Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2012 (21.9.1924)
- Date
- 1924-09-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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/ Sette l Wien, Soun-tatz > Wiener Moesenzettnng. " -~*mv- Ä. Septsmber 1924 Nr. 2012 Aus der Leit des Hakeukreuzaufmarsches in Kobmg WK der Shrhardtsche Grenzschutz haustr. •: Berlin, 20. Sepetmber. HI. T. A.) SluS Bamberg wird telegraphiert: Am 17. d. begann vor dem Schöffengericht Bamberg die Verhandlung wegen Landfriede uZ- Pruch gegen 15 frühere Angehörige eines ,^ungdeut- -schen Regiment5", dar Ende 1923 den bayrischen ,Brenzschu tz" gegen Thüringen unter dem ObeMfthl Ehrhardts ausübte. Hauptangeklagter ist der WMrige Wolsgang Götze ans Kobrirg. ' Nach der Anklageschrift hatten sich die Angeklagten and eine Anzahl noch nicht ermittelter Personen — insgesamt 20 bis 25 2)tamt — in der Nacht dom 3. aus den 4. November 1923 auf Anregung des angeklagten Götze zu einem Zuge nach dem Nachbavdvrfe Altenhausen zusammengeschlossen, um die dort wohnenden ,^Judenzu verhauen". Tort angekomnren, wurdm vor den beiden nebeneinanderliegenden Anwesen der jüdischen Familien Eman uel und Adolf Gut mann und in der nächsten Nmgobung Posten ausgestellt, worauf der Angeklagte Götze mit einigen anderen Genoffen, rmt Revolvern und Gummiknüppeln bewaffnet, zunächst nach Ucker* steigung des .Hoftores in das Haus des 64 Jahre alten Landwirtes ' und BieMMers Emanuel Gutmann eindrang uich diesen und seine Ehefrau mit vorgehal-tener Waffe zur herarrsMbe ihres Geldes zwangen. Ebenso erzwangen sie die Oeffnung des Geldschein k es und der übrigen Schränke und Behältnisse der Wohnung, durchwühlten sämtliche Behältnisse und raubien 70 bis 80 Milliarden Papiergeld, eine goldene U hr und andere Gegenstände. Nach Abschluß der Plünderung wurde Gmanuel Guttnann in das Schlafzimmer gesperrt, über das Bett geworfen und mit Fußtritte u mißhandelt. Unter der Drohung „du wirst erschossen", wurde er sodann auf die Straße gezogen - und einem d': Posten übergeben. . Da§ gleiche Manöver erfolgte sidan« bri dem Schwager des Ueberfallenen. dem 59 Jahre alten Landwirt und Bichhändler Adolf G u t m a n n, Auch hier wurde mit vmgehattenem Revolver die Oessnung des Schreibtisches, des Geldschrankes und und säint-.cher Behältnisie erzwungen, und etwa 2 Millionen Geld sowie Briefschaften geraubt. Mt der Drohung „Jetzt werdet Ihr erschossen", wurde auch Adolf Gutmann auf die Straße gezerrt und zusammen mit feinem Schwa-, ger' in der Richtung gegen Ge munde vor das Dorf gebracht. Unterwegs berieten die Töter, ob sie die Juden erschießen oder aufhängen sollten. Nach dem Befehl/ sie umzubringen, schlugen die Angeklagten wie auf ein Kommando mit Waffen, Gumm-itnüPpAn und anderen Werkzeugen von rückwärts so lange auf sie em, bis sie schwer verletzt und' bluteH nioderstürzten. In der Nacht Vom 6. auf de» 7. September, begaben sich nach dieser Tat vier weitere Angeklagte.gegen 11 IM auf eine Aufforderung durch den ,Mdjütanten W -u k i n g e r" des in Heittgerdorf liegenden ' zweiten ,Mltaillonsstabes" des jungdeutschen ^Regiments" unter Mitnahme eines Fuhrwerkes von HeMgerdorf nach Altttthausen, um dort aus dem Anjwesen der beiden jüdischen Familien, die nach dem Ueberfall in der Nacht vom 8. auf den 4. November aus Menhaufen geflüchtet-waren, deren noch an Ort und Stelle befindliches Eigentum wegzuhol-en und an die BataillonsbefchlSstelle in HeMgerdorf aHrrliefern. In Attenhausen nahmen sie aus den uuverslperrten Häusern und Stallungen der beiden Familien neben vielen Kleidern, Anzügen und .sonstigen Wäschestücken, Vieh, Stallgeschirre, das sie alles an die BataillonsbeseWstM ablieferten. ,.-?k Drei Doge später wurde von den Nationalsten wieder ein Uebersall Ms. beide inzwischen von ihren Bewohnern verlassenen Muser verübt urch fämtkrche Glnrichtttugsgegenstäude, ferner drei Kühe, zwei Pferde und «kt« Anzahl von Hühner geraubt. Bei der Dernehmüng der AngeWagten gaben Äefe die ihnen zur Last gelegten Handlungen zmn größten Teile zu. Me meisten der AngeWagten, besonders dichenigen, die in der Nacht .vom 6. auf de-n 7., November die oben angefichrten Gegenstände und das Vieh aus Attenhausen abgeholt hatten, beriesen sich den sie von ihren Vorgesetzten erhalten hätten, und dem sie nach ihrer Aussage unbedingt Folge leisten mußten. In der Zeugenvernehuru-ng gaben die Zeugen Emanuel und Adolf Gutmann sowie deren Ehefrauen eine genaue Schilderung der Vorkommnisse jener Nacht bis zu iMer Flucht nach ihrem jetzigen AufenthÄtsort Koburg. Aus einem gutachtlichen Schreiben des sie behandelnden Arztes geht hervor, daß sie #wn Teil sehr schwere Verletzungen davongetragen haben und auf Wochen himuS arbeitsunfähig waren. .. Aas Urteil gegen G v tz e lautete auf sind Dr« Woffbauers Entfettungstahietten von besterWlrkung, angenehmen Qesdhtnaek, vollständig unschädlich. Kein I Dilfawang oder Aenderung der Lebensweise, prompte Gewichtsabnahme n Keine Schilddrüse 70s Kein AMtihrmittefl | ^Oepot^Apohj^j^lf^^i^WljnjLWollielleia^ Sieben weitere Angeklagte würden wegen schwerer Körperverletzung zu Gefängnisstrafen von zwei bks n e u u Monate n verurteilt, die übrigen AngeWagten wurden nach Sicherstellung des Eigentums der Beraubten fteigesprochen. LudeüLovffs in HW. München, 20, September. Die von der Polizei ver« Meten Mitglieder des Frontringes sind heute Über richterliche Vevamlaffung in H«ift genommen worden. -Es sind dies Oberleutnant Brückner, Leutnant O s« Wald, Oberleutnant v. Pro sch, Hauptmann von Krauß wer und Dr. Schramm, gegen die die Anklage im Sinne des Vergehens gegen die republikanische Gesetze erhoben wurde. Reichsdeutsche HaVMVreurlev irn Bürgen« land abgefaßt. Wie aus Lackenbach an der VmMWndMn Grenze gemeldet wird, sind dort die, reichsdeutsch t Nationalsozialisten, welche git Fuß Über die ungarische Grenze kamen, von Gendarmen äufgegrkffen urck zur AusweiÄeistung angchatten Wochen. Da die Pässe der Ausgegriffenen nicht in Ordnung waren, wurden sie der BeMshauptmkmrschaft Oberpullendosj öorgeMhrt, uw sie sich wegen Uebertretmrg der paßpolizeMchen Vorschriftenzu verantworten hatten. Die Vechafteten sind die reichSdeutfchen Nationalsotzralirsten Paul Fahrand aus Lichteuwalde in Preußen, HanS Möller aus Berlin, Heinrich Mayer aus Augsburg nB Johann Schramm aus Berlin. i . ' '' > Bei ihrem Bechör gMn sie All Protokolls Latz sie von einem gewisien Leutnant Werner Abel unter falschen Vorljpiegelungen. nach Budapest gelockt wychen seien. Da aber die BMpöster Poltzei von dem Ansenthatt reichsdeuischer Hakenkre-chlex KemtM erlangte und Nach« :ftwschungen anstellte, wurde ihnen vom Verein der Erwachenden Ungarn nahegelegt, Ungarn wiederum zu v e r l a!s s e n. Sie erhielten auch von den „E rwachenden" die Fahrkarten bis Oedenburg, von wo sie dis Derreichifche Grenze zu Fuß überschritten und sich nach Wien begeben wollten. Kn neues StnatrbürgersÄastssesetz in der Mecho-Slowakek. Prag, 30. September. Me verlautet, soll ein neues Gesetz über die Staatsbürgerschaft, nament« lich in der Slowakei und Karpathoruhland, in Vorbereitung ftru.^ Mch dtösew Gesetze sollen alle seit 13.06 dauernd in der Slowakei wohnenden Steuer- - zahler, falls die Gemeinden leinen Einwand erheben, als tschechoslowakische Staatsbürger betrachtet werden, ferner soll die ungarisch e Rechtspraxis ■ bei Erlangung der Staatsbürgerschaft wieder erngeführt werden. Strittige Fälle, wo es sich um Staat'sbüvgerschaftserwerbungen uach 1310 handelt, sollen einem Uebereinkommen zwischen Un-, garn und der Dschecho-Slvwaket Vorbehalten bleiben. / Stück durch einen Zufall die Erleuchtung kommt, daß eS viel rernünstiger uiQ leichter gewesen wäre, die Hölzer oder Steine vom Berge iherunterrollen zu lassen. Schildbürger und Chelmer sind von dem Einfall gleich entzückt; unverdrossen werden nun Stück um Stück wieder auf frm Berg getragen. Stolz und belustigt sehen die Erleuchteten den hinabrollenden Hölzern oder Steinen zu, sind für die vielfache Mühe, die sie gehabt, im lhöchsten Miatze belohnt und haben allen Grund, mit ihrer ,/Weisheit" Aufrieden zu sein. Die Schildbürger vergaßen in ihrem Rathaust Fenster zu 'bauen und mußten ihre ersten Beratunizen bei1 einem brennenden Lichtifpair abhalten, bis der Gescheiteste auf den glücklichen Einfall kam, das Tageslicht in Säcken, Einnrn und anderen Gefäßen einzufangen und ins Rathaus zu befördern. So haben es auch die Ehalmer unterlaßen, in ihrer Synagoge eine Eiiigangstür zu machen, wohl aus weiser Borsicht, damit sich keine Diebe «infchleichen können; sie ließen nahe am Boden eine winzige Oeffnung zurück. Und nun konimt in der Geschichte ein anderes Motiv von den Schildbürgern 'dazu: der Berlust eines Kopfes, der -Irveisel darüber, ob auch der Verunglückte einen Kopf geliabt und die sichere Behauptung seines Wcilbes, sie hätte ihn am Vorabend gestriegelt. Das geschieht in Chelm mit dem Rabbiner, der Freitag äbends sich als erster zur Andacht durch das lvin'zige Loch in die Synagoge durcharbeiten soll, dabei aber verunglückt und ohne Kopf heransgezogen wird. ^W'ie die Schildbürger einst bei eine-m fröhlichen Gelage lm Freien Hre durch einander geschränkten Beine nicht erkannten, so erging es den Chelmern, die in einem gemeinsamen Bade ihre Beine gegen ftemde vertauscht zu haben gianbren; sie erlangten dann volle Gewißheit, auf eigenen ,^üßen zu stchen, als sie die Stockschläge spürte», die ihnen auf dieselben verabreicht wurden.? Diese Geschichte wird auch von einem einFelnen berühmten Narren namens Chojsek erzä'hlt, der wie „der gescheite Hans" des deutschen Märchens, im M'ittol- Punkt einer großen Anzahl von individuellen Torheiten steht, die eine köstliche Ergänzung zu den kom muilalen Streichen der Chelmer darstellen. ,LchojeM bildet aber mit seinen Augen Einfällen eilt Kapitel für sich; son ihnr soll ein andermal er-'äblt werden. Sehr Populär ist bri rrn Osl'ndm die fclgende Anekdote: In Ehelnr war der erste Schnee gefallen, von dem grgla-M wird, daß man das Gedächtnis stärke, wenn man sich mit ihnr wasche. Der Schames (SchuDiener) sollte nach altem Brauch >m aller Frühe die GemeindemitigÄeder mit dem Rufe: „Gcht in Schml herein!" «wecken. Damit er aber auf seinem Wege den-Schnee nicht zertrete, "kamen die Chelmer zusammen und beischlossen, daß der Schames nicht zu- Fuß gehe, sondern von vier Männern durch die Gassen getragen lvevde und so sollte er die Leute zum Beten rufen. In Schilda wird der Wächter, der die bösen Kühe von dem mit Salz -besäten Acker vertreiibien sollte, von vier edlen RatSmännern auf etmr Truhe getragen, damit das V ich größeren RÄsPeckt habe. „Sie wußten mit ihren breiten Füßen s-o subtiil einherzuge'hew, daß durch sie dein kostbaren Acker kein allzu großer Schaan widerfu-hr Auf die Gleichheit anderer Motive hat Löwe in der oben erwähnten Schrift hingerwiefen. Die übrigen Chelmer Geschichten, die in der Kipnistschen SanmMng zusammengetra«M sind, scheinen sMständige ostjüdische Erfindung zu sein, entsprungen dem originellen Humor, mit deni der Polnische Jude das Leben und die BerhMnffse seiner eigenen engen Gasse -betrachtet. Die Chelmer Geschichten beiwvisen, daß unsere lieben Narren auf der ganzen W-elt ein einig Volk von, Brüdern sind, wenn auch die Schilderung ihrer Heldentaten da und dort lokales oder nationales Gepräge hat. ,.;■'%$*»£ ■■ .■ •; ' . . Probleme der modemen KM. Zur Internationalen Ausstellung in her. Sezession. Die Zeit hat ihr Gesicht und der Beitrag der bildenden Künste zu diesem Mosaikgesicht ist nicht gering. Die Probleme, die nach dem Niedergang der Renaissance als Kulturgut Europa beschäftigen und sich ein für allemal von der falschen Romantik und einem absichtlichen HistrorizisiMs abgewendet 'haben, greifen ttef hinein in die SchaffenNwe.lt des modernen Künstlers. Diese Welt nachzubilden sucht die. Internationale Ausstellung, von Hemmungen. adminkstvrtiver und technischer Art eingeschränkt und dadurch cntwicklungSgeschichtliche Tatsachen und Elemente oluninierend, die das Gesicht der modernen Kunst hätten schärfer profilieren können. Das, was jeden großen Künstlär reizt, Farbe, Linie, Tempo, Rhythmus, Dämonie der Natur und des Gedankens, findet sich hier größtenteils in kleinen, be- WWW Mr WM Hauch -es gegenwärtigen Wollens verliert sich in ein zartes Wchen, daS den Gee auf seiner Oberfläche kräuselt, ihn nicht aufw-ühllt. Und wir erleben auch nicht das Wunder von der Ergriffenheit -der Kiin-stler, die den Weg durch das expreffronistische Dickicht zu erzwingen versuchen. Die ganze Epoche ist nicht so sltb-- jektiviftlsch und experimentwillig wie es scheint. Einzelne starke Führer machen persönliche Attacken und für den Re>st bleibt ein dem Hausgebrauch gefälliges Rezept. Wogegen man sich sträuben muß, ist zunächst der bewußte Wille, einem enkkräfteten, an Idealen armen Zeitalter barbarische Formen zu oktroyieren, wie dies seitens einer Gruppe deutscher Maler geschieht, ferner aus einer Künstlerschau eine Verschleißorganisation zu machen, die den Zwecken gewissenloser Kunschändler dient. Die Ausstellung in der Sezession dient dem Zweck, charakteristische Typen innerhaW der modernen Kunstströmungen zu tzeigen. Sie hält sich fern von Snobismus und Geschäft. Den Männern, die mitgearbeitet haben, Doktor Rohm-dahl in Göteborg, Dr. Antonin Ma t e js ch c k in Prag, Dr. Kn üttel im Haag gebührt uneingeschränkter Dank. Sie konnten nicht mehr geben als produziert wird, als erreichbar ist. Deutschland wirkt in die Breite. Es ist reich aus Kunstarmut, voll barbarischer Sensationen: zum Stil verwässert bei Pechstein, akademisch-kühl bei Heckey.sich rundend bei Karl Hofer, grausam bei B e ck m a u n, sadistisch bei Otto D i x. F e i n i n g e r verfällt einem langweiligen Doktrinarismus, Marc erscheint mir heute schon vemltet, die TiersymboM belanglos; Schmidt- Rottluff von einem Barbarismus, der mit Malerei mx mehr die Requisiten gemein hat. #• Bei den Franzosen spürt m<m, mögen sie sich i:o$ so wild gebärden, maleriische. Kultur, ausgchrägtes Foringesühl, Wille zum Still. Andre Der atu kündigt die Rückkehr zur geschlossenem Form am Kars gibt landschaWch Gediegenes, Blanchet, Braque, Gleizes, Herbin, Levh guten Durchschnitt. Picasso enttäuscht. Fernand Leger nähert sich bedeuklich dem Konstruktionismus, M i tz i nger malt schlecht, das Einzige, was man von ihm sagen kann. Marie Laureucin erschöpft sich in wvderuisierier Romantik, Pas ci n knüpft an die Jnrpresswnisteu an. Von den R u f s e n bekommt man keinen tieferem Eindruck, auch ist die Auswahl sehr mager ausgefallen. Die Schwei.; schickt ein paar brave Jungen, lote He-lbig»