Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2013 (22.9.1924)
- Date
- 1924-09-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sie '.sollte, sie konnte es nicht glauben. „Das kann nur ein Trau in sein", flüsterte sie. „Nein, kein Traum, du bist nur zu.früh erwacht!" . Naida ging zur Tür. ,Ka's willst du tun?" schrie Ealeen. „Die anderen tverden dir's sagen!" Sie hatte den Riegel zurüageschoben. Iin nächsten Augenblick hatte Eileen Naida.zurück-.' gerissen und sich vor die - gestrll-t. Naida j>-ar gegen d7.-r Tisch mit den Flaschen getaumelt. Ein Schlag ins Gesicht hätte sie nicht wütender wachen können. Sie ergriff ein rostiges' Messer, das aus dem Tisch lag, und ein böses LaHl«. verzerrte ihr Gesicht. Als sie sich dem Mädchen näherte, hatte Eileen allen Mut verloren. „Naida. . . rühr' mich nicht an," hauchte sie „. . . die Polizei wird es erfahren . . ." ' ,Hie, wird es nicht erfahren", lachte Naida. „Du wirst es ihr nicht sagen können. Du hast viel durchgemacht in der letzten Zeit. Die Welt wird von dir nur noch durch mich -T. deinen rechtlichen Vormund — hören, der dich in diesem ausgezeichneten Sanatorium meines Bruders-sorgsam bewacht!" ,Aas kann nicht dein Ernst sein", wimmerte Erl een. „Niemand wird sich darüber wundern, nachdem man kn den Zeitungen von dem Auftritt in der Philharmonie gelesen Hat." ' „Du weißt also davon?" ' „Natürlich, meine Liebe, da ich alles ausgedacht habe, die Szene in meinem Zimmer — den Selbstmord — den Brief-, . . Allerdings hatte ich Helfe." ,Mavtl.m — warum hast du das-getan?";i ,Ach sagte dst schon einmal warum." „Du meinst... daß dir mein Wahnsinn Zugute käMUwn soll . . . daß dir das Geld meines Vaters . . ." ,^Ia, war es nicht -schlau, das vor dem Dummkops von Scotland Aard zu sagen?" Naida lachte. 4 „Aber ich bin nicht irrsinnig'." Naida näherte sich ihr. „Dn hast erstaunliche Wider« panMvaft gezeigt. Wirklich! Und ich habe mir solche Mühe gegebtzn. Die Stimme deines Vaters. . . die Sitzung . . . Diedurchleuchtete Photographie lvar -allerdings etwas arnMch — aber du hast i% nicht gemerkt — die Jingerfpnren des Hingerichteten ... der Verdacht aus dewen geliebten Hugo.'Eileen, manchmal Hab' ich wirklich den Mut verloren. Selbst das Radium und -das Gefängnis mit der armen Belle konnten dir nichts antun. Aber wir werden unsere Versuche nicht eiustellen." Eileen Packte eine maßlose Wut, sie vergaß die Gefahr, in/der sie schwebte. — „Du undankbares . . . Vieh!" 4 ,/Undaackbar! . . . Wenn wir mit dir fertig sind, wMde ich als Belohnung für meine treue Vormundschaft4 TraueMeider uw dich tragen." stst-, ' '-.Sie4 wandte sich zur Tür, aber4Eileen stellte sich mit gekrallten Fingern vor'ihr auf. ' „Naida — nur über meine Leiche hinwetz — kannst dn Hnrauskommen." ,Mer ürit dem größten Berguügen!" - >. Wswtkscher Hatz , sprühteaus Naidas Gesicht. 4 Eilten sah, >^ie bic Finger Naidas sich um dös- -Heft des Messers verkrampften, die Hand. crhow» sich zum tätlichen Stoß. ' / 7 ' . , Wleen sank schreientz zu Boden: ' f „Die Narzissen, Naida! BeMunde nicht" die-süßen/ Blumen!".4st<4 'n... - - .. - 4 , - >'N<uÄtzehntes Kapitel.-' ' - - l s -y.rd'h Diese Arusvuf war so überraschend, daß Naida unwiMrlich dlü Messer - sinken ließ und die am. Boden Liegende starr anlsäh. . . " ,Me lieben- Mimen . . . -warum haben.sie das Licht der.'Äell7erVM'!'Sie^ -wären 'hefler in der Knospe erfroren", sagte Eileen, mit, beweglichem Ausdruck. Ihre Hände streckten -sich aus, nicht wie um Gnade, bittend, sondern als ob sie die Blumen, von.'denen sie sprach . -be-. schützen wollte. So erhob sie sich , langsam und näherte sich dem Tisch; es schien, als habe sie Naida und die Gefahr, die ihr drckhte,- vollsbandig vergessen.' . Naida betrachtete sie eine' Zeitlang, dann seufzte sie, erleichtert ans 'mtd ging zur Tür. '! „Also endlich haben'wir dich so weit!" Sie hörte ein leises Klirren Und drehte sich rtm. Eileen hatte eine Retorte^ergriffen. Naida, die'das Messer hoch inder Harch hatte, sagte vorsichtig, wie Air einer Kranken: i ,Mnd, leg' -die Plumen wieder hin." „Vitriol, Naida, erkennst du's nicht? Mrs das,Messer weg, schnell!" st : ' , Naida führte sich nicht..! Eileen kam näher. / „Tu hast Wohl gedacht, deine Schminke macht dich häßlich genüg? Du kennst ckffo Vitriol nicht! Naida . . . .das Messer weg!" '' st - Naida blieb unbeweglich. ' . - Einen Moment später schrie sic gellend auf:. Ihr ganzer Kövper beugte sich über 'ihre.Hand. Eileen hatte sie mit -Pitriol begossen. Die Säure fraß sich sofort.tief ins Fleisch bis auf die Knochen und verursachte rasenden Schmerz. Das4 Messer klirrte zu Boden. , „„Du hast mich /zum Krüppel gemacht",., heulte sie au f. '; „Diesmal ist es echt, Naida, nicht? Jetzt geh' schnell dort hinter den Tisch." - . „Du denkst wohl, ich laß dich hinaus?" preßte Naida zwff'chen den Zähnen hervor. „Soll ich dir den Rest ins Gesicht schütten? Geh' schnell hinter den Tisch." . 4! Die grüne Flüssigkeit faszinierte Naida, sie zog sich zurück. > - - Eileen beugte sich über sie.' M „Sag' mir, wie ich hinaus komme, Naida." P „Du kannst nicht."4 D :„Wer hat' meinen Vater ermordet?" ' i 4 Ueber süH sah sie die grün^ rauchende Flüssigkeit, die bereits ^den Rand der Retorte' berührte. Vor Schrecken wqreu Naidas, Augen «weit aufgerissen, sie konnte nicht sprechen.:.. - st. '' „Wer meinen Vater -ermordet hat?"; . Naida sah sich verloren. Die Schmerzen in der Hand, satte sie vollständig vergessen. MAhsam' bewgete sich ihre Zunge: ' „Pete Ennis.war's . . . Hrttch hätte -den Plan ausgedacht . wir haben aus einen nebligen Tag gewartet ..wußten v-o-n unseren früheren Beobachtungen, wann es dunkel sein würde..... Hutch, Da-rgan und Pete 'waren in ihrer. Wohnung , in- Fleetistreet und wartetenauf meinen Anruf. Als dein Vater das .Haus verließ, telephonierte'ich! . . Steve Duchamps mnd Tenny Howe wartetet: im Picadillh-Palast .» .; . Eileen -verzog.steine Miene.; Mida fühlte sich etwas sicherer und. fuhr fort: . , rv . ■; - -! .'..„Daraus -stiegen, Pete. und Dargan in-ihr-großes, chwarzes-. Auto :-Pete hatte', ein!... . Messer Mi ich . .." Naida sprach die Morte mit solcher Vorsicht aus,- als läge ein Abgrurrd, -den sie zu überspringen hätte, zwischen ihnen. „Er, trug Lederhandschuhe, au deren, Fingern Dtchrmistrsifen angeKebt Wäwn. st Diese^ . Streifen. wgM St!e)nj>el -niit Kopien vbtlHiygerMrücken.;Der eine.Hand. ischsth /hatte' die Nngerabdr-ücke des. Mörders, der: im .Gefättguis! von PentoMille .einsPaac Täge vorher hingerichtet wurde. Gn uns befreundeter Mitgefangener, der den Leichnam verscharrte, nahm heimlich Wachs'abdrücke. DävioU Msen wir die ÄMMiistempel. - 4 - l Der andere Ha-ntzschrch Hatte Hugo- GarvaS Jingevabdrücke. Ich-haßte ihn,, Eileen, .eure.Dhe,,Wtze all unsere,- Pläne zunichte gemacht! Seine'Mdvücke Wen wir-ünst Pord des'Schiffes genommen, irckem' wir' sMen-'DMwpslmit Wachs beschmierten. . . genau /wie -ein DetHiv Fingcvspuren aufnimmt. .st .. 'st st... ' . "-st,' Dargan führ durch die üMigen Straßen, his er in de- -Nähe von SaM Ia-ntes^ Street 4 den erwäMen.'Wagen deines Vaters eM-ickte. Pete Ennis, auf Kcücken, stieg^aiuS und ging zum Wäger deines Vaters. Er erzähl-te ihm, daß-, -er ein verwundeter Soldat sei und bat ihn, eist'Stück mit-' fahren zu dürfen. . Dem Vater -ließ- M einisteigen. . . Dargan fuhr hinter dem Au-t-o her. 'Gerade aW der Wagen: deines-Vaters-au den PieadillyHalast kam .. ./ / i Naida blickte auf. Sie hatte nicht den Mut, in ihrem Betken-Ntnis sortgufahren. Eileen, die es bemerkte, Mlsterte mi t e i nem rästelhaften, furchtbaren.- Lächeln: 4 \ „Weiter, nur -weiter!" „. . . gerade vor dem Pieadillh-Palast .. . auf ein Huprnlsignät Targans . . . Pete Ennis . . . schnitt deinem Vater den Hals durch . . ." Sie -rang nach Atem. ,). . . Dann mit den blutigen.Handschuhen hmterlietz er Ge Spuren au seiner Kehle. Dargan rammt, den Wagen 'seines Vaters. Peter Ennis schlug die Scheiben ein > . . dein Vater saß/ so, .daß 'man glauben konnte . . . die Scherben, hätten seinen Hals - ausgeschnitten . . . Pete f Ennis sprang -hinaüs aus Dargans Auto..... Wie. irrsinnig fuhren-fie'durch den Nebel und'entKamen.";-4-'^! „Naida,. sag': warum all diese teuflischen. Singe . , ' hie Fingerlspureu -und-4. . . - „Um die - Polizei irrezus-ühren — aber hauptsächlich, um -dich so zu verwirren, daß du alles glauben -wüchest . .. und danüt du an deinem Verstand Zweifeln . . . damit dü ihn verlieren solltest!" „Und die Stimme meines Vaters . , ..die ' ich im Picadilly-Palast hörte?" ' „Aus denlselben Grund. Ich ließ dich ans Telephon rufen.' Du mußtest durch den Raum mit dem Glasdwhi gehen; dort hatte sich Steve Duchamps über der Glasdecke versteckt. Er ahmte die Stimme deines Vaters nach...... 4 und schüttelte Glasscherben, die er in einem Säckchen hei sich hatte." Ihr, Mut kehrte zurück und bsinähe leise Wümp'hierend sagte sie: ' „Es hat -dich doch ein bißchen erschreckt, -nicht,-Eileen?" Eileen sah sich einen Augenblick um; sie überlegte, Pb jemand herelnkommen könne. Naida mebkte, daß ihr keim - Gefahr drohe, bis sie mit ihrem' Bericht zu Ende >war. Sie wurde nlutig-er, und es machte ihr beiM^he Fre-upe, Eileen zu antworten. 'i ,-Warum hast du mich zu disser Sitzung ß ZM . Lewis gehen lassen?"; 4 Naida konnte ihre Schadenfreude nicht verbeMn.- - ' „Ich glaubte, daß Schlag auf Schlag am , wirk» samsten sei. Du, warst niedergHs-chmett-ert van der Nachricht der Ermordung -und dein Zustand war empfänglich für die Sitzung, die ich'schon lange vorbereitet hatte. Ich wußw von vielen Dingen, die sich»zwischen dir und deinem Väter abgespielt hatten, und die ich Frau . Lewis beibbachte. Die Geschichte nut der Erlscheinung deines Vaters,' M Hilfe! eines Stereoskops- . . . Gatt, Eileen, die - Di^tcge sind einfach, nicht?" „Außerdem lag nur daran, daß hü an glauben solltest. Das.'konnte uns helfen, dich j „Wahnsinnig zu machen, ich verstehe. Und .dett; tjcltt in der Philharmonie und die Schmerzen, die mir die Radiumschnalle an meinem Hut verursachte, alles zu dem» .selben Zweck?^ 4 " - „War das nicht gut gemacht?" r Eileens Hand zitterte, aber nicht! aus Angst. „Und -das alles znm Dank dasiir, Ws mein Vater-Este dich getan hat?" . ' -; Naidas Lippen verzogen sich in tierischem 'HG. '/^. „Ja, Esten, zum Dank dafür, wa's dM Vater an mir : getan .hat 77« oder vielmchr, was er nicht.gejan'.hat ^stst I s. i^,-! -.!,.-:^4.st!!>/. ■ (Fortsetzung folgt.) - .