Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2009 (18.9.1924)
- Date
- 1924-09-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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flto. 2009 __Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitung. 18. September 1924 Seile 8! -vtp'jnauttMn 100% reines Pflanzenfett to erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners S, B. Ehrenfeld, Mattersdorf 14 Um den Garantievertrag. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) Genf, 17. Septomber. Die UnterikiWMvisswtten der ersten und dritten 'Konrniission Hielten auch heute vormittags geheime Sitzungen ab, wornuö hcrvorgeht, dag die Fragder Garause < rä tz e und der S ck t o L r g? i chrS ba v k« t nc.ij nirt r so weit ge-. drehen sei, daß man von einer endgültigen Einigung sprechen Lonne. Der - Präsident des Zwölfemüsschusses der A>bvüistuingsLommission Dr. Benesch gab heute Pressevertretern gegenüber Erklärungen ülber den Stand der Arbeiten dieses.Ausschusses.'ad. Dr. Benesch erklärte: Die drei Punikte: S ch i e d s g e r i ch t sb a r k e i t, Siche rheit und Abrüstung "hangen'auf das engste miteinander zusammen. Das heute zur Behandlung stehende Projekt präzisiert, unter welchen Bedingungen, in welcher Weise und in weichem Umsang Sanktionen angewen-- betwenden sollen. Die Mitgliedsstaaten des VölkechunLes Wunen de-m VMevbundvat Mitteilen, welche Streitkräste Kur Verfügung zu stellen sie in der Lage sind, wenn es gilt, gegen einen dem Frieden bedrohenden Staat Maßnahmen zu ergvvifen, wobei ausdrücklich bemerkt werden muß, daß ditz-apolitische Souveränität eines Staates in keiner Weise berührt werden darf. Dem BMerbündvat wivd.die Pflicht obliegen, die nötigen Voribereitun gen für die . E inb e rufung einer Ab rüst u ntzs k o n ser e nz zu twffen. Zuim Schluß sagte Benesch. daß der nun vorliegendeEnttwurs noch zur 'allgemormn Aussprache vorgÄegt wevde, daß aber sestgestellt werden könne, daß umn heute die g r u n d s ä tz l i ch e n Frage n äls g e l ö st betrachten kann. Die ständige MilitärLommission hat heute unter dem Vorsitz des belgischen 'Generals d e Ceuninck ihre Arbeiten fortgesetzt. Sie hat den Plan für die Organisation entworfen, die dem VÄkerbuudrate zur Ausübung seines N a ch 's o r s ch n n g s r e ch t e s über die Rüstungen in Deutschland, Oesterreich. Ungarn und Bulgarien zur Verfügung stehen soll. In der zweiten Kommission des Völkerbundes wurde die Debatte über die geistige Zusammenarbeit fortgesetzt. Das A n g e b o 1 F r a u k r e i ch s, ein internationales Institut für die geistige Zusammenarbeit zu schaffen, wurde insbesondere von mehreren Vertretern unterstützt. Bonn et (Frankreich) stellte fest, daß das Institut vom juristischen Gesichtspunkte eine Stiftung sein und, den Charakter einer j u r \ st i s ch e n Persönlichkeit haben werde. Frankreich werde die Stiftung dem Völkerbünde übergeben, der sie leiten und deren Finanzen kontrollieren werde. Das Institut werde also einen ausgiebigen internationalen C h a r a k- •! Ler haben. Die allgemeine Debatte war damit beendet. Ein Nedaktionskomitee wird den Wortlaut der der Vollversammlung zu unterbreitenden Resolution ausarbeiten. Professor Wert E i n st e i n veröffentlicht int „Berliner Tageblatt" eine Erklärung gegenüber der Behauptung französischer Zeitungen, er hätte in der K:rn.Mission für internationale geistige Zusammenarbeit der Errichtung eines internationalen Instituts in Paris ohne Einschränkung zugestimmt. Professor Einstein habe'in voller Übereinstimmung mit Murray und anderen Kommist sionsmitgliedern gesagt, zum internationalen Charakter eines solchen Institutes gehöre es, daß sein Sitzin G enf sei nud daß es von mehreren Staaten gemeinsam unterhalten werde. Die französische Regierung könnte aber in Pavis ein französisches Institut' schassen, das von Fall zu- Fall für die Kommission Arbeit Tc'ifteu könnte. Nach eitler ausführlichen und teilweise erregten Beratung sei die Kommission zur e i u st i m nt i g e u B i l t i g u n g dieses S t a n d p u n t t e.s. Klangt, - und in diesem Sinne sei auch der Brief der franMscheu Regierung beantwortet worden. Gerade in dieser Dcbatte, sagt Prof. Einstein, habe sich der Wille zur Objektioi^.t auf das schönste gezeigt, der in dieser Kommission des BAkevbu.ndes hervsche, ' I l'i Vor bew Szolnoker Gerichtshof begann gestern die Verhandlung gegc-n sieben Mitglieder des Vereins der Erwachenden Magyarert in Csongrad lovgeit des Verbrechens des Mordes tu drei Fällen und des versuchten Mordes in 25 Fällen. Am 26. Dezember 1923 hatte dcx jüdische Fraueuvrrüu iu Csougrüd eine Tanzulttechaltuttg im Saale des Hotels „zum König von Ungarn" veranstaltet. Gegen Mitternacht, als die Musik eben'das Zeichen zum Beginn der Quadrille gegeben hatte, brach plötzlich eines der auf die Straße gehendett Fünfter in Stücke. Eine Handgranate flog iu Len Saal und explodierte mit betäubender Detonation. Der Saal, in welchem etwa 259 Personen versammelt waren, bot ein furchtbares Bild. Der größte Teil der Anwesenden flüchtete in wilder Hast Len Ausgängen zu, etwa vierzig Personen waren, von dem Mordwerkzeug getroffen, wehklagend und um Hilfe rufend, zu Boden gesunken. Das Dienstmädchen Julie Ragyja nos war das erste Todesopfer des Artschlages. Schwer verletzt wurden der Zigeunerprirnas Blasius Farkas und der Student Ladislaus Wolfs, die beide ihren Verletzungen später erlagen, ferner MagLa und Sarika Groß, Margit und Josef Fuchs, Lenke Kovacs, Stephan Princz, Bela Dekan, Frau Stephan F«he r, Frau Dr. V i d a, der Apotheker Heinrich Warna und seine Tochter Piroska, sowie Max Tobt a ch dem die Granate die eine Hand zerschmetterte. Die Anklageschrift erhebt die Anklage wegen des Verbrechens des Mordes in drei Fällen und des versuchten Mordes in 25 Fällen gegen den 25jährigen Landwirt Ladislaus S i m k o, den 32jährigen Agenten Nikolaus Bölönyi und gegen den Mjährigeu Landwirt Andor Fülöp als Täter, gegen bcu 26jährigen Kaufmann Georg Piroska, den 30jä>hrigert Realschulprofessor Johann Piroska, den 27jährigen Landwirt Johann Saghy und gegen den 22jährigen Landw irt Rochus Sag h h als Helfer s.h elfer. Die erstgenannten drei Angeklagten befinden sich in Haft. Laut der Anklage haben auf Anstiften der Brüder Piroska und des Johann Saghy Fülöp die Handgranate dem Bölönyi übergeben, und sowohl diesem, als auch dem Ladislaus Sinito Unterweisungen gegeben/ wie die Masse zu handhaben sei. Dem Mordanschläge sind Julie Nagyjanos, Ladislaus Wolfs und Blasius Farakas als Tote zum Opfer gefallen, (Rädiodienst der „Wiener Movgenzeitung".) London, 17. September. D Wien 317.500, Prag 149,50, Brüssel Nom 101,81«/. e y i s e n s ch I u b k u r 1 e' New-Aork —, Paris —, Zürich 28,70, Madrid 33,76'/,. Amsterdam 11,62 /., Kopenhagen 20.70l/2, Ehristtania 32,40V», Stockholm 1(5,80'/<i, Helsingfors 178'/,. Berlin 18,85, Athen 249»/,. Bukarest 847.50. s^onöon^ 17. September. E f f e k t e n k u r s e : Oesterreichische Anleihe 92, Tschechische Anleihe 102,50, Prager Anleihe 90.50, Skoda 91,—, Bankverein 7,8,—, Bodenkredit 18, Central Allning 1l,1, General Allning 11,9, Tiamonds 17,6, Debeers 11.50, Rio Tinto 34,125, Aoyal Dntch 28,25, Shell 3,825. Paris, 17. September. Die heutige Börse zeichnete sich durch große Lustlosigkeih aus. Der Umfang des Geschäftes war Kulisse Geschäftsstille, doch keine wesentlichen Knrseinbußen. London 83,51, New-?!ork 18,67, Belgien 93,05, Italien 82,05, Prag 56,70, Schweiz 351,54, Wien 26,30. Paris, 17 September. (Nadio.) Efsektenschlußkurse: BangUe de France —. Pragobanka 400,—, Credit Lyonais 16,60, Suez. 14,440, Platine 839, Dabrowa 689, Bcmque Ottomane 807, Central Allning 926, Rio Tinto 28,51, Le Naphte russe 385. Succeried Egypte 1612, Cautschoucs sin 147,—, Chartered 47,—, Debeers ordin. 965,—, Goldfields 81.5V, Huanchakas 831,—, Jägers Fontain 248,—, Malacca ordin. 153,—, Akalüofs 916,—, Aiexican Eagle 81,75, Padanq 371,—, Rand Fontain 78,25, Nandmine 236,—, Silva plana 152,—. Tmlganyika 166,—, Tubice soie 612 —, Utah Ccpper 1490, Shell 326,—, Royal Dntch 23,750, Bnrmah —, Bakon 26,35. New-Dork» 17. September. Effektenbörse Atchinson 104,875, Baltimore 61,50, Canadian Pacific 147,25, Cbeasepeacke 85,25. Eari 27,75, Great!) Northern 62,50 Milwaukee 13,125, Northern Pacific 61, Union Pacific 183,50. United Steelö 107, stioyal Dütch 41,50, Southem Pacific 93,875. ÄeW-Borl;» 17. September. (Radio.) Devtsenschlußkurte: Taggeld 2 bis 273#/0, Wechsel auf London 4.47,60, 60-Tagemechsel 4,44,25. Paris 5,34, Amsterdam 38,49, Prag 2,99'/», Berlin Schlnßknrs 237«, Silber 69'/«. %■ ff J4 fünfundzwanzig Personen trugen schwere Berletzuugett -davon. Es sind dies die folgenden: Bela Dekany, Ladislaus Groß, Elisabeth Toth, Marie Buck, Margarete Buck, Doktor Josts Buck, Heinrich Barüa, Piroska Barna, Max Tobias, Frau Dcartin Ehrlich, Frau Moritz Ehrlich Franz Hor-> I 'daO, Frau Franz Horvath, Eugen Reichlinger, Aladav Kris.tr, Frau Geza Baro, Magdalena Groß, Frau Doktor Arnold Groß, Charlotte Groß, Stephan Jeher, Frau Stephau Fcher, Dr. Alexander Bida, Dr. Artur Weiß, Stephan Princz und Lenke Kovacs, die als Geschädigte und Zeugen zur Verhandlung vorgeladeu sind. Die Berhandluug hätte vor dem Szegeder Strafgerichtshof als zuständigem Forum stattsinden sollen. Die Kurie fand jedoch aus Vorschlag der Staatsanwalt schult für geboten, einen anderen, den Szolnoker Gerichtshof, zu delegieren, um eine überflüssige Aufregung der Gemüter tuillichst zu verineideu und die Ruhe in der Abführung des Prozesses zu sichern. ' * In der Stadt ist keine sonderliche Aufregung wahrztt* nehmen. Das große Kaffeehaus war heule nachts bis 4 Uhr geöffnet. Georg Piroska geht in Oberleutnantsuniform unliher. Die wenigert bescheidenen Hotels von Szolnok sind alleübeofüllt. Zu der Hauptversammlung sind 120 Zeugen eingetroffett, und nterkwürdigerweise sind für das,Publikum nur ebenscbiel Einkrittskaretn ausg-egeberr worden. Sie sind selbstredend schon sämtlich vergriffen.' Tie Verhandlung leitet Präsident Dr. Julius F u ch s. Als Votanten wirken Alexander Folkushazy und Dr. Ladislaus B o r b e l y mit. Die öffentliche Anklage vertritt Präsident der Staatsauivaltschast Josef B o r s o s, während als Verteidiger bisher die Rechtsanwälte Doktor Stephan Szecsenyi (SZeged) und Dr. Franz Ulain (Budapest) angemeldet sind. Die Verhandlung dürfte etwa zehn Tage in Anspruch nehmen. In der güstrigen Verhandlung kam zuerst . , -er Angeklagte Simko Kirnt Verhör. Er hatte im Verlauf der Untersuchung eingestanden, daß Bö l ö ny i ihm' die Bombe in GegemvanL Fülöps übergeben und daß er die Bombe in den. Saal geschleudert fytik. Gestern-erklärte er, er fei nicht schuldig. Er sei von den Detektivs durch Drohungeu und Mißhandlungen zum Geständnis gezwungen worden. Auch Bölönyi beteuerte, daß ihm das Geständnis, durch! Mißhandlrtngen erpreßt worden sei. A der Tat habe er mit .St reise ma nn nicht, direkt gesprochen, da man einen Dolmetsch benötigte. Als solcher fungierte der deutsche Botschafter in London, S t h a m e r. Von englischer Seite wohnte der Bespvechrrng noch Professor Murray ibei. In dieser Besprechung wurden die Bedingungen, unter denen Deutschland in den Völkerbund eintveten könnte, ex- - örtert. Parmoor legte noch dar, er wolle, mit Rücksicht -daraus, daß das Gespräch privaten Charakter hatte, und daß Stresemann sein Gast war, sich nicht weiter äußern. Professor Murray erklärte seinerseits, er sei sehrerstaunt, daß Dr. Stveftmann der fast halbstündigen! Unterredung über das Verhältnis Deutschlands! z>nn Völkerbund und dern eventuellen EintM Dmtschland's! iu den Völkerbund anscheinend vergessen habe.; Auch Murray lehnte es ab, Einzelheiten über die Be-' sprechung bekannt zu geben. Das Wolffsche Bureau teilt mit: Gegenüber der vomj sozialdemokratischen Parlamentsdienst veröfsentlichten Er-! klärung Lord Parmoors, wonach dieser am 10. August in seinem Landhaus mit den 'deutschen Delegierten eine' private Aussprache iiber den Völkerbund und über die Bedingungerr für Deutschlands Eintritt in denselbetr gehabt habe, wird erneut festgestellt, daß keinem der Herren, die am 10. August bei Lord Parmoor waren, von einer solchetr Unterredung über den Eintritt Deutschlands in d?'" Völkerbund etwas bekarmt ist. Lie 3ollposten aus der Rheinliuie eingezgge«. Koblenz, 16. September. Die interalliierte Oberkommission hat sämtliche Zollposteu auf der Rheinlime aufgehoben. Die inrerallnertezt Dienstzwe-ige zur Einhebmtg der deutschen Stenern und Tavise werden gemäß dem Londoner Protokoll bis zum 21. Oktober funktiortieren und die Eingänge auf das Konto des Zahlungsagenten der Roparationskornntissiou einzahlen. Genf, 17. September. Die Meldung des Genfer Vertreters des Berliner sozialdemokratischen * Parlarmntsdietistcs, wonach Lord Parmoor erklärt habe, er habe schwt anläßlich der Londoner Konferenz mit Dr. St r e fern a nn über den Eirrtritt Deutschlauds in den P ö l r e r b ü n d gL-spvochen, erregt rtmsomchr Aufsehen, da sie int Gegensatz zu den Erklärungen stehen, die Reichsairißenminister Dr. St res ein a n « abgegeben hat. Lord Parmo:r erklärte Pressevertretern gegenüber, daß er an dem evwäh'nten Tag der Londoner Konferenz irr seinem eigenett Hause eine private Besprechung mit Dr. Stresemann hatte, der auch Relchssinanzminister Zgthpr und RoKkanzler Dr. Marx beiwoihnteu. In Verhaftete Hitlerianer. München, 17. September. (Wolfs.) Der „Völkische Kurier" nw'ldet, daß gesterrt im Auftrag der Staats-, anwalltschaift eine Anzahl PersMen der v ölk i schc u Veto e g u n g festgenommen und vom Untersuchungsrichter unter dem Verdacht der F o r t s ü h r ung verböten e r Organisatiotten vernontmen wurde. Unter den Festgenommenen befändet^ sich Qbeoleut'naut Bvück- «e r, Leutnant O ß w a l d, Dr. M e i d i n g imd Doktor Schramm. Ferner sollen zahlreiche Hausdurchsuchungenvorgenommen worden fern. Angeblich handelt es sich um .chr Kmnplott M Befreiung Artwrs.. ' ' "