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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-20 · Heft 2011 (20.9.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2011 (20.9.1924)
Date
1924-09-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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*->' 'v IPolen 20groszyj Wien; Zum Abholen in der Expedition, II. Tabor str. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure . der Firma Goldschmied, 1. Bcz„ Wollzeile 11 Mit Pö’stversattd für Wien u. Oesterr. monatl. K 40.000 Ts ehe eh o-Sl otoakei: Mon. K18. Jugoslawien: Möh. DinaröO. P o 1 e n: Mon S‘/|, Zloty, :D en t sch! and Mon. Goldmark 4, F r a n k r., rien; Mon, Frcs. 12 jMT N»eh za hl (in gen bd t '■ Pvdwrtiöfannzen Vorbehaltes «k. 2011 I Preis K 14001 Ei»gland: -Mph:4; Schilling. Ita 1 ienr Mona''. 12«Lire, R u man! v nlMoh. 150 Lei, Ru Ixarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und. das übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u. Administration ■Wien, II., Taboratrasse 1—3 Telephone; 44-0-38,43-3*19, ab 6 Uhr abds.21-102,25-282 IX. Ünlversltütsstr. 6—» (Druckerei Steinmann) fflien, @amsto0, 20. 8eDtember 1924 Oesterroiehisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 k.ZaHrgang Bis Mellens 1Z. F««i ISN. — SbligatorWe ZchiedsZZrichtsLarkeit! (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Genf, 1V. September. Die Entscheidung über die Einberufung der Abrüstungskonferenz ist Heute abends in der Unterkommission der Dritten Kommission unter Vorsitz von Dr. B e n e s ch gefällt worden. Sonach soll die Abrüstungskonferenz spätestens zum 15. Juni 1925 einberufen werden, nachdem das Protokoll, das aus der fünften Völkerbundversrmmlung über Schiedsgerichtsbarkeit und Sanktionen Hervorgehen wird, ratifiziert sein wird. Diese Ratifizierung soll bis zum 15. M a i 19 2 6 erfolgt sein. Ein Teil der Mitglieder der Unterkommissto« hatte gewünscht, daß die Ratifizierung dieses Protokolls erst nach der Abrüstungskonferenz erfolgen soll, und daß das Protokoll Aber die Sanktionen und die Schiedsgerichtsbarkeit erst zusammen mit der Entscheidung der Abrüstungskonferenz in Kraft treten soll. Man hat sich nun auf einer/mittleren Basis geeinigt, nach welcher das Protokoll über die Sanktionen und Schiedsgerichtsbarkeit^ zunächst ratistziert, aber erst iM K r a fl; treten foll^ BesHlAfse r^V AbeSstungsronferenz vOrliegien werden. -9 . ' . Genf, 19. September. Die Schiedsgerichtskommisfion des Völkerbundes hat beschlossen, daß a l l e M e in n n g s- Verschiedenheit e n, die juristischen und politischen nicht ausgenommen, dem obligatorischen SchiedSverfahre« unterliegen sollen. v Errichtung eines neuen Versammlungsgebiiudes. Genf, 19/-September. In der vierten Kommission wurden einstimmig z 4v. e i K r e d i t c' für ' die geistige Zusammenarbeit angenommen. . Dann kam die Frage der Errichtnng eines Versawmlungsgebäudes. aus dem von der Stadt Genf und dem Kanton GenfMMotenen Gelände zur Sprache. Die Kosten Werdm auffDMÄO Franken veranMügt^Sfe .sollen mit je 1,126.0MMHMn.anf die Jahre 1925 Wverteilt werden, ■ h~ ■' Die Frage des Irak. Lord Parmor ersuchte in der heutigen.S.i/. ng den VWevbunidva-t, der im Schreiben der engliischen Regierung vorgekbrachten Anregung zuzusttmmen. In diesem Schreiben tM die enOische Regierung dem BMerhundsetretariäte den Text der Verfassung des Irak,, so wie sie von der kottsMftrenhen' VechWmM m 10. FM^ 1S2L -Mche^rE'' " '.. Brantiyg MW den Vorschlag, den gesamten Fmgenlkpm^ uamieMch bezüMch der Ganzen des Jräk, auf eine fpÄere. Sitzung zu verschieben, um eim eingchendeve Pvüftmg des Protokolls zu ermöglichen. Der Rat beschloß in diesem Sinm und setzte sodann ferne Beratung über einige.ArtiÄel der Vertrüge von Saint-Germain, Trianon und Nenilly in geheimer Sitzung fort. Die Angeklagte« Pogromungarns. Don Josef Halmi. ■ In den letzten Tagen erhielten 26 derzeit in Wien übende ungarische Politiker, .Publizistenund Journalisten die Mitteilung-der Budrposter .königliche« Staatsanwaltschaft, daß die Verhandlung' in ihrer „Strafang elegenheit" in der-nächsten Zeit — eventuell auch in. ihrer Abwesenheit — äbgchalten werden wird. Es sind dies politische Flüchtlinge, die seit längerer Zeü die Gastfreundschaft Oeftererichs genießen Und von hier aus die öffentliche Meinung der Welt darüber aufklären und ans dem Laufenden erhalten, daß in dem Lande, in welches sie infolge eines seit fünf Jahren ununterbrochen herrschenden blutigen Militär- und Zivilterrors auch heute noch nicht zurückkehren können, diese Verhältnisse sich nicht geändert haben. Sie informierten die öffentlich.' Meinung darüber» wie Inden ans den Dörfern und Städten ohne 'Grund vertrieben werden, wie schutzlose Arbeiter unschuldigevweise beiseite geschafft, „nnverläßliche" Elemente in - Internierungslager gesperrt werden, und. daß auch heute noch der barbarische Numerus clausus als gesetzliche Institution zu,Recht besteht. Diese Männer nun wurden wegen dieser ihrer ehrlichen und selbstlosen Enthüllungen auf Grund eines im blutigsten Jahr des weißen Terrors geschaffenen Gesetzes - des Verbrechens gegen' das Anse Heu des ungarischen Staates und der ungarischen Nation im Anslande an- Sie MMrtontrolle in dm befiegten Staaten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Gens, 19. September. Die ständige Kontr-ollkow- Mission des Völkerkbnndes hat bekanntlich dem Rate einen Plan zur Errichtung einer Organisation für die sogenante Militärkontvolle in Deutschland, Oesterreich, Ungarn und Bulgarien vorgölegt. ' Me das „Journal de Geneve" erfährt, enthält dieser Plan unter anderem die Bostiimmung, daß die Ra ch barst aaten des zu überwachenden Landes je einen militärischen Delegierten zu ernennen haben, desgleichen sänrtliche Mitgllieder 'des, Bölkerbundmtes, und daß - der Rat dann aus der Reihe dieser Milittivdelegierten in jedem einzelnen Fall eine Kommfffron auswählt, die die Nachforschungen in dem betreffenden Lande zu pflegen hat. Die Kontrollorgane des Rates sollen so emgevichdet werden, daß sie, entsprechend dem Wortlaute der Friedens- Verträge, nicht eigentlich eine Kontrollorganisation darstellen. sondern nur ein Opt zur ständigen Unterrichtung des Bükkerbundes, die es diesem ermöglicht, zu jeder Zeit die Hm in den Friedensverträgen auserleg,ten Nachforschungen in den genannten vier Ländern vornehmen zu lasten. Diese Mitteilungen des Journal de "Geneve" sind, wie uniser Korrespondent mitteilt, in einem wesentlichen Punkte zu berichtigen. Die nmtralen Nachbarstaaten der vier Länder, die nach denr Friedensvertrag der Kontrolle unterliegen, sind absolut nicht zur Entsendung eines Vertreters in die KontroMommistion vorMehen. Nach den: Entwurf der MiMärkmnmistion kommen vielmehr nur die alliierten Nachbarstaaten der vier Länd^r/ä-ffo' zum Beispiel für Deutschland, Belgien, Polen und die Tschecho-SlckvaPeii, aber weder die Schweiz noch Holland uüd Dänemark in Betracht. Die offizielle Meldung. Gens, 19. Septemlber. Der Bolkerlbundrat hat heute in uichtöffenOcher SiMng die Frage des m den Verträgen von St.--Germa'in, .Neuilly, Tvianou -und Versailles .vorgefchenen Rechtes. des DMer'bundrates, bezüglich der Rüstungen gewisser Mächte Nachforschungen zu .Pflegen, einer Prüfung unterzogen. Nachdsm der Rat das Gutachten des Juristen- MHtzuHeS, den §r zu düjM Zwecke bchoagt hatte,, zur Kenntnis genommen hätte, beschloß er, den interessierten Mächten das Bedauern auszufprechen, den Ansuchen, die sie zwecks Teilnahme an den Beratungen des Volkerbnndrates über den zur Ausübung des Mchfovschungs rechtes, zu schaffenden Organismus gerichtet, hatten, nicht stcittgeben zu können. Echsnghak vor dem Eine bestochene Regiernngsarmee. Schanghai, 19. September. (Reuter.) Der aus Hang- Tschou nach Schanghai geflüchtete MÄiiärgouverneur von Tschskiang, Lu-yung-tschiang, hat eine Erklärung veröffentlicht, in der er seine Bereitwilligkeit zum Rücktritt ausfpricht. Die Unabhängigkeitserlklärung Hang- Tschous durch dessen Zivillgouverneur erfolgte, um die Stadt vor den . revoltterenden Armem zu retten. Die im Süden' stehenden Truppen Dschekiangs sind infolge Bestechung zum Feinde übergeg a n g e n, der aus Hang-Dschou vorrückt. Nur Schantungsche Wldnertruppen der Armee Tschekiangs halten noch die Linie'Jhing-Hang-Tschou. Die Kapitulation Schanghais wird für abends erwartet. Für die fremden Ansiedlungen besteht keine Besorgn i s, da die entsprechenden Maßnahmen, insbesondere die Landung internationaler Ma ri ne trupp en, getroffen sind. Tausende von Flüchtlingen treffen'in Schanghai ein. J ' General Sun-Tschang-Fa, der Militärgouver- ' neur von Fukien und Anhänger von Wu-Pei-Fu, marschiert - von Süden her gegen Hang-Tschvu. Man erwartet, daß er die Stadt heute oder morgen besetzen werde. Bor Nenwahlm in Polen? (Eigeudienst der „Wiener Morgenzeitung".)' ' Warschau,' 19. September. In hielsigen.güt infovmierten Es-D. jetzt am- Plätze, dir -wirkliche Sachlage .tiesex,,- und klarer' zu beleuchten. In Ängarn haben feitdem. Jahve 1919 OW-ere. der.sDetachomenis) Gche'impolizistm, Gendarmerie und die ln staaklich unterstützten antisemitischen Verbandenorgauisierten Banditen etwa 1 5000 Menschen einfach ermochet. In den ungarischen Ge-! genden wurden Pogrome veva-nstaltet. Ans den staatlichen ' Gefängnissen wurden Untersuchungshäftlingeherausgeholt und unter staatlicher Assistenz niedergemetzelt, ohne sich ans -ein Gerichtsurteil stützen. zu können. In den Kellern der militärischen Recherchierungsabteilungen wurden für Erpressungsverfuche aüsersehone Ju>den halbtot geprügelt. In den Polizeistuben sowie in den Sammelgöfängnissen und in den Jnterni-erungslagern wurden an Männern» Greisen und jungen Mädchen unbeschreibliche Greuel verübt, ohne daß den Verbrechern, die diese Schandtaten verübten. auch nur ein Haar gekrümmt worden wäre. In meinem Besitze befinden sich Protokolle, militärische Akten, staatsanwaltfchastliche Dokumente, die die eigentliche Enthüllung aller ' dieser unmenschlichen Verbrechen enthalten. Es ist nützlich, ewiges aus diesen Protokollen wiederzugeben, um darzutun, wer in Ungarn verfolgt und wer geschützt wird. Vor wir liegt zum Beispiel das mit dem jüdischen Kaufmann Ladislaus Berger fwn Rechltsschutz- L u reau der Budapest er Kultüsgemeinde in den ersten Monaten des Weißen Terrors, am 11. September 1919, au>fgenommene Protokoll über die Movd'bvennereien in Marcali, bei welchem etwa 30 Menschen ermordevt wurden. Ich besitze die Protokolle über die ungeheuerlichen Judenmorde in Diszel, über welche auch die ,Mener Morgenzeitung" seinerzeit wiederholt berichtet hat. Der überwiegende Teil der Verbrecher an diesen Ausschreitungen wurde überhaupt nicht vor das Gericht zittert, sämtliche Anführer, die auch'persönlich an den. Morden teilnahmen, sind im Wege der Amnestie der Strafe entzogen worden. Aber die 26 Männer, die es als ihre menschliche, bürgerliche und vaterländische -Pflicht ansahen, ihr Vaterland von idem Mördergesindel zu -säubern und den Schleier, den eine gefügige Justiz-über all die Schändlichkeiten gebreitet hat, zu lüften, werden wegen Verbrechens gegen das Ansehen des Landes vor die Schranken de's Gerichtes gezerrt. Das ungarische Gericht wird aufgevnfen, nicht etwa um die 126 von'uns namhaft gemachten Mörder äbzuurteilen. son-, devn diejenigen zu justifizieven, die sich über diese Morde empörten und die Aufmerksamkeit der gesitteten Welt auf ' sie lenkten. ■ „ Die 26 angeklagten Flüchtlinge sind stolz auf das, wäs sie 'getan haben, und was ihnen als Verbrechen an- Se.jmklu'Ls einleiten wird. Es soll, eine Koali-t ivn aller-linte n Parteic n geschaffen werden, Mit dem' ' Zwecke, noch, vor 1925 Re nwa h le n heMizuführen,' der. . Le^dey 'ietz^ Seftn Kr acheiMMühig erachten. staatlichen Staatsanwälte, in' den geringfügigsten Prozeßsachen, in 'denen ein Jude als.Angeklagter erschien, genügt, um ''Vorauszuahnen, welche Rolle uns zugedacht ist. Ich erinnere . wich di- Witwe des David Abraham, die noch Ende

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