Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2014 (23.9.1924)
- Date
- 1924-09-23
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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WA, AUWtz.B El»»» Witmt Moxstttzettuns. •.v.»«s!raj 23. SeKM« 1924 Seife 8 Das ßMMmgschaos. Anläßlich des Todes Herbert Spencer?. Bo« Walter Finkler. Der Gedanke, daß die Well,; auch abgLschcu von den LeK«n sichtbaren DLrandevungen, nicht beständig, sondern im Fluß ist chas ,panta rhei" des altyviechischen Philos-ophen), ist. sicherlich so alt, wie überhaupt der Menschengedanke. Den H«MltngstendenM der neuzeMchen Menschheit entsprechend, vnrrde in bissen großen BcränbevlichteitsgedanLen erst, spater Evas hinemigejschrnnggelt, das seither ein recht lästiges und wibovspentstiges Begriffsungetüm der Naturphilosophie wurde:. das Ziel. Im Einzekfall: der Zweck. Dean Fluß des Geschehens wurde eine Richtung intarpretiert. Es ward zur Entwicklung. Alles «in der Welt, das Leibende wie die toten chemischen Elemente, tvareu ffÄher einfach und wurden dann kompligiert. Eben dieser Prozeß ist die Fortentwicklung, worauf Herbert Spencer uNd mit ihm der Wergroße Teil der auf Ernährungswissenschaft fußenden Philosophie embezüglich aller Wissenschaften ihre Weltanschauung aufbauten. Zauberwort: Entwicklung! Entwicklung! Und noch einmal Entwicklung! Befruchtet und Mevabur- und weMchervschend war der EntwicklmigSgedauke durch dr? . A b st a nt m ungs l ehre geworden. Die Tier- und Pflachenarten sind nicht starr, sie wurden nicht von Gott,, zumindest nickt in ihrer hmrig-n Gest-al:, erschaffen, itc sind cs selber geworden. Nach D a r w in : vollbringen das Kräfte von außen her. Der Kampf ums Dasein vernichtet automatisch das Lebensunfähige, erhält das LeibenMchtige mw 'läßt es zur Fortpflanzung kommen. Laimarck proßigievt die wirksamen Kräfte nach innen, ins Lebewesen. Aus eigener MachtvoMammenheit passen sich >die lFndividuen an die äußeren Bevhälmsse an und gelangen so zur «Höherentwicklung. Wir brauchen uns mit den logischen und sachlichen Einwänden gegen beide Theorien nicht lange besessen. Dun Darwinismus wird vorgeworfen, daß er das Neue, die neuen Eigenschaften nicht erklären kann, die Auslese spielt sa nur eine negative und nie eine Positive, schöpferische Rolle. Dem Lamarckrsnms wird zwar zugegeben, daß neue Eigenschaften tböi veränderten äußeren Bedingungen erworben werden kömren, doch die Vererbung der neuerworbenen Eigenschasten wird aus mehr theoretischen Gründen für unmöglich erklärt. Somit konnten weder Auslese noch Anpassung neue Arten evzeuge.ir. Vorschnell auf die Beständigkeit der Art zu schließen, wäre toiefoer falsch. Hier interessiert uns auch gar nicht das ZnistandeVolmmm neuer Eigenschaften. Nicht die Beränderung aus Bedevsn zu höheren Arten ist Ms Proiblem, sondern das Nieder und Hoch. Der innere Widerspruch der MbstamnAnigsl'chrL der Höherentwicklung ist, daß Anpassung (ob aktive oder passive ist dabei irrelevant) nicht En tIw Ircklum,g ist. Denn schließlich ist das Msachste, also (das „also" spricht Bünde) niederste Tier, eine ernzellvge Amöbe, dem Wassevdropfen genau so gut an>gep«rßt, »vir das Eichhörnchen dem Baumkeibein mtd die Ratte beut Kanal. Der Mensch versagt in der Situation des Mistkäfers, der in Pferdeäbsällen haust. Jedes Lebewesen ist so, wie es sein Milien erfordert. Wo ist der Raunt für die Begriffe hoch und niedrig, ohne die es sÄbsiderständlich keine „Höherentwicklung" gäbe. Was . soll überhaupt der Maßstalb sein? Ein Dogma eines Denkers aus dem grauen Werdum hals aus, daß heißt, es wurde ohne, vielleicht gar wider jede Absicht von der Wissenschaft sich angeeignet. Das Dogma, das 'da lautet: der Mensch ist das Maß aller Dinge. Der Mensch .fft der .Gipfel der Lebckvelt, bekennt die'Wissenschaft. Allein, ihre wisfenschaftlichen Gründe sind alles eher, als — wissenschaftlich. Der Mensch hat das „höchst"organisievte Gchsw. Warum ist gerade er dann das höchste Tier? Sein Körper, seine, biologische Art ist reichlich unvollkommen. Liebe, Jrreichäuser, Spitäler, Kerker, die alle von der biologischen Mangechäftvgkeit des Menschen zeugen. Das ei»« Tier hat die besten Augen, das andere den besten Magen,ein drittes die schrrellsten Füße, oder die volAomenisten Instinkte. Und der Mensch, das größte Gchirn. Die Wertung des Gehirns als das Maß der Entwrcklungshöhe iift entweder ilaMchHiger Mröhroponvorphismius, wissenschaftliche KvM nicht standhaltende Selbstüberhebung oder: Oder ist. die Wertung, des Menschen als Zentrum der diesseitigen Welt aus einer fremden Geistessphäre entlehnt. Bediene dich! Und sollbst wenn wir — zur Wissenschaft, also aus OrdnungsgLüniden — das Tiersystsur oben beim Menschen end?n lassen, ist das Hoch und Niedrig immer nochchaotisch. Das.Säugetier, das -ins Wasser zuMckkchrt, wie der Walfisch, hat es sich höher- oder rückentwickelt? Infolge unseres Systems müßten wir die offenbar höchst zweckmäßige und vöWommene Wasseraachassuny als Rückschritt bezeichnen. Warum, das hat doch mrt Gehirn gar nichts zu tun? Ja, jetzt Lammt per Fchler der Entwicklungslehre klar. zutage.. Weil dos .Gehirn des Menschen am vollwmmensten ist, werden auch all'lss anderen Organe der Dveravbsn an den Organen des Menschen -gewertet und'taxiert. Deswegen stehen Ae Wirbelftare an. der Spitze des Systems, das ja als Stamm* bäum tm Md der Entwicklung gibt. Deswegen stehen die Säugetiere an der Spitze der Wirbeltiere und 'so fort. Das Mitteilungen ausdem Publikum. -JlclrteriPredlMlnre i Barette—, itt den mannigfaltigsten Ausführungen erhalten Sie vorrätig * sind nach Maas befblUigsten Preisen beim Spezialisten RUDOLF Q OLDST EIN, WIEN, II. TABORSTRASSE 64 Tidephoti 434*29 OegrÖndet im Jahre 1866 Telephon 45r6-29 Lieferant vieler inu.auslättdischer Kultusgemeinden! Zahlreiche belobjcnde Anerkennungsichreiben! 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Wirbeltiere haben, ist um nichts besser^ und schlechter als das äußere Söeletit der JnscWen. Wir sehen,. bei klaren Begriffen sind wcher Insekten noch Wirbeltiere^ höher oder tiefer. (Wobei nätücklich nur die Methoden der ^chch^nigMi-sftMiaft. berüÄfichWgt^ind.) . ,-Hört sich das „Hoch" unkd „Niüdckg" aujf, daun hört auch das Ziellauf, zu sein. Eine Entwicklung Vhm höher und tiefer, Entwicklung ohne Ziel ist ein Undmg..Mit Wissenschaft läßt sich ebeu^ der Sinn der Welt nich-t ergründen. Me solche Versuche stürzen wie Kartenhäuser in sich zusMNmen. ' Ich glaube an. den. Sinn des'Seins,, glaube an EntitoiDung, an Höherentwicklung, glaube auch an die Berufung des Menschen, selbst Hand aiMlegen an. seiner ErfülluM Mer dieseMntwicklu-ng wie ich sie meine, hat der BerLüMimerüng der Steißbein- Wirbeln'nichts, aber schon gar nichts zn tun. -er Ratursorscherdivsreb in Fnnrbrolk. ' Gestern wurde in Innsbruck die 88. Versammlung der deutschen Naturforscher und Äenzte in feierlicher Weise eröffnxL. Der Eröffnungssitzung wohnten unter anderem Bundespräsident Dr. Hämisch und Bwudesmmister für Untermvä Dr. Schneider bei. Ein zahlreiches PMikum, «gegen 6000 Mrisonen, -hatte sich eingefunven. .Nach der Eröffmmgsrede des geschäftsführenden Vorsitzenden, UnilveUsitätsprofessors Dr. Schweidler. hielten BMhesPrÄsident Dr. Hainisch, Minister Dr. Schneider, die. Vertreter der Tiroler und Innsbrucker 'Behörden und ÄulturorgaMsationen BegrüßungsMfprachen. Dann üLer.iahm der Vorstand der Gesellschaft Professor H i e s (Berlin) den Borsitz, woraus di« Vovdräge folgten. Professor Dr. Hache (Freibuug im Bvöisgau) sprach über das Leib- und Seelenproblem, Professor Dr. Gruhle (Heidelberg) Mer Konstitution! und Charakter, Professor Dr. Thoms (BM8y-Ä)tchlen>. über die Erdbebenkatastrophe .in Zäpan vom 1. September 1W3. ■ . Sie Wembletz>A«sstellmlg wird 1925 weiter. Befühlt. Aus London wird berichtet: Es wurde nunmehr ü z* schlossen, die Ausstellung' in Wembley auch im kuntnenden Jahre sortzus.etzen/Dör.vierzehn Tagm mar das Gegenteil beinahe sicher, seither aber erklärten du: .KrimnMre der Dominions' und der Kolonien erst, daß sie ’ tm nächsten Jahre an der Roichsausstellung nicht teilnehmen würden, sdlis nicht «gewisse, Muregelungen stattsämden. A u st r a I i e n gab jedoch den Mrigen Kommissären ein Beispiel durch die.Beihchaltung^ des australischen Pavillons, wesha'b die anderen Reichsteile divsen: Beispiele folgen wersrr^ Der „Generalkonsul" aus Argentinieu. V Der, wie berichtet, wegen Entführung einer Gmunst» per Gastwirtenstochter von den Bchövden verfolgte „D o k t o r Pollandes" aus Argentinien dürfte, wie aus Prag gemeldet wird, mit dem dort gebürtigen Otto Pollatschek identisch sein, der eine sehr beLvegte Vergangenheit hinter sich hat. Er.hatte einige Jahre in Argentiinien ^gebracht und tmr vor dem Kriege nach Prag zurückgeckchrt, wo er dann den Titel Doktor führte. Er war zweirnäl verheiratet und hatte seiue Frauen um die Mitgift betrogen. Nach dem Umsturz gelang es ihm vermöge seiner Sprachlenntnisse, sich in dem in Prag ntu gegründeten argentinischen Generalkonsulat einzunisten, woraus er im Vertrauen ans seine dadurch'erworbene Exterritorialität allerlei Affären hatte. Im vorigen Jchre verschwand er plötzlich aus Prag und wurde erft jetzt wd'eder mit einer'schr eleganten Dame, 'in der" man die Entführte'ans Gmunden.owmutet, in Venedig gesehen.' ' ki« heißer Soden. Meder eine wilde Szene in Margareten. Sonntag nachts geriet der 2öjährige Hilfsarbeiter Franz Fürst,. 3. Bez., der wiederholt vorbestraft ist und erst"vor kurzem aus dem Arrest entlassen wurde, in der gemeinsamen Wohnung mit seiner Lebensgefährtin Karoline'E m m i n g e r, 27. Jahre alt, in' Streit. Ex sprang plötzlich gegen sie los/' packte sie am Halse, würgte sie und wollte ihr mit einem Rasiermesser den, Hals durchschneiden. Die Emminger -rief laut um Hilfe, so daß der Untermieter Johann Wielrud hcrbeieilte. .Dieser warf sich auf Fürst. Es entstand eine Rauferei, die schließlich durch das Dazwischentreten der Wache, die geholt worden war, beendet wurde. Fürst wurde in Haft genomuion. Las Wetter. Das Schönwetter hat auch' gestem angehalten.. Die Voraussage bezeichnet den herrschenden W e t t e r.ch a r a k t e r als anhaltend, wobei eine vorübergehende -Störung durch leichten Regen nicht ausgeschlossen ist. Sie Lebemmittelmiirtte. , Wie gewöhnlich bei Wochenb-vgiinn hielt sich auch gesternder Verkehr auf allen Märkten in ruhigen-Bahnen. Die Großrnarkthalle, wo gestern mittels Bahn 10 Waggons, verschiedencr Fleischsorten einlangten und außerdem noch größere ersparte Vorräte lagerten, bot ein ruhiges Gepräge. In deu Preisen ist gegenüber Samsta«g sowohl im Großwie auch im Kleinhandel .kr ine Veränderung zu twnstatieven. . Auch auf ' dem Naschmavkbe, der über Bedarf beliefert wurde, hielt sich der Absatz in Iden meisten Gemüsesorten in bescheidenen Grenzen. Mit Pilzen war der .Markt - .übevsM; so daß die Preise, nanrentlich ftic beschädigte Ware, herabgesetzt wurden. Auch in allen anderen Schwärmnearten herrschte Uvberfluß. Obst kam in genügenden Mengen auf den Markt. Mit Butter und Eiern waren die Märkte ausreichend versehen. Große Leppich-Massto« hei SreW. Eine große Anzahl von älter gemusterten Teppichen in praktischen, guten und feinsten Qualitäten hat das Teppich- Haus Orendi, Rotenturmstraße 20, aus' seinem rissigen Warenlager Msgeschieden und bringt-dieselben zu. tief rhduzicrten Ausnahmspreiisen in Verkauf. Diese Teppiche sind in den Maßen von 1,40 mal 2 Meter, 2 mal 3 Meter, 2,50 mal 3,50 Meter, 3 mal 4'Meter und größer und kosten je -nach Qualität und Größe von 240.000 bis 5,000.000 K. pro SHck und darüber. Auch Laufteppiche in den verschiedensten Breiten, geeignet für Vorzimmer, Bureau oder Wohnzimmer sind daselbst zn tief reduzierten Preisen echältlich. Selten 'billige Kaufgelegenheit auch für Hotels, Pensionen und Institute. In der O k k.a s i o n s - R e st e n h a l 1 ,e (Zugang: Weischmarkt 1. neben dem Kino) Hunderte von Latlsteppichen und Möbelstoffresten. W i e n, 23. 'Dezencker. * Ein neuer Komet. Die Sternwarte in Berlin-Ba'bsls» berg hat einen neuen Kometen der siebenten Größerrklasse entdeckt. Er befindet sich im -Norden des Sternbildes der Jungfrau und ist so groß, daß er schon mit starken Ferngläsern beobachtet werden kann. * BMiothek der Israelitischen Kultusgemeiiwe Wien. Der Lesesaal der Bibliothek ist ab heute wieder geöffnet. ' ,' mV 'V Uhr abends im Hotel GontinentaI II. Taborstrasse 4 genossen aus Berlin, Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees über: ,Zion. Organisation u. JewishAgeec) V t