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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-23 · Heft 2014 (23.9.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2014 (23.9.1924)
Date
1924-09-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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tfr* 9014 Men, WenStag Sie MoMrage. EnglaW Änttägean denVölkerbund. G«ff, W. 'September. (Tel. der ,Meüer Morgen- -eitung") Am Samstag vormittag.s trat der Bölikerbund- Ht in die Beratung der Mossnlfrage, das hejßt, der GrenzftstsetzMg Mischen dem Irak und der Türkei ein. Am Ratstisch hatte der erste türkische Delegierte Fethi Bei Platz genommen, dis zu dessen Ankunft der Rat auf seiner Tagung Ende August die Behandlung dieser Frage aufgefchoben hatten Lord Parnroor vertrat die englische Regierung. Die Vorgeschichte des Streitfalles. geht auf den Lausanner Friedensvertrag, zurück, der festgesetzt hatte, daß die Grenze zwischen der Türkei und dem Irak durch direkte Verhandlungen binnen neun Monaten geregelt und im Falle eines Scheiterns durch den Bollerdundrat entschieden werden soll. Da die VerhaMungen ergebnislos geblieben sind, gelangte somit die strittige Frage vor den Rat. Ws erster Redner legte Lord P a r m o o r ausführlich den englischen Standpunkt dar. Nach Ansicht der englischen Regierung habe der Rat nur die Festsetzung der Grenzen zwischen Irak und der Türkei vorzunehmen, und ' nicht,!wie -die türkische Regierung behauptet, sich «darüber auszusprechen, ob das ganze Wilajet Mossul der Türkei gehören, soll oder nicht. Die englische Regierung ha>be drei Verpflichtungen im Auge zu behalten: 1. Die Verpflichtung, die fie der a r a b i s ch c n V e- >ölkerung gegenüber eingegangen ist. 2. Ihre Verpflichtung dem König von Irak gegenüber. 3. Dem Völkerbund gegenüber, von dem sie ein Mandat über ein Gebiet erhalten habe, zu dem auch das Wilajet Mossul gehöre. Für dieenglffche Regierung ergebe sich nur eine einfache Gvenzfrage, die der Rat zu regeln habe, dessen Aufgabe es aber keineswegs sei, über das Wilajet Mossul zu verfügen. Eine B o l k s a L st i m m u n g sei für die Grenzfeststellung kein geeigneter Weg, denn erstens könne eine Grenze nie auf diesem Wege festgesetzt «werden, zweitens sei fie, wie im vorliegenden Falle, infolgeder Nomadenbevölkernng besonders schwierig, drittens würde sie zu gefährlichen Unruhen führen. Sein Antrag lautet dahin, die Greuzfeftsetzung folgendermaßen zu regeln: Entsendung einer Kommission durch den Bölkerbundrat, die sich aus nichtin terefsre rten P e rsönlichk e it en zusa-mmensetzt, die die Grenzfrage an Ort und Stelle prüfen und selbst ilhr Verfahren festlegen solle. Aus diese Darlegung Lord Parmoors antwortet der türkische Delegierte und Präsideirt der Nationalversammlung, Fethy Bei» Während der gesamten VerhaMungen in Lausanne habe die Türkei nie einen Zweifel darüber gelassen, daß die Grenzfrage eben darin bestehe, ob daS Wilajet Mossul südlich oder nördlich der Grenze liegen soll. Eine Gvenzfestsetzung sei im übrigen niemals ohne eine Bolksbesragung durchzuführen. Fethy erinnerte an das Beispiel Oberschlesiens, Ostpreußens und Schleswigs. Nach sehr langen Ausführungen fülhrt Fethy Bei nachdvückl'ich Ms, daß eine UntevsuchungskommPon niemals in der Lage sein werde, die GrenzvevWtnisse an Ort und Wiener Morgenzeilung. 7®% reines Pflanzenfett erzeugt unter streng ritueller Aufsicht 1 Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners S» Bt Ehrenfeld, Mattersdorf Stelle zu studieren. Das Ergebnis einer solchen UntersuchungU-vürde stets ungerecht ausfallen. Die Türkei könne Mher nicht den Vorschlag einer Untevfuchungskom- Mission ckmehmen, sondern müsse auf eine Volksbefragung bestehen. Auf Antrag des Berichterstatters über die Mossulfrage, Branting, beschloß hierauf der Rat, angesichts der Wichtigkeit des Problems und um den Ratsmitgliedern Gelegenheit zur Prüfung der Angelegenheit zu geben, die Debatte nicht zu eröffnen, sondern auf eine weitere Sitzung zu v er täg e n, worauf der Präsident Hymans die Sitzung aufhob: Re letzten Kurse. (Radiodienst der „Wiener Movgenzeittmg".) London, 22. September. D e v i s e n s ch l u ß k u r s er Wien 317.500, Prag 149,25. New-Uork 4,46-/„ Pari« 84.25'/,, BMel.9y.r8-/,. Rom 101,80,.Zürich 23,60'/., Madrid 33,77'/„ Amsterdam 11,58'/„ Kopenhagen 26,17'/,, Christiania 32,37'/,, Stockholm 16,77'/„ Helsingfors 178'/., Berlin 18,75, Athen 260,50, Bukarest 880. London, 22. September. Effektenkurse : Oesterreichische Anleihe 92,25, Tschechische Anleihe 102,50, Prager Anleche 90.50, Skoda 91,—, Bankverein 7, Bodenkredit 15,6, Central Mining 11,3, General Mining 11,6, Diamonds 17,6, DebeerS 11.50, Rio Tinto 34'/., Royal Dutch 27-/., Shell 3,75. Paris, 22. September. Devisenkurse r London 94,19, New- York 18,86, Belgien 93,16. Holland. 727,60 Italien 82,70, WarschM 368, Prag 56,30, Schweiz 856V«, Wen'2ß?/^ . NewAorK» 22. September. Eff e k t e iti 9 r s e. Ätchiuson 105,—, Baltimore 62'/,. Canadian Pacific 148'/,, Cheasepeacke 85, Eari 27,60, Greath Northern 64'/,. Mlltyankee 13',., Northern Pacific 64,75, Ucko« Pacific 140,50, United Steels 108-/., Royal Dutch 40-/., Southern Pacific 94,25. ' Ne»'Bork, 22. September. (Radio.) D e v i s e ns ch l utzkurier Taggeld . 2 bis 2'/.-/«, Wechsel, auf London 4.46, 60-Tagewechfel 4,43'/., Paris 5,31, Amsterdam 38,55, Prag 3,-, Berlin 23'/„ Silber 69'/,. V 23. September 1924_ Seite fl, Sie Wähle« bl Sberschlefte«. Keine Aendcrnng der Mandatverteilung. Berlin, 22. Sepkinrher. (Wolfs:) Bel der Reichstags Nachwahl, in Oberschlesien wurden drei Mitglieder. des Zentrums/ ein Mitglied der deutsch natio nalen Volkspa.rtei und z/ioei Kummunisten gewühlt. Die Wahlbeteiligung ist von 74,4 Prozent auf 59,6 Prozent zurückgegangen. In der Stärke der Reichstagssvak» tjanen ergibt sich keine Aenderung. (In der StimmenW sind die Rechts- und Linksradikcklen zurückgegangen.) Wettere Berhastungea von Frsntting-Lmte«. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) München, 22. September. Im Verlauf der Untersuchung über den Bestand der verbotenen völkischen Kampfverbände wurden weiters zwei Ludendorsf-Kumpane vom Froutving, Major Faber und Hauptmann S e y d 11 verhaftet. ‘ Hitlers Haftentlassung. Die bereits gemeldet, soll Hitle r am 1. Ol. (er aus der Festungshaft entlassen, dbet aus Bayern ansgewiesen werden. Wie der „Allgemeinen Zeitung" zu entnehmen ist, scheinen es die bayrischen Behörden mit der Ausweisung nicht ernst zu nehmen. Dagegen hängt, wie das Blatt wissen will, vondem Ausgang der Untersuchung gegen die Fvontving-Banditen auch Hitlers Haftentlassung ab. Sollte die Unterfuchung gegen die Frontring-Leute auch Hitler belasten, so wäre die Voraussetzung ^fiir eine Bewährungsfrist nicht gegeberr und Hitler müßte in diesem Falle seine Simse, weiter verbüßen. Vank-Mdent Loeb. Weimar, 20. September. (Tel. der ,Miener Morgenzeitung".) Anläßlich der Revision der T h ü r i n g i s ch e n Staatsbank läßt die Regierung' mitteilen, daß die Revision nichts ergehen hat, tvas die Kreditfähigkeit der Bank in Frage stellen könnte. Damit dürfte der Vorstoß gegen Loeb vorläufig erledig t sein. Die Prüfung der Gefchäftsgebarung' des Staatsbank- Präsidenten Loeb war: bekanntlich auf Drängen der. »Mischen'Fraktion ' JÜ HÜnngischen 'Landtages unter Führung des Antisemiten Artur D i n t e r angeordnet worden. Die Völkischen, unterstützt von den Deutschnationalen, hofften, daß die Revision eine Handhabe für die Entlassung des Juden Loeb liefern würde. Das Ergebnis der Revision hat ihnen nicht das geringste ergeben, was sie ihrem Ziel näher bringen könnte. Wie bekannt, hat das sozialdemokratische Hauptorgan ,/80Äoürts" der t hüri n gisch e n R e g i e ru itg vorgsworfen, sie seWst bezwecke mit der ganz ungerechtfertigten! Revision die Entfernung Loeb es, t um sich durch Opfer: die Freundschaft der Völkischen zu erkaufen. : Äoeb selbst -hat an den Fimanzminister em Schreiben gerichtet, worin er feine Klagen über die Haltung des Ministers nochmals Zusammenfaßt und erklärt, diese Haltung nehme (ihm ' die Möglichkeit, die OeffeNtlichkeit aufzuMren. Er fei genötigt,' die K ü n >d igung des zwischen dem! tLande Thüringen und ihm bestehenden Vertrages mit sofortig er Rückwirkung ansHuPPrechen. ' Unveröffentlichte Briefe WMobnr an Theoder Herzl. Ans den Jahren 1896 bis 1898. In Archiv des Wiener Ziouistischsn LMdeskonntees befindet sich ciime Antzahl MschvPen von Briefen Woks-!sohns a>n Theodor Herzl Me Originale dürsten sich ttn Besitz ldes PubWisten Dr. H. Klatzkin beijiinden), von denen die Meisten in der Wolfiahn-Biogmphie von Dr. Rob rnfvhn (Berlin 1931) verÄffeNbllicht wurden. Die hier cvnMsiihr- 4en Briefe, deren Sichtung und Glossierung Herr Dr. N. M. Gelder besorgt hat, find m har erwähnten Biographi>e nicht enthalten und auch sonst nicht veviGentkrcht worden. Sie gelben wertvolles DeiailWaterial aus der ersten Zeit des Hiovzffchen Zioniisndus. Köln, den 14. Jänner 1896. Sehr gvchrter Herr Doktor! Bon Herrn Schuld*) hatte ich aus Wien Nachrichten. Mit Hegeisievung schrieb er von Ihnen und hatte auch, wie ich höre, nach Berlim geschvielben und gebeten, daß die Berliner Zivnistell nM Ihnen in Berbindlmg tneteir uwchteln ' ' Bon Dr. Holzmann** *) stcht noch der Bericht an?. Ol .gleich ich mGveffeHcht glaulbe, daß Mch er wicht'anders wie Schub berichten kann,, so Hveidfle «ich..doch, oib diese Berichte i-vgend welche Wivkung Vder Tätigkeit in Berlin heirvor.rilffen werden. Irr der letzten Sitzung unseres hiesigen Zionklubs habe ich den Ankvag gestellt, daß wir eMich beginnen nwchte>r, von hier aus ein« Organfjsatiion zu schaffen und wurde Herr Fabms Schach boaustriagt, an Sie und «u verschiedene andere zu schreiben, >tnn Mvessen von Ziouilsten in Deutschland zu bskourmm. Sobald wir damit versehen sich, werden wir einen Aufruf oder vichliger evMn Sanmvelmf erlassen. *) Ein iKalioptsst^ ^odS- ^HaWinia.' (Siehe „Hertzls Tagebücher", 1, S. 876; 2, S. 211.) **) Dr. Holzmann wurde nach dern Erscheimn des Honzlschen .Iudenstwates" von den Kölner Zionisten .auf Kosten WoffschnS nach Wien geschickt, um Wzustellen, ob Herzl „zu uns oder zu unseren Gegnemr gchöre^. .äw*Tv» A. R-aluuwbns „Wc.ffchn^il^västhtze" S 90, . , . Was «ist ans Ihrem Schof-cm (Zei>tiung) geworden? Wird der' Kongreß, den Sie in der Schwetz Ätzuhallten verhakten, Mtande konMen? Meinx Reise rvach Rußland und somit auch alle «Eine Pläne wußte ich leider aus geschäftlichen Gbündur voriläufig auWben. Dagegm hoffe ich, gegen Ende März wieder in Wien zu sein -und freue ich mich schon sehr, .Sie bald wieder persöMch begrüßen zn diirsen-. Mit Zionsgrnß Ihr Sie hochschatzender . - D. WoWhm . BeHee, den 30. Mai 1897. , Sehr geehrter Herr Doktor! - - Dienstag den 1., abends, smd wir ivieder in Men nind werden dort bis DounerStag ÄbeudS oder Freitag früh bleiben^; Ich hoffe,- Sie zu treffen, >u«m mit Ihnen wegen München Rücksprache zu nehmen. - . , Bon Dr.' Rüff*) habe einliegende Antwort erhalten. Wen>n Rülf den.Kongreß für eiine Gsuilah (Erlöfimg) hält, - wird er schon kommen. Hier Habe ich ztvei Wilsche Kroaten $it!m Zionismus fie»; kchrt. Rechtsanwalt Dr. Spitzer, Esseg (Rchch-Hakohoil), v-sr- ^sprach mir fest, nach München zutn Kongreß zu konvmen, und ' wollen Sie, bitte, nicht vergessen, ih. s. Z- «ine Einladung zu schicken. Stiaatsa-nitvalit Dr. Alexander- (Efiog), ebenfalls ein . prächtiger Musch, konnte nicht begreifen, wie . Sie auf so v«ir»! kchrte Eedanlken kommen kyMtm. Er . war, wie di>e -meisten AMmilaiuten, Gegner >des Ziowisnms, ohne mrch MW eine Ahnung von unseren Zielen zu haben, -und ist heute nach einer ' Un>tM-redu-u>g begeistert, fib unsere Sache. Auch Edmund von . Glttnvann, hier, wird, wenn Zeit ihm erlaubt, nach München ' kommen. Der! Zionismus war hier ein HMPtthmm, und ich - war sehr erfiou-t, zu betrachten, wie es auch ,tt diesen Kvvffen zu dämmern anfängt. Ms baldiges Wiedersehen bin ich mit hertzlichean ZionSgruß an Sie nnid Ihre liebe Frau' Gvnrahlin Ihr Sie hoch- -schätzender D. Wolffchn. ' *) .Auch Rülf zählte anfmigs zu Herzls Gegnern^ dem er vorwarf, daß er sich in seinem „Iudeustaate" fremde. Ideen l augeeignet habe. Erst Äs Hersi Wolssohn erklärt hatte, daß er d^^iräzwn^tische Literatur nicht gelesen Hab-, schwand Adln, 5. Soptembeir 1897 '' Lieber Herr.Dolktor! MaMelw. sei mein MassM-ow, das ich Ihnen znrrlfc! Mt d«m GM>Michen-wM ich Sie nicht belästig. Ich habe dem MtouÄomitee P. Adr. „Die.Welt" geschrieibeu. .. Dr. JaftnotzvSch,^W«Wi», wW^hierM mir. Erjagte Mir, Dr. Maüdslstamm habe sich geäußert,-BroWy (Kiew) sei bevckt, eline Million Rubel Dr unsere Zivecke heMgelbsn, sobcch wir etwas Positives geschaffv» haben. - Ad. Landau*), der Henausgeber des „Woschold", der bis jetzt unser Gegnv: war, schreibt mir, ich. möchte ihm iittüime MtteiLmym über dm Gang des ZiorliSmus.machen, die er zttgunsten desseWen verwerten will. noch heute Dmkliiche Änsfchwitte der „Welt" zn^nden. Daß unsere Studenten in Basel für dm Nationalfonds zirfia 8800 Fvankm gesammelt haben, düriste Ihnen bekannt Hier fft die Stimmurvg eine gchobene. Es sind Auzeichen vachanden, daß unser Anhang sich bald vergrößern wird. Mit her-lilchKM Ziousgrntz bin ich von Haus zu Haus Ihr Sie hochschatzender D. Walffchn. - 26. Mai 1898. Lieber Fpsund! Ich schrieb Ihnen a>m 19. d., Seligmann - hat an Schauer; telegraphimt. ,Mzwe!ifle, Pb Untevvednltg praktischen Ersolg ' WD.." SoMtrÄend kamr ich das Pvchpe-t **) heiDvworten, sonst wäre ich nicht des Landes wert. Daß Wir vr.einer ernsten A-rlbett sind,, weiß ich. Sie wächst mir mm bglld über, den Kopf, aber, ich hoffe doch, alles zu überwinden. Alle Versuche bei dm größeren Banken scheitern. Entweder gar keine Antwort oder Ablehnung, will unS ckber Jakob nicht Helsen,, muß man zu EsM gehen,, so dächte ich und ging zum A. Schaaffhauselffchen Ban§oervi-n. zu. i dom ich goschälstliche Bchi^pngen haibe.**^) Die Wissen j«, daß Schriftsteller *) Ein belkannte-r. ruf **) Wegen der I. Siehe dieAbeAüMch ,HerglS Tagebücher". Bar E. 86. Auch dMer VaMorrin Ähnle im 'M: r/ T^1,) >.Vl\

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