Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2010 (19.9.1924)
- Date
- 1924-09-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Po len 20 groszy 8 Wien: Zum Abholen in der Expedition, II. Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle (Trafik) monatl. K 40.000 Strassenverkauf in Wien durdi die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1. Bez., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien n. Oesterr. monatl. 40.00s Ta ch e c h o-S 1 owa k e i: Mon. K18. Jugoslawien: Mon. Dinar60. Polen: Mon 3V* Zloty, Deutschland Mon.Goldmark4, Frankr., Belgien: Mon. Fr cs. 12 BV Nachzahlungen bai Preiierhöhungen Vorbehalten Wiener BWWMtz ABÖISIME® PRÄMIE I Preis K 1400 England: Mon.4 Schilling. Italien: Mona'1. 12 Lire, Rumänien Mon. ISO Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, n„ Taborstrasse 1—8 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds.21 -102,25-282 IX. Uni versitätsstr. 6—8 (Druckerei Stelnmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 Nr. 2010 Wie«. Freitag. 19. September 1924 6. Fabrgang im Mnistenat. — Frühere E i1 (Ei-endienst der „Wiener Morgenzeiiurig". Berlin, 18. September. Reichspräsident E b e r L ist heute von seinem Erholungsurlaub nach Berlin wieder Zurnckgekehrt, während Außenminister S t r e s e m a n n sich auf eine kurze Urlaubsveise Legeben hat, von der er anfangs nächster Woche wieder zurückkehren will, um an der Kabinettssitzung teiilgunehmen. Die Meldung des Berliner Korrespondenten des ,/Daily Telegraph", daß d'er Kabinettsrat in der unmittelbar nachher für Dienstag angesetzten Sitzung den Antrag auf Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bekamt tgeten werde und daß die alliierten Dipllomaten in Berlin bereits im Besitze entsprechender Informationen sind, hat hier begreifliches Aufsehen erregt, und dies um so mehr, als die kompetenten Stellen sich hiezu bisher nicht geäußert haben. Es wird nur behauptet, daß die Meldung in obiger Form eine Mutmaßung sei. Wahrscheinlich hat man aber über die V o r f ch l ä g e, die dem Kabinett am Dienstag ■ gemacht werden.. .sollen,' konkrete Beschlüsse gefaßt. Auf die erneuten Erklärungen Lord P a r m o o r s und Pros/ Murr a y s, die diese beiden Politiker beiii 'Des sozialdemokratischen Pavlamentsdienstrs in Genf gegeben haben, bat das Auswärtige Amt den Botschafter St Ham er in London, der bei den jetzt so umstrittenen Gefpräcken im Landhause des Lord Parmoor die dolmetschende Nolle spielte, au'gefordert, sich dazu zu äußern. Eine Antwort des Botschafters ist bis gestern nicht eingegangen. Eine Klärung der innerpölitischen Situ a t i o n dürfte sich jetzt langsam vorbereiten. Aus Antrag des Zentrums und der Demokraten rechnet man mit einer baldigen Einberufung des Auswärtigen Ausschusses, der nach der Rückkehr des Re-chskcinzkers zu Beginn der nächsten Woche erfolgen würde. Es werden' zunächst die Führer der jetzigen Negierungsparteien empfangen werden und im Lause der Woche der Auswärtige Ausschuß zusammentreten.' Bei dieser Besprechung des Kabinetts mit den Führern der jetzigen Koalition beabsichtigen'diese, einen Antrag auf frübere Einberusunst des'.Reichstages zu stellendie üvfMmKich für den 15. Oktober geplant war. Man will den Reichstag schon für den 5. oder 6. Oktober einberufen. Ein englisch-deutscher Handelsvertrag. London, 18. September. Wie das Reutersche Bureau erfahrt, habe die englische Regierung jüngst die Frage des Abschlusses eines englisch-deutschen Handelsverträge's ins Auge gefaßt. Es sei noch kein bestimmter Entwurf ausgearbeibet worden, aber die englische Negierung habe durch Vermittlung der Bottschaft in Berlin Vorschläge gemacht, wo die Vorbesprechungen in der näch sten Woche beginnen sollen. gtalienisch-druWe Berljandlnngen. Rom, 16. September. Die italienische Regierung hat einen Fachmann nach Berlin entsendet, um dort die beivorstehenden Verhandlungen zwischen' Italien und Deutschland' Wer verschiedene Handels'konibentiouen vorMbeve-iten. Offizielle Kriegserklärungen. # . (Eigen'dienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 18. September. Wie aus Peking - gemeldet wird, hat der Präsident der Republik heule Donnerstag Tschang-Tse-Lin formell den Krieg erklärt, und General W ui- P e i - I u mit' der Durchführung einer Strafexpedition nach der Mandschurei beauftragt. Nach einer weiteren Meldung hat ein Luftig eschwader die Stadt Shang-Hai-Kwan bomlbardiert, nm die Eisenbahnverbindung zwischen Peking und Mulden zu zerstören. Doch soll das Bombardement wellig Wirkung gehabt haben. Nach einer Meldung aus Kanton, hat SnnHat-Sen ' leine Truppen in Dschili-Harr konzentriert. Za» Marolkoabentener. Primo de Nlvera will verhandeln. London, 17. September. (Hcivas.) „Times" melden aus Tanger: Wie verlautet, wünsche das spanische Direktorium sofort mit Abd el Kerim .tit Verh andlungen zu treten, um zu einem Uebereinkommen zu gelangen. Die Vorschläge der Spanier sollen jenem von 1923 nahekommen und das Auf geben eines großen Teile 8 von Marokko sowie die' Anerkennung des Sultans von Marokko als Kalifen von Tetuan znnr Inhalte haben. Die Rif-Leute dagegen, verlangen, wie ' es heißt, daß die vor dem französisch-spauischen Vertrag von 1912 besetzten Gebiete geräumt werden, und daß Spanien die volle Uni abliangigkett der Rif-Leute anerkenne. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 18. September. Der Präsident der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, Nahmn S o k o l o w, liegt an einem Herzleiden krank dm*.ex und besindet sich in einem Sanatorium in der Nähe von Berlin. London, 18. September. Das Nentersche Bureau meldet aus Bagdad: Obevkommissär Sir Henry D u b b 's ist gestern auf dem Luftwege von Kairo in Bagdad eingetrofsen. Gleichzeitig sind drei Mitglieder des britischen Parlaments von Bairut hier angenommen, um die Frage der Pe trol eums elder zu prüfen und die englischen und belgischen Petrolemngeoiete zu besuchen. Jer italienisch-Mdtische Grenstanffikt. Kairo» 18. September. (Reuter.) Trotz des halbamtlichen römischen Dementis erklärt-die ägyptische Presse, daß die L a g e ander t r i p o l i t a n i s ch e n G r e n z e in Verbindung mit dem Grenzstreit mit Italien sich derart rntuickelt habe, daß Grund z u r B e s o r g n i s bestehe. . Revolution bei den Alldeutschen. Berlin, 18. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitnng".) Der Sturz d e r P a r t e i l e i t n n g. derDentschnationalen wird rascher Tatsache werden, als bisher angenommen wurde. Wie die „Deutsche Zeitung" berichtet, treten uätnlich heute dje V o r.s i tz e n d e n der Land.esverb ä n d e der dentschnationalen Volkspartei in Berlin zusammen. Es wird hauptsächlich' die F r a g e d e 8 W e ch s e l 8 der Partei- und der F r a k t i o n s l e i t n n g zur Erörterung gestellt werden. Flpggenkonlurrenz ans de» WrMgei-Znseln. London, 18. September. Das Reutersche Bureau meldet ans M o 8 k a ü r Nach einer Meldung der RnssischewDelegraphen- Agentur hat ein russisches Schiff am 20. August, auf der 3L r a n g.e l-J n s e l die S o w j e t f l a g g e gehißt, auf der am 21. September v. I. von dem Polarforscher S t e p h e nf o u die b r i t i s ch e F l a g g e gehißt Word--: :.. — y. Wien, 19. September. Der Abrüstungsdebatte, die seit Beginn' der diesjährigen Herbstsession des Bölkerbnndrates dessen Politische Kommission beschäftigt, liegt nun ein Entwurf des tschechischen Außenministers Benesch vor, der zum Zweck der Gewährleistung eines dauernden Friedens einen internationalen Vertrag ansgearbeitet hat. Die Frage der Abrüstung, der Schiedsgerichtsbarkeit und der Sicherheitsgarantien wird .darin in präzisen Bestimmungen behandelt. An der Spitze steht die obligatorische Anerkennung dess ständigen internationalen Gerichtshofes. Der Entwurf scheint in der Form, in der er'zur Diskussion gestellt wird, politisch nicht ganz einwandfrei. Vor allem fehlt die unbedingte^ . voraussetznngs- und 'oorbehaLslose Verwerfung des Krieges als politisches Mittel, die'Achterklärung über die Gewasianwerdnng im interstaatlichem Leben, das freie und klare Bekenntnis zum Frieden und die Ablehnung der bewaffneten Organisationen,-die aus Staatsmitteln erhalten werden. Es findet sich kein Hinweis darauf, bis zu welchem Termin, die dem Völkerbund angeschlossenen Staaten ihre Gesetzgebung den durch den Vertrag getroffenen Bestimmungen angepaßt haben müssen, wann also der Vertrag — seine Annahme in Genf vorausgesetzt — in Kraft tritt, und was bezüglich jener Staaten borzusehen ist, die dem Bund nicht angchöreir.; M. muß auch für sie, für ihre Bewohner gelten, daß sie nicht außerhalb des neuen Rechtes stehen und daß ein Angriff auf sie ebenso gut ein Verbrechen ist wie das eines Krieges Mischen Bundesmitgliedern. Es mag sein, daß die gegenwärtig bestehenden politischen Spannungen die vernunftgemäße Erfassung der Abrüstungsidee verhindern. Kein Minister kann es heute wagen, in völkerrechtlichen Diskussionen den Begriff des Maates anders anzuwenden als den einer politischen Zusammenfassung von Menschengruppen. Eine solche Definition ist grundfalsch. Der Staat ist nur ein technischer Behelf, er ist keine Idee und auch nicht die Repräsentation einer solchen. Schon das Wort Völkerrecht negiert dies auf' das entschiedenste; mehr noch aber die Verhältnisse von heute, die fast in allen neuen Staaten Minoritäten zeigen, die mit der Gestaltung ihres Schicksals durchaus nicht einverstanden sein können. An der Existenz dieser Frage müssen alle noch so gut gemeinten Abrüstungsvorschläge scheitern, infolange sie nicht das neue Recht auf dem ewigen,! unveräußerlichen und unverjährbaren Recht der Völker , auf Selbstbestimmung und kulturelle Selbstverwaltung ' aüfbauen. Erft wenn , dies geschieht, kann ein internationales Recht geschaffen werden, das in das Bewußtsein der Massen übergeht und dort besser geschützt und garantiert ist als durch Sanktionen und Kommissionen, durch einen mühselig 'klappernden bureaukratischen Apparat. Man darf daran erinnern, daß seit Menschengcdenken alle Frredeusverträge mit' der feierlichen Formel „eines dauernden Friedens" eingeleitet wurden und daß alle ebenso feierlich eingesargt wurden, wenn es den Königen oder Präsidenten und ihren Schranzen so gefiel. Ein Weltfrieden ist nur auf dem Wege eines Weltparlamentes zir erreichen und diesem Ziel kommt man nicht näher, insolange nicht die Mentalität der Völker, der heute lebenden Generation ,,und ihrer Jugend auf dm Frieden eingestellt ist. Hier liegen die dynamischen und mechanischen Widerstände, die ausgeschaltet werden müssen. . Es gibt Unterdrücker und Unterdrückte, es gibt' vergewaltigte Rassen, gefesselte Nationen, denen, unter irgend einem Vorwand die Freiheit und das Recht auf eigenes Leben gedrosselt wird. Es gibt politisch und sozial gesehen, kein Menschenrecht, und so lange dieser Mangel besteht, so lange man dem blutigen Phantom des Staates die Individualität zuspricht, solange ist jeder Vertrag nichts anderes als ein Fetzen' Papier. Vor zehn Jahren, hat man erfahren, welche Bewandtnis es damit hat, und die Geschichte der Juden, , der Armenier, der Chinesen, der Koreaner und Neger beweist uns ebenfalls.in grausamster Deutlichkeit die Anämie der Diplomatenpapiere. - Wir stehen freilich erst am Beginne der Entwicklung einer neuen Rechtsauffassung. Im Krieg und durch den Krieg sind die Massen sehend geworden. und wenn- ’ gleich ste sich gern ein Schlummerlied lassen,