Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2011 (20.9.1924)
- Date
- 1924-09-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2' Wien, Wiener Morgenzeltung. :iT',v &Wss$$»X 3h\ 2011’ Ä2Ö als Pveistreiberin vor Gericht ' stand,, üveil :sie - das ^Kilogramm Butter tun einige Kronen teurer verkaufte als es dem Nachbar gefiel. Daurals plaidierte her berüchtigte!Staatsanwalt Dr. Hörkah für die VerurteiLtng der Angeklagten mit der schwevsten Strafe und Motz.feine Rede! mit der Bemerkung: ,/Jch kann Ai dieser MegeHeit! meine Ansicht nicht verschweigen, daß Händler dieser Art!'keinen Platz im Lande haben dürfen. Die Mische An-! geklagte gche dorthin zurück, woher sie gekommen ist, denn! dieser Msse muß man auch die Lebensmöglichkeit ent- ^zicherl. . Wer war nun diese Witwe Abrahams? Ihr Verteidiger Dr. Köszegr erzählte mit' schlichten Worten die Geschichte: Am 17. Jänner 1920 nur 2 Uhr nachts fuhr in; Serenes ein Wagen durch die schneebedeckte Straße. Neben dern Kutscher saß ein Kaufmann aus Miskolcz, her ein '^Faß Spiritus nach Mislolcz führen'wollte. Als der Wagen auf den Marktplatz kam, Mangen sechs bewaffnete Männer, hervor, deren Führer den Kaufmann nach seiner Religion befragte^ - . Sie feherr's ja an meinem Bart, daß ich Jude bin, 'antwortete Ar Kaufmann, und wollte weiter fahren: Da! ergriffen ihn die sechs Wegelagerer. Einer von ihnen stach sein Bajonett dem Kaufmann in den Kopf. Sterbend wurde . der alte Jude weggeschlepht. Drei Tage später wurde er . in Sem eingefrorenen Bach von Kindern anfgeftvnden. Er - gab. noch Leben^etchen von sich, starb jedoch baW baranf, 'ohne.daß ihm ärztliche. Hilft gÄeisjjet worden wäre. Die > Frau, die hier als Angeklagte steht, ist die Witwe nach diesem unschuldig ermordeten David Abvahaur, die nun für 1 sich und ihre fünf WaifeMuder zu sorgen hat. Ich fordere . von jedem der in diesem Saal Anwesenden die höchste! Achtung und Ehrerbietung vor diesem David Abraham, ^seiner Witwe, feinen fünf Waisen, denn der unglüNiche 'Abrckham ist als religiöser Jude, als Märtyrer gestorben, ‘er;toür in meinen Augen ein Held." Auch jetzt noch blieb der Staatsanwalt der harte Judenfeind. In feiner. Erwiderung hatte er nichts anderes zu sagen, als: „Die ani geklagte rJüdin gehe dahin, wohin sie gehört. Wenn Abraham 'gestorben ist, so stürb er nicht für das ungarische Vaterland, sondern für feine Rasse. Blicken die Waisen zum Himmel empor, so Mcken wir znm Gott der Maghaven mit der Bitte, uns von diesen raubgierigen Händen zu befreien." i In einem Lande, wo es auch heute noch solche Staats- ‘ vnwälft gibt, wo solcher Geist in der Gerichtsbarkeit herrscht', ist es nur selbstverständlich, daß nicht die Mörder schuldloser Juden, sondern diejenigen der Verbrechen geziehen werden, die all diese Mordtaten enthüllt haben. Ebenso, selbstverständlich ist es aber, daß die 26 Minner, , die von solchen ÜMgävischen Maatsänwälten. wegen Hochverrates unter Anklage gestellt werden, das Urteil über sie ihrem eigenen Gewissen überlassen, das vollkommen rühig und sicher ist. -■ ‘ ' ' ■ / :■ - l ■ - ' ' 0' ' . T Wert Einstein in Men. Für dag Mische M M Wie wir erfahren, trifft Professor Albert Einstein, Ar geniale Schöp^r der Relativitätstheorie, in den nächsten Tagen in Wien ein, M.hier in die WerVsarbeit für den Palästinaanfvaitüfonds - (Keren tzajessod) unterstützend einzugreifcn. Professor Einstein, dessen Bedeutung für die Wissenschaft heute allgemein anerkannt ist und der W vor kurzem wieder in die InteHektnellen-Kommission des . Völkerbundes rv" einberüsen wurde, steht in der Reihe jerr.r jüdischen Persönlichkeiten, die sich für die Förderung des zionistischen , „Cörriere della Sera", gibt folgende Dar-.- stevung der allgemeinen politischen^ Stimmung in Italien, die unter anderem ihren'Ansdrück findet in der von dem italienischen Dichter Sem Binelli ausgehenden-Gründung der „Lega italica", . einer angeblich unpolitischen - und nur ber Berichigung und Versöhnung dienenden Vereinigung, der sich sogar unter anderen der faszrstische AbgöordMe Porgio di: Sau Sebastiano angeschlossen.- hat:' . Es gckt euren PnM, m welchen: Faszismus' und Antisaszismus, oder vielmehr Parte-lgeift und Freiheits- 6 ei st sich berühren — nämlich, in der Erkenntnis daß die augenblicklichen Zustände in unserem politischen 'Beben für all: gleich un e r t r ä g I i ch sind.Einerseits zeigt' sich diese unbehagliche Stimmung in den Maßnahmen der Regierung, iw Betragen der- Partei, ihren Usbergviffen und Drohungen, von denen. unter'der einseitig gerichteten Aufp.ncrtsamkeit der.Präfekten.nur ein Teil in der Presse verzeichnet^ wird; andererseits in der beherrschten' Haltung der -Opposition ul-it ihrem Äultusder Verfassung.' Das Land ist der Anormalität müde, und' vor allem hat es genugvon der bedrohlichv.n Haltung, in der die herrschende Partei täglich ins, Feld zieht.. Auch diejenigen/ die der Opposition nicht allzu wohl wollen, entweder aus Furcht vor der-roten oder aus einem Reist von Anl-änglichteit an die schwarze Partei, 'beklagen Me Herrenmanieren auf das tiefste und leiden unter der scheinbaren B e s e tz u n g du r ch ei n e seind'li che Ar mee, die in Jtalieri nicht das Vertrauen aufkoNMen läßt, die NachlriegLgesahren überwunden zu Haben, 'sondern immer die Erwartung neuer Verwicklungen wach erhält. Unk nach und nach lösen sich die des Abwartens Müden, die in ihrem Vertrauen Getäuschten los und schließlich kommt es zur Erklärung ihrer Unzufriedenheit.^ Bk machen nicht offen Opposition, sie lassen sich nicht des andersgerichteten Parteien einschveiben, und gerade hierdurch , bereiten sie-dem Fäszismus die Sorge vor wachsender Isolierung; die Hn au siegt oihne ihn nachdenklich zu stimmen — eine Isolierung, deren er sich in widersprechenden Worten und Daten bald rühmt, 'bald ibeÄagt. - .. - Die neue e g a itallica". welche schon das -Ziel von. Beeidigungen und. Feindseligkeiten des verständnislosen Faszismus ist, tritt nicht als Oppositionspartei aus« Sie ist überhaupt Lein^ Partei« Es--ist eine Bewegnng, die dem- Bewreßtsein einergroßen Zahl von. Italienern entsprungen ist, die das -Wiedererwachen eines- GsfüW M Würde im nvli-onälen Leben weiterentwicheln .möchten. Sem Benelli ist troch nicht des Paktierens mit der Sozial-. 'dWoKrafie ' ... - . . - ~ - - 'H-AMW PaläMawerkes einsetzen, an vorrtt Borjahre eine Stndienreise di ' Kolonten unternoulmen, um sich Wer die Erfordernisse Möses groKn nationalen, kulturellen und sozialen Werkes an Ort und Stelle ein Urteil zu bilden. Er gehört dem Präsidium de s K er en-Hajes so d«K o. m j t e «es jür Derrtf chland an.: Ueber eine an ihn aus OestmÄch ergä Ein« ladnng hat sich Professor Ei st st ei« berest nach Wien zu kommen mrd in de» hiesigen Kreisen für das jüdische Aufbauwerk tätig zu sein. % tmmmn st i a n o ist noch nicht aus der Partei ausgotveton Md erwartet, daß das faZzvstische DireLboviuur seW die Beantwortung ans sich nehme, ihn auszust-ßen. Disse seme Haltung ist eine letzte Huldigung und zugleich eine «letzte Warnul^g an dey Faszisiinus, -denn er versichert, zu. glau- >hen, daß für diesen der Mlle zum Frieden, das Bövant- «wortungsgefühl vor der Natiorr mehr als vor der Partei, der RespÄt vor einer UebeM'efevuwg, die bis auf das. Risorgimento zumckgeht, da^s BÄvußtsmn der NotweMg-' kest einer ana-teriellen und geistigen Ordnung, dre aus den GruindlagM gerechter Freihät anszurichten wäre, Prinzipien und Vorsätze seien, die erst das Staatsbürgerrecht verleihen. Wenn mM, dann umso schlimmer fite den Faszismüs! Auch die Na-t-ionale Vereiniguing dertKriegst e i l n e hm e r hat sich in ähnlichem Sinne ausgöspwchen. Der Natur und Erziehung der Italiener widerstrebt die . UeberheMchkei!t und Halsstarrigkeit Besesiemr, Machttrunkener und Parteifanatiker. Mm kann dies nicht mehr ertragen, auch außerhalb aller streng Mitischen Md kkonstitutionellM Fragen. Und der' Faszismus hat uns übergenug davon gebracht, ohne den geringsten Widerwillen vor dem schlecht eingsfädelten Doppelfpie'l einer friedlichen Kollaboration und. eines ronranttschen Extremismus, zu empfinden, als dessen Ausdruck heute in Rom der Ausruf 'der lokalen faszistischen Organisation und gleichzeitig - die jede Drohung MeMtMde VewssenUMng des Presseamtes erscheinen.'\t ..* ,jc•.« FkMttM'MWv. (Eigendienst,der „Wiener Morgenzeitrmg") Paris, 19. September. Die-mit dom Mudium des mWschen Problems und insbesondere mit der 'MederaUifnahme der; bMtftchgte Kommission ist uMMdgUtW vÄn' M-msteLpräsidenten bestiMBwöMn Md Mt -sichwie -folgt Msättrmen: Präsidisim Senator de Mö'nz.Lst,' MKöprMeNt.'Nöiul.rR.'S,, der' ehemalige ftanzösifche' Botschafter in Petersburg. . v __ ‘ Sie LeiüschuMoualen wollen in die Regierimg. Berlin, 19. September. Die Blätter veroffeEchen eine Mitteilung, der Deutsch nationalen, wonach die -' Landesvevban'd-Vovsitzenden der deutsch Nation ale,n BolTsPartei gestern eine Entschließnivg angenmniinen halben, worin der Eintritt der Partei in; die Regierung gebilligt.wird, damit die Parteim der Regierung maßgebenden Giusln/ß erhält. Gelingt dies nicht, so müsse.die Partei in schärsste Opposition gegen die Reichsregierung treten. Der ,/L>okalanzeiger" schreibt, in deutschnationalett Kreisen werde der Rücktritt des derzeitigen RckchMntzlers und des ReichZau-ßemninistjers nicht gewlünscht, die Den sich nationalen verlangten aber jedenfalls eine ihrer Stärke enGrechende Wcwtvetung. t-vitt in den Völkerbund bereit, sich' mit der Formel' Mar Donalds fox . Rede albzusinden, daß sich die Frage-der KwiegKWüld' erst in 6Ü Jahrenüveche l> kontrolle werde MiWch! deren W. Bis zum 28. d. müßt ihr euer Wahlrecht für die jüdische Gemeinde Mamieren! - Das Wahlrecht haben alle großjährigen Steuerträger, welche mmdestests in den dem Jahre der Wahl voraüsgegangenen zwei Berwaltungsjahren in Knltusfteuervorschreibung gestanden sind und die ihnen für das Jahr der Wahl oder das Vovangegangene Verwaltuttgsjahr statutengemäß vorgeschriebene! Kultussteuer bis zum Ablaufe der Reklamationsfrist e n t r i ch t e t haben. Nehmet Einsicht in die Wählerlisten (täglich außer Samstag von 9 bis 12 und von 2 bis 6 Ähr) an einer der folgenden Stellen: ..^.i.h,; < .1. Bezirk: Seitenstettengasse 4, V 2. Bezirk: (rechts von der •' Tempelgasse 3, 2; Bezirk: (links von der M Malzgasse 16, 3. u. 11. Bezirk: 3. Bez., Untere Viaduktgasse 13, 4.,5.u. 10. Bezirk: 5. Bez., Siebenbrunnengasse 1, 6. n. 7. Bezirk: 6. Bez./ Schmalzhofgasse 3, 8. u. 9. Bezirk: 9. Bez., Seegasse 9, 12. bis 15. Bezirk: 15. Bez., Turnergasse 22, 16: u. 17. Bezirk: 16. Mz., Hubergaffe 8, 18. u« 19. Bezirk: 18. Bez., Schopenhanerstratze 39, . -ch.- 20. Bezirk:-Kluckygaffe 11, - .S ’W 21. B«zlrk: H»lzmristug«si« - P- Vor aUetit aber: zahlt die rückständigen Kultus steuern! Reklamationen sind bis spätestens Sonntag den 28« d. schriftlich in der Kanzlei der KuLtnsgemeinde, Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, einzubringen.' y Taborstraße) Taborstratze) Der Merger-Mrder Schulz,Md aurgeliesert. ../HM ' der „Wiener MortzenzeMtz«0M . Budapest, 19. Schtenibek. Me verlautet, wird Waatsanwalt Dr. Dionys Boronkay 5>cmt Ainttag stellen!, daß der «in Nagytetenh veWftete antzebkiche Hviiwich Förster, der jdentilsch -ist mit dem wogen Ermöridung Matthias Erzbergers kurrentierten Heinrich Schulz, den deuijschen Behörden ausgell-iefert werde, Diesen Antrag wich die Staatsan'waMM ausifuhMch begründen.. Es bsstcht wchl kelin internationaler .Vertmg ztwilschett. DeuHchllmd Uiüd Ungavn', doch wird in solchen Fällen, dem Asherigen Rechtsbvauch entsprechend, das int-oruattonalebelgifche G es etz für alle Länder als maßMenid cöngermnmsn. In, diesem Gesetze wich die Frage, was als pM^'ches Verbrechen zu betmchten sei, eingehend lbehandeU. Nach dem belgischen Gesetze gilt «ckls politischer Mach, wenn >ijm Interesse ei ner revolutionären BewMNg das MatSobechcmpt oder der Ministerpräsident, der die GetsWtö. des ÄaudeS leitet, aus dem Wege geschafft Mch. Dagegen foütw tö nicht als politischer Mord angefthen werden!, wem jemand ans purem PolLtißKemlGeg'e.-n^tz Haß ermordet wich. ,-,,- .. . Wer Le» deutschen MeMpi Bremen, 19. Septieimben Jßklder «Menev Morgett" tzeitunig.") Die „Brelm-er BoAszAuUH" mjML, daß bei -dev Manövern der Reichswehr im haMoVerHhen GebiL s ieben Solda-ten und .eine Frau.van Geschützen d/ Artillerie AbeMhprn und getötet Wochen swd... Mßerdes wurde ein Feldwebel durch einen Mt Wh Wodierendl KanonenschlM zerxiGn. Wd -«-«chthax * 8nlaüd. Mülehr m ««Gz- Bundeskanzler Dr. Seipel, MmsLer Pir Acu.ßc-rcs Dr. G r ü u b e r g c r und Finantztminister Dr. K i e n b ö ck sind gestern mittags in - Beglertuntz des Seftionschefs Dr. Schüller, des Wkkt>iönSrates Dr. StokrvhLck Md des Dr. NytV-i aus Gents in Wien Mt dein Aeichen Zug ist der GEraAommissär des WlkeMudes -Dr. Zr^mmerman h Sekretärs Dr. b. Rost nach Men zurückgekchrt, Der Bnndeskcl-nMv Md die Minister Dr. und Dr. Kienböck berichteten im Ministerrate ausführlich' über die tu Genf geführten BerhaMMgen. Dev. Mnisterrat nahm diesen Bericht zur Kenntnis und beschloß, sofort - an die Vovberelt'Mg jener Vorlagen an das Parlament zu gehen, die emch dem Ergebnis dev Genfer MPaMWtzen erfovdeMch sind. f - j Die Arbeiten zur Fertigstellung des Budgets für das Jahr 1925 lverden so beschleunigt werden, ' Laß das Budget gegen Mtte Qktobev dem Matioualrat vor-, gelegt werden kann. Im Haupt au sschutz, der, .wie schon gemeldet, für Dienstag den 28. d. bereits eiüberiffen ist, wich der Bundeskanzler Bericht evstasteni, Msgr. Testa kommt wieder «ach Wlerr. Nach einer Metldnug aus Rom hat Monsignore Testa, der päpstvche Delegat im Ruhrgebiet, feinen Posten als Sekretär der Nunziatur in Wien wieder aufgen-mmen. Monsignore Testa soll alsbald nach Rom.' berufen werdenda er eine Stelle im Staatssekretär tat erhalten soll. Französische Finanziers in Am Sountag treffen Jules CamLou, Präsident Vor zentraleuropätischen Länderlbanik und BtMiMsident der Banque de Parts et des Pahs-Bas in Paris, folvjie tzO Herren Andre Luqnet, Ghrengouverneur der BangM. de France, Präfidmt des Credit Mobiliev Franoaiis.und'. Biz-epräsident der zentraleuropä-ischen Länderbank in Paris, fermr die MWieder des DiEiouSVomitees AlphoM. Fu,rst, Charles de- Gheest und Paron JacqrW W! Gunzburg in Wen zu mehr tägigem Aufenthalte ein.'