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Wiener Morgenzeitung · 1924-09-19 · Heft 2010 (19.9.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 2010 (19.9.1924)
Date
1924-09-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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v 'ij,.i > '.•'<•?-•; v: .t »/.• .^-yf .i/m;,' 'Veite 2 Wk-.n. .Freilag Menev MoLgenzeituns.^ W< KDM 19. Gch^mber IM VA ffo ist es doch uuverEenubar, daß die Gemeinde deS Pa-^? lAfiSmus und der Demokratie anwächst. Es ist noch . nicht viel erreicht worden, aber das Feld der Kritik ist breiter geworden. Man ist nicht mehr geneigt, die Gott-.. Ähnlichkeit der Diplomaten, als . festes Faktum anzunehmen, weil man erfahren hat, wie leicht es ihnen war, die Volksstimme zu fälschen oder zu terrorisieren. Die Meiejchheit hat, ehe sie zur Gesetzlichkeit' kam, die Stadien der Urwaldtroglodyten, die einander auffraßen, der Ritter und RauMnige durchwachen müssen. Sie hat es in langen Jahrtausenden lernen müssen, für die Beziehungen der einzelnen zu einander und zu ihrer Gemeinschaft feste Normen zu schaffen. Sie geht erst jetzt daran, auch die Verhältnisse der Gemeinschaften, zu einander durch Recht und Gesetz zu ordnen. Die ° Genfer Debatte ist ein Anfang, und als solcher, aber nur als solcher, von Wert. Man wird dabei nicht stehen bleiben und zumindest durch den Ausbau des Völkerbundes, durch seine Ausdehnung bis zu den vereinigten Staaten von Europa, die Basis weiterer gedeihlicher Arbeit legem '_- Ae BSlkerbundversammlUW. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Schwierigkeiten -ei dev Beratung um die Schiedsgerichtsbarkeit. Nach einer MtteÄung, die der tschecho-stowcckische Außenminister Dr. Benes ch heute abends machte, ist der Entwurf Wer die Schiedsgerichtsbarkeit in der gemevnsaMLu Bevcvbu-ng der Unterkommissionen der dritten und der ersten Kommission auf größere Schwierigkeiten gestoßen als vorausgeschen war. Es handelt sich hierbei Vor allem mn die svüheve -oder spatere Einberufung de« Abrüstungskonferenz sowie um die Frage, ob das vorläufige Protokoll bereits vor der Wulbevichmg der Abrüstungskonferenz oder erst nach dem Zustandekommen des Entwurfes über die Abrüstung in Kraft treten soll. Dr. Bmesch gab der Hoffnung Ausdruck, daß trotzdem die endgültige Formulierung des Entwurfes morgen vorgenommen werden könnte. Die von Dr. Benesch angedeuteten Schwierigkeiten bei der Beratung des Schiedsgerichtsentwurfes sollen, wie Ihr Korrefpondent erfährt, ziemlich erheblicher N at u r sein. Bestnchers soll sich die französische Del egation der Einberufung der Abrüstungskonferenz widersetzt haben, .so lange nicht das vorläufige Protokoll von einer Mehrheit der Mitglieder des MWOundsZ oder von sämtlichen Mitgltede-rn des Bölkierblmdrates ratifiziert sei. Für die Erweiterung des Völkerrechtes. Genf, 16. SchÄmber. Die erst« Kommission beschäftigte sich Heute mit dem schwedischen Vorschlag auf Erweiterung des Völkerrechts, der, wie der Bericht der vorLevntenden Unterkommission ausführte, heute zu schr gÄegerver Zeit komme, wo friedliche Verhandlungen auf den verschiedensten Gebieten geführt werden stäken, Ln dem bestehenden Völkerrecht aber mancheM Bestimmungen fehlen oder AuffassnngsdWevenzen zwischen den verWedeuen Rechtssystemen herrschen. Die Kommlssran beschloß, die Eru'setzung eine's Juristerrkomitees, dessen WWeder die verischieidenen lb^WMn BAkenWsfysk-rna repraseMeren sollen. ' ' Jnternativnirle geistige Zusmnmenarbeit. / Die zweite Kommission der BWevbuudver- /ammlung hat heute abends den Antrag der franzöisWen Regierung auf Errichtung eines irrteruationa len Instituts für geistige. Zusammena r b e itmParis angenommen und in ihrem Beschluß der Meinung Ausdruck gegeben, 'daß dieses Institut nach seinem Programm und, nach der Auswahl des Personals absolut international sein mutz. Seine Verwaltung soll der Kormnifston für geistige Zusammenarbeit seM übergeben werden, welche Me Vollmachten an einen Rat aus Personen verschiedener Räsonen übertragen kann. Dieser Rat soll sich in Zwei Monaten versammln. Das Personal des Instituts wich vyn der KonnmfsiW von . -- Dü Bombenwerfer von Csongrad stehen unter dem Schutz der erwachenden Ungarn und der vassenschützleriischen Organisationen. Ihr Bert-eidiger ist Frynz Nlain und der berüchtigte WgeoMete Achner-Dmdvai ist nach Szolnok geeilt, um in seiner Eigenschaft als Journalist durch Zwifcheurufe das Gericht zu terrorisieren und den Angeklagten Mut einzuflößen. Die Angeklagten haben am ersten Tag der Verhandlung ihre ein gedrillte Rechtfertigung wie eine ungelernte Aufgabe hergchagt. Sie kerben alle und widerrufen alle ihre bisherigen Geständnisse, die ihnen «Weiblich durch Folterungen abgerungen tvorden sind. Liest man die lebhaften Schilderungen von den angeblichen Folterungen, so erkennt man sofort, daß ihre Instruktoren in der Technik der Folterungen und Erpressungen von Geständnissen geübte Meister sind, denn die Angeklagten erzählen von den' ausgesuchtesten Qualen, die wohl nicht sie, sondern Hunderte von Juden und Arbeitern, wie gerichtsmätzig nachgewivsen wurde, von den Schutzhenen der Bombentverfer von Esongrad ausgustehen hatten. und die ganz« Welt unbedingt notwendig fei. Die Engländer müßten den Deutschen, den Russen und den Franzosen helfen. _ 8er 21. WeMedemko»gre8. Für Abrüstung und Pau-Europa. Der 83. Weltfriedenskongreß findet, Me wir erfahren, vom 2. bis 8. OEto'ber in Berlin Mt. Der Kongreß wird einberusen vom Internationalen Verband der Friedeusgesellfichaften (mit dem Sitz in Gens), deren Präsident der derzeitige Vizepräsident des belgischen Senats, Henri La Fontaine, ist. In den Vollsitzungen des Kongresses werden beihandeitt die Frage der internationa'len Abrüstung und das Problem „Pan-Europa und Völkerbund". Zur Abrüstungsfrage werden referieren der bekannte Völkerrechtler Dr. Haus W e h b e r g urch der französische General Verraux; außerdem werden in.- der Diskussion ein höherer emKischer OWer und die deutschen Generale v. Deimling und Freiherr v. Schönaich sprechen. Zu dem Thema »Mu-Europa und VöMevbünd" erstatten die Referate Dr. Richard Cvud enhov e- Kalergi, der Führer der sranMschen Sozialisten Leon Blum (Paris) und Professor Walter Schückiug (Berlin). ' > '! Nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen werden folgende Länder vertreten sein: Amerika, Belgien, Bulgarien, Tiänemavk, Deutschland, Deutschösterreich, England, Fwukreich, Holland, Italien, Norwegen, Polen, Schweiz, Schweden, Tschecho-Glowakei und Ungarn, ZMrmltionale Smotratte. - London, 18. September. (Woitff.) Die vierte Session >des Internationalen demokratischen Friede n s t o n g r e s s e s ist gestern eröffnet worden. Norman An gell >betontte in sevlver BegrÄtzüngsansprache, daß die französischen und die deutschen Vertreter auf derselben Plattform zusammentreffen und hierdurch das Beispiel bürgerlichen Mutes geben, das dem besseren Verständnis unter den europäischen Völkern dienen werde. In ferner Eröffnungsrede führte Marc Sangnier (Frankreich) aus, daß das französische und das deutsche Volk leinen -Hatz gegeneinander hegen. Die WeltprMeme könnten nm vom moralischen Gesichtspunkte Ms gelöst werden. ' . Der Verleger der /Kölnischen BolksKeitung", Doktor Stock y, erklärte, er glaube, daß Deutschlands Eintritt in den Völkerbund von einem Ätz im Völkerbundrat und dem Verzicht auf eine Probezeit abhängig fei. Auch könne Deut'schlMd keinerlei neue Kriegsschuldcmerksnmrng abgeben. ' : ' . .! Die Versammlung beschloß, an Mac Donald, zHerriot mw Marx GlückwunMelegramM Ptm Er- ' folg der Londoner Konferenz zu sendeir.! In der Nachmittagssitzung sprach unter anderen Sir!George Psish, ausfüMch über die deutsche Anleihe, die w# #.m «Wtz> M fte KW-ck, Haienkreuzler-Titten. Berlin, 17. Septem'bex. (I. T. A.) Nach einem Tolegramm aus Hmdenburg sind dort am 14. d. die DeutschvöWischen, mit Schlaginstrumenten, ■ Waftersteinen und änderen Waffen ausgerüstet, in eine demokratische WahlerversämmlM-g eingedmngen und haben zahlreiche Versammlungstvilnehmer schwer verletzt. Die Vechamwlnng, in her zahlreiche Frauen anwesend wären, löste sich in wilder PanÄ au!f, Unter den Vev'letzten befindet sich der Rabbiner Dr. K a tz, der von einem VMischen mit einem Stuhlbein niedergeschlagen wurde. Die Erregungüber diese Roheit der DeutschMkilschen ist allgemein. Die Ortsgruppe Hindeniburg der dentischen demokratischen Partei wird gegen die Anführer Strafantrag wegen LarwfviÄenfbruch stellen. Die Schutzpolizei ncchm eine Reihe Ber« Haftungen unter den DeutschvöAischen vor. ' Jüdische Wühler! ä, i; Bis zum 28. d. müßt ihr euer Wahlrecht für die jüdische Gemeinde reklamüeren! Das Wahlrecht haben alle gro^ahrigen Steuerträger, welche mindestens in den dem Jahre der Wahl vorausgegangenen zwei Berwaltungsstchren in Kultussteuervorschreibung gestanden sind und die ihnen siir das Jahr der Wahl oder das vorangegangene Verwaltungsjahr statutengemäß vorgeschääena Kultussteuer bis zum Ablaufe der Reklamationsfrist e n t r i ch t e t haben. Nehmet Einsicht in die Wählerlisten (täglich außer Samstag von 9 bis 12 und von 2 bis 6 Uhr) an einer der folgenden Stellen: i - > 1. Bezirk: Seitenstettengasse 4, 2. Bezirk: (rechts von der Taborstraße) Tempelgasse 3, 2. Bezirk: (links von der Taborstraße) Malzgasse 16, 3. u. 11. Bezirk:-3. Bez., Untere Viaduktgasse 13, 4.,5.u. 10. Bezirk: 5. Bez., Siebenbrimnengasse 1, 6. u. 7. Bezirk: 6. Bez., Schmalzhofgasse. 3, 8. u. 9. Bezirk: 9. Bez., Seegasse 9, 12. bis 15l Bezirk: 15. Bez., Turnergasse 22, 16. u. 17. Bezirk: 16. Bez., Hubergasse 8, <18. u. 19. Bezirk: 18. Bez., Schopenhauerstraße 38, 5 20. Bezirk: Kluekygasse 11, 21. Bezirk: Holzmeistergasse 12. Vor allem aber: zahlt die rückständig e n K u l t u s st e u e r n! Reklamationen sind bis spätestens Sonntag den 28. -. schriftlich m der Kanzlei der Kultusgemeinde, Wien, 1. Bez., h einzMnM. - Von dem Momente an, als L-e uÄ'bä'bÄÄh! Ntzr W VechLNdluWKMl betrat, mwden 'die AnyMqMn iMn-r dreister in ihrer lügenhaften Ve-ÄMW«g^M in ihren antisemitischen «Nsfülltn. Lendvai, der vom JouulattstenUch den Gang der Vechandilungen unansgüsetzt Mte, würde wieidecholt vom Vvvsitzeuden zur Ordnung geölffen. Weser ungarische Mgwrdnete und Jominalist Lchner-Lendvai bmahnr sich überhaupt so, <ÄS wenn er und nicht der Senatsprästdent Da. Juchs di« VeshaMuug leiten würde. M bei BchaMnng der Vorgänge vor denr Bombenwurf der Vorsitzende den: HauMngeUagten P i r o Stü vochivlt, daß er zu seinen Komplicen die BemerAnirg machte: „Es ist schließlich nicht schade, wenn zwanzig Juden krepieren", schrie Abgeordneter Ächner-Äendvai in den.Saal: „Es hätten mehr sein sollen!" Dieser von magyarischen Kultur und chrWichna-ttonalenr GPM dnrchdvmrgen-e Zwischenruf wurde, allerdings vom VechaMnugsleiter überhört. Tumnite im Prager Rathaus. Prag, 18. September. Anläßlich der für gestern vor- 'MiiÄags göplanteit Eommmtistüschen Teueruing-sdeimowstra» tion, die durch berittene Polize-itruppen energisch unterdrückt wurde, kam es auch im Rathaus, wo gerade eine außerordeMiche Sitzung über die z>u treffenden Te-uerungSmaßnaHmen tagte, zu Tumultszenen, die von den kommMistischen Stadtverordneten wegen der Behandlung der Demonstranten durch die Polizei herv-orgerufen wurden. Nach Wiedrchevstellu>ng der Ruhe wurden verschiedene Anträge zur Bekämpfung der Teuerung angenommen, darunter Errichtung eines Zentralllagers zur Aufbewahnrng der von der Söadt gekauften Lebensmittel, Modernisierung der Markthallen - und Schlacksthäustr Beschaffung argentimschen Gssrievsteisches um zwei Millionen tschechische Kronen und schließlich definitive Zurückzichung der RegierungsvovlaM über einheitliche Getreideausmahlüng. - Inland. Sk Rlilttunst der WerreiWchen Seiegation aus Seuf. Heute vormittags treffen MMMWer Doktor Seipel, Finanzministex Dr. Kienböck und der Minister für Außeres Dr. G r ü n b erg er aus Genf Per ein. NachM-rtags findet om Ministerrat statt, in wuchern der BiündeÄkantzleir und der FinauzministLr über die Genfer Verhandlungen berichten werden. Der Chef der Reg>ierung wird fafoivt rrach stme« Ankunft mit den Führern dev- Parteien Fühlung nehmen. Am Mrnstag erfolgt dann seitens des Mndesikomzlers und deS FinaWninisters im Hauptausslchusse die Berichterstattung über das Ergebnis ^der Genfer Beratungen an die ParteiWver. . Die Herbstsession des Nationalrates wird sehr stark unter dem Einfluß der Maßnahmen süchen, die auf Grund - der Genfer BefcMsse W treffen sind. Ditzft Beschlüsse machen eine Reche von Vorarbeiten nOtveMg,, die auch bereits begonnen lvurden. Me lhie KvrvefPondAz ^H'erMsl erfW, stltd im F-vnauzminiisteriunr die Borbe-reitmge-st zu der in Genf verengten Herabsetzung der Bankenumf-atzsteuer und der Balutenumfiatzsteuer schon zum WMuß gebracht, worden. Im Laufe der kommenden Woche wird die Duvchführungsver^ zum Bankenkontrollgesetz erscheinen. Diese Vevoänungwird aber vorher noch VE MinHerrat geprüft werden. Zrwsbruü, 18. September. WmdeMMer S e i p e l ist knapp vor 88 Uhr Per durchgerefft. Doktor RiedeMerreichischer Landtag. Gestern erHMe der niederöstttreichische Landtag ise i n« sechste SchsiM mit zjwck Sitzungen. Die LMdesrelgierung brachte drei Bvrkagen dn, M> zwar dvtrelffend die N >c uvegeLujUg der außerordentlichen StraßivneixhallitunlgZibeliträlge, ferner betveffend die Ab- Lnderung des AniomobiHstenerigesetzes, drittens di« UMenchme der LamdeSgaranEien für ein G-oilddoliliar-An^kehen der' Nirderösterreichischen ElektviiFitätSlwirtschast8-A.-G. (Newag). Die zuletzt genannte Vortage wurde gleich in Behandlung genommen. Nach den Berichterstattern ergriff Lcmdechaupbmann B >n r >e s ch Pas Wovt zu der Vorlage imlb führte u. «. aus: Die Newag hat in ihrem Gebiete eine M o n o p o lstelbnn>g. Schon hen>te ülbersPanMN die NÄoag-Lcitungen ein großes Gebiet Niedevösterreichs und vevsoygen nelbst zahlreichen Firdustrieeu, besonders in den Jndustricbozirlen St. Pölten und Wiener-Neustad't, fast M) ländliche Gemeinden mit eM-rlscher Energie. Die MonoPostelluNg bnvgt dalfür, das; die Newäg in ihrer Entwicklung durch keinen KonkurrenBanchs gestört wird. Mt der Inbetriebsetzung der muen Wasserlkrasian'tagen ist für die Bereitstellung der ertfordevlichen EnepgieerzeäMNgsmNschinen vorgejsovgt. Das Werk Oberndorf ist bevsils im Betrieb, Brunnen selb >iNd Erlausbvden nehmen in Kürze den Betrieb aus. . -i.- . > Ohne weitove Debatte wurde daM der Gchetzentwurf einstimmig genehmigt. Sodam wurden Wahlen in die Va^nldeslchrevemennunyskommifsion und in die EmkomÄrenstauerschätzuugskonrmissiru vorgeuommÄi. Die Sitzung »vnöde hierauf ge sch lasse u. '^Sis.SsS 2K.|b. «n IM BMA, 4929

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