BeirÜQCxcteu verfolgte. 42jährige Schriftsetzer Antou K i tz i n g e r ’i Großkanizsa verhaftet. Er hat vom Turf gelebt, nem Prager Hotelier hat er für Rennwetten, deren angebliches trägnis er monatelang vorzutauscheu ■ wußte, schließlich ,0.00 0 t s ch e ch ischeKronen herausgelockt, in dem er „ufür den bekannten Jockey V a r g a auSgab, dessen Papiere er gestohlen hatte. Auch eine Gemischtwarenhändlerst aus Favoriten hat er um 18 Millionen geprellt. Er wurde dem Landesgerichte etngeliefert. zu gratulieren? Sie sparen Geld,Zeit u.Mühe! Die Neujahrsgrafulatlonen der „Wiener Morgenzeitung“ haben sich seit Jahren beim jüdischen Publikum bestens elngeftihrt. Um die grosse Fülle der einlaufenden Gratulationen unterbringen und gühstigst *p la-* eieren zu können, empfiehlt es sich, uns sofort Bestellung und Text einzusenden. Der Betrag ist am besten in Noten der entsprechenden Landeswährung gleichzeitig mit dem Bestellschein in bar zü überweisen. Ae Verhandlungen mit den gndnltrleangestellten. Wie wir erfahren, gestalten sich die D e r h a n d l u n g e n der Industriellen mitden Jndustrieangestellten g ü nstige r- Gestern ist eS zu einer wesentlichen Annäherung getommeu, und Freitag werden sowohl die Vertreter der Angestelltenschaft als auch d»r Industriellen Ihren Organisationen Bericht erstatten^ Für S a m 3 t a g ist wieder eine g emeinsam e S i tz u n g in Anssicht genommen^ von der man einen Abschluß d e r V e r h a n d l u n g e n erhofft. Der Preis für das Einheltslriserat (20 mm) beträgt: Für Wien und Oesterreich . K 70.000 Für Polen . ... . Zloty 2.— Für alle übrigen Länder Dollar 1.— beziehungsweise dessen Gegenwert in der Landeswährung Har Wetter. T aö Wetter in. Oesterreich ist noch i nt m e r v o r» wiegend heite r. Gestern mittags gab eS in der Sonne eine Temperatur von 2 8 G r a d N e a u m u r. Die Voraussage bezeichnet dä'S.m i l d e H e r b st w e t t e r als a n.d a ue r .n d, wobei vorübergehende stärker e.B e w ö l k n n g mit X c' 1 di i c m R e f; c u it 1 'ch t a i> S g e s'chl o s s^e' it erscheint. 18181627

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