Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2015 (24.9.1924)
- Date
- 1924-09-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Vp.MIV -Wien,. Mittwoch Re Mlkerbu«dveriWmlMD! Das Internationale Institut für" geistige Zusammenarbeit wird in Paris errichtet. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 28. September. Die 'heutige Vovnnttagssitzung -er Bölkerbundversammlnng war gänzlich d>nrch eine eingehende Debatte über die Arbeiten der zweiten Kommission für internationale geistige Zusammen a^r b e i t ausgefüllt. Den Bericht erstattete M u rray (England). Nachdem mehrere Redner, die bereits in der Kommission für die Annahme des französischen Vorschlages auf Errichtung des internationalen Instituts für geistige ZiUsamMenaLb'eit in Paris eingetreten waren, gesprochen hatten, wandte sich, der australische Delegierte. Chalton energisch gegen diesen Vorschlag und beantragte. die Errichtung dieses Instituts in Genf. Aehnlich 'äußerte sich der Verrreter Neuseelands. De Jouvencl (Frankreich)'wies darauf hin,' daß die Kommission bereits einen Ausruf an die ganze Welt erlassen habe, um Mittel für ihre Arbeiten flüssig zu machen, ffötn, da die französische Regierung in so großmütiger Weise diese Mittel zur Verfügung stelle, ohne den internationalen Charakter des Instituts im geringsten zu beeinträchtigen, sei es doch wirklich unerklärlich, wie man in der Gründung dieses Instituts eine Gefahr für den Völkerbund finden könne. Nach einer Erklärung des ersten australischen Delegierten wurde die Entschließung der zweiten Kommission einstimmig a n g e n o m m e n. Der morgige Tag bleibt für Kommrssionsberatu ngen frei. Die n ä ch st e Sitzung der Volke rbundv er sam mllnng findet Donnerstag statt mit der Tagesordnung: FlüchMngsfvagen, finanzieller Wiederaufbau Oesterreichs, Arbeiten Des Finanz- und WirkschaftskoMitees, Lage m Georgien , ufw. Die Dauer der Verhandlungen. In der heutigen Sitzung der Vö^erbundversanlmlung eMärte Präsident Motiv, er glaubn:chr, daß die Session am Samstag zn Ende geführt werden könne, da es nicht Möglich sin, Kommissionen und Vollversammlung gleichzeitig tagen zu lassen. Die interalliierte Kontrolle. Genf, 23. September. Der VvAerbundrat hat in geheimer Sitzung den Enttvuvf einer internationalen Orgamsiation geprüft., die die interalliierte Kontrolle in den Ehemals feindlichen Ländern ersetzen soll. Die Debatte laßt eine ^baldige Entschließung des BMer- >Ärndrates erhoffen. Mer« Geldquellen. München, 88. September. H eute begann ' vor dem Nmtsgevkchte München der Beledigungsprozeß Hitlers gegen Pittinger. Pittinger soll gelegentlich einer Versammlung M AugSbmg geäußert haben, daß Hitler französisches Geld erhalten habe. Der englische Arbeiterführer Morel .habe dies Kahr erzählt. Im Laufe der Verhandlung eEärte der Verteidiger des Angeklagten, daß Morel Kahr gegenüber geäußert habe, er kenne den Mittelsmann in Paris, der das Geld gesammelt und über die Schweiz weitergeleitet habe. Kapitänleutnant Wenir» der beim Gespräch zwischen Kahr und Morel als D o l m e t sch fungiert hat, sagte aus, Morel habe erklärt, daß ihm in Paris von h o ch si e h e nd e n P e r s ö n l i ch k e <i t e n erklärt worden sei, ein großer Teil der Geldes die Hitler beziehe, k o m m e a n s F r a n kreich. Zur Vernehmung weiterer Zeugen wurde die Vcrbandkmg unterbrochen. Mow« wilde Jagd. Der Leutnant Czekalla in die Reichswehr ausgenommen. Berlin. 23. September. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Der Untersuchungsousschuß des preußischen Landtages über die politischen Morde beschäftigte sich am Donnerstag den 18. d. mit dem Fall des Leutnants. C z e k a l l a, der während der Unruheperiode in Berlin in März 1919 den Rentier Abrahamsohn, einen 60 Jahre alten Mann, der seiner Gcsinnnung nach bürgerlicher Demokrat war, wegen Waffenbesitzes st a n d r e cf) tlich erschießen ließ.. . '. Der sozialdemokratische Abgeordnete Erich K it i tn e r, der über diesen Fall referierte, führte ans: Das Studium der Akten ergibt, daß Czekalla nach , seinen eigenen, vvr dem Untersuchungsrichter gemachten 7l.'.gaben auf Befehl seiner militärischen Vorgesetzten, des Majors v. Lützow und dessen Adjutanten B i c o, f l ü ch t.i g werden m u ß t e.' Zu diesem Zwecke hat ihm der Zahlmeister des Frei-korps Lützow ein volles Monatsgehalt und noch einige hundert Mark extra gezahlt. Erst als er flüchiete, wurde, ejn Haftbefehl gegen ihn erlassen, der aher i n den Akten blieb, in Wirklichkeit stand Ezekalla mch wie vor mit dem Freikorps 'Lützow ' in engster Fühlung. Mit Empfehlungsschreiben vorn Freikorps Lützow ausgerüstet, wurde" Czekalla, in. verschiedene Freikorps und später, .'in die Reichs w'e h r aufgenomnlen. Der Vorsitzende des Ausschusses, der dem Zentrum augehörende Abgeordnete Göbe.l, beantragte, die Akten Czekalla dem' Reichswehvministerium zur Kenntnisnahme und weiteren VeraUlassung zu übersenden., NZeney WppgMzyWnN September -1034 Seite- A?, Re Men Kurie. (Rad'iWienst „Wiener Movgenzeitung".) i s e n t ch i n ß k n r s er 4.46, Paris 84/77'/,, London; 23. SevtmibLr. Me^v i s e Wien '317.500, Prag 149'/«, New-Aork . . . ... Brüssel 81,05. Nom 101,80, Zürich 28,51% Madrid 33,74'/,. Amsterdam 11,56, Kopenbaaen 27.97'/,. Cbristicmia 32,35 V„ Stockholm 16.75'/,, Helsingfors 178, Berlin 18,65, Athen 250'/,, Bukarest 890. ' London» 23. September. Effekten! urs e : Öeftct* reichische Anleihe 92,25, Tschechische Anleibe 102.50 Prager Anleihe 90,50, Skoda 90,50, Bankverein 7, Bodenkredit 17,6, Centtal Mining 11.1, General Mining 11,6, Diamonds 17,6,. DebeerS U% Rio Tinto 34,-, Royal Dütch 28,-.' Shell 3'/,. Parts, 28. September. (Radio.) EffektenschlMkurse: Banane de France —.—, Pragobcmka 405,—, Credit Lyonais 16,60, Suez 145,50, Platine- 826, Dabrowa 682, Banque Ottomane -604, Central^ Mining .142, Rio Tinto 28.92, Le Naphte russe 386, Suceeried Egypte 1019, Cautschoucs fin 146,—, Chartered 46'/», Deberrs ordin. 971,—, GoldfieldS 82,75, Huanchakas 328,—, Jägers Fontain 245'/», Malaccä ordin. 151,-/. Maltzoff 444,-, Mextcan Eagle 85.-, Padanq 340'/,. Rand Fontain 84'/^, Nandmine 243,—, Silba plana 147,—. Tanganyika 163'/,, Tubice wie 610-, Utah Ccpper 1518. Shell 330,-, Royal Tutch 23,750, Burnräh Bakon 26.07. Aew-Zork» 28. September. Effektenbörs e. Atchinson 305'/,, Baltimore 62, Canadian Pacific 148'/,, Cbeasepeacke 85%, Eari 27'/,. Greath Northern 64.' Milwaukee, 13,60, Northern Pacific 64'/„ Union Pacific. 139,25, United Steels 108,25, Royal Dntch 40,50, Southern Pacific 94,76. New-DorN» 23. September. (Radio.) D evisenj ch lußkurier Tagqeld 2 bis 2>///„ Wechsel auf London 4:46. 60-Tage-Wechsel 4,43'/„ Paris 5,27'/,, Amsterdam 38,56, Prag 2,99'/„ Berlin 23% Silber 69-/.. f ß'sr; Las Lonauregime. j Wie wir erfahren, tritt heute in Belgrad die im ' Friedenkv ertrag vorgesehene Konferenz - der ständigen technischen Kommission fiir das Donauregime zusammen^ Präsident der Kommission ist der vom Völkerbund hiezu ernannte italienische bevollmächtigte Minister Carlo R o-i seit {■ O e sie rreich wird durchB u ck h ausen, Ungarn ' durch' D ietr i ch, Jugoslawien durch. Wilfa » und Rumänien durch Bar.dala vertreten sein. Gegenstand der Beratung bilden organisatorische und administrative Fragen. Keine MMonennoten! Der Uebergang zur Schillingroiihrung. Die Leitung der Idationalbank ha.t sich, wie wir erfahren, mit der geplanten Ausgabe der Million: nnoten besaßt und beschlossen, dieselben vorderhand nicht auSzuZ'ben. Maßgebend für diesen Beschluß war der Umstand, daß die vom' General-tonrmissär gewünschte Emfühxnng emes festen Verhältnisses der Schillingwährun.g! zur Go'ldwähruivg sich mit .-den Plänen der Reg'.c'mng/ ganz zur S chillingWährung üverzugehen,' deckt, so daß die Ausgabe weiterer Appoints in Währung u n zweckmäßig erscheint. Lord d'Aberno« demiffioniert. Berlin, 23. S-ePteanber. Der englische Botschafter in Berlin, Lord D'A'b er non, 'hat seine schon lange bestehende Absicht, nach Abschluß der Londoner Konferenz und Annahme des Daitves-Gutachtens durch Deutschland, von seinem Posten in Berlin zumckzutreten, durch Einreichung seines Abschiedsgesuches durchgefuhrt. Das Gesuch ist von M a c D o n ä l d a n g e n o m m e n worden. Sie SSnffchen Wahlen. Kopenhagen,' 23. September. Ber der 'heutigen Wahl der eimn HäPe der vom Volke gewählten Mitglieder des Landsting wurden 5 Konservative, 3. Radikale, 12 Sozialdemokraten und 8 Abgeordnete der gemäßigten Linken gewählt. Die Sozialdemokraten halben 3 Mandate gewonnen, die Konservativen 1, die gemäßigte Linke 2 Mandate der- * (loren. . Me Flucht BÄ« «m». ... PudaW, 23. ^tMbev. Der ^Budapester StaatSgerichtshof ' verhandelte heute den v'on^ bem- - FvWWW-'^ irakischen A^eordneten Karl P e h e r - gegen den Ingenieur Arpad Galocsh angestrengten Verleumdungs- Prozeß. Peyerder-bekanntlich Mitglied der nach dem Sturze der Proletarierdiktatur gebildeten Regierung war, wurde von Galoesy in einem Zeitungsartikel beschuldigt, Bela Kun und den übrigen BoMommissären zur Flucht nach dem Anslande verholfen zu hüben. Nach durchgeführtem Beweisdevfahren wüäe Galocsy freigesprochen. In der Urteilsbegründung heißt es,?daß Petzer Wohl an der Flucht Bela Kuns und Genoffen nicht mitgewirtt, aber als ^maliger Mmster des Innern eine Pflicht der-' sänmnis insoftrne begangen habe, als er die Wucht nicht verhinderte, weshalb Galoesy der gute Glauben zugebilligt werden müsse. Me Polizei im MirWeu Raüonalrat fßt Litauen. Aus Koimw berichtet I. T. Ä.: Wie bereits gemeldet, hat bei Beginn der neuen Session des Jüdischen Nationalrates in Litauen-die Polizei die Delegierten zum lassen des Saales gezwungen. Diese WMrmaßregel wurde damit motiviert, daß der Nationalrat noch nicht legalisiert sei. Seither sind vom Hause des Jüdischen Nationalrates, dessen Schild sowie das Schild des iüdischen Ministeriums entfernt worden. Die Mische Bechylkernng ist über diese Maßregel sehr erbittert. Nazzir« auf.Ponisten in bet Ukraine. Riga, 22. Septcmiöer. Nach hier oingetrofftnen zuverlässigen MitteilunM ^stmiden m ^deNzletzMDagtzn in der -ganzen Ukraine Razzien auf Z i ö Mst e'st veranstaltet. Ueber 2 00 0 Z i o u i st e n imrrden 'verhafte t. Die ,Razzien werden auch in Sowjetrußland-fortgesetzt. Als Ursache dieser Berhostnngen wird eine Denunziation ange-' gelben,' wonach einige Zivnisterr die A u f st ä n d i s ch e n in Grusinien unterstützt haben sollen- Das Mische Schulwesen in Rumänien. Ans K i s ch i n e 1v berichtet I. T. A.: Der Staatssekretär für innere AngÄegercheitest Tatarese'u, der dieser Tage in Kischsnew' weilte, sprach sich-gegenüber dem .Leiter der jüdischen Tageszeitung „Unsere Zeit" in Positiver Form für die A u s d e h n u n g n it d Entwick I n » g. de s j ü d i s ch e n n a t i o n a l e n Schulwesens, und ■für die •' l c g a l e E x i st e n z de.r j n d i's ch e n G e-. meindstn in Beßarabien aüs. Zum Schluß versprach der Miliister, diese Frage auf die Tagesordnung bei n ä ch st e n S i tz u n -p des M i n i st e r r a t e s zu stellen. Gestützt auf diese Aussprache überreichte das Zentralkomitee der hebräischen Kulturgesellschaft „Tarbuth" dem Minister Tatarescu eine Denkschrift über die L.^ge der" jüdischen Schulen in Beßarabien. Rechtrhilsevertrag mit SoMjrttublanr. Moskau, 23. September. Zwischen Oesterreich und W . Verbände, der sozialistischen Sowjelrepublik wurde eist Vertrag üb e r ge m e: n sa in e R e ch ts hilfe »ist l Zivilsachen unterzeichnet. Es ist dies der e r st e V e r t c a g ' dieser Art, den Sowjetr'u'jland abgeschlossen hat. Die ge-i gensvitige Rechtshll.se ist n.cht kostenlos, wie es bisher bei! 'der Mehrzahl der Staat.-.« der Fall war,' es wird vielmehr für jeden Fall der Rechtshilfe eine Gebühr von einent halben Dollar eingchoörn r»-e gegenseitig vierteljährig verl rechnet wird. Rakowrki und Aussen. Die Russische Telegraphenagentur meldet: Der bwoitmächtigte Vertreter der Union der Sowjetrepubliken in ^London, Rakowski, der seit einigen Wochen zur Er- -holung in der Nähe von Wien geweilt hat. ist nach -London abgereist. Der' Gesandte der Union der Sowjetrepubliken m iWien, Aussen, ist von seinem mehrwöchigen Urlaub inj \Üt Krim nach Wien zurückgekehrt und hat seine Tätigkeii wieder ausgenommen. i ... :.-. -.. . Rein Rücktritt de» öfterrrichischeu Gesandten ln Berlin. Wie die Korrespondenz Herzog meldet,-ist in -unter';richteten Kreisen von einer Absicht der österreichischen Regierung, den Berliner Gesandten Posten neu zn setzen, nichts bekannt. Lodndechandlnnge» mit den Fndnftriraaseftrllten. Im Jndnstriehanse haben gestern vormittags die VerlMdlnngen zwischen den Verttetern d?s Wiener Jndlrftriellenv-erbandes und den Delsgierten der Jndustriearigeftellten begonnen, die bekanntlich glcichfälls eine Lohnerhöhüng fordern. Sie werden heute fortgesetzt. Mae BtMarde kür den Seipel-Foadr. ' Wie das Abendblatt der '„Reichspost" erfährt, hat die -:Bankenverri-nigung zn dem Dr.-Seipel-Wohl-;tätigreitsfoM einen Betrag von e i n e r M i l l i a r d >' gewidmet. - Ae Wschältaag d« elektrische« Stromes wühread der Metallarbeiterftreikr. Eine Debatte im Stadtsenat. Im Wiener Stadtsenat richtete gestern Swdirak -Rumme!hardt eine Anfrage an den Bizebürger-.'. iMeister Emmerling, in der er um Aufklärung nberj die. Abschaltung des elektrischen Stromes während desj Metallarbeiterstreiks ersuchte. Er sprach von dem gtotzen! Schaden, der durch diesen Sabotageakt den hievon betroffenen Betrieben und der Gemeinde Wien erwachsest sist und stellte dse Berechtigung dieses Streikrnittels seitens 'der Angestellten des Elektrizitätswerkes in Frage. Weiters hoh er hervor, es sei bisher die Behauptung -unwidersprochen geblieben, daß mit Wissen der jD i r e k t i o n der, Elektrizitätswerke unter Benützung von städtischen Automobilen durch Organe des städtischen i Elektrizitätswerkes diese Akte begangen wurden. Er frage an, ob die Schuldigen zur Verantwortung gezogen und was geschehen werde, um derartige -Vorgänge in Zukunft zu . verhüten. Vizebürgermeister E m m e r l i n g entgegnete hierauf^ daß die Verwaltung nicht in der Lage war, die Streikakiei durch die Arbeiter zu verhindern und daß die Organe desj Werkes nur das Nebergreifen der Absperrung auf anders Gebiete verhindern konnten.