Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2015 (24.9.1924)
- Date
- 1924-09-24
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Denn außer der üblichen Meßkojen Lasst eil ung hatte die Firma zu geruhsamer Betrachtung ihrer schönsten Hamdeänbände eine in einem stimmungsvollen Raum des eigenen Werkes geschickt airfgemachte Aussiedlung bereitet, in der in sauberer Gruppenscheidung Fergamentbände,' Lederbände. Bände in?eka> sipritzverfahreri (eine eigene Manier der Firma) sich präsentierten. Beachtenwert an diesen Handhänden ist der Reichtum an Vartatkmsmögjföchkeiten Heinrich Vahles, des Leiters der Handbindealbtediliing, der im historischen Stilband (vgi Rembraodt-Bibel als prominentestes Beispiel) wie in der subjektiv erfühlten Buoheinbandgestaltung gleidi sicher und reif z>u Werke geht. Vorwiegend subjektivistisch und modern geh't der ebenfalls in der Firma tätige Paul Klein vor, ohne jedoch bei allem Spieienlassen der Formen die Gesetze des Buchkörpers «und seines Einbandmaterials zu vergessen.Einzelne Bände aus den etwa 50 Luxushänden besonders zu beschreiben, ist nicht möglich. Dsie einzelnen aber wie die Gesamtheit bilden ein verdienstliches Dokument solidesten handwerklichen und künstlerischen Könnens. LEBEN IM BUCH Das ekstatische Theater *) An das Buch des Dr. Felix Emonel, Theaterk'ritikers der ^Preußischen Jahrbücher“, der sich auch selbst an praktischen Regieaufgaben schulte, bin ich mit großen Erwartungen herangetreten, die recht arg enttäuscht wurden. Ich kam von Bernhard Däebolds, des Birhnenreferenten der „Frankfurter Zeitung“, klugem Buch „Anarchie im Drama“, das die Auflösung und Umbildung der bisherigen Bühnehkimst festste®!, die alle Theaterkuodigen in den Gliedern spüren, und sich bemüht, dem Neuen, das da werden wNI, verstandesmäßig gerecht , zu werden. Aber es steht schlimm um den Verstand in künstlerischen Dingen: fehlt er, so wird nichts Rechtes; herrscht er, so wird er gerade dem unwägbar Feinsten nicht gerecht und das ist bei DieboM manchmal der Fall. Da hoffte ich denn, bei Emmed ein neues. Tor aufgerissen zu finden. Es ist vielleicht nicht mein Weg, mehlte ich, der da beschnitten wird, aber er führt doch irgend wo hin — hoffentlich ins Neue. Und mm 'Keß ich mir auf den ersten 54 Selten Emmels Programm entwickle, stolperte über die hübschen, aber nicht leicht lesbaren Typen der Druckerei C. G. Naumann in Leipzig, stolperte gleich auf Seite 1 ilber den schönen Satz: „Eine ungeheure Vortettsverseuohtheit wuchert“ und kam dann zu dem neue» Evangelium: Unerläßlich ist die unerbittliche Austreibung der Psychologie aus dem Drama; es ist ganz auf ehre überintellektuelR Grundlage zu steilen, auf die Ekstase des Blutes, Psychologie ist Wissenschaft, nicht Kunst. Drama ist Befreiung von der chaotisch-dunklen Bedrückung durch das eigene Schicksal. So weit, so gut, Daß die Uebersparuvung psychologischer Tüftelei die entgegengesetzte Uebertmbung hervor rufen mußte, ist leicht zu begreifen. Aber dann kommt’s bedenklicher: Emmed redet von der Notwendigkeit der Neuschöpfung des DramaS durchs Theater, von dem Recht, ja der Pflicht des Regisseurs, zuweilen über den Dichter hinauszugehen, er macht sich zum Anwalt jener Mimeneitelkeit, der des Dichters Werk nur das mehr oder minder wertlose Material für ihre „Neuschöpfung“ ist — wie es ja auch „schöpferische“ Kritiker geben soll — mit einem Wort, et zeigt sich von jener Tbeaterhesessenheit erfaßt, die als ansteckende Krankheit im Schatten silier Bühnentüfln gedeiht und größenwahnsinnig das Theater für einen Selbstzweck hält. Und <Öese Melodie variiert er neu. Er sagt unzäfotigemal, daß das Theater von Haus aus „kultisch“ ist, daß der Schauspieler des Blutes trotz seiner Wamdhmgsunfähigkefä dem der Nerven weitaus vorzuziehen sei, daß die Sehnsucht nach dem „manschen“ Theater allgemein sei, und alles Rationale ablehne usw. Was iah erwartete, war eine präzise, mit Beispielen belegte Schilderung, wie denn nun dieses ersehnte ekstatische Theater aussiehen ' sollte.. Statt dessen gibt Emmei von Seite 55 Ms 337 eine Sammlung seiner Theaterkritiken, ln denen er seine Grundsätze unermüdlich als Maßstab an jeden speziellen Fall anlegt, die sich aber im übrigen von den Btthnenberichfen jeder besseren deutschen Zeitung gar. , nicht unterscheiden. Etnimel besitzt die garantiert echte Auslegung Shakespeares, denn er bescheinigt in einem bestimmten. .:vieldeutigen Fall irgenidedmem Sahauspdeüer die einzig richtige Auffassung, er 'erklärt: „Wir wissen“, daß Mephisto ursprüngtkb edn Bote des Erdgeistes war {was wfc bekanntlich ntcflit gar so gewiß wissen); er läßt Ferdinand das bekannte: „Ich verachte dich, ein deutscher Jüngling!“ zur LadyMüford sprechen (er sagt es bekanntlich nur in timer Abwesenheit und Ist dann in ihrer Gegenwart sehr zahm), er setzt den „Weißen Heiland“ Hauptmanns zeitlich vor den „Florian Geyer“, hält „Cherubim“ und „Ohassh&m“ für Singulare und was deried Flüchtigkeiten einer eiligen Nachtkritik mehr sind, die in einer Buchausgabe doch getilgt sein könnten. Zum Schluß druckt er einen Brief von Louise Dirmoht ab, die sich — wie ich — auch durch den Atel „Ekstatisches Theater“ hat . 'bestechen lassen» Das freut mich; es tet itttmer angenehm, Weggdnossen im Irrtum zu haben, mau kommt sich dann weniger blander! vor, .wenn es andere intit «ms sind. Ny. DAS iJULH IM URTEIL DfeR ZEIT ‘ " Paul Stefan;,, „Oesfcerreäcihische Kunstgebarung.“ Günther Lange.s, Verlag. Wochen. — Eta neues Mahn? wort'Paul Stefans, deh man nun schon, seit zwei Jahrzehnten immer in der vordersten Front im Kampfe gegen Versumpfung, Verflachung, Sobtendrian, und Gleichgültigkeit. im Kampf e jftr 'echte lebeWW Kunst?Wdet! > ^ine heiße Liebe lenkte mich, eine frühere Erkenntnis der wirklichen geistigen Kräfte,- neuen Geschehend, erneuerter Kunst: ___ _____4c(hsa*en mußte, was ££ r ungehörte Ruf“ (eine frühere Sammlung kämpferischer Aufsätze) gab Paul Stefan recht, als es. zu spät war. Seine neue Broschüre . „Oestenredchische Kunstgebarung“, wendet £hre' polentische Spitze, ,n$ch .„bben“, J ^gen-. die :' offiziellen und öffflziösen Stellen, die Jh; Kirnst ■ machen“. Der Schwerpunkt dieser Schrift liegt loi Positiven: in «der Fülle von Anregungen und in der Fixlierung .eines von Mode und Snobismus freien Kulturprogramms. Sie ist ein mit hebendem Herzen geschrZebenes Manifest, das jeder zukunftsfreudige Oesterreloher lesen sollte. M. R. Gerstenbauer: „Rassenlehre und Rassenpflege“, herausgegeben vom Deutschbund. 3. Auflage, Verlag Theodor W-eicher, Leipzig 1924. Diese Veröffentlichung des Deutschbundes, der die Förderung deutschnationaler Rassenpolitik zum Ziele hat, wendet sich naturgemäß in erster Linie an däe deutsche „Volkheit“. Diese hört es gewiß gerne, daß die arischdeutsche Rasse die „beste, höchststehende, die Edelrasse der Menschheit“ Ist, daß sie und nur sie „unsere ganze vielgepriesene Bildung und Kultur“ geschaffen bat, die ohne sie rettungslos zugrunde gehen muß, und daß der Hauptgrundzug des deutschen Wesens, der idealistische Sinn ist. Es wird sie gewiß nicht stören, daß sich diese schönen Behauptungen hinsichtlich ihres Verhältnisses zur Wahrheit die Wage halten. Aber auch der inferiore Nichtdeutsche liest hier interessante Feststellungen. So zum Beispiel, daß wir es „so oft erleben, daß deutsche Mädchen jedem Neger und sonstigen Exoten naohäaufen“ (8. 46), daß die Zivilisation für die germanische Rasse eine Schädigung bedeutet, daß „alle Kinder Tuiskos . . . unbeschadet individueller Tüchtigkeit oder Untüchtigkeit den Adel der Menschheit“ bilden. Es wird sicher niemanden befremden, daß Völkerversöhnung und Völkerbund als Träumereien angegeben werden. die nichts anderes sind als die alten antinationalen Völkerbrei-Tendenzefl®Auch wird man sich über einige gelinde Widersprüche, schließlich hinwegsetzen. So wird es geradezu als Verleumdung gebrandmarkt, „wenn In gewissen christlichen Kreisen der nationale Gedanke als heidnisch“ verschrien wird; andererseits erscheint die „Entfernung des alttestamentlichen, jüdischen Religionsunterrichts (gemeint ist natürlich der christliche Religionsunterricht) aus den deutschen Schulen d r I n g 1 i c h“. In einem Punkte aber wird auch der Nichtdeutsohe, zumal der leidenschaftlich gehaßte Jude, sich eines Sinnes wissen mit Gerstenbauer und Deutschbund, nämlich in der unbedingten Verwerfung der Mischehe. ' R. R. A. Pfeifer: „Der Geisteskranke und sein Werk.“ Vertag AM red Kröner, Leipzig. — Der Verfasser, Psychiater und zugleich künstlerisch, sehr interessiert, ist in jahrelangen Studien der Frage nachgegangen, ob es berechtigt ist, die eigentümlichen, manchmal hoch-gesteigerten künstlerischen Leistungen Geisteskranker der Krankheit selbst zuzusohreiben oder einem Rest von Gesundheit, wobei allerdings aus gewissen Krankheitssymptomen, dem Wegfall sonst wirksamer Hemmungen. Inkohärenz des Gedankenablaufs, nlhtlistisciher Lebensstimmungen auch kunstfördernde Impulse entspringen können. Diese Frage, in deren Beantwortung sich der Verfasser selbst etwas reserviert verhält, wird an der Hand eines reichhaltigen Materials untersucht: teilweise aus älteren psychiatrischen Sammlungen, teilweise nach eigenen Beobachtungen, namentlich von drei ausführlich behandelten Krankheitsfällen, teilweise auch unter Heranziehung von geistigen „Abnormitäten“ sehr nahestehenden Konfessionen genialer Persönlichkeiten der Kunst und Literaturgeschichte. Neuartig war nur die. Idee einer experimentellen Nachprüfung, indem geistig gesunde Künstler angeregt wurden, unter den pathologischen ähnlichen Bedingungen der künstlerischen Leistung Werke m Schaffen, welche dann wirklich dem Typus der krankhaften Kunstwerke sehr nahe’ kommen, manchmal auch durch die verblüffende Wucht des Eindrucks, was namentlich von den „dämonischen“ Kunstwerken gilt. Die zahlreichen Illustrationen-werden an sich schon das Interesse auch künstlerischer K-redse fesseln. . .. :■ _. ' —e. m—. Die Großbtt'Chbitiderei!F< Rollinger, Wien, XII., NiederUoistraße 37—39, empfiehlt sich zur Anfertigung von modernen Verlagsbänden und Handhänden für Private und Vereinsblbllotheken. (Entgeltlich.) Papierfabtiks- und Verlags-Qesellsdiaft Zentralbureau i Wien, I. GrQnangergasse Nr. % Krseueen alle Papiersorten, holzfreie und mittelfeine Kanzlei-, einseitig glatte Plakatpapiere, Pellüre, Löschpapiere, einseitig glatte Superiorsorten ubw.ubw. *) Felix Etnaiel: „Das ekstatische Theater“. Wien. NEUERSCHEINUNGEN Griesbacher: „Bruckners Te Deum“ 1924. Verlag ' Friedrich Pustet, Regensburg. ' Sven He dl m: „Von Peking nach Moskau“ 1924. Verlag F. A Blockhaus, Leipzig. Dr. Johannes Jahn: .Me Kunstwissenschaft der Gegenwart in Seäbstdarsteliungen1924. Verlag Felix Meiner, Leipzig. Georg Landauer; „Das gdtetDde jüdische Mindfetheltsreoht.“ 1924. Vertag B. C. Teuhner, Leipzig und Berlin. Theo Malade: „SemmeÜweis.“ .Der Retter der Mutter.“ . 1924. Verlag.J. F. Lehmann, München. Leo Sehestow: „Dostojewski und Nietzsche.“ 1924. Vertag F. J. Mardan, Leipzig. -John Schlkowski: „Der neue Tanz.“ 1924. Volksbühnen-Veriags-. und Vertriebs-G. m. b. H„ Berlin ' NW. 40. „Arnold Schömberg zum 50. Geburtstag.“ Sonderheft der „Muslkblätter des Anbruch". Universal Bdi/tiön A.-G «Wte&i i ■. rv<>...■ Paul Sjteian: „DeMerrefchlsche Kunstgebarung,“ 1924. ‘Verlag Günther Langes, München. . Werkb ündaussteil«ng 1924: „Ditz Form . ,.#e Ornament.“ 1924. Deutsche' Verlagsanst-alt. Stuttgart. Willy Zim.mermann: .Der Herr Stadtrat.“ 1924. Ber- , tinör Buchhandlung.15. in. b. H., Berlin. “ J. S. ZurijL..Rab Awhi“ .(Qedruqkt, bpj,. N. K.ronenb.erk» ' ' •“ -l •‘ BUCHERStARKT Verlag „Rennlssnnce“ Wien, I. Johannesgasse 14 :: Telephon Nr. 73-3-39 DER NEUE GOLEM-ROMAN d Soeben erschienen! HermannS tu mentk&l GIILGUL Halbleinen gfebunden öet K 2^.000 * Hans Liebstoee&l THEATERKINDER 300 Seiten, grosses Format, Ganzleinen öst$rr. 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SeparataLdruck an» der „Zeitschrift für Lustschiffahrf.K 78*000, Kriedensverschlüge, Schiedsgerichte, 'AMervunö.. .L 50.000 funbament eines neuen Staatsrechts . . . . L üs.000 ie pS-stkattfchm AruudfLtze der elektrischen Araftübertragungs-Etuleitung in das Stuskw .der Elektrotechnik. (Nur noch wenige Exemplare vorhanden 1). .. . ... . . . .L 30.000 Aas Andividuurrr und die Aewerlung «enfch. licher ßxistenzen. Zweite Auflage broschiert K 70.000, gebunden K 86.500 Krieg, Wehrpflicht und Staatsverfassuuz broschiert K 100.000, gebunden K 120.000 ^eöm und Werke des Inaenienrs Anton Aarolimek. Zugleich ein Bemag zur Theorie und Geschichte der Aerodynamik und Tlugtechnik . .K 18.000 Aer Maschinen- und Aogekstng. Eine Historischkritische flugtechnische Untersuchung.K 31.000 Ale. allgemeine MSHrpsticht als Lösung der sozialen Frage. Zweite Auflage broschiert K 100.000, gebunden K 130.000 Phantasten eines Realisten. 17. bis 21. Auflage gebunden K 180,000 Philosophie des Staatsrechts. Mit einem Vorwort von Dr. Julius Ofner, Wien broschiert K 24.000, gebunden X 86.000 Aas Aecht |n leben und die Pflicht zu sterSen. 4. unveränü. Anfl. Erscheint Anfang Okt. i>. I. Sekbstbiographie. Mit dem Bildnis des Verfassers. (Nur noch in geringer Anzahl lagernd.) K 48.000 Keber die Huelke und dm Aeirag der durch Luftballons geteistetm Arbeit. Mit 1 Tafel X 9,600 Neben Ztekigion, AuS dem literarischen Nachlaffe heranSgegeben von Margit Ornftetn , broschiert X 57.600, gebunden X 72.000 Nottaire, Ein Bild seiner Persönlichkeit. Dritte Auflage. Erscheint Ende 1924. Adolf Helber: Josef Popper-LynkenS. Sein Leben und feine Werke . . . gebunden X 40.000 Zu beziehen durch: R. LÖWit Bücherstube Buchhandlung und Antiquariat Rftth 1111 d Prägfif Wien, f. Roteniurmstruse 22 Wien, II. Taborstrasse 20 a