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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-21 · Heft 2012 (21.9.1924) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2012 (21.9.1924)
Date
1924-09-21
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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| Nkr. ML Wien, Sonntag unterbindet» so daß Verblödutlg eintritt. Interessant ist die Höherentwicklung des niedrigsten Wirbeltieres, des Lanzettfischchens, die durch Fütterung mit Schilddrüsensubstanz erfolgt und aus dem Wassertier ein Landtier macht. Die als Briefe! bekannte Thyamsdrüse in der Nähe der Schilddrüse ist bei der Geburt am größten und. verschwindet fast ganz nach eingetretener Pubertät, zu welcher Zeit ihre Funktion, die gesunde Ausbildung aller Körpergewebe, von den Keimdrüsen übernommen wird. Der Hirnanhang, die sogenannte Hypophyse, eine bohnengroße, ein halbes Gramm schwere, rötlichgraue Drüse im Gehirn, reguliert vorwiegend die Körpergröße durch ihr Sekret. Ist die Sekretion zu schwach, so entsteht Zwergwuchs, ist sie zu stark, so ergibt sich mächtig gesteigerter Blutdruck, der großen Bewegungstrieb, oft unbezwingbare Rauflust erzeugt und außerdem zu abnormaler Größe, zum Riesenwuchs führt. Teilweise in entgegengesetztem Sinn wirkt das Hormon der Epiphyse oder Zirbeldrüse im Gehirn, die nur zwei Zehntel Gramm wiegt und vom siebenten Lebensjahr an sich rückzubilden beginnt. Sie hat hauptsächlich die Aufgabe, vorzeitiges abnormales Längenwachstum zu verhindern. Ihre Entfernung führt zu schweren körper- Uchen Störungen. Auch Leber, Niere, Magen und Darmschleimhant liefern Hormone. Daß das Sekret der Jnselkörper der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) den Zuckergehalt des Blutes regelt und für die Körperfunktionen ungemein wichtig ist, wurde schon ausführlich dargeleßt. ' Wie man die Störungen in der Funktion von Schilddrüse und Pankreas künstlich zu beheben gelernt hat, so wird wohl einmal auch jede Sekretionsstörung beseitigt werden können, so daß die körperlichen und geistigen Lebensfunktionen von der gröbsten bis zur zartesten Regung durch künstlichen Eingriff regulierbar sein werden. Durch diese Ueberlegungerr wird das Körnchen Wahrheit sichtbar, das in dem Aberglauben vom Liebestrank enthalten ist. : Wen einmal die künstliche Regulierung der Drüsensekrettonen möglich ist, dann wird vom Blut aus die Welt genesen können. Wir erkennen auch von diesem Standpunkt die Richtigkeit des Bibelwortes, daß „die Seele alles Fleisches rein Blut ist". Die Seele ist der Gesamtkomplex aller Erscheinungen, die durch den Strom der Blutsäfte bedingt sind. xfie Macht der Msteriüs. Mn Film dom Tage. Die Sanierung gibt keine Ruhe. Neulich hat sie uns wieder erwischt. Erst als es finster blieb, ging den Leuten ein Licht auf. Natürlich Lichtet eine dunkle Geschichte immer allerlei Unheil an. . - ■ Man saß inGesellschaf t. Das Licht erlosch, als-man gerade bei -den neuesten Witzen angelangt war. Die Folgen waren furchtbar: Sesselrücker!, Tischheben wie bei einer okkultistischen Seance. Der Hausherr umarmte eine Dame, die er aber sofort als seine Gattin erkannte. Der Irrtum war nicht mchr gut zu machen. Sie ließ ihn nicht mehr los. Als die Dienerschaft endlich Kerzen anzündete, blieb nichts übrig, als verschiedentliche Verlobungen auszusprechen. In den Kinos hörte das Surren der Apparate aus. Die UnteMehmuugen waren bereit, das Eintrittsgeld züriiäzugeben. Zahllose Paare wollten draufzahlen, wenn sie iveiter bleiben dursten. Im Theater ging der Dialog aus der finsteren Bühne weiter. Doch das Publikum ivollte sein Geld zurück haben. Unter den Rufen: „Auf die Schmonzes sind wir nicht neugierig, wir wollen was sehen!" leerte sich der.Saal. In vielen Kaffeehäuser n kam es zu Revolten. Bei den. meisten Partien wurde die Bank voll den Kiebitzen gesprengt. Alles flüchtete. Die „Ober" hatten in der Dunkelheit das Nachschen. Die CH aussen re fuhren mit blutendem Herzen und Wagenrad davon. In den Restaurants konnten die Gäste aus den Mellern die Meischportionen nicht finden. Mehrere Steuerbeamte wurden verprügelt. Ein biederer Landmann gab statt eines Stübers einen Schilling aus. Zu Hause erkannte er den Irrtum, worauf er sich erhängte. Die Jnfolvenzer klärungen ruhten eine volle Strmde. Es gab eine Hausse in Kerzen. Die Vorräte verschwanden. Cs wurde eine Kerzenbank gegründet. In den Bars und anderen Lokalen der vornehmen Gesellschaft blieb . c§ dunkel. Natürlich auch im Laude sgericht. Die Negierung zerbrach sich den Kopf. Es Web finster. Die H a k v n k r e u zl e r schrien: „Die Juden sind schuld!" Zahlreiche I n d i v.r J> n e n, brüllten das neueste Zitat des „Urgötz". Han glaubte.sie seien aus dem Steinhos entkommen. Es waren geistige Arbeiter, die sich Luft machten. Irr Wien blieb es finster. Ali. . Ae Angelegenheit der ÄnkeSWlfirbril. Nach Abschluß der von der Wi-rtschastspolizei ■ gegen die AuilerlbvotlfaibriLeinMeiteten Erhebungen wegen Preistreiberei, begangen durch die Forderung eines -offenbar übermäßigen Preises, wurden die Akten am 19. d. der Vita«<tSanjwaltls^ia>ft 1 h Wen.Meinten. Wisnsr MorgenzertArrg. S1. Sept-eprber 18L4 Mise FMchergeschichten aus aller und »euer gell. Die in jiwgst-er Zeit verbuchten Irreführungen mit angeblichen Historischen Handschristen und Briefen, so zuletzt die Affäre des italienischen Mehrten' Martina Fuseo mit seinem Livius-.Fund, bringt die Fälschungen; von .Handschriften in älterer Zeit wieder in Evinnernng. Zu allen-Zeiten wurden Versuche mit gefälschten Handschriften, Papyri, Codices, P-evgamentroNen usw. gemacht, um aus diese Weise entweder zü großem wissenschaftlichen Ruhm -oder durch den Verkauf der angeblich -entdeckten^ historischen Schätze tzu Vermögen zu gelangen. Auch politische Gründe waren mitunter für solche Fälschungen.maßgebend. Die berühmteste in dieser Art war die sogenannte' „Donatio Constantini", ein angebliches Edikt Kaiser Konstantins, durch welches er die Herrschaft über einen großen Teil Italiens und überdiesvon Sardinien und Korsika dem Papst übertragen haben soll. Jahrhunderte hindurch haberr sich die Päpste aus Grund dieses Dokuments auf ihre Bodenanspriüche in Italienberufen, während demgegenüber festgestellt wurde, daß das Schriftstück zumindest mn gweii Jahrhunderte später entstanden Äst. ' Zn großer Blüte gelangte das Gewerbe der Handschriftensälschungsn zur Zeit der Humanisten, In jener Epoche war es Mode, * alte römische und griechische Dichter ans Tageslicht zu bringen, indem angegeben wurde, daß Handschriften dieser Dichter ans,gesunden- und entziffert worden seien. In Wirklichkeit jedoch haben, diese Humanisten selbst mit einem Aufwand von ungeheurem Wissen, Geist und Verständnis diese Büchev sMft geschrieben. Hiezu gehört eine Gedichtesammluug des Ennius, die hinge' Zeit für echt gehallten wurde. Berühmte Handfchriste-nfälscher -tvrven noch der Italiener Pirrot Ligerio, der Franzose Le norm aut und der Deutsche Wage nseld, der die griechische Uebersetzung eines phönizischen Geschichtsschreibers mit so vevblGsendrr Geschickl'ichlkeit verfertigte, daß eine große Zahl hervorragender Gelehrter die Handschrift Wagensolds als einen überaus wertvollen, unschätzbaren Fund bszeichneten. Der König der Fälscher im vorigan, Iahrhu'ndert war der Grieche Sim onid es, dessen SpeMvlitä-t die Anfertigung von Palimpsesten war. So nannte^ man nämlich jene alten Handschriften/ von denen der ursprüngliche De^t entfernt und m!rt einem anderen überschrieben wurde.' Solche Handschriften, anlf denen man, wenn auch nur sehr schwer, unter dem Bibeltext ider 'frommen Mönche den Text des ursprünglichen klassischen Dichters herauslssen konnte, wurden in 'gvoßen- Mngen ausgefmvden. Dies brachte nun Simvniides aus dert Gedanken, einen Großbetrich zur Anfertigung solcher DoPPelha-ndschviften einFU-vichten. Er verschaffte sich nämlich das Papier sehr alter, aber inhaltlich .wertloser Handschriften, entfernte den Vorgefundenen Text, schrieb -dann! einen griechischen oder römischen klassischen Text daraus, wusch auch diesen dann iveg, jedoch so, daß »och, wenn auch schwer leserliche Spuren zurückblieben und schrieb dann aus die so präparierte Handschrift -irgend einen Text des Neuen Testaments. ..Diese Fälschungen 'war-esi in wisse«- schaiMcher und technischer Hinsicht so voMglich gemacht daß manche Handschrfft des Simonides sogar von der Pariser Mrdemie angekanst wurde. ■ Den Gegenstand langwieriger Polemiken bildeten bis sogenannten zwei ältoften Denikniale der tschechischen Literatur, die . . Königinhoser «ndGrüneberger Handschriften, deren Echtheit besonders in Hanta einen, eifrigen uni entschlossenen Verteidiger fand, ißtS der jetzige Präsident Mafaryk und der'Präger Slawist Gebauer im Jahre 1686. nachwiesen, daß beide Handschriften gefälscht sind. Weit verbreitet sind auch die Fälschungen von S chi ll er- Briefen. Ein Kupferstecher, namens Gerstenbergbetrieb lange Zeit eine erfolgreiche Fabrikation von Schiller-Briefen, » mit denen er jedenfalls mehr Glück hatte als der LÄmützek Postbeamte Bassano, der gefatschte Napoleon-Briese in den Handel bringen wollte. In das Gebiet der Schriftensälschungen gehört auch der berühmteste Fälsch erskandal, den der Russe Ra ch u< mowski in Paris inszeniert hatte, allerdings nur M dem Zweck, um eine Anzahl von Archäologen und Knnst< sachverständigen bloßzustellen. RachumowsK fertigte dü unter dem Namen . . „Die Tiara des Saitaphernes" bekannte Krone -des Königs -der Skythen au n nd verlauste sie donr Pariser Louvre als die OriginaltiaM. Diese Krone war Än Stil vevMfseud und auch die ältgrrechische Inschrift schien täuschend echt. Erst Äs der Kauf geschlossen war, machte RachumowsU sMst hie- „fachkundiges Gelehrten auismevksam, >daß er ihnen sine FäHchnng angehängt halbe und inder Tot zeigte'er Wen auf dev inneren Seite des. fürstlichen Kopfschmuckes Die Inschchst: ,FiächumowM seeit.". Di-sser Ra-chumopM lebt jetzt noch 'M Paris und ist Konlseovator der RoHschilhsche«. Kunstsamlmllungen. Er ist als einer der weuigeü-anerkannt, >deo. 'bis mm mit keiner noch so geschickt und wisienschaftlich ansgemachten Fälschung hineingÄ-egt werden konnte. - , Hrrdett Spemer gestorben. Ser „Generalkonsul" aus Argentinien. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitüng".) London, 20. September. Der bekannte englische Philosoph Herbert Spencer ist gestern in Otzsord im Mer von 78 Jchren gestorben. Ae krmordnng der Schrlstßeilerin Hng-Hellmuth. Untersuchung des Geisteszustandes des Mörders. Die, Verteidigung ... des 19jährigen Glöktrotechnikers Riildüls Hng, der. seine Tanke, die Schriftstellerin FvM Dr. Hu'g-H'ellnmch in 'ihrer Wohnung in. der Äustkandlgasse ermordet hat, hat Dr. Hans Fischer übernommen. Rudolf Hug befindet sich in lanvesgerichtlicher Untersuchung und wird demnächst von den Psychiatern aus seinerr GeistesZu!stand lgeprüft werden. Ae VorMge in der RetMndWrie. « Die Wiederaufnahme der Arbeit. Die Rückkehr der streikenden'Metallarbeiter in die Betriebe setzte sich gestern weiter fort. Eine große Anzahl der >Fabriken, die vorgestern noch im Streik standen, nahm gestern die Arbeit wieder auf. In den restlichen Betrieben soll «m Montag die Arbeit wieder voll einsetzen. Es sind dies Betriebe im 16. und im 20. Bezirk. F-rrv-ensschluh \n Linz. Aus Linz wird uns berichtet:' Die Verhandlungen' zwischen dem Indnstriellenverband Oberösterreichs und der Bezirksleitung Linz des Oesterreichischen Metallarbeiterverbandes sind auf der Basisder Wiener Vereinbarung zum Abschlüsse gelangt, die von den Parteienals auch für Oberösterreich geltend ä-nerkannt wird. Dieses provisorische Zusatzübereinkommen zum Arbeitsvertrag vom 5. Dezember 1923 ist nur zwei Monate gültig. Wird das Uebereinkommen 14 Tage vor dem 30. November nicht gekündigt, so läuft es mit dem Hanvtvertrage mit derselben Kündigungsfrist wie ü^esi. weiter. Rach bhfent Zujatzüber.inkommen bleibt es bis 30. Septrmdrr jedem linicraehmer Vorbehalten, wenn dieser die festgelegte Lohnerhöhung nicht ertragen zu können glgubt,' sich VW -'er Kereinbarung ans z u sch l i e ß e it und mit der iu seinem- Betriebe be> > schästigten Arbeiterschaft, bezi'.ft)a>igsii.v:':s mit der,^lrbeitnehlyerorganisatronetr SönderveMildluNgen einzuleiten. Die Vollversamnttung der Metallarbeiterschäft h^t gestern vvvmittagS diese Vereinbarungen - an'errännt. Ae Arbeit wird M o n t a g f r ü h w i e d c r anfgenommen. Am 10. August kam die Frau eines Gmund-ener Gasthofbesitzers zuw dortigen Bezirksgerichte 'und brachte die Bitte vor, man möge auf beschleunigtem Wege die Ehebewilligung für -ihre noch nicht 18jährige Tochter Frieda erteilen: Sie erzählte, daß 'ihre Tochter mit dem argentinischen Generalkonsul Dr.' Ppllandes verloibt sei und daß der Bräuttgam ans.Beschleunigung der. Eheschließung dränge, da er in seine Hei-mat A rg.e n- Linien zurückikchren und -schon am 16. d. seinen Dienst dort antreten. müsse. Er fügte hinzu- - es.'sei schon wegeir seiner dienstlichen Verwendung von -Wichtigkeit, wenn er ehestens heirate. Die Mutter erzählte, -weiter, daß ihr künftiger Schwiegersohn beihauptet habe, er sei der S ohn e i n e s' st e i n r e i ch e n Großgrundbesitz ers? yt- Argentinien und in seiner .Heimat sei es Sitte, daß die Sohne ans 'reichen Familien eine gewisse Zeit im diplomatischen Dienst verbrächten, er selbst - habe sich auch der. diplomatischen Laufbahn zugewendet, sei zuletzt in Paris und. Madrid in Verwendung gestanden, jetzt aber auf einhalbes Jahr beü-vla-übt gewesen. . Es' wurden Erhebungen eingeleitet . und fvstgestellt, daß -der Mann in Gmnuden gar nicht als Dr. Pollandes, gemeldet war, sondern in einem Hotel, als Generalkonsul Dr. Otto P-ollacek aus Argentinien äbg-sftiegen war. Man sagte der Frankste möge ihren künsiigen Schwiegersohn selbst zu dem Bezirksgericht schickem Die Frau teilte den Bescheid dem Generalkonsul mit, jedoch dieser leistete der Einladung nicht Folge. Das ganze Gehaben ließ derr Gedanken auftommen,' daß sich der Mann vielleicht sogar mit Mädchenhandel befasse. Erst später hat auch die Frau den gleichen Verdacht geschöpft, da der Generalkonsul geäußert hatte, er wolle nach der Hochzeit.nach Paris reifen und später auch ihre Schwester mitnehmen. , Am 17. August tvar dann der ,-Generalkonsul" von Gmunden 'abgereist-und-auch' die^ Gaisilwirt-m. hat sich mit ihrer Tochter nach Wien begeben. Vor 14 Tagen nun sinder angebliche Generalkonsul und Fri eda' aus Wien äbgereist. Er soll dem Mädchen- -versprochen haben, mit ihm nach Venedig ztr reisen und ihm dort eine Stellung Zn verschaffen. Seither hat man nichts von den beiden gehört. Die Mchforschungen ergaben, -daß-in den diplomatischen Diensten Argentiniens weder ein Generalkonsul Dr. P-o lländes noch auch -Dr. Pollaeek bekannt ist. , Da» Wsttn. Auch gestern Welt-das Schönwetter an. Die 5'crn» peratur betrug über.'20 Grad Rea ir m ür. Die Voraussage Wndigt eine vövübergvhende Störung des-schonen Wetters wlchrschÄMch am MÄtag G.

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