Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2009 (18.9.1924)
- Date
- 1924-09-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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FaszWsche Gewalttaten in Rom. Rom, 17. September. Heule um Mitternacht gelang! rs eini-Zen Faszisten, in das Pa r rc ilokal der- Maxi-! malist: sche >n Soziali st e n einaitbcirtflett und! samt tliche Register und Matte otti-Bro-! schüren zu vernich-ten. Als die Polizei ankam, entflohen sie. Gegen Morgen wurde versucht, in die Freij ma u r erlöge im Palazzo Giustiniani ein-ndringen, tvas i aber von der Wache vereitelt wurde. Man der Astzlrrchter in Frankreich. V» (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitüng".) " Paris, 17. September. Der „Matin" veröffentlicht ein s iJutervickw mit dem Jnnemninister Cha:rxte nt P 3. i Dieser erklärte, daß er sich gegenwärtig besonders ein-! dringlich mit der Ausländ erfrage befasse. Er wolle der- ' hindern, daß Frankreich der Zufluchtsort der ganzen . Alanteiurerwelt werde. Er werde darum alle unerwünsch-! ten Ausländer artsweise:: lassen, und fordern, daß sie nicht snur bis an die Grenze, söndern bis in ihr Ursprungsland zurückgefühvt werden, weiters werdet 'er die AufenthaltssLeUer um 10 Francs echöihen. i Die politischen F l ü ch t l i n g e werde er um« ^behelligt lassen, wenn sie sich ruhig verhalten. Es dürfe 'aber nicht mehr Vorkommen, daß, wie es kürzlich geschah, : eine Versammlung von 200 Revolrrtionären stattfindet, von denen höchstens 30 Franzosen gewesen seien. Was die Aufhebung des Bagno anbolangt, so werde diese Maßnahme bedeutende Kosten verursachen, weil nicht nur die Sträflinge nach Frankreich zu rück geführt, sondern auch die Gefängnisse in Frankreich umgeftaltet werden müßten. ©intritt von Radik-Abgrordnelen kr die Regkrmig. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitüng".) Begrab, 17. Septemibcr. Heute fand beim Mini'1erpräsidenten Dav id ov i c eine Konferenz statt, an welcher Korosre, Finanzminister Spa ho, Innenminister Petr o v i c und Außenminister Mari n k o v i c teilnahmen. Die Radic-Uibgeordneten Maeek und Predavee gaben im Namen ihrer Partei die Erklärung alb, daß die Partei bereit sei, au der Regierung teilzu nehmen. Die vier der Radio-Partei zur BerMgung gestellten Portefeuilles wurden hierauf wie folgt besetzt: Maeek, Minister für die KonMmnte; Predavec, Älgrarrefoum; Ko sutt c, Forste und Bergbau; K t n j e v i c. M>nilster Mr Sozialpolitik. 8ine blutige Versammlung i« Zaire. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Graz, 17. September. Die „Tagespost* . meldet aus Z e j c e, Laß es dort Sonntag anläßlich einer Versammlung der radikalen Partei, an der ungefähr 6000 Personen teilnahmen, zwischen den Radikalen und den Muselmanen z u blutigen Zusammenstößen gekommen ist, wobei sieben Personen getötet und zehn schwer v e,r w u n d e t w u r d e n. Das Sude der Matur in Spanien. s Madrid, 17. Septrrmlber. (Havas.) Nach Schluß der Unter dem Vorsitz des Königs a'bgchailten-rn Beratung des Direktoriums hat der König den Generäl Wehl er empfangen. In gut infoMiertstlpolitischen Kreisen vevlautet, daß der König nur die MÄühr Primo de Riveras äbwarten werde, um Generäl Weyler mit der Bildung eines Kabmetts mit Unterstützung von- Pe rsönli chkeiten der alten politischen Parteien zu betrauen. Der ErKergermörder Schultz identifiziert. (Cigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 17. September. Ter Untersuchungörichier hat nach der Prüfung der vom Qsfenburger Gericht eingetroffeuen Dokumente, welche die J-deutitat des verhafteten Försters -mit dem Erzberger-Mürder Schul tz beweisen, die Neb?t;eugung gewonnen, daß die Identität gegeben ist. Er hat ldes'halb die Dokumeute mit der Feststellung dieser Meinung dem Ausliefemngsseuat unterbreitet. g Bronay will nach Sesterreich lammen. (Cigeudienst der „Wiener Morgenzeitüng".) Budapest, 17. September. Paul P r o u a h erklävte heute, daß er drei Jahre lang versucht habe, die verschiedenen Assären, die ihn vom Honvedoberkoulmanbantcn Paul 9cagy an den Hals gehängt wurden, vor Gericht zu klären, doch habe inan unter verschiedenen Vorwänden fede gerichtliche Erledigung gemieden. Er sei durch dieses Hinhalten ermüdet und beschäftige sich daher nicht mehr mit dieser Angelegenheit. Er habe auch private Angelegenheiten. er werde nach Oesterreich gehen und sich dort aufhalten. (Hoffentlich erinnert man sich hier an kompetenter Stelle, daß P r o n a h einer der H a u p t o r g a n :- satoren der Ban de ne in fä lle war, die von Ungarn aus zur Zeit der Angliederung des Bnrgenlandes nach OÖsterreich hin unternommen wurden.) Wiener Wiener MorMrzeMrngl. t mi Der zionistische Parteitag. Der Parteitag findet voraussichtlich in der zweiten Hälfte November statt. Da im Sinne des. § 7 des Berbadsstatutes der Abschluß dex ParteisteuerverGechnuug und Vorlegung der Mitgliederlisten giftet Monate vor Evnibrrufung des Parteitages zu erfolgen hat, die lmeisten Sektioneir aber bisher nicht tu der Lage waren, ihre Parteisteuerbeträge abzuführen, hat sich die vor einigen Tagen stattgsfundene Parteiratssitzung gezwungen gesehen, diese Statutenbestimmung ansimhmswÄse für dieses Jahr dahin abzuändern, daß die Verrechnung der Partelsteuerbeträge endgültig bis I. Nov ember zu erfolgen hat. Die na ch dem 1. November abgeführten Parteisteuerbeträge koinmert für die Berechnung der Delogiertenntandate nicht mehr in Betracht. Jndenr wir sämtliche Sektionen, Sondewerbäude und Ortsgruppen auf diesen Beschluß des letzten Parteimtes arHmevkfam machen, fordernwir sie auf, mit dem Inkasso der Parteisteuerbeträge ehestens zu beginnen, damit die von ihnen einkassierten Beträge zum gegebenen Zeitpunkte abgeführt tverden können. Die Mitgliederve-rzeichmfse, sowie der Tätigkeitsbericht der einzelnen Sektionerr, Sonderve-rbände nnd Ortsgruppen, sind spätestens bis 12. Oktober den: Bureau des Landeskointtees, 2. Bez., Taborftraße 20a, ein.znschicket-. Zionistisches Landeskomit-e: für Oesterreich: Dr. N. M. Gelber. Ing. R ober. Stricker. Profeffor stgmont Münzer geftsrben. In Prag ist an: letzte» D-rnnerstag.der brlanute.Irrternift Professor Dr. Egnwrrt. Münzer im 59. Lebensjahre gostorbeu. In serneni Test-.v.icent ordurr-e er an, seinen Tod erst n-ach der Beerdigung, die ohne Austoa-nd stattprsinden hebe, belatmrzugeben. Dr. Münzer wurde 1892 ans Befürwortung fsnves damaligen GhefS Prot. Iaksch-Warterchorst Dezent an der Prager drutschrn Unioersitä-, 1?Ö7 m-ßerordenllicher Pröfeffor. Bor einem Monat er cirtstinrntig Mt Vorstand der PÄMnÄ ernannt, Hai aber diese Stelle tricht mehr <mtreten körn-eu. Im jüdischen Leben Prags trat Prosessok Münzer als warmer fürsorglicher Freund vor. jüdischen Studenten hervor. Er war o/uch MitMed der Keren Hcheffodkommisswn in der Tschecho-Slowakei. WillMer lieft nicht mehr. i Berlin, 17. September. (Tel. der ,Mener Mvrgenzeitung") Professor Richard Willstätter, DerÄschlallds berühmtester Chemiolehrer, -er, - wie noch erinnerlich sein dürste, vor einigen Monaten sein Lehramt an der Universität München wegen der dort herrschenden antisemitischen Strömungen niedevlegte und seAdem mehrere glänzende Anträge von ernheim'ifchen und auswärtigen Universitäten erhielt, hat sich nunmehr entschlossen, seine Lehrtätigkeit ganz aufzugeben und sich nur noch seinen Forschungen zu widmm. In dicksem Semester HM Geheimrat MllMter seine letzten Vorlesungen in München. ‘ f. ._ , Irahisell «ege« Auto. Berlin, 17. September. (Del.-Kamp.) Gestern abends WUvde in der Nähe des Bahnhoifes Chor in ein neues Drahtstilattentat ans einen AMmnobllisten verübt. Aus einer Mchtsthrt, die der Kan'stniann Lachotzki von Bovlm nach Stettin unternahm, bemerkte der Chauffeur plötzlich im Lichtkogel oin Drahtseil. Da er den Wagen nicht mehr zum Stehen bringen 'konnte, schaltete sr die höchste Geschwindigkeiit e-in und ffchr mit dieser gegen das Dmhtseil, das glatt zevviß, oh>ce den Maigen zu beschädigen. Das Automabil .konnte seine Fchvt strtsetzen. Plötzlich tauchte aus dem Gebüsch ein zweites Automobil aus'und vensvlgte das erste. Es entspann sich eine heftige Schießerei zwischen den beiden Automobilen; doch ftuffoe niemand verlletzt. . Loratelli In Aew-Dork mihhmüelt. Aus N e w - A o r l wird uns genteldet: Der irnlienifchr Weltstieger L o c v. t e % I -i, der als F a s z t st gilt, wurde ie-iint Verlassen des Theaters gestern abends voiv zahlreicher: italienischen K o m an uni st e n ü b e r lf u l l e n VUd mißhandelt. Ein Polizist, der ihm z-u Hilfe eilte, wurde durch mchrere Do'lchstoße gefährlich verletzt. Iss heimgesuchie gai-sm. Eine Taifun-Katastrophe. — 300 Menschen vermißt. Wie aus Tokio gemeldet wird, hat ein Taifun i-n vielen Gegenden Japans u tz b tz r s ch w e m m n n g e n 'hervorgerufen. In? einem Orte des Diistviktes Sar tama werden ungefähr 3 00 Mensche n v e r in ißt. Bierzigtausend Häuser stehen teilweise tt n t e r Wasser. . _ - Ler Mörder llomsd wieder verhüfiet. Genf, 17. September. Schweiz. Dep.-Ag.) Der Mörder des russischen Delegierten bei der Lausanner Konferenz W o r o >v 8 k y Müritz Conrad, ist in der vergangenen Nacht in einer Genfer Bar verhaftet tvorden, als er mit einem Revolver eine Tänzerin bedrohte. Conrad leistete bei der Festnahme verzweifelten Widerstand, konnte aber doch schließlich abgefiihrt-werden. Er wird heute früh einem Berhöt untMgem 3$. GeMmbU '3W r M. ÄM! Ern geräumiges Amtszimmer "im GÄLude der KultuS» 'gemeitch-e. ,/Was machst heim du hier?" ‘ fragt die Fürsorgerin und streichelt dem Kleinen die Wangen. „Sie haben doch die Verpflegsgebühr für diesen Monat rechtzeitig erhalten?" wendet sie sich an die Kostfrau des jungen. ,Lch Hab« den Josef nür hergeführt," erwidert die Frau, „weil er sich für det: Sommeraufenthalt bedanken will, er hat 2,8 Kilogramm zugenommen." Im Hintergrund des Zimmers probiert eine Fürsorgerin einem kleinen Mädchen ein treues Kleid air. Doch die dritte ■ Fürsorgerin läßt eben in strengem Tone ihre Stimme erschallen: ,Much ldiestr Meister hat. über dich Klage gefi'chrt; wenn du nun in der dritten Lehre nicht bleiben .wirst,, werden wir es dem. Jugendgericht melden und deine llebergäbe in eine. Besserungsanstalt Vorschlägen müssen." Es ist eigent-ümlich, wie viele Petenten sich im Vorzimmer dieser jüngsten,, aber schon heute größten jüdischen Fürsorgeitfftitntiot: drängen, die von der Zeuir-alstelle für südidische soziale Fürsorge m Wien zu Beginn dieses Jahres geschaffet: wurde und die den einfachen Titcil „Jüdische Jugeiwfürsorge" führt. Eben diese Einfachheit enthalt ein so un:- sasfendes Programm, daß sein voller Ausbau in den acht Monaten des Bestandes selbstverständlich noch nicht möglich war. .Immerhin, stchen bisher nicht weniger als 4500 Kinder unter den: Schutze der neuen Institution uttd sie ist auf den: besten Wege, zur tatsächlichen Zentrale der gesamten jüdischen Ingettdfüpsorge Wiens zu werden. . Aus dem Umstande, daß sie ihren Sitz im Gebäude der > Kültnögemeinde hat, wiäd nicht.mit Unrecht geschlossen, daß es. sich hier um eine Institution der.gesamten jüdischen Gemeitde Wiens handelt. Wohl ist. sie. keintz Institution der politischen Knltnsgemeinde, doch kann uran sie.als einen Ausdruck des en-dlich erwachten Zentralisierungswillens -er. gesamten... Jtldenheit in allen Fürsorgoangelegenheiten betrachten. Die ni:n so. lange anhaltende tvirtschasAiche Not hat den ' Niedergang zahlreicher kleiner Fürsorgevereine hevbeigeführt - und bewirkt, daß selbst scheinbar. fest fundierte Institutionen schwer um ihr Dasein ringen. Deshalb konnte in den letzten > Jahren die größte Anzahl der schutzbedürstigen Kinder nicht: ' .mehr von den bestehenden Vereinen und Heimen erfaßt werde«., Die Kleinen, tvelche durch die Not in die AMe der Justiz getrieben werde«, finden in der Jüdischen Jugendfürsorge Schutz, Rat mck Fürsorgeaiuisisicht, Kinder, deren schwächlicher Körper den: Elend zu erMegen droht, die kleinen Waisen, die in Pvivatpflege untevgebvacht sind, wissen, wo . ihnen Hilfe wird. Aber auch alle Wäisenhäuseir und gsleichartigeu Jntevmtte können mit Hilfe der Jüdischen Jugendfürsorge mmmchr Kinder cmfnchmen, für welche sotrst niemand MM Mtze Mh die auf der Straße veXkommen wären. . - ' Noch hat die Jüdische JUgendisüHortze große AHgaveir vor sich, noch ist sie nicht in >der Lage, alle kleinen Mischen Füvs-ortzeinfWubionen FU istützen und sie gu eilnheWicher gsmeinfamer Arlbürt zu führen. Mer was Vevöirtte Kräfte leisten ' Wunen, zeigt die soeben jäbgefchlossene So»Merschol.tmg der ärmeren jüdischen Jugend Wiens. Nicht nur, daß nahezu sämtliche seNständigen Mischen Echcküingsstäwm der einzelnen Vereine namhafte Sulbventionen von bete Jüdischen Jugendsüpsorge echielten, wurden auch nicht wAViger als 700 Kinder auf Kosten der Jüdischen JugendMrjsvvge in diesen Austatten oder in HMstätten urtteogebracht. Manche zu groß cmigoleigte FürslwgMtiion halben wir in den letzten Jahren austMchen und verschwinden gesehen, hier -aber kann es sich nicht um ein solches Irrlicht handelln. Die Not der Jugend hat den festen Willen evMgt, gründlich zu helfen, -t:nd das Verstandms der Wiener Judenschast wird dieses Werk imnrer größer wachsen lassen. . <D. A. Sie Marmrnen von Buchara. . Jnsolge der fortgesetzten Versolgtutgsn, denen die' Juden in B t: ch a r a von allersher seitens der Mohammedamr ausgesetzt waren, sind in verschiedenerr .Zsitepochen zahlreiche Juden in Buchara Und in dessen Hauptstadt Samarikand Mn m o h a m m e d a n i s ch e n Glauben ülbergetreten. In Buchara gibt es Städte, deren gange Bevölkerung aus solchen Mvrannen beisteht. Am bekanntesten ist unter ihnen die Stadt Nuds cheu t, wo vor Vielen Jahren Hunderte Jndeir zun: moihamtnrdanischen Glauiben rilbevgetveteru sind. Die Ortslbevölkerung gibt in ihrem Aussehen nnd in" ihrer ganzen Lebensart die jüdische SWammuntz zu ernennen. Der Wochenruihetag ist der Sabbat; die Fraüoir achten an den Freitagäbenden mit großer Genauigkeit auf das Ltchteranzünden, zu ei« gewissen Teil werdet: auch die ritu-. cKeit jüdischet: SpeisevorschvifteN beachtet. Di-e Sekte ist aber noch nrchr als die echten MchMMedaner a tt tijüdisch gcftimmt. (I. T. A.) Sie Attpenfimiften in Trieft nnd Mtieoi. Triesk» 17. September. (Tel. der „Wr. Morgenzeitüng".) Die Altpensionistenin den neuen Provnzen, deren Pensiouen bisher mit 80% in Lire ausbezahlt wurden, erhalten nunmehr die Pensionen, Gnadengehälter «nd Teuerungszulagen al pari (1 Krone a= 1 Lira). , , » Dar Wetter. Das Schöuwetter wurde gestern durch BÄvölikuug uiuter« brocheu. Die Bovaussage lautet: Kunze Stövtutg, vorüb:rgchettp stärker bewölkt, ohne wesentliche M-ederschläge.