Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 2009 (18.9.1924)
- Date
- 1924-09-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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"Seite 2 Wien, Donn-eMag Mener Morgenzeitung. 1A. September '1924 w: Nr. 2kW 20. Bezirk intprovisierte eine Versammlung und verlangte, daß ciue Abordnung von den auf der Straße versammelten Aribcitern in die Konferenz entsendet werde, damit diese Abordnung die Konferenz hindere, die VerembarungLlr anznuchtnen. Diesen: Verlangen wurde aber rvicht en-tjip-rochen. Da die Kotuumnisteu, die auch zahlreiche Arbeitslose zum VerfamnrlungÄokäl brachten, ihre Ver- - suche, die Ordnerkette zu durchbrechm, sortisctzten-, erhielt die Ordnevwehr > eine Verstärkung von 300 Mann, Im VersammlnnMaal erstattete zunächst Natwnalmt Wiebenhofer einen Bericht über die VechaMnuge» j mit den Unternehmern, die bis gestern 5 Uhr früh int In-. dustriehaus geführt wurden und die Zn den: bereits veröffeittlichten Vorschlag führten. Hieran schloß sich eine Debatte, in der nicht weniger als 24 Redner das Wort ergriffen. Die kommunistischen Redner machten den Unterhändlern der Metallarbeiterschast den Vorwurf, daß sie nachgogeben halben. Nach der Meinung der komemnttstischen Redner hätte der Streik noch weitergcfichrt worden und es hatten noch größere Streilv ebfchärfnngen emsetzen sollen. Dies führte zu Gegenkuindgobungen, und so gestaltete sich die Versammlung teilweise sehr stürmisch. Schließlich gelang es dm Gewerkschaftsführern, den Natiomlrüten Domes und Wiedenhof er und GeMeinderat Stein, ihren; Standpunkt zum Durchbruch zu bringen.; Das Ergebnis der fünfstündigen Delbatte war, daß die! Versammlung eine Resolution annahm, wonach die BetriÄbsrLtsvbmäunerkonserenz den Bericht seiner? Unterhändler zur K enntni§ nimmf und'! bfe getroffenen Vereinbarungen genehmigt.! Wenn die Vollversammlung der Jndustriellen den Vorschlägen gleichfalls Zustimmt, dann erfolgt der Abbruch des Streiks und die Wiederaufnahme der Arbeit.! In serrvem Bericht teilte Nationalrat Wiedenhoftr 'auch mit, daß die vollständige Einschaltung 'des elektrischen Stromes im 1. Bezirk aus tech- - nischen Gründen nicht mchr ganz möglich war, denn hiezu wären 320 Mann notwendig gewesen, die abends nicht mchr zur Verfügung standen.' Die vollständige Einschaltung des Stromes werde aber im Laufe des heutigen Tages erfolgen. Zer Prozeß Steiger abgehrschsy. Vor das Schwurgericht verwiesen. . (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung". ) Lemberg, 17. September. Heute mittags hat der Vorsitzende des Standgerichtes Dr. Metzer unter ungeheurer Spannung des Auditoriums, folgenden Beschluß des Standgerichts verlawtbart: „Mt Rücksicht auf die Unstimmigkeiten des Gerichts wird die Angelegenheit des Stanislaus S t e i g e r, der wegen Verübung des Attentates gegen den Präsidenten der Republik anMagt ist, dem gewöhnlichen Tribunalgericht abgetreten. Somit wird der Angeklagte SteiAr dem Geschwornengerichte überwiesen." Nach der Verlautbarung dieses, Beschlusses wurde Seiger unter starker Bedeckung ins Gefängnis überführt. Dem Beschluß -es Standgerichts ging eine Rede des Staatsanwalt voran, welcher, die Artklage voll aufrecht erhielt. Der Verteidiger des Angekalgten hat in feiner Schlußrede versucht, zu beweisen, daß der Anschlag das Werk einer geheimen militärischen Organisation war. Der Vater des Angeklagten Steiger wurde heute unter der Anklage, Drohungen gegen Hauptbelaskmgszeugm, die Ballettänzerin Pasternak, ausgestotzen zu haben, verhaftet. (Siehe unter „Gerichtssaal".) Sie Amtszeit Sir Herbert Samuels. / Jerusalem, 16. September. (I. T. A.) Auf die in Palästitta umlaufenden Gerüchte hin, daß der Oberkommifsär von Palästina, Sir Herbert Samuel, vor feiner Rückkehr nach Palästina einen Vertrag mit der britischen Regierung wegen Verlängerung seiner Amtszeit als Oberkommissär für wettere fünf Jahre abgeschlossen hat, fmete die Palästinensische T ele graphenagen tur an Zuständiger Stelle an, ob die Gerüchte zuweffen, und erhielt die. Auskunft, Sir Herbert Samuel hätte beschlossen, nach Ablauf seiner Amtszeit im Jahre 1925 nicht weiter in seinem Amt als Oberkommissar für Palästina zu verbleiben. Weiter wurde hinAUgeftigt, Är Herbert Samuel beabsichtige nach dem Verlassen des Amtes noch ein Jahr in, Palästina zuzubringen, um sich hier literarischen Arbeitelt zu widmen. Sir Herbert Samwl gedeM ent Werk über Palästina zu verfassen. Sir Herbert Samuel hat schon bisher tmbeu feiner politischen Tätigkeit eine 'beträchtliche Anzahl politischer Schriften verfaßt. Unter seinen PtMlatioueu sind neben zahlreichen Flugschriften, und Aufsätzen zu nennen: „Der Liberalismus und seine Prinzipien" (1902); „Der Krieg und die Freches (1917). ' Ermordung des mongolischen Ministerpräsidenten. London, 17. September. (Reuter.) Die Blätter melden llus Tientsin: Der mongolische Ministerpräsident £>r. Dazan wurde von mongolisch e n B o l f ch edoiken ermordet,- die mit Peking ein Komplott zürn p/imfall der MvMgM m Wma aGvzMlt haben. Bor der Meise ms Genf. AMrungeu Seipels und Kienböcks an die Presse. (Eigendienst der „Mener Morgenzeitung".) Gerts, 17. September. Im A-ttschlnsse au die Sitzung . des Vö'lkcrbtittdrates fand ein P re s s ee m p f a n>g statt, dem unter anderen der österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel, Minister des. Aeußern Dr. Grün b e r g e r, Fianzminifter Dr. Kienböck und Generalkommissär Dr. Zimmer man beiwohnten. Bundeskanz.'.r Dr. Seipel ergänzte die Ausführungen, die er im Schoße des Rates gemacht hatte, durch einige Worte. Ex stellte vor allem fest, daß der Pessimismus, der noch imrJahre 1922 herrschte, vollständig verschwunden sei. Er wies-als Anzeichen dafür, wie wertbeständig die Krone geworden sei, darauf hin, daß die letzte Krise, die Oesterreich heimsuchte, den Kurs der ÄToitc nicht >habe verschlechtern können. Jur weiteren sagte Dr. Seipel, daß zwei gute Nachrichten aus Oesterreich eingetroffen seien: Die eine, daß die allgemeine Preissteigerung und Teuerung -zum Stillstände gekommen fei, und die andere, daß der M-et aller.-eit erstreik vor seinem Abschlüsse ste>he. Doktor Seipel erklärte weiters, daß die österreichische Delegation . nicht alles erhalten habe, wa's sie wollte, daß sie aber mit dem Resultat dennoch Zufrieden sein könne. Wohl hätte man gewünscht, daß ein höheres Staatsbudget bewilligt worden ’hxii'c. Zum Schlüße sagte Dr. Seipel, daß mau natürlich so lange nicht von einem normalen Wirtschaftsleben in Oesterreich sprechen könne, bisdie Krücken, ' an den Oesterreich heute noch marschiere, in Wegfall gekommett feien. Finanzminister Dr. Kienböck gab hierauf ebenfalls einige Erklärungen ab und wies namentlich darauf hin, daß das Finanftomitee für Oesterreich die Devisenbewirtschaftung als entbehrlich betrachtet habe, müsse als besonderes Zeichen des Vertrauens angesehen werden. Das Finanzkomitee billigte den Plan der Regierung, in der nächsten Zeit a uf eine neue Währungseinheit Überzug eh e n. Von der Rationalbank werde verlangt, daß sie sich der Be-deutung ihrer Zinsfuß Politik für das allgemeine Preisniveau bewußt sei. Er betonte, daß eine Entlastung der Wirtschaft in steuerlicher Hinsicht eintreteu müsse, um das ökonomische Gedeihen zu sichern. Der Plan des Finanzkomitees, sagte Dr. Kienböck, ist getragen von der ÜMrzvugUW, daß.Oesterreich neue langfristige Kapitalien .aus dem. Auslände braucht, weshalb die. Jn-ufttteMigationen. 'besonders be- '-handelt werden. . ..... ln i .' 1 -.r~'=51 Versuchen Sie unseren Sßidenttrumpf * nur L Trattnerhof 2 (Graben) Rdifchr Wötzlerl Bis zum 28. d. müßt ihr euer Wahlrecht für die jüdische Gemeinde reklamieren! ' Das Wahlrecht haben alle großjährigen Steuerträger, welche mindestens in den dem Jahre der Wahl vorausgegangenen zwei Verwältungsjayren in Knltussteuervorschreibung gestanden find und die ihnen für das ' Jahr der Wahl oder das vorangegangene. Verwaltungsjahr statutengemäß vorgeschriebene Kultussteuer bis zum Ablause der Reklamationsfrist entrichtet haben. N e h m e t E i n s i ch t i n d i e W a h l e r l i st e n (täglich außer Samstag von 9 bis 12 und von 2 bis 6 Uhr) cm einer der folgenden Stellen: > 1. Bezirk: Seitenstettengasse 4, 2. Bezirk: (rechts von der ' Taborstraße) Tempelgasse 8, 2, Bezirk: (links von der Taborstraße) . Malzgasse 16, B 3. u. 11. Bezirk: 3. Bez., Untere Viaduktgasse 13, 4.,5.u. 10. Bezirk: 5. Bez., Siebenbrunnengasse 1, 6. «. 7. Bezirk: 6. Bez., Schmalzhofgasse 3, , 8. u. 9. Bezirk: 9. Bez., Seegasse 9, 12. bis 15. Bezirk: 15. Bez., Turnergasse 22, 16. u. 17. Bezirk: 16. Bez„ Hubergasse 8, 18. n. 19. Bezirk: 18. Bez., Schopenhauerstratze 39, , 20. Bezirk: Klmkhgasse 11, 21. Bezirk: Holzmeistergasse 12. Vor allem aber: zahlt die rückständigen Kultussteuern! Reklamattonen sind bis spätestens S o n n t a g d e n 2 8. d. s ch r i f t l i ch in der Kanzlei der KrUtgIgemeinde, Wien,. .1. Bez., SoitenstütongaNe 4, e-mzwbckugen. ' Der Generalkomntissär - -es Völtebbündes in Oesterreich, Dr. Zimm«rnran'.stellte beit großesi Fortschritt fest, den das Wevk des Völkerbundes in Oesterreich vollbracht habe. Durch die gegenwärtige Tagung sei das Werk noch aus eine ibreitere, stabile Basis gestellt worden. Alle Mitglieder der Finattzkomntisston seien von dent Wunsche beseelt geweser:, diese Basis zit festigen, n>in dadurch Oesterreich die Aufnahme ftemden Kapitals zu ermögltchen. Es müsse betont werdet:, daß dieses Kapital nicht durch die Völkerbuttdanleihe oder dttrch die Notenpvesse, sondern durch auMndische Hilfe aufgebracht werden könne. Das ÖlitMctnb habe aber mtr dam: Bevtrancn in Oesterreich, wenn das -Wirtschaftsleben stabil bleibe. * Bundeskanzler Dr. Seipel und Minister des Aenßern Dr. G r ü tt b e r g c r hatten 'heute mm 11 Uhr vormittags eine Besprechung mit dem Ghef der französischen Delegation beim.BöHerbttnd B r t a n d. Morgen um 7 Uhr 30 Minutett früh erfolgt die Abreise der Mittister aus Genf. BundeskanZler Dr. Seipel und die Bttndes- . minister Dr. G r ü >u b e r g e r nnd Dr. K i e n b ö ck werden voraussichtlich im Laufe des F r e i t a g i n W i e n eintrefseu. Der Präsident i>e§ Nationalrates Miklas hat als Vorsitzender des Hauptansschusser diesen für D i eustag den 23. d-, 4 Uhr uächmittags,.mU der Tagesordnung Berichterstattung über di^ G c n f e r V e r h a n d l tt n g. e n" einbevufen. * . In der vom Kotttrollküntitee in seiner Sitzung vom 15. d. beschlossenen und vom Völkerbundrat in seiner Sitzung am 16. d. genehmigten Resolution heißt es unter anderem: Das KontroMontitee 'Hai den 'interessanten Bericht zur Äemttnis genontmett, der dem österreichischen Komitee vom Finanzkomitee und vom Ge-neral'kommissär vorgelegt worden ist. Es liegt Lern Konwollkomitee daran, ihevdorzuheben, welche Bedeutung es darauf legt, daß die in dem genannten Bericht aufgestellten Reformen ohne Bering ins Werk gesetzt werden. Es wsinscht dem Generalkomntissär seine besondere Genugtuung für die Art ansAUsPvechen, in der er seiner Aufgabe nachgeLommen ist, und erneut ihm dm Ausdruck si'wls vollen Vertrauens. tznglische ParlamrMrier in PaWlna. Jerusalem, 16. Septenrber. (I. T. A.) Fünf Pavla« ntetttsntttgli'eder, unter ihnen Herr T. GriMhS, Deputierter der Arbeiterpartei für Ponchpool, und Herr Mfved T. Davies, ronservatives ParlamentsmWieÄ für LÄtcoln sind m 11. September in Jerusalem eingetröften. Die Parlaimentarier Mächen eine Reise durch den Orient, um die Erziehungsv'evMtnisse in die«s>em Delle dev Welt zu studieren. Am 11. September hat die Jevusalemer Stadtverwaltung, zu Ehren der Gäste, einen. Mpftmgsabend veranstaltet. . Sie Kämpfe um Mekka. i London, 17. September. (Del. der ,Mener MorMv/ zeitung".) „Daily TÄegraph" meldet, daß der Verwalter - der ägyptischen hellig>en Stiftungm in Mekka seine Regierung telegraphW verständigt halbe, daß die Mahabi die Nähe von MelM erreicht -haben. Die Negierung hat daraH Jnstrulktionen erteilt, die Gelder nach Dschiddah zu überfuhren. Die ägyptischen Beamten und deren Familien weriden sofort aibreisen. ,Mxchauge Delegraphe" meldet, daß der Fall von Mekka unmittelbar bevovstcht. Der britische Konisul in Dschiddah ist autorisiert, jeden Schritt für den Schutz der britischen UnteviaMN und Interessen zu Mternchmen. — (Der MHM-Stamm hat anfangs dieses Moinais die Stadt Tals im Hvdschas erobert und ist von hier, gegen Mekka vorgsgangen. Die kürzlich aus Konstanti>uopel!gelommeue Nachricht von dem Abimabsch britischer Truppen aus Bagdad zur Unterstützung König Husseins wich aus London dsmenbievt. Die Red.) M brastlische Revoliltion. Auenos-Aires, 16. September. (Reuter.) Brasilianisch Revo lutiouäre haben sich der Häfen von G u a y r a und M e n d e z (Südbrasilien) bemächtigt, wobei sie alle B u n d e 3 s o l d a t e n töteten oder inS Gefängnis warfen. Mehrere Hunderte Flüchlinge kamon in Puerto Aguette ^Argentinien) an. ,_ Sie dänischen Neuwahlen. . Kopenhagen, 17. September. Die E r g ä u z >tt u g §* Wählen zum La,n>ds>ching brachten für die Sozialdentokraten einen G e w i n n' von d r e i M a tt d a i e n. Die Bauerrtpartei verlor drei Sitze, die Konlservativen einet: Sitz. Durch diesen Mahlmlsgamg hat die Regierung die er-, waMe MMt Kr M MMMgsAäne nK seKAn.